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Pinnow (Karstädt)

bewohnter Gemeindeteil der Gemeinde Karstädt in Brandenburg From Wikipedia, the free encyclopedia

Pinnow ist ein bewohnter Gemeindeteil im Ortsteil Pröttlin der amtsfreien Gemeinde Karstädt im Landkreis Prignitz in Brandenburg.[1]

Schnelle Fakten Gemeinde Karstädt ...
Pinnow
Gemeinde Karstädt
Koordinaten: 53° 13′ N, 11° 36′ O
Höhe: ca. 41 m ü. NHN
Eingemeindung: 1974
Eingemeindet nach: Pröttlin
Postleitzahl: 19357
Vorwahl: 038797
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BW

Geografische Lage

Pinnow liegt im äußersten Nordwesten der Gemarkung und grenzt im Norden und Westen an Mecklenburg-Vorpommern. Südwestlich liegt der zugehörige Ortsteil Pröttlin; im Nordosten Groß Warnow und im Südosten Sargleben. Die Bundesautobahn 14 führt nordöstlich am Gemeindeteil vorbei. Durch den Ort führen die Landstraße 134 sowie die Kreisstraße 7048. Die westlich gelegenen Flächen werden durch den Graben M-11 in den Meynbach entwässert. Das Gelände liegt auf einer Höhe von rund 41 m ü. NHN.[2] Pinnow ist ein durch Gutsbildung deformiertes Sackgassendorf mit Dorfkirche. Etwa 1 km nordwestlich des Ortes befindet sich in sumpfiger Niederung die als Burgwall bezeichnete Anlage, eine ovale Niederungsburg. Es handelt sich um einen alt- und jungslawischen Burgwall des 9./10. bis 12. Jahrhunderts; zudem wurde spätmittelalterliche Keramik nachgewiesen.[3]

Geschichte und Etymologie

13. und 14. Jahrhundert

Pinnow wurde erstmals 1265 mit dem Auftritt des dominus Henricus de Pinnoue urkundlich belegt. Im Jahr 1315 wurde Hermannus Pinnowe, filius Frederici de Pinnowe als Bürge für die Familie von Karstedt genannt. Um 1400 erscheint der Ort als Pinnow in den Quellen.[3] Der Name leitet sich vom bereits erwähnten Henricus de Pinnoue ab.[4]

Besitzgeschichte

Die Besitzgeschichte von Pinnow ist durch mehrere Anteile geprägt. Der erste Anteil lag vor 1265 bis 1678 bei der Familie von Pinnow, die zunächst über die Burg (1265?) beziehungsweise einen Wohnhof (1499, 1542, 1571) sowie über einen Anteil am Kirchenpatronat (1542) verfügte. Hinzu kamen ½ Ober- und Untergericht sowie das Patronat, 9 1/4 Hufen und vier Kossätenhöfe (1599, gemeinschaftlich mit der Familie von Wagel; siehe zweiter Anteil) sowie ein Rittersitz (1608). 1645 fiel auch der Anteil der von Wagel an die von Pinnow. 1663 gingen die Angefälle aus den Gütern der von Pinnow und von Wagel an von Platen über; nach dem Aussterben der von Pinnow (1671/1678) gelangte der Besitz vollständig an die von Platen, die ihn 1678 an die mit den von Pinnow verschwägerten von Rathenow verkauften. Von 1678 bis nach 1817 hielten die von Rathenow beide Rittersitze mit jeweils ½ Ober- und Untergericht und Patronat, 15 ½ + 9 1⁄4 Hufen, 4 + 3 Kossätenhöfen sowie der Windmühle (1678). Seit 1771 waren beide Anteile vereinigt; nach 1775 wurde wahrscheinlich auch der Anteil der von Winterfeld erworben, sodass der Besitz das gesamte Dorf umfasste. Nach dem Tod der letzten Erbin der von Rathenow im Jahr 1824 gelangte Pinnow vor 1827 bis nach 1837 in den Besitz von Borchmann zu Pinnow über Dorf und Gut; vor 1840 bis 1872 befand sich das Gut im Besitz des Generalchirurgen Dr. Klooß und dessen Erben in Ludwigslust. Ein zweiter Anteil lag vor 1400 bis nach 1499 bei der Familie von Glövzin, die über einen Wohnsitz in Pinnow verfügte. Vor 1524 bis 1645 befand sich dieser Anteil bei der Familie von Wagel, die über einen Wohnsitz, einen Anteil am Patronat (1542) sowie über ½ Ober- und Untergericht und Patronat, 15 ½ Hufen,[3] drei Kossätenhöfe und die Windmühle (1599, zugleich in Gesamthand mit den Gütern der von Pinnow) sowie über einen Rittersitz (1608; ebenso 1621 und 1633) verfügte. 1645 fiel dieser Besitz an die von Pinnow (siehe erster Anteil). Ein dritter Anteil lag vor 1524 bis nach 1775 bei der Familie von Winterfeld zu Streesow, die zunächst Hebungen von zwei Bauern (Leibgedinge 1524), später einen Anteil am Dorf (1686) sowie schließlich drei Bauernhöfe mit dem Zaungericht (1740, 1757) innehatte; dieser Besitz wurde nach 1775 veräußert und gelangte wahrscheinlich ebenfalls an die von Rathenow (siehe erster Anteil).[5]

13. bis 15. Jahrhundert

1265 ist in Pinnow eine Burg oder ein Ritterhof der Familie von Pinnow belegt; 1315 wird dieser Besitz erneut erwähnt. Um 1400 erscheint Pinnow als Dorf mit Wohnsitzen der Familien von Pinnow und von Glövzin, was auch 1499 weiterhin zutrifft.[5]

16. Jahrhundert

1542 bestand das Pfarrhaus mit Garten dahinter sowie Ackerland zu acht (1558: sechs) Scheffel Saat und Wiesen zu zwei (1558: vier) Fuder Heu; 1558 sind zusätzlich zwei Enden Oberland zu 2 Scheffel Saat sowie ein Ende beim langen darne zu 1⁄2 Scheffel (vormals Kirchenland) belegt. Der Pfarrer erhielt von den Bauern zwei Wispel Roggen Pacht (1558 ebenfalls, 1581: sechs Scheffel). 1542 werden rund 100 Kommunikanten genannt; ein Küster fehlte zunächst, sollte aber um 1600 angestellt und unterhalten werden. Der Küster verfügte über Land zu 16 (1558: 22, 1581: 24) Scheffel Roggenpacht. Zur Pfarre gehörte außerdem 1⁄2 Hufe Land, die von A. Wagel zeitweise genutzt worden war.[6] 1547 wird ein Krug im Ort genannt. 1576 bestanden 15 Einhufner und fünf Kossäten. 1599 werden zwei Wohnhöfe, 24 3/4 Hufen, sieben Kossätenhöfe sowie eine Windmühle im Besitz der Familien von Pinnow und von Wagel erwähnt; hinzu kamen drei Bauernhöfe im Besitz der Familie von Winterfeld.[5]

17. Jahrhundert

1608 bestanden zwei Rittersitze der Familie von Pinnow und der Witwe von Wagel. Nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Kriegs lebten 1652 nur noch ein Hufner, ein Halbhufner und ein Kossät mit insgesamt drei Personen im Dorf. 1684 werden zwei Rittersitze der Familie von Rathenow genannt. 1686 wird eine detaillierte Struktur beschrieben: der vormals von Pinnow gehaltene Rittersitz umfasste 10 Hufen, der vormals von Wagel gehaltene 4 Hufen; ein Dorfschulze oder Freiacker war nicht vorhanden. Der Priesteracker betrug 6 Scheffel Aussaat, das Kirchenland 10 Scheffel. Es bestanden acht Hufnerstellen mit je 1 Hufe (davon drei wüst), eine Hufnerstelle mit 3/4 Hufe (wüst), drei Halbhufner, sieben Häusler ohne Acker (davon drei wüst) sowie ein Küster (zugleich Schneider). Insgesamt waren 10 1⁄4 Hufen (verbessert aus 9 3⁄4) mit 12 Wispel 23 Scheffel und 1 Viertel Aussaat vorhanden. Ein Hirte fehlte, das Vieh wurde von Kindern gehütet; es gab keinen Müller, Schmied oder Krug. Einige Höfe lagen bereits seit etwa 100 Jahren wüst; der Grundherr hatte fünf Kötter ohne Land mit je 1⁄4 Hufe ausgestattet. Fischerei fehlte, Brennholz war knapp, Mastmöglichkeiten gering; Wiesen, Hütung und Viehzucht waren mittelmäßig. Der Acker lag in drei Feldern, brachte etwa das vierte Korn und gehörte zur ersten Klasse, war jedoch teilweise wenig bewachsen. Zusätzlich bestand eine Belastung durch die zur Verwaltung Lenzen gehörige Feldmark Lehmkuhl.[5]

18. Jahrhundert

Um 1700 bestanden zwei Rittersitze der Familie von Rathenow mit 14 Hufen in drei Feldern sowie Aussaat von 10 Wispel Roggen, 5 Wispel Gerste und 3 Wispel Hafer; gehalten wurden 80 Rinder (darunter 40 Milchkühe) und 600 Schafe, daneben sechs Hufner und zwei Kossäten. 1719 werden sieben Hufner, fünf Kossäten, zwei Pachtschäfer und ein Hirte ohne Vieh erwähnt; die Hufen wurden mit 14 Groschen veranschlagt. 1734 umfasste Pinnow sieben Bauern, fünf Kossäten, zehn Einlieger, einen Müller, einen Schneider, einen Schäfer und einen Hirten; die Aussaat betrug 12 Wispel 23 Scheffel und 4 Metzen. 1745 bestand das Dorf mit zwei Rittersitzen, zwölf Bauern, sieben Köttern, zwei Schäfern und einer Windmühle. 1760 werden zwölf Hufner, zwei Kostknechte und ein Kuhhirte genannt. 1791 bestand Pinnow als Dorf mit Vorwerk aus zehn Bauern, zwei Halbbauern, zehn Hauswirte, einem Verwalter, einem Pfarrer und einem Müller bei insgesamt 31 Feuerstellen.[5]

19. Jahrhundert

1801 lebten sieben Ganzbauern, fünf Halbbauern, zwölf Einlieger und ein Zimmermann im Ort; hinzu kamen eine Windmühle und ein Förster bei 31 Feuerstellen. 1819 werden zwölf Hufner, ein Kostknecht, ein Dorfschäfer, ein Kuhhirte und drei Einliegerpaare genannt. 1828 wurde das Rittergut landtagsfähig. 1846 bestanden 41 Wohnhäuser.[5] 1852 wird für das Rittergut eine durch Kies, Lehm, Ton und Mergel geprägte Bodenstruktur beschrieben; betrieben wurde Koppelwirtschaft mit sieben Binnen- und sieben Außenschlägen, überwiegend Getreideanbau sowie etwas Ölfruchtanbau. Die Wiesen waren zweischürig, Hütung fehlte; Viehzucht umfasste 50 Rinder, 800 Schafe, halbenglische Schweine und 18 Pferde; Geflügelzucht bestand, Bienenzucht nicht, Fischerei ebenfalls nicht. Im Dorf waren die Böden ähnlich, teilweise noch Dreifelderwirtschaft vorhanden; auch hier zweischürige Wiesen, kein Obstbau, Viehzucht mit Rindern, Schafen, Ziegen, Schweinen und Pferden sowie Geflügelhaltung; Lehrer und Holzwärter betrieben Bienenzucht. 1860 bestanden im Dorf drei öffentliche, 37 Wohn- und 26 Wirtschaftsgebäude (darunter eine Getreidemühle) sowie im Gutsteil vier Wohn- und neun Wirtschaftsgebäude.[6] Die Fläche betrug 1860 insgesamt 1425 Morgen im Dorfteil und 1930 Morgen im Gutsteil.[3]

20. Jahrhundert

1900 wurden 51 Häuser und eine Fläche von 893 ha verzeichnet. 1902 wurde das Rittergut aus der Matrikel gestrichen und mit der Gemeinde vereinigt. 1931 bestand Pinnow als Gemeinde mit dem Wohnplatz Kolonie an der Chaussee und 53 Wohnhäusern bei 887 ha Fläche. 1939 wurden land- und forstwirtschaftliche Betriebe verschiedener Größenklassen sowie 234 Erwerbstätige in der Landwirtschaft, daneben Beschäftigte in Industrie, Handwerk sowie Handel und Verkehr gezählt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 1946 insgesamt 145,73 ha enteignet und auf Neubauern, Altbauern sowie die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe verteilt. 1960 bestanden zwei LPG vom Typ I (Alt-Pinnow und Meynbachtal) mit zusammen 120 Mitgliedern und 727,93 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche, die noch im selben Jahr vereinigt wurden; 1962 erfolgte die Umwandlung in Typ II. 1967 wurde diese mit der LPG Unter den Linden in Neu Pinnow zur LPG Pinnow zusammengeschlossen, 1972 in Typ III überführt und 1975 an die LPG Einheit in Zapel angeschlossen; seit 1978 gehörte sie zur LPG Tierproduktion in Pröttlin. 1994 bestand eine Produktivagrargenossenschaft in Pröttlin mit Tierhaltungsanlagen in Pinnow.[6] Verwaltungsmäßig wurde Pinnow 1974 nach Pröttlin eingegliedert und ist seit 1985 beziehungsweise 1995 Ortsteil davon.

Bevölkerungsentwicklung

Weitere Informationen Einwohnerentwicklung in Pinnow von 1734 bis 1971 ...
Einwohnerentwicklung in Pinnow von 1734 bis 1971
Jahr17341772179118011817183718581871189519251939194619641971
Einwohner113170161175158233Dorf 193 und Gut 73159 und 128159 und 84323290425270254
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Kultur und Sehenswürdigkeiten

Dorfkirche Pinnow
  • Die Dorfkirche Pinnow stammt vermutlich aus dem 14. Jahrhundert. Der Kirchturm befindet sich im südöstlichen Teil des Chors und nicht wie üblich im Westen des Bauwerks. Im Inneren befindet sich ein barocker Kanzelaltar aus dem Jahr 1755.
  • Der Bauernhof in der Gartenstraße 4, bestehend aus Wohnhaus und zwei Wirtschaftsgebäuden, steht unter Denkmalschutz; ebenso das Gutshaus in der Gartenstraße 18.

Literatur

Einzelnachweise

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