Warendorf (Adelsgeschlecht)

ehemaliges Adelsgeschlecht From Wikipedia, the free encyclopedia

Warendorf, oder niederdeutsch Warendorp, ist der Name eines ursprünglich aus Warendorf in Westfalen stammenden Adelsgeschlechts, das zu den Erbmännergeschlechtern in Münster gehörte, auch im Lübecker Patriziat aufstieg und in beiden Städten vom 12. bis 17. Jahrhundert Domherren, Ratsherren und Bürgermeister stellte.

Wappen derer von Warendorf
Wappen der Familie von Warendorf-A auf der kaiserlichen Adelsbestätigung 1641

Geschichte

In Münster

In Münster, wo Erbmännerfamilien wie die Warendorp schon im Mittelalter als adelig galten und die Stadt regierten, waren die Warendorp zwischen 1354 und 1532 mit 10 Ratsherren, darunter mehreren Bürgermeistern und Kämmerern vertreten, darunter Hinrich (1380/81–1418) sogar 39 Jahre lang. Lambertus de Warendorpe war 1369/68 dort Kämmerer, Hinricus de Warendorpe 1379–94 und 1397/98, 1399–1411 sowie 1412, 1414–19 Bürgermeister. Johannes Warendorp war 1415/26 Ratsherr und 1443/44 Bürgermeister, Hermannus Warendorp 1444/45 Kämmerer der Stadt Münster. Johannes Warendorp war 1447/48 Bürgermeister, 1448/49 zusammen mit dem Ratsherrn Herman Warendorp Weinherr und wurde 1449/50 wieder Ratsherr dort. Hinrich Warendorf war 1450/51 und 1453/54 Ratsherr und 1454/55 Bürgermeister dort. Hermann Warendorf war 1458/59 dort Ratsherr, zugleich mit dem Ratsherrn Hinrich Warendorp. Johannes Warendorp war 1459/60 Ratsherr, Henrich (Henricus) 1464–66, 1475–77 und 1480–83 Bürgermeister von Münster. Johannes Warendorp zu Nevinghof war dort 1493/94 Kämmerer, 1501/02 Ratsherr und 1502/03 wieder Kämmerer. 1521/22 und 1531/32 war Hinrich Warendorp, und – wohl als Letzter seiner Familie – 1532 Johan Warendorp up de Salzstraße Schöffe in der Stadt Münster.[1] Z. B. war Johann von Warendorp 31-mal zwischen 1379 und 1418 Bürgermeister; dort war seine Familie, die allerdings zwei andere Familienwappen führte, verwandt mit Geschlechtern wie z. B. den Droste zu Hülshoff.[2] Durch die Hanse bestanden enge Beziehungen nach Lübeck.

Aus dem Erbmännergeschlecht ist der Domherr Johannes von Warendorf (* im 14. Jahrhundert; † im 15. Jahrhundert) bekannt. Die Familie war auch am sog. Erbmännerstreit beteiligt. Nach dem Täuferreich Münster, in dem das Stadtarchiv und Archive der Erbmänner vernichtet worden waren, wurden die Stadt Münster und deren Ratsherren durch den Bischof entmachtet. Die nicht erbmännische Ritterschaft nutzte die dadurch entstandene Situation. So wurde im Hochstift Münster am Ende des 16. Jahrhunderts die Adelsqualität der Erbmänner im Kampf um die Pfründen des Domkapitels Münster angezweifelt. Die später im Domkapitel vertretenen nichterbmännischen Familien hatten ein verständliches Interesse daran, den Kreis der Zugangsberechtigten möglichst klein zu halten. So stieg die Chance, die eigenen nachgeborenen Söhne standesgemäß versorgen zu können. Es wurde auch Mitgliedern auswärtiger Adelsfamilien der Zugang zum Domkapitel verwehrt mit dem Argument, man könne ihre Stiftsfähigkeit nicht überprüfen. Im Erbmännerstreit, der wegen seiner enormen Dauer und seiner historischen Bedeutung als „einmalig“ bezeichnet wird, verteidigten die Warendorf gemeinsam mit anderen Erbmännerfamilien erfolgreich ihre rechtliche Gleichstellung mit dem Landadel. Der Münsteraner Erbmann Johann Schenckinck erreichte 1557 eine päpstliche „Präsentation“ auf ein solches münstersches Domkanonikat, stieß jedoch auf den Protest des aus der ländlichen Ritterschaft zusammengesetzten Domkapitels. Die Erbmännerfamilien, darunter Boldewin Warendorf zu Nevinghoff[3] reichten zur Unterstützung von Schenckinck eine Bittschrift an den Papst ein und er war unter den Beklagten des folgenden Prozesses. Denn das Domkapitel und die in ihm vertretenen Stände klagten 1597 beim Reichskammergericht in Speyer gegen diese „unanständige“ Besetzung mit Johann, verloren aber gegen die Erbmänner – nach vielem Hin und Her – schließlich durch kaiserlichen Rechtsspruch. Der Prozess dauerte – mit Revisionen und Gegenklagen – rund zwei Jahrhunderte. Am Erfolg konnten jedoch die Warendorf nicht mehr partizipieren, da sie im 17. Jahrhundert erloschen.

Besitzungen in Münster

Im 15. Jahrhundert gehörte den Warendorf einige Jahrzehnte lang Haus Giesking in Appelhülsen, bis 1530 Haus Getter bei Hiltrup, im 16. Jahrhundert auch Kückelsheim und Nevinghof in Münster-Kemper.

1402–1663 bzw. ab 1550 besaßen sie in der Stadt Münster zwei Erbmannshöfe am Alten Steinweg und einen Erbmannshof an der Salzstraße.[4]

Grabkapellen und Begräbnisse in Münster

Heinrich Warendorf gen. von dem Emeshaus († am 1. Januar 1575) wurde lt. Inschrift eines verlorengegangen Epithaphs in der St.-Mauritz-Kirche (Münster) neben seinen Ehefrauen Anna Steveninck und Gertrud Kerckerinck beerdigt.[5]

In Lübeck

Bereits 1183 kam ein Giselbert v. Warendorp aus dem Raum Münster als Bürgermeister der Hansestadt Lübeck zu Macht und Ehren. Er wurde 1188 vom Rat in einem Streit der Stadt mit dem Grafen Adolf von Holstein zu Kaiser Friedrich I. (HRR) (Barbarossa) gesandt und soll dort den großen Freibrief vom 19. September 1188 erwirkt haben, dem Lübeck zuerst seine bevorrechtigte Stellung verdankte. Ob er der Stammvater der späteren Namensträger war, ist jedoch ungewiss.[6]

In Lübeck wurde diese Familie zur Unterscheidung in der Literatur auch Warendorf-A genannt. Sie gehörte zwar 1379 nicht zum Kreis der Gründer der exklusiven Zirkelgesellschaft, aber schon 1428 wurde Brun Warendorp darin aufgenommen. Sie gehörte 1641 zu den sechs Lübecker Familien der Gesellschaft, deren Adel vom Kaiser bestätigt wurde.

Das Geschlecht ist zu unterscheiden von den nicht verwandten, aber gleichfalls im 14. Jahrhundert in Lübeck ratssässigen Geschlechtern von Warendorf-B[7], von Warendorf-C[8] und von Warendorf-D.[9] Die Unterscheidung erfolgt anhand der unterschiedlichen Familienwappen.

Wappen

Der Wappenschild ist von Gold und Blau sechsmal schrägrechts geteilt. Der mittlere blaue Balken ist mit drei hintereinander fliegenden silbernen Lerchen belegt. Auf dem Helm zwei schräg einwärts gelehnte ovale Schilde mit dem Wappenbild, jeweils besteckt mit (einem Busch von) fünf Blau und Gold wechselnden Straußenfedern. Die Helmdecken sind blau-golden.

Eine Variante zeigt in Gold drei blaue Balken (quer), der mittlere breitere belegt rechts hin mit drei fliegenden goldenen Lerchen. Auf dem Helm ein offener goldener mit blauen Punkten besäter Flug.[10]

Als Helmzier finden sich auch zwei gold getupfte braune Damwildschaufeln.[11]

Erwähnung in der Literatur

Der Schriftsteller Werner Bergengruen lässt in seiner Novelle "Die Feuerprobe", die im mittelalterlichen Riga spielt, einen dortigen Ratsherrn Henning von Warendorp auftreten[12]. Es ist möglich, dass die Familie Warendorp im Rahmen der Hanse auch im Baltikum vertreten war.

Bedeutende Vertreter

Münsteraner Erbmänner

Lübecker Ratslinie

Grabplatte des Bürgermeisters Brun Warendorp († 1369) in der Lübecker Marienkirche

Lübecker Domherren

  • Johann Warendorff (1608–1680), Domherr seit 1627, Senior des Kapitels und Großvogt
  • Bruno Warendorff († 1659), Domherr seit 1636

Weitere

siehe Liste der Mitglieder der Zirkelgesellschaft

Besitzungen in Lübeck

Grabkapellen und Begräbnisse in Lübeck

Gitter der Warendorp-Kapelle im Lübecker Dom

Neben der Warendorp-Kapelle und der bekannten Grabplatte in der Marienkirche befinden sich Grabkapellen (Warendorp-Kapellen) der Familie in der Jakobikirche an der Südseite des Schiffes und im südlichen Seitenschiff des Lübecker Doms. Die Warendorp-Kapelle im Dom war Grabkapelle des 1341 verstorbenen Bürgermeisters Bruno Warendorp und seiner Ehefrau Helenburg Warendorp.

Literatur

Erbmänner in Münster

Ratsmitglieder in Lübeck

  • Rafael Ehrhardt: Familie und Memoria in der Stadt. Eine Fallstudie zu Lübeck im Spätmittelalter. Dissertation, Göttingen 2001. Volltext mit einer Prosopografie der Ratsfamilien von Alen, Darsow, Geverdes, Segeberg und Warendorf.
  • Emil Ferdinand Fehling: Lübeckische Ratslinie, Lübeck 1925.
  • Johannes Baltzer, Friedrich Bruns: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Freien und Hansestadt Lübeck. Herausgegeben von der Baubehörde. Band III: Kirche zu Alt-Lübeck. Dom. Jakobikirche. Ägidienkirche. Verlag von Bernhard Nöhring: Lübeck 1920, S. 71 ff. (Kapelle im Dom); S. 233, 237/239 (Grabsteine und Bronzegrabplatte im Dom). Unveränderter Nachdruck 2001: ISBN 3-89557-167-9

Einzelnachweise

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