Winfried Hecht

deutscher Historiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Winfried Hecht (* 2. Februar 1941 in Stuttgart; † 17. Dezember 2024 in Rottweil[1][2]) war ein deutscher Historiker. Als langjähriger Leiter des Stadtarchivs und der städtischen Rottweiler Museen forschte und veröffentlichte er vor allem zur Ortsgeschichte der Stadt.

Winfried Hecht spricht am 18. März 2014 an der VHS Rottweil zum Thema „Rottweil Stadt der Türme“

Leben und Beruf

Winfried Hecht wurde 1941 in Stuttgart geboren, wo die Familie 1944 ausgebombt wurde und anschließend nach Rottweil, der Heimatstadt seiner Mutter, zog. In Rottweil wuchs Hecht römisch-katholisch auf und war als Ministrant tätig.[3] Er besuchte von 1947 bis 1951 die Katholische Volksschule und von 1951 bis 1960 das altsprachlich-humanistische Albertus-Magnus-Gymnasium, wo er sein Abitur ablegte. Von 1960 bis 1967 studierte er Geschichte, Romanistik und Politik in Tübingen, Poitiers, Coimbra und Würzburg. 1967 promovierte er an der Universität Würzburg mit einer Untersuchung über Die byzantinische Außenpolitik zur Zeit der letzten Komnenenkaiser 1180–1185.[4]

Von 1968 bis 2006 war er Stadtarchivar und Museumsleiter in Rottweil. Er veröffentlichte zahlreiche regionalgeschichtliche Publikationen und hielt regelmäßig Vorträge zu regionalhistorischen Themen u. a. an der Rottweiler Volkshochschule. Hecht wurde wegen seines umfangreichen lokalhistorischen Wissens von vielen, so auch von Oberbürgermeister Christian Ruf (CDU), als „das wandelnde Gedächntnis der Stadt“ wahrgenommen.[5]

Politik und ehrenamtliches Engagement

1971 trat Winfried Hecht in die SPD ein und wurde in den Kreistag Rottweil gewählt, dem er mit kurzer Unterbrechung (2019/2020) bis 2024 angehörte. In seinen 51 Jahren Kreistagsmitgliedschaft war er 20 Jahre Sprecher der SPD-Fraktion und 13 Jahre stellvertretender SPD-Fraktionssprecher.[6]

Von 1973 bis 2003 war er Vorsitzender des Rottweiler Geschichts- und Altertumsvereins sowie bis zu seinem Tod dessen Ehrenvorsitzender und Bibliothekar. Hecht war viele Jahre Ausschussmitglied der Narrenzunft Rottweil, wo er das Amt des Zunftschreibers innehatte und nach seinem Ausscheiden aus dem Ausschuss zum Ehrenmitglied der Narrenzunft ernannt wurde. Von 1987 bis 2024 redigierte Hecht das jährlich zur Fasnet beim Schwarzwälder Boten erscheinende Rottweiler Narrenblättle.[7]

Nach seiner Pensionierung als Rottweiler Stadtarchivar profilierte sich Hecht als prominenter Gegner der Politik des damaligen Oberbürgermeisters Ralf Broß (parteilos). Hecht positionierte sich mit deutlichen Worten gegen den Bau des TK-Elevator-Testturms[8]. Außerdem gründete er Bürgerinitiativen gegen die neue JVA Rottweil[9] sowie gegen die touristische Fußgängerhängebrücke Neckarline mit. Er trat zum Missfallen von Broß jeweils als Sprecher der Bürgerinitiativen auf.[10] Testturm, JVA-Neubau und Hängebrücke empfand Hecht jeweils als überdimensioniert und nicht in das Rottweiler Stadtbild passend. Infolge des offen ausgetragenen Konflikts zwischen Broß und Hecht musste Hecht 2014 sein Arbeitszimmer im Stadtarchiv Rottweil räumen, das die Stadt ihm seit seinem Ausscheiden als Stadtarchivar 2006 zur Verfügung gestellt hatte.[11]

Auszeichnungen

1980 erhielt er den Peter-Haag-Preis des Schwäbischen Heimatbundes für die Restaurierung des Hauses Lorenzgasse 7 in Rottweil. 2003 wurde ihm die Heimatmedaille des Landes Baden-Württemberg verliehen. Am 25. Februar 2006 wurde Hecht offiziell in den Ruhestand verabschiedet und erhielt die Bürgermedaille in Gold.[12] 2006 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande. 2014 ernannte ihn Papst Franziskus zum Ritter des Silvesterordens. Die Verleihung des Ordens nahm Bischof Gebhard Fürst vor, der auch die Lauditio hielt und Hecht als „Brückenbauer und Netzwerker durch und durch“ würdigte.[13] Für 50 Jahre ehrenamtliches Engagement als Mitglied des Rottweiler Kreistags wurde Hecht 2023 von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) und Landrat Wolf-Rüdiger Michel (CDU) mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet.[14] 2023 erhielt Hecht ebenfalls die Staufermedaille, die Oberbürgermeister Christian Ruf (CDU) im Namen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) an Hecht verlieh.[15]

Familie und Persönliches

Winfried Hecht war mit Ingrid Hecht (1943–2025) verheiratet und hatte zwei Töchter und einen Sohn. Die Tochter Anna Hecht, geboren 1968, ist Schauspielerin und SPD-Gemeinderätin in Rottweil.[16] Der Sohn Martin Hecht, geboren 1964, ist Autor und Moderator bei SWR Kultur. Er lebt in Mainz.[17]

Winfried Hecht trat dafür ein, dem lokalen schwäbischen Dialekt auch in der Öffentlichkeit mehr Raum zu geben[18]. Er hielt auch wissenschaftliche Vorträge meist im schwäbischen Rottweiler Dialekt ab. Er sprach neben Deutsch fließend Französisch und Italienisch und nutzte diese Sprachkenntnisse regelmäßig dazu, Delegationen aus den Rottweiler Partnerstädten Hyères und L’Aquila Rottweil und seine Geschichte näherzubringen.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Die Johanniterkommende Rottweil. Stadtarchiv Rottweil 1971.
  • Bearb.: Sulz. Alte Stadt am jungen Neckar. Festschrift zur 700-Jahrfeier der Stadtrechtsverleihung. Stadt Sulz am Neckar 1984.
  • Musik in der Reichsstadt Rottweil (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Rottweil. Bd. 9). Rottweil 1984.
  • Kulturdenkmale in Rottweil. Ebert, Rottweil-Wellendingen 1986, ISBN 3-9800632-1-6 (2. Aufl. 1997).
  • Das Dominikanerkloster Rottweil (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Rottweil. Bd. 13). Rottweil 1991.
  • Rottweil und seine Eisenbahn, in: Hans-Wolfgang Scharf, Burkhard Wollny: Die Gäubahn von Stuttgart nach Singen (= Südwestdeutsche Eisenbahngeschichte, Bd. 3). EK-Verlag, Freiburg 1992, Seite 171–195, ISBN 3-88255-701-X.
  • Bearb.: 1000 Jahre Bösingen und Herrenzimmern 994–1994. Beiträge zur Heimatgeschichte. Bösingen 1994.
  • Rottweil 1802–1970. Von der Reichsstadt zur Großen Kreisstadt. Stadtarchiv Rottweil 1997, ISBN 3-928873-07-5.
  • Rottweil 1643–1802. Die späte Reichsstadtzeit. Stadtarchiv Rottweil, Rottweil 1999, ISBN 3-928873-10-5.
  • Rottweil 1529–1643. Von der konfessionellen Spaltung zur Katastrophe im 30jährigen Krieg. Stadtarchiv Rottweil 2002, ISBN 3-928873-18-0.
  • Rottweil ca. 1340–1529. Im Herbst des Mittelalters. Stadtarchiv Rottweil 2005, ISBN 3-928873-28-8.
  • Rottweil 771 – ca. 1340. Von „rotuvilla“ zur Reichsstadt. Stadtarchiv Rottweil 2007.
  • Rottweil vor 771 n. Chr. Anfänge und Wurzeln der Stadtgeschichte. Stadtarchiv Rottweil 2008, ISBN 978-3-928873-35-2.
  • Himmlische Hilf. Votivbilder vom oberen Neckar und der oberen Donau. Fink, Lindenberg im Allgäu 2012, ISBN 978-3-89870-719-0.
  • Metallverarbeitung in der Reichsstadt Rottweil (= Kleine Schriften des Stadtarchivs Rottweil. Bd. 20). Stadtarchiv Rottweil 2013, ISBN 3-928873-44-X.
  • Textiles Handwerk in der Reichsstadt Rottweil (= Kleine Schriften des Stadtarchivs Rottweil. Bd. 21). Stadtarchiv Rottweil 2014, ISBN 978-3-928873-48-2.
  • mit Angela Hammer und Frank Huber: Rottweiler Fasnet. Oertel + Spörer, Reutlingen 2014, ISBN 978-3-88627-957-9.
  • Rottweiler Feste und Bräuche durch das Jahr. Oertel + Spörer, Reutlingen 2014, ISBN 978-3-88627-370-6.
  • Rottweil und seine Zünfte. 2. Aufl. Neckartal-Verlag, Rottweil 2017.
  • Mühlen am obersten Neckar. Neckartal-Verlag, Rottweil 2017, ISBN 978-3-947459-06-3.
  • mit Sabina Kratt: Rottweil. Altes und Neues entdecken. Neckartal-Verlag, Rottweil 2018, ISBN 978-3-947459-09-4.
  • Kleine Geschichte der Reichsabtei Rottenmünster. Neckartal-Verlag, Rottweil 2018, ISBN 978-3-947459-07-0.
  • Mitarb.: 500 Jahre Ewiger Bund zwischen der Schweizer Eidgenossenschaft und Rottweil 1519–2019. Festschrift zum Jubiläum (= Kleine Schriften des Stadtarchivs Rottweil. Bd. 26). Stadtarchiv Rottweil 2019, ISBN 978-3-00-062276-2.

Literatur

  • Hartwig Ebert: Menschen in Rottweil. Gesichter und Ansichten. Rottweil 2006, ISBN 3-9800632-8-3, S. 46.

Einzelnachweise

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