Ulrich Siegmund
deutscher Politiker (AfD), MdL
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Ulrich Siegmund (* 25. Oktober 1990 in Havelberg) ist ein deutscher Politiker (AfD) im vom Verfassungsschutz des Landes als gesichert rechtsextrem eingestuften Landesverband Sachsen-Anhalt. Seit 2016 ist er Abgeordneter im Landtag von Sachsen-Anhalt, seit August 2022 gemeinsam mit Oliver Kirchner außerdem Vorsitzender der AfD-Landtagsfraktion und damit Oppositionsführer. Am 25. November 2023 nahm Siegmund am Treffen von Rechtsextremen in Potsdam teil. Er tritt als Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im September 2026 an.

Leben
Ulrich Siegmund durchlief eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. 2014 gründete er ein Handelsunternehmen, das unter anderem Raumbeduftungen anbietet.[1] Im Jahr 2016 schloss er an der Europäischen Fernhochschule Hamburg sein Studium der Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspsychologie mit dem akademischen Grad Bachelor of Arts ab.[2]
Siegmund wohnt in Tangermünde, ist verheiratet und im Jahr 2017 aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten.[3]
Er betreibt unter dem Namen Mutzurwahrheit90 einen TikTok-Kanal, hat dort rund 640.000 Follower (Stand: Mai 2026)[4] und ist damit einer der erfolgreichsten deutschen Politiker auf der Plattform.[5]
Politik
Mit 19 Jahren trat Siegmund in die CDU ein, die er im Alter von 24 Jahren verließ, um Mitglied der AfD zu werden. Im Vorstand des AfD-Kreisverbandes Stendal ist er gewählter Pressesprecher. Seit 2016 gehört Siegmund dem Landesvorstand der AfD Sachsen-Anhalt an. Der Landesverband wurde 2023 vom Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft.[6][7]
Bei den Landtagswahlen 2016 und 2021 wurde Siegmund über die AfD-Landesliste in den Landtag von Sachsen-Anhalt gewählt.[8][9] Er war bis Februar 2024 Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit, Soziales und Integration sowie gesundheitspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt.[10][11] Im August 2022 wählte ihn die AfD-Fraktion im Landtag zum gleichberechtigten Co-Vorsitzenden neben Oliver Kirchner.[12]
Im Mai 2025 nominierte die AfD Siegmund als ihren Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im September 2026.[13]
Positionen
Nach Recherchen des Tagesspiegels strebt der AfD-Politiker grundlegende Veränderungen an: Die allgemeine Schulpflicht solle abgeschafft und der öffentlich-rechtliche Rundfunk auf zwei Programme reduziert werden, die auf jegliche Meinungsäußerung verzichten müssten.[14] Zudem beabsichtige er, die Landesregierung Sachsen-Anhalts durch die Zusammenlegung von Ministerien zu verkleinern.[14] Mehrere Landesbehörden, wie die Energieagentur, möchte er abschaffen.[15]
Kontroversen
Nach Recherchen von Correctiv war Siegmund Teilnehmer eines Treffens am 25. November 2023 im Landhaus Adlon in Potsdam mit Teilnehmern der Neuen Rechten, darunter dem österreichischen Rechtsextremen Martin Sellner und Mitgliedern der CDU. Bei dem Treffen wurde über einen „Masterplan“ zur praktischen Umsetzung der Rückführung von Millionen von Asylbewerbern, Ausländern mit Bleiberecht und „nicht-assimilierten“ (deutschen) Staatsbürgern aus Deutschland gesprochen – Remigration genannt. Siegmund soll dort um Direktspenden zur Wahlkampffinanzierung geworben haben.[16][17]
Im November 2025 antwortete Siegmund in einem Podcast des Portals Politico auf die Frage, ob die NS-Zeit „das Schlimmste der Menschheit“ sei, er maße sich das nicht an zu bewerten, da er „die gesamte Menschheit nicht aufarbeiten“ könne und „aus allen Verbrechen dieser Menschheit natürlich lernen“ müsse. Auf den Hinweis, dass bei seinen Veranstaltungen ein Anheizer dem Publikum „Sieg“ zurufe und die Menge „Mund“ zurückrufe, fragte Siegmund: „Was ist denn an meinem Namen falsch? Mein Name heißt Siegmund.“ Dazu sagte Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, wer zu einer Menge von AfD-Anhängern „Sieg“ rufe, spiele „auf die Sprechchöre der Nationalsozialisten an“, und wer „sich auf Nachfrage“ weigere, „die Schoa als schlimmstes Verbrechen der Menschheitsgeschichte zu bezeichnen“, relativiere damit die Verbrechen der Nationalsozialisten.[18]
Nach Recherchen des MDR ist Siegmunds Kampagnenseite mit einem Onlineshop verknüpft, der von einem Mitglied der Identitären Bewegung und früherem Neonazi betrieben wird.[19] Gegen die Identitäre Bewegung besteht seitens der AfD formell ein Unvereinbarkeitsbeschluss.[20]
Im Februar 2026 wurde Siegmund vorgeworfen, eine seiner Tätigkeiten als Geschäftsführer nicht veröffentlicht zu haben, obwohl dies für Abgeordnete verpflichtend ist.[21]
Bei einer Wahlkampfveranstaltung Mitte Juli 2026 in Dessau-Roßlau sang Siegmund mit Tino Chrupalla und Gästen die DDR-Nationalhymne Auferstanden aus Ruinen, die zuvor durch den eingeladenen Uwe Steimle angestimmt worden war.[22]
Vorwürfe der Vetternwirtschaft
Ulrich Siegmunds Vater war zeitweise bei den AfD-Abgeordneten Martin Reichardt sowie Matthias Büttner angestellt. Aktuell soll er für Thomas Korell zu einem monatlichen Gehalt von 7.725 Euro arbeiten.[23][24] Nachdem Jan Wenzel Schmidt ankündigte, Belege für Vetternwirtschaft in der AfD vorzulegen, sagte Siegmund laut einer Vorabmeldung der Junge Freiheit, viele Parteimitglieder hätten den Verdacht, Schmidt werde von Geheimdiensten gesteuert; er sprach von einem „mutmaßlichen V-Mann“.[25] Der Spiegel berichtete, Schmidt habe diese Darstellung zurückgewiesen und rechtliche Schritte angekündigt.[26] Laut t-online erklärte Siegmund in einem öffentlich verbreiteten Video außerdem, die Beschäftigung von Familienangehörigen sei „kein Problem“.[27]