Reliant Scimitar GT
zweitüriges Stufenheckcoupé mit Kunststoffkarosserie
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Der Reliant Scimitar GT (werksinterner Code: SE 4) ist ein zweitüriges Stufenheckcoupé mit Kunststoffkarosserie, das der ehemalige britische Automobilhersteller Reliant von 1964 bis 1970 produzierte. Das Auto verwendet viele technische Komponenten von Ford of Britain. Insgesamt entstanden etwa 1000 Fahrzeuge. Es ist die erste Generation der mehrgliedrigen Scimitar-Reihe, die bis 1986 im Programm blieb. Als unmittelbaren Nachfolger des GT entwickelte Reliant auf seiner Basis das Kombicoupé Scimitar GTE.
| Reliant | |
|---|---|
Scimitar GT SE4 | |
| Scimitar GT | |
| Produktionszeitraum | 1964–1970 |
| Klasse | Sportwagen |
| Karosserieversionen | Coupé |
| Motoren | Ottomotoren: 2,5–3,0 Liter |
| Länge | 4255 mm |
| Breite | 1575 mm |
| Höhe | 1295 mm |
| Radstand | 2337 mm |
| Leergewicht | 1003 kg |
| Vorgängermodell | Sabre |
| Nachfolgemodell | Scimitar GTE SE5 |
Entstehungsgeschichte

Der in Tamworth (Staffordshire) ansässige Automobilhersteller Reliant war vor und nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem durch seine technisch einfachen Dreiradfahrzeuge der Baureihen Regal und Robin bekannt, die wegen ihres geringen Gewichts in Großbritannien als Motorräder galten und ohne Pkw-Führerschein gefahren werden durften.[1] Viele der Aufbauten waren aus Gewichtsgründen aus Kunststoff. Reliant wurde in den 1950er-Jahren so zu einem Pionier der Kunststoffverarbeitung im Automobilbereich.[2] Neben diesen Kleinwagen konstruierte Reliant eine Reihe größerer vierrädriger Fahrzeuge für Autohersteller aus dem Mittelmeerraum, unter ihnen Autocars Company aus Haifa.[Anm. 1] Autocars baute neben diesen Kleinwagen auch den Sabra Sport, der – unter Verwendung verschiedener Fremdkomponenten[Anm. 2] – ebenfalls Reliant konstruiert worden war. 1962 übernahm Reliant den Sabra für den britischen Markt; das Auto wurde hier als Reliant Sabre (werksintern: SE2) verkauft. Mit ihm startete Reliant in Großbritannien eine neue Modelllinie, die oberhalb der dreirädrigen Kleinwagen positioniert war. Der Sabre konnte sich wegen seines ungewöhnlichen Designs nicht durchsetzen.[Anm. 3]
Bei der Entwicklung eines Sabre-Nachfolgers griff Reliant auf ein Konzeptfahrzeug des britischen Designstudios Ogle Design zurück, das 1962 im Auftrag eines privaten Kunden entstanden war. Die als Ogle SX 250 bezeichnete Designstudie ist ein zweisitziges Coupé mit Stufenheck. Es basiert technisch auf dem Sportwagen SP 250 der Daimler Motor Company und hat im Gegensatz zum Serien-Daimler[Anm. 4] eine allgemein als sehr attraktiv empfundene Karosserie. Während Daimler selbst keine Serienproduktion des Ogle-Coupés ins Auge fasste,[3] sah Reliants Direktor Ray Wiggin in dem Konzeptfahrzeug eine Basis für einen Ersatz des Sabre.[4]
Reliant erwarb die Rechte an dem SX-250-Entwurf Anfang 1963. Im folgenden Jahr fanden bei Reliant die Entwicklungsarbeiten statt, in deren Verlauf der Ogle-Entwurf an die Abmessungen des Reliant-Chassis und an Reliants Konstruktionsmethoden angepasst wurden. Im Spätsommer 1964 war der erste Prototyp (Chassisnummer SC 40002) fertiggestellt. Er wurde nicht als Reliant, sondern als „Ogle GT“ zugelassen.[4] Nach fünf weiteren Vorserienexemplaren begann die Serienproduktion des nun Reliant Scimitar GT genannten Autos. Der Wagen blieb bis 1970 im Programm. In dieser Zeit gab es eine Reihe von Änderungen, die in erster Linie die Antriebstechnik betrafen und sich formal in leicht voneinander abweichenden Serienbezeichnungen (SE 4, SE 4a, SE 4b und SE4c) widerspiegelten.
Auf der Basis des Scimitar GT entwickelte Reliant 1967 ein Kombicoupé, das als Scimitar GTE verkauft wurde und bis 1986 ein Kernprodukt der Marke war.
Modellbeschreibung
Karosserie
Die Karosserie des Reliant Scimitar GT besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Die Karosserieteile sind – anders als beim Ogle SX 250 – nicht an einem Metallgerüst befestigt, sondern an einer tragenden Struktur aus Kunststoff.

Der Scimitar GT ist ein zweitüriges Stufenheckcoupé mit 2+2 Sitzen. Das Design orientiert sich stark an dem Ogle 250 SX, weicht aber in einigen Details von dem Ogle-Entwurf ab.[5] Die Karosserie ist im Pontonstil gehalten, der Dachaufbau ist trapezförmig. Die Fahrgastzelle ist aus der Mitte heraus nach hinten verschoben, sodass die Länge des Motorbereichs betont wird. Das Dach reicht weiter nach hinten als beim Ogle, und die Türen sind knapp 13 cm (5 inches) länger.[4] Die vorderen Kotflügel folgen wie beim Ausgangsmodell an ihren Enden einer abfallenden Linie und münden vorn in einer leicht hervortretenden Spitze. Vorn sind nebeneinander angeordnete Doppelscheinwerfer eingebaut. Zwischen ihnen gibt es einen Kühllufteinlass, der mit einem Metallgitter verkleidet ist, das aus dünnen Streben zusammengesetzt ist. Eine solche Öffnung hat der Ogle SX 250 nicht. An den Flanken befindet sich eine bis zum Fahrzeugheck reichende Lichtkante, die höher angesetzt ist als beim Ogle. Die hintere Stoßstange ist dagegen tiefer montiert. Die Kofferraumklappe reicht in die Wagenflanken hinein; sie wirkt aufgesetzt. Am Heck sind an jeder Seite zwei runde Rückleuchten installiert. Der Tankeinfüllstützen sitzt nicht wie beim Ogle mittig unterhalb der Heckscheibe, sondern seitlich in der linken C-Säule.
Chassis und Fahrwerk
Der Scimitar GT baut auf einem Kastenrahmen aus Stahl auf. Er ist eine Weiterentwicklung des Rahmens, der bereits für den Reliant Sabre und den israelischen Sabre Sport verwendet worden war.[5] In seinen Grundzügen geht er auf eine 1958 von Leslie Bellamy für LMB Components entwickelte Konstruktion zurück.
Die hintere Radaufhängung wurde neu konstruiert. Anstelle der Panhardstäbe des Sabre wurde ein Watt-Mechanismus eingebaut.[6] Der 1966 vollzogene Wechsel von Reihen- auf V-Motoren, die wegen ihrer geringeren Baulänge weiter zurückversetzt eingebaut wurden, machte eine Überarbeitung der Vorderradaufhängung nötig.[7] Als Reaktion auf die höhere Leistung des neuen Motors wurde außerdem ab 1966 ein Stabilisator eingebaut.[8]
Motorisierung und Kraftübertragung

Der Reliant Scimitar GT hat einen vorn längs eingebauten Motor, der die Hinterräder antreibt.
Bei der Antriebstechnik griff Reliant (wie schon im Sabre und bei den für Israel und die Türkei konstruierten vierrädrigen Autos) auf Komponenten von Ford of Britain zurück. Anknüpfend an den Sabre Six, war der Scimitar GT ausschließlich mit Sechszylindermotoren erhältlich. Anfänglich verwendete Reliant einen Reihensechszylinder mit 2,6 Liter Hubraum, der regulär in den zeitgenössischen großen Ford-Modellen Zephyr und Zodiac zum Einsatz kam. Reliant rüstete ihn (anders als Ford in den dortigen Limousinen) serienmäßig mit drei SU-Vergasern aus. Nachdem Ford die Fertigung dieses Motors eingestellt hatte, wich Reliant ab 1966 auf die Essex-Reihe aus, einen neu entwickelten Sechzylinder-V-Motor, der leichter war und weniger Platz in Anspruch nahm als der bisherige Zephyr-Motor. Zunächst lieferte Reliant serienmäßig eine 3,0 Liter große Version des Essex-V6 aus, ab 1967 mit einer Variante mit 2,5 Liter Hubraum, deren Leistung der des Reihensechszylindermotors annähernd entsprach.
Die Kraftübertragung übernimmt ein handgeschaltetes Vierganggetriebe von Ford, das gegen Aufpreis mit einem Overdrive von Laycock verbunden werden konnte.[6] Wahlweise war außerdem ein Vierganggetriebe von ZF erhältlich.[7]
| Reliant Scimitar GT: Übersicht über die Motorisierungen | ||||
| Modell | Scimitar GT SE4 | Scimitar SE4 a/b | Scimitar SE4c | |
| Bauart | Sechszylinder-Ottomotor | |||
| Zylinder | Reihenmotor | V-Motor | ||
| Baureihe | Ford Zephyr | Ford Essex | ||
| Ventilsteuerung | OHV | |||
| Hubraum | cm³ | 2553 | 2994 | 2495 |
| Bohrung × Hub | mm | 82,55 × 79,5 | 93,67 × 72,42 | 93,67 × 60,19 |
| Leistung | KW | 90 | 107 | 89 |
| bhp | 120 | 144 | 119 | |
| PS | 122 | 146 | 121 | |
Die einzelnen Serien
Scimitar GT SE4 (1964–1966)

Die erste Version des Scimitar GT wurde von September 1964 bis zum Herbst 1966 gebaut; das letzte Auto dieser Serie wurde im April 1967 zugelassen. Serienmäßige Motorisierung war der 3,0 Liter große Reihensechszylindermotor der Ford-Zephyr-Reihe. Ab Werk hatte der Wagen Drahtspeichenräder. Der Verkaufspreis lag in Großbritannien bei 1.292 £.[7]
In zwei Jahren entstanden insgesamt 296[9] oder 297[4] Autos mit dieser Spezifikation. Eine einzelne Quelle spricht abweichend von 59 Autos.[10] Diese als Straight-Six-Scimitars bezeichneten Autos sind 60 Jahre nach der Produktionseinstellung begehrte Sammlerobjekte.
Scimitar GT SE4 a/b (1966–1970)
Im Herbst 1966 brachte Reliant eine neue Version des Scimitar GT auf den Markt, die werksintern als SE4a bezeichnet wurde. Sie unterscheidet sich von der ersten Scimitar-GT-Reihe vor allem durch die Antriebsquelle: Anstelle des alten Reihensechszylindermotors von Ford hatte er den V6-Motor der Essex-Reihe mit 3,0 Liter Hubraum. Seine Höchstleistung lag etwa 20 Prozent über der des bisherigen Motors. Mit der Einführung des Scimitar GT SE4a entfielen die Drahtspeichenräder; sie wurden durch herkömmliche Metallräder ersetzt.[8]
Anfang 1967 kam die Version SE4b auf den Markt, die sich technisch nicht von dem SE4a unterscheidet, aber einen neu gestalteten Instrumententräger und einige weitere Detailänderungen im Innenraum hat.[7]
Reliant baute insgesamt 591 Autos der Baureihen Scimitar SE4a und SE4b.[5]
Scimitar GT SE4c (1967–1970)

Die letzte Version des Scimitar erschien im Herbst 1967. Äußerlich unverändert, unterscheidet sich diese Scimitar SE4c genannte Version von ihrem Vorgänger durch die Motorisierung: Im SE4c kommt die 2,5-Liter-Version des Essex-Sechszylinders von Ford zum Einsatz, die 122 PS leistet und damit etwas schwächer ist als die im SE4a/b verwendete Variante. Die Wahl dieses Motors wurde mit einem geringeren Krafstoffverbrauch und einem niedrigeren Steuersatz begründet. Der SE4c wurde parallel zum Kombicoupé Scimitar GTE produziert, das auf dem Markt wesentlich besser ankam als der GT mit Stufenheck.
Vom Scimitar GT 4c wurden bis zur Produktionseinstellung im November 1970 insgesamt 118 Fahrzeuge gebaut.[5]
Produktion
| Reliant Scimitar GT: Produktion | |||
| Scimitar GT SE4 | Scimitar SE4 a/b | Scimitar SE4c | |
| Stückzahl | 296 | 591 | 118 |
| Summe | 1.005 | ||
Literatur
- Michael Burgess: Reliant: The Forgotten Four-Wheelers, Amberley Publishing, 2025, ISBN 9781398114241.
- David Culshaw, Peter Horrobin: The Complete Catalogue of British Cars 1895–1975. Poundbury, Veloce Publishing, 2013, ISBN 978-1-84584-583-4.
- Elvis Payne: The Reliant Scimitar, Crecy Publishing, 2018, ISBN 9781908347473
- Wieland Feige: Verlässlicher Krummsäbel: Die englische Firma Reliant und ihr Scimitar. Marken- und Modellgeschichte in: Oldtimer Markt Heft 6/1990, S. 218 ff.
- N.N.: Man From Ogle: Bericht über Tom Karens Arbeiten für Ogle Design mit Interview-Passagen und zahlr. Abb. in: Classic & Sports Car, Heft 4/2001, S. 144 ff.
Weblinks
Anmerkungen
- Die Karosserie des Sabra Sport wurde von dem britischen Bausatzfahrzeug Ashley 1172 des Reliant-Konkurrenten Ashley Laminates übernommen; der Rahmen war eine Konstruktion von LMB Components und die Antriebstechnik kam unter anderem von Ford of Britain.
- In vier Jahren entstanden insgesamt weniger als 300 Autos für den britischen Markt.
- Bei seinem Debüt wurde der Daimler SP 250 zum hässlichsten Auto der Ausstellung gewählt. Vgl. Brian Long: Daimler V8 S.P. 250, Veloce Publishing, 2008, ISBN 978-1904788775, S. 52, 54.
