Railjet (Zuggattung)

Zuggattung der ÖBB und der ČD From Wikipedia, the free encyclopedia

Railjet und Railjet Xpress (abgekürzt RJ bzw. RJX) sind Zuggattungen für Fernverkehrszüge, die vor allem von den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und der České dráhy (ČD) betrieben werden. Die Marke Railjet steht im Eigentum der ÖBB, die Verwendung der Marke erfolgt eng gekoppelt mit dem Einsatz bestimmter Fahrzeuge. Internationale Railjet-Züge verkehren unter Beibehaltung der Zuggattung in den meisten Nachbarstaaten Österreichs. Der Einsatz der Railjets begann mit dem Fahrplanwechsel vom 14. Dezember 2008.

Railjet-Schriftzug

Als Railjet M vermarkten die ÖBB die Triebzüge der Reihe 4884 mit geplantem Einsatz in der Zuggattung Interregio.[1][2]

Geschichte

Im November 2004 stellten die ÖBB bei einem internen Workshop den Namen Railjet vor. Der Workshop wurde von Peter Hochegger moderiert, dem Eigentümer der Firma maxxx.communications GmbH, die damals umstrittene exklusive Beratungsverträge bei den ÖBB hatte. Elf Tage später ließ sich die Firma maxxx.communications selbst den Namen Railjet schützen. Als der ÖBB-Personenverkehr die Marke Railjet anmelden wollte, erhob maxxx.communications dagegen Einspruch und zog diesen gegen Zahlung von 150.000 Euro wieder zurück.[3] Mit dem Rückzug des Einspruchs gingen die Rechte an der Bezeichnung an die ÖBB-Personenverkehr.[4]

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2015 werden sämtliche Railjet-Linien, die Wien berühren, über Wien Hauptbahnhof geführt und haben dabei als zweiten Halt Wien Meidling. Der Westbahnhof wird nicht mehr von Railjet-Zügen bedient. Auch verkehren seit Dezember 2015 halbstündlich alternierend IC- und Railjet-Züge der ÖBB von oder nach Flughafen Wien. Diese Linien bedienen Destinationen in Österreich und verkehren ab Flughafen Wien von den Bahnsteigen 1 und 2, mit direktem Zugang vom/zum Terminal 3 des Flughafens Wien-Schwechat.

Seit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2018 werden die schnelleren Railjets (ohne Halt in Vöcklabruck, Attnang-Puchheim, Wels Hbf, St. Valentin, Amstetten und Tullnerfeld) auf der Weststrecke als Railjet Xpress (RJX) bezeichnet. Die Railjet-Linien, die seit Oktober 2016 die Intercitys auf der Weststrecke ersetzen, sowie die Railjets auf anderen österreichischen Bahnstrecken verkehren weiterhin unter der Zuggattung Railjet (RJ).

Im Jahr 2025 erwarben die Österreichische Bundesbahnen von der DB Fernverkehr gebrauchte KISS-Triebwagen und setzen diese seit dem 6. Oktober 2025 im Plan der „langsameren“ Railjet-Züge auf der Weststrecke ein. Damit konnte schon vor Auslieferung der Railjet-Züge der 3. Generation (Reihe 4706) die Kapazität auf der Strecke Wien - Salzburg erhöht werden. Gleichzeitig wurden Railjet-Garnituren der 1. Generation für den zusätzlichen Bedarf auf der Südstrecke in Zusammenhang mit der Eröffnung der Koralmbahn frei.[5] Die gebrauchten Garnituren, die ursprünglich vom Unternehmen Westbahn stammen, werden von den ÖBB nicht als Railjet vermarktet, die Zuggattung der betroffenen Kurse wurde daher auf Intercity (IC) geändert.

Seit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2025 und der vollständigen Inbetriebnahme der Koralmbahn wurde das System des Railjet Xpress (RJX) auch auf die Südbahn ausgeweitet. Da diese schnellen Expressverbindungen zur Fahrzeitverkürzung den Hauptbahnhof Wiener Neustadt ohne Halt durchfahren, gab es im Vorfeld deutliche Kritik seitens der regionalen Bevölkerung, der Stadtpolitik sowie des Landes Niederösterreich an den ÖBB[6]. Die ÖBB und der Verkehrsverbund Ost-Region argumentierten gegen die Kritik mit dem parallelen Ausbau des dichten Nahverkehrsangebots (wie der Linie CJX9). Zudem wurde darauf verwiesen, dass durch das veränderte Taktgefüge für vereinzelte Fahrgäste aus Nebenbahnen beim Umstieg in den Fernverkehr längere Wartezeiten entstehen können, im Gegenzug jedoch das Gesamtsystem beschleunigt wird[7]. Ebenfalls übersprungen werden die Bahnhöfe Semmering, Mürzzuschlag, Weststeiermark sowie St. Paul im Lavanttal.

Fahrzeuge

Die erste Railjet-Generation ist seit September 2008 im Einsatz,[8] die zweite folgte 2024. Zudem wurden von den ÖBB Doppelstocktriebzüge bestellt, deren Einsatz als Railjet ab 2026 geplant ist.[9][10]

Gemeinsamkeiten

Das regulär eingesetzte Wagenmaterial auf Railjet- und Railjet Xpress-Linien (RJ/RJX) weist folgende Gemeinsamkeiten auf:

Alle Züge besitzen eine erste Klasse (First), eine zweite Klasse (Economy), Fahrradstellplätze, Snackautomaten und/oder Bordbistro. Zusätzlich sind sie mit kostenfreiem Internetzugang über WLAN und Steckdosen ausgestattet.

Railjet 1. Generation

Railjet 1. Generation – Taurus

Der Railjet der 1. Generation besteht aus sieben Wagen der Plattform Siemens Viaggio Comfort und üblicherweise einer Taurus-Lokomotive von Siemens Mobility. Häufig verkehren zwei dieser Einheiten gekuppelt (siehe Doppeltraktion). Die Wendezüge erreichen maximal 230 km/h. Die erste Generation wird seit dem Jahr 2008 eingesetzt. Seit der Eröffnung der Koralmbahn Ende 2025 werden die Züge schrittweise modernisiert und im Innenraum an die Railjets der 2. Generation angeglichen.[11] Die Arbeiten werden bis Ende 2031 andauern.[8][12][13][11]

Railjet 2. Generation

Railjet 2. Generation – Vectron

Zusammen mit neuen Nachtzugwagen für den Nightjet beschafften die ÖBB Reisezugwagen für den Railjet der zweiten Generation. Der Railjet 2 besteht aus Wagen der Plattform Siemens Vectouro (ehemals Siemens Viaggio Next Level)[14] und wird in der Regel von einer Taurus oder Vectron-Lokomotive gezogen beziehungsweise geschoben. Wie bei der ersten Generation beträgt die Maximalgeschwindigkeit 230 km/h. Erstmals sind Niederflureinstiege in manchen Wagen vorhanden. Die zweite Generation verfügt über Sitze in Abteilen sowie im Großraum und wird seit dem Jahr 2024 eingesetzt.[15][16]

ComfortJet

ComfortJet – Vectron

Seit dem 20. Oktober 2025 wird auf der Railjet-Linie Prag–Wien–Graz ein Zugpaar mit ComfortJet-Garnituren der České dráhy und ÖBB 1216 geführt.[17][18]

Seit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2025 werden die Zugverbindungen mit ComfortJets auf nationalen sowie internationalen Linien nach Deutschland, Österreich, die Slowakei und Ungarn und Dänemark unter der Marke Railjet und den Zuggattungen Railjet und Railjet Xpress betrieben.[19][20] Diese basieren wie die von den ÖBB eingesetzten Wagengarnituren auf der Vectouro (ehemals Viaggio Comfort) Produktlinie von Siemens Mobility (im Konsortium mit Škoda Transportation) und werden mit bis zu 230 km/h von Vectron oder Taurus-Lokomotiven gezogen bzw. geschoben werden.[14][21]

Railjet 3. Generation (DoSto)

Für Railjet-Verbindungen auf der Weststrecke bestellten die ÖBB im Jahr 2023 14 doppelstöckige Elektrotriebzüge bei Stadler Rail. Es handelt sich um Züge des Typs KISS 200, die ihre Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h sehr schnell erreichen. Die Züge bestehen aus sechs Wagen mit Niederflureinstiegen und stellen in zwei sogenannten Cateringzonen[22] Verkaufsautomaten für Snacks und Getränke zur Verfügung. Die ersten Züge werden voraussichtlich ab dem Jahr 2026 eingesetzt. Mit der Fertigstellung des Semmering-Basistunnels sollen die Garnituren ab 2030 auch auf der Südstrecke verkehren.[23]

Railjet-Linien

Railjet-Strecken (Stand 2020)
Railjet-Streckennetz in Österreich mit Geschwindigkeitsangaben

Linien innerhalb Österreichs und ins Ausland

Zuggattung Strecke[Anm. 1] Taktfrequenz Fahrzeug
RailjetXpressFlughafen Wien / BudapestWienSt. PöltenLinzSalzburgMünchen[Anm. 2] 2-Stunden-Takt Railjet 1. Generation
Flughafen Wien / Budapest / Bratislava – Wien – St. Pölten – Linz – Salzburg – KufsteinWörglInnsbruckLandeck-ZamsFeldkirchBuchs SGZürich[Anm. 3] 2-Stunden-Takt
Flughafen Wien – Wien – St. Pölten – Linz – Salzburg – Wörgl – Innsbruck – Landeck-Zams – Feldkirch – Bregenz 2-Stunden-Takt
(Prag –) Wien – Bruck an der MurGrazKlagenfurtVillach (– Trieste Centrale / Venedig) 1-Stunden-Takt (Wien – Graz),
sonst 2-Stunden-Takt
Wien – St. Pölten – Linz – Salzburg – Kufstein – Wörgl – Innsbruck – BrennerBozen ein Zugpaar
RailjetFlughafen Wien – Wien – St. Pölten – Amstetten – Linz – Wels – Salzburg 1-Stunden-Takt
(Flughafen Wien –) Wien – Wr. NeustadtBruck an der MurGrazWeststeiermarkSt. Paul im LavanttalKlagenfurtVillach (– Lienz / Salzburg / München) 1-Stunden-Takt
München – Kufstein – Wörgl – Innsbruck – Brenner – Bozen – Verona (– Venedig / Bologna / Rimini) 2-Stunden-Takt Railjet 2. Generation
(Berlin – DresdenUsti nad Labem –) Prag – Brno – Wien (– Graz – Villach)[24] 2-Stunden-Takt Comfortjet

Linien außerhalb Österreichs

In Tschechien gibt es in Tagesrandlage einzelne RJ-Verbindungen zwischen Praha hlavní nádraží und Brno hlavní nádraží, die österreichisches Staatsgebiet nicht erreichen. Außerdem existiert seit Mitte Juni 2019 ein RJ-Zugpaar zwischen Praha hlavní nádraží und Bratislava hlavná stanica via Břeclav.

Seit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2025 verkehren die mit ComfortJet-Garnituren betriebenen Linien von Prag nach Bohumín und Brno sowie in Richtung Dänemark, Deutschland, Slowakei und Ungarn ebenfalls als Zugkategorie Railjet.[20]

Mit Einführung der ComfortJets auf der Linie Prag–Wien–Graz–Villach im Dezember 2025 wandern die dadurch frei werdenden Railjet-Garnituren der ersten Generation der ČD auf den Metropolitan von Prag über Bratislava hl.st. nach Budapest Nyugati ab. Vier Zugpaare werden mit Railjet-Garnituren gefahren, eine mit den ComfortJets. Diese Verbindungen werden alle vom EuroCity zum Railjet aufgewertet.[25][26]

Commons: Railjet – Sammlung von Bildern und Videos

Anmerkungen

  1. Zur Hauptverkehrszeit, zu Tagesrandzeiten und an Wochenenden verkehren teilweise zusätzliche Züge mit abweichenden Linienführungen.
  2. In Deutschland ist die Zuggattung Railjet dem Intercity-Express (ICE) gleichgestellt.
  3. Die Railjets durchqueren sowohl Deutschland als auch Liechtenstein, ohne dort zu halten.

Einzelnachweise

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