Stabbrandbombe

Brandbombe (WK II bis heute) From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Stabbrandbombe werden umgangssprachlich kleine, stabförmige Brandbomben bezeichnet, die während des Zweiten Weltkriegs in großer Anzahl eingesetzt wurden. Weiter sind auch die Bezeichnungen Brandstab, Thermitstab, Elektron-Thermitstab sowie Streubrandbombe gebräuchlich.

Waffenschacht einer Avro Lancaster beladen mit 12 SBC‘s mit insgesamt 2.832 INC 4 lb sowie einer 1.814-kg-Luftmine („Cookie“)

Geschichtliche Entwicklung

Die ersten Thermit-Stabbrandbomben wurden gegen Ende des Ersten Weltkriegs im Deutschen Reich entwickelt aber nicht eingesetzt. Im Vereinigten Königreich entstanden mit den „Baby Incendiary Bomb‘s“ (BIB) ebenfalls kleinen Thermit-Brandbomben, welche aber nicht zu den Stabbrandbomben zählen.[1][2][3][4][5]

In der Zwischenkriegszeit setzte im Spanischen Bürgerkrieg die Legion Condor bei Luftangriffen auf Madrid, Barcelona sowie beim Luftangriff auf Guernica erstmals Stabbrandbomben ein.[3][6][7][8]

Während des Zweiten Weltkriegs wurden Millionen von Stabbrandbomben durch die Luftwaffe der Wehrmacht, der Royal Air Force (RAF) und die United States Army Air Forces (USAAF) auf Städte in Europa und Asien abgeworfen. Nach dem Kriegsende wurden die Stabbrandbomben in Deutschland und im Vereinigten Königreich ausgesondert.[9]

Im Koreakrieg warfen Bomber der United States Air Force (USAF) nochmals massenweise Stabbrandbomben auf nordkoreanische Städte ab. Anfang der 1960er-Jahre wurden die letzten Stabbrandbomben aus dem Bestand der Streitkräfte der Vereinigten Staaten entfernt.[10][11][12]

Stabbrandbomben gelten heute als obsolet und werden z. Z. weder produziert noch eingesetzt.

Technische Beschreibung

Technische Information über die engl. Stabbrandbombe INC 4 lb Mark IV

Stabbrandbomben waren Kleinbomben mit einem Gewicht von 0,9 bis rund 4 kg. Die Bomben hatten eine Länge von 30 bis etwa 55 cm. Der Durchmesser lag zwischen 43 bis zirka 75 mm, bei einem sechseckigen oder kreisrunden Querschnitt. Die Bomben bestanden aus einem Zünder, dem Bombenkörper mit dem Brandstoff sowie einem Heckteil. Der Bombenkopf war in der Regel flach ausgebildet. Einzelnen Stabbrandbomben verwendeten zur Stabilisierung des Falls Stoffbänder am Bombenheck. Jeweils ein bestimmter Prozentsatz der Stabbrandbomben war mit einem Knallsatz aus Schießpulver versehen. Dieser explodierte mit einigen Minuten Verzögerung und verstreute das brennende Thermit und Elektron. Die Explosion war nicht tödlich, sondern diente lediglich der Abschreckung, um Bergungs- und Löschversuche behindern. Etwa ab 1942 wurden auch Stabbrandbomben mit einer Ladung Sprengstoff im Bombenkopf eingesetzt. Der Sprengstoff explodierte mit einigen Minuten Verzögerung und zerlegte den Bombenkopf in Splitter, die auf kurze Distanz tödlich wirkten. Stabbrandbomben können aufgrund der verwendeten Brandstoffe in zwei Kategorien eingeteilt werden:[13][14][15][16][17]

  • Bomben mit festem Brandstoff – Dieser Brandstoff besteht ausnahmslos aus Thermit sowie einem Bindemittel. Der dickwandige Bombenkörper besteht normalerweise aus brennbarem Elektron. Bei der Bombenzündung wird mit einer Verzögerung zuerst die Thermitreaktion in Gang gesetzt. Dabei tritt eine grelle Stichflamme aus der Bombe hervor. Die Thermitreaktion entzündet dabei den Bombenkörper aus Elektron. Die Bombe brennt nun während 5 bis 10 Minuten mit einer Brenntemperatur von bis zu 2500 °C ab und zerschmilzt zu einer weißglühenden, brennenden Metallschmelze. Bomben dieses Typs wurden während des Zweiten Weltkriegs überwiegend auf Städte in Europa abgeworfen.[13][18]
  • Bomben mit flüssigem Brandstoff – Diese Brandstoffe bestehen üblicherweise aus Leichtbenzin, das mit Napalmpulver, Naphthensäuren, Naturkautschuk, Natriumsilicate, Polystyrol, Aluminiumpulver usw. zu einer viskosen Masse verdickt wird. Der dünnwandige Bombenkörper besteht normalerweise aus Stahl. Bei der Bombenzündung wird mit einer Verzögerung eine Ladung Schießpulver im Bombenkopf gezündet. Durch den Druck im Bombenkörper wird der gelförmige Brandstoff mehrere Meter weit aus dem Bombenheck herausgeschleudert. Die Spritzer des klebrigen Brandstoffes brennen für 4 bis 7 Minuten, bei Temperaturen zwischen 800 bis 1600 °C. Bomben dieses Typs kamen während des Zweiten Weltkriegs primär bei Angriffen auf Städte in Asien, insbesondere in Japan zum Einsatz.[19][20]

Deutsche Stabbrandbomben

Deutsche Elektronbrandbombe B 1 E

Die erste deutsche Stabbrandbombe, die Elektronbrandbombe B 1 E wurde zwischen 1917 und 1918 von der Chemischen Fabrik Griesheim-Elektron entwickelt. Diese sollten im Sommer 1918 bei dem sog. Feuerplan gegen Paris und London eingesetzt werden. Der Einsatz wurde aber im September 1918 von Erich Ludendorff, dem Chef der OHL untersagt. In den 1930er-Jahren entwickelte Deutschland die B 1,3 E, B 2 EZ und B 2,2 EZ. Während des Zweiten Weltkriegs wurden Millionen dieser Elektronbrandbomben von der Luftwaffe auf die Städte Europas, in besondere in Großbritannien abgeworfen. Die deutschen Stabbrandbomben wurden in verschiedenen Betrieben der I.G. Farben produziert. Mit dem Kriegsende wurden diese Bomben ausgesondert.[16][21][22][23][24]

Britische Stabbrandbomben

Britische INC 4 lb-Stabbrandbombe

Im Vereinigten Königreich wurde zwischen 1934 und 1936 mit der INC 4 lb die erste Thermit-Stabbrandbombe entwickelt. Bis 1945 wurden rund 100 Millionen dieser Bomben bei Imperial Chemical Industries (ICI) produziert. Während dem Zweiten Krieg warf das RAF Bomber Command rund 80 Millionen INC 4 lb auf deutschen Städte ab. Die INC 4 lb verblieben bis zum Kriegsende im Bestand der RAF und wurden Ende der 1940er-Jahre ausgesondert.[3][9][25]

US-amerikanischen Stabbrandbomben

AN-M69-Stabbrandbombe aus den USA

In den Vereinigten Staaten entstand ab 1941 als erstes die AN-M50-Stabbrandbombe. Diese war ein weiterentwickelter Lizenzbau der britischen INC 4 lb Mk.II. Danach folgten die Stabbrandbomben AN-M52, AN-M54 und kurz vor Kriegsende die M126. Letztere blieb bis Anfang der 1960er-Jahre im Bestand der US-Streitkräfte. Für die Luftangriffe auf Japan wurden ab 1943 die mit Napalm befüllten Stabbrandbomben AN-M69 und AN-M74 entwickelt. Von diesen Bomben wurden rund 20 Millionen auf die Städte der japanischen Hauptinseln abgeworfen. Alle amerikanischen Stabbrandbomben wurden durch den Chemical Warfare Service (CWS) entwickelt und produziert.[26][27][28][29]

Einsatzkonzept

Eine Avro Lancaster beim Abwurf von INC 4 lb-Stabbrandbomben über Duisburg im Oktober 1944

Die Stabbrandbomben wurden nicht gegen Einzel- oder Punktziele, sondern im Flächenbombardement eingesetzt. Dafür wurden sie massenweise aus an Flugzeugen montierten Abwurfbehältern oder verpackt in Streubomben abgeworfen. In Abhängigkeit von Flughöhe und Fluggeschwindigkeit verteilen sich die Bomben nach dem Abwurf über ein größeres oder kleineres Gebiet. Beim Aufprall können die Bomben Dachziegel und dünne Stahlbetonplatten durchschlagen, bevor sie zünden. Danach sollen sie im Dachgeschoss abbrennen und dabei das Gebäude in Brand setzen. Ein direktes Löschen der Stabbrandbomben mit Wasser oder Sand war nicht möglich. Sich einer abbrennenden Bombe zu nähern, war durch die teilweise verbauten Sprengladungen im Bombenkörper gefährlich. Nur im Zusammenwirken mit brennbaren Stoffen, insbesondere Holz, entfaltete die Bomben ihre Wirkung. Optimale Wirkung entfalteten die Stabbrandbomben beim Einsatz gegen dichtbebaute Stadtgebiete mit einem hohen Anteil an Holzbauten. Bei Großangriffen mit zehn- bis hunderttausenden Stabbrandbomben wurde im Zielgebiet eine sehr hohe Belegungsdichte erreicht. Innerhalb kurzer Zeit konnten sich dabei die Brände zu Großfeuer und Flächenbränden ausbreiten.[28][30]

Bei Angriffen auf Städte in Europa wurden Thermit-Stabbrandbomben vielfach in Kombination mit Sprengbomben eingesetzt. Dabei wurden zuerst Sprengbomben und Luftminen, und kurz darauf massenweise Stabbrandbomben abgeworfen. Die Detonationswellen der Sprengbomben und Luftminen deckten Dächer ab und zertrümmerten Fenster und Türen. Die Stabbrandbomben konnten nun nicht mehr von den steilen Schrägdächern abprallten und fielen in die freiliegenden hölzernen Dachstühle oder durch die zerstörten Fenster auch direkt ins Gebäude. Begünstigt durch die zertrümmerten Fenster hatten die Brandherde im Gebäudeinnern ausreichend Zufuhr von Luftsauerstoff.[28][31][32]

Bei den Stabbrandbomben-Angriffen auf die Städte der Japanischen Hauptinseln war der vorgängige Abwurf von Sprengbomben in der Regel unnötig. Die japanische Wohnhäuser waren größtenteils in Leichtbauweise aus Holz und anderen brennbaren Materialien gebaut. Demzufolge konnte schon der alleinige Einsatz von Stabbrandbomben ein Gebäude innerhalb von Minuten in Brand setzten.[28][33][34]

Bei Luftangriffen auf Städte konnte bei entsprechender Wetterlage, Gebäudedichte und Gebäudebauform, ein kombinierter Einsatz von Sprengbomben, Phosphorbomben und Stabbrandbomben zu Feuerstürmen führen. Feuerstürme, entfacht durch Stabbrandbomben entstanden u. a. bei den Luftangriffen auf Hamburg (Juli 1943), Dresden (Februar 1945), Nagoya (Mai 1945) sowie Tokio (März 1945). Bei letzterem wurden 41 km² Stadtgebiet niedergebrannt und Nachkriegsschätzungen gehen von 80.000 bis 185.000 Toten aus.[30][35]

Bekannte Einsätze von Stabbrandbomben

Spanien Spanien
Polen Polen
Niederlande Niederlande
Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien
Sowjetunion 1955 Sowjetunion
Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich
Deutsches Reich NS Deutsches Reich
Bulgarien Bulgarien
  • Sofia, 1944 (RAF & USAAF)
Japan 1870Japan Japan
Korea Nord Nordkorea;

Quellen:[3][9][30][36][37][38][39][40][41][42]

Galerie

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

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