Android Automotive
Android-Betriebssystem für das Infotainment in Autos
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Android Automotive (auch Android Automotive OS, abgekürzt AAOS)[1] ist eine Variante von Googles Betriebssystem Android, die für die Anwendung in Instrumententafeln von Fahrzeugen angepasst ist.[2] Die Bezeichnung „Google Built-In“[3] ist in diesem Zusammenhang ebenfalls verbreitet und wird für Fahrzeuge genutzt, die neben dem Betriebssystem zusätzlich noch die proprietären Google-Dienste – die Google Automotive Services (GAS) – anbieten.[4]
Automobilhersteller können eine individuell angepasste Version in ihren Fahrzeugen ausliefern. Neben Infotainment-Aufgaben wie Mobilkommunikation, Navigation und der Wiedergabe von Musik werden auch fahrzeugspezifische Funktionen wie die Klimaanlage oder Fahrprofileingriffe direkt gesteuert.
Funktionsweise
Im Gegensatz zu Android Auto ist Android Automotive ein eigenständiges Betriebssystem. Es läuft auf einem Computer im Fahrzeug und ist nicht auf ein externes Smartphone angewiesen.[5] Aktuelle Systeme basieren teilweise bereits auf Versionen ab Android 14 aufwärts (Stand Anfang 2026 veröffentlichte Google die auf Android 16 basierende Entwicklerversion).
Android Automotive erlaubt die Implementierung einer Benutzeroberfläche, die wie ein Android-Tablet bedient werden kann und dessen Funktionen aufweist, dabei aber mit dem Fahrzeug interagiert. So können Apps Sensordaten des Fahrzeugs wie Position, Geschwindigkeit, Batterieladestand / Tankfüllstand und vieles mehr abfragen und auswerten, und umgekehrt auch Steuerbefehle an das Fahrzeug senden, um zum Beispiel das Schiebedach zu öffnen oder die Sitzheizung einzustellen.
Bei Fahrzeugen mit lizenzierten Google-Diensten (GAS) können über den Google Play Store wie bei Android-Smartphones und -Tablets Apps von Drittanbietern (zum Beispiel Spotify) heruntergeladen und installiert werden. Zudem ist in diesen Systemen eine tiefe Sprachsteuerung über Google Assistant (bzw. zunehmend durch die KI Google Gemini) integriert. Hersteller, die auf GAS verzichten und nur den Open-Source-Kern (AOSP) von Android Automotive nutzen, binden oft alternative App-Stores (wie Aptoide) oder eigene Sprachassistenten und Navigationslösungen ein.
Die Apps müssen speziell an Android Automotive angepasst worden sein; sie müssen dabei insbesondere Googles „Richtlinien zur Ablenkung des Fahrers“ entsprechen.[6] Damit soll sichergestellt werden, dass potenziell zu stark ablenkende Funktionen nicht während der Fahrt ausgeführt werden können. Funktionen, die während der Fahrt bedient werden können, müssen bestimmten Design-Anforderungen von Google genügen (insbesondere auf einfache Bedienung mit großen und gut lesbaren Schriften und Schaltflächen hin optimiert sein).[7] Funktionen, die diesen Anforderungen nicht genügen, können nur im Leerlauf oder in bestimmten Fällen (z. B. Video) nur bei geparktem Fahrzeug ausgeführt werden.[8]
Geschichte
Android Automotive wurde im März 2017 angekündigt. Kurz darauf präsentierte Audi auf der Google I/O 2017 als erster Hersteller ein Konzeptfahrzeug mit Android Automotive.[9] Im April 2019 veröffentlichte Google die Programmierschnittstelle (API), um Apps für Android Automotive entwickeln zu können.
Das System wird von Herstellern seitdem sehr unterschiedlich adaptiert. Einige Automobilhersteller nutzen Android Automotive als offene Plattform (AOSP) ohne die direkten Google-Dienste, um eigene Ökosysteme und Benutzeroberflächen aufzubauen. So verzichtet beispielsweise BMW für das „Operating System 9“ genannte Betriebssystem auf die direkten Google-Dienste und nutzt stattdessen den Open-Source-Kern.[10] Der Stellantis-Konzern (Peugeot, Opel, Fiat etc.) setzt für diverse Modelle ebenfalls auf Android Automotive als Basis, greift jedoch für den App-Download auf Plattformen von Drittanbietern wie Aptoide zurück.
Der Volkswagen-Konzern kündigte im Januar 2021 zunächst die Entwicklung einer komplett eigenen Plattform vw.os über seine Software-Tochter Cariad an. 2022 wurden jedoch erhebliche Probleme bei Cariad bekannt, die auch die Position von Herbert Diess schwächten.[11] Nach diversen Verzögerungen bei der Entwicklung nutzt der Konzern mittlerweile für seine neuen Architekturen (z. B. Porsche Macan, Audi Q6 e-tron) Softwareplattformen, die unter der Haube auf Android Automotive basieren.
Einige US-Konzerne binden Google mittlerweile extrem tief in die Fahrzeugelektronik ein. General Motors (GM) geht bei seinen neueren Elektrofahrzeugen sogar den Weg, exklusiv auf das "Google Built-In" Ökosystem zu setzen und im Gegenzug Apple CarPlay und das klassische Android Auto für Smartphones in diesen Modellen komplett zu blockieren.
Automobilhersteller und -modelle
Der im Juli 2020 erschienene Polestar 2 war das erste Serienfahrzeug, das mit Android Automotive ausgeliefert wurde. Ende 2020 erschien mit dem Volvo XC40 Recharge P8 das zweite Fahrzeug des Volvo-Konzerns mit Android Automotive. Im Rahmen des Wechsels zum Modelljahr 2022 hat Volvo weitere Modelle (XC60, S90, V90) mit Android Automotive ausgestattet.[12]
Die folgenden Hersteller nutzen Android Automotive oder haben entsprechende Fahrzeuge auf dem Markt:
| Hersteller | Ankündigung | Einführung | bisher erschienene Modelle | Kommentar |
|---|---|---|---|---|
| Alpine[13] | ab 2025 | Alpine A390 | ||
| Audi | 2021-07 | ab 2024 | Audi Q6 e-tron, Audi A6 e-tron, Audi A6 C9 | Nutzung der Android Automotive Basis über die Konzernarchitektur |
| BMW | 2023-01[10] | ab 2023-11 | X1, X2, X3, iX3, 1er, 2er Active Tourer[14] | Nur Nutzung des AOSP-Kerns, ohne Google-Apps[10] (Operating System 9) |
| Ford | 2021-02[15] | ab 2024 | Ford Explorer, Lincoln Nautilus | Systembezeichnung "Ford Digital Experience" (inklusive Google-Diensten) |
| General Motors | 2019-09[16] | ab 2022 | Chevrolet Blazer EV, Cadillac Lyriq, GMC Hummer EV, Silverado EV | Exklusiv mit Google-Diensten; Verzicht auf Apple CarPlay / Android Auto in Elektro-Neufahrzeugen |
| Honda | 2021-09[17] | ab 2022 | Honda Accord (ab 2023) | Mit Google Built-in |
| Mini | ab 2023 | Mini Aceman, Mini Countryman, Mini F66 | Mini Operating System 9 (AOSP-Basis ohne Google Apps) | |
| Nissan | ab 2025/26 | Nissan Rogue (ab 2026) | Mit Google Built-in | |
| Polestar | ab 2020-07 | Polestar 2, Polestar 3, Polestar 4 | Enge Zusammenarbeit mit Google (inkl. Google Built-in) | |
| Porsche | ab 2024 | Porsche Macan der 2. Generation | Die integrierte Softwareplattform basiert auf Android Automotive | |
| Renault-Nissan-Mitsubishi | 2018-09[18] | ab 2022-06 | Renault Mégane E-Tech Electric[19], Renault Austral, Renault Espace VI,
Renault Captur II (Facelift), Renault Rafale, Renault 5 E-Tech |
OpenR Link System (mit Google-Diensten) |
| Volkswagen | 2021-07[20] | ab 2024 | diverse Modelle der Konzernmarken | Teilweise Nutzung des Kerns im Rahmen der Software-Architektur[20] |
| Volvo | 2018-02[21] | ab 2020-07 | Volvo EX30, Volvo EX90, Volvo XC40 Recharge P8 AWD, Volvo S90 / V90 / V90CC / Volvo XC60 (ab 2021-05) | Mit Google Built-in |