Apollonio Pessina
Schweizer Bildhauer, Maler, Zeichner, Konservator und Kurator
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Apollonio Pessina (umbenannt in Paul Pessina; * 1. September 1879 in Ligornetto; † 20. April 1958 ebenda) war ein Schweizer Bildhauer, Maler, Zeichner, Konservator und Kurator des Museo Vincenzo Vela in Ligornetto. Pessina schuf im Tessin zahlreiche Grab- und Gedenkmonumente, Büsten und Porträts.

Leben und Werk
Apollonio Pessina war der Sohn des Poliers Giuseppe Pessina und der Maria, geborene Piffaretti. Nach der Lehre an der Zeichenschule in Mendrisio (1893–1895) arbeitete er wie sein Bruder Tommaso als Ornamentist.
1904 hielt sich Pessina in Paris auf und nahm den Namen Paul an. Er studierte an der École nationale supérieure des arts décoratifs und an der École des Beaux-Arts und spezialisierte sich als Bildhauer im Atelier von Jean-Antoine Injalbert und Gabriel-Jules Thomas (1824–1905). In Paris lernte er auch Charles Despiau und Léon-Ernest Drivier (1878–1951) kennen.
Pessina erhielt 1908 und 1910 das Eidgenössische Bundesstipendium für bildende Kunst. 1912 kehrte er ins Tessin zurück und fertigte zahlreiche Porträts für Grab- und Denkmäler an. In Bellinzona schuf er das Tessiner Soldatendenkmal und in Giornico das Schlachtdenkmal für die Gefallenen in der Schlacht bei Giornico,[1] das am 1. August 1937 eingeweiht wurde.[2] Ebenfalls zeichnete er für die Denkmäler für Oreste Gallacchi in Breno (1926) und Emilio Bossi in Bruzella (1931) verantwortlich.
Als Maler schuf Pessina vor allem Landschaften und religiöse Szenen, in denen er Figuren aus dem Familienkreis darstellte, die durch starke Farbkontraste und Licht- und Schattenspiele gekennzeichnet waren.

Pessina nahm regelmässig an Ausstellungen im In- und Ausland teil, so 1908 an der Nationalen Landesausstellung in Bern sowie 1909 an den internationalen Ausstellungen in Paris und 1910 in Brüssel. 1920 und 1926 war er Teilnehmer der Biennale di Venezia.
Im Tessin hatte Pessina auf das kulturelle und politische Leben Einfluss. So war er, mit Unterbrechungen, von 1921 bis 1939 Mitglied des Grossen Rates und von 1948 bis 1951 Mitglied der Aufsichtskommission für den Zeichenunterricht an Schulen und engagierte sich für den Denkmalschutz.
Von 1920 bis zu seinem Tod war er Kurator und Konservator des Museo Vela in Ligornetto. 2003 wurde in Ligornetto Pessinas ehemaliges Wohn- und Atelierhaus als Museum Casa Pessina eingeweiht. Das Museum beherbergt seine Kunstwerke und zahlreiche Dokumente, Schriften, Skizzen, Bücher, Fotos, Briefe und Postkarten.
Werke
- 1912: Grabmal der Familie Summerer-Bernasconi, Carrara-Marmor, Friedhof Chiasso[3]
- 1920: Tessiner Soldatendenkmal, Carrara-Marmor und Cresciano-Granit, Bellinzona (1948 erweitert)
- 1920: Büste von Vincenzo Vela, Carrara-Marmor, Regierungspalast, Bellinzona[3]
- 1926: Oreste-Gallacchi-Denkmal, Bronzebüste und zwei Bronzereliefs, Alto Malcantone-Breno[4]
- 1931: Emilio-Bossi-Denkmal, Bronzestatue, Breggia-Bruzella
- 1931: Grabmal der Familie Giovanni Battista Bonetti, Bronze, Speckstein und Mosaik, Friedhof Bellinzona[3]
- 1931: Grabmal der Familie Wagner, Marmorrelief mit einer Abschiedsszene, Friedhof Faido[5]
- 1932: Grabmal der Familie Carlo Alessandro Bonzanigo, Friedhof Bellinzona
- 1936: Grabplastik, Friedhof am Hörnli, Basel
- 1937: Schlachtdenkmal, Giornico-Granit, Giornico
Im Museo d’arte della Svizzera italiana in Lugano befindet sich ein undatierter bronzener Mädchenkopf Pessinas.[6] In der Sala del Torchio in Balerna sind zwei Landschaftsgemälde Pessinas ausgestellt.[7] Weitere Werke werden in der Casa Pessina in Mendrisio-Ligornetto und im Kunstmuseum Mendrisio aufbewahrt.[3]
Galerie
- Skulptur Sterbender Soldat (1920), Soldatendenkmal, Bellinzona
- Grabmal der Familie Luigi Rimoldi (1927), Friedhof Lugano
- Statue Emilio Bossis (1931), Bruzella
- Grabnische der Familie Badaracco (1936), Friedhof Lugano
- Relief Educazione al lavoro (1948), Soldatendenkmal, Bellinzona
- Plastik Uomo dolente, Piazza Volontari, Ligornetto
- Büste Vincenzo Velas, Parco Ciani, Lugano
- Grabskulptur auf dem Friedhof Ligornetto
- Grabskulptur auf dem Friedhof Morcote
- Relief auf dem Friedhof Morcote
Literatur
- Elisabeth Voyame (Hrsg.): Apollonio Paul Pessina. Scultore 1879–1958. Ligornetto 2003.
- Simona Martinoli, Lucia Pedrini-Stanga: Arte fra le tombe. La scultura funeraria in Ticino tra Otto e Novecento. In: Kunst + Architektur in der Schweiz. Band 61, Nr. 3, 2010, S. 30–40, doi:10.5169/seals-394474.
Weblinks
- Lucia Pedrini Stanga: Apollonio Pessina. In: Sikart
- Casa Pessina Ligornetto auf der Website der Gemeinde Mendrisio
- Publikationen von und über Apollonio Pessina im Katalog Helveticat der Schweizerischen Nationalbibliothek
- Apollonio Pessina in Swisscovery
- Apollonio Pessina im Schweizerischen Bundesarchiv
- Claudio Abächerli: Statua Il Seminatore di Apollonio Pessina nella Camiceria Realini di Stabio (italienisch) auf lanostraStoria.ch, 28. Oktober 2020