Patisiran

Wirkstoff gegen hereditäre ATTR-Amyloidose, der auf RNAi beruht From Wikipedia, the free encyclopedia

Patisiran (Onpattro, Hersteller Alnylam Pharmaceuticals) ist ein Arzneistoff zur Behandlung der hereditären ATTR-Amyloidose (hATTR).[2][3] Es ist der erste zugelassene Vertreter („First-in-class“) einer vergleichsweise neuen Wirkstoffklasse, die auf der RNA-Interferenz (RNAi oder auch RNA-Silencing) beziehungsweise der Gen-Stilllegung beruht.[4] In den Biowissenschaften hat sich RNA-Interferenz als eine Möglichkeit zur vorübergehenden Stilllegung von Genen („Gen-Knockdown“) etabliert. Man spricht bei dieser Substanzklasse von RNAi-Therapeutika.

Schnelle Fakten Nukleinsäure, Allgemeines ...
Nukleinsäure
Patisiran
Nukleoside: A = Adenosin, C = Cytidin, G = Guanosin, U = Uridin, dT = Desoxythymidin
Allgemeines
Freiname Patisiran[1]
Identifikatoren
CAS-Nummer 1420706-45-1
Wirkstoffdaten
DrugBank DB14582
ATC-Code N07XX12
Wirkstoffgruppe RNAi-Therapeutikum
Wirkmechanismus Transthyretin-Protein-Syntheseinhibitor
Eigenschaften
Größe

13384,11 g·mol−1

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Patisiran hat Orphan-Drug-Status, das heißt, es ist ein Arzneimittel gegen eine seltene Krankheit.[5][6]

Anwendungsgebiet

Patisiran wird zur Behandlung der hereditären Transthyretin-Amyloidose (hATTR-Amyloidose) bei erwachsenen Patienten mit Polyneuropathie der Stadien 1 oder 2 angewendet und intravenös infundiert.[5][6]

Gegenanzeigen und Nebenwirkungen

Patisiran darf nicht bei einer starken Überempfindlichkeit (z. B. Anaphylaxie) angewendet werden.[5][6] Es wurden keine formalen klinischen Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen durchgeführt.[5][6] Die häufigsten Nebenwirkungen, die bei mit Onpattro behandelten Patienten beobachtet wurden, sind periphere Ödeme (29,7 %) und infusionsbedingte Reaktionen (18,9 %). Die einzige Nebenwirkung, die zum Absetzen von Onpattro führte, war eine infusionsbedingte Reaktion (0,7 %).[5][6]

Wirkungsmechanismus

Patisiran ist eine siRNA und zielt auf eine konservierte Sequenz in der 3′-untranslatierten Region der mRNA für TTR (Transthyretin).[7] Es kommt zu einem katalytischen Abbau der TTR-mRNA in der Leber und in der Folge zu einer Reduktion des TTR-Proteins im Serum. Der Wortstamm -siran im Freinamen des Arzneistoffs steht für „small interfering RNA“.[8]

Zulassungen

In den USA wurde Patisiran am 10. August 2018 von der FDA zugelassen.[4] Am 27. August 2018 folgte in der Europäischen Union die Zulassung zur Behandlung der hATTR-Amyloidose bei erwachsenen Patienten mit Polyneuropathie der Stadien 1 oder 2 durch die Europäische Kommission. Onpattro wurde im beschleunigten Verfahren zugelassen, das bei Wirkstoffen zum Einsatz kommt, die einen hohen „ungedeckten medizinischen Bedarf“ adressieren.[5][6] Es gibt kaum Behandlungsmöglichkeiten. Patisiran ist nach Tafamidis (November 2011) und dem im Juli 2018 zugelassenen Inotersen das dritte Arzneimittel zur Behandlung der hATTR-Amyloidose.

Die Zulassungen basieren auf den Ergebnissen der Studien

  • APOLLO (Phase 3): The Study of an Investigational Drug, Patisiran (ALN-TTR02), for the Treatment of Transthyretin (TTR)-Mediated Amyloidosis.[9]
  • OLE (Phase 2): The Study of an Investigational Drug, Patisiran (ALN-TTR02), for the Treatment of Transthyretin (TTR)-Mediated Amyloidosis in Patients Who Have Already Been Treated With ALN-TTR02 (Patisiran).[10]

Frühe Nutzenbewertung

  • Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) attestiert dem Wirkstoff Patisiran im Rahmen der frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln nach § 35a SGB V einen „beträchtlichen Zusatznutzen“.[11]
  • Der Vorsitzende des G-BA, Josef Hecken, wird zitiert: „Darüber hinaus zeigt z. B. das Ergebnis für das Orphan Drug Onpattro® (Patisaran), dass es sehr wohl möglich ist, auch für Arzneimittel zur Behandlung seltener Erkrankungen aussagefähige und verwertbare Studien vorzulegen, einschließlich valider Daten zur Lebensqualität.“[12]

Sonstiges

Patisiran hat in den USA im Jahr 2020 den Arzneimittel-Award Galenus-von-Pergamon-Preis („Prix Galien“) in der Kategorie Best Biotechnology Product gewonnen. Die Jury würdigte damit die Nobelpreis-prämierte Wissenschaft hinter Onpattro und ihren Nutzen für Patienten mit hATTR.[13]

Literatur

  • Ole B. Suhr, Teresa Coelho, Juan Buades, Jean Pouget, Isabel Conceicao, John Berk, Hartmut Schmidt, Márcia Waddington-Cruz, Josep M. Campistol, Brian R. Bettencourt, Akshay Vaishnaw, Jared Gollob and David Adams: Efficacy and safety of patisiran for familial amyloidotic polyneuropathy: a phase II multi-dose study. In: Orphanet Journal of Rare Diseases. Band 10, 2015, S. 109, doi:10.1186/s13023-015-0326-6, PMID 26338094.
  • David Adams, M.D., Ph.D., Alejandra Gonzalez-Duarte, M.D., William D. O’Riordan et al.: Patisiran, an RNAi Therapeutic, for Hereditary Transthyretin Amyloidosis. In: N Engl J Med. Band 379, 2018, S. 1121, doi:10.1056/NEJMoa1716153.
Commons: Patisiran – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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