Tomasz Froelich
deutscher Politiker (AfD), MdEP
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Tomasz Mariusz Froelich (* 15. Oktober 1988 in Hamburg) ist ein deutsch-polnischer Politiker (AfD) und seit 2024 Mitglied des Europäischen Parlaments, wo er erster stellvertretender Leiter der AfD-Delegation ist. Seit Februar 2019 war er stellvertretender Bundesvorsitzender der Jungen Alternative für Deutschland.

Jugend und Ausbildung
Froelich wuchs in Hamburg und Stettin auf. Er spielte für den VfL 93 Hamburg in der Fußball-Oberliga Nord und wurde gemeinsam mit Robert Lewandowski 2006 in die polnische U18-Nationalmannschaft nominiert.[1] 2008 legte er sein Abitur am Wilhelm-Gymnasium in Hamburg ab. Anschließend studierte er an der Universität Wien Politikwissenschaft und Internationale Entwicklung und an der Wirtschaftsuniversität Wien Sozioökonomie.[2] Während und nach seiner Studienzeit war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Austrian Institute of Economics & Social Philosophy von Martin Rhonheimer.
Politischer Werdegang
Als Jugendlicher war Froelich Mitglied der Jungen Liberalen. Während seiner Studienzeit betrieb Froelich den rechtslibertären Blog Freitum.[3] Er publizierte für Medien, die dem rechtspopulistischen und libertären Spektrum zugeordnet werden, unter anderem für eigentümlich frei,[4] Freilich,[5] Krautzone, Junge Freiheit, Blaue Narzisse, Schweizerzeit. Nach seinem Studium arbeitete er von Juni 2016 an zunächst als parlamentarischer Berater der AfD-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg. Nach kurzer Zeit wurde er Büroleiter des damaligen AfD-Parteivorsitzenden Jörg Meuthen.[6] 2019 wurde er Pressesprecher der AfD-Delegation im Europäischen Parlament. Im Februar 2019 wurde Froelich stellvertretender Bundesvorsitzender der Jungen Alternative für Deutschland[7]; er blieb dies bis zu ihrer Auflösung im März 2025. Von 2019 bis 2021 war er Landesvorsitzender der Jungen Alternative Hamburg.[8] 2022 wurde er parlamentarischer Berater der Fraktion Identität und Demokratie des Europäischen Parlaments. Im Juli 2023 wurde Froelich auf dem AfD-Bundesparteitag in Magdeburg auf Listenplatz 12 für die Europawahl 2024 gewählt.[9]
Über diesen Listenplatz zog er 2024 ins Europaparlament ein, wo er erster stellvertretender Leiter der AfD-Delegation ist. Er gehört der Fraktion Europa der Souveränen Nationen an und ist ihr Sprecher im Ausschuss für Menschenrechte (DROI). Darüber hinaus ist er Stellvertreter im Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten (AFET) und im Ausschuss für Entwicklung (DEVE). Zudem gehört er der Delegation für die Beziehungen zu Zentralasien (DCAS), der Delegation in der Parlamentarischen Versammlung Euronest (DEPA), der Delegation in der Paritätischen Parlamentarischen Versammlung OAKPS-EU (DACP) und der Delegation in der Parlamentarischen Versammlung Afrika-EU (DAFR) an. Der Delegation im Parlamentarischen Assoziationsausschuss EU-Ukraine (D-UA) und der Delegation in der Parlamentarischen Versammlung Pazifik-EU (DPAC) gehört er als stellvertretendes Mitglied an.[10]
Im Juni 2025 wurde er zu einem der beiden stellvertretenden Sprecher des AfD-Kreisverbands Ortenau gewählt, im April 2026 zusätzlich zum Sprecher des AfD-Stadtverbandes Kehl.[11][12]
Positionen
In einem Interview mit der rechtskonservativen ungarischen Tageszeitung Magyar Hírlap sagte Froelich, er halte es für unerlässlich, dass sich eine genuin europäische Rechte in den kommenden Jahren herauskristallisiere, die Europa als eigenständigen Akteur auf der politischen Weltbühne begreife und weder amerikanische Operationszone noch russisches Interessengebiet sein wolle. Dafür müssten anachronistische nationalchauvinistische Ressentiments überwunden werden.[13]
Eine multipolare Weltordnung böte laut Froelich Chancen: „Unipolarität bedeutet US-Dominanz, Regenbogenterror, Multikulti, Critical Whiteness und Kriegsinterventionismus für fremde Interessen im Namen westlicher Werte bei gleichzeitigem Autonomieverlust zulasten der Völker Europas. Multipolarität bedeutet, dass Regionalmächte selbst darüber entscheiden, was in ihren Großräumen gilt und geschieht, und was nicht. Das gilt auch für Europa.“[14] Man müsse sich von den USA emanzipieren und eine eigene europäische Sicherheitsarchitektur aufbauen ohne dabei zu einem russischen Protektorat zu werden.[15]
Fröhlich spricht sich für Remigration aus[16] und stellt das deutsche Asylrecht infrage.[17]
Mediale Einordnung
Frederik Schindler bezeichnete ihn in der Welt als „Anhänger eines antiwestlichen Kulturrelativismus“ und warf ihm offene Schwulenfeindlichkeit vor, nachdem Froelich nach der Wiederwahl von Recep Tayyip Erdoğan im Jahre 2023 die türkische Bevölkerung dafür lobte, „eine Politik für die Ärmsten der Armen, statt für die Wärmsten der Warmen“ zu bevorzugen. Schindler wies zudem darauf hin, dass Froelich sich in einem Podcast der Jungen Alternative Baden-Württemberg für ein Verbot des Christopher Street Days ausgesprochen hatte.[18]
Laut Focus Online rechnen Beobachter Froelich zum rechten Flügel der AfD.[19]
T-Online bezeichnete Froelich nach der AfD-Aufstellungsversammlung zur Europawahl im Sommer 2023 als den „polnische[n] AfD-Nachwuchsstar“.[20]
Auszeichnungen
- 2012: Roland-Baader-Auszeichnung für seinen Blog Freitum[21]
Veröffentlichungen
- Bildungsvielfalt statt Bildungseinfalt: Bessere Bildung für alle ohne Staat. Norderstedt: Books on Demand, 2015, ISBN 978-3-7347-4929-2.
- als Herausgeber: Gustave de Molinari: Produktion der Sicherheit. Edition Freitum, Wien 2015, ISBN 978-1-5032-7347-4.
Weblinks
- Tomasz Froelich in der Abgeordneten-Datenbank des Europäischen Parlaments