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Reliant Regal

Dreiradauto From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Reliant Regal ist ein kleiner, dreirädriger PKW, den die Reliant Motor Company in Tamworth (England) von 1952 bis 1973 in neun Generationen herstellte. Die Lieferwagenversionen des Regal wurden ab 1963 als Reliant 5 cwt Van und ab 1966 als Supervan bezeichnet. Mit dem Regal begann bei Reliant die Fertigung von Kunststoffkarosserien. Der Regal ist mit mehr als 110.000 hergestellten Autos das erfolgreichste Einzelmodell Reliants. Er wurde von einigen Werken außerhalb Großbritanniens in Lizenz gebaut oder im Bausatzverfahren komplettiert.

Schnelle Fakten Regal ...
Reliant
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Reliant Regal 3/30 (1969)
Regal
Verkaufsbezeichnung Regal Mk. I-VI
Regal 21/E, 3/25 und 3/30
Produktionszeitraum 1952–1973
Klasse Kleinstwagen
Karosserieversionen Limousine, Kombi, Kastenwagen, Cabriolet
Motoren Ottomotoren:
0,6–0,75 Liter
(12,5–23 kW)
Länge 3048–3429 mm
Breite 1372–1524 mm
Höhe 1370–1450 mm
Radstand 1892–1930 mm
Leergewicht 394–445[1] kg
Vorgängermodell Reliant Regent
Nachfolgemodell Reliant Robin
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Entstehungsgeschichte

Die 1935 gegründete Marke Reliant bediente von Beginn an eine Marktnische, die auf eine Besonderheit im britischen Steuer- und Zulassungsrecht zurückzuführen ist. Mit dem „Motor Taxation Act“ von 1921 wurde im Steuerrecht des Vereinigten Königreichs eine Sonderstellung für motorisierte Dreiradfahrzeuge geschaffen. Bei einem Leergewicht unter 8 cwt (≈ 406 kg) betrug die jährliche Abgabe pauschal vier Pfund Sterling, unabhängig von Hubraum und Leistung. Diese leichten Dreiradfahrzeuge durften in Großbritannien mit dem Motorradführerschein gefahren werden.[2] Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte Reliant das Produktkonzept mit dem Regent fort, der noch eine freistehende Motorradgabel hatte. Als Nachfolger des Regent brachte Reliant 1952 den Regal auf den Markt, dessen Aufbau das Auto erstmals in der Reliant-Geschichte komplett verkleidete. Der Regal war, anders als seine Vorgänger, nicht nur als Nutzfahrzeug konzipiert, sondern als Personenkraftwagen zur privaten Nutzung. In kurzen Intervallen brachte Reliant immer neue, weiterentwickelte Versionen des Regal heraus, die sich vielfach auch äußerlich durch eigenständige Karosserien voneinander unterschieden. Bis 1973 entstanden mehr als 110.000 Reliant Regals. Der Regal wurde 1973 durch den neu gestalteten, technisch aber eng mit ihm verwandten Robin ersetzt.

Gemeinsame Konstruktionsmerkmale

Der Reliant Regal ist ein dreirädiges Fahrzeug mit einem gelenkten Vorderrad und zwei Hinterrädern. Anders als beim Bond Minicar, mit dem der Reliant Regal konkurrierte, erfolgte der Antrieb nicht auf das Vorderrad, sondern auf die Hinterräder.

Der Regal baut auf einem Kastenrahmen aus Stahl auf. Das einzelne Vorderrad ist an einem torsionsstabgefederten Schwingarm gelagert. Hinten ist eine Starrachse mit halbelliptischen Blattfedern eingebaut.[3]

Die Karosserien bestehen ab dem Regal Mark III aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Alle Regal-Generationen haben einen vorn längs eingebauten Reihenvierzylindermotor, der die Hinterräder antreibt. Herkunft und Größe der Motoren variierten im Laufe des Produktionszeitaums.

Die einzelnen Regal-Generationen

Regal Mark I (1953–1954)

Regal Mark I (1953)

Der Prototyp des Regal Mark I wurde im November 1951 auf der Cycle and Motor Show in Earls Court gezeigt; das Serienmodell debütierte ein Jahr später an gleicher Stelle auf der British International Motor Show. Die Serienfertigung begann 1953.

Der Regal Mark I war als viersitziges Cabriolet mit Stoffdach erhältlich. Erstmals bei einem Dreirad von Reliant, waren der Motorraum und die Vorderradaufhängung komplett von der Karosserie verkleidet. Der Aufbau besteht aus Aluminiumblechen, die an einem Gerüst aus Eschenholz befestigt sind. Der Rahmen des Regal war eine Weiterentwicklung des Regent-Chassis. Den Antrieb übernimmt ein wassergekühlter Reihenvierzylindermotor mit 747 cm³ und seitlich stehenden Ventilen. Die Konstruktion basiert auf dem Motor des Austin Seven, wurde aber von Reliant-Ingenieuren in einigen Details verändert.[3] Eine Quelle behauptet, die Änderungen seien in der Absicht erfolgt, Kunden für den Kauf bestimmter Ersatzteile von Reliant-Händlern abhängig zu machen.[4] Die Höchstleistung wurde werksseitig mit 16 PS (12 KW) angegeben, die Höchstgeschwindigkeit mit 105 km/h.[5]

Der Regal Mark I konkurrierte unter anderem mit dem AC Petite und dem Bond Minicar.[6]

Regal Mark II (1954–1956)

Reliant Regal Mark II

Im Mai 1954 erschien die zweite Regal-Generation. Mit ihr kamen weitere Karosserieversionen ins Regal-Programm: Neben dem Cabriolet mit Faltverdeck war nun auch eine geschlossene Version mit Hardtop erhältlich; ab 1956 gab es außerdem einen Van, der die bis dahin weitergebauten Nutzfahrzeuge der Regent-Reihe ersetzte.

Die Technik und die Karosserie wurde weitgehend unverändert vom Regal Mark I übernommen. Äußerlich unterscheidet sich die zweite Regal-Generation von der ersten vor allem durch eine neu gestaltete Kühlerverkleidung. Der verchromte Grill, der beim Mark I an der Frontpartie befestigt war, entfiel beim Regal Mark II.

1954 brachte Reliant eine Van-Variante des Regal Mark II heraus; seine Zuladung wurde mit 6 cwt (ca. 300 kg) angegeben.[6]

Regal Mark III (1956–1958)

Regal Mark III (1957)
Regal Mark III, Interieur (1957)

Die dritte Generation des Regal erschien im November 1956. Mit ihm änderte Reliant die Konstruktionsmerkmale für die Karosserie: Der Aufbau des Regal Mark III ist nicht mehr aus Aluminiumblechen, sondern aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) gefertigt. Die Umstellung des Werkstoffs hatte einerseits wirtschaftliche Gründe, weil Aluminium in der Nachkriegszeit vergleichsweise teuer und zeitweise rationiert war;[7] andererseits erreichten Kunststoffaufbauten ein noch geringeres Gewicht als Aluminiumkarosserien.[6] Reliant verwendete für alle kommenden Modelle GFK-Karosserien und wurde zu einem Kunststoffpionier im Automobilbau. Die Karosserieteile waren weiterhin an einem Gerüst aus Eschenholz befestigt.

Der Aufbau des Regal Mark III war 15 cm (6 inches) breiter als der der beiden Vorgänger. Die Form wurde komplett neu gestaltet. Der Mark III hat vorn gerundete Kotflügel, an deren Enden Rundscheinwerfer installiert sind. Die Motorhaube fällt zwischen den Kotflügeln leicht nach vorn ab. Zwischen den Scheinwerfern befindet sich die ovale, grob vergitterte Kühleröffnung. Der Kastenrahmen und die Antriebstechnik blieben unverändert.

In zwei Jahren entstanden 2787 Autos der dritten Regal-Generation.

Regal Mark IV (1958–1959)

Die vierte Generation des Regal erschien im November 1958. Sie blieb nur etwas mehr als ein halbes Jahr in Produktion; bereits im Juni 1959 brachte Reliant mit dem Regal Mark V eine weiterentwickelte Version heraus. Der Regal Mark IV unterscheidet sich äußerlich kaum von seinem unmittelbaren Vorgänger; die Kunststoffkarosserie und das Holzgerüst blieben weitgehend unverändert. Mit der vierten Generation gab es allerdings einige technische Änderungen. Die Elektrik wurde auf 12 Volt umgestellt. Die Radaufhängung und die Lenkung wurden neu konstruiert. Außerdem erhielt der Motor einen Luftfilter, durch den die Höchstleistung geringfügig sank.[8]

Regal Mark V (1959–1960)

Der im Juni 1959 eingeführte Regal Mark V erhielt eine neu gestaltete Karosserie. Der Aufbau ist 20 cm länger als der des Mark IV. Die vorderen Kotflügel sind im unteren Bereich tiefer gezogen. Der Kofferraum erstmals bei einem Reliant Regal von außen zugänglich. Im Innenraum wurde der Instrumententräger neu gestaltet. Die Instrumente sind nun zentriert angeordnet, sodass links und rechts der Anzeigen Platz für Handschuhfächer ist.[8]

Regal Mark VI (1960–1962)

Reliant Regal Mark VI (1962)
Reliant Regal Mark VI (1962)
Reliant Regal Mark VI (1962)

Die sechste Regal-Generation wurde von November 1960 bis September 1962 gebaut. Die Fahrzeuge erhielten einen neuen Dachaufbau: Der hintere Dachabschluss ragt über das obere Ende der Heckscheibe hinaus, sodass die Heckscheibe teilweise überdacht ist. Die Scheibe selbst ist aber weiterhin nach vorn geneigt. Im Innenraum wurden die Instrumente vereinfacht: Es gibt nur noch einen Kombianzeiger, der neben der Geschwindigkeit alle anderen Informationen anzeigt. Dadurch vergrößterten sich die Handschuhfächer auf der rechten und linken Seite des Armaturenträgers. Der Mark VI ist der erste Regal, der mit einem Zündschloss ausgestattet war, sodass der bisherige Starterknopf entfiel. Die Antriebstechnik veränderte sich nicht.[8]

Regal 3/25 (1962–1968)

Regal 3/25

Im Oktober 1962 erschien die nächste Generation des Regal, die werksseitig als Regal 3/25 bezeichnet wurde. Die Ziffer 3 steht für Three Wheeler, die Zahl 25 für die Höchstleistung des Motors in der Einheit bph. In einzelnen Quellen findet sich auch die Alternativbezeichnung Regal Mark VII, die allerdings werksseitig nicht verwendet wurde.

Das Modell war weitgehend neu konstruiert und gestaltet. Sowohl die Antriebstechnik als auch die Karosserie änderte sich. Die Karosserie besteht wie bei den früheren Regals aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Das tragende Gerüst wurde hier erstmals ebenfalls aus Kunststoff gefertigt, sodass der bisherige Eschenholzrahmen entfiel. Das Karosseriedesign ist ein komplett neuer Entwurf. Auffallendstes Merkmal ist der Dachaufbau, der stilistisch dem seinerzeit sehr populären Ford Anglia 105E nachempfunden war: Die C-Säule und die Heckscheibe sind hier gleichermaßen zum Fahrzeugheck hin geneigt; der Dachabschluss steht weiterhin leicht über. Die Frontpartie ist eckig gestaltet. Die runden Scheinwerfer sind von einem viereckigen Rahmen eingefasst. Ein vergleichbares Design hatte Reliant zur gleichen Zeit für den israelischen Kleinwagen Sabra Carmel entwickelt.

Der Regal 3/25 erhielt außerdem einen neu konstruierten Motor. Neue Antriebsquelle war ein Reihenvierzylindermotor mit 598 cm³ Hubraum und einer Höchstleistung von 25 bhp. Der neue Motor hat eine OHV-Ventilsteuerung.

Regal 3/25 Super (1965–1969)

1965 erschien der Reliant Regal 3/25 Super, der eine bessere Ausstattung und eine geänderte Frontpartie hatte. Die Fahrzeugnase des Super fällt nach vorne ab und ist abgesehen von einem kleinen Lufteinlassschlitz oberhalb der Stoßstangen voll verkleidet. Der reguläre 3/25 und der 3/25 Super wurden bis 1968 parallel zueinander verkauft; ab 1969 gab es nur noch den 3/25 Super.

1969 wurde der 50.000. Reliant Regal ausgeliefert.[9]

Regal 3/30 (1969–1973)

Regal 3/30

Im Herbst 1969 erschien die letzte Generation des Regal, die als Regal 3/30 verkauft wurde und vier Jahre lang im Programm blieb. Äußerlich entsprach das neue Modell dem bisherigen Regal 3/25 Super. Neu war vor allem die Motorisierung: Im Regal 3/30 kam eine auf 700 cm³ vergrößerte Version des Reihenvierzylindermotors zum Einsatz, der 1962 im Regal 3/25 erschienen war. Die Höchstleistung stieg auf 30 bhp.

Regal 21 E

Reliant Regal 21E

Der 1967 eingeführte Regal 21 E war ein Sondermodell, das zusätzlich zum Regal 3/25 bzw. (ab 1969) zum 3/30 angeboten wurde. Die Bezeichnung steht für „21 Extras“ und bezieht sich auf 21 zusätzliche Ausstattungsdetails, die über die Standardausstattung des einfachen Regal hinaus ab Werk eingebaut wurden. Dazu gehören unter anderem Teppich im Fußraum, ein in der Außenfarbe lackierter Armaturenträger im Innenraum, verchromte Einfassungen der Anzeigen und einiger Karosseriedetails wie z. B. der Scheinwerfer, Rückspiegel auf beiden vorderen Kotflügeln, Rammhörner an den Stoßstangen und Nebelscheinwerfer, die oberhalb des vorderen Kennzeichens montiert sind.

Ab 1969 war das 21-E-Paket auch im Lieferwagen Supervan III erhältlich.[10]

Lieferwagen

Reliant Supervan III

Seit der zweiten Generation von 1954 hatte Reliant regelmäßig auch eine als Van bezeichnete Lieferwagenversion des Regal im Programm.

Mit Erscheinen der siebten Regal-Generation, die als Regal 3/25 verkauft wurde, gliederte Reliant die Van-Variante formal aus der Regal-Reihe aus. Von 1963 bis 1966 stand die Van-Variante des Regal 3/25 unter der Bezeichnung Reliant 5 cwt im Programm; der Begriff bezog sich auf die in Hundredweight (cwt) gemessene Zuladung des Autos (umgerechnet ca. 250 kg). Ab Sommer 1966 hieß das Auto dann nach einem Facelift an der Frontpartie Reliant Supervan. Bis 1973 gab es drei Generationen des Supervan. Ab 1969 war auch eine E-21-Version des Supervan erhältlich.

Die Reliant-Dreiradfahrzeuge nehmen in der Kultur Großbritanniens einen besonderen Platz als Symbole britischer Exzentrizität ein. Der bekannteste Regal ist der Supervan III, der Del Boy und Rodney Trotter in der langjährig von der BBC ausgestrahlten Sitcom Only Fools and Horses gehört. In der Comedyserie Mr. Bean kommt der Titelheld wiederholt mit einem hellblauen Regal Supervan III in Konflikt, der von ihm umgeworfen, angefahren oder aus der Parklücke geschoben wird.

Produktion außerhalb Großbritanniens

Auf Regal-Basis: Israelischer Sussita

In Israel komplettierte das in Haifa ansässige Unternehmen Garages & Cars, das 1957 in Autocars Company umfirmierte, seit 1953 Regal-Bausätze, die aus Großbritannien zugeliefert wurden. Auf der Basis des Regal entwickelte Reliant für Autocars einen Lieferwagen mit vier Rädern, der ab 1960 in Israel und in einigen Mittelmeerländern als Sussita verkauft wurde. Der Sussita wurde in drei Generation in insgesamt fast 10.000 Exemplaren gebaut. Insbesondere die erste Generation des Sussita gilt mittlerweile als Sinnbild für die Industrialisierung Israels und ist 60 Jahre nach Produktionsende ein begehrtes Sammlerobjekt.

Literatur

  • David Culshaw, Peter Horrobin: The Complete Catalogue of British Cars 1895–1975, Veloce Publishing plc., Dorchester (1997), ISBN 1-874105-93-6.
  • Roger Gloor: Alle Autos der 50er Jahre, Stuttgart, Motorbuch Verlag 2007, ISBN 978-3-613-02808-1
  • Don Pither: Reliant Regal and Robin, The History Press (2002), ISBN 978-0750925211.
  • John Wilson-Hall: Reliant Three-Wheelers. The Complete Story, Crowood Press (2014), ISBN 9781847978073.

Einzelnachweise

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