Sabra Sport
Sportwagenmodell des israelischen Automobilherstellers Autocars
From Wikipedia, the free encyclopedia
Der Sabra Sport ist ein Straßensportwagen des israelischen Automobilherstellers Autocars, der von 1961 bis 1968 in geringen Stückzahlen als Coupé und als Roadster gebaut und unter der Marke Sabra verkauft wurde. Das Auto basiert auf Komponenten verschiedener britischer Hersteller; einige Konstruktionsdetails stammen vom Kleinwagenproduzenten Reliant. Ab 1962 war eine leicht abgewandelte Version des Sabra in Großbritannien und auf einzelnen europäischen Märkten als Reliant Sabre erhältlich.
| Sabra | |
|---|---|
Sabra Sport Coupé | |
| Sport | |
| Produktionszeitraum | 1961–1968 |
| Klasse | Sportwagen |
| Karosserieversionen | Coupé, Roadster |
| Motoren | Ottomotor: 1,7 Liter |
| Länge | 4190 mm |
| Breite | 1550 mm |
| Höhe | 1270 mm |
| Radstand | 2280 mm |
| Leergewicht | 794 kg |
Entstehungsgeschichte
Der 1957 gegründete, in Haifa ansässige Automobilhersteller Autocars produzierte in den ersten Jahren Dreiradfahrzeuge, die auf britischen Konstruktionen von Reliant basierten. Ab 1960 entstanden eigene Kleinwagen mit vier Rädern, deren Konstruktion ebenfalls auf Reliant zurückging. Die Modelle Sussita und Carmel waren als zweitürige Limousinen und Kombis erhältlich und hatten Kunststoffkarosserien und Technik von Ford of Britain. Autocars exportierte einige dieser Modelle 1960 in die USA und nach Kanada, blieb dort aber wegen der geringen Größe der Autos, unattraktiven Designs und schlechter Verarbeitungsqualität ohne Erfolg.[1] Autocars versuchte daraufhin, ein Fahrzeug für ein höheres Marktsegment zu entwickeln, für das das Unternehmen eine bessere Marktakzeptanz in den USA erwartete.[2] Das Management unter der Leitung von Yitzhak Shubinsky entschied sich für einen kleinen Sportwagen, der in Konkurrenz zu den in Nordamerika sehr erfolgreichen Modellen von MG und Triumph treten sollte.

Autocars’ Sportwagenmodell entstand 1960. Es kombinierte verschiedene bereits existierende Komponenten anderer Hersteller miteinander. Für die Karosserie griff Autocars auf einen Entwurf des kleinen britischen Unternehmens Ashley Laminates zurück und erwarb die Produktionsrechte für den Aufbau des seit 1958 gebauten Sportwagens Ashley 1172. In technischer Hinsicht übernahm Autocars einen Leiterrahmen, den der britische Konstrukteur Leslie Bellamy für sein Unternehmen LMB Components entwickelt hatte. Autocars beauftragte Reliant in Tamworth damit, diese Einzelteile und die Antriebstechnik, die wiederum von Ford of Britain kommen sollte, zu einer in Serie produzierbaren Konstruktion zusammenzufügen. Reliant benötigte dafür neun Monate.[3]
1961 war der erste Prototyp fertiggestellt.[4] Das Auto debütierte auf der New York Motor Show 1961.[1] Danach begann die Serienfertigung. Die Autos wurden anfänglich in Großbritannien und später in Israel gebaut. Einzelnen Quellen zufolge war Autocars 1965 insolvent, konnte den Fahrzeugbau aber noch einige Jahre lang fortsetzen.[2] Die Produktion des Sabra endete je nach Quelle entweder 1968 oder schon 1967 mit dem Ausbruch des Sechstagekriegs.
Markenname

Für den Sportwagen etablierte Autocars die Marke Sabra. Der Begriff steht einerseits für eine Kaktusart (Opuntia ficus-indica), andererseits spielt er auf das Wort Tzabar (hebräisch צַבָּר Zabbar) an, das unter anderem eine Bezeichnung für in Eretz Israel geborene Juden ist.
Modellbeschreibung
Karosserie
Die Karosserie des Sabra Sport besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK). Diesen Werkstoff verwendete Reliant seit den 1950er-Jahren regelmäßig für seine Serienfahrzeuge,[Anm. 1] und auch die Karosserie des Ashley 1172 war aus GFK.
Zunächst wurde der Sabra Sport nur als zweitüriger Roadster angeboten. Die Karosserie entspricht stilistisch weitgehend der des Ashley 1172. Markante stilistische Merkmale sind ein Knick hinter den Türen und ausgeprägte hintere Kotflügel. Die Frontpartie des Sabra Sport ist aber eigenständig gestaltet. Seine Motorhaube ist länger als die des Ashley. Besonderes Merkmal sind die beiden senkrecht angeordneten, bumerangähnlichen Rammhörner auf der Motorhaube. Für den Sabra Sport verwendete Autocars zahlreiche Anbauteile britischer Hersteller; die Frontscheibe kam beispielsweise von dem Kleinstwagen Frisky.[3]
1962 nahm Autocars zusätzlich zum Roadster einen geschlossenen Zweitürer mit Fließheck ins Programm auf.
Rahmen und Fahrwerk
Der Sabra Sport hat einen Leiterrahmen aus Stahl. Die von Leslie Bellamy entwickelte Konstruktion hatte in ihrer ursprünglichen Form keine Bodenplatten. Für die Serienmodelle ergänzte Reliant – wie auch bei den eigenen Modellen üblich – Platten aus Sperrholz.[3]
Die Vorderräder sind an Querlenkern mit MacPherson-Federbeinen einzeln aufgehängt. Hinten ist es eine Starrachse mit Wattgestänge sowie Schraubenfedern und Teleskopstoßdämpfern. Die Hinterradaufhängung entspricht der des dreirädrigen Lieferwagens aus der Reliant-Regal-Reihe.[3] Vorn hat der Wagen Scheibenbremsen, hinten Trommelbremsen von Girling.
Motorisierung und Kraftübertragung
Der Sabra Sport wird von einem Reihenvierzylindermotor von Ford of Britain angetrieben, der unter anderem im zeitgenössischen Ford Consul verwendet wurde. Der Hubraum beträgt 1703 cm³ (Bohrung × Hub: 82,6 × 79,5 mm). Der Motor hat eine untenliegende Nockenwelle; die hängenden Ventile werden über Kipphebel betätigt. Das Verdichtungsverhältnis beträgt 8,8 : 1. Die Gemischaufbereitung übernimmt ein Zenith-Fallstromvergaser. Die Höchstleistung wurde mit 71 bhp (72 PS, 53 kW) angegeben;[5] später kam als Option eine stärkere Variante des gleichen Motors mit 91 bhp (93 PS, 68 kW) hinzu.
Der Sabra Sport hat Hinterradantrieb. Die Kraftübertragung übernimmt ein vollsynchronisiertes Vierganggetriebe von ZF.
Produktion
Insgesamt wurden etwa 380 Sabra Sport mit offener und geschlossener Karosserie gebaut. Die erste Tranche des Sabra Sport wurde bei Reliant in Großbritannien konstruiert; dabei handelte es sich je nach Quelle entweder um 100[2] oder um 208[6] Autos. Die ersten 100 Sabra Sport wurden in die USA exportiert.[2] Die weiteren Sabra Sport komplettierte Autocars in Haifa, wobei die technischen Komponenten und Karosserieteile als Bausatz von Reliant zugeliefert wurden.[6] Etwa 40 der in Israel gebauten Autos gingen in die USA, 80 weitere Autos wurden nach Belgien verkauft.
Einer Quelle zufolge hatte Autocars zum Zeitpunkt der Produktionseinstellung nicht alle von Reliant gelieferten Bausätze komplettiert, sodass einige Sabra-Sport-Bausätze bis in die 1970er-Jahre hinein verkauft wurden.[4]
Der Sabre Sport im Motorsport
Autocars meldete einen Sabra in der GT-2.0-Klasse zum 12-Stunden-Rennen von Sebring 1963. Fahrer waren Ed Hesserts und Henry Swarts (Startnummer 50). Der Sabra beendete das Rennen nicht; das Auto fiel nach 90 Runden nach einem Bruch der Antriebswelle aus.[7]
Reliant Sabre

Der britische Automobilhersteller Reliant war vor und nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem für seine technisch einfachen Dreiradfahrzeuge der Baureihen Regal und Robin bekannt, die wegen ihres geringen Gewichts in Großbritannien als Motorräder galten und ohne PKW-Führerschein gefahren werden durften.[8] Viele der Aufbauten waren aus Gewichtsgründen aus Kunststoff gefertigt. Zu Beginn der 1960er-Jahre verfolgte das Management das Ziel, mit Reliant auch in höheren Marktsegmenten in Großbritannien vertreten zu sein. Der Sabra war insoweit ein erster Schritt: Reliant erwarb von Autocars das Recht, den Sabra für Großbritannien und einzelne europäische Märkte selbst zu produzieren und unter eigener Marke zu vertreiben. Nach geringfügigen technischen Änderungen wurde so aus dem Sabra der Reliant Sabre, der zunächst als Sabre 4 mit einem Vierzylindermotor und einer Karosserie verkauft wurde, die nahezu vollständig dem israelischen Modell entsprach; ab 1963 war außerdem der Sabre Six mit einem Sechszylindermotor und geänderter Frontpartie erhältlich. Bis 1963 entstanden 208 Vier- und 78 Sechszylindermodelle. Danach löste Reliant den Sabre durch den neuen Gran Turismo Reliant Scimitar GT ab, der eine Karosserie von Ogle Design hatte und aus dem Konzeptfahrzeug Ogle SX 250 hervorgegangen war.
Literatur
- Michael Burgess: Reliant: The Forgotten Four-Wheelers, Amberley Publishing, 2025, ISBN 978-1-3981-1424-1.
- Roger Gloor: Personenwagen der 60er Jahre, Benedikt Taschen Verlag, Köln 1994, S. 322f., ISBN 3-8228-8994-X
Weblinks
Anmerkungen
- Reliant wurde in den 1950er-Jahren zu einem Pionier der Kunststoffverarbeitung im Automobilbereich. Vgl. Auto Katalog 1971/72, S. 124.
