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Grönlandkrise

internationale Krise wegen Donald Trumps Drohungen, Grönland zu annektieren From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Grönlandkrise war eine diplomatische und geopolitische Auseinandersetzung zwischen den Vereinigten Staaten unter Donald Trump auf der einen und Grönland, Dänemark und der Europäischen Union auf der anderen Seite. Sie nahm ab Dezember 2024 an Intensität zu und erreichte Anfang 2026 ihren Höhepunkt. Im Kern geht es um Besitz- und Gebietsansprüche der Vereinigten Staaten auf Grönland, die historisch und geostrategisch begründet sind. Die Krise steht in einer Reihe von Verletzungen und Schwächungen des transatlantischen Verhältnisses zwischen den Vereinigten Staaten unter Trump und ihren westlichen Verbündeten, auch innerhalb der NATO. Die Krise wurde im September 2026 durch ein erneuertes Verteidigungsabkommen zwischen den USA und dem Königreich Dänemark vorläufig gelöst.

  Vereinigte Staaten
  Grönland

Hintergrund

Vorgeschichte

Lansing-Deklaration vom 4. August 1916
US-Vizepräsident JD Vance und seine Frau Usha Vance (beide rechts) im Gespräch mit Kommandantin Susannah Meyers (links) im März 2025 während eines unangekündigten Besuchs der Weltraumbasis Pituffik. Anschließend wurde die Kommandantin entlassen, nachdem sie sich von den US-Drohungen gegen Grönland distanziert hatte.[1]

Das US-Interesse an Grönland hat eine lange strategische Tradition, die bis in die 1860er Jahre zurückreicht und im 19. und 20. Jahrhundert zu mehreren Kaufangeboten an Dänemark geführt hatte.[2] Tatsächlich erkannten die Vereinigten Staaten die dänische Souveränität über ganz Grönland im Jahr 1917 völkerrechtlich als Kaufbedingung für den Kauf der Dänisch-Westindischen Inseln (der heutigen Amerikanischen Jungferninseln) an. Die Souveränität wurde 1933 vom Ständigen Internationalen Gerichtshof im Zuge eines Territorialstreits zwischen Dänemark und Norwegen über das von Norwegen beanspruchte Gebiet Eirik Raudes Land bestätigt.[3]

Am 9. April 1941 wurde während des Zweiten Weltkriegs ein Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten und dem dänischen Gesandten Henrik Kauffmann geschlossen, nachdem Dänemark unter deutsche Besatzung geraten war und die Kontrolle über Grönland verloren hatte, wonach die Vereinigten Staaten vorläufig die Verteidigung Grönlands übernehmen und hierfür Militärstützpunkte errichten durften. Eine Abtretung von Hoheitsrechten war nicht vorgesehen; Dänemark behielt ausdrücklich die Souveränität. Grönland gehört als Teil Dänemarks seit der Gründung der NATO 1949 zum Bündnisgebiet. Für die militärische Verteidigung ist der Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa (SACEUR), stets ein US-General, zuständig. 1951 schlossen die Vereinigten Staaten und Dänemark ein Verteidigungsabkommen, das den USA die Errichtung von Militärbasen, darunter die strategisch bedeutende Thule Air Base (seit 2023 Pituffik Space Base genannt), ermöglichte. Dieses Abkommen wurde 2004 aktualisiert.[4.1]

2019 schlug Donald Trump während seiner ersten Amtsperiode als US-Präsident erneut einen Kauf Grönlands vor, der sowohl von Grönland als auch von Dänemark abgelehnt wurde.[4.1]

Gründe für das US-amerikanische Interesse

Militärstrategische Bedeutung

Donald Trump begründet das Interesse an einer Übernahme Grönlands meist mit der militärstrategischen Bedeutung der Insel. Hierbei betont er vor allem die Konkurrenz durch Russland und die Volksrepublik China, die andernfalls eine größere militärische Rolle in den arktischen Gewässern einnehmen würden. Experten zufolge sind in den grönländischen jedoch keinerlei russische und chinesische Schiffe aktiv.[4.2] Es ist jedoch korrekt, dass sowohl Russland als auch China ihre Aktivitäten in der Arktis im 21. Jahrhundert ausgebaut haben.[5]

Aufgrund ihrer Lage zwischen Nordamerika und der Arktis eignet sich die Insel hervorragend für Frühwarnsysteme bei möglichen Raketenangriffen und spielte vor allem während des Kalten Kriegs eine wichtige Rolle im US-amerikanischen Verteidigungssystem gegenüber der Sowjetunion. Von besonderer Bedeutung ist die GIUK-Lücke, ein See- und Luftraumkorridor zwischen Grönland, Island und dem Vereinigten Königreich, der im Kalten Krieg zentral für die Überwachung sowjetischer Aktivitäten war und auch im 21. Jahrhundert sicherheitspolitische Bedeutung besitzt. Eine Schlüsselrolle in der US-Präsenz spielt die seit den 1950er-Jahren betriebene Pituffik Space Base, die Teil der amerikanischen Raketenfrühwarn- und Kommunikationssysteme ist.[6]

Das Patrouillenschiff Triton der Königlich Dänischen Marine bei Ilulissat, die einen Sikorsky MH-60R an Bord hatte, vor der Küste Grönlands im März 2024

Eine große Rolle in Trumps Rhetorik spielt die von ihm behauptete fehlende Verteidigungsfähigkeit Grönlands durch das Königreich Dänemark oder die NATO ohne US-amerikanische Mithilfe.[4.2] Tatsächlich haben die USA die Verteidigung Grönland seit dem Zweiten Weltkrieg aus Eigennutzen freiwillig übernommen, nach dem Ende des Kalten Kriegs aber stark zurückgebaut, sodass heute nur noch die Pituffik Space Base betrieben wird, während alle übrigen militärischen Anlagen geschlossen worden sind. Dieser Rückbau der militärischen Aktivitäten wurde vom Königreich Dänemark oder der NATO nur mangelhaft kompensiert.[6][4.1] Die Verteidigung Grönlands erfolgt offiziell durch das Arktisk Kommando, ein Teil des dänischen Militärs, das im unbewohnten Nordostgrönland die Sirius-Schlittenpatrouille betreibt sowie die Überwachung mit Militärschiffen und -flugzeugen übernimmt.[7]

Donald Trump begründete die Gebietsansprüche über Grönland zudem mit dessen günstiger Platzierung für das 2025 angekündigte Raketenabwehrsystem Golden Dome. Durch den Vertrag von 1951 und dessen Aktualisierung von 2004 haben die USA jedoch bereits das Recht, ihre militärischen Aktivitäten in Grönland auszubauen, wofür sich die dänische Regierung bereits mehrfach offen gezeigt hat, sodass die Übernahme Grönlands dafür nicht notwendig wäre. Es bestehen somit Zweifel daran, dass der militärstrategische Nutzen in Wahrheit die primäre Ursache für die Gebietsansprüche der US-Regierung sind.[4.2]

Wirtschaftliche Bedeutung

Geologische Karte Grönlands mit potenziellen Erdölbecken (grün, blau), verschiedene Arten von Bergbauprojekten sind mit Sternen markiert

Grönland verfügt über umfangreiche mineralische Rohstoffressourcen, darunter bedeutende, bislang nur in Ansätzen erschlossene Lagerstätten Seltener Erden, die für eine Vielzahl technologischer Anwendungen von strategischer Relevanz sind. Für diese hat China derzeit nahezu ein globales Monopol. Der infolge des Klimawandels fortschreitende Rückgang des Eisschildes erleichtert zudem die saisonale Befahrbarkeit arktischer Seewege (Nordostpassage, Nordwestpassage). Diese Entwicklungen erhöhen den geopolitischen und ökonomischen Stellenwert Grönlands im internationalen Staatensystem. Tatsächlich ist Grönland stark an ausländischen Investitionen in den Bergbausektor interessiert, sofern diese die umweltschutzmäßigen Rahmenbedingungen einhalten. Aufgrund des rauen Klimas und der fehlenden Infrastruktur waren die Versuche Investoren anzuziehen jedoch bisher nur in begrenztem Maße erfolgreich.[4.3]

Möglicherweise sind Trumps Interessen auch durch den Lobbyismus US-amerikanischer Tech-Oligarchen getrieben, die Grönland für futuristische Großprojekte wie einer Freistadt, eine Mars-Raketenbasis oder eines AI-Datenzentrums im Inlandeis auserkoren haben.[4.3] Es wird davon ausgegangen, dass Trumps ursprüngliches Interesse an Grönland vom mit Trump befreundeten Investor Ronald Lauder stammt. Weitere zentrale Unternehmer mit Interesse an Grönland sind Ken Howery, der anschließend zum US-Botschafter in Dänemark ernannt wurde, Marc Andreessen und Peter Thiel. Mehrere von ihnen sind Teil der als PayPal-Mafia bekannten Gruppe von Milliardären aus der Technologiebranche.[8.1]

Das wirtschaftliche Argument wurde von Trump explizit abgewiesen, könnte laut Experten jedoch ein wichtiger Grund für Trumps Interesse an Grönland sein.[4.3]

US-amerikanischer Expansionismus

Ein von Trump propagiertes expansives Konzept sah einen erweiterten Einflussbereich der Vereinigten Staaten vor, der nach dieser Vorstellung auch Kanada, Grönland sowie die Panamakanalzone umfassen sollte.

Es wird aufgrund zahlreicher öffentlicher Aussagen davon ausgegangen, dass ein großer Teil von Trumps Interesse an Grönland nicht strategisch begründet werden kann, sondern nur durch sein persönliches Interesse an einer Ausweitung des US-amerikanischen Staatsgebiets und den Wunsch als mindestens einer der bedeutendsten US-Präsidenten in die Geschichte einzugehen. Eine große Rolle spielt hierbei Trumps Ego, das sich in seinem Wunsch, in den Mount Rushmore eingemeißelt zu werden, der Umbenennung von beispielsweise dem Golf von Mexiko in Golf von Amerika und seinem öffentlich bekundeten Anspruch auf den Friedensnobelpreis zeigt. Vor allem das fehlende Interesse an der Annahme militärischer und wirtschaftlicher Angebote und Kompromisse deuten darauf hin, dass die Ausweitung des Territoriums der eigentliche Grund ist.[4.4] Hierzu passt auch die Aussage Trumps aus dem Januar 2026, dass die Kontrolle über Grönland für ihn ein „psychologisches Bedürfnis“ sei.[4.3]

Es kann zudem ein Zusammenhang mit Trumps außenpolitischer Strategie, generell den geopolitischen Einfluss der Vereinigten Staaten in der westlichen Hemisphäre zu stärken, hergestellt werden. Teil dieser als Donroe-Doktrin bezeichneten Strategie war der US-amerikanische Angriff auf Venezuela Anfang 2026, der einen Bruch mit der bekannten regelbasierten Weltordnung darstellt und zeigt, dass die USA zur Missachtung der Interessen anderer Staaten bereit sind, sofern diese mit den Interessen der US-Regierung im Konflikt stehen.[9]

Verlauf

Wiederaufflammen des Interesses während der zweiten Amtsperiode Trumps

Kurz nach seiner erneuten Wahl zum US-Präsidenten am 5. November 2024 gab Trump noch vor seiner Amtseinführung am 22. Dezember 2024 durch einen Post auf Truth Social zu verstehen, dass der Besitz und die Kontrolle über Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit und der Freiheit in der Welt eine absolute Notwendigkeit seien.[4.5] Der grönländische Finanzminister Erik Jensen lud daraufhin Trump zu einem Besuch in Grönland ein, während Regierungschef Múte B. Egede das erneute Interesse an der Kontrolle über Grönland durch die USA zurückwies. Die dänische Regierung äußerte sich im Gegensatz zu 2019 nicht und verwies lediglich auf die grönländische Regierung.[4.6]

Kurz darauf besuchte Trumps Sohn Donald Trump Jr. die Hauptstadt Nuuk am 7. Januar 2025 für einige Stunden mit einem Privatflugzeug nach Eigenaussage als Tourist, wobei er versuchte Unterstützung für die USA bei der grönländischen Bevölkerung zu finden. Am selben Tag gab sein Vater auf Anfrage eines Journalisten bekannt, dass man ein militärisches Eingreifen zur Erlangung der Kontrolle über Grönland nicht ausschließen könnte. Bei einem Telefongespräch zwischen Trump und der dänischen Staatsministerin Mette Frederiksen konnte der Konflikt im Gegensatz zu 2019 nicht beigelegt werden und Trump drohte mit wirtschaftlichen Sanktionen, sollte er seinen Willen nicht bekommen. Zur Beschwichtigung wurde Ende Januar 2025 ein Investitionspaket für die Verteidigung Grönlands angekündigt.[4.6] Im Februar 2025 stellte der US-Abgeordnete Buddy Carter einen Gesetzentwurf vor, der Präsident Trump den Kauf Grönlands erlauben und das Territorium in „Red, White, and Blueland“ umbenennen sollte. Der Entwurf sah vor, mit Dänemark über den Erwerb oder eine andere Aneignung der Insel zu verhandeln.[10]

Der Wahlkampf vor der grönländischen Parlamentswahl am 11. März 2025 war in hohem Maße von Trumps Interessebekundungen geprägt. Trump wiederholte diese kurz nach der Wahl gegenüber der NATO, woraufhin alle grönländischen Parteien die Ansprüche am 13. März öffentlich zurückwiesen. Noch während der Koalitionsverhandlungen kündigte Second Lady Usha Vance einen Besuch in Grönland an, bei dem sie der nationalen Hundeschlittenmeisterschaft Avannaata Qimussersua beiwohnen, aber auch mit Politikern sprechen wollte. Nach Protesten der Politiker angesichts der laufenden Koalitionsverhandlungen besuchten sie und ihr Mann, Vizepräsident JD Vance am 28. März die Pituffik Space Base. Hierbei kritisierte er erneut die dänische Regierung aufgrund des mangelhaften Einsatzes zur Verteidigung Grönland. Die dänische Regierung kündigte im Oktober 2025 ein erneutes militärisches Investitionspaket an.[4.6]

Im Jahr 2025 stufte der dänische Geheimdienst die Vereinigten Staaten erstmals als potenzielle Bedrohung für die nationale Sicherheit Dänemarks und für die Stabilität in Europa ein.[11] Im April 2026 vermeldete Danmarks Radio unter anderem in Berufung auf den Geheimdienst, dass im Sommer 2025 mit Tom Dans, Drew Horn und Chris Cox drei Personen aus Trumps engerem Kreis in Grönland tätig waren, um „heimlich Einfluss“ auf die grönländische Bevölkerung zu nehmen.[12] Wie später bekannt wurde, waren zumindest die ersten beiden bereits 2019 in dieser Mission in Grönland aktiv.[13] Tom Dans wurde im Dezember 2025 zum Vorsitzenden der United States Arctic Research Commission ernannt, die wissenschaftliche Kooperationen mit arktisbezogener Forschung stärken soll, aber laut Experten für Spionagezwecke genutzt werden kann.[14]

Eskalation Anfang Januar 2026

Ein am 23. Januar 2026 veröffentlichtes KI-generiertes Bild des Weißen Hauses zeigt Donald Trump mit einem Pinguin vor der grönländischen Flagge – obwohl Pinguine nur in der Antarktis leben.[15]

Am 22. Dezember 2025 ernannte Trump Jeff Landry, den Gouverneur von Louisiana, zum Sondergesandten für die Insel.[4.6] Am 23. Dezember äußerte er erneut, dass die USA die Gebietshoheit über Grönland für die eigene nationale Sicherheit benötigen, was zu umgehenden Solidaritätsbekundungen unter anderem aus Regierungskreisen der EU, Frankreichs, Deutschlands, Schwedens, Norwegens, Belgiens, Litauens, Lettlands und Estlands führte.[16]

Direkt nach dem Angriff der USA auf Venezuela am 3. Januar 2026 postete Katie Miller, die Ehefrau des stellvertretenden Stabschefs im Weißen Haus Stephen Miller, eine Anspielung darauf, dass Grönland das nächste militärische Ziel der USA sei, was erneut zu Unruhe führte.[4.7] In den folgenden Tagen erklärte Trump in mehreren Stellungnahmen und Interviews, dass die USA Grönland „auf dem einfachen Weg“ oder „auf dem harten Weg“ übernehmen müssten, um einer strategischen Verschiebung zugunsten Russlands oder Chinas vorzubeugen.[17] In einem Brief stellte Trump gegenüber Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre den völkerrechtlich anerkannten dänischen Anspruch auf Grönland infrage. Er behauptete fälschlich, es gebe keine schriftlichen Belege für die Zugehörigkeit Grönlands zu Dänemark, obwohl diese im Kieler Frieden von 1814 festgelegt, von den USA 1917 anerkannt und 1933 vom Internationalen Gerichtshof bestätigt wurde.[18] Die Vorsitzenden der fünf im grönländischen Parlament vertretenen Parteien lehnten die US-Forderungen in einer gemeinsamen Erklärung am 9. Januar ab. Sie betonten das Recht auf politische Selbstbestimmung und erklärten: „Wir wollen keine Amerikaner sein, wir wollen keine Dänen sein, wir wollen Grönländer sein.“[19] Mette Frederiksen warnte, dass bei einem militärischen Angriff auf Grönland durch die USA „alles aufhöre“, da dies in einem Zusammenbruch der NATO und der globalen Sicherheits- und Machtverhältnisse seit dem Zweiten Weltkrieg resultieren würde.[4.7] Das Geschehen wurde als die größte transatlantische Krise seit Generationen bezeichnet.[20]

Unter anderem aus Regierungskreisen von Dänemark, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Polen wurden am 6. Januar Solidaritätsbekundungen übermittelt, Unterstützung zugesichert, zur Deeskalation aufgerufen und Kritik an Trump geübt. Das Weiße Haus bestätigte daraufhin wie ein Jahr zuvor, dass ein militärisches Eingreifen nicht auszuschließen sei.[4.7] Am Tag darauf schloss US-Außenminister Marco Rubio ein militärisches Eingreifen jedoch erstmals aus.[21] Demokratische Politiker lehnten Trumps Pläne ab. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom forderte die europäischen Regierungschefs zu Widerstand gegen Trump auf.[22] Aber auch zahlreiche hochrangige Politiker aus Trumps eigener republikanischer Partei äußerten scharfe Kritik an Trumps Äußerungen und Plänen, darunter der US-Senator Thom Tillis,[23] der ehemalige General Don Bacon, der mit einem Amtsenthebungsverfahren drohte, und der Kongressabgeordnete Jeff Hurd.[24] Umfragen zufolge sprach sich eine Mehrheit der US-amerikanischen Bevölkerung gegen eine Übernahme Grönlands aus – vor allem mit militärischen Mitteln.[8.2]

Treffen in Washington, D.C.

Jens-Frederik Nielsen und Mette Frederiksen während einer Pressekonferenz am 13. Januar 2026.

Am 13. Januar 2026 sagte Regierungschef Jens-Frederik Nielsen, dass sich Grönland bei der Wahl zwischen den Vereinigten Staaten und dem Königreich Dänemark für Letzteres entscheiden würde.[25]

Am selben Tag trafen sich die Außenminister der USA, Dänemark und Grönland, Marco Rubio, Lars Løkke Rasmussen und Vivian Motzfeldt sowie US-Vizepräsident JD Vance in Washington, D.C. zu Verhandlungen, wobei sie die Gründung einer Arbeitsgruppe zur Lösung des Konflikts beschlossen. Løkke kommentierte das Treffen mit dem Fazit, dass man sei „sich einig darin sich uneinig zu sein“. Dänemark und Grönland gaben gegenüber der Bevölkerung bekannt, dass die Arbeitsgruppe einen Kompromiss finden solle, um den US-amerikanischen Interessen im Rahmen dänischer Souveränität entgegenzukommen, während die US-Regierung vermeldete, dass die Arbeitsgruppe das Ziel hätte, die Kontrolle über Grönland zu erhalten, was die Krise weiter verschärfte.[4.7]

Operation Arctic Endurance

Karte der ‚Operation Arctic Endurance‘ (Stand: 18. Januar 2026):
  Grönland
  Vereinigte Staaten
 NATO, North Atlantic Treaty Organization Teilnehmende NATO-Staaten
 NATO, North Atlantic Treaty Organization Übrige NATO-Staaten
Französische und dänische Soldaten in Grönland während der Operation Arctic Endurance am 16. Januar 2026

Um den 15. Januar 2026 wurde vom dänischen Militär die als Übung deklarierte Operation Arctic Endurance durchgeführt, die offiziell der Abschreckung Russland und Chinas dienen sollte. An der Operation nahmen auch Soldaten aus den NATO-Ländern Großbritannien, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und Finnland teil. Wie im März 2026 nach Recherchen des dänischen Rundfunks DR bekannt wurde, handelte es sich bei der Übung in Wirklichkeit um eine getarnte Operation zur Vorbereitung eines realen Verteidigungsfalles im Falle einer US-Invasion Grönlands. Dies hatte zum Ziel, dafür zu sorgen, dass US-amerikanische Invasionstruppen die Soldaten möglichst vieler verschiedener europäischer Staaten hätten angreifen müssen, um so die politischen und diplomatischen Kosten für die USA möglichst weit zu erhöhen und Washington vor einem Angriff abzuschrecken.[4.7] Dänemark intensivierte in den folgenden Tagen seine militärische Präsenz in der Arktis.[26] Dänemark und Grönland schlugen zudem eine NATO-Mission in der Arktis vor.[27]

Androhung von Strafzöllen und Rücknahme

Aufgrund des europäischen Widerstands kündigte Trump am 17. Januar Strafzölle gegen die Staaten an, die an der Operation Arctic Endurance teilgenommen hatten. Die jeweiligen Staaten kritisierten diese Entscheidung mit dem Verweis darauf, dass die Verteidigung Grönlands gegenüber Russlands und Chinas – entsprechend der offiziellen Begründung für die Operation – durch die NATO mit stärkerer Beteiligung Dänemarks und Europas ja der Wunsch der US-Regierung gewesen war, und kündigten wirtschaftliche Gegenmaßnahmen an. Die Europäische Union stoppte die Ratifizierung des im Sommer 2025 verhandelten Handelsabkommens mit den USA, das unter anderem einen zollfreien Zugang für US-amerikanische Waren in den europäischen Binnenmarkt vorsah, für die EU von Nachteil war und von Trump als wirtschaftsdiplomatischer Sieg verkauft worden war.[4.7] Zudem kündigte die EU Gegenzölle im Wert von 93 Milliarden Euro gegenüber den Vereinigten Staaten an, die am 6. Februar 2026 in Kraft treten sollten, sofern keine Einigung im Zollstreit erzielt worden sei.[28] Zudem wurden Maßnahmen im Rahmen der Verordnung (EU) 2023/2675 über den Schutz der Union und ihrer Mitgliedstaaten vor wirtschaftlichem Zwang durch Drittländer (Anti-Coercion Instrument, EU-Verordnung zur Bekämpfung von Zwangsmaßnahmen gegen Mitgliedstaaten) angekündigt.[4.7]

Die Verlagerung der Krise von militärischem auf wirtschaftliche Ebene wird von Experten als bedeutender Erfolg von Seiten Europas angesehen, da das wirtschaftliche Verhältnis zwischen den USA und der EU ebenbürtiger ist als das militärische, sodass die US-Regierung erwägen musste, ob sie ihre Expansionspläne ihren wirtschaftlichen Interessen über- oder unterordnen wolle.[4.7]

Am 20. Januar 2026 veröffentlichte Trump dennoch auf Truth Social ein KI-generiertes Bild, das ihn zusammen mit Vizepräsident Vance und Außenminister Rubio zeigte, wie er die US-amerikanische Flagge auf Grönland hisste. Daneben war auf einem Schild zu lesen: Greenland – US Territory. Est. 2026 („Grönland – US-Territorium. Gegründet 2026“).[29]

US-Präsident Trump in Davos am 21. Januar 2026
Beim Weltwirtschaftsforum in Davos traf Präsident Donald Trump (rechts) den NATO-Generalsekretär Mark Rutte (links), der den diplomatischen Rahmen zur Entschärfung der Grönlandkrise ausgehandelt hatte (Archivbild von 2025).

Trump verlangte auf dem Weltwirtschaftsforum am 21. Januar in Davos sofortige Verhandlungen über Grönland, die die vollständige Kontrolle der Vereinigten Staaten über die Insel zum Ziel hätten, schloss jedoch die Anwendung militärischer Gewalt hierfür erstmals selbst aus. Nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte zog er zudem seine Zollankündigungen zurück. Den Wunsch nach der Annexion Grönlands ersetzte er durch den des uneingeschränkten Zugangs, der jedoch de facto bereits besteht bzw. vermutlich diplomatisch problemlos verhandelbar gewesen wäre.[4.7] Es wurde ein Rahmenabkommen präsentiert, nach dem der Verteidigungsvertrag von 1951 ein weiteres Mal überarbeitet, Grönland Teil des Raketenabwehrprojekts Golden Dome, den USA ein Mitspracherecht bei Investitionen auf Grönland eingeräumt werden und ein verstärktes Engagement der europäischen NATO-Mitglieder in der Arktis erfolgen solle.[30]

Aufnahme trilateraler Verhandlungen und Stärkung der Verteidigung Grönlands

Am 22. Januar 2026 traf sich die dänisch-grönländisch-amerikanische Arbeitsgruppe, deren Mitglieder nicht bekannt sind, zum ersten Mal, um einen Plan für das weitere Vorgehen zu erarbeiten und eine diplomatische Lösung zu finden.[31] Grönlands Rohstoffministerin Naaja H. Nathanielsen sprach sich für getrennte Verhandlungen aus: Zuerst soll die Verteidigung Grönlands gestärkt werden, anschließend die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten. Ein Verteidigungsabkommen, das mit Mineralien verknüpft ist, komme für sie nicht in Frage.[32] Die Arbeitsgruppe begann ihre Arbeit offiziell mit einem Treffen am 28. Januar. Alle Seiten sprachen sich für diskrete Verhandlungen abseits der Medien aus und Außenminister Lars Løkke Rasmussen lobte anschließend das Treffen als konstruktiv.[33][34]

Am 27. Januar 2026 beschloss Dänemark ein weiteres Maßnahmenpaket in Höhe von 14,6 Mrd. Dänischen Kronen (1,96 Mrd. Euro) zur Stärkung der militärischen Präsenz in der Arktis und im Nordatlantik. Dies umfasst die Beschaffung von drei arktischen Marineschiffen, zwei Langstreckendrohnen, den Ausbau der Satellitenüberwachung Grönlands und die Stärkung der militärischen arktischen Grundausbildung in Grönland.[35]

Die Operation Arctic Endurance wurde Mitte Februar 2026 in die NATO-Operation Arctic Sentry („Wächter der Arktis“) überführt. Laut Oberbefehlshaber Alexus G. Grynkewich dient sie der Überwachung Grönlands sowie der Abschreckung Russlands und Chinas.[36]

Weitere Entwicklung während der Verhandlungen

Ende Februar 2026 kündigten die USA die Entsendung des Lazarettschiffs USNS Mercy an, um das Gesundheitswesen in Grönland zu unterstützen. Die Pläne wurden von der grönländischen Regierung als unerwünscht zurückgewiesen. Als Urheber des Vorschlags gilt Jørgen Boassen, der bekannteste grönländische Unterstützer Trumps.[37] Der Vorschlag wurde schließlich nicht verwirklicht.

Trotz des nicht öffentlich bekannten Arbeitsprozesses der Arbeitsgruppe setzte Trumps Regierung den Druck auf Grönland durch Memes, öffentliche Äußerungen und Propagandamaßnahmen in den folgenden Monaten fort.[38][39][40][41]

Im Mai 2026 wurde bekanntgegeben, dass man mit den USA über die Eröffnung dreier neuer US-amerikanischer Militärbasen in Grönland verhandele. Bei diesen könnte es sich um die bereits im Zweiten Weltkrieg von den USA errichteten und später in zivile Flughäfen umgewandelten Flughäfen Kangerlussuaq und Narsarsuaq sowie eine Basis in Ostgrönland handeln.[42] Kurz darauf eröffneten die USA von einer grönländischen Demonstration begleitet ihr neues Konsulatsgebäude in Nuuk.[43]

Im Juni 2026 gab der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen zu verstehen, dass die Arbeitsgruppe sich in einem guten Prozess befindet, sich die „Temperatur zwischen den drei Ländern sich gebessert hat“ und die NATO ihre Aktivitäten in der Arktis auf Wunsch der USA ausgebaut habe.[44] Er rechnete zudem mit einem Abschluss der Verhandlungen vor Jahresende 2026.[45] Auch NATO-Generalsekretär Mark Rutte sprach von einem „guten Prozess“.[46] Experten zufolge veränderte sich das Ansinnen Trumps, Grönland zu einem Teil der USA zu machen, jedoch nicht.[47]

Abschluss der Verhandlungen

Am 18. September 2026 wurde verkündet, dass sich die drei Länder auf ein neues Verteidigungsabkommen mit mehr US-Militärpräsenz in Grönland geeinigt haben, das in der Folgewoche unterzeichnet und anschließend parlamentarisch ratifiziert werden soll.[48]

Bis zur Unterzeichnung war der Inhalt des Abkommens öffentlich unbekannt. Alle Parteien stellten das Abkommen als positiv dar. Trump wertete es als Sieg, da es den USA „permanente Kontrolle über die Sicherheit und alle anderen Bedürfnisse in Grönland“ gewähre, während Grönland und Dänemark meinten, dass es keine Souveränitätsgrundsätze verletze.[49][50] Es wurde von dänischer Seite aus kritisch vermutet, dass das Abkommen im Grunde dem Verteidigungsabkommen von 1951 entspricht, aber abgeschlossen wurde, damit Trump es als politischen Sieg nutzen kann.[51]

Das Abkommen wurde am 22. September im UNO-Hauptquartier in New York City von US-Präsident Donald Trump, dem grönländischen Regierungschef Jens-Frederik Nielsen und der dänischen Staatsministerin Mette Frederiksen unterschrieben. Das Abkommen erkennt die Souveränität des Königreichs Dänemark und das grönländische Recht auf Selbstbestimmung an. Es gewährt den USA das Recht, die Pituffik Space Base auszubauen, eine Militärbasis in Narsarsuaq, wo die USA bereits bis 1958 eine solche betrieben hatten und wo der Flughafen im Vorjahr geschlossen worden war, sowie eine Militärbasis in der ostgrönländischen ehemaligen Mine Mestersvig, die bereits über eine Landebahn verfügt, zu errichten. Weitere militärische Anlagen können nach grönländischer und dänischer Genehmigung errichtet werden. Alle militärischen Aktivitäten müssen mit Rücksicht auf das grönländische Volk stattfinden und Umweltschutzrichtlinien einhalten. Lediglich NATO-Staaten dürfen neben den USA militärisch in Grönland aktiv sein. Zudem dürfen nur Staaten wirtschaftliche Investitionen in Grönland vornehmen, wenn sie der NATO angehören, mit der NATO verbündet sind oder Teil der Europäischen Union sind, oder wenn die USA dies genehmigen. Grönland verpflichtet sich zudem dazu, im Falle der Unabhängigkeit selbstständiges NATO-Mitglied zu werden.[52]

Das Abkommen wurde von allen Beteiligten gelobt. Die grönländische Regierung gab es keinen Bedarf für einen Kompromiss zulasten Grönlands, um den US-amerikanischen Interessen entgegenzukommen.[53] Positive Reaktionen und Erleichterung kamen zudem unter anderem vom deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz, dem norwegischen Regierungschef Jonas Gahr Støre, NATO-Generalsekretär Mark Rutte, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa.[54]

Auswirkungen

Die Versuche der US-amerikanischen Regierung, ihre Interessen bezüglich Grönlands durchzusetzen, verliefen mit zwei miteinander in Widerspruch stehenden Taktiken. Anfängliche Versuche, „die Herzen der Grönländer“ zu gewinnen, wurden vor allem durch die gewaltsame Rhetorik Trumps – der Drohung einer Invasion, der Bezeichnung Grönlands als „ein Stück Eis“ usw. – sabotiert. Erstere Methode bestand darin, die grönländische Bevölkerung davon zu überzeugen, selbst ein besserer Partner zu sein als Dänemark, und somit für ein freiwilliges Austreten Grönlands aus dem Königreich Dänemark zu sorgen. Letztere Methode bestand darin, ihre militärische und wirtschaftliche Macht zu nutzen, um eine Übernahme zu erzwingen.[4.8] Der Widerspruch zeigt sich in einer Kongressrede am 4. März 2025:[8.3]

„We strongly support your right to determine your own future, and if you choose, we welcome you into the United States of America. I think we’re going to get it — one way or the other, we’re going to get it.“

„Wir unterstützen vollends euer Recht, über eure eigene Zukunft zu entscheiden, und falls ihr so entscheidet, heißen wir euch als Teil der Vereinigten Staaten von Amerika willkommen. Ich denke, wir werden es [Grönland] bekommen – auf die eine oder andere Art werden wir es bekommen.“

Beide Methoden sorgten für weitreichende Konsequenzen in den geopolitischen Machtverhältnissen, den bilateralen Beziehungen vor allem zwischen den Vereinigten Staaten und dem Königreich Dänemark sowie innerhalb Grönlands und dessen Einstellung zu verschiedenen Staaten und Organisationen.

Folgen für die grönländische Bevölkerung

Die grönländische Bevölkerung zeigte sich bereits Anfang 2025 überraschend wenig beeinflussbar für US-amerikanische Einflussnahme und die Versuche der USA, die Bevölkerung davon zu überzeugen sich freiwillig den Vereinigten Staaten anzuschließen.[55.1] Die Grönlandkrise wurde das alles überschattende gesellschaftliche und politische Thema in Grönland und sorgte dafür, dass der Fokus in der öffentlichen Debatte weniger auf alltäglich relevanten Themen wie dem Sozialstaat und den Lebenshaltungskosten lag. Die Bevölkerung zeigte sich in dieser Debatte nahezu ausschließlich kritisch gegenüber den Annäherungsversuchen der USA. Die wenigen Unterstützer der USA, darunter Jørgen Boassen und der Politiker Kuno Fencker wurden dadurch Teil einer mehr und mehr polarisierten Stimmung in Grönland.[56] Bereits im Januar 2025 sprachen sich 85 % gegen die USA aus.[57] Eine Eingliederung Grönlands in die USA wird vor allem kritisch betrachtet, weil dies vermutlich mit dem Verlust des dänischen Wohlfahrtssystems in Grönland einhergehen würde. Eine Implementierung des dänischen Systems würde einerseits für hohe Kosten für die US-amerikanische Regierung, einerseits zu einer Vorteilsbehandlung Grönlands gegenüber den übrigen US-Bundesstaaten ohne kostenloses Gesundheitswesen, kostenlose Bildung etc. oder den Außengebieten wie Puerto Rico und assoziierten Staaten wie Palau und Mikronesien mit weniger politischen Mitspracherechten oder staatlichen Subventionen führen.[58][59] Zudem ist sich die Bevölkerung in Grönland der im Vergleich zu ihnen selbst deutlich geringeren indigenen Rechte beispielsweise der verwandten Iñupiat in Alaska bewusst.[60]

Das Kulturzentrum in Nuuk (Katuaq), wo Maxi Schafroth die US-Flagge hissen wollte (Archivbild)

Die Aussagen Trumps im Januar 2026 führten zu allgemeiner Unruhe in Grönland, wo kurz nach der Invasion Venezuelas ein ähnliches Vorgehen befürchtet wurde, was ein Angriff zwischen zwei NATO-Staaten wäre. Die Regierung Grönlands hielt die Bevölkerung am 20. Januar dazu an, Vorsorgemaßnahmen wie die Bevorratung von Versorgungsmitteln für den Fall eines potenziellen militärischen Angriffs der Vereinigten Staaten zu treffen.[61] Ende des Monats gaben Gesundheitsministerin Anna Wangenheim und Familienministerin Nivi Olsen eine Pressekonferenz, um der Bevölkerung und vor allem Kindern Empfehlungen für bessere mentale Gesundheit während der Krise zu geben.[62] Internationale Medien überrannten Nuuk, und Anfang Januar füllten zahlreiche Kamerateams die zentrale Fußgängerzone, sodass selbst alltägliche Wege von Interviewanfragen begleitet waren. Eine satirische Aktion des deutschen Kabarettisten Maxi Schafroth Ende Januar 2026, bei der er eine US-Flagge vor dem Kulturzentrum Katuaq in der zentralen Fußgängerzone Nuuks zu hissen versuchte, führte zu Widerstand vor Ort, einem Bußgeld und Kritik durch Bürgermeisterin Avaaraq S. Olsen, da der vermeintliche Scherz angesichts der für die Bevölkerung bedrohlichen Lage nicht als solcher wahrgenommen wurde.[63][64][65]

Obwohl Grönland seit dem Zweiten Weltkrieg eine wichtige militärische Rolle eingenommen hat, war die militärische Präsenz der USA im Land für die Bevölkerung selbst meist kaum sichtbar. Ein Eigennarrativ von Inuit als friedliches Volk und ein dänisches Interesse daran, die grönländische Bevölkerung aus militärischen Angelegenheiten herauszuhalten, haben dazu geführt, dass die Militarisierung Grönlands bei der Bevölkerung selbst lange keinen hohen Stellenwert besaß. Die Grönlandkrise und die damit einhergehende spürbare Bedrohung durch die USA haben dazu geführt, dass die militärische Präsenz und Investitionen in die Verteidigung Grönlands von der Bevölkerung positiver bewertet werden.[66.1]

Grönland und die Rigsfællesskab

Grönland ist seit 1953 Teil des Königreichs Dänemark und damit zusammen mit den Färöern und Dänemark Teil der Rigsfællesskab. Seit dem Zweiten Weltkrieg besteht in Grönland der Wunsch nach mehr und mehr Autonomie. Dies führte zur Einführung der Hjemmestyre im Jahr 1979 und zur Einführung der Selvstyre im Jahr 2009. Als nächster logischer Schritt gilt die Unabhängigkeit von Dänemark. Dieser Wunsch war seit den 2010er Jahren stark in der öffentlichen und politischen Debatte präsentiert. Die postkoloniale Vergangenheit mit ihren Skandalen wie der Spiralkampagne, den Experimentkindern, den Rechtlich vaterlosen oder der Ausbeutung von Rohstoffen in Ivittuut wurden von Grönland genutzt, um die eigene Verhandlungsposition gegenüber Dänemark zu stärken. Dies führte zu einem vergleichsweise angespannten Verhältnis zwischen Grönland und Dänemark, wo die grönländische Unabhängigkeit als notwendige Konsequenz der postkolonialen Vergangenheit dargestellt wurde. Die Grönlandkrise führte hierbei zu einem Rhetorikwechsel. Nach dem trilateralen Treffen in Washington, D.C. am 13. Januar 2026 sagte Regierungschef Jens-Frederik Nielsen, dass wenn man sich augenblicklich zwischen den USA und Dänemark entscheiden müsse, würde sich Grönland für Dänemark, für die NATO, für das Königreich Dänemark und für die EU entscheiden, und fügte später hinzu, dass es nicht die Zeit sei, über die Unabhängigkeit zu reden.[66.2] Auch Stimmen, die sich lange für die Unabhängigkeit eingesetzt hatten, wie Gewerkschaftschef Jess G. Berthelsen und Mitgründer der damals noch kommunistischen Inuit Ataqatigiit, Aqqaluk Lynge, warnten bereits im Januar 2025 vor einer möglichen Unabhängigkeit, die Grönland schutzlos gegenüber den USA machen würde.[67][68] Dennoch besteht in Grönland kein allgemeines langfristiges Interesse an der Beibehaltung des Status quo.[55.2]

Laut dem Politikwissenschaftler Ulrik Pram Gad hat sich der Sinn der Rigsfællesskab durch die Grönlandkrise geändert. Während zuvor Grönland und die Färöer Teil Dänemarks bleiben sollten und größerer US-amerikanischer Einfluss verhindert werden sollte, sollen Grönland und die Färöer stärker unterstützt – also zugunsten ihrer selbst anstatt Dänemarks – die Verbundenheit zu Europa gestärkt und die zu den USA geschwächt werden.[66.3] Diese Neuordnung der Rigsfællesskab kann als Chance für Grönland dienen.[66.4] Andererseits bedeutet die geopolitische Lage eine Einschränkung des internationalen Handlungsspielraums Grönlands innerhalb der Rigsfællesskab, der in den zuvorigen Jahren erfolgreich bis über die Grenzen des Selvstyrelovens hinweg ausgebaut worden war.[55.3] Grönland hatte zuvor meist darauf bestanden, ohne Dänemark international agieren zu können. Die USA boten an, diesem Wunsch entgegenzukommen, was aber abgelehnt wurde. Die Verbrüderung mit Dänemark ermöglichte es hierbei Unterstützung aus Europa zu erhalten. Trumps Rückzug in Davos wurde vor allem durch NATO-Generalsekretär Mark Rutte und die Unterstützung der EU erzwungen.[55.4]

Verhältnis zwischen den USA und dem Königreich Dänemark

Die Beziehungen zwischen Grönland und den USA waren im Laufe der 2010er Jahre intensiviert worden. Die USA hatten ein Konsulat in Grönland eröffnet und Investitionen durchgeführt. Von politischer Seite wurde eine verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den USA gefordert und direkt dazu eingeladen. Zeitgleich wurde gemeinsam mit Dänemark eine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China abgelehnt.[55.5] Diese Beziehungen wurden durch die Grönlandkrise stark zerrüttet.[58] Nach der Parlamentswahl im April 2025 wurde in Grönland eine Koalition mit vier der fünf im Parlament vertretenen Parteien gebildet, um als Einheit gegenüber den USA dazustehen.[55.1]

Die verstärkte Militarisierung in Grönland wird von dänischer Seite offiziell begründet mit der Gefahr, die angeblich durch Russland und China ausgeht. Häufig wird der Gefährder auch nicht direkt benannt, sondern nur davon gesprochen, dass „die Zeiten“ und „Interessen von Großmächten“ einen größeren militärischen Einsatz in Grönland erforderlich machen. Experten zufolge werden die USA unter Trump als größte militärische Gefahr angesehen, dies aber nicht offiziell gesagt, um die USA nicht als feindlich darzustellen.[66.5]

Die USA und das Königreich Dänemark galten vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg als enge Verbündete, was vor allem der militärischen Zusammenarbeit in Grönland, aber auch dem dänischen Einsatz im Irakkrieg geschuldet war. Dieses dänische Verständnis von den USA als engster Verbündeter Dänemarks überstand auch die erste Episode der Krise mit Trumps Kaufangebot während seiner ersten Legislaturperiode. Im Januar 2026 äußerte Staatsministerin Mette Frederiksen hingegen, dass die Rolle der USA als Verbündeter nun zweifelhaft sei.[69][70]

„Hände weg von Grönland“-Proteste in Kopenhagen im Januar 2026

Das zerrüttete Verhältnis zwischen Grönland und Dänemark auf der einen und den USA auf der anderen Seite zeigte sich auch bei der Bevölkerung. Bereits im März 2025 war es in Grönland zu den bis dahin größten Protesten der Landesgeschichte gekommen.[55.1] In Nuuk gingen am 17. Januar erneut zahlreiche Menschen gegen die US-Pläne auf die Straße. In Dänemark kam es zeitgleich ebenfalls zu landesweiten Demonstrationen mit Tausenden Teilnehmern.[71] In Dänemark verbreiteten sich zudem Apps, mit denen Verbraucher die Herkunft von Produkten im Supermarkt scannen können, um den Kauf US-amerikanischer Waren zu vermeiden.[72] Ähnliche Boykottaufrufe hatte es bereits im Jahr zuvor in Europa und Kanada gegeben.[73] Zudem kam es zu einzelnen Boykottaufrufen in Bezug auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA.[74]

Geopolitische Allianzen

Trumps Politik vor allem in Bezug auf die Grönlandkrise hat zu Veränderungen des Vertrauensverhältnisses zwischen den Vereinigten Staaten und Europa inklusive Grönlands geführt. Die NATO, die seit dem Zweiten Weltkrieg zur Sicherheit und Stabilität ihrer Mitgliedstaaten beigetragen, ihre wirtschaftliche Entwicklung gefördert und gewaltsame Konflikte eingeschränkt hat, wurde durch die Handlungen der US-Regierung merklich geschwächt.[57] Einer Studie mit knapp 20.000 Umfrageteilnehmern aus 15 europäischen Ländern von Mai 2026 zufolge glauben die meisten Europäer, dass die USA ihr Land im Falle eines militärischen Angriffs von außerhalb nicht verteidigen würde und lediglich einer von zehn sah die USA als Alliierte.[75] Obwohl Trump ihr Handeln mit der angeblichen Bedrohung durch Russland und China begründet, führte das zerrüttete Vertrauensverhältnis zwischen den USA und anderen NATO-Ländern dazu, dass beispielsweise Kanada und Frankreich ihre bilateralen Beziehungen zu China intensivierten. Zugleich schränkten die Niederlande den Austausch von Geheimdienstinformationen mit den USA ein.[76] Die Schwächung der NATO führte zu einem stärkeren Fokus innerhalb Europas darauf, sich selbst verteidigen zu können, sowie zu einem Überdenken der eigenen geopolitischen Rolle, die bisher auf Zusammenarbeit mit den USA basiert war.[57]

Das Agieren Trumps führte zudem zu einer Verschlechterung des Verhältnisses zu seinen zuvor engsten Verbündeten in Europa, den rechtspopulistischen Akteuren, vor allem aufgrund von dessen Widerspruch zum Prinzip der nationalen Souveränität. Verstärkt wurde die Distanz durch Trumps abwertende Äußerungen über die Einsatzbereitschaft nicht-amerikanischer NATO-Truppen in Afghanistan, die er im Anschluss relativierte. Mehrere zuvor wohlwollend eingestellte rechtspopulistische Parteien bewerten die US-Regierung infolge dieser Entwicklungen zunehmend als politisch konfliktträchtig, was den Einfluss der USA in Europa verminderte.[77]

Das zerstörte Vertrauensverhältnis innerhalb der NATO wird von russischer und chinesischer Seite vermutlich positiv betrachtet.[57] Auch wenn Russland die Vorwürfe der USA abwies, eine militärische Bedrohung für Grönland zu sein,[78] befürwortete die Regierungszeitung Rossijskaja gaseta die Annexionspläne der USA und die daraus entstehenden Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Europa.[79]

Commons: Grönlandkrise – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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