deutscher Komponist, Musiker und Musik- und Theaterproduzent
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Vridolin Enxing (* 11. August1950 als Hans Georg Enxing in Unterberg, Kreis Beckum) ist ein deutscher Komponist, Musiker sowie Musik- und Theaterproduzent. Er veröffentlichte außerdem unter dem Pseudonym Giovanni Giorgio Andrea Campo di Pietre. Er war Komponist, Musiker und Darsteller in der deutschen Rockband Floh de Cologne. Mit anderen gründete er 2001 das International Munich Artlab Musiktheater und war bis 2022 dessen künstlerischer Leiter und Projektmanager. Hier wurde er unter seinem Spitznamen Vitti bekannt.[1]
Vridolin (Vitti) Enxing 2024
Leben/Wirken
Ausbildung
Ab 1958 bekam Enxing Klavierunterricht. Ab 1960 vertrat er seinen Vater als Organist in der Dorfkirche zu Vellern. Von 1965 bis 1969 studierte er Cello an der Westfälischen Schule für Musik in Münster. Von 1969 bis 1974 studierte er an der Staatlichen Hochschule für Musik Köln die Fächer Schulmusik mit dem Hauptfach Cello, Komposition und Dirigieren. Er schloss das Studium mit der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Höheren Schulen ab. Parallel belegte er an der Universität Köln die Fächer Musikwissenschaft, Theater- und Kunstgeschichte. Noch während seines Studiums wurde er 1973 Mitglied der Kölner Rockband Floh de Cologne. Dort arbeitete er hauptberuflich bis zu deren Auflösung im Jahre 1983.
Kompositionsaufträge und Projekte
Von 1984 an übernahm Enxing zahlreiche Kompositionsaufträge für Theater, Film und Hörfunk. Diese realisierte er in einem mit Dick Städtler gegründeten eigenen Tonstudio. Er entwickelte auch Bühnenshows, unter anderem mit Stefan Nast-Kolb und Akbar Behkalam.
In Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring München-Stadt und der Stiftung Deutsche Jugendmarke betrieb er von 1994 bis 1996 das Research-Projekt 30 Musikworkshops in Jugendfreizeitstätten – Musikproduktion im professionellem Digitalstudio[2][3] unter der wissenschaftlichen Begleitung von H. Rech von der FH München-Pasing. In der Folge wurde er dort zu einem Lehrauftrag berufen, um die wissenschaftliche Auswertung des Projektes empirisch zu unterlegen.
Außerdem entstand aufgrund der Ergebnisse der Musikworkshops mit dem Kreisjugendring München-Stadt zwischen 1994 und 1996 die CD Direkt aus dem Untergrund, eine Sammlung der Songs und Musikstücke, die Enxing mit den Jugendlichen und Kindern der Freizeitstätten produziert hatte. Mit Dick Städtler und Claus-Peter Lieckfeld entwickelte Enxing ein Konzept für das Kulturreferat der Stadt München unter der Leitung von Julian Nida-Rümelin. Dieses Konzept sah vor, mit den begabtesten Teilnehmenden der Musikworkshops ein Hip-Hop-Musical zu produzieren. Alle ästhetischen Anteile sollten von den Akteuren eigenständig erarbeitet werden, also Texte, Musik, Choreographie, Szenographie, Costume Design etc. Dieses Konzept führte zur Produktion des Hip-Hop-Musicals WestEndOpera, das er im Team mit Dick Städtler, Claus-Peter Lieckfeld und ab 1999 auch mit Theo König in München produzierte.[4][5][6]
2001 wurde er vom Kulturreferat der LH München beauftragt, ein Konzept zur Nachhaltigkeit der Vorgehensweisen und Methoden der Produktion WestEndOpera zu entwickeln. Der Titel des Konzeptes lautete: International Munich Artlab – ein Pilotprojekt zur ästhetischen Jugendarbeit.[7][8] Aufgrund der niederschwelligen Zugangsbedingungen war dies ein innovativer Ansatz in der kulturpolitischen Jugendarbeit.[9] Vridolin Enxing war von 2001 bis 2022 Künstlerischer Leiter und Projektmanager des International Munich Artlabs. Zum 1. Januar 2022 übergab Enxing Leitung und Projektmanagement an ein jüngeres Team.[10]
Audiobook-Cover Die mit dem Wind reitet
Seit den 2000er Jahren beschäftigte Enxing sich intensiv mit der Geschichte der amerikanischen Indianerkriege. Für den historischen Roman Die mit dem Wind reitet (Ride the Wind) von Lucia St. Clair Robson[11] erwarb er 2024 die Rechte für die Produktion des ersten deutschsprachigen Hörbuchs gleichen Titels. Die Sprecherin des Hörbuches ist Jutta Schmuttermaier. Das Coverbild verwendet eine Grafik von George Catlin. Das Hörbuch erschien im FLOHVerlag 2024.[12]
Floh de Cologne
Vridolin Enxing bei Floh de Cologne, Dritter von links (ca. 1975)
Mit dem Hinzukommen von Enxing 1973 veränderte sich die Musikstilistik der Gruppe erheblich.[13][14] Die bisherigen Mitglieder kamen vom Theater (Studiobühne Köln und aus Straßentheater-Gruppen).[15] Er war der erste professionelle Musiker in der Gruppe.[16] Die kompositorische Arbeit erweiterte er von den bisherigen Rock- und Beat-Strukturen hin zu Formen wie Chanson und orchestrale Arrangements. Auch das instrumentale Spektrum differenzierte sich. Enxing brachte mit Cello, Klavier, Fretless-Bass und elektrischer Gitarre professionelles Spiel in die Bühnen- und Studioperformance der Gruppe. War er ursprünglich von seiner klassischen Ausbildung beeinflusst, wandte er sich im Verlauf seiner Arbeit bei Floh de Cologne Formen wie Jazz, Rock, Pop und elektronischer Musik zu. Im letzten Programm FAATERLAND führte er einen der ersten Drumcomputer in das Live-Arrangement ein.
Enxing komponierte seit 1973 zusammen mit Dick Städtler die gesamte Musik für die Bühnenprogramme, die Schallplatten und die TV/Theaterproduktionen. Er war an sechs Bühnenprogrammen, neun Fernsehproduktionen, neun Plattenveröffentlichungen und fünf Theaterproduktionen beteiligt.[17]
Sonstiges
Enxing ist mit der Goldschmiedin Ilse von Schweinitz verheiratet und lebt seit 1985 in Riederau (Dießen am Ammersee). Er ist ordentliches Mitglied der GEMA. Von 1990 bis 1993 absolvierte Enxing eine Lehre als Zweirad-Motorradmechaniker[18] und besitzt einen Gesellenbrief der Handwerkskammer von Oberbayern. In den 2000er Jahren förderte Enxing die kalabresische Band Operai della fiat 1100 (ODF 1100) und mischte eine ihrer Schallplatten[19] in seinem Studio zusammen mit dem bekannten Tonmeister der RCA Rom Maurizio Montanesi.[20]
Werke
Live-Projekte für die Bühne
Ankündigung der Visionaten & Sehlieder im Cafe Schalotte in West-BerlinV. l.: Stefan Nast-Kolb, Vridolin Enxing, Akbar Behkalam unter dem Werbe-Transparent für Visionaten & Sehlieder vor dem Theater am Schiffbauerdamm in Berlin
Die ARD-Hörspieldatenbank enthält (Stand: April 2025) für den Zeitraum von 1986 bis 1998 insgesamt 44 Datensätze, bei denen Vridolin Enxing als Mitwirkender geführt wird.
Musik: „The Lied“ (Vridolin Enxing, Stefan Nast-Kolb, Klaus Burger). Regie: Klaus Wirbitzky. Live-Inszenierung im Kölner Funkhaus mit Nicole Heesters und Karin Anselm. Produktion: WDR.[37]
Das Plakat für die Auftrittsserie der WestEndOpera 2001 in Berlin
WestEndOpera – die authentische Hiphopera
Regie: Theo König, Dramaturgie: Dick Städtler und Claus-Peter Lieckfeld, Projekt-Manager: Ulrich Gläß, künstlerische Leitung: Vridolin Enxing.[47] Nach einem Casting mit ca. 200 Jugendlichen aus München wurde mit einer Auswahl von 50 Bewerbenden das Ensemble der WestEndOpera gebildet, darunter entdeckt und in Hauptrollen besetzt: Antje Traue und Tina-Maria Aigner.[48] Ebenfalls Teil des Ensembles war Christian „Zippy“ Pletschacher, der später als Komponist des Welthits Mambo No. 5 mit Lou Bega einen der meistverkauften deutschen Musiktitel produzierte. Die WestEndOpera ging auf Tournee und gab über 200 Gastspiele in Deutschland, Italien, Österreich und New York.[49][50] TV-Berichte gab es unter anderem auf ARTE[51], ÖRF, BR und RETE TEN (Kalabrien). Es entstanden mehrere Dokumentar- und Making-of-Filme.
International Munich Artlab Musiktheater 2001 bis 2022
Das Plakat der Musiktheater-Produktion gesICHter 2014 von International Munich Artlab
Von 2001 bis 2021 entstanden unter der künstlerischen Gesamtleitung von Enxing 11 Musiktheater-Produktionen.[52] Verschiedene von ihnen gingen auf Tournee in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Serbien und Süditalien. Alle Produktionen wurden verfilmt, die meisten auch als DVD in Stereo und Dolby-Surround 5.1 produziert. Für die gesamte Musikproduktion, das Sounddesign, die Postproduction und das DVD-Authoring war Enxing als Tontechniker tätig, ab 2015 zusammen mit Daniel „Provo Beatz“ Siebertz. Es entstanden mehrere Making-of-Filme, die im TV gesendet wurden, unter anderem von Maike Conway.[53]
Diskographie (Auszug)
Neben seinen Veröffentlichungen mit Floh de Cologne war Enxing Komponist/Instrumentalist auf folgenden Tonträgern, u. a. „Musik für Bayerntext“ (ab 2016 BR Text, ab 2025 ARD-Text). Das Bayerische Fernsehen sendet täglich Panoramabilder aus dem Alpenraum und dem Voralpenland. Die dafür komponierte Musik erschien und erscheint auf CDs. Enxing komponierte diverse Titel für diese Panoramabilder, wovon einige auf insgesamt drei CDs erschienen.
Kerschensteiner Medaille der Landeshauptstadt München 2005Urkunde Holger-Czukay-Preis der Stadt Köln 20231980: Deutscher Kleinkunstpreis mit Floh de Cologne
1996: Premio Ondas Internacional de Radio für das mehrteilige Hörspiel Mein wunderbares Schattenspiel
Vridolin Enxing:Komposition von Pop-Musik mit Jugendlichen. Ein Ansatz musikalischer Sozialarbeit. In: Otto Kruse (Hrsg.): Kreativität als Ressource für Veränderung und Wachstum. Dgvt-Verlag, Tübingen 1997, ISBN 3-87159-134-3, S.203.
Marcel Stoll:DAB (Digital Audio Broadcasting) – Musik und Netze: Das Enxing-Projekt. In: Fred Schell, Bernd Schorb, Hans-Jürgen Palme: Jugend auf der Daten-Autobahn (Hrsg.): Reihe Medienpädagogik. Band8. KoPad Verlag, München 1995, ISBN 3-929061-22-8, S.163.
Loren Balhorn:Lieber Kommunist als ein Systemling – ein Gespräch mit Floh de Cologne – Krautrock-Bandgeschichte. In: Jacobin. Nr.13. Brumaire Verlag, Berlin 2023, ISBN 978-3-948608-33-0, S.106.
Steve B. Peinemann:Die Wut, die du im Bauch hast – Politische Rockmusik: Interviews, Erfahrungen – Floh de Cologne: Gespräch mit Vridolin Enxing. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1980, ISBN 3-499-14668-1, S.22.
Vridolin Enxing: Wenn Süverkrüp Degenhardt wegrationalisiert. In: Michael Ben, Peter Maiwald (Hrsg.): Die Debatte – Zeitschrift für Politik Kunst Wissenschaft, ISSN 0176-7232. Juni 1985, Nr. 6. GbR Peter Maiwald, Michael von Bentivegni, Düsseldorf 1985, S. 73.
Karin Feuerstein-Prasser:Maria Fensky.In:Kölner Frauen-Stadtplan.Kooperationsprojekt der Stiftung Frauen*leben in Köln mit dem Kölner Frauengeschichtsverein und dem Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern der Stadt Köln.,10.September 2024,abgerufen am 29.April 2026.
Les Gutman and David Lipfert:Fringe Festival 2000 New York, Hiphopera.In:CurtainUp
The Internet Theater Magazine of Reviews, Features, Annotated Listings.2000,abgerufen am 12.April 2025(englisch).