Stadtschreiber von Bergen

Literaturpreis für deutschsprachige Autoren von der Stadt Frankfurt am Main From Wikipedia, the free encyclopedia

Stadtschreiber von Bergen (Titel des Stadtschreibers in Bergen-Enkheim) ist ein Literaturpreis für deutschsprachige Autoren. Vor der Eingemeindung nach Frankfurt am Main wurde er von 1974 bis 1976 von der damaligen Stadt Bergen-Enkheim verliehen, und seit deren Eingemeindung in die Stadt Frankfurt am Main durch die Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim im Auftrag der Stadt Frankfurt am Main. Die Auszeichnung „gilt als einer der angesehensten Stadtschreiberpreise im deutschsprachigen Raum.“[1]

Dinçer Güçyeter, Sharon Dodua Otoo und José F. A. Oliver 2025 vor dem Stadtschreiberhaus

Geschichte

Der Preis wurde von Franz Joseph Schneider, Bürger von Bergen-Enkheim und Autor der Gruppe 47, gemeinsam mit Alfred (Adi) Schubert, Erster Stadtrat und stellvertretender Bürgermeister von Bergen-Enkheim, bis zur Eingemeindung nach Frankfurt am Main, anschließend – bis 1980 – Ortsvorsteher und damit Vorsitzender der Jury, begründet.

Damit wurde der erste aus einer Reihe von Stadtschreiber-Preisen geschaffen (z. B. Mainz, Dresden). Dieser Literaturpreis ist jedoch deshalb einzigartig geblieben, weil dem ausgezeichneten Schriftsteller keinerlei Verpflichtungen auferlegt werden. Er umfasst einen Geldpreis von 20.000 Euro (Stand 2022/2023) und ein Jahr kostenfreies Wohnen im Stadtschreiberhaus in Bergen-Enkheim, „An der Oberpforte“ 4. Über die Vergabe des Preises entscheidet alljährlich eine neunköpfige Jury.[2]

Die Verleihung erfolgt jedes Jahr am Freitagabend vor dem ersten Dienstag im September im Rahmen des Volksfestes „Berger Markt“. Dabei finden Schlüsselübergabe, Fest-, Antritts- und Abschiedsrede im Festzelt vor Hunderten von Besuchern statt. Ausnahmen davon, siehe unter: „Stadtschreiberfeste 2020 bis 2022“.

2009 richtete die Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim in ihren Räumen ein Stadtschreiberarchiv ein, um damit die Werke und das Wirken der Preisträgerinnen und Preisträger dauerhaft zu dokumentieren. Der Katalog enthält – außer Primär- und Sekundärliteratur – eine umfangreiche Sammlung von Artikeln, Autographen, Tonträgern und weiteren Dokumenten ab 1973.

Alle zum 50. Stadtschreiberfest erschienenen Schreiberinnen und Schreiber oder Partner, Nachkommen oder Verwandte.

Preisträgerinnen und Preisträger

Marion Poschmann (2022/2023)
Dorothee Elmiger, bei ihrer Abschiedsrede (2022)
Schlüsselübergabe 2016, Ruth Schweikert an Sherko Fatah
Stadtschreiberhaus
52 Namensschilder am Haus (bis Stadtschreiber/in 2025/26)
Adrienne Schneider (2011)
Anna Doepfner und Charlotte Brombach (2022)
Weitere Informationen Jahr, Preisträger/in ...
Jahr Preisträger/in Festredner/in
1974/1975Wolfgang KoeppenMarcel Reich-Ranicki
1975/1976Karl KrolowGünter Grass
1976/1977Peter RühmkorfWalter Jens
1977/1978Peter HärtlingAlfred Grosser
1978/1979Nicolas BornMartin Walser
1979/1980Helga M. NovakDieter Lattmann
1980/1981Dieter KühnPeter Rühmkorf
1981/1982Peter BichselMax Frisch
1982/1983Jurek BeckerAdolf Muschg
1983/1984Günter KunertHeinrich Albertz
1984/1985Friederike RothAxel Eggebrecht
1985/1986Ludwig FelsPeter Härtling
1986/1987Gerhard KöpfErich Fried
1987/1988Ulla HahnHermann Burger
1988/1989Eva DemskiDaniel Cohn-Bendit
1989/1990Katja Lange-MüllerGünter Kunert
1990/1991Heinz CzechowskiIring Fetscher
1991/1992Robert GernhardtPeter Bichsel
1992/1993Ralf RothmannHildegard Hamm-Brücher
1993/1994Paul NizonErhard Eppler
1994/1995Josef WinklerGeorges-Arthur Goldschmidt
1995/1996Herta MüllerJens Reich
1996/1997Wilhelm GenazinoGyörgy Dalos
1997/1998Jörg SteinerLothar Baier
1998/1999Arnold StadlerEva Demski
1999/2000Wulf KirstenHeiner Geißler
2000/2001Peter KurzeckLudwig Harig
2001/2002Wolfgang HilbigFriedrich Dieckmann
2002/2003Uwe TimmMathias Greffrath
2003/2004Emine Sevgi ÖzdamarRoger Willemsen
2004/2005Peter WeberGalsan Tschinag
2005/2006Katharina HackerUlrich Beck
2006/2007Ingomar von KieseritzkyMichael Krüger
2007/2008Reinhard JirglWilfried F. Schoeller
2008/2009Friedrich Christian DeliusJuli Zeh
2009/2010Ulrich PeltzerHeribert Prantl
2010/2011Thomas RosenlöcherRobert Misik
2011/2012Thomas LehrKatja Lange-Müller
2012/2013Marcel BeyerMarianne Leuzinger-Bohleber
2013/2014Angelika KlüssendorfJean Ziegler
2014/2015Dea LoherWilli Winkler
2015/2016Ruth SchweikertHeinz Bude
2016/2017Sherko FatahValentin Groebner
2017/2018Thomas MelleAhmad Mansour
2018/2019Clemens MeyerJens Bisky[3]
2019/2020Anja KampmannHanns Zischler
2020/2021Anne WeberHelmut Böttiger
2021/2022Dorothee ElmigerChristian Uetz
2022/2023Marion Poschmann
2023/2024Nino HaratischwiliMeron Mendel
2024/2025Dinçer GüçyeterManja Präkels
2025/2026José F. A. OliverSharon Dodua Otoo
2026/2027Judith Kuckart
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Jury

  • Wilfried Bender Vorsitzender als (gegenwärtiger) Ortsvorsteher
  • der jeweils amtierende Stadtschreiber, Fachjuror
  • Marcel Beyer, Fachjuror
  • Helmut Böttiger, Fachjuror
  • Peter Weber, Fachjuror
  • Charlotte Brombach, Bürgerjurorin
  • Anna Doepfner, Bürgerjurorin
  • Alexandra Weizel, Bürgerjurorin

Stadtschreiberfeste 2020 bis 2022

Wegen der COVID-19-Pandemie in Deutschland musste 2020 ein von der bisherigen Routine abweichendes Organisationsverfahren für das Stadtschreiberfest konzipiert werden. Dazu wurde die Veranstaltung statt im Zelt im Freien abgehalten und die Teilnehmerzahl auf 250 Personen beschränkt.

2021 fand die Veranstaltung unter ähnlichen Bedingungen und an gleicher Stelle wie 2020 statt (Open Air).

Das Stadtschreiberfest 2022 wurde, aufgrund der Vakanz in der Leitung der Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim, dieses Mal allein durch ehrenamtliche Bürgerinnen und Bürger organisiert. Eine Festrednerin oder ein Festredner für die Veranstaltung konnte durch sie jedoch nicht eingeladen werden.[4][5][6][7][8]

Wegen der unbesetzten Geschäftsführerstelle fand 2022 auch kein Berger Markt statt.

Literatur

  • Manfred Rüger: Literatur und Öffentlichkeit am Beispiel der „Stadtschreiber von Bergen“. Magisterarbeit zur Magisterhauptprüfung im Fachbereich Germanistik der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. Frankfurt am Main 1981.
  • Wolfgang Mistereck, Adrienne Schneider (Hrsg.): Zeltreden. Reden zur Verleihung des Literaturpreises „Stadtschreiber von Bergen“ 1974–1998. Wallstein, Göttingen 1998, ISBN 3-89244-322-X.
  • Adrienne Schneider (Hrsg.): Zelt-Reden: 40 Jahre Stadtschreiber von Bergen. Kramer, Frankfurt am Main 2014, ISBN 978-3-86539-706-5.
  • Margot Wiesner (Bearb.): „Der schönste Preis“. 40 Jahre Stadtschreiber in Bergen-Enkheim. Bücher, Bilder und Dokumente aus dem Stadtschreiberarchiv. Ausstellung …; Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim, Frankfurt am Main 2014.
  • Hans-Joachim Müller: „All diese literarischen Pfeifen“: … über den Stadtschreiber von Bergen-Enkheim. In: Die Weltwoche, 34, 27. August 1975.
  • Gerd Lobin: Die Früchte des Feigenbaums. Der Stadtschreiber von Bergen: Eine Idee wächst zur Partnerschaft. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. August 1983.
  • Horst Bingel: Stadtschreiber oder: Die angestellten Dichter. In: feder, 02 (1989), S. 42–43.
  • Marcus M. Hotze: 25 Jahre Stadtschreiberpreis. Begegnung mit einem literarischen Ort. In: Frankfurter Neue Presse, 12. Juni 1998.
  • Arnold Rühle: „Sie lesen nun alle hier Bücher“: 25 Jahre Bergen-Enkheimer Stadtschreiber. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 34, 23. August 1998, S. 25.
  • Claudia Schülke: Schlüsselübergabe: 25 Jahre Stadtschreiber-Amt in Bergen-Enkheim. In: Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, 69, 28. August 1998, S. 1–2.
  • Katharina Deschka-Hoeck: Von tausend Mäzenen beobachtet. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 34, 24. August 2003, S. Kultur R 3.
  • Andreas Haupt: Frankfurt, Deine Stadtschreiber. In: Frankfurter Neue Presse, 28. August 2013, S. 12.
  • Charlotte Brombach, Anna Doepfner, Renate Müller-Friese, Ulrich Sonnenschein (Hrsg.): Stadtschreiberei. Verlagsbuchhandlung Bergen erlesen, Frankfurt am Main. 2020: Von Anja Kampmann zu Anne Weber, ISBN 978-3-9822203-0-7; 2021: Von Anne Weber zu Dorothee Emiger, ISBN 978-3-9822203-1-4; 2022: Von Dorothee Elmiger zu Marion Poschmann, ISBN 978-3-9822203-2-1; 2023: Von Marion Poschmann zu Nino Haratischwili, ISBN 978-3-9822203-3-8; 2024: Von Nino Haratischwili zu Dinçer Güyçeter, ISBN 978-3-9822203-4-5; 2025: Von Dinçer Güyçeter zu José F. A. Oliver, ISBN 978-3-9822203-5-2

Einzelnachweise

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