Alessandro Rossi (Bildhauer)
Schweizer Bildhauer und Dozent
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Alessandro Rossi (* 1820 in Lugano; † 15. Januar 1891 in Mailand) war ein Schweizer Bildhauer und Dozent. Sein bekanntestes Werk ist das Marcacci-Denkmal in Locarno.
Leben

Alessandro Rossi wurde 1820 als Sohn des Grundbesitzers Pietro Rossi von Sessa und der Rosa Trevioli in Lugano geboren. Seine Brüder waren die Politiker Ermenegildo und Rinaldo Rossi.[1]
Er studierte von 1836 bis 1845 an der Accademia di Brera in Mailand, wo er sich auf Bildhauerei und Ornamentik spezialisierte.[2] Er war ein Schüler Pompeo Marchesis.[3] 1843 erhielt er den grossen Preis für Dekoration.[4] Rossi liess sich dauerhaft in Mailand nieder und wurde hier Zeichenlehrer an diversen Schulen.[1] Er gründete die Scuola professionale operaia (Arbeiter-Gewerbeschule), an der er ohne Lohn unterrichtete, und stand ihr 15 Jahre lang vor.[4] Dafür wurde er zum Ritter des Ordens der Heiligen Mauritius und Lazarus und Mitglied verschiedener Akademien ernannt,[2] unter anderem zum Ehrenmitglied der Accademia di Brera und Honorardirektor des Kunstinstituts von Montreal.[4] 1848 veröffentlichte er ein vielbeachtetes Lehrmittel für Ornamentik.[5] Daneben arbeitete er als Bildhauer. 1856 eröffnete er in der Casa Stampa an der Porta Vercellina ein Atelier.[6] Im Kanton Tessin war er mit Antonio Ciseri und Vincenzo Vela als Inspektor der kantonalen Zeichenschulen tätig.[1][3] 1873 verlieh ihm der italienische König Viktor Emanuel II. den Orden der Krone von Italien.[7]
Rossi starb 1891 im Alter von vermutlich 70 Jahren in Mailand an einem Schlaganfall.[3]
Werk
Rossi war ein Vertreter des Historismus, der in seinen Werken verschiedene Stile von der Klassik über die Gotik und Renaissance bis hin zum Barock imitierte.

Auf dem Friedhof Sant’Abbondio in Gentilino schuf er 1849 das Grabmal Francesca «Franceschina» Gilardi-Poncinis, der Tochter des Architekten Domenico Gilardi. Es besteht aus einer neogotischen Ädikula mit einem marmornen Hochrelief im klassizistischen Stil, auf dem ein geflügelter Genius abgebildet ist. Vermutlich handelt es sich dabei um Hermes, den griechischen Götterboten, der die Seelen der Verstorbenen in den Hades geleitete.[8] Für das Grabmal von Carlo Bernardino Fè auf demselben Friedhof fertigte Rossi 1851 die Skulptur einer Frau, die kniend vor einem Kreuz betet. Sie ist ganz nach den Prinzipien von Vincenzo Velas Verismus gestaltet.[9]
1850 schuf Rossi für den Protestantischen Friedhof von Lugano das Grabmal einer weiblichen Angehörigen der Familie Enderlin. Abermals wählte er die Form einer Ädikula, gestaltete diese nun jedoch im Stile der Neorenaissance. Davor steht eine schwertbewehrte Engelsgestalt, wohl der Erzengel Uriel, der den Eingang ins Paradies bewacht. In die Lünette ist das Relief eines Pelikans, der die Jungen mit seinem Blut nährt, eingelassen – ein in der christlichen Ikonografie häufiges Symbol für Jesus Christus. Das Werk steht heute in der Grabnische der Familie Weissenbach-Enderlin auf dem Monumentalfriedhof Lugano (südlicher Bogengang, Nr. 18). Auf einer Säule zur Linken wurde die 1860 von Rossi gefertigte Büste Davide Enderlins (1784–1860) platziert.[10]
- Porträtbüste von Davide Enderlin (1860), Friedhof Lugano
1851 wurde Rossi auf einer Ausstellung in Genf ausgezeichnet. 1854 stellte er an der Brera-Akademie einen Genius aus.[8] 1855 zeigte er auf der Weltausstellung in Paris[11] einen marmornen, reich geschmückten Kamin im Stil des 18. Jahrhunderts, den er aber nicht verkaufen konnte.[6]

1856 folgte die Graftafel für Giovanni Antonio Marcacci auf dem Friedhof Santa Maria in Selva in Locarno.[1] Zeitgleich schuf er sein Hauptwerk, die überlebensgrosse Statue Marcaccis für das Marcacci-Denkmal auf der Piazza Sant’Antonio in Locarno.[12] Es handelt sich dabei um das älteste Verdienstdenkmal des Kantons.[13]
Spätere Werke sind nur sporadisch belegt. Bekannt sind seine Marmorbüsten von Lucia Mondella (1862) und Renzo Tramaglino (1872) aus Alessandro Manzonis Roman I Promessi Sposi, die zuletzt 2017 in der Galleria d’Arte Moderna in Mailand zu sehen waren.[14][15]
1856 zeigte er in der Brera die Büsten von Marianna Torricelli Polar und des Ehepaars Polar, die heute die Familienkapelle auf dem Friedhof von Breganzona schmücken.[8]
- Büste von Pietro Polar (1773–1845)
- Büste von Lucia Polar-Leoni
- Büste von Marianna Polar-Torricelli (1841–1862)

Auf der Weltausstellung 1873 in Wien zeigte Rossi einen Kamin im Stil des 17. Jahrhunderts.[16] Auf der Weltausstellung 1876 in Philadelphia war er mit den Skulpturen L’Infanzia di Mosè, La Speranza und Il giovane cacciatore vertreten.[11] 1881 zeigte er auf einer Ausstellung in Mailand die allegorische Statue Die Weinlese (La vendemmia), 1884 in Turin die Statue Der Herbst (L’Autunno).[1][17] Von der Lucia und der Weinlese existierten offenbar mehrere Repliken.[2]
In Nekrologen wurden als weitere Werke Rossis ein «Malakow-Denkmal» in Tiflis und ein Monument «für eine vornehme Familie» in Guayaquil genannt.[11] Zu einem unbekannten Zeitpunkt fertigte er auf dem Friedhof von Cassano Magnago ein Grabmal im gotisch-lombardischen Stil für die Familie Buttafava.[11]
Literatur
- Manuale della Provincia di Como per l’anno 1856. Decade II, Anno IX, Carlo e Felice Ostinelli, Como 1856, S. 32.
- La morte di un cittadino distinto. In: Gazzetta Ticinese. 20. Januar 1891, S. 3 (online).
- Alessandro Rossi. In: Bollettino storico della Svizzera italiana. Band 8, Nr. 1/2, 1891, S. 39 f. (Digitalisat).
- Jeanne Béha-Castagnola: Rossi, Alessandro. In: Schweizerisches Künstler-Lexikon. Zweiter Band: H–R. Huber, Frauenfeld 1908, S. 673 (Digitalisat).
- Celestino Trezzini: Alessandro Rossi. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 5: Maillard – Saint-Didier. Paul Attinger, Neuenburg 1929, S. 707 (PDF Digitalisat).
- Alfonso Panzetta: Dizionario degli scultori italiani dell’Ottocento e del primo Novecento. Band 1. Allemandi & Company, Turin 1994.
- Gianna A. Mina: Alessandro Rossi. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 23. April 2010.
- Rudy Chiappini (Hg.): La ricerca di un’appartenenza, 1803–1870. Catalogo della mostra Lugano. Salvioni, Bellinzona 2001, S. 433ff.
Weblinks
- Alessandro Rossi. In: Sikart
- Publikationen von und über Alessandro Rossi (Bildhauer) im Katalog Helveticat der Schweizerischen Nationalbibliothek