Wallisia

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Die Pflanzengattung Wallisia gehört zur Familie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae).[1] Die etwa vier Arten sind von Zentral- bis Südamerika verbreitet.

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Beschreibung

Habitus, Laubblätter und Blütenstand mit Blüten von Wallisia cyanea
Illustration von Wallisia cyanea aus Belgique horticole, 1851

Vegetative Merkmale

Wallisia-Arten sind immergrüne, ausdauernde, krautige Pflanzen. Es sind meist Epiphyten[1] oder selten Lithophyten oder leben selten terrestrisch, sie wachsen also meist auf Bäumen. Die Sprossachsen sind gestaucht.[1] Sie brauchen viele Jahre bis zur Bildung ihres Blütenstandes.

Die dicht in Rosetten angeordneten Laubblätter sind in Blattscheide und -spreite gegliedert. Auf den Blattscheiden sind Saugschuppen vorhanden. Die einfachen, parallelnervigen, ganzrandigen, etwas xeromorphen Blattspreiten[1] sind bei Längen von 20 bis 40 Zentimetern sowie Breiten von nur 1 bis 2 Zentimetern schmal-linealisch bis lanzettlich oder schmal-dreieckig.[1] Im unteren Bereich sind die Laubblätter meist deutlich rötlich, selten braun längsgestreift.[1]

Generative Merkmale

In der Mitte der Blattrosetten befindet sich ein mehr oder weniger langer, meist aufrechter Blütenstandsschaft. Die meist unverzweigten, ährigen Blütenstände sind fächerförmig und flach, meist im Umriss lanzettlich-elliptisch, selten fast lanzettlich.[1] Die mehr oder weniger stark dachziegelartig überlappenden, auffälligen Tragblätter der Blütenstände sind lange haltbar.[1] Meist sind die Blüten zweizeilig im Blütenstand angeordnet.[1]

Die zwittrigen Blüten sind dreizählig mit doppelter Blütenhülle. Die drei vollständig freien Kelchblätter sind symmetrisch.[1] Die drei meist violetten, purpurfarbenen bis blauen, selten hell-blauen bis weißlichen[1] Kronblätter sind an ihrer Basis zu einem Nagel verschmälert und die ausgebreitete Platte ist meist deutlich, selten nur wenig vergrößert.[1] Die Kronblätter besitzen keine Schüppchen (Ligulae, Nektarschuppen).[1] Es sind zwei Kreise mit je drei Staubblättern vorhanden; sie sind deutlich kürzer als die Kronblätter und überragen die Blütenkrone nicht.[1] Die Staubfäden sind frei.[1] Die Staubbeutel sind subbasifix.[1] Bei den sulcaten Pollenkörnern ist die Exine netzartig.[1] Bei den dreilappigen Narben sind die Narbenlappen gefaltet.[1] Drei Fruchtblätter sind zu einem halbunterständigen Fruchtknoten verwachsen. Die Samenanlagen sind schlank-zylindrisch und stumpf.[1] Der Griffel (ohne die Narbe) ist kürzer als der Fruchtknoten und ist tief in der Blütenkrone versenkt.[1] Bei der dreilappigen Narben sind die Narbenlappen gefaltet.[1]

Die Kapselfrüchte öffnen sich septizid. Die Samen haben nur am oberen Ende einen „Fallschirm“ ähnlich wie bei der Pusteblume.

Systematik und Verbreitung

Der Name Wallisia wurde 1869 als erstes als Sektion Tillandsia sect. Wallisia durch Eduard Regel in Gartenflora, Band 18, Seite 193 veröffentlicht. Die Gattung Wallisia wurde 1870 durch Charles Jacques Édouard Morren in Description du Tillandsia (Wallisia) Hamaleana Ed. Mn. Espèce nouvelle de la familia des Broméliacées. in La Belgique horticole, Band 20, Seiten 97–102 aufgestellt.[1] Der Gattungsname Wallisia ehrt den deutschen Pflanzensammler und Botaniker Gustav Wallis (1830–1878). Typusart ist Tillandsia lindeniana Regel.[2]

Die Gattung Wallisia gehört zur Tribus Tillandsieae Rchb. in der Unterfamilie Tillandsioideae innerhalb der Familie der Bromeliaceae.[1] Die Systematik der Unterfamilie Tillandsioideae ist wegen der Abgrenzungsproblematik der Gattungen und phylogenetischer Untersuchungen steten Veränderungen unterworfen. Bei Barfuss et al. 2016 wurde mit Multi-Lokus-DNA-Sequenz-Phylogenie (durch plastid DNA loci rpoB-trnC-petN, trnK-matK-trnK, ycf1 und Kern-DNA-Gen-PHYC) und neuer Auswertung der morphologischen Merkmale die natürlichen Verwandtschaften ermittelt. Der Umfang der bisherigen Gattungen wurde verändert und Arten in neue Gattungen verschoben.[1] Die Gattung Wallisia wurde 2016 durch Elton J. C. Leme, Gregory K. Brown und Michael H. J. Barfuss in Taxonomic revision of Bromeliaceae subfam. Tillandsioideae based on a multi-locus DNA sequence phylogeny and morphology. In: Phytotaxa, Volume 279, Issue 1 reaktiviert.[1] Diese Arten waren in der Gattung Tillandsia eingegliedert. Die am nächsten verwandten Gattungen von Wallisia sind Barfussia, Gregbrownia, Lemeltonia, Pseudalcantarea sowie Tillandsia s. str.[1]

Das weite neotropische Verbreitungsgebiet der Gattung Wallisia erstreckt sich vom südlichen Mexiko über Zentralamerika und die Karibischen Inseln bis nach Peru und Brasilien.

Wallisia E.Morren: Sie wurde 2016 reaktiviert und enthält vier Arten sowie eine Hybride:[1][3][2]
Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Wallisia anceps
Habitus und Laubblätter von Wallisia pretiosa im Habitat
  • Wallisia anceps (Lodd.) Barfuss & W.Till (Syn.: Tillandsia anceps Lodd., Vriesea anceps (Lodd.) Lemaire, Tillandsia xiphostachys Griseb., Vriesea schlechtendalii Wittm., Vriesea schlechtendalii var. alba Wittm., Tillandsia lineatifolia Mez):[1] Sie ist von Zentralamerika bis Ecuador und dem brasilianischen Amazonasgebiet und den Guyanas verbreitet.[2]
  • Wallisia cyanea Barfuss & W.Till (Syn.: Tillandsia lindenii var. lindenii, Tillandsia cyanea sensu L.B.Sm., Tillandsia lindenii H.Laurentius, Tillandsia lindenii K.Koch, Tillandsia lindenii E.Morren, Vriesea lindenii (E.Morren) Lem., Tillandsia coerulea Linden ex K.Koch, Tillandsia lindenii var. regeliana E.Morren, Tillandsia morreniana Regel, Wallisia lindenii E.Morren, Tillandsia lindenii var. luxurians E.Morren, Tillandsia lindenii var. major Dombrain, Tillandsia lindenii var. rutilans Linden ex Houllet, Tillandsia lindenii var. vera Dombrain, Vriesea violacea hort. ex Houllet, Tillandsia lindenii var. intermedia E.Morren ex Carrière, Tillandsia lindenii var. genuina E.Morren, Tillandsia lindenii var. regeliana sensu André, Tillandsia lindenii var. splendida Carrière, Tillandsia lindenii var. violacea hort. ex André, Tillandsia lindenii var. violacea André, Tillandsia lindeniana sensu Mez, Tillandsia lindenii Hasack, Möllers, Tillandsia lindenii var. koutsinskyana (E.Morren) L.B.Sm., Tillandsia lindenii var. luxurians (E.Morren) L.B.Sm., Tillandsia var. cyanea sensu L.B.Sm., Tillandsia lindenii var. abundans L.B.Sm.):[1] Sie kommt wohl nur in Ecuador und vielleicht Peru vor.[2]
  • Wallisia ×duvalii (L.Duval) Barfuss & W.Till: Sie ist eine Naturhybride aus Wallisia cyanea und Wallisia lindeniana.[1][2]
  • Wallisia lindeniana (Regel) E.Morren (Syn.: Tillandsia lindeniana Regel, Tillandsia lindenii Regel, Tillandsia umbellata André)[1][2]
  • Wallisia pretiosa (Mez) Barfuss & W.Till (Syn.: Tillandsia lindenii var. tricolor E.Morren, André, Tillandsia pretiosa Mez, Tillandsia cyanea var. tricolor (André) L.B.Sm., Tillandsia cyanea var. elatior L.B.Sm.):[1] Sie gedeiht im Wald in einer Höhenlage von etwa 900 Metern nur in der ecuadorianischen Provinz Pichincha.[2] Sie soll in Wäldern der nördlichen Anden auch in den ecuadorianischen Provinzen Cotopaxi sowie Imbabura vorkommen.[4]

Es besteht eine große Konfusion bei diesen Arten und Sorten oder Ausleseformen, die als Tillandsia lindeniana, Tillandsia lindenii oder Tillandsia cyanea bezeichnet wurden mit ihren auffälligen Blütenständen und Blüten.[5]

Nutzung

Einige Kulturformen, die meist aus Wallisia cyanea entstanden sind werden als Zierpflanzen verwendet.[6] Sie gehören zu den am häufigsten kultivierten Bromelien und sind oft als „Tillandsia lindenii“ im Handel.[5]

Quellen

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