Tötung von Renée Good
Tödliche Schüsse auf eine US-Staatsbürgerin durch einen Mitarbeiter der Einwanderungsbehörde ICE in Minnesota im Januar 2026
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Die Tötung von Renée Good (auch Renée Nicole Macklin) ereignete sich am 7. Januar 2026 im Süden der Stadt Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota.[1] Die 37-jährige US-Staatsbürgerin wurde vom ICE-Beamten Jonathan Ross erschossen. Der Vorfall löste eine landesweite Debatte über die Befugnisse der Bundesbehörden, den Einsatz tödlicher Gewalt und die Einwanderungspolitik der zweiten Trump-Regierung aus. Tausende Menschen protestierten in Minneapolis und vielen anderen amerikanischen Städten.

Vorgeschichte
Am 6. Januar 2026 kündigte das Heimatschutzministerium die bislang größten Razzien in der Metropolregion Minneapolis–Saint Paul an und erklärte, dafür 2000 Bundesbeamte einzusetzen. Die Behörde führte Fahrzeugkontrollen durch und nahm innerhalb kurzer Zeit rund 150 Personen fest. Vor Ort war auch Heimatschutzministerin Kristi Noem.[2][3]
Hintergrund des Gesamt-Einsatzes war nach Darstellung des Ministeriums ein millionenschwerer Betrugsfall um die Nichtregierungsorganisation „Feeding Our Future“, bei dem die Trump-Regierung hart gegen Einwanderer vorgehen wolle.[4] Die verurteilte Gründerin der Organisation und Drahtzieherin des Betrugs, Aimee Bock, ist eine Weiße, doch die Mehrheit der Angeklagten sind somalischer Abstammung und die meisten eingebürgerte US-Bürger. Trump bezeichnete somalische Amerikaner als „Abfall“ und griff damit auch eine seiner schärfsten Kritikerinnen, die demokratische Kongressabgeordnete Ilhan Omar aus Minneapolis, an.[5] In einer gemeinsamen Pressekonferenz von Keith Ellison, Jacob Frey und Kaohly Her wurde diese Begründung als Vorwand bezeichnet, um gegen den demokratisch regierten Staat Minnesota vorzugehen.[6][7] Auch ICE-Mitarbeiter sprachen ihrer Behörde und deren Mitarbeitern die Qualifikation ab, gegen Finanzbetrug zu ermitteln.[8] Der ICE-Einsatz erfolgte gegen den erklärten Willen lokaler Amtsträger. Tim Walz, der Gouverneur von Minnesota, bezeichnete den Einsatz im Vorfeld als einen „Krieg“ gegen seinen Bundesstaat.[3] „Sie versuchen, uns zu brechen“, sagte die demokratische Abgeordnete Emma Greenman zum ICE-Einsatz.[9][10] Medienberichte schreiben, Trump sei auf Minnesota fixiert; lokale Politiker und Strategen, die in der Landes- und Bundespolitik tätig sind, weisen auf Trumps langjährige erfolglose Versuche hin, den Staat für sich zu gewinnen, sowie auf seine persönliche Verachtung für Walz, der während der Präsidentenwahl des Jahres 2024 für die Vizepräsidentschaft kandidierte.[5] Trump hatte Walz bereits früher als „Schleimball“, „korrupt“ und „dumm“ bezeichnet und gesagt, Walz habe seinen Bundesstaat „zerstört“.[3][11][12]
Am späteren Tatort hatte Renée Good nach Angaben ihrer Ehefrau Becca Good angehalten, um ihren Nachbarn gegen die ICE-Razzien beizustehen: „Wir hatten Pfeifen. Sie hatten Schusswaffen.“[13] Pfeifen werden von Aktivisten verwendet, um vor der Präsenz der ICE zu warnen.[14] Wenige Minuten zuvor hatte sie ihren Sohn an der Grundschule abgesetzt.[15] Die Beamten führten dort keinen Einsatz aus, sondern hatten ein Auto aus dem Schnee befreit.
Tathergang
Renée Nicole Good befand sich am 7. Januar 2026 gegen 09:40 Uhr in der verschneiten Portland Avenue in einem Auto, das zunächst quer auf einem der Fahrstreifen in dem Wohngebiet stand.[3][16][17] Sie winkte ein erstes ICE-Auto vorbei, ein zweites Fahrzeug hielt hinter ihrem Wagen an. Der spätere Schütze, der vermummte ICE-Beamte Ross, umrundete da bereits zu Fuß langsam mit seinem hochgehaltenen Handy filmend ihr Fahrzeug.[18][19] Renée Goods Lebensgefährtin Becca verließ von der Beifahrerseite aus das gefilmte Fahrzeug und filmte mit ihrem Handy ihrerseits Ross bei seinem Gang um ihr Auto. Es kam dabei zu einer Ansprache von Ross durch sie. Zwei weitere vermummte ICE-Beamte verließen parallel dazu ihr Fahrzeug, gingen auf die Fahrerseite von Goods Auto zu und forderten sie zum Aussteigen auf.[20] Zeugen vernahmen widersprüchliche Anweisungen: einerseits solle Good wegfahren, andererseits aussteigen.[21][22][23][24]
Good setzte ihren Pkw in diesem Moment langsam zurück. Sie änderte den Lenkradeinschlag, um zwischen den drei Beamten und dem vor ihr stehenden Wagen im Schritttempo wegzufahren.[16][20][25] Bereits während der Pkw zurücksetzte, zog der ICE-Beamte Ross mit der rechten Hand seine Waffe aus dem Holster.[26] Danach gab er von seitlich vorne links einen Schuss auf Good durch die Windschutzscheibe ab. Daraufhin beugte er sich vor und gab 0,4 Sekunden nach dem ersten Schuss[27] aus kurzer Distanz zwei weitere Schüsse durch das Seitenfenster auf den Kopf von Good ab. Mindestens einer der Schüsse traf Good am Kopf. Das Untersuchungsergebnis einer amtlichen Leichenschau dazu ist noch nicht bekannt.[28][29][30] Laut einem von der Familie erwirkten unabhängigen Obduktionsbericht war erst der dritte Schuss ein Kopfschuss.[31] Nach den Schüssen fiel von Ross die frauenfeindliche Beleidigung „fucking bitch“.[32][26] Neben der Wunde am Kopf erlitt Good zwei Wunden auf der rechten Seite des Brustkorbs und eine im linken Unterarm.[33]
Nach den Schüssen beschleunigte Goods Fahrzeug unkontrolliert und prallte nach wenigen Metern von hinten gegen ein auf der gegenüberliegenden Straßenseite geparktes Auto und einen Lichtmast.[3] Ross steckte seine Waffe ins Holster und ging hinter Goods Fahrzeug her. Er schaute in den Wagen und ging ruhigen Schritts zurück zu den anderen Beamten und rief „call 911“. Weitere bewaffnete Beamte begaben sich zum Auto und schirmten Renée Good in ihrem Fahrzeug ab und hinderten Anwesende, Erste Hilfe zu leisten mit der Begründung, dass man eigene Sanitäter habe. Ein Mann, der angab, Arzt zu sein, wurde nicht zu Good vorgelassen.[34] Einer der Agenten hatte sich ihm mit scheinbar erhobener Waffe genähert. Der Mann beteuerte mit erhobenen Händen, Arzt zu sein.[35] Die ICE-Mitarbeiter leisteten selbst ebenfalls keine Erste Hilfe und riefen erst 3 Minuten nach den Schüssen einen Notarzt. Nach etwas über 6 Minuten befreiten Feuerwehrleute Renee Good aus dem Fahrzeug und stellten fest, dass sie nicht mehr atmete, aber noch einen schwachen Puls hatte.[36] Die Feuerwehrleute trugen sie zu einer ruhigeren Stelle am Straßenrand und starteten letztlich erfolglose Reanimationsversuche. Good wurde etwa 8 Minuten nach den Schüssen ohne Krankentrage an den Gliedmaßen weggetragen und mit einem Krankenwagen in das Hennepin Healthcare Krankenhaus eingeliefert, wo ihr Tod festgestellt wurde.[27][37] Der Schütze und weitere beteiligte ICE-Beamte verließen den Tatort vor einer Befragung und ohne Hilfeleistungen für Good geleistet zu haben.[38]
Eine Besonderheit des Tathergangs in Minneapolis am 7. Januar ist, dass Filmmaterial aus mehreren Perspektiven vorhanden ist:[34] von Passanten, einer Überwachungskamera, filmenden Anwohnern. Es gibt eine 47 Sekunden lange Videoaufzeichnung des Schützen mit einer Unterbrechung unmittelbar vor und während der drei Schüsse.[39][40] Weitere Aufnahmen aus anderen Perspektiven, die unter anderem durch die New York Times ausgewertet wurden, zeigen, dass der Beamte während der Abgabe der Schüsse links neben dem Wagen zu sehen ist. Der Wagen drehte sich zu diesem Zeitpunkt nach rechts, also von ihm weg.[39] Seine linke Hand stützte er zu dem Zeitpunkt auf dem Auto ab und sein Arm scheint durch den Kontakt in Richtung seiner Brust bewegt zu werden, während sein Fuß nach hinten rutscht. Es lässt sich nicht eindeutig feststellen, ob es zu einem Kontakt zwischen der Brust und dem Fahrzeug kommt.[26]
Beteiligte
Renée Nicole Good

Die Getötete Renée Nicole Good (* 2. April 1988 in Colorado Springs) war eine 37-jährige US-Bürgerin. Good war Mutter von drei Kindern und lebte zuletzt zusammen mit ihrer Partnerin Rebecca Brown Good in Minneapolis.[41] Renée Nicole Good war Absolventin der Old Dominion University, wo sie im Dezember 2020 einen Abschluss in Englisch erwarb und für ihre Lyrik mit dem Academy of American Poets Prize ausgezeichnet wurde.[42] Good arbeitete danach zeitweise als zahnärztliche Assistentin.[43] Im Anschluss bot sie zusammen mit ihrer Partnerin und einem eigenen Unternehmen Dienstleistungen im Bereich der Hausrenovierungen an.[44] Laut Angaben ihres Ex-Mannes hatte Good vorher ihren sechsjährigen Sohn in die Grundschule gefahren und war auf dem Weg zurück nach Hause. Good, so ihr Ex-Mann, sei keine Aktivistin gewesen.[45] Zum Zeitpunkt ihres Todes fungierte Good als „Rechtsbeobachterin“ (Legal Observer), um die Aktivitäten der föderalen Einsatzkräfte in der Stadt zu dokumentieren.[46]
ICE-Beamter

Auf seiner Dienstkleidung wird er als „HSI Special Agent“ ausgewiesen. Bei dem Vorfall war er der erste ICE-Beamte am späteren Tatort. Er fuhr mit seinem Wagen rechts an dem Wagen der Goods auf dem Radfahrstreifen vorbei und hielt dicht vor ihm. Er verließ seinen Wagen und umkreiste den Wagen der Goods.
Das Heimatschutzministerium gab die Identität des Schützen zunächst nicht preis und gab hierfür Sicherheitsgründe an. Heimatschutzministerin Kristi Noem äußerte bei einer Presseerklärung wenige Stunden nach den Schüssen auf Good, dass der ICE-Schütze früher vom Auto eines Verdächtigen mitgeschleift worden sei, nannte jedoch keine Details. Die Tageszeitung Minnesota Star Tribune recherchierte daraufhin die eskalierte Fahrzeugkontrolle in Bloomington im Juni 2025. Ein Sprecher des Heimatschutzministeriums bestätigte, dass der Schütze jener Beamte war. Die Minnesota Star Tribune konnte ihn daraufhin anhand von Gerichtsdokumenten als Schützen identifizieren und machte den Namen öffentlich.[47][48][49] Bei dem Schützen handelt es sich um den 43-jährigen ICE-Beamten Jonathan Ross, der in St. Paul lebte.[47][50] Ross hatte laut Nachbarn bei seinem Haus zeitweise das Emblem der Gadsden Flag gezeigt.[51][52] Jonathan Ross war als Teil der Indiana National Guard von 2004 bis 2005 im Irak eingesetzt und fungierte dort als Maschinengewehrschütze. Nach seiner Rückkehr in die USA besuchte er das College und schloss sich in Texas der US-Grenzschutzbehörde Border Patrol an. Dort war er für die Analyse von Informationen über Kartelle sowie Drogen- und Menschenschmuggel zuständig. Im Jahr 2015 wechselte er zur Einwanderungspolizei ICE in Minneapolis. Innerhalb von ICE war er Mitglied eines „Special Response Teams“ sowie Ausbilder für Schusswaffen und sogenannte Active-Shooter-Szenarien.[48]
Im Juni 2025 wollten Ross und sein Team in Bloomington, einer Vorstadt von Minneapolis, einen mexikanischen Staatsbürger festnehmen. Im Verlauf der Maßnahme schlug Ross das hintere Fahrzeugfenster mit einem Werkzeug ein und griff hinein.[53] Daraufhin fuhr der Verdächtige los, der Arm des Beamten wurde im eingeschlagenen Fenster eingeklemmt und Ross mit dem Fahrzeug zwölf Sekunden mitgeschleift. Er und der Fahrer mussten anschließend ärztlich behandelt werden.[47][48][49][54]
Ermittlungen
Die Ermittlungen zu dem Todesfall sollten zunächst gemeinsam durch die Bundespolizei FBI und das Minnesota Bureau of Criminal Apprehension geführt werden. Das FBI zog dieses Angebot jedoch nach kurzer Zeit zurück. Dem Vernehmen nach geschah dies, weil auf Bundesebene die Sorge bestand, dass die Identität von beteiligten ICE-Beamten gedoxt werden könne und diese dadurch in Gefahr geraten würden.[55] Bob Jacobson, Leiter des Minnesota Department of Public Safety, erklärte, es sei für Landesbehörden extrem schwierig bis unmöglich, die Geschehnisse ohne Kooperation der Bundesbehörden zu untersuchen, da das FBI alle Beweise der Ursprungsuntersuchung vor Ort besitze und sie nicht teile.[56][57][58]
Das Bundes-Justizministerium lehnte eine Untersuchung, ob die Schussabgabe durch den Beamten ungesetzlich gewesen sei, ab. Aus Protest gegen diese Entscheidung haben mehrere leitende Beamte des Justizministeriums ihren Dienst quittiert.[59] Berichten zufolge hat das Justizministerium außerdem Ermittlungen angeordnet, die sich gegen die Getötete und ihre Witwe richten sollen. Als Reaktion hierauf haben mehrere Staatsanwälte, darunter der Staatsanwalt für den District of Minnesota, Joseph H. Thompson, ihr Amt niedergelegt.[60][61][62] Am 15. Januar gab die Anwaltskanzlei Romanucci & Blandin bekannt, sie sei von der Familie Renée Goods beauftragt worden, die Anklage gegen den Schützen zu übernehmen. Die Kanzlei hatte bereits die Angehörigen von George Floyd vertreten und erklärte, sie wolle Good als „agent of peace“ (etwa: friedensstiftende Person) erinnert wissen.[63]
Einordnung in der US-amerikanischen Politik
Verhärtung der Positionen der US-Regierung
Verschiedene Personen der US-Regierung tätigten Falschaussagen zu den Vorfällen und sahen die Schuld am Tod bei der Getöteten selbst.[64][65] So behauptete die US-Heimatschutzministerin Kristi Noem, Good hätte versucht den Polizisten zu töten[66] und bezeichnete Good als „Inlandsterroristin“ (englisch domestic terrorist).[67] Good habe ihr Fahrzeug als Waffe gegen die Beamten eingesetzt und dieser habe um sein Leben gefürchtet.[3] US-Präsident Donald Trump verbreitete in sozialen Medien, Good sei „äußerst ungehorsam“ gewesen, sie habe im Weg gestanden und sich gewehrt. Dann habe sie gewalttätig, absichtlich und bösartig den ICE-Beamten überfahren.[68] „Es ist kaum zu glauben, dass er noch lebt, aber er erholt sich derzeit im Krankenhaus“, schrieb Trump auf Truth Social.[69] Er gab der „radikalen Linken“ die Schuld an der Eskalation[3][16] und behauptete, Good sei Teil eines linken Netzwerkes bezahlter Unruhestifter.[70] Vizepräsident JD Vance wiederholte diese Vorwürfe.[69] Während ICE-Direktor Tom Homan zunächst sagte, er könne den Fall nicht beurteilen, da er nicht vor Ort gewesen sei,[71] machte er später die „hasserfüllte Rhetorik“, die gegen Beamte der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) und Grenzschutzbeamte verwendet werde, für die tödlichen Schüsse verantwortlich.[72]
Die demokratische Kongressabgeordnete Robin Kelly kündigte am 9. Januar an, ein Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) gegen Ministerin Kristi Noem einzuleiten. Sie warf ihr Rechtsbeugung, Verletzung des öffentlichen Vertrauens und Amtsmissbrauch vor.[73][74] Auch die Senatoren Adam Schiff und Amy Klobuchar sowie der Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, verurteilten das Vorgehen der ICE scharf.
Trotz Kritik und Protesten verschärfte die US-Regierung den Einsatz der Einwanderungsbehörden in Minneapolis. In den folgenden Wochen kam es zu einer weiteren Todesfall in Minneapolis; am 24. Januar wurde der Krankenpfleger Alex Pretti in ähnlich umstrittenen Umständen getötet und löste eine weitere Protestwelle aus.[75][76]
Kritik durch die lokalen Behörden
Die politische Führung von Minnesota und Minneapolis reagierte mit scharfer Ablehnung auf die Darstellung der Bundesbehörden. Der Bürgermeister von Minneapolis Jacob Frey bezeichnete die Behauptung der Notwehr als „Schwachsinn“ (Bullshit). Er warf der ICE vor, „Chaos und Misstrauen“ zu säen, statt Sicherheit zu gewährleisten, und forderte die Behörde auf, die Stadt sofort zu verlassen.[3] Gouverneur Tim Walz warnte die Bürger davor, der „Propagandamaschine“ des DHS zu glauben, und kündigte eine unabhängige Untersuchung durch das staatliche Bureau of Criminal Apprehension (BCA) an.[3] Er versetzte zudem die Nationalgarde von Minnesota in Bereitschaft. Die Bundesjustiz ermittelte gegen Frey und Walz wegen Verschwörung. Tim Walz schrieb auf seiner Twitter-Seite (X): „Das Justizsystem in eine Waffe gegen Gegner zu verwandeln, ist eine autoritäre Taktik. Die einzige Person, die nicht Gegenstand einer Untersuchung zum Mord an Renee Good ist, ist der Bundesagent, der sie erschossen hat.“[77]
Die Senatorin Tina Smith wies darauf hin, dass Good eine Terroristin genannt wurde, bevor auch nur ihr Name bekannt war. Das Weiße Haus versuche seither zu vertuschen (englisch White House ‚attempting to cover up‘ Good shooting. ‚Das Weiße Haus versucht die Erschießung von Good zu verdecken.‘). Als ehemalige Vize-Gouverneurin wisse sie, wie Beamte professionell in Deeskalation geschult würden. Kein professioneller Ermittler sollte derart die Kontrolle verlieren.[78]
Sechs Anwälte der US-Staatsanwaltschaft in Minnesota und vier Leiter der Bürgerrechtsabteilung des Justizministeriums kündigten aus Protest. Sie kritisierten die Entscheidung Harmeet Dhillon's, dass die Bürgerrechtsabteilung des Justizministeriums keine Untersuchung gegen Ross einleiten werde. Als weitere Gründe des Protest wurden die geplanten Untersuchungen gegen Good und ihre Witwe genannt, und dass das FBI Landesbehörden von Minnesota nicht an den Ermittlungen beteiligen wolle.[79]
Reaktionen

Kritik durch Sicherheitsexperten
Eine frühere DHS-Sprecherin meinte, das erste, was Beamte lernten, sei, nie vor dem Auto zu stehen, sodann „you never use lethal force in a moving car setting unless it is a risk for you or others“ („Man sollte bei einem fahrenden Auto niemals tödliche Gewalt anwenden, es sei denn, es stellt eine Gefahr für einen selbst oder andere dar.“). Zudem seien mehrere der stattgefundenen Handlungen eskalierend gewesen, obwohl Beamte zur Deeskalation angehalten seien. Ein ehemaliger FBI-Agent nannte die immer wichtige Kommunikation in dem Fall unprofessionell: „Hätte der Beamte fünf Sekunden normal mit ihr [der Fahrerin] geredet, wäre sie weggefahren.“[27] Die Verwendung eines Smartphones durch den ICE-Beamten wurde von einem erfahrenen Polizeibeamten kritisiert, der von CNN interviewt wurde: „Wenn du dir wirklich Sorgen um deine Sicherheit machst, warum bindest du deine Hände und deine Aufmerksamkeit mit deinem Handy? Die ICE-Beamten fühlten sich eindeutig nicht bedroht.“[80]
Stimmen aus der Zivilgesellschaft
Brian O. Hemphill, Präsident der Old Dominion University, veröffentlichte einen Nachruf der Hochschule auf Renée Nicole Good.[81] Eine Spendenaktion für die Familie von Good auf der Plattform GoFundMe erreichte innerhalb kurzer Zeit mehr als 1,5 Millionen US-Dollar.[82]
Verschiedene Late-Night-Shows widmeten sich dem Vorfall und der durch die US-Regierung verbreiteten Falschinformationen, so u. a. Jimmy Kimmel Live! und The Daily Show.[83][84][85] Bei einem Auftritt der Popgruppe Duran Duran am 9. Januar in Kalifornien wurde das Lied Ordinary World der Erschossenen gewidmet.[86] Der Musiker Bruce Springsteen verurteilte bei einem Auftritt auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung in New Jersey am 17. Januar 2026 den Vorfall mit scharfen Worten. Wie nie zuvor in der Geschichte der Vereinigten Staaten seien die Werte in Gefahr, für die das Land 250 Jahre lang gestanden habe. Er forderte dazu auf, den Bürgermeister von Minneapolis zu unterstützen und von Donald Trump den sofortigen Abzug der ICE-Einheiten aus Minneapolis zu verlangen. Er widmete das Lied „The Promised Land“ Renée Good.[87] Ähnlich äußerten sich Dave Matthews, Neil Young und Billie Eilish. Letztere bezeichnete ICE als eine „vom Bund bezahlte und unterstützte Terrorgruppe“, Young sprach von „maskierten Schlägern, die sich auf der Straße herumtreiben und die Gemeinden terrorisieren.“[88]
Öffentliche Proteste und Demonstrationen

Am Abend des Vorfalls versammelten sich mehr als tausend Menschen zu einer Mahnwache am Tatort. Die Teilnehmer riefen gemeinsam „Say her name! Renée Good!“ und erinnerten damit auch an die Proteste nach dem Mord George Floyds, der 2020 zwei Kilometer entfernt in dieser Stadt getötet worden war.[89] Aus Sicherheitsgründen wurde bei rund 100 Schulen der Umgebung für den Rest der Woche der Unterricht für 30.000 Schüler abgesagt.[90]

Es gab US-weite Protestversammlungen und Demonstrationen in Albuquerque,[91] Atlanta,[92] Austin,[93] Birmingham,[94] Boston,[95] Charlotte,[96] Chicago,[97] Cincinnati,[98] Colorado Springs,[99] Columbia, S.C.[100] Columbus, Ohio,[101] Detroit,[102] Duluth,[103] El Paso,[104] Eugene,[105] Grand Rapids,[106] Hattiesburg,[107] Houston,[108] Kansas City,[109] Miami,[110] New York City,[111] Oakland,[112] Omaha,[113] Philadelphia,[89] Phoenix,[114] Pittsburgh,[115] Portland, Oregon,[116] Richmond,[117] Salt Lake City,[118] San Antonio,[119] San Diego, San Francisco,[120] Seattle,[121] Tallahassee,[122] Washington, D.C.,[123] und in Worcester.[124]
In der Popkultur
Der US-amerikanische Rockmusiker Bruce Springsteen veröffentlichte am 28. Januar 2026 eine Single mit dem Titel Streets of Minneapolis.[125] Seiner Aussage nach hat er das Lied am 24. Januar 2026 geschrieben, am 27. aufgenommen und am 28. veröffentlicht. Er widmete seine Komposition den Menschen von „Minneapolis, unseren unschuldigen zugewanderten Nachbarn und dem Andenken von Alex Pretti und Renée Good“ im Rahmen von Operationen der US-Polizeibehörde United States Immigration and Customs Enforcement (ICE). „Oh, our Minneapolis, I hear your voice singing through the bloody mist“ (=„Oh Minneapolis, ich höre deine Stimme, die durch den blutigen Nebel schreit“), heißt es im Refrain des Songs. „We’ll remember the names of those who died on the streets of Minneapolis“ (=„Wir werden die Namen derer in Erinnerung behalten, die auf den Straßen von Minneapolis gestorben sind“). In seinem Liedtext wendet sich Springsteen außerdem gegen „King Trump’s private army from the DHS“ (=„König Trumps Privatarmee vom DHS“), die „occupier’s boots“ (=„Besatzer-Stiefel“) trägt und „Guns belted to their coats“ (=„Pistolen an ihre Mäntel geschnallt hat“).[126] Er spielt damit auf die rund 3000 Bediensteten der Einwanderungsbehörde ICE und der Grenzschutzagentur United States Customs and Border Protection (CBP) an, die die Regierung von Donald Trump nach Minneapolis entsandt hatte, um Immigranten ohne Aufenthaltserlaubnis aufzuspüren. Das Lied endet mit dem Versprechen: „We’ll remember the names of those who died on the streets of Minneapolis“ (=„Wir werden uns an die Namen derer erinnern, die auf den Straßen von Minneapolis gestorben sind“). Springsteens Post auf Instagram zu seinem Song hatte schon nach wenigen Stunden mehr als hunderttausend Likes.[127][128][129] Außerdem veröffentlichte die irische Rockband U2 im Februar 2026 den politischen Song American Obituary, der textlich auf das Leben der getöteten Renée Good eingeht. Im Zusammenhang mit den Geschehnissen im US-Bundesstaat Minnesota änderte der Sänger und Bassist Fat Mike im Januar 2026 den bereits existierenden Song Huntington Beach Nazis seiner Punk-Rock-Band NOFX ab, um das Lied unter dem Titel Minnesota Nazis mit Bezug auf die Taten der Einwanderungsbehörde ICE neu zu veröffentlichen.[130]
Analyse
- ICE Shooting in Minneapolis In: New York Times, 8. Januar 2026
- How the ICE shooting unfolded, step by step In: CNN, 10. Januar 2026 (Video-Analyse).
- A close examination of the shooting of Renee Good In: Minnesota Star Tribune, 10. Januar 2026
Siehe auch
Weblinks
- Video Analysis of ICE Shooting Sheds Light on Contested Moments. In: The New York Times, 15. Januar 2026 (mit Transcript).
- Analysing Footage of Minneapolis ICE Shooting. In: Bellingcat, 13. Januar 2026.