Gewerkschaften in der Ukraine

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Gewerkschaftsbünde

Die Gewerkschaften in der Ukraine gehören zum größten Teil einem der folgenden Gewerkschaftsbünde an:[1]

Weitere Informationen Name des Gewerkschaftsbunds, Mitglieder ...
Name des Gewerkschaftsbunds Mitglieder Zugehörigkeit zu einem
Internationalen Gewerkschaftsverband
Федерація профспілок України, ФПУ
(Föderation der Gewerkschaften der Ukraine, FPU)
[2]
3.500.000 IGB / EGB
Конфедерація вільних профспілок України, КВПУ
(Konföderation der freien Gewerkschaften der Ukraine, KVPU)
[3]
169.804 IGB / EGB
(seit Dezember 2022)
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Das Verhältnis zwischen den Gewerkschaftsbünden ist von erbitterter Konkurrenz geprägt.[4]

Die ukrainischen Gewerkschaften haben in den letzten Jahrzehnten unter starkem Mitgliederschwund gelitten. Der FPU hatte 1998 noch 17,7 Millionen Mitglieder. Gerade in den früher dominanten industriellen Branchen ist der gewerkschaftliche Organisationsgrad heute niedrig. In den neuen Wirtschaftssektoren existieren zahlreiche prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Eine ausgeprägte Schattenwirtschaft sowie mächtige Oligarchen erschweren die Interessenvertretung von Arbeitnehmern.[5] Seit 2020 schränken gesetzliche Restriktionen die Vertretungsrechte der Gewerkschaften ein.

Einzelgewerkschaften, Branchenverbände

Einzelgewerkschaften / Branchenverbände sind u. a.:[6]

Weitere Informationen Name der Gewerkschaft, Mitgliedschaft in Dachverband ...
Name der Gewerkschaft Mitgliedschaft in
Dachverband
Mitglieder Zugehörigkeit zu
Europäischen / Globalen Gewerkschaftsföderationen
Профспілка металургів і гірників України,
(Gewerkschaft der Metallurg*innen und Bergleute der Ukraine)
FPU 178.608 IndustriAll
Профспілка працівників вугільної промисловості України
(Gewerkschaft der Kohleindustrie der Ukraine, PRUPU)
FPU 51.191 IndustriAll
Незалежна профспілка гірників України, НПГУ
(Unabhängige Gewerkschaft der Bergbauarbeiter*innen der Ukraine NPGU)
KVPU 45.332 IndustriAll
Профспілка працівників агропромислового комплексу України
(Gewerkschaft der Arbeiter*innen der Agrarindustrie der Ukraine)
FPU 122.012 IUF, EFFAT
Профспілка працівників житлово-комунального господарства України
(Gewerkschaft der Angestellten des Wohnungswesens und des kommunalen Staates der Ukraine)
FPU 158.087
(01.01.2022)
PSI, EPSU
Профспілка залізничників і транспортних будівельників України
(Gewerkschaft der Eisenbahn- und Transportbauarbeiter*innen der Ukraine)
FPTU 341.400
(01.01.2019,
keine aktuellen Daten verfügbar)
ITF, ETF
Профспілка працівників освіти і науки України
(Gewerkschaft der Beschäftigten in Bildung und Wissenschaft der Ukraine)
FPU 656.149
(01.01.2022)
EI, ETUCE
Профспілка працівників охорони здоров'я України
(Gewerkschaft des Gesundheitspersonals der Ukraine)
FPU 431.107 PSI, EPSU
Професійна спілка працівників державних установ України
(Gewerkschaft der Staatsbediensteten der Ukraine)
FPU 101.064 PSI, EPSU
Об'єднання всеукраїнських автономних профспілок, ОВАП
(Verband der autonomen Gewerkschaften der Ukraine, OVAP)
Keine 152 653 PSI, EPSU
Об'єднання всеукраїнських профспілок і профоб'єднань »Єдність«
(All-Ukrainische Gewerkschaften und ukrainische Gewerkschaftsverbände »Einheit«)
Keine 151.544 PSI, EPSU
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Rechtsgrundlagen

Art. 36 der Verfassung der Ukraine regelt seit 1996 die Koalitionsfreiheit. Gewerkschaften dürfen ohne Genehmigung frei gegründet werden. Die Bürger haben das Recht auf Mitgliedschaft in Gewerkschaften.[7] Die Regelungen über Arbeitnehmerrechte aus der Sowjetunion blieben in der Ukraine vergleichsweise lange erhalten.

Allerdings drohte Präsident Wolodymyr Selenskyj damit, Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichzustellen, was bedeuten würde, dass nicht mehr Kollektivverträge die Arbeitsverhältnisse regeln, sondern Einzelverträge. Es gibt derzeit auch keine funktionierende Arbeitssicherheitsinspektion.[8] Im Juli 2020 appellierte Human Rights Watch an die ukrainischen Parlamentarier, sicherzustellen, dass die Ukraine künftig das internationale Arbeitsrecht und Menschenrechtsstandards beachten solle. Auch das UN Committee on Economic, Social and Cultural Rights forderte ebenso wie Human Rights Watch 2020 die Erhaltung des Rechts auf Abschluss kollektiver Tarifverträge.[9]

Am 23. März 2022 unterzeichnete der Präsident ein unter dem herrschenden Kriegsrecht geltendes neues Arbeitsgesetz, das es den Arbeitgebern in Unternehmen mit unter 250 Mitarbeitern erlaubt, Tarifverträge einseitig zu kündigen, die Arbeitszeit auf 60 Stunden pro Woche zu erhöhen, von den Arbeitnehmern verlangen, dass sie Arbeit an Feiertagen, arbeitsfreien Tagen und Wochenenden leisten, und Gewerkschaften zu bloßen Organen der „Bürgerkontrolle“ degradiert, die die Einhaltung des Gesetzes überwachen. Private und staatliche Unternehmen erhalten eine Reihe weitreichender Zugeständnisse. Der KVPU protestierte gegen das Gesetz, das nicht im Einklang mit der Verfassung und mit den Verpflichtungen der Ukraine aus dem EU-Assoziierungsvertrag stehe.[10] An der Ausarbeitung des Gesetzes, das etwa 70 Prozent aller ukrainische Unternehmen betrifft, waren ukrainische Wirtschaftsverbände, die Union Ukrainischer Unternehmer und Experten des USAID-Programms Wettbewerbsfähige Wirtschaft der Ukraine beteiligt.[11]

Reaktion der europäischen Gewerkschaften

Die europäischen Gewerkschaften werfen der Ukraine vor schon seit längerer Zeit vor, dass sie die die Gewerschaftsrechte betreffenden Zusagen aus dem EU-Assoziationsabkommen nicht eingehalten hat. Im August 2022 protestierte der Europäische Gewerkschaftsbund, vertreten durch Generalsekretär Luca Visentini und ITUC-Generalsekretärin Sharran Burrow, gegen die Zerstörung kollektiver Arbeitnehmerrechte durch das in diesem Monat final in Kraft gesetzte Gesetz 5371. Vor allem den Beschäftigten in Betrieben mit weniger als 250 Angestellten wird eine wirksame Organisierung in Gewerkschaften künftig versagt. Der größte ukrainische Gewerkschaftsverband kündigte an, vor dem Verfassungsgericht der Ukraine gegen das Gesetz zu klagen. Wegen des russischen Angriffs dürfen die Angestellten derzeit nicht streiken.[12]

Arbeitskämpfe

Zu Beginn seiner Amtszeit hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj versprochen, die Korruption im Kohlesektor auszumerzen. Dennoch wurden Vorwürfe der Veruntreuung staatlicher Beihilfen laut. Im Staatshaushalt für 2021 waren außerdem keine Mittel für Gesundheits- und Arbeitssicherheitsmaßnahmen vorgesehen. Die NGPU kämpft seit September 2020 in ukrainischen Bergwerken für die Zahlung ausstehender Löhne und gegen Korruption im Management. Die Streiks wurden mit Kriegsbeginn im Februar 2022 ausgesetzt, später aber wieder aufgenommen.[13]

Literatur

Einzelnachweise

Siehe auch

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