Soriculus

Gattung der Familie Spitzmäuse (Soricidae) From Wikipedia, the free encyclopedia

Soriculus ist eine Gattung von in Süd- und Ostasien verbreiteten Spitzmäusen mit sechs Arten. Längere Zeit zählte nur die Sikkim-Großklauenspitzmaus (Soriculus nigrescens) zur Gattung.[1] Im Ergebnis molekulargenetischer Untersuchungen seit den 2020er Jahren wurden der Gattung weitere Vertreter zugerechnet oder als eigenständige Taxa anerkannt. Es handelt sich kleine bis mittelgroße Angehörige der Spitzmäuse, die durch einen recht langen Schwanz und große Krallen an den Vorderfüßen charakterisiert sind. Zuzüglich können die typisch orangefarbenen Zahnspitzen genannt werden ebenso wie das Vorkommen von vier aufeinanderfolgenden einspitzige Zähnen in der oberen Zahnreihe. Die Lebensweise der Tiere ist weitgehend unbekannt, die Arten treten vor allem in mittleren und höheren Berglagen auf. Die Gattung wurde im Jahr 1852 benannt. Der Gesamtbestand gilt als nicht gefährdet.

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Merkmale

Diese Spitzmäuse sind ohne Schwanz 62 bis 93 mm lang, die Schwanzlänge liegt bei 32 bis 58 mm und das Gewicht variiert zwischen 8 und fast 21 g. Es sind 11 bis 17 mm lange Hinterfüße und 6 bis 12 mm lange Ohren vorhanden. Dabei ist Soriculus minor auffällig kleiner als die anderen Arten. Typisch sind ein recht gedrungener Körper und lange Krallen an den Vorderpfoten. Letzteres Merkmal ist einzigartig innerhalb des Verwandtschaftsumfeldes von Soriculus. Je nach Art ist das Fell oberseits braun bis schwarzbraun und gelegentlich ist die Unterseite heller. Die leichten Farbunterschiede setzen sich auf dem Schwanz fort. Der Schwanz erreicht zwischen 42 und 74 % der Länge des restlichen Körpers, was deutlich kürzer ist als bei den Arten der Gattung Chodsigoa und den Braunzahn-Spitzmäusen (Episoriculus). Zudem fehlen die borstenartigen Haare wie sie bei den Wasserspitzmäusen (Neomys) vorkommen. Bei allen Vertretern von Soriculus ragen die Ohren leicht aus dem Fell. Die Zahnformel lautet I 2/3, C 1/0, P 2/1, M 3/3, was 30 Zähne im Gebiss ergibt. In der oberen Zahnreihe folgen auf den ersten Schneidezahn insgesamt vier einspitzige Zähne, während es bei Chodsigoa, den Biberspitzmäusen (Chimarrogale) und Nectogale nur drei sind. Alle Zähne weisen eine orangefarbene Pigmentierung auf gegenüber den ungefärbten bei Nectogale und den Biberspitzmäusen.[2]

Verbreitung und Lebensweise

Die Arten leben am Südrand des Himalayas in China, Nepal, Bhutan, im nördlichen Indien und in Myanmar. Dort bewohnen sie überwiegend mittlere bis höhere Gebirgslagen von 700 bis 4500 m über dem Meeresspiegel.[2] Die Lebensweise wurde nur für die Sikkim-Großklauenspitzmaus genauer beschrieben. Diese bewegt sich sowohl ober- als auch unterirdisch fort, ernährt sich von Insekten sowie Würmern und bringt vermutlich zweimal jährlich Nachwuchs zur Welt, der in nestartigen Kammern aufgezogen wird.[3]

Systematik

Innere Systematik der Tribus der Nectogalini nach He et al. 2010[4]
 Nectogalini  

 Neomys


   


 Pseudosoriculus


   

 Chodsigoa



   

 Soriculus


   


 Nectogale


   

 Chimarrogale



   

 Episoriculus






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Soriculus ist eine Gattung innerhalb der Familie der Spitzmäuse (Soricidae). Hierin wird sie der Unterfamilie der Soricinae und der Tribus der Nectogalini zugerechnet. In das nähere Verwandtschaftsumfeld gehören dadurch die Biberspitzmäuse (Chimarrogale), die Braunzahn-Spitzmäuse (Episoriculus) und die Wasserspitzmäuse (Neomys), aber auch Gattungen wie Chodsigoa und Nectogale. Die Nectogalini sind auf Eurasien beschränkt mit einem Verbreitungsschwerpunkt in Süd- und Ostasien. Es handelt sich um eine kleinere Verwandtschaftsgruppe der Spitzmäuse, die aber eine hohe morphologische und ökologische Diversität besitzt. So sind hierin sowohl bodenbewohnende als auch grabende, baumkletternde und wasserlebende Vertreter eingeschlossen. Molekulargenetischen Untersuchungen zufolge trennten sich die Nectogalini im Mittleren Miozän vor rund 11,7 Millionen Jahren von den anderen Linien der Spitzmäuse ab. Ihre stärkere Diversifizierung begann im Oberen Miozän vor gut 6,6 Millionen Jahren. Die Gattung Soriculus selbst besteht seit rund 6 Millionen Jahren als eigenständige Entwicklungslinie.[4][2]

Wissenschaftlich erstbeschrieben wurde die Gattung Soriculus im Jahr 1854 durch Edward Blyth. Er unterschied die Gattung anhand der oberen vier einspitzigen Zähne und ordnete ihr die zwölf Jahre zuvor von John Edward Gray benannte Sikkim-Großklauenspitzmaus (Soriculus nigrescens) zu.[5][6] Im Jahr 1907 führte Nikolai Feofanowytsch Kaschtschenko mit Chodsigoa eine neue Untergattung ein,[7] welche Oldfield Thomas nur ein Jahr später als eigenständig einstufte.[8] Der Status von Chodsigoa wurde im Verlauf des 20. Jahrhunderts unterschiedlich bewertet. So favorisierten John Reeves Ellerman und Terence Charles Stuart Morrison-Scott im Jahr 1951 die Einstufung als Untergattung, was sie auch für das von ihnen gleichzeitig etablierte Episoriculus befürworteten.[9] Ähnlich sah es auch Robert S. Hoffmann im Jahr 1985 für beide Taxa im Rahmen einer Revision der Gattung Soriculus.[10] Andere Forscher wiederum bevorzugten eine Herauslösung von Chodsigoa und Episoriculus aus Soriculus. Letztere Ansicht wurde Ende der 1990er Jahre durch sowohl erste molekulargenetische als auch cytogenetische Studien unterstützt. Hierbei ließ sich aufzeigen, dass die einzelnen Arten einerseits weniger eng miteinander verwandt sind, andererseits eine hohe Variabilität in der Chromosomenstruktur besteht.[11][12] Dies führte zu der heute weitgehend akzeptierten Trennung der drei Artengruppen auf Gattungsebene.[4][3]

Mit der Herauslösung von Chodsigoa und Episoriculus aus Soriculus enthielt letztere Gattung zu Beginn des 21. Jahrhunderts mit der Sikkim-Großklauenspitztmaus lediglich eine Art. Genetische Studien im gleichen Zeitraum zeigten aber auf, dass diese möglicherweise verschiedene Entwicklungslinien einschloss.[13][4] Im Zuge mehrerer Expeditionen nach Tibet sammelten chinesische Wissenschaftler Anfang der 2010er Jahre über 60 Exemplare der Gattung Soriculus. Die anschließende Analyse der Kollektion bestätigte nicht nur die unterschiedlichen genetischen Linien, sondern konnte diese auch morphologisch gegeneinander absetzen. Die Ergebnisse wurden im Jahr 2023 veröffentlicht, die Publikation unterscheidet insgesamt fünf Arten und ordnet vier davon wissenschaftliche Namen zu, darunter zwei neue.[2] Weitere Arten wurden in den Jahren darauf beschrieben.[14][15] Dadurch besteht die Gattung Soriculus derzeit aus sechs Arten:

Innere Systematik der Gattung Soriculus nach Zhang et al. 2025[16]
 Soriculus  


 Soriculus minor


   

 Soriculus beibengensis



   

 Soriculus nigrescens


   

 Soriculus nivatus


   

 Soriculus medogensis


   

 Soriculus dexingensis






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Neben den rezenten Vertretern wurden auch einzelne fossile Formen zur Gattung Soriculus verwiesen. Dies trifft für mehrere Funde aus dem Pliozän von Europa zu. So benannte unter anderen Theodor Kormos im Jahr 1934 die Art S. kubanyii anhand eines Schädels aus der Gegend um Villány im südlichen Ungarn.[17] Ihr wurden auch mehrere Unterkiefer aus Podlesice im südlichen Polen zugesprochen, welche in das Unterpleistozän datieren.[18] Eine weitere Art war mit S. similis aus Sardinien belegt. Die europäischen Funde gelten heute in der Regel als zur ausgestorbenen Gattung Asoriculus gehörig. Diese trat sehr formenreich vom Oberen Miozän bis zum Unterpleistozän auf und ist wohl mit den Braunzahn-Spitzmäusen näher verwandt.[19][20] Von Lawrence J. Flynn und Wu Wenyu stammt die Bezeichnung S. praecursus für einen linken Unterkiefer aus dem Unteren Pliozän des Yushe-Beckens in der nordchinesischen Provinz Shanxi. Die Autoren räumen aber ein, dass das Stück nur wenig mit den heutigen Vertretern der Gattung übereinstimmt und auch Abweichungen zu jenen der Braunzahn-Spitzmäuse und der Gattung Chodsigoa aufweist. Der Artname ist daher als Referenz für die urtümliche Stellung aufzufassen.[21] Für das im Jahr 2005 eingeführte und in das Pliozän datierende S. kashmiriensis aus dem Kashmir wird wiederum eine nähere Beziehung zu den Braunzahn-Spitzmäusen angenommen.[22] Insgesamt ist die stammesgeschichtliche Entwicklung der Gattung Soriculus momentan weitgehend ungeklärt.

Bedrohung und Schutz

Die IUCN listet nur die Sikkim-Großklauenspitzmaus und stuft sie als „nicht gefährdet“ (least concern) ein. Sie kommt in mehreren Schutzgebieten vor.[23]

Commons: Soriculus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikispecies: Soriculus – Artenverzeichnis

Einzelnachweise

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