Rüchenbach

Ort in der Stadt Gladenbach From Wikipedia, the free encyclopedia

Rüchenbach ist ein Dorf im Südosten des Hessischen Hinterlandes und als solches ein Stadtteil der Stadt Gladenbach im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Rüchenbach ist mit einer urkundlichen Ersterwähnung zwischen 750 und 779 der älteste Ort im Hessischen Hinterland.

Schnelle Fakten Stadt Gladenbach ...
Rüchenbach
Das Wappen von Rüchenbach
Koordinaten: 50° 46′ N,  38′ O
Höhe: 246 (246–280) m ü. NHN
Fläche: 3,89 km²[1]
Einwohner: 186 (31. Dez. 2024)[2]
Bevölkerungsdichte: 48 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35075
Vorwahl: 06462
Bild von Rüchenbach
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Kirche

Geographie

Der Ort liegt im Gladenbacher Bergland und damit im Naturpark Lahn-Dill-Bergland im Tal der Allna. Der Hauptort Gladenbach liegt im Westen. Bis zur Neugliederung gehörte der Ort zum Landkreis Biedenkopf. Am südlichen Ortsrand führt die Bundesstraße 255 vorbei. Der Rüchenbach wird verrohrt durch den Ort geleitet.

Geschichte

Ortsgeschichte

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Rüchenbach erfolgte unter dem Namen Rudingesbach im Codex Eberhardi der Reichsabtei Fulda und wird in die Zeit 750–779 datiert.[1] Im 15. Jahrhundert wurde in der Ortsmitte eine Fachwerkkirche errichtet, die mehrfach renoviert wurde.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Rüchenbach:

„Rüchenbach (L. Bez. Gladenbach) evangel. Filialdorf; liegt 12 St. von Gladenbach, hat 19 Häuser und 123 evanlische Einwohner, die wohlhabend sind, und sich nur auf Ackerbau und Viehzucht beschränken.“[3]

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Zum 1. Juli 1974 erfolgte im Zuge der Gebietsreform in Hessen durch Landesgesetz der Zusammenschluss der Stadt Gladenbach mit den Gemeinden Bellnhausen, Diedenshausen, Erdhausen, Friebertshausen, Frohnhausen b. Gladenbach, Kehlnbach, Mornshausen a. S., Rachelshausen, Römershausen, Rüchenbach, Sinkershausen, Weidenhausen und Weitershausen zu heutigen Stadt Gladenbach.[4][5] Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden und die Kernstadt Gladenbach wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[6]

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,[Anm. 1] denen Rüchenbach angehört(e):[1][7][8]

Gerichte seit 1821

Die Rechtsprechung gibt im Jahr 1821 im Rahmen der Trennung von Justiz und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte über. „Landgericht Gladenbach“ war daher von 1821 bis zur Abtretung an Preußen im Jahr 1866 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Gladenbach. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Nach der Abtretung des Kreises Biedenkopf an Preußen infolge des Friedensvertrags vom 3. September 1866 zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Preußen wurde der Landgerichtsbezirk Gladenbach preußisch.[13] Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung im vormaligen Herzogtum Nassau und den vormals zum Großherzogtum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[14] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Landgerichts in Amtsgericht Gladenbach. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Dillenburg und das Appellationsgericht Wiesbaden.[15]

Vom 1. Oktober 1944[16] bis 1. Januar 1949[17] gehörte das Amtsgericht Gladenbach zum Landgerichtsbezirk Limburg, danach aber wieder zum Landgerichtsbezirk Marburg. Am 1. Juli 1968 erfolgte die Aufhebung des Amtsgerichts Gladenbach[18], welches fortan nur noch als Zweigstelle des Amtsgerichts Biedenkopf fungierte.[19] Am 1. November 2003 wurde diese Zweigstelle schließlich aufgelöst.[20]

Einwohnerentwicklung

Einwohnerstruktur

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Rüchenbach 222 Einwohner. Darunter waren 3 (= 1,4 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 45 Einwohner unter 18 Jahren, 84 zwischen 18 und 49, 51 zwischen 50 und 64 und 42 Einwohner waren älter.[21] Die Einwohner lebten in 87 Haushalten. Davon waren 15 Singlehaushalte, 247 Paare ohne Kinder und 36 Paare mit Kindern, sowie 9 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 18 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 72 Haushaltungen leben keine Senioren/-innen.[21]

Einwohnerzahlen

Quelle:Historisches Ortslexikon[1]
 1502:010 Männer
 1577:011 Hausgesesse
 1630:014 Untertanen (4 zweispännige, 6 einspännige Ackerleute, 4 sonstige)
 1742:002 Haushalte
 1791:113 Einwohner[22]
 1800:119 Einwohner[23]
 1806:109 Einwohner, 18 Häuser[12]
 1829:123 Einwohner, 19 Häuser[3]
Rüchenbach: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2020
Jahr  Einwohner
1791
 
113
1800
 
119
1806
 
109
1829
 
123
1834
 
139
1840
 
161
1846
 
147
1852
 
147
1858
 
141
1864
 
134
1871
 
146
1875
 
126
1885
 
156
1895
 
147
1905
 
161
1910
 
158
1925
 
175
1939
 
154
1946
 
251
1950
 
245
1956
 
210
1961
 
185
1967
 
178
1980
 
?
1990
 
?
2000
 
250
2006
 
217
2011
 
222
2015
 
215
2020
 
194
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS:[1]; Ab 2000 Stadt Gladenbach (webarchiv)[24]; Zensus 2011[21]

Religionszugehörigkeit

Quelle:Historisches Ortslexikon[1]
 1829:123 evangelische (= 100 %) Einwohner[3]
 1885:152 evangelische (= 100 %) Einwohner
 1961:171 evangelische (= 92,43 %), 14 römisch-katholische (= 7,57 %) Einwohner

Erwerbstätigkeit

 1867:Erwerbspersonen: 83 Landwirtschaft, 5 Gewerbe und Industrie, 1 Erziehung und Unterricht.[1]
 1961:Erwerbspersonen: 59 Land- und Forstwirtschaft, 35 produzierendes Gewerbe, 4 Handel und Verkehr, 7 Dienstleistungen und sonstiges.[1]

Persönlichkeiten

Commons: Rüchenbach (Gladenbach) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise

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