AN-M69
Brandbombe
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Die AN-M69 war eine US-amerikanische Napalm-Streumunition, die während des Zweiten Weltkrieges produziert und eingesetzt wurde.
| AN-M69 | |
|---|---|
| Allgemeine Angaben | |
| Bezeichnung: | AN-M69, M69, E1, M56 |
| Typ: | Brandbombe |
| Herkunftsland: | |
| Hersteller: | Standard Oil Company, DuPont, Chemical Warfare Service, National Research Defense Council[1] |
| Entwicklung: | 1941 |
| Indienststellung: | 1943 |
| Einsatzzeit: | 1943–1968 |
| Technische Daten | |
| Gefechtsgewicht: | 2,5–3,27 kg |
| Länge: | 0,495 m |
| Durchmesser: | 73 mm |
| Spannweite: | 73 mm |
| Ausstattung | |
| Gefechtskopf: | 1,27 kg Napalm |
| Zünder: | Aufschlagzünder |
| Waffenplattformen: | Bomber |
| Liste von Bomben nach Herkunftsnation | |
Entwicklung
Ab 1941 produzierten die Vereinigten Staaten die Thermit-Stabbrandbomben AN-M50 und AN-M52. Millionen dieser Kleinbomben wurden an die United States Army Air Forces (USAAF) und im Rahmen des Leih- und Pachtgesetzes an die Royal Air Force geliefert. Diese warfen die Bomben massenweise bei Luftangriffen auf die Städte in Europa ab. Allerdings konnte die U.S.-Kriegswirtschaft die Magnesium-Legierung Elektron für die Bombenkörper nicht in ausreichenden Mengen zur Verfügung stellen. Im Oktober 1941 bekam die Standard Oil Company von der U.S. Regierung den Auftrag, eine neue Stabbrandbombe mit keinen oder möglichst wenigen Magnesium-Bauteilen zu entwickeln. Als Brandkampfstoff sollte gelierter Flüssigbrennstoff anstelle von Thermit verwendet werden. Zusammen mit dem Research Defense Council wurde daraufhin die AN-M69 entwickelt.[2][3] Die 1942 fertiggestellte AN-M69 enthielt im Gegensatz zur geometrisch ähnlich aufgebauten Thermit-Brandbombe AN-M50 keine Magnesiumteile. Da die Industrie mittlerweile genügend Magnesium für die etablierten AN-M50-Bomben bereitstellen konnte, ging die AN-M69 vorerst nicht in Serie.[4]
Im Jahr 1943 arbeitete das Committee of Operational Analysis (COA) an der Zielplanung für Luftangriffe auf die japanischen Hauptinseln.[5] Das Komitee kam zum Schluss, dass japanische Wohnhäuser größtenteils aus Holz und anderen brennbaren Materialien bestanden. Ebenso wurde auch bei Industriebauten vielfach Holz als Baustoff verwendet. Demzufolge war bei einem Einsatz von Brandbomben das größte Schadenspotenzial zu erwarten. Daraufhin wurde im Juni 1944 das Joint Incendiary Committee gegründet. Dieses untersuchte, wie die Städte und Siedlungen auf den japanischen Hauptinseln am effektivsten mit Brandbomben niederzubrennen waren.[5] Das Komitee empfahl den großflächigen Einsatz von Stabbrandbomben mit Thermit oder Flüssigbrennstoff. Als Lösung wurde dem Komitee von der Standard Oil Company die AN-M69 Bombe vorgeschlagen. Zwischen März und Mai 1943 wurde auf dem Testgelände Dugway Proving Ground in Utah eine Siedlung aus 24 japanischen Wohngebäuden nachgebaut.[4] Diese Siedlung erhielt den Namen „Little Tokyo“.[6] Ab Mai 1943 wurden an den Gebäuden verschiedene Brandbomben getestet. Die besten Resultate wurden mit der AN-M69 Bombe erzielt.[7] Bereits 2–3 dieser Bomben konnten ein hölzernes Wohngebäude innerhalb von rund drei Minuten in Vollbrand setzen und dieses innerhalb von 15 bis 20 Minuten niederbrennen.[2]
Unmittelbar nach diesen Test wurden für Großversuche die ersten Chargen AN-M69-Bomben an verschiedene Einheiten der United States Army Air Forces (USAAF) geliefert.[8] So flog die Twelfth Air Force im Jahr 1943 Testeinsätze gegen Nachschublager in Italien.[2] Die Seventh Air Force bombardierte im Februar/März 1943 Ziele auf Pohnpei (Mikronesien) mit AN-M69-Bomben.[4] Die Fourteenth Air Force bombardierte im Oktober 1944 die Stadt Changsha in der Republik China mit den neuen Brandbomben.[2] Die umfangreichsten Tests wurden vom XXth Bomber Command gegen Ziele in den japanisch besetzten Teilen der Republik China und Japan geflogen.[5] Der größte Testeinsatz dieser Einheit wurde am 18. Dezember 1944 durchgeführt. An diesem Tag warfen 84 Bomber vom Typ B-29 „Superfortress“ 500 Tonnen AN-M69 Bomben auf japanische Nachschublager in der Stadt Hankou (heute Wuhan) in China ab. Große Teile der Stadt brannten nach dem Angriff drei Tage lang.[5] Gleichzeitig mit diesen Testeinsätzen begann man für die Luftangriffe gegen die japanischen Hauptinseln Millionen AN-M69-Bomben bereitzustellen.[2] Bis zum Kriegsende wurden rund 30 Millionen AN-M69 produziert.[4]
Technik
Bomben

Die Bombe hatte eine stabförmige Rumpfform mit einem sechseckigen Querschnitt und keine Stabilisierungsflügel. Der Bombenkörper bestand aus Blechen mit einer Wandstärke von 1,06 mm.[9] Die Bombe war 0,495 m lang und hatte einen Durchmesser von 73 mm.[10] Das Gewicht lag zwischen 2,5 und 3,27 kg, je nach Modell und dem verwendeten Brandkampfstoff.[10] Im Bombenkopf befand sich der M1-Aufschlagzünder. Dies war ein einfach aufgebauter Zünder mit einer schraubfedergespannten Zündnadel. Hinter dem Zünder folgte ein Anzündhütchen, eine Zündschnur sowie eine kleine Ladung Schießpulver.[9] Dahinter war in einem baumwollenen Seihtuch der Brandkampfstoff untergebracht. Primär wurde 0,95–1,27 kg Napalm verwendet. Daneben kamen auch 1–1,2 kg der Brandmischungen IM oder PT-1 Pyrogel zur Anwendung.[10] Im Rumpfheck war ein Blechbehälter mit vier 91 cm langen Stoffbändern eingepresst.[2] Diese entfalteten sich nach dem Abwurf und stabilisierten den Fall der Bombe. Die Grundfarbe der Bombe war grau und ein violetter Streifen kennzeichnete die AN-M69 als Brandbombe.
Die Bomben wurden für den Abwurf in Bündeln in Streubomben gepackt. Dabei wurde ein seitlich am Bombenkörper angebrachter, federbelasteter Sicherungsstift durch die Nachbarbombe eingedrückt. Dieser blockierte die Zündnadel des Aufschlagzünders. Am meisten kam die Streubombe vom Typ M19 (E46) zum Einsatz. Diese war mit 38 AN-M69 Bomben beladen und wog 192 kg.[11] Nach dem Abwurf folgte die Streubombe einer ballistischen Kurve. In einer Höhe von rund 610 m (2.000 Fuß) wurden die Sprengringe und dadurch die Bombenbeplankung weggesprengt. Mit dem Ausstoßen aus der Streubombe trennten sich die AN-M69 aus dem Bündel und wurden dadurch scharf. Die AN-M69 Bomben verteilten sich nun nach dem Gießkannenprinzip über der Zielfläche. Die Bombenhülle der AN-M69 war so konstruiert, dass die Bombe Dachziegel und Betonplatten bis zu einer Stärke von 76 mm durchschlagen konnte.[2] Beim Aufschlag zündeten das Anzündhütchen sowie die Zündschnur. Diese brannte ab und nach 3 bis 5 Sekunden und zündete das Schießpulver hinter dem Bombenkopf. Durch den Druck im Bombenkörper wurde das Bombenheck abgesprengt und der entzündete Brandstoff herausgeschleudert. Der Druck reichte aus, um das gelförmige Napalm bis zu 30 m weit zu verspritzen. Das Napalm brannte 4 bis 5 Minuten bei rund 800 °C. Von der AN-M69-Bombe entstanden die folgenden Modelle:[10][12]
- AN-M69: Initialversion mit einer Füllung von 1,27 kg Napalm. Gewicht der Bombe 2,5–2,8 kg.
- AN-M69A1: Wie Ausführung AN-M69 aber mit M2-Zeitzünder.
- AN-M69WP: Mit 0,18 kg Weißem Phosphor in einer Dose hinter dem Bombenkopf sowie einer Füllung mit 1,0 kg Napalm. Wurde nur Kleinserie produziert.
- AN-M69X: Mit einer Füllung von 0,91 kg Napalm sowie einer Splitterladung mit 130 g Tetryl hinter dem Bombenkopf. Diese explodierte mit 1,5–6 Minuten Verzögerung und erzeugte 300–400 Splitter die auf kurze Distanz tödlich wirkten. Gewicht der Bombe 3,27 kg.
Streubomben
Die AN-M69 wurden als Bündel in Streubehältern und Streubomben montiert.[11] Diese waren im Querschnitt kreisförmig oder sechseckig. Dadurch konnten sie als Bündel mit unterschiedlicher Bestückung und Gewicht zusammengestellt werden. Der Bomber B-29 „Superfortress“ war normalerweise mit 40 M19-Streubomben bestückt, konnte aber bis zu 56 M19 transportieren. Somit konnte ein einzelner Bomber dieses Typs 2.128 AN-M69-Bomben zum Einsatz bringen.[13] Ein so beladener Bomber war theoretisch in der Lage, eine Fläche von über 64.700 m² in Brand zu setzen.[14] Bekannte Streubomben und Behälter für die AN-M69 waren:[2][15]
- AN-M12: mit M4-Adapter mit 14 × AN-M69, Gewicht 48 kg
- AN-M13: mit M7-Adapter mit 60 × AN-M69, Gewicht 227 kg
- M18: (E28) mit E6R2-Adapter mit 38 × AN-M69, Gewicht 159 kg
- M19: (E46) mit M23/E23-Adapter mit 38 × AN-M69, Gewicht 192 kg
- M21: (E74) mit M23-Adapter mit 38 × AN-M69X, Gewicht 192 kg
- E18: mit 45 × AN-M69, Gewicht 193 kg (nur Kleinserie)
- E36: mit E21-Adapter mit 38 × AN-M69, Gewicht 159 kg
Einsatz

Am 4. Februar 1945 erfolgte der erste großangelegte Einsatz mit diesem Bombentyp. Ziel war die auf den japanischen Hauptinseln liegende Stadt Kōbe. Von den 110 gestarteten B-29 „Superfortress“-Bomber warfen 69 ihre Bombenlast über der Stadt ab. Jeder Bomber war mit 3.098 kg AN-M69-Bomben beladen. Bei diesem Angriff wurden 0,25 km² Industrie- und Wohngebiet zerstört.[16] Danach kam die AN-M69 bei den Vernichtungsangriffen auf Osaka, Kōbe, Yokohama, Tokio, Kawasaki, Nagoya sowie weiteren Städten zum Einsatz.[17][18] Dabei wurde die AN-M69 von den Bomberbesatzungen scherzhaft „Tokyo calling cards“ genannt.[19] Zwischen Januar und Juni 1945 wurden über 22.716 Tonnen AN-M69 auf japanische Städte abgeworfen. Alleine über Tokio wurden in dieser Zeitspanne über 10.050 Tonnen Bomben dieses Typs abgeworfen.[2] Insgesamt wurden während des Zweiten Weltkriegs über 36.287 Tonnen AN-M69-Bomben auf Japan abgeworfen.[1] Bei den Angriffen auf die japanischen Städte wurden neben der AN-M69 auch Streu-Brandbomben vom Typ AN-M50, AN-M54 und AN-M74 verwendet.[20] Diese Angriffe verursachten enorme Verluste unter der Zivilbevölkerung und ganze Stadtteile wurden ein Raub der Flammen.[21] Die AN-M69-Bomben machten 53 % der Abwurfmunition aus, die auf japanische Städte abgeworfen wurde.[22]
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die AN-M69-Bombe während des Koreakrieges zum Einsatz. Wiederum wurde empfohlen, die Bevölkerungszentren von Nordkorea mit kleinen Brandbomben zu bombardieren.[23] So wurden die Städte Pjöngjang, Hoeryong, Hŭngnam, Hamhŭng, Chongsong, Chinbo, Kusu-dong und Sinŭiju mehrfach mit Streu-Brandbomben vom Typ AN-M69, AN-M50 und AN-M74 bombardiert.[24] Auch diese Einsätze forderten enorme Verluste unter der Zivilbevölkerung. Zum Teil wurden ganze Städte durch die entfachten Großfeuer bis auf die Grundmauern niedergebrannt.[25][26]
Die AN-M69-Bomben verblieben bis 1968 im Arsenal der United States Air Force und wurden dann ausgesondert.[10]
Nutzerstaaten
Siehe auch
Literatur
- Malvern Lumsden: Incendiary Weapons. Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI), Schweden, 1975, ISBN 0-262-19139-3.
- Robert F. Dorr: B-29 Superfortress Units of World War 2, Bloomsbury USA, 2002, ISBN 978-1-84176-285-2.
- Robert M. Neer: Napalm. Harvard University Press, 2013, ISBN 0-674-07545-5.
- R. Cargill Hall: Case Studies in Strategic Bombardment. Air Force History and Museums Programm. 1998, Washington, ISBN 0-16-049781-7.
- US-Army: TM 9 1385 1 Surface Explosive Ordnance Disposal, War Department, Department Technical Manual, 1961 (Volltext online).
- US-Army: TM 9-1904 Ammunition Inspection Guide 1944-03-02, War Department, Department Technical Manual, dated 2 March 1944 (Volltext online).