Verkehr in Grönland

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Der Verkehr in Grönland beschreibt alle Formen des Verkehrs in Grönland.

Vorgeschichte

In vorgeschichtlicher Zeit gab es kein organisiertes Verkehrswesen in Grönland. Primäre Fortbewegungsmittel der Inuit der Thule-Kultur waren Kajak, Umiak und Hundeschlitten. Jäger fuhren im Kajak, während die Frauen, Kinder und Besitz im Umiak transportiert wurden, das deswegen auch „Frauenboot“ genannt wird. Der Hundeschlitten diente als Landtransportmittel, vor allem bei der Jagd.[1.1]

Schifffahrt

Historische Entwicklung

Bereits vor der Kolonialzeit kamen europäische Walfängerschiffe nach Grönland. Mit Beginn der Kolonialzeit in den 1720er Jahren begann ein regelmäßiger Schiffsverkehr zwischen Dänemark-Norwegen und den im Laufe der Zeit entstehenden Kolonien in Grönland. Während die Bevölkerung weiterhin ihre traditionellen Transportmittel benutzte, entstand ein paralleles Verkehrswesen durch die Kolonialmacht, durch das Personal, Material und Waren nach Grönland und aus Grönland weg transportiert werden konnten. Seit 1776 war Den Kongelige Grønlandske Handel für den Schiffstransport zuständig. Dieser wurde bis in die 1860er Jahre mit Segelschiffen durchgeführt, anschließend mit Segelschiffen mit Dampfmotor und ab den 1920er Jahren erstmals mit reinen Dampfschiffen bzw. Motorschiffen. Während die Segelschiffe häufig mehrere Monate unterwegs waren, konnten die moderneren Schiffe wie die Hans Egede die Strecke in zehn bis zwölf Tagen bewältigen.[2][1.2] Ursprünglich wurden alle Kolonien in Grönland einzeln von Dänemark-Norwegen aus befahren, während organisierter Schiffsverkehr zwischen den Kolonien im Grunde nicht existierte. Für den lokalen Transport von Waren, Post und Menschen zwischen den Kolonien und ihren jeweiligen Udstedern und Wohnplätzen wurden anfangs weiterhin Umiaks benutzt, aber schon nach kurzer Zeit wurde auf Segelboote und später auf motorbetriebene Schoner umgestiegen wurde.[2][1.2]

Im Zweiten Weltkrieg ging die Verbindung nach Dänemark verloren und Grönland wurde über die Vereinigten Staaten versorgt. Diese führten dabei auch den Küstenverkehr ein, bei dem Schiffe zwischen den einzelnen Kolonien fuhren und diese somit deutlich besser untereinander verbanden als zuvor. Nach Kriegsende wurde diese Praxis durch Dänemark fortgesetzt und der regelmäßige Küstenverkehr eingeführt.[3][1.3] Nach dem Krieg wurde Grönland im Zuge der G50-Politik modernisiert, wobei unter anderem die Häfen ausgebaut wurden. Seit dem 18. Jahrhundert war der Schiffstransport nach Grönland über Kopenhagen abgewickelt worden. Nach dem Krieg stieg der Schiffsverkehr so rasant an, dass ab den 1960er Jahren erst ein Teil und ab 1973 schließlich der gesamte Schiffsverkehr von Aalborg aus abging.[1.4]

Mit der Verbreitung des Luftverkehrs ging die Bedeutung der internationalen Personenschifffahrt ab den 1960er Jahren stark zurück und wurde zu Beginn der 1970er Jahre völlig eingestellt.[1.5] Zeitgleich stieg aber die Bedeutung der innergrönländischen Passagierschifffahrt. In den 1960er Jahren wurden erstmals reine Passagierschiffe gebaut, von denen erst vier und ab 1983 sechs Stück die grönländischen Siedlungen miteinander verbanden. Mit dem Aufkommen des innergrönländischen Luftverkehrs ab den 1980er Jahren wurde 1988 beschlossen, die Personenschifffahrt in Grönland stark einzuschränken. Dies entsprach jedoch nicht der Nachfrage der Bevölkerung, die weiterhin den Schiffsverkehr bevorzugte, weswegen dieser noch bis 2006 staatlich weitergeführt wurde und anschließend privatisiert oder auf ein Minimum reduziert wurde.[1.6]

Heutige Situation

Die Schifffahrt spielt heute noch eine große Rolle, vor allem für den Frachtverkehr. Alle Städte haben einen Hafen mit Ausnahme von Qaanaaq und Ittoqqortoormiit, wo Leichter genutzt werden. In den meisten Dörfern existieren ebenfalls kleinere Kaianlagen für kleinere Schiffe und Fischerboote.[4][5]

Die Mary Arctica der Royal Arctic Line im Hafen von Kopenhagen

Für die Frachtschifffahrt hat das Staatsunternehmen Royal Arctic Line das Monopol. Historisch lief der Schiffsverkehr nach Grönland über Kopenhagen. Ab den 1970er Jahren wurde er über Aalborg abgewickelt. Seit 2022 dient Aarhus als Basishafen in Dänemark. Vom Basishafen aus werden die internationalen Häfen in Grönland angefahren, von wo aus Güter mit kleineren Schiffen an übrige Städte verteilt werden. Von dort aus werden weitere kleinere Städte sowie die zugehörigen Dörfer mit Gütern versorgt.[4]

Die Sarfaq Ittuk der Arctic Umiaq Line im Hafen von Narsaq

Für den Personenverkehr gibt es zwei Schifffahrtsunternehmen. Arctic Umiaq Line, ein Tochterunternehmen der Royal Arctic Line, verkehrt mit dem einzigen Schiff Sarfaq Ittuk zwischen Ilulissat im Norden und Qaqortoq im Süden, wobei je nach Jahreszeit die nördlichsten und südlichsten Häfen wegen der Eisverhältnisse nicht angelaufen werden können. In der Diskobucht, Zentralwestgrönland und Südgrönland führt die private Disko Line Personentransport zwischen Städten und Dörfern durch, wobei auch hier die Eisverhältnisse teilweise nur den Sommerverkehr ermöglichen.[4][1.7]

Der Kreuzfahrtschifftourismus spielt eine immer größere Rolle in Grönland. Allein zwischen 2014 und 2018 konnte sich die Anzahl der Kreuzfahrttouristen in Grönland mehr als verdoppeln, woraufhin sie sich bis 2024 ein weiteres Mal verdoppelte und knapp 100.000 Kreuzfahrttouristen pro Jahr erreichte, entsprechend dem doppelten der Bevölkerung Grönlands.[6]

Luftverkehr

Historische Entwicklung

Eine De Havilland DHC-8-200 am Flughafen Kangerlussuaq

Bereits in den 1920er Jahren kamen erstmals Flugzeuge nach Grönland, die im Zuge des aufkommenden transatlantischen Luftverkehrs in Grönland zwischenlandeten. Hierbei landeten entweder Wasserflugzeuge vor der Küste oder es wurde auf dem Eis gelandet. Auch Polarexpeditionen begannen ab etwa 1930, Flugzeuge beispielsweise für kartografische Zwecke einzusetzen, beispielsweise durch Lauge Koch.[1.8]

Die ersten Flughäfen in Grönland waren die während des Zweiten Weltkriegs in Grönland errichteten US-amerikanischen Militärbasen, von denen Bluie West One in Narsarsuaq und Bluie West Eight in Kangerlussuaq die bedeutendsten waren. Über 10.000 Flugzeuge nutzten diese während des Kriegs für Zwischenlandungen während ihrer militärischen Operationen. Alleine am 4. Juli 1943 landeten 130 Flugzeuge in Narsarsuaq.[1.9]

Nach Kriegsende wurde im Juni 1946 erstmals ein ziviler Charterflug zwischen dem Flughafen Kopenhagen und dem Flughafen Narsarsuaq durchgeführt. Dieser und der Flughafen Kangerlussuaq wurden nach dem Krieg zunehmend zivil genutzt und später gänzlich an die zivile Luftfahrt übergeben. Ab 1949 fanden regelmäßigere Charterflüge zwischen beiden Flughäfen statt.[1.10] Zugleich wurden Flugzeuge aber auch weiterhin für Polarforschungszwecke und im Zuge des Kalten Kriegs für militärische Zwecke eingesetzt.[1.11]

1952 begann SAS Scandinavian Airlines mit dem Aufbau einer Transatlantikroute von Kopenhagen nach Los Angeles, die mit Probeflügen mit Zwischenlandung in Kangerlussuaq begann. 1954 wurde die Route fest eingeführt. Damit war erstmals Linienverkehr zwischen Dänemark und Grönland geschaffen. In den ersten Jahren wurden die Passagiere von Kangerlussuaq aus mit einem kleinen Motorboot für sechs Passagiere an ihre Zielorte in Grönland gebracht. Erst 1959 fanden erstmals interne Flüge in Grönland statt, die mangels Flughäfen in den größeren Orten mit von Eastern Provincial Airways geliehenen Wasserflugzeugen durchgeführt wurden.[1.10] 1960 wurde die Fluggesellschaft Grønlandsfly (ab 2002 Air Greenland) gegründet,[7] die 1962 den bisher vom KGH durchgeführten internen Flugverkehr übernahm.[2] Ab den 1980er Jahren versuchte man mehrmals, internationale Routen nach Kanada und in die USA zu etablieren, die aber nach wenigen Monaten oder Jahren wegen fehlender Nachfrage wieder eingestellt werden mussten.[1.12]

Ab 1965 wurde der Wasserflugzeugverkehr durch Hubschrauberverkehr umgestellt, indem in den Städten Heliports errichtet wurden.[1.13] Im selben Jahr wurde eine eigene Flugroute zwischen Kopenhagen und Kangerlussuaq eingerichtet, da die steigenden Passagierzahlen der Transport über die Zwischenlandung auf dem Weg nach Los Angeles nicht mehr zu bewältigen war, aber auch weil eine Zwischenlandung in Grönland nun nicht mehr notwendig war.[7][1.14]

Die Bedeutung des Flugverkehrs in Grönland nahm in den 1960er und 1970er Jahren rasant zu, sodass schließlich die Errichtung erster Stadtflughäfen stattfand. 1979 wurde der Flughafen Nuuk eröffnet und 1984 der Flughafen Ilulissat. In den 1990er Jahren folgten zahlreiche weitere kleinere Flughäfen in den übrigen Städten. Die bisher letzten Stadtflughäfen wurden in den 2000er Jahren errichtet.[1.15][8][9][4.1]

In den 2020er Jahren wurden die internationalen Flughäfen in den Dörfern Narsarsuaq und Kangerlussuaq durch internationale Flughäfen in den beiden größten Tourismusdestinationen Nuuk und Ilulissat ersetzt.[10]

Heutige Situation

Der Airbus A330 von Air Greenland

Der Flugverkehr ist heutzutage der primäre Verkehrszweig in Grönland. In Grönland existieren 13 zivile Flughäfen, die teilweise zivil genutzte Pituffik Space Base und einige weitere Landepisten mit militärischem oder wissenschaftlichem Hintergrund. Dazu kommen rund 50 Heliports (mit Abfertigungsgebäude) und Helistops (ohne Abfertigungsgebäude). Die Flughäfen befinden sich mit wenigen Ausnahmen im Eigentum des Staatsunternehmens Greenland Airports (bis 2024 Mittarfeqarfiit), das auch für den Betrieb der Flughäfen und einiger Hubschrauberlandeplätze steht. Die meisten Helistops werden hingegen von Pilersuisoq betrieben.[4.1]

Der internationale Flugverkehr wurde bis 2002 hauptsächlich von SAS durchgeführt. Seither ist Air Greenland hierfür zuständig. Isländische Fluggesellschaften führen in geringem Grad Flüge zwischen Island und Grönland durch.[4.1] Der innergrönländische Flugverkehr wird ebenfalls ausschließlich von Air Greenland bewältigt. Als Drehkreuz dient der Flughafen Nuuk. Von dort aus werden die übrigen Städte in Grönland angeflogen, teils mit Zwischenlandungen. Daneben gibt es einige Routen zwischen den einzelnen Städten. Von den meisten Städten aus besteht Helikopterverkehr in die umliegenden Dörfer und Städte ohne eigenen Flughafen.[11]

Auf den internationalen Flügen zwischen Dänemark und Grönland wird eine geringe Menge Luftfracht transportiert. Der Gütertransport nach und aus Grönland wird jedoch hauptsächlich über den Seeweg abgewickelt.[4]

Straßenverkehr

Straßenszene in Nuuk mit einer der drei Ampeln

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts gab es in Grönland keine Straßen und selbst in den größeren Orten existierten nur natürlich entstandene Pfade für den Fußverkehr, da es zu diesem Zeitpunkt keinerlei Fahrzeuge in Grönland gab. Lediglich in den US-amerikanischen Militärbasen waren in den 1940er Jahren einige Wege errichtet worden. Erst mit der Modernisierung im Zuge der G50-Politik wurden ab 1953 Straßen in den Städten gebaut. Ab 1984 wurden diese auch in den größeren Dörfern errichtet. Ein großes Problem ist hierbei das häufig felsige Terrain, das Sprengungen nötig macht, und der Permafrostboden, der existierende Straßen wartungsanfällig macht.[1.16] Heutzutage gibt es in den Städten gibt es ausgebaute Straßensysteme und in größeren Dörfern meist Schotterwege. Neben Autos werden auch Schneemobile und Quads genutzt. In geringem Maße werden Busse eingesetzt, beispielsweise durch Nuup Bussii in Nuuk.[4.1]

Wegen der großen Abstände, der problematischen Geografie und der dünnen Besiedlung gibt es in Grönland quasi keine Straßen, die verschiedene Orte miteinander verbinden. Während des Zweiten Weltkriegs wurde ein Schotterweg zwischen Ivittuut und Kangilinnguit gebaut, aber beide Orte sind mittlerweile verlassen. Auch von anderen (ehemaligen) Militärbasen führen manche Wege aus den Orten hinaus, da sich Teile der Militäranlagen weiter entfernt befanden. In Südgrönland gibt es zudem einige Schotterwege, die die verschiedenen Schäfersiedlungen miteinander verbinden, vor allem rund um den Fjord Tunulliarfik.[1.17]

In den 2000er Jahren gab es Überlegungen für die Errichtung einer Straßenverbindung zwischen Qaqortoq, Narsarsuaq und Narsaq sowie eines Straßennetzes zwischen Nuuk, Qeqertarsuatsiaat und Kapisillit, die jedoch aus finanziellen und technischen Gründen verworfen wurden.[4.2][1.17] Seit 2003 gab es zudem Pläne zur Errichtung einer Straßenverbindung zwischen Kangerlussuaq und Sisimiut.[4.3] 2021 wurde eine 126 km lange Quadstrecke fertiggestellt, aber erst 2025 eingeweiht. Zugleich wurde mit den Bauarbeiten für die ersten 21 km Schotterstraße begonnen.[12][13]

Schienenverkehr

Es gibt keinen Schienenverkehr im eigentlichen Sinne in Grönland. Von 1955 bis 1971 wurde im Dorf Qoornoq die Feldbahn Qoornoq als Werksbahn mit 600 mm Spurweite, betrieben, mit der von Hand Fische vom Hafen in die Fischfabrik geschoben wurden. Für den Bergbau wurden ebenfalls Güterloren genutzt.[14]

Literatur

  • Udvalget vedrørende den interne trafik i Grønland (Hrsg.): Betænkning vedrørende Den interne trafik i Grønland afgivet af det af ministeren for Grønland den 13. juni 1975 nedsatte udvalg. Kopenhagen 1977, ISBN 87-503-2258-3 (Online [PDF]).
  • Arbejdsgruppen vedrørende den interne trafik i Grønland (Hrsg.): Betænkning II vedrørende Den interne trafik i Grønland afgivet af den af Ministeriet for Grønland den 11. maj 1981 nedsatte arbejdsgruppe. Kopenhagen 1983, ISBN 87-503-4883-3 (Online [PDF]).
  • Transportkommissionen (Hrsg.): Transportkommissionens betænkning. Nuuk 2011, ISBN 978-87-91044-15-1 (Online [PDF]).

Einzelnachweise

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