Liste der Kulturdenkmale in Albstadt
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In der Liste der Kulturdenkmale in Albstadt sind alle Bau- und Kunstdenkmale der Stadt Albstadt und ihrer Teilorte verzeichnet, die im „Verzeichnis der unbeweglichen Bau- und Kunstdenkmale und der zu prüfenden Objekte“[1] des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg verzeichnet sind.

Diese Liste ist nicht rechtsverbindlich. Eine rechtsverbindliche Auskunft ist lediglich auf Anfrage bei der Unteren Denkmalschutzbehörde des Zollernalbkreises erhältlich.[Anm. 1]
Legende
Die ab Oktober 2025 erstellten Tabellen basieren auf den vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg im September 2025 veröffentlichten Geodaten. Lizenzhinweis: dl-de/by-2-0 (https://www.govdata.de/dl-de/by-2-0): Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, www.denkmalpflege-bw.de. Die Adressangaben und Bezeichnungen sind in der dargestellten Form nicht Teil der Ausgangsdaten. Die Adressen wurden automatisch aus den Koordinaten berechnet und können von den korrekten Adressen abweichen. Die Bezeichnungen wurden zunächst automatisiert dem Anfang der vom Landesamt für Denkmalpflege bereitgestellten Objektbeschreibungen entnommen.
- Bild: Zeigt ein ausgewähltes Bild des Objekts, „Weitere Bilder“ verweist auf die zugehörige Kategorie im Medienarchiv Wikimedia Commons. In der Kartenansicht sind Kulturdenkmale ohne Bild an einem blauen Marker erkennbar. Auf das Kamerasymbol klicken, um weitere Fotos für diese Liste hochzuladen:

- Bezeichnung: Nennt den Namen, die Bezeichnung oder die Art des Kulturdenkmals.
- Lage: Straßenname und Hausnummer oder Flurstücknummer des Kulturdenkmals, gegebenenfalls auch Gemarkung oder Ortsteil. Die Grundsortierung der Liste erfolgt nach dieser Adresse. Der Link (Karte) führt zu verschiedenen Kartendiensten mit der Position des Kulturdenkmals. In einem Tool mit Kartenansicht können die Koordinaten durch Verschieben korrigiert werden.
- Datierung: Baubeginn, Fertigstellung, Datum der Erstnennung oder grobe zeitliche Einordnung entsprechend dem Eintrag in der zugrundeliegenden Denkmaldatenbank des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg.
- Beschreibung: Kurzcharakteristik des Kulturdenkmals, Nennung der geschützten Bestandteile und Begründung der Denkmaleigenschaft. Die Paragraphen § 2, § 12, § 19 oder § 28 verweisen auf die Art der Einstufung gemäß baden-württembergischem Denkmalschutzgesetz.
- ID: Identifikator des Objekts in der zugrundeliegenden Datenbank des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg
Abkürzungen
- Bei Datierungen: a = archivalisch, d = dendrochronologische Untersuchung, gk = gefügekundlich, i = inschriftlich, s = stilistisch
- P = Denkmaleigenschaft wird geprüft
Kulturdenkmale nach Ortsteilen
Burgfelden
| Bild | Bezeichnung | Lage | Datierung | Beschreibung | ID |
|---|---|---|---|---|---|
| Wohnhaus | Burgweg 12 (Karte) |
Eingeschossiges, traufständiges und verputztes ehemaliges Seldnerhaus mit Satteldach, wohl um 1800
Der kleine Bau ist ein anschaulich überliefertes Beispiel für den inzwischen selten gewordenen Typus des Kleinbauern- oder Seldnerhauses und steht in einer Gruppe ähnlicher Gebäude am südwestlichen Ortsrand, die einst weniger begüterten Einwohnern von Burgfelden gehörten. Da die Seldner nur wenig Grundbesitz hatten und lediglich Kleinvieh hielten, außerdem oft zusätzlich ein Handwerk ausübten, ist in derartigen Häusern der Ökonomiebereich recht klein und besonders eng mit dem Wohnbereich verschränkt. Der Primärkataster nennt als Eigentümer des Hauses einen „Wollenkämmer“, später ist hier die Wohnung eines Samtwebers - Angehörige von zwei für die Wirtschaftsgeschichte der Schwäbischen Alb typischen Handwerksberufen. Das bescheidene Gebäude lässt bis heute auf bemerkenswert anschauliche Weise die Lebensbedingungen und Wohnverhältnisse in einem Burgfeldener Handwerkerhaushalt vor Beginn der Industrialisierung in den Tälern der Schwäbischen Alb nachvollziehen. |
99400474 | ||
| Laufbrunnen mit langgestrecktem eisernem Brunnentrog und Brunnenstock | Eschenbachstraße 2 (Karte) |
2. Hälfte 19. Jahrhundert
Der geräumige Brunnen erinnert an die Zeit, als es noch keine Wasserleitungsanschlüsse in den einzelnen Häusern gab, die Wasserzufuhr aber schon besser geregelt war als in den voraufgegangenen Jahrhunderten. Vor allem die alten steinernen oder hölzernen Brunnen wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vielfach durch industriell in Serie gefertigte Exemplare ersetzt. Dabei befriedigte der reich geschmückte Brunnenstock das Schmuck- und Repräsentationsbedürfnis der Gemeinde auf wirkungsvolle und, da es sich um industrielle Massenproduktion handelte, kostengünstige Weise. Der Brunnen ist damit Zeugnis zur Entwicklungsgeschichte der Wasserversorgung von Burgfelden und gleichzeitig ein inzwischen selten gewordenes Beispiel für einen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bedeutenden Produktbereich der Eisenindustrie. |
99400531 | ||
| Kellerhaus mit Gewölbekeller | Eschenbachstraße (Karte) |
Eingeschossiger, verputzter und erneuerter Schutzbau mit Lagerungsmöglichkeit über dem tonnengewölbten Keller, vor 1838
Die Funktion des kleinen Hofgebäudes erschließt sich erst beim Betreten, da es als Schutzbau für einen außerhalb des Hauses angelegten Keller dient, dessen Gewölbe somit vor Zerstörung durch Umwelteinflüsse geschützt ist und auch im Winter nach starkem Schneefall immer zugänglich bleibt. Diese Art der Vorratshaltung ist vor allem aus dem Schwarzwald bekannt, im Bereich der Schwäbischen Alb sind außerhalb gelegene Keller selten. Als eine der wenigen erhaltenen Anlagen ihrer Art hat dieser Gewölbekeller mit Kellerhaus bauhistorischen und ortsgeschichtlichen Zeugniswert. |
99400565 | ||
Weitere Bilder |
Michaelskirche | Eschenbachstraße 8 (Karte) |
Einschiffiger Saalbau mit hochliegenden kleinen Fenstern und Satteldach, ohne baulich ausgeschiedenen Chor, Ostturm mit gekuppelten Doppelfenstern mit Mittelsäulchen und Würfelkapitellen sowie Pyramidendach, im Inneren Wandmalereien aus dem 11. Jahrhundert; im Kern 1. Hälfte 8. Jahrhundert (kleiner Saalbau mit abgeschnürter, hufeisenförmiger Apsis), Ostturm angefügt und Schiff erweitert, 11. Jahrhundert; umliegender Friedhof
Die Michaelskirche zählt zu den wichtigsten und ältesten Kirchenbauten der Region. Der älteste Teil des schon im 8. Jahrhundert als herrschaftliche Eigenkirche zu einem benachbarten Herrenhof errichtete Baus, die teilweise erhaltene Apsis, wurde unter dem heutigen Chorfußboden zugänglich gemacht. Im 11. Jahrhundert entstand ein weitgehender Neubau, erstmals 1064 scheint die Michaelskirche dann auch in der schriftlichen Überlieferung auf. 1892 entdeckte man in dem bereits zum Abbruch freigegebenen Kirchenbau einen umfangreichen Zyklus von Wandmalereien. Diese sind von höchster Qualität und eng mit den erhaltenen Wandmalereien im Bodenseegebiet, insbesondere in St. Georg in Oberzell auf der Insel Reichenau, verwandt. Dargestellt sind das Jüngste Gericht mit Christus, die zwölf Apostel und zwölf Propheten, das Gleichnis vom barmherzigen Samariter sowie der Sturz Satans und der Triumph des Lammes. Kirchenbau und Wandmalereien sind als einzigartige Zeugnisse künstlerischen Schaffens im 11. Jahrhundert von herausragender Bedeutung für die Kunst- und Kirchengeschichte der Region. |
99400581 ( | |
| Bauernhaus | Im Gäßle 2 (Karte) |
Zweigeschossig, traufständig und verputzt, Satteldach, wohl 18. Jahrhundert
Das stattliche Bauernhaus, ein sogenanntes Einhaus, das alle Funktionen eines landwirtschaftlichen Betriebes unter einem Dach vereinigt, wurde nach Ausweis der von innen sichtbaren Konstruktionselemente des Fachwerkgiebels im 18. Jahrhundert errichtet und gehört damit zum älteren Baubestand des kleinen Ortes. Die ursprüngliche Funktion des Bauernhauses lässt sich sehr anschaulich an der Straßenfassade mit Hilfe der unterschiedlich großen Tore für Stall, Scheune und Remise ablesen. Auch die Position der Wohnstube in der gut beleuchteten Südostecke des Hauses ist durch die an dieser Stelle besonders dicht stehenden Fenster erkennbar. Als inzwischen selten gewordenes Beispiel für ein wohlerhaltenes Bauernhaus des 18. Jahrhunderts auf der Schwäbischen Alb ist das Gebäude ein wichtiger Beleg der Bau- und Sozialgeschichte. |
99401020 | ||
Weitere Bilder |
Ev. Kirche | Kesselstraße 11 (Karte) |
Einschiffige Saalkirche mit eingezogenem, flach geschlossenem Chor und vorspringendem Westturm unter steilem Zeltdach, von Regierungsbaumeister Pohlhammer, 1896
Die Kirche entstand als Ersatz für die ursprünglich zum Abbruch freigegebene und später vom Staat gekaufte Michaelskirche und ist in spätromanischen/frühgotischen Formen gestaltet, deren Zusammenstellung und Verknüpfung sie als charakteristischen Vertreter des zu Ende gehenden Historismus ausweisen. Dazu gehört etwa der mehrschichtige Wandaufbau oberhalb des Sockels, und hier vor allem die Art, wie die einzelnen Fensterachsen mit Hilfe von Lisenen, vorgelagerten Strebepfeilern, Klötzchenfries und Sohlbänken gerahmt sind - in reizvoller Verschränkung mit den immer wieder überschnittenen Linien eines umlaufenden Kämpfergesimses. Das Innere der Kirche wurde bis heute kaum verändert und vermittelt in bemerkenswerter Geschlossenheit einen Eindruck von der um 1900 für Kirchenbauten üblichen, gediegen-kunstgewerblichen Ausstattungsart. Mit der bauzeittypischen Gestaltung des Außenbaus und dem authentischen Raumerlebnis im Inneren stellt der Bau ein anschaulich erhaltenes Zeugnis für den Kirchenbau um 1900 auf dem Lande dar und hat zudem Bedeutung für die Orts- und Kirchengeschichte von Burgfelden. |
99401462 ( |
Ebingen
| Bild | Bezeichnung | Lage | Datierung | Beschreibung | ID |
|---|---|---|---|---|---|
| Villa Sauter | Bahnhofstraße 3 (Karte) |
Zweigeschossiger verputzter Bau mit polygonalem Eckerker und reicher Sandsteinornamentik unter Walmdach, nach Plänen von Schmid und Burkhardt aus Stuttgart, 1902/03
Die imposante Villa wurde als Altersruhesitz für den Fabrikanten Albert Sauter, Inhaber der Ebinger Präzisionswaagenfabrik G. Kern und Sohn, errichtet. Mit seinem Erker, Treppenhaus und Eckturm präsentiert sich der Bau mit einer für die Architektur der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert charakteristischen „malerischen“ Silhouette. Auch die opulente Bauornamentik weist auf die Entstehungszeit hin und ist mit ihrem Bildprogramm überaus aufschlussreich für das Selbstverständnis des Bauherrn, das Sauter als einen den Künsten und Wissenschaften gegenüber aufgeschlossenen Industrieunternehmer ausweist. So dienen etwa die Darstellung eines Zahnrads und feinmechanischer Instrumente als Hinweise auf den Beruf des Bauherrn, Eule, Schlange und Merkurstab spielen auf dessen Bildung, Klugheit oder unternehmerischen Weitblick an, und die Leier steht für sein musisches Interesse. An der Südseite ist das Portätmedaillon von Philipp Matthäus Hahn angebracht, der als Konstrukteur von feinmechanischen Geräten und als Begründer der württembergischen Waagenindustrie bekannt geworden ist. Damit soll auf die persönlichen Beziehungen des bedeutenden Erfinders zur Familie des Bauherrn aufmerksam gemacht werden, dessen Vorfahren, zu den wichtigsten Mitarbeitern Hahns gehörten. Die aufwendig gestaltete Fabrikantenvilla ist ein Zeugnis der Architektur der Jahrhundertwende und des Selbstverständnisses und Repräsentationswillens der damaligen Ebinger Unternehmer. |
99403197 | ||
| Fabrik- | Bahnhofstraße 10 (Karte) |
Kontor- und Wohngebäude, stattliches, dreigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus mit risalitartig, vorspringenden Eckpavillons, 1884 (i)
Bei dem stattlichen Bau handelt es sich um das ehemalige, nach Plänen des Ebinger Werkmeisters F. Baur entstandene Produktions-, Kontor- und Fabrikantenwohnhaus der damaligen Nadelfabrik Theodor Groz und Söhne, Vorläuferin der heutigen Firma Groz-Beckert. Seit in der Ebinger Textilfabrikation um die Mitte des 19. Jahrhunderts allgemein Rundstühle eingeführt wurden, was einen steigenden Bedarf an Maschinennadeln zur Folge hatte, war der Handwerksbetrieb von Theodor Groz zu überregionaler Bedeutung gewachsen und erlebte kurz nach 1883, als die Nadelherstellung für Strickmaschinen technisch bedeutend verbessert werden konnte, eine weitere Produktionssteigerung, die die Errichtung eines repräsentativen Neubaus zur Folge hatte. Die vielfältige Nutzung entsprach zwar noch ganz der bewährten Ebinger Tradition, alle Zweige einer Firma - Produktion und Verwaltung einschließlich der Wohnung des Fabrikherrn - unter einem Dach zu behalten, doch die aufwendige Architektursprache setzte bereits Maßstäbe für die Zukunft. Während bis dahin in Ebingen Fabriken in Anlehnung an einen einfachen Wohnhaustypus mit Satteldach gestaltet waren, folgt die neue Nadelfabrik einem ganzheitlichen und auf Repräsentation bedachten gestalterischen Konzept mit aufwendiger, von der italienischen Renaissance beeinflusster Architektursprache. Die Nadelfabrik ist mit ihrer Gestaltung und als eines der ganz wenigen weitgehend erhaltenen Beispiele aus jener Phase der Industriebauentwicklung, als Produktion und Wohnung des Fabrikanten noch unter einem Dach vereinigt waren, von hoher architekturhistorischer Bedeutung. Zudem ist sie Zeugnis der im 19. Jahrhundert von der Textilindustrie geprägten Ebinger Wirtschaftsgeschichte. |
99403406 | ||
| Wohn- und Geschäftshaus | Bahnhofstraße 17 (Karte) |
Dreigeschossig, verputzt mit breiter Schaufensterfront, reicher Sandsteingliederung und Mansardwalmdach, von den Ebinger Architekten Steck und Diemer errichtet, 1911/12
Das zur Bahnhofstraße orientierte Gebäude verkörpert in qualitätvoller Weise einen Typus des städtischen Wohn- und Geschäftshauses, der sich kurz nach 1900 entwickelt hatte. Charakteristisch dafür sind die streng axialsymmetrisch gestaltete Hauptfassade, das in große Fensterflächen aufgelöste Erdgeschoss, die starke Vertikalgliederung durch Lisenen und geschossübergreifende Segmenterker mit dazwischenliegenden Balkons sowie die Betonung der mittleren Achsen mit Hilfe eines Gaubenbandes. Die in Stuttgart ausgebildeten Architekten Steck und Diemer haben diese Gestaltungselemente naheliegenderweise an dortigen zeitgenössischen Vorbildern studiert und geschickt in den für Ebingen erforderlichen kleineren Maßstab übertragen. Damit ist das Gebäude an der Ebinger Bahnhofstraße ein anschauliches Beispiel für die Wohn- und Geschäftshausarchitektur der Jahre vor dem Ersten Weltkrieg. |
99403484 | ||
| Bürgerturm | Bahnhofstraße 25 (Karte) |
Fünfgeschossiger Rundbau mit spitzem Kegeldach, untere Geschosse feldseitig massiv, die zur Stadt gewendete Nordflanke durch eine dreigeschossige Fachwerkwand geschlossen, das oberste Turmgeschoss vollständig in Fachwerk aufgeführt, Außentreppe zu dem Rundbogenportal im 1. Obergeschoss
Der Bürgerturm ist der südöstliche Eckturm der im 19. Jahrhundert abgetragenen ehemaligen Stadtbefestigung. Als eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse aus dem mittelalterlichen Ebingen gehört der Turm zu den wichtigsten heimatgeschichtlichen Denkmalen der Stadt und hat darüber hinaus längst einen wahrzeichenhaften Charakter, da er auf fast allen älteren Stadtansichten abgebildet ist. Von den größeren Verteidigungsanlagen innerhalb der einst aus Mauern, Gräben, Toren und Türmen bestehenden Ebinger Stadtbefestigung ist der Bürgerturm der einzige in seiner Substanz bis heute nahezu unverändert überlieferte Bau und gibt daher außerdem wertvolle Aufschlüsse über das mittelalterliche Fortfikationswesen auf der Schwäbischen Alb. Damit ist der Bürgerturm von hohem orts- und wehrgeschichtlichem Zeugniswert. |
96598983 | ||
| Wohn- und Geschäftshaus | Bahnhofstraße 26 (Karte) |
Dreigeschossiges und weitgehend verputztes Gebäude mit Walmdach, Staffelgiebel, Eckturm und steinsichtigem Mittelerker, nach Plänen des Stuttgarter Architekten Heinrich Kayser unter Verwendung eines Entwurfs von Alfred und Richard Bihl erbaut, 1923
Das stattliche Wohn- und Geschäftsgebäude an der Bahnhofstraße stellt sich mit seiner Fassadengestaltung in die Bautraditionen des Kaufmannshauses, so erinnern die weiten korbbogigen Fenster im Erdgeschoss an mittelalterliche Ladengewölbe. Damit ist das Gebäude ein Vertreter der in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts weit verbreiteten Heimatkunstbewegung, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, Neubauten jeweils auf ihre Umgebung und auf die regionalen Bautraditionen harmonisch abzustimmen. Die sorgfältige Auswahl der Baumaterialien und der ruhige Gesamteindruck des Gebäudes, besonders aber das steile Walmdach, sind zudem Architekturelemente, die bereits vor dem Ersten Weltkrieg wesentliche Charakteristika der Stuttgarter Schule waren und bis weit in die 1950er-Jahre hinein als wichtiger Traditionsstrang süddeutscher Architektur fortlebten. Der noble Charakter des Hauses wird durch die feingearbeitete Bauplastik am Erker und den überlebensgroßen eilenden Merkur nach dem berühmten Vorbild des flämisch-italienischen Bildhauers Giambologna aus dem 16. Jahrhundert unterstrichen. Als gestalterisch qualitätvolles Beispiel für den konservativen, an Gedanken der Heimatkunstbewegung orientierten Wohn- und Geschäftshausbau der 1920-Jahre ist das Gebäude von architekturgeschichtlicher Bedeutung. |
99403522 | ||
| Trikotwarenfabrik Reinhold Haux | Bitzer Steige 32, 36 (Karte) |
Bestehend aus: Produktionsgebäude (Bitzer Steige 32), dreistöckiges Gebäude mit Satteldach und Zwerchhaus; Riegelfachwerk der Obergeschosse an den Fassaden verschindelt, 1896; Erweiterungsbau, viergeschossiger Massivbau mit Satteldach, axialsymmetrische Fassadengestaltung mit Lisenen und Wandvorlagen mit Klötzchen, Dreiergruppe von übergiebelten Dachgauben, nach Plänen von Werkmeister W. Baur, 1911; Fabrikantenvilla (Bitzer Steige 36), dreigeschossiger Backsteinbau mit reich bewegter Dachlandschaft, weit vortretendem, rundem Erker im Südwesten, Portalbaldachin und eingeschossiger Anbau mit Loggia aus Sandstein, vom Stuttgarter Architekten K. Maisenbacher geplant, 1896
Die Trikotwarenfabrik Haux entstand in zwei Bauabschnitten. Die erste Produktionsstätte der 1896 von Reinhold Haux gegründeten Fabrik war das unmittelbar an der Bitzer Steige errichtete dreistöckige Gebäude. Es verkörpert einen während des 19. Jahrhunderts vor allem im kleinstädtischen Bereich verbreiteten Fabriktypus, der seine Entstehung aus dem Wohnhausbau deutlich erkennen lässt. Der 1911 angefügte Erweiterungsbau präsentiert sich hingegen als Industriebau des frühen 20. Jahrhunderts mit einer für diese Zeit typischen vertikalen Fassadengliederung und breiten Fenstern, die ausreichend Licht in die Produktionsräume lassen sollten. Die künstlerische Qualität dieses Fabrikbaus verdeutlicht den besonderen Stellenwert, den die Zeitgenossen der Industriearchitektur als Bauaufgabe zuerkannten. Darüber hinaus wird der hohe Anspruch fassbar in der Verwendung traditioneller Würdeformen der Architekturgeschichte wie etwa bei der Gestaltung des Hauptportals mit bossierten halbrunden Stützen und Sprenggiebel. Das im Norden der Fabrikanlage gelegene Wohnhaus von Reinhold Haux verkörpert auf exemplarische Weise einen im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts zu hoher Blüte gekommenen Villentyp, dem als gestalterisches Prinzip die architektonische Gruppierung der Baumassen zu malerischer Wirkung zugrundeliegt. Charakteristisch für die Architektur dieser Zeit ist nicht nur die bewegte Silhouette, wie sie hier mit Hilfe von unterschiedlich hoch geführten Außenmauern und den beiden mächtigen Giebeln entwickelt wird, sondern auch der freie, hauptsächlich dekorative Umgang mit Stilelementen und Architekturmotiven aus Mittelalter und Renaissance. Die Trikotfabrik samt Fabrikantenvilla ist neben ihrer Bedeutung für die Architekturgeschichte auch wichtiges Zeugnis der von der Textilindustrie geprägten Orts- und Wirtschaftsgeschichte von Ebingen. |
99403660 | ||
| Villa Ott | Bitzer Steige 89 (Karte) |
Repräsentative Villa oberhalb eines weitläufigen, an die Bitzer Steige anschließenden Terrassengartens, zweigeschossiges, zum Garten giebelständiges, im übrigen aber mit einem Walmdach versehenes und verputztes Gebäude, nach Plänen des Ebinger Architekten Josef Ott für den Fabrikanten Gustav Ott errichtet, 1913
Das großzügig gestaltete Anwesen ist vor allem im Hinblick auf den Zusammenklang zwischen Wohnhaus und Terrassengarten ein wichtiges Zeugnis für den qualitativ hochstehenden Villenbau in Ebingen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Mit großer Raffinesse haben Bauherr und Architekt den Zugang zum Haus als Szenenfolge gestaltet, die den Übergang von der dunklen Portalzone unmittelbar an der Bitzer Steige bis zur lichtdurchfluteten, arkadengestützten Terrasse vor der Villa zum dramatischen Erlebnis steigert. Gemessen an diesem eindrucksvollen Entree ist das Gebäude vornehm zurückhaltend mit Bruchsteinsockel, verputzten, werksteingegliederten Fassaden und teilweise verschindeltem Obergeschoss gestaltet. Damit verkörpert es die wenige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg ganz allgemein gewordenen Abkehr vom historisierenden Stil vieler Fabrikantenvillen um die Jahrhundertwende, aber auch von den freien Formen der gegen 1900 tonangebenden Stilbewegung und dokumentiert eine Hinwendung zur damals aktuellen Heimatkunst. Die in weiten Teilen erhaltene wandfeste Innenausstattung der Repräsentations- und Wohnräume macht den Lebensstil einer wohlhabenden Fabrikantenfamilie kurz vor dem Ersten Weltkrieg bis heute weitgehend nachvollziehbar. Villa Ott ist somit ein nicht nur architektur-, sondern auch sozialgeschichtlich bedeutender Bau. |
99404577 | ||
| Villa Wohnhas mit Garten und Brunnengrotte | Bitzer Steige 99 (Karte) |
Dreigeschossiges Wohnhaus in Hanglage mit steinsichtigem Sockel, reichem Werksteinschmuck, Eckturm, übergiebeltem Seitenrisalit und Walmdach, für Luise und Hermann Wohnhas von den Reutlinger Architekten Röllig und Röcker, 1902/1903
Das in der Sichtachse der Marktstraße stehende, repräsentative Gebäude verkörpert in anschaulicher Weise den Typus des bürgerlichen Wohnhauses der Jahrhundertwende, das für einen anspruchsvollen Bauherrn konservativer Prägung errichtet und mit allem Komfort sowie einer für die Epoche bezeichnenden dekorativen Ausstattung versehen wurde. So wird der reich gegliederte Bau vor allem durch seine bewegte Silhouette charakterisiert, wie sie seit dem letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts zu hoher Blüte gekommen war, als durch die architektonische Gruppierung von Baumassen insbesondere eine malerische Wirkung angestrebt wurde. Ein weiteres Gestaltungselement sind die aus der europäischen Schlossbautradition stammenden Architekturmotive, die den gesellschaftlichen Anspruch des Bauherrn deutlich machen. Höhepunkt des künstlerischen Fassadenschmucks ist die Skulptur in einer Nische an der Nordseite: es handelt sich um eine allegorische Darstellung des Fleißes - Anspielung auf die Grundlage für den Wohlstand des Bauherrn. Zusammen mit dem durch eine künstliche Felsengrotte mit Wasserspielen ausgezeichneten Terrassengarten ist das Gebäude ein anschaulich überliefertes Beispiel eines gehobenen Villenbaus des Späthistorismus und legt Zeugnis ab von den Wohn- und Lebensformen des wohlhabenden Bürgertums an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. |
99409094 | ||
| Stierhaus | Ehestetter Hof 5 (Karte) |
Heute Scheune, langgestreckter Fachwerkbau mit zwei Scheunen- und drei Stall- bzw. Remisentoren, Krüppelwalmdach, wohl 18. Jahrhundert
Die heutige Scheune, die nach Ausweis ihres Fachwerks im 18. Jahrhundert errichtet wurde, gehörte ursprünglich der Ebinger Stadtpflege und spielte als sogenanntes Stierhaus eine wichtige Rolle im ausgeklügelten Weidewirtschaftssystem rund um die Stadt, deren Viehhandel jahrhundertelang von Bedeutung war. Von alters her wurde das Vieh der Ebinger Bürger nach Arten getrennt auf räumlich weit voneinander entfernten Weiden gehalten - so etwa die Kühe auf dem Schwenninger Berg, die Kälber am Raidenberg und das Galtvieh bis 1832 auf der Markung Bitz, danach beim noch erhaltenen Galthaus. Die Stierweide befand sich am Ehestetter Berg; das Stierhaus diente offenbar als Stall und Scheune für die Bewirtschaftung der Weideflächen. Als wichtiges Zeugnis für die lokalhistorisch bedeutende Organisation der Viehhaltung auf Ebinger Markung und als besonders anschaulich erhaltenes Beispiel für ein großes Ökonomiegebäude im einst städtischen Besitz ist das Stierhaus wichtiges Zeugnis der Regional- und Wirtschaftsgeschichte. |
99429812 | ||
| Stephanskirche | Ehestetter Hof (Karte) |
Ehemalige Pfarrkirche des heute nicht mehr bestehenden Dorfes Ehestetten, heute Ökonomiegebäude, verputzter Massivbau mit Halbwalmdach und Fachwerkgiebel, Kirche erstmals genannt 1094
Bei dem heute als Scheune genutzten Gebäude handelt es sich um die 1094 erstmals urkundlich erwähnte Pfarrkirche des heute nicht mehr bestehenden Dorfes Ehestetten. Nachdem die Bewohner im 15. Jahrhundert in die Stadt Ebingen umgesiedelt worden waren, wurde das Pfarrhaus zum Bauernhof und die Kirche zu einem landwirtschaftlich genutzten Gebäude. Seine besondere Bedeutung erhält dieses Bauwerk dadurch, dass es in seinem wesentlichen Teil aus dem hohen Mittelalter stammt. Mauerwerk und verschiedene Öffnungen weisen eindeutig romanische Formen auf. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass der romanische Bauteil noch aus der Zeit der ersten Erwähnung, also der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts stammt. Östlich wurde der Chor durch einen gotischen ersetzt, von dem ebenfalls noch beachtliche Reste erhalten sind. Durch ihr hohes Alter und als baulicher Rest des wüst gefallenen Weilers Ehestetten ist die Stephanskirche ein wichtiges Zeugnis der Kirchen- und Territorialgeschichte. |
99430037 | ||
| Bronzeplastik eines Knaben im Spiel mit einem zutraulichen Jungtier (Rehkitz ?) | Flandernstraße (Karte) |
Signiert und datiert R. Martin 1954
Das Datum an der Plastik verweist auf das Jahr der Fertigstellung der Firmensiedlung von Groz-Beckert, die im Südosten Ebingens auf einem weiten Areal als locker in Zeilenbauweise errichtete Mehrfamilienhauskolonie mit großzügigen Grünanlagen entstanden war, die ihr den Anschein eines besonders naturnahen Stadtteils geben. Die Figurengruppe steht auf einer niedrigen Mauer, die den Vorplatz begrenzt, an der wichtigen Diagonalverbindung zwischen Gasthaus und Kirche. Sie dokumentiert das Ideal der Sozialreformer jener Zeit vom uneingeengten Leben in einer freundlich gesinnten, gezähmten Natur - sinnfällig ausgedrückt durch den nackten, also wehrlosen Knaben in naher, freundschaftlicher Berührung mit einem ebenfalls noch schutzbedürftigen, nur noch “halbwilden” Tier. Als Kunstwerk steht die Gruppe in einer Tradition von Kinder-, Tier- und Märchenszenen, die seit den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg zunächst die Schulhöfe belebten, später dann, in den 1920- und 1930-Jahren gerne zur Gestaltung von Spielplätzen, Freibädern und Wohnblocks bzw. Siedlungen im sozialen Wohnungsbau beitrugen. Als symbolischer Schmuck der sozialpolitisch vorbildlichen Firmensiedlung von Groz-Beckert ist die Skulpturengruppe damit von kunst- und sozialgeschichtlicher Bedeutung. |
99409496 | ||
Weitere Bilder |
Ev. Thomaskirche | Friedrich-List-Straße 37 (Karte) |
Achteckiger Zentralbau mit Vorhalle und flach geschlossenem Chor, als zweigeschossige Betonskelettkonstruktion errichtet nach Plänen des Stuttgarter Kirchenarchitekten Professor Paul Heim, 1960/61
Die von dem damals überregional bekannten Stuttgarter Kirchenarchitekten Professor Paul Heim entworfene Thomaskirche liegt in der Ebinger Oststadt am Rande einer großen, von der Firma Groz und Beckert errichteten und einheitlich gestalteten Wohnsiedlung aus den 1950er-Jahren, die durch freistehende zweigeschossige Zeilenbauten geprägt und von vielen offenen Grünflächen durchzogen wird. Beim Entwurf des neuen Gotteshauses bemühte sich der Architekt offensichtlich um einen behutsamen Zusammenklang mit der Siedlung, indem er einen ländlichen, der Tradition von Dorfkirchen verpflichteten Grundton anschlug. So erinnert etwa der weithin sichtbare Dachreiter auf dem ruhig wirkenden, tief heruntergezogenen und die umgebenden Häuser nur maßvoll überragenden Kirchendach in seiner schlichten Form an kleine Dorfkirchtürme der Umgebung. Damit steht die Thomaskirche in der Tradition der kurz nach 1900 als Reaktion auf die oft wenig einfühlsame und häufig schmucküberladene Architektur jener Zeit begründeten sogenannten Heimatkunstbewegung. Diese konnte sich als konservatives Gegenstück zu den großen avantgardistischen Bauströmungen unseres Jahrhunderts bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg behaupten. Gleichwohl hat der Architekt die zeitgemäße Ingenieurkunst zur Lösung der Bauaufgabe herangezogen, indem er konventionelle Baumaterialien wie Backstein und Holz mit der modernen Betonskelettkonstruktion in Verbindung beziehungsweise in spannungsvollen Kontrast brachte. Damit ist die Ebinger Thomaskirche als gelungenes Beispiel für den konservativen Kirchenbau am Ende der 1950er-Jahre von architekturhistorischer Bedeutung. |
99409523 ( | |
| Schafstall mit Wohnbereich | Galthaus 1 (Karte) |
Sog. Galthaus, eingeschossiges, zur Landstraße nach Bitz traufständiges und verputztes Haus mit Walmdach, am heutigen Platz errichtet, 1832
Das Galthaus ist ein Zeugnis der im Wirtschaftsleben von Ebingen lange bedeutsamen Viehzucht. Dabei waren die Weideplätze für die verschiedenen Tierarten genau eingeteilt: so weideten zum Beispiel die Kühe auf dem Schwenninger Berg, für die Kälber wurde im 16. Jahrhundert der Raidenberg genutzt, die Stiere hielt man auf dem Ehestetter Berg. Das Ebinger Galtvieh, also eine gemeinschaftliche Herde von Jungtieren im Besitz von Ebinger Bürgern, hatte jahrhundertelang seine Weide in der Nähe des der Stadt gehörenden Dorfes Bitz, das erst 1832 seine volle Unabhängigkeit erlangen konnte. Als äußeres Zeichen für die veränderten Herrschaftsverhältnisse musste unter anderem die Jungviehweide und das dazugehörende Galthaus auf Ebinger Gebiet verlegt werden. Das am neuen Platz errichtete Stallgebäude wurde im Laufe der Zeit hauptsächlich für die Schafhaltung genutzt und ist bis heute weitgehend unverändert. Mitsamt der eingebauten Schäferwohnung gehört es zu den inzwischen nur noch wenigen Zeugnissen dieses gerade auch im 19. und frühen 20. Jahrhundert auf der Schwäbischen Alb weitverbreiteten Wirtschaftszweiges. Das Schafhaus ist baulicher Beleg für die Ebinger Weidewirtschaft vergangener Zeiten und die politische Entwicklung der Stadt im frühen 19. Jahrhundert. |
99430189 | ||
Weitere Bilder |
Alte Villa Haux | Gartenstraße 2 (Karte) |
Dreigeschossiges, verputztes Gebäude mit Mansardwalmdach, von dem Ebinger Werkmeister Baur für den Trikotwarenfabrikanten Friedrich Haux errichtet, 1885, nach Plänen der Stuttgarter Architekten Böklen und Feil aufwendig mit Eckerkern, Dachgaupen und reichen Zierelementen versehen, 1898, über die Gartenstraße nach Norden verschoben und um eine halbe Geschosshöhe angehoben, 1907
Im Gegensatz zu der bis dahin in Ebingen üblichen Unterbringung von Fabrikationsbereich und Unternehmerwohnung unter einem Dach, erfolgte bei der Villa Haux zum ersten Mal eine räumliche Trennung, das Wohnhaus wurde östlich des eigentlichen, niedrigen Produktionsgebäudes errichtet. Der gesellschaftliche Anspruch des Bauherrn fand seinen augenfälligen Ausdruck in der Verwendung von Architekturmotiven, die als Würdeformen aus der Tradition der europäischen Herrschafts- und Repräsentationsarchitektur, vor allem dem barocken Schlossbau stammen, wie etwa der rustizierte Sockel, die Eckquaderung am Wohngeschoss und das Mansarddach. Der außerordentliche wirtschaftliche Erfolg seiner seit 1896 von ihm allein geführten Trikotwarenfabrik und die Tatsache, dassß in den 1890er-Jahren die ersten weiteren großen Fabrikantenvillen in Ebingen gebaut worden waren, veranlassten Friedrich Haux wohl zur Modernisierung und aufwendigen Ausschmückung seines Wohnhauses im Jahre 1898, für die er vielversprechende junge Künstler aus der Metropole Stuttgart verpflichtete. Das Gebäude ist als ehemalige Fabrikantenvilla mit ihrer bezeichnenden Entwicklung vom architektonisch anspruchsvollen und streng gegliederten Wohnhaus mit Geschäftsräumen zum festlich dekorierten, repräsentativen Domizil eines erfolgreichen Unternehmers, ein wichtiges Zeugnis für den Aufstieg und das Selbstverständnis des Trikotwarenfabrikanten, der für die wirtschaftliche Entwicklung Ebingens um die Jahrhundertwende von größter Bedeutung war. Darüber hinaus ist die Verschiebung des Gebäudes im Jahre 1907 eine technische Meisterleistung gewesen, die ihren Platz in der Ortsgeschichte gefunden hat. |
99409773 ( | |
Weitere Bilder |
Trikotfabrik Gebr. Haux | Gartenstraße 5; Poststraße 6 (Karte) |
Bestehend aus: Villa Haux, von den Architekten Böklen und Feil für den Fabrikanten und Kommerzienrat Friedrich Haux samt Garten und Einfriedung erbaut, 1907/08; Produktionsgebäude, nach Plänen von Jakob Philipp Manz errichtet, 1913
Die Trikotfabrik Gebr. Haux weist die Epoche um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert typische Zuordnung von Fabrik und Wohnhaus des Firmeninhabers auf. Bauherr war der Industrielle, Kommerzienrat Friedrich Haux, der die Trikotfabrik zu einer der bedeutendsten Textilfabriken in Ebingen und in der Region entwickelte. Die Villa Haux steht beispielhaft für den Stil, den das Bürgertum getragen von den revolutionären Ideen, die geistig und künstlerisch von der sog. Stilbewegung ausgingen, in der Baukunst und der Innenarchitektur fand. Der lagernden Ruhe und massigen Gewichtigkeit des Baukörpers steht steigernd die abwechslungsreiche architektonische Gliederung und der außerordentliche Reichtum der Bauzier gegenüber - mit den spezifischen Mitteln der Stilbewegung zu einer in Bann schlagenden, großen und großartigen baulichen Gesamtform zusammengefasst. Herausragende Bedeutung besitzt die Villa auch durch das künstlerisch ungewöhnlich schöne und in seiner Verwendung einzigartige Bauornament, das wie ein Netz über die Architektur geworfen ist. Die Innenarchitektur führt den hohen Anspruch an Qualität und Ausstrahlung der Gestaltung in gleicher Weise wie der Außenbau vor. Im Sinne des Gesamtkunstwerks, das die Stilbewegung in einem Anwesen sah, gehörte zu der künstlerischen Aufgabe auch die Gestaltung des Gartens und aller Teile der Grundstückseinfriedigung. Auch das Gebäude der Trikotfabrik folgte den Forderungen der damaligen Baukunst entsprechend einheitlichen stilistischen Grundsätzen und wies nach allen Ausrichtungsseiten sorgfältig gestaltete Fassadenfronten auf. Villa und Fabrikationsgebäude sind bedeutende Zeugnisse sowohl der Architektur- als auch der Kulturgeschichte und künden eindrucksvoll vom Repräsentationswillen des großindustriellen Bürgertums, das am Beginn des 20. Jahrhunderts endgültig in die oberen Gesellschaftsklassen aufgestiegen war. |
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| Garage mit Reliefbild eines Automobils | Gartenstraße 8 (Karte) |
Von den Ebinger Architekten F. und W. Baur im Zusammenhang mit einem Erweiterungsbau des Wohnhauses Carl Kauffmann gestaltet, 1924
Die Garage ist als besonders aufwendig gestaltetes Beispiel ihrer Baugattung ein Zeugnis für den hohen Stellenwert, den der Besitz eines Autos als bürgerliches Statussymbol noch zu Beginn der 1920er-Jahre hatte. Auf geradezu einzigartige Weise wird der Repräsentationsanspruch der Garage jedoch durch das qualitätvolle Reliefbild eines Automobils über dem Südportal verdeutlicht. Es steht stellvertretend für den in der Garage untergestellten Wagen und ist daher unmittelbar zu vergleichen mit den skulptierten Pferdeköpfen, die in vergangenen Jahrhunderten repräsentative, oft fürstliche Stallungen schmückten. Die Garage bringt mit ihrem originellen und in Komposition und handwerklicher Ausführung auch höchst qualitätvollem Schmuck das Selbstbewusstsein des Bauherrn Carl Kauffmann deutlich zum Ausdruck und ist von bau- und kulturgeschichtlicher Bedeutung. |
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| Trikotwarenfabrik Maag | Gartenstraße 35; Landgraben 6 (Karte) |
Bestehend aus: Fabrikationsgebäude, dreigeschossig, entlang der Gartenstraße aufgereiht, begonnen 1885, entscheidend vergrößert und Fassaden durch Backsteinverblendung einheitlich zu einem Erscheinungsbild zusammengefasst, 1897; Erweiterung um zwei parallel zueinander errichteten Gebäude mit Satteldach, hochrechteckig eingetiefte Wandfelder mit rahmenden Lisenen sowie davon überschnittene Stockwerks- und Sohlbankgesimse, 1904; Lagergebäude, in Backstein am Landgraben errichtet, hervortretender Mittelrisalit und unterschiedlich große Dreiecksgiebeln an den Schmalseiten und der Straßenfassade, 1894
Auf einem weitläufigen Grundstück zwischen Gartenstraße und Landgraben entstand am Ende des 19. Jahrhunderts die stattliche Trikotwarenfabrik Maag, deren zunehmende Wirtschaftskraft in der immer anspruchsvoller werdenden Architektur der Fabrikations- und Lagergebäude einen sichtbaren Ausdruck fand. Während sich der älteste Bau durch die Anwendung von gestalterischen Mitteln aus dem Repertoire der Herrschaftsarchitektur auszeichnet, lässt der bei der Expansion der Fabrik 1897 errichtete Gebäudeteil keinen Zweifel mehr daran, dass es sich hier um einen Industriebau handelt. Den gestalterischen und räumlichen Höhepunkt der Anlage bilden die beiden im Jahre 1904 erstellten Gebäude, die völlig dem Stand des eigenständigen Industriebaus jener Zeit entsprechen. Der Fabrikkomplex stellt ein sprechendes Zeugnis für die Entwicklung des Industriebaus in Ebingen um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert dar. Eine besondere Wertigkeit besitzen die historischen Fassaden der Fabrikations- und Lagergebäude, die ein sichtbares Zeugnis von der Entwicklung der Firma Maag und der Fabrikarchitektur anhand der Bauphasen von 1885, 1897 und 1904 gleichermaßen ablegen. |
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| Verwaltungsgebäude | Gartenstraße 41 (Karte) |
Viergeschossiges, traufständiges Haus in Skelettbauweise, sichtbares Betongerüst, Putzflächen, Satteldach, nach Plänen von Stadtbaudirektor Haller errichtet, 1955/56
Entsprechend den Ebinger Wiederaufbauleistungen nach dem Zweiten Weltkrieg, zu denen eine Reihe von gelungenen Wohnbauten und Geschäftshäusern der 1950er-Jahre gehört, zeigt auch dieses Gebäude eine geschickte Verbindung von traditionellen Architekturmotiven und neuen Konstruktionsformen. So knüpfen wichtige gestalterische Details (Vorhalle mit bunt bemalter Holzdecke, sgraffitogeschmückter Erker) unmittelbar an bewährte, aus der Heimatkunstbewegung bekannte Bauelemente an und wecken Assoziationen zur historisch gewachsenen Stadtarchitektur im süddeutschen Raum. Daneben stehen Errungenschaften des zeitgenössischen Bauens wie zum Beispiel das gliedernd wirkende Eisenbetonskelett, die großflächigen Fensterbänder und die beinahe ohne jedes Relief gestalteten Fassaden. Als überzeugendes Beispiel für die in den 1950er-Jahren namentlich bei Bürobauten lange Zeit geläufige Verbindung von Tradition und Moderne ist das Gebäude von architekturgeschichtlicher Bedeutung. |
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Weitere Bilder |
Ev. Stadtkirche (St. Martin) | Gartenstraße 60 (Karte) |
Emporenkirche auf kreuzförmigem Grundriss, vom Vorgängerbau erhalten Chor mit Kreuzrippengewölbe, 1473 geweiht, Sakristei, Turm von Eberhard Friedrich Heim, 1670/72, Neubau des Kirchenschiffs und Aufstockung des Turms um 14 m nach Plänen der Stuttgarter Architekten Paul Schmohl und Georg Stähelin, 1906, Innenraum von Paul Heim neugestaltet, 1952; ehemaliger Friedhof mit Einfriedungsgitter
Außerhalb des mittelalterlichen, ehemals ummauerten Stadtkerns von Ebingen stand schon lange vor der eigentlichen Stadtgründung eine Kirche, die im Laufe der Jahrhunderte immer wieder umgebaut und erneuert wurde. In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts kam es zum Abbruch des Langhauses, lediglich der spätgotische Chor blieb erhalten. An diesen baute das renommierte Stuttgarter Architekturbüro Schmohl und Stähelin im Sinne des damals für protestantische Kirchen weitgehend verbindlichen “Wiesbadener Programms” einen Predigtsaal auf kreuzförmigem Zentralbaugrundriss an. Dabei bediente man sich ganz der zeitgenössischen Formensprache, die sich im Rahmen der sogenannten Stilbewegung um 1900 entwickelt hatte. Die Wirkung des Außenbaus prägt aber vor allem der sehr feine bildnerische Schmuck der seinerzeit sehr bekannten Bildhauer Brüllmann, Gabriel, Kienlen (alle aus Stuttgart) und Gedon (Berlin), der besonders die Südfassade wie ein Netz überzieht und auch im überregionalen Vergleich zu den besten Leistungen dieser Zeit gehört. Die Martinskirche stellt einen wichtigen Beitrag zur Kunst- und Architekturgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts dar und ist zusammen mit dem ehemaligen Friedhof auch wichtiger Beleg der Orts- und Kirchengeschichte von Ebingen. |
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| Wohnhaus | Grüngrabenstraße 17 (Karte) |
Dreigeschossig, verputzt mit Bandrustika im Sockelgeschoss, zweigeschossiger Eckerker, umlaufendes Konsolgesims und flaches Walmdach, errichtet nach Plänen des Ebinger Werkmeisters W. Glanz für den Strumpffabrikanten Friedrich Wilhelm Binder, 1890
Das vornehm wirkende, vergleichsweise hoch aufragende Haus wurde seinerzeit als erstes neueres Gebäude an der Grüngrabenstraße, in unmittelbarer Nähe einer damals noch geschlossenen spätmittelalterlichen Bebauung errichtet und steht beispielhaft für die gegen Ende des 19. Jahrhunderts gewachsenen Ansprüche an gehobene städtische Wohnbauten. Losgelöst von der bis dahin fast durchgängig geltenden Tradition, Wohnung und Arbeitsstätte unter einem Dach zu vereinen, ist hier ein für Ebingen neuer Typus eingeführt worden: das bürgerliche Mehrfamilienhaus, dessen Beletage vom Hausbesitzer bewohnt wurde. Dieser, einer der fünf wirtschaftlich bedeutendsten Fabrikanten am Ort, wohnte also nicht mehr unmittelbar im Betriebsgebäude, wie es damals noch häufig geschah, sondern hatte sich bereits ein vom Arbeitslärm getrenntes, durch seine noble Architektur ausgezeichnetes Domizil geschaffen. Dadurch stellt das Mehrfamilien-Stadthaus eine Vorstufe zur freistehenden, opulent gestalteten Fabrikantenvilla im Grünen dar, die vor allem nach der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zum charakteristischen Industriellensitz wurde. Damit ist das Gebäude ein bau- und sozialgeschichtlich gleichermaßen wichtiges Zeugnis für die Entwicklung des bürgerlichen Wohnungsbaus in Ebingen am Ende des 19. Jahrhunderts. |
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| Hallenbad mit ehem. Büchereiflügel | Grüngrabenstraße 20 (Karte) |
Gruppenbau mit ineinander übergehenden aber von ihrer jeweiligen Funktion aus dem Grundriss heraus geprägten und in der Höhenentwicklung differenzierten Bauteilen, zur Unterbringung von Schwimmbad, Albaquarium und Stadtbücherei nach Plänen des Konstanzer Oberbaurats Friedrich Hübinger errichtet, 1952 bis 1956/57
Der mehrteilige Gebäudekomplex am Rande der Altstadt entstand in den Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem Zweiten Weltkrieg. Der gestalterische Hauptakzent liegt auf dem breit gelagerten Eingangstrakt des Schwimmbads, der durch den spielerischen Umgang mit traditionellen Würdeformen besticht: so erinnern etwa die drei durch schlanke Natursteinpfeiler voneinander getrennten, hochrechteckigen Fenster hinter der Freitreppe sowie der flache Dreiecksgiebel an klassizistische Tempelfronten. Der frei über die verputzten Wandflächen verteilte, leuchtend bunte Keramikschmuck des Karlsruher Künstlers Erwin Spuler setzt einen heiter-festlichen Akzent. Architektonischer Höhepunkt der Anlage ist die Schwimmhalle, die sich über querovalem Grundriss mit weitgehend in Fensterflächen aufgelösten Umfassungswänden präsentiert. Das Ebinger Hallenbad ist nicht nur ein bereits von den Zeitgenossen stark beachtetes charakteristisches Beispiel für die zweckmäßig-elegante Architektur der frühen 1950er-Jahre, es ist auch ein qualitätvolles Zeugnis für öffentliche Sport- und Freizeiteinrichtungen jener Zeit. |
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| Villa Groz | Grüngrabenstraße 52 (Karte) |
Zweigeschossiges, verputztes Gebäude mit hohem Walmdach, nach Plänen des renommierten Stuttgarter Architekturbüros Böklen und Feil für den Ebinger Kaufmann Richard Groz inmitten eines geräumigen Gartens erbaut, 1907/09
Das stattliche, allseits freistehende Gebäude gehört wegen seiner noblen Fassadengestaltung, die sich durch den feingewichteten Kontrast zwischen großen, glatten Putzflächen und subtil bearbeiteten Werkstücken aus Haustein auszeichnet, zu den künstlerisch gelungensten Wohnbauten der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg in Ebingen. Für Entwurf und künstlerische Durchbildung des Hauses wurden mit den Architekten Professor Richard Böklen und Carl Feil zwei Künstlerpersönlichkeiten verpflichtet, deren Stärke besonders in der raffinierten Verbindung von architektonischer Repräsentation mit größtmöglicher Bequemlichkeit lag. Auch die Villa Groz ist von einem bequemen Grundriss mit zentralem, hallenartigem Treppenhaus und ganz nach den Bedürfnissen des Bauherrn eingerichteten Zimmerfolgen geprägt, wobei die Fassadengestaltung im Verzicht auf eine starre Symmetrie und im lebendigen Spiel der akzentuierend in die Fläche gesetzten Portale, Erker und Fenstergewände die innere Organisation nachvollziehbar macht. Die Villa Groz ist zusammen mit dem umgebenden Garten, der der noblen Architektur den notwendigen Freiraum lässt, ein wichtiges architekturgeschichtliches Zeugnis des Bauens im frühen 20. Jahrhundert und zudem anschauliches Dokument für die Lebensart wohlhabender bürgerlicher Gesellschaftsschichten in jener Zeit. |
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| Wohnhaus | Grüngrabenstraße 64 (Karte) |
Zweigeschossig, über unterschiedlich hohem Sockel erbaut, verputzt, mit Mansardwaldach und übergiebeltem Mittelrisalit, um 1800
Seine Bezeichnung als „Schlössle“ verdankt das Gebäude dem Umstand, dass es eines der besonders stattlichen und ansehnlichen Ebinger Gebäude ist, die noch vor der Industrialisierung entstanden. Es ist von einem Mansardwalmdach geprägt, einem für die Architektur des 18. Jahrhunderts bezeichnenden Motiv, das seinen Ursprung im Schlossbau und bei der Ausgestaltung öffentlicher Gebäude hatte, schließlich aber auch gern für Pfarrhäuser und bürgerliche Privatbauten benutzt wurde. Hinzu kommen weitere zitathaft verwendete Würdeformen, wie etwa die Symmetrie der Fensterachsen an allen Fassaden des freistehenden Gebäudes, die Betonung der Mittelachse durch Anbringung des Haupteingangs an dieser Stelle und durch die Ausbildung eines Risalits, den ein Dreiecksgiebel feierlich bekrönt. Beim „Schlössle“ handelt es sich aber nicht um einen Adelssitz, sondern um das Haus eines wohlhabenden Bürgers, des Weissadlerwirts und Weinhändlers Werner. Damit ist es ein anschauliches Beispiel für den städtischen Hausbau des ausgehenden 18. Jahrhunderts auf der Schwäbischen Alb und Zeugnis für das Repräsentationsbedürfnis wohlhabender bürgerlicher Bauherren jener Zeit. |
99412574 | ||
| Villa Friederich | Herderstraße 6 (Karte) |
Zweigeschossig, auf hohem Sockel in den Hang gebaut, verputzt mit Walmdach und kolossaler Pilastergliederung aus Tuffstein, nach Plänen des Ebinger Architekten Josef Ott für die beiden Trikotwarenfabrikanten Albert und Eugen Friederich errichtet, 1926/27; Terrassengarten mit Pergola, Wasserbecken und Gartenpavillon
Das repräsentative Wohnhaus steht beispielhaft für die hohe gestalterische Qualität der Villenarchitektur in Ebingen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wie viele während der in den 1920er-Jahren errichteten Fabrikantenvillen ist das Gebäude im Sinne der Heimatkunstbewegung gestaltet, also anknüpfend an bewährte Architekturtraditionen, wofür etwa das große ruhige Walmdach oder die repräsentative Fassung der Gebäudeecken durch aufwendige „barocke“ Kolossalpilaster als Beispiele erwähnt seien. Bezeichnend für die Entstehungszeit ist darüber hinaus auch der spielerische Umgang mit Einzelelementen anderer zeitgenössischer Bauströmungen, ablesbar etwa an den „expressionistisch“ spitzwinklig gebrochenen Dachgauben, oder dem, aus dem Formenrepertoire des „Neuen Bauens“ entlehnten Fensterband an der Straßenfassade. Ebenso wie das traditionelle Formenrepertoire am Wohngebäude verdeutlicht der in mehreren Geländestufen abfallende, architektonisch ausgestaltete Terrassengarten in beherrschender Lage oberhalb der Stadt den gesellschaftlichen Anspruch der Bauherren. Die repräsentative Villa Friedrich ist ein anschauliches Beispiel großbürgerlicher, repräsentativer Architektur der Epoche vor dem Ersten Weltkrieg und zeugt von den Lebens- und Wohnverhältnissen wohlhabender Bauherren jener Zeit. |
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| Villa Stocker samt Garten und Einfriedung | Herderstraße 11 (Karte) |
Wohnhaus dreigeschossig, mit Walmdach, auf einer Geländestufe oberhalb der Herderstraße in den Hang gebaut, vor dem Wohngeschoss eine von Säulenarkaden gestützte Terrasse, nach Entwurf des Ebinger Architekten Josef Ott für den Strumpffabrikanten Max Stocker errichtet, 1928
Der Ebinger Architekt Josef Ott verwandte bei der Fassadengestaltung der Villa Stocker traditionelles Formenrepertoire aus Säulen, Pilastern, Arkaden, gequaderten Sockeln und ähnlichem, das ganz der europäischen Baugeschichte verpflichtet ist und trotz der bekannten zeitgleichen avantgardistischen Architekturströmungen (Expressionismus, Bauhaus) während der Zwanziger Jahre im Rahmen der sogenannten Heimatkunstbewegung weithin beliebt war. Neben diesen Architekturmotiven, die als Bedeutungsträger für den gesellschaftlichen Anspruch des Bauherrn verwendet und damals durchaus allgemein verstanden wurden, ist auch die aufwendige Gestaltung des Gartens in hohem Grade bezeichnend für die Entstehungszeit der Villa. Das für den Strumpffabrikanten Max Stocker errichtete herrschaftlich wirkende Anwesen ist eines der herausragenden Beispiele für den allgemein qualitativ sehr hoch stehenden Villenbau in Ebingen während der ersten gut drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts und veranschaulicht auch mit seiner behaglich-repräsentativen Innengestaltung auf eindrucksvolle Weise bis heute den Lebensstil wohlhabender Unternehmer der Weimarer Republik. |
99413030 | ||
| Realschulgebäude | Hohenzollernstraße 20 (Karte) |
Dreigeschossiges Eckhaus über V-förmigem Grundriss, mit Backsteinfassaden sowie überhöhtem, von welscher Haube bekröntem Mittelpavillon, als Realschule nach einem Entwurf von Stadtbaumeister Eitel errichtet, 1898/99, im Osten erweitert, 1950/51 und 1952
Das stattliche Schulhaus gehörte zu den ersten großen Gebäuden, die im Zeitalter der fortschreitenden Industrialisierung von der aufstrebenden Gemeinde Ebingen errichtet wurden und vermittelt dementsprechend durch seine vergleichsweise aufwendig-repräsentative Architektur einen Eindruck vom wachsenden Selbstbewusstsein der Stadt am Ende des 19. Jahrhunderts. Durch die Verwendung von aus der italienischen Renaissance übernommenen Architekturmotiven kommt die Bedeutung, die dem Bau und der darin untergebrachten Einrichtung zugemessen wurde, anschaulich zum Ausdruck. Gerade in den aufstrebenden Fabrik- und Handelsstädten ohne Gymnasien waren es gerade die Realschulen und deren Gebäude, für deren Pflege und Ausgestaltung besonders viel getan wurde, da es sich hier um ureigenste städtische Interessen handelte, eine Schulbildung zu ermöglichen, die nicht notwendigerweise zum Universitätsstudium führte, sondern vor allem den kaufmännischen Berufen zugute kam. Das Gebäude der ehemaligen Ebinger Realschule ist ein wichtiges Zeugnis für die Bedeutung der Realschulbildung um 1900 und zudem ein anschauliches Beispiel für den damaligen Stand des Schulbauwesens. |
99413253 | ||
| Oberirdisch erhaltener Teil der Stadtmauer
Das mittelalterliche Ebingen war seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert von einer Mauer umgeben |
Im Hof 12 (Karte) |
Die auch den nördlichen Teil der hufeisenförmigen Altstadt mit einschloss. Der ungefähre Verlauf dieser bis in das frühe 19. Jahrhundert erhaltenen Stadtbefestigung lässt sich anhand der umlaufenden Straßen gut nachvollziehen, deren Namen meistens auf den einst vorgelagerten Graben anspielen: Kirchengraben, Oberer Stadtgraben, Unterer Stadtgraben und Grüngrabenstraße. Als einziges bis heute noch oberirdisch sichtbares Teilstück der inneren Stadtmauer ist der nordöstliche Mauerzug des Gebäudes Im Hof 12 von hoher Bedeutung für die Orts- und Stadtbaugeschichte von Ebingen. | 99413442 | ||
| Dreherwerkstatt mit Werkstatteinrichtung in einem dreigeschossigen | Im Hof 16 (Karte) |
Nach Osten und Westen traufständigen und verputzten Gebäude an der Südwestecke des Platzes Im Hof, Werkstatteinrichtung wohl um 1900
In dem 1898 vergrößernd umgebauten Gebäude hat sich eine wohl aus dieser Zeit stammende Dreherwerkstatt erhalten. Diese Werkstatt ist wegen ihrer vergleichsweise komplexen Ausstattung mit Geräten und Handwerkszeug ein gutes Beispiel für die Einrichtung selbständiger Dreherbetriebe um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und damit ein Zeugnis der Geschichte dieses Handwerks. |
99413453 | ||
| „Kräuterkasten“ | Im Hof 19 (Karte) |
Stattlicher zweigeschossiger Fachwerkbau über massivem Sockelgeschoss, als herrschaftlicher Fruchtkasten errichtet, 2. Hälfte 15. Jahrhundert
Der „Kräuterkasten“ diente jahrhundertelang der Aufnahme und Lagerung von Naturalabgaben an die württembergische Obrigkeit. Nach Ausweis des Fachwerks mit angeblatteten Kopf- und Fußstreben sowie der Überschwertungen an der Westseite, ist er vor 1500 erbaut worden. Er ist nicht nur einer der ältesten erhaltenen Profanbauten im Raum Albstadt, sondern gehört auch zu den ganz seltenen, weitgehend unveränderten Fruchtkästen des Spätmittelalters. Damit ist der eindrucksvolle Fachwerkbau ein bauhistorisches, wirtschaftsgeschichtliches und ortsgeschichtes Zeugnis ersten Ranges. |
99413490 | ||
| Laufbrunnen | Im Hof (Karte) |
Industriell gefertigt und reich verziert mit längsrechteckigem, hochbordigem Trog und achteckigem Stock, 1869 (i)
Der Brunnen wurde in einer für das Entstehungsjahr fortschrittlichen Weise aus vorgefertigten gusseisernen Teilen in der Formensprache des frühen Historismus errichtet. Darüber hinaus ist an allen Seiten des Trogs - als Hinweis auf das Element Wasser - das Medaillonbild eines angelnden Knaben zu sehen. Dabei befriedigte der reich verzierte Brunnen das wachsende Bedürfnis nach erschwinglicher ästhetischer Gestaltung möglichst vieler Bereiche des täglichen Lebens, auf wirkungsvolle und, da es sich um industrielle Massenproduktion handelte, kostengünstige Weise. Der Brunnen ist damit Zeugnis der Entwicklungsgeschichte der Wasserversorgung von Ebingen und gleichzeitig ein inzwischen selten gewordenes Beispiel für einen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bedeutenden Produktbereich der Eisenindustrie. |
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| Martinsfruchtkasten | Im Hof 21 (Karte) |
Dreigeschossiges, giebelständiges und verputztes Fachwerkhaus mit massivem Erdgeschoss, freiliegendem Giebelfachwerk und Satteldach, 1584
Das stattliche Gebäude diente jahrhundertelang als Zehntscheuer für den Dinkel der Martinspflege. Hauskundlich interessant sind das Giebelfachwerk mit symmetrisch beiderseits der Ständer angebrachten, gebogenen Dreiviertelstreben und geschwungenen, sogenannten „Feuerlinien“ in den Brüstungsfeldern sowie der eindrucksvolle Dachstuhl, dessen Konstruktion den Übergang vom mittelalterlich verblatteten Fachwerk zum neuzeitlich verzapften Gefüge dokumentiert, der im Raum Ebingen am Ende des 16. Jahrhunderts einsetzte. Der Martinsfurchtkasten ist aber nicht nur als frühneuzeitliches Lagerhaus aus einer konstruktionstechnisch interessanten Übergangszeit von Bedeutung, er ist als Beleg der jahrhundertelangen Zehntwirtschaft in Ebingen auch ein Zeugnis der Orts- und Wirtschaftsgeschichte. |
99413518 | ||
| Wohnhaus | Johann-Philipp-Palm-Straße 9 (Karte) |
Zweigeschossiges, giebelständiges und verputztes Gebäude mit freiliegendem Giebelfachwerk und Satteldach, im Kern bereits aus dem Spätmittelalter stammendes ehemaliges Gebäude der Stadtschreiberei, diente von 1820 bis 1913 als Kanzlei des Stadtschultheißen
Das dicht neben der Kapellkirche errichtete Haus gehört zur ältesten erhaltenen Bebauung innerhalb des ursprünglich von einer Stadtmauer umzogenen Ebinger Altstadtkerns. Der östliche Gebäudeteil stammt noch aus dem Mittelalter, wie das durch verblattete Aussteifungselemente geprägte Fachwerkgefüge - eine für den Ebinger Fachwerkbau vor 1600 bezeichnende Holzverbindungsart - belegt. Aus dem 16. Jahrhundert stammt offenbar auch das Sichtfachwerk des Ostgiebels mit seiner charakteristischen Ausgestaltung durch gebogene Dreiviertelstreben beiderseits der Ständer. Das Gebäude ist aber nicht nur von hauskundlicher Bedeutung, in ihm war jahrhundertelang die Kanzlei und die Wohnung des jeweils amtierenden Ebinger Stadtschreibers untergebracht. Damit ist der Bau auch von Bedeutung für die Ebinger Orts- und Verwaltungsgeschichte. |
99414574 | ||
| Friedhof mit ehem. Friedhofskapelle von 1845 und ehem. Kapelle von 1899 | Buchenweg; Johannes-Jerg-Weg 52, 56; Unter dem Malesfelsen 87 (Karte) |
Samt Torbau, ehem. Leichenhalle von 1907, Ehrenmalen und einzelnen Grabdenkmalen
Nachdem jahrhundertelang unmittelbar neben der Martinskirche beerdigt worden war, machten der allmähliche Bevölkerungsanstieg und die dadurch bedingte zunehmende Raumknappheit eine neue, erweiterungsfähige Friedhofsanlage notwendig. 1840 fanden die ersten Beerdigungen auf dem anstelle eines ehemaligen Gartens des Hospitals angelegten Friedhofes statt. Im Gegensatz zu dem bisher benutzten, weitgehend ungegliederten Friedhof wurde der neue Friedhof in zeittypischer Manier als streng geometrische gärtnerische Anlage gestaltet, die dem damals beliebten, durch zwei sich kreuzende Wege geprägten Vier-Felder-Schema folgt. Der Ebinger Friedhof bildet als eines der wenigen erhaltenen Beispiele aus der Frühzeit des regelmäßig geplanten Friedhofbaus zusammen mit der neugotischen Friedhofskapelle in seinem Zentrum, einem weiteren oktogonalen Kapellenbau, der im Sinne der Heimatkunstbewegung gestalteten Leichenhalle, dem Torhaus und zahlreichen Grabmalen ein eindrucksvolles Zeugnis der Sepulkralgeschichte. |
99413840 | ||
| Wohnhaus | Johannes-Mauthe-Straße 16 (Karte) |
Zweigeschossiger Backsteinbau mit Walmdach, Zwerchhaus und Erker, nach Plänen des Ebinger Werkmeisters F. Baur für Johann Kaspar Kauffmann gebaut, 1901
Das Gebäude vertritt auf exemplarische Weise den um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert vor allem in Stadterweiterungsgebieten beliebten Typus des Wohnhauses in Ecklage, dessen architektonische Ausgestaltung durch die besondere Situation geprägt ist. Als gestalterisches Hauptmotiv bot sich ein weit vorstehender, turmartiger Erker für die abgeschrägte Gebäudeecke an. Damit konnte eine möglichst bewegte Silhouette erreichen werden, wie sie von der seit etwa 1890 herrschenden „malerischen“ Architekturströmung geschätzt wurde. Zudem ist das keck hervortretende Spitzdach mit seiner Wetterfahne auch Ausdruck für das Selbstbewusstsein des Bauherrn, der den erreichten gesellschaftlichen Status gestalterisch mit Anleihen an bedeutungssteigernde Würdeformen aus der Architekturgeschichte unterstreicht. Als besonders gut überliefertes und im Detail gediegen ausgestattetes Beispiel für diesen im Ebingen um 1900 charakteristischen Wohnhaustypus ist das Gebäude von architektur- und ortsgeschichtlicher Bedeutung. |
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| Berliner Meilenstein | Johannesstraße 40 (Karte) |
Gegossener, hochrechteckiger Kunststeinblock (120 × 88 × 38 cm) mit der Darstellung des stehenden Berliner Bären nach Entwurf von Renee Sintenis, bezeichnet mit der Kilometerangabe „Berlin 764“, Aufstellung um 1964
Aus Anlass der vom Kuratorium unteilbares Deutschland initiierten Feiern zum 17. Juni knüpfte die Stadt Ebingen 1963 Kontakte zum Bezirk Berlin-Schöneberg, verabredete ein gegenseitiges Besuchsprogramm und zeigte 1964 die Ausstellung „Berlin, die deutsche Hauptstadt“. In diesem Zusammenhang wurde beschlossen, in Ebingen eine Straße in „Berliner Straße“ umzubenennen und einen Berliner Meilenstein zu setzen. Er erinnert an den Aufstand in den Tagen um den 17. Juni 1953 in der DDR und ist damit ein Dokument der deutschen Nachkriegsgeschichte und der Bemühungen um die Wiedervereinigung des geteilten Landes. |
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| Ev. Kapellkirche | Kapellstraße 34 (Karte) |
Verputzter, flachgedeckter Saalbau mit polygonalem Chorschluss, nach Westen abgewalmtem Dach und Dachreiter, Kapelle gestiftet, 1382, vermutlich nach einem Brand wiederaufgebaut, 1490, Renovierung 1833, Sakristeianbau 1909, Wiedereinweihung nach Kriegszerstörung am 17.12.1950
Die Kapellkirche war das einzige innerhalb des Mauerrings gelegene Gotteshaus im mittelalterlichen Ebingen, während die eigentliche Pfarrkirche südwestlich vor den Toren der Stadt lag. Trotz mehrmaliger Zerstörung und Wiederaufbau, zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg, hat die kleine Kirche bis heute ihre äußere Gestalt seit dem Spätmittelalter gut überliefert. Sie ist wichtiger baulicher Beleg der Ebinger Orts- und Kirchengeschichte. |
96598982 | ||
| Klause | Kirchengraben 2 (Karte) |
Zweigeschossiges, traufständiges und verputztes Haus mit Satteldach, Dachstuhl 1426/27 (d), diente von 1420 bis 1608 den Ebinger Klausnerinnen als Wohnung
Im Jahre 1420 erwarben die Ebinger Klausnerinnen von den Rottweiler Dominikanern ihre Herberge und ließen wenige Jahre später den Dachstuhl neu aufschlagen. Dessen besondere Konstruktionsmerkmale wie eingeblattete Büge und überschwertete Diagonalstreben zur Stützung und Versteifung entsprechen dem hohen Alter. Die zuvor in unmittelbarer Nachbarschaft wohnenden Klausnerinnen lebten seit dem 14. Jahrhundert nach der dritten Regel des heiligen Franziskus. Nach dem Tod der letzten Schwester im Jahre 1608 wurde die Klause an einen Ebinger Bürger verkauft und blieb fortan Privatbesitz. Die ehemalige Klause gehört nicht nur zu den wenigen erhaltenen mittelalterlichen Gebäuden in Ebingen, sie hat als bauliches Beleg einer während des Spätmittelalters verbreiteten Lebensform unverheirateter frommer Frauen in klosterähnlicher Gemeinschaft auch hohen sozial-, lokal- und kirchengeschichtlichen Zeugniswert. |
99414651 | ||
| Wohnhaus (mit Ladeneinbau) | Kirchengraben 3 (Karte) |
Zweigeschossiges, traufständiges und verputztes Gebäude mit Krüppelwalmdach, 18. Jahrhundert, südwestlicher Eckerker, um 1900
Das Gebäude wurde im Bereich der südwestlichen Ecke von Ebingens mittelalterlicher Stadtbefestigung erstellt. Es belegt einen häufig anzutreffenden Aspekt der Stadtbaugeschichte: Als derartige Verteidigungsanlagen mit dem Aufkommen neuer Waffen mehr und mehr an Wirksamkeit verloren, begann man auch in Ebingen mit der Überbauung der Gräben, dem späterhin, zu Anfang des 19. Jahrhunderts das Schleifen der eigentlichen Stadtmauern folgte. Das Gebäude ist damit als wichtiges Zeugnis für die frühe Bebauung des Bereichs unmittelbar vor der Stadtmauer sowie als eines der inzwischen selten gewordenen, stattlichen Fachwerkhäuser des 18. Jahrhunderts, die lange Zeit das Bild der Altstadt und ihrer Vorstädte prägten, von Bedeutung für die Ebinger Stadtbaugeschichte. |
99415148 | ||
| Wohnhaus (mit Ladeneinbau) | Kirchengraben 24 (Karte) |
Zweigeschossiges, giebelständig, mit verputztem Fachwerk und Satteldach, 1709 (i)
Das stattliche Gebäude ist mit seinem besonders steilen, viergeschossigen Giebel zur Straße hin orientiert und gehört noch zum vorindustriellen Ebinger Baubestand. Darüber hinaus muss es sogar den wenigen Bauten zugerechnet werden, die den verheerenden Stadtbränden von 1731, 1844 und 1911 entgangen sind. Ursprünglich beherbergte das Haus einen landwirtschaftlichen Betrieb, der seinen Stall und seine Remise im Erdgeschoss besaß. Als eines der inzwischen selten gewordenen Beispiele für den seinerzeit in Ebingen weit verbreiteten Typus eines frühneuzeitlichen Hauses mit Ökonomieteil erinnert es an die bis weit in das 19. Jahrhundert hinein übliche Nebenerwerbslandwirtschaft vieler Bürger und ist damit von architektur- und ortsgeschichtlichem Interesse. |
99415218 | ||
| Vier Fachwerkhäuser | Marktstraße 7, 9, 11, 13 (Karte) |
Unmittelbar nebeneinanderstehend, dreigeschossig, traufständig und mit verputztem Fachwerk, Wiederaufbau nach dem Stadtteilbrand von 1731
Vier unmittelbar nebeneinanderstehende Fachwerkhäuser, die sich bis heute ihre mehrgeschossigen barocken Dachwerke erhalten haben, dokumentieren als letzte zusammenhängende Baugruppe den Wiederaufbau der Unteren Marktstraße nach dem großen Stadtteilbrand von 1731. Sie sind aber nicht nur wichtige Zeugnisse der Ebinger Stadtbaugeschichte, sondern auch als geschlossenes Fachwerkensemble aus dem 2. Viertel des 18. Jahrhunderts von baukundlichem und architekturgeschichtlichem Interesse. |
99415430 | ||
| Hausfigur „Ecce homo“ | Marktstraße 11 (Karte) |
Geschnitzte, farbig gefasste Figurengruppe, wohl 16. Jahrhundert
In Gebieten mit überwiegend protestantischer Bevölkerung ist die Anbringung von religiösen Hausfiguren im allgemeinen nicht üblich. Daher handelt es sich bei der Figurengruppe an dem 1733 nach Brand neu errichteten Gebäude um einen Einzelfall in Ebingen. Der Stil der Figuren deutet auf eine Entstehungszeit im ausgehenden Mittelalter hin. Dargestellt ist ein Moment aus der Leidensgeschichte Christi: der Statthalter Pontius Pilatus präsentiert den misshandelten Jesus der Menge. Die qualitätvolle Plastik ist ein wichtiges Zeugnis spätmittelalterlicher Bildhauerkunst. |
99415871 | ||
| Amtshaus und Metzig (Hotel Hospiz) | Marktstraße 15 (Karte) |
Dreigeschossig, giebelständig mit Fachwerk und Satteldach, erbaut nach dem Stadtbrand 1731
Das stattliche Gebäude liegt in dem Bereich der Marktstraße, der 1731 Opfer eines Stadtteilbrandes wurde, und gehört zu den unmittelbar danach wiederaufgebauten Häusern. Das Fachwerkgefüge ist geprägt von bezeichnenden Architekturelementen des 18. Jahrhunderts wie den geraden Dreiviertelstreben, die zum Teil mit gegenläufig aufgesattelten Kopfstreben kombiniert sind, den rahmenden Fensterstielen und den Andreaskreuzen als besonders beliebter Schmuck von Brüstungsfeldern unter den Fenstern. Das Gebäude ist aber nicht nur von architekturhistorischer Bedeutung, sondern als Sitz des Amtmanns, der höchsten staatlichen Autorität in Ebingen sowie als Metzig, als zentralem Fleischverkauf, wichtiges Zeugnis der Ortsgeschichte. |
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| Marktbrunnen | Marktstraße 23 (Karte) |
Steinerner Brunnen mit achteckigem, architektonisch gegliedertem Becken, mehrfach abgetrepptem, maskengeschmücktem Stock auf viereckigem Grundriss und dem sogenannten Standbild Herzog Ulrichs, aufgestellt 1545
Die Brunnenfigur, die Herzog Christoph von Württemberg darstellen könnte, litt im Laufe der Zeit sehr unter Witterungseinflüssen und Erdbeben und wurde 1964/65 durch eine Kopie von Bildhauer Eduard Raach-Döttinger aus Eningen ersetzt. Das Original wird in der Stadtbibliothek verwahrt. Vom 16. Jahrhundert an war der Brunnen gleichzeitig Ausdruck der Zugehörigkeit Ebingens zu Württemberg und der einzige Schmuck im öffentlichen Raum, so dass er zum Wahrzeichen der Stadt avancierte. Er ist damit wichtiger Bestandteil des Stadtbildes und Zeugnis der Ebinger Ortsgeschichte sowie der Herrschafts- und Territorialgeschichte. |
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Weitere Bilder |
Rathaus | Marktstraße 35 (Karte) |
Drei- bis viergeschossiger Gebäudekomplex, bestehend aus dem giebelständigen Ratssaalbau mit Krüppelwalmdach, dem östlich daran anschließenden, über Eck geführten Verwaltungstrakt sowie dem hohen Uhrturm, reich ausgestattet mit Skulpturen, Reliefs, Brunnen, Wandgemälden und farbigen Glasfenstern, von Stadtbaumeister Leonhard Schrein errichtet, 1911–13
Das eindrucksvolle, selbst für den aufstrebenden Industriestandort Ebingen vor dem Ersten Weltkrieg ungewöhnlich große Rathaus entstand, nachdem 1911 im Herzen der Stadt eine Reihe von Bürgerhäusern abgebrannt war. Der Architekturwettbewerb brachte mehr als 150 Entwürfe und einen klaren Sieger: den schon damals bekannten, noch verhältnismäßig jungen Stuttgarter Architekten Martin Elsässer. Sein zur Ausführung bestimmter Entwurf wurde jedoch so stark vom Ebinger Stadtbaumeister Leonhard Schrein überarbeitet und in entscheidenden Punkten verändert, dass dieser als Architekt des Rathauses gelten muss. Das Ebinger Rathaus gehört zu jenen Kommunalbauten der Kaiserzeit, die wegen des enormen Wachstums der Städte im 19. Jahrhundert vielerorts nötig wurden, und kurz vor dem Ersten Weltkrieg zahlreich überall in Deutschland entstanden. Viele von ihnen, darunter nicht zuletzt der Ebinger Bau, drückten durch ihre äußere und innere Gestalt den Stolz der bürgerlichen Gemeinden auf ihre Geschichte, die Selbstverwaltung und die bewahrte oder neu gewonnene Wirtschaftskraft aus. Das geschah unter anderem dadurch, dass einzelne Architekturelemente eingesetzt wurden, die durch ihre jahrhundertelange Verwendung an wichtigen Sakral- oder Profanbauten selbst “Bedeutungsträger” sind, wie etwa der Turm, die großen Saalfenster, der Erker oder die Arkaden. Durch seine architektonische Gestaltung und die immer noch reichhaltige wandfeste künstlerische Ausstattung ist das Ebinger Rathaus ein herausragendes und in seinem Quellenwert hochrangiges Zeugnis für den Rathausbau in Württemberg kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs. |
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| Wohnhaus (mit Ladeneinbau) | Marktstraße 56 (Karte) |
Dreigeschossiges, giebelständiges und verputztes Haus mit freiliegendem Giebelfachwerk und Satteldach, wohl 17. Jahrhundert, Ladeneinbau mit anspruchsvoller Fassadengliederung im Erdgeschoss, 1881
Das stattliche Eckhaus steht an der Einmündung der Oberen Vorstadt in die Marktstraße unmittelbar vor dem einstigen Standort des Oberen Tors und markiert auf eindrucksvolle Weise den Ebinger Stadteingang von Westen her. Als eines der wenigen Gebäude, die unversehrt aus den zahlreichen Stadtbränden hervorgingen und bis heute erhalten blieben, gehört es zu den selten gewordenen Dokumenten für Wohnverhältnisse und Repräsentationsansprüche wohlhabender Ebinger Bürger in vergangenen Jahrhunderten. Das Sichtfachwerk im Südgiebel weist auf eine Entstehungszeit kurz vor 1700 hin. Im Zuge des ersten großen wirtschaftlichen Aufschwungs der Stadt wurde dem alten Fachwerkhaus 1881 eine durch Pilaster und Gesimse prächtig verzierte Ladenfront eingefügt. Als eines der stattlichsten Bürgerhäuser Ebingens, das gleichzeitig zu den wenigen, von den Stadtteilbränden verschonten Gebäuden gehört, ist das Haus wichtiges Zeugnis der Stadtbaugeschichte. |
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| Torhäuschen (Wohn- und Geschäftshaus) | Marktstraße 59 (Karte) |
Kleines zweigeschossiges Gebäude mit Walmdach, unmittelbar neben dem ehemaligen Standort des Oberen Tors gelegen
Jahrhundertelang war die heutige Altstadt von einer Mauer umgeben, die zugleich als Verteidigungslinie und als Zollgrenze diente. Der zeitlich begrenzte Zugang erfolgte durch zwei, später drei Tore im Westen, Osten und Norden. Sie wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts, zusammen mit dem größten Teil der Stadtmauer abgebrochen, so dass heute nur noch wenig an die Stadtbefestigung und ihren Einfluss auf Wirtschaftsleben und Tagesrhythmus von Einwohnern und Durchreisenden erinnert. Das ehemalige Wächterhäuschen vom Oberen Tor, das die Torwächter und Zolleinnehmer beherbergte, ist als einer der wenigen anschaulich überlieferten baulichen Belege der Stadtbefestigung und Zeugnis für die Sicherheits- und Besteuerungsmaßnahmen vergangener Zeiten von hoher Bedeutung für die Ebinger Stadt(bau)geschichte. |
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| Wohn- und Geschäftshaus | Obere Vorstadt 33 (Karte) |
Dreigeschossiges, giebelständiges und verputztes Gebäude mit weit ausladendem Eckerker, Staffelgiebel und Satteldach, durch das Ebinger Baugeschäft Müller und Diemer nach überarbeiteten Plänen der Stuttgarter Architekten Kayser und Mäckle errichtet, 1924/25
Das Gebäude bildet mit seinem markanten Giebel und dem weit ausladendem Eckerker einen „point de vue“ in der Oberen Vorstadt. Die ausdrucksvolle, durch spitzwinklige Zierelemente belebte Architektur ist bezeichnend für die Entstehungszeit des Gebäudes in den 1920er-Jahren, als unter anderem die scharfgeschnittene, lapidar umrissene Form von Staffelgiebeln eine Renaissance erlebte. Weil derartige Giebel im Mittelalter namentlich das Bild der norddeutschen Handelsstädte geprägt hatten, so dass sich die Vorstellung vom Kaufmannshaus sehr eng damit verband, ist ihre Wiederverwendung an einem modernen Geschäftshaus auch von symbolischer Bedeutung. Andererseits muss der Staffelgiebel hier auch als allgemeines mittelalterliches Architekturzitat verstanden werden, eine Konzession an das weitgehend spätmittelalterlich/frühneuzeitliche Erscheinungsbild der übrigen Bebauung in der Oberen Vorstadt, deren Abschluss nach Norden durch dieses Haus effektvoll beherrscht wird. Das Gebäude als anschauliches Beispiel für eine in den 1920er-Jahren weit verbreiteten, dem Heimatschutzgedanken verpflichteten aber durchaus eigenständigen Strömung von Bedeutung für die Architekturgeschichte. |
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| Scheune | Pfarrstraße 5 (Karte) |
Eingeschossiges, traufständiges und verputztes Gebäude mit Toreinfahrt an der östlichen Giebelseite und Satteldach, Scheune des einst östlich gegenüberliegenden Gasthofs Anker, wohl 17. Jahrhundert
Die Scheune ist einer der letzten, bis in die letzten Jahre des 20. Jahrhunderts noch landwirtschaftlich genutzten Bauten in der Ebinger Altstadt, die jahrhundertelang von Ackerbürgerhäusern und einzelnen Ökonomiegebäuden geprägt war. Ihre innere Aufteilung ist noch anschaulich erhalten: das Erdgeschoss wird von einer breiten, für die Einfahrt und das Abstellen von Wagen geeigneten Tenne eingenommen, die beiderseits von Stalleinbauten mit darüberliegenden, zur Mitte hin geöffneten Zwischenböden flankiert ist. Die geräumigen Dachböden boten weitere Lagermöglichkeiten, was durch die große Aufzugsluke des Ostgiebels noch unterstrichen wird. Als wohlerhaltenes Ökonomiegebäude der frühen Neuzeit und eines der letzten Zeugnisse für das früher zahlreiche Vorkommen derartiger Bauten im Stadtkern von Ebingen ist die Scheune wichtiges Zeugnis der Stadtbau- und Wirtschaftsgeschichte. |
99417784 | ||
| Wohnhaus | Pfarrstraße 7 (Karte) |
Dreigeschossiges, traufständiges und verputztes Fachwerkhaus mit Satteldach und seitlich angebrachter Aufzugsgaupe, wohl frühes 18. Jahrhundert
Das vergleichsweise steil proportionierte Gebäude ist eines der letzten noch erhaltenen Ackerbürgerhäuser in Ebingen. Im Inneren hat sich die für derartige Bauten charakteristische Aufteilung bis heute weitgehend erhalten: das Erdgeschoss bietet außer der breiten Diele noch Platz für einen Pferdestall, der nach Osten anschließt; die steile Treppe ermöglicht vom Zwischenpodest aus den Zugang zu einem hochgelegenen Futterboden im Südteil des Hauses. Ein für die Lebens- und Wohnverhältnisse jener Zeit besonders anschauliches Detail ist die holzgetäfelte Wohnstube im zweiten Obergeschoss, die mit einer hölzernen Felderdecke geschmückt ist. Als anschaulich überliefertes Beispiel für ein Ebinger Ackerbürgerhaus der Zeit nach 1700 dokumentiert das Gebäude Wohn- und Wirtschaftsformen der Frühen Neuzeit. |
99417802 | ||
| Wohnhaus mit Garten | Poststraße 52 (Karte) |
Zweigeschossiger verputzter Bau mit Walmdach und zwei halbrund vortretenden Eckpavillons an der Südfassade, zwischen denen ein leicht geschwungener Balkon über den Säulen der Eingangstreppe gespannt ist, errichtet von Architekt Heinrich Maas aus Obertürkheim für den Ebinger Fabrikanten Gottlieb Schmid jr., 1913/14
In seinem gut erhaltenen Äußeren spiegelt das geräumige Wohnhaus die Architekturentwicklung kurz vor dem Ersten Weltkrieg beispielhaft wider. So findet sich hier die repräsentativ gestaltete, in feierlicher Axialsymmetrie aufgebaute Eingangsfront, die barocke Gestaltungselemente aufgreift, während dagegen die Seitenfronten und die Rückfassade des Gebäudes sich rein aus dem Grundriss entwickeln und somit die Bequemlichkeit des Bauherrn mit seinem Repräsentationsbedürfnis in Einklang bringen. Das Gebäude ist zusammen mit dem Garten, der ihm den für die Wirkung seiner noblen Architektur notwendigen Freiraum lässt, ein anschauliches Beispiel für die von symmetrischen Grundvorstellungen geprägte städtische Wohnhausarchitektur wohlhabender Schichten vor dem Ersten Weltkrieg und damit von architekturgeschichtlicher Bedeutung. |
99417999 | ||
| Wohnhaus (mit Ladeneinbau) | Roßgasse 9 (Karte) |
Dreigeschossiges, traufständiges und verputztes Gebäude mit Satteldach und freigelegtem Fachwerk im Südgiebel, um 1700
Das stattliche, einst außerhalb des mittelalterlichen Mauerrings gelegene Fachwerkhaus wurde nach Ausweis der Fachwerkformen (Dreiviertelstreben, S-förmig geschwungene Diagonalstreben in den Brüstungsfeldern) im Giebel wohl um 1700 errichtet. Damit gehört das Gebäude zum älteren Baubestand der Stadt, die während des 18. und 19. Jahrhunderts wiederholt hohe Verluste durch Brandkatastrophen erlitt. Die große Toröffnung auf der Westseite des Gebäudes macht auch seine eigentliche Funktion deutlich: es handelt sich um ein Ackerbürgerhaus, dessen Bewohner eine Landwirtschaft betrieben. Als eines der inzwischen selten gewordenen Beispiele für den seinerzeit in Ebingen weit verbreiteten Typus des frühneuzeitlichen Ackerbürgerhauses ist das Gebäude von Bedeutung für die Stadtbau- und Wirtschaftsgeschichte. |
99418040 | ||
| Samtfabrik Traugott Ott & Söhne | August-Sauter-Straße 1; Schillerstraße 9, 15 (Karte) |
Bestehend aus: Fabrikgebäude (Schillerstraße 9, 15), ausgedehnter dreigeschossiger Gebäudekomplex mit durchfensterten Backsteinfassaden über Sockelgeschoss, nach Plänen von Jakob Philipp Manz, 1897 bis 1911; Kutscher- und Remisenhaus (August-Sauter-Straße 1), zweigeschossiges Wohn- und Ökonomiegebäude mit Wagenremise, massives Erdgeschoss und Zierfachwerk im Obergeschoss und Giebel, nach Plänen von Philipp Jakob Manz, 1897
Die ab 1897 erbaute, später in Etappen vergrößerte eindrucksvolle Fabrikanlage der Samtfabrik Traugott Ott & Söhne ist trotz ihrer langen Bauzeit einheitlich gestaltet, da von Anfang an ein Gliederungssystem für die Fassaden gewählt worden war, das beliebig weit fortgeschrieben werden konnte, ohne monoton zu wirken. Das leitende Gestaltungsprinzip war die weitgehende Öffnung der Wände durch riesige Fenster innerhalb eines imponierenden vertikalen Gliederungssystems mit Hilfe von geschossübergreifenden Lisenen oberhalb des Sockels. Im Gegensatz zu den älteren Ebinger Fabriken, die weitgehend am Wohnhausbau orientiert waren und historische Gestaltungsformen zitierten, präsentiert sich die Samtfabrik als modernes Industriegebäude, das seine besondere Funktion als gut beleuchtete Arbeitsstätte nach außen selbstbewusst zu erkennen gibt. Das Nebengebäude, das in erster Linie als Remise für den Fuhrpark der Firma diente, steht hingegen seinem Verwendungszweck entsprechend in der Tradition ländlicher Architektur und ist Stall- und Remisengebäuden großer Gutshöfe vergleichbar. Die Samtfabrik ist nicht nur ein wichtiges frühes Werk des später sehr bekannten Industriearchitekten Jakob Philipp Manz, sie ist auch ein architektonisch qualitätvolles Beispiel für einen großzügig dimensionierten und jederzeit erweiterbaren Industriebautenkomplex der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, wobei jedes Gebäude schon durch die Art der äußeren Gestaltung seinen Verwendungszweck weitgehend erkennen lässt. Als baulicher Beleg für den industriellen Aufschwung der Stadt und die Bedeutung der Textilindustrie in ihrem Wirtschaftsleben hat die Samtfabrik zudem hohen orts- und wirtschaftsgeschichtlichen Zeugniswert für Ebingen. |
99401640 | ||
| Fabrikgebäude | Schmiechastraße (Karte) |
Mehrgeschossiger und steil proportionierter Putzbau in Hanglage mit gegliederten Fassaden und Walmdächern unterschiedlicher Firsthöhe, an der Südfassade reich ornamentiertes Zwerchhaus, im Osten apsisartig ausgebauter Treppenturm, 1913
Der aufwendig gestaltete Industriebau wurde für die Firma Linder und Schmid als Abschluss ihrer seit 1862 kontinuierlich gewachsenen Trikotwarenfabrik errichtet und stellt den architektonischen Höhepunkt der Anlage dar. Herausgefordert durch das weithin sichtbare aber schwierig zu nutzende, schmale und steile Hanggrundstück, entschieden sich Bauherr und Architekt für eine ungewöhnliche und effektvolle Lösung: zwei jeweils mit ihren Schmalseiten zu den vorbeiführenden Straßen ausgerichtete Baukörper sind hintereinander hangaufwärts gestaffelt. Der exponierten Lage geschuldet sind auch der große giebelbekrönte Dachaufbau, der weit vorgezogene Treppenturm und die Ausschmückung durch ornamentierte Flächen mit zarten vegetabilen Reliefs und architektonisch gerahmten Wappenkartuschen. Als besonders gelungenes Beispiel für den qualitativ hochstehenden Industriebau am Vorabend des Ersten Weltkriegs leistet das Gebäude einen Beitrag zur Architekturgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts. |
99418079 | ||
| Hauszeichen im Nordgiebel | Sonnenstraße 3 (Karte) |
Initialen mit Handwerkszeug, 1655
Das geschnitzte Hauszeichen im Nordgiebel des markanten Fachwerkhauses an der Ecke von Roßgasse und Sonnenstraße zeichnet sich durch die Datumsangabe “1655„ aus, ein im Albstädter Raum sonst nicht anzutreffendes Schriftzeugnis für das Bauwesen kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg. Das Hauszeichen mit Initialen und Handwerkszeug liefert Hinweise auf den Bauherrn. Als eines der in Ebingen und Umgebung inzwischen sehr selten gewordenen derartigen Zeichen ist es von volkskundlichem Interesse. |
99418356 | ||
| Wohnhaus (mit Ladeneinbau) | Sonnenstraße 11, 13 (Karte) |
Zweigeschossiges, giebelständiges und verputztes Haus mit Satteldach, frühes 18. Jahrhundert
Thermographische Untersuchungen belegen, dass sich unter dem Verputz am Nordgiebel ein mit geraden Dreiviertelstreben beiderseits der Eckständer und sogenannten Feuerlinien in den Brüstungsfeldern gestaltetes Zierfachwerk verbirgt, das aus der Zeit um 1750 stammt. Damit ist das breit gelagerte Gebäude mit dem steilen, viergeschossigen Dach ein Zeugnis des Fachwerkbaus des 18. Jahrhunderts. |
99418411 | ||
| Gasthaus Sonne (Geschäftshaus) | Sonnenstraße 17 (Karte) |
Dreigeschossiges, giebelständiges und verputztes Fachwerkhaus mit Satteldach, frühes 18. Jahrhundert
Das stattliche Gebäude gehört zu den wenigen markanten Bauten, die jahrhundertelang das östliche Ende der Fernstraße unmittelbar vor dem Oberen Stadttor prägten. Bis ins frühe 20. Jahrhundert bestand in diesem Haus der Gasthof Sonne, nach dem die Straße benannt wurde, und an dessen lange Tradition heute wieder ein alter Schildausleger (ursprünglich zum Gasthof Reh gehörend) mit neu gearbeitetem Sonnenemblem erinnert. Thermographische Aufnahmen haben nachgewiesen, dass unter dem Putz der Straßenfassade ein durch gerade Dreiviertelstreben, senkrechte Fensterstiele und V-Streben in den Brüstungsfeldern geprägtes Sichtfachwerk verbirgt, das zusammen mit der Konstruktion des liegenden, verzapften Dachstuhls auf eine Entstehung des Gebäudes im 18. Jahrhundert hinweist. Als Beispiel für den Fachwerkbau der Schwäbischen Alb in der Frühen Neuzeit und als einstmals für den Handelsverkehr auf der Fernstraße wichtiger Ort ist der ehemalige Gasthof Sonne von baugeschichtlicher und wirtschaftsgeschichtlicher Bedeutung. |
99418422 | ||
| Kath. Pfarrkirche St. Joseph | Sonnenstraße 63 (Karte) |
Doppelchörige Saalkirche mit angedeuteten Querhäusern und paralleler Folge von untereinander verbundenen Seitenkapellen, nach Plänen von Joseph Cades, 1891/92, erweitert 1912/13
Im Jahrhundertelang rein evangelischen Ebingen bildete sich im Zuge der Industrialisierung auf der Südwestalb eine katholische Gemeinde, die 1892 ein eigenes Gotteshaus erbauen ließ. Die zeittypisch im Stil der Neuromanik gestaltete Pfarrkirche St. Joseph ist ein charakteristischer Vertreter des späten historistischen Kirchenbaus zum Ende des 19. Jahrhunderts. Der Architekt Joseph Cades bevorzugte für seine neuromanischen Kirchen Backstein als Baumaterial. Cades war zu seiner Zeit ein hochgeschätzter und vielbeschäftigter Architekt und widmete sich vor allem dem katholischen Kirchenbau. Er schuf rund 40 Kirchen für die Diözese Rottenburg, besonders in Oberschwaben und am Oberen Neckar. Die Ebinger Kirche spiegelt aber nicht nur die Entwicklungen im katholischen Sakralbau der damaligen Zeit wider, sie ist auch wichtiges Dokument der Orts- und Kirchengeschichte. |
99426186 | ||
| Schulhaus (Wohn- und Vereinshaus) | Spitalhof 13 (Karte) |
Dreigeschossiges, giebelständiges Gebäude mit massivem Erdgeschoss, Vorkragung der Stockwerke und freiliegendem Fachwerk an den Giebelfassaden, 1716
Das stattliche Eckhaus an der Nordostseite des Spitalhofs zählt zu den schönsten Fachwerkgebäuden in Ebingen und hat eine für die Stadt bemerkenswerte Geschichte. Der heutige Bau wurde im Jahr 1716 unter Verwendung noch brauchbarer Teile des 200 Jahre älteren Vorgängerbaus errichtet und diente als Schulhaus mit drei Klassenzimmern, Lehrerwohnungen sowie Stall und Scheuer für die Nebenerwerbslandwirtschaft der Lehrer. Mit dem aufwendigen Sichtfachwerk am Giebel und der kräftigen, im wesentlichen konstruktiven Fachwerkform der Obergeschosse ist das Haus ein gutes Beispiel für die noch weitgehend von älteren Traditionen geprägte Holzbaukunst in Ebingen zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Das Ebinger Schulhaus ist als eines der seltenen erhaltenen Schulhäuser jener Zeit ebenso von Bedeutung für die Architekturgeschichte wie auch für die Orts- und Schulgeschichte von Ebingen. |
99426323 | ||
| Fabrikgebäude der Nadelfabrik Groz-Beckert | Theodor-Groz-Straße 50 (Karte) |
Langgestrecktes, mit den Schmalseiten nach Norden und Süden ausgerichtetes, dreigeschossiges Gebäude mit Pfeilergliederung, großen, mehrfach unterteilten, quadratischen Fenstern und einer reichen Dachlandschaft, nach den Plänen des Architekten Josef Ott errichtet, 1912, im gleichen Stil ausgebaut, 1923
Entsprechend der im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts entwickelten, eigenständigen Gestaltung von Industriebauten, zu deren hervorstechenden Merkmalen vor allem die Pfeilergliederung und die großen Fenster gehören, zeichnet sich auch dieses Fabrikgebäude durch großzügige Beleuchtung und ein auf Erweiterung angelegtes Raster aus. Welche Möglichkeiten dieses System bot, zeigt sich schon an der Tatsache, dass auf den ersten Blick kaum ausgemacht werden kann, an welcher Stelle der ursprüngliche Bauteil von 1912 endet und der zehn Jahre später angefügte Erweiterungsbau beginnt. Dem funktional ohne Vorsprünge und Rücklagen durchgeformten Baukörper ist ein durch unterschiedliche Firsthöhen ausgezeichnetes Dach aufgesetzt, das ihm einen repräsentativen Charakter verleiht. Die Nadelfabrik ist aber nicht nur ein anschauliches Beispiel eines Industriebaus des frühen 20. Jahrhunderts, sie erinnert auch an die große Bedeutung die die Textilindustrie in Ebingen und Umgebung seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts besaß. |
99426402 | ||
| Hotel Post (Wohn- und Geschäftshaus) | Untere Vorstadt 11 (Karte) |
Dreigeschossiges, verputztes Gebäude mit reichem Fassadenschmuck und flachem Walmdach, nach Plänen des Ebinger Werkmeisters F. Baur für Louis Brecht als Erweiterungsbau des Hotels Post errichtet, 1896/97
Das Hotel Post - einst bevorzugte Unterkunft von Geschäftsreisenden - war das seinerzeit größte und anspruchsvollste Gebäude der Innenstadt. Das stattliche Gebäude lässt noch heute den urbanen Anspruch des Bauherrn nachvollziehen. Mit dem Neubau sollte offenbar ein Zeichen gesetzt werden, denn bis dahin hatte in dem vor 1900 noch recht kleinstädtisch wirkenden Ebingen kaum ein Bauwerk den wirtschaftlichen Aufschwung der Industriestadt sinnfällig gemacht. In seiner ehemaligen Hotelfunktion und mit seiner weitgehend erhaltenen, zum Teil farbig gefassten Stuckdekoration von Fassade und Teilen des Innenbaus ist das Hotel Post ein architekturgeschichtlich wie auch ortshistorisch wichtiger Bau. |
99426456 | ||
| Fabrikgebäude (heute Wohnhaus) | Untere Vorstadt 100 (Karte) |
Zweigeschossiges, traufständiges und verputztes Gebäude, 1842; Brennofen (heute Schuppen) mit Satteldach, breitem Zwerchhaus und Kamin
Das stattliche, dicht am Ufer der Schmiecha erbaute Haus scheint in seinem Äußeren den Wohnhausbau des Spätklassizismus auf exemplarische Weise zu verkörpern, charakterisiert etwa durch die streng axialsymmetrische Anordnung von Fenstern und Türen sowie durch das zentral angebrachte, mit einfachem Dreiecksgiebel abgeschlossene Zwerchhaus. Stattdessen handelt es sich um einen der ersten eigens für diesen Zweck errichteten Industriebauten der Stadt: er entstand 1842 als Manchesterfabrik (Cordsamtfabrik). Nicht nur die Fassade präsentiert sich bis heute weitgehend unverändert, auch im Inneren hat sich der Raum der Färberei mit einem mehrteiligen, von einer gedrungenen Säule und breiten Bandrippen gestützten Gewölbe erhalten. Die Cordsamtfabrik ist nicht nur ein Beispiel für die wirkungsvolle Gestaltung spätklassizistischer Nutzbauten, sie ist auch eines der ältesten erhaltenen Fabrikanwesen im Ebinger Raum und belegt die Bedeutung der Textilindustrie in der Region seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. |
99426619 | ||
| Stadtgrabenhäuser | Unterer Stadtgraben 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 (Karte) |
Baugruppe, bestehend aus den eingeschossigen Gebäuden Nr. 2, 3, 6 und 7 sowie den zweigeschossigen Häusern Nr. 1, 4 und 5, alle sind traufständig und mit Satteldächern versehen
Die ursprünglich wohl sämtlich eingeschossigen Kleinhäuser stehen nördlich der ehemaligen inneren Stadtmauer im Grabenbereich und sind an ihrer Nordseite, die zum tieferliegenden, eigentlichen Stadtgraben ausgerichtet ist, mit hohem, vollgültigem Sockelgeschoss ausgestattet. Sie entstanden zu einer Zeit - wahrscheinlich im 18. Jahrhundert - als die Stadtbefestigung keine Verteidigungsaufgaben mehr zu erfüllen hatte und dienten offenbar als Wohnquartier für sozial unterprivilegierte Schichten, in der Hauptsache Taglöhner und Weber. Sie machen auf höchst anschauliche Weise die Lebens- und Wohnverhältnisse auch wenig begüterter Einwohner einer württembergischen Landstadt der frühen Neuzeit erfahrbar und sind damit von Interesse sowohl für die Orts- als auch die Sozialgeschichte. |
99429537 | ||
| Gaststätte Waldheim | Waldheim 1 (Karte) |
Eingeschossige Dreiflügelanlage in Holzbauweise mit Betonsockelgeschoss, geschwungener Freitreppe, hölzerner Veranda und flachem Walmdach, als Ausstellungspavillon der Schreinerinnung errichtet, 1925, als sogenanntes Wald- und Ferienheim (heute Ausflugsgaststätte) auf das Gelände hinter dem Schlossfelsen versetzt
Der reizvolle Bau vermittelt als eines der ganz wenigen erhaltenen Beispiele seiner Art eine Vorstellung von der Ausstellungsarchitektur der 1920er-Jahre, die im übrigen fast vollständig nur durch Bilder überliefert wird. Darüber hinaus ist er ein wichtiges Dokument für die verhältnismäßig weite Verbreitung von avantgardistischen Gestaltungsprinzipien zur Zeit der Weimarer Republik. Charakteristisch dafür sind vor allem das extrem flache Walmdach sowie die viereckigen Verandastützen, die, entgegen den Sehgewohnheiten, von unten nach oben stärker werden. Neben der architekturgeschichtlichen Bedeutung ist auch die weitere Nutzungsgeschichte des später als gewerkschaftliches Ferienheim innerhalb eines Sport- und Spielplatzes aufgestellten ehemaligen Ausstellungspavillons von Bedeutung, die ein bezeichnender Beleg für die gerade in den 1920er-Jahren immer wichtiger werdende Rolle der Gewerkschaften auch im Bereich des geselligen Lebens und der Freizeitgestaltung ist. |
99431126 | ||
| Ackerbürger-Doppelhaus | Wilhelm-Dodel-Gasse 10, 12 (Karte) |
Dreigeschossiges, giebelständiges und verputztes Gebäude mit zwei Toreinfahrten und steilem, gemeinsamem Satteldach, 17. Jahrhundert
Das stattliche Gebäude zählt zu den größten erhaltenen Fachwerkhäusern in Ebingen aus der Zeit vor dem Stadtbrand von 1731, dem südlich dieses Baus zahlreiche Häuser an der Kapellen- und Marktstraße zum Opfer fielen. Die Längsteilung durch eine mit kräftigen Hölzern errichtete, alte Fachwerkwand lässt darauf schließen, dass das Gebäude von Anfang an für mindestens zwei Eigentümer vorgesehen war. Die innere Organisation der beiden Hausteile mit hoher Diele und Stall jeweils im Erdgeschoss, darüberliegendem Futterboden, zwei Wohngeschossen und einem geräumigen, für Lagerzwecke geeigneten Dach weist deutlich auf eine landwirtschaftliche Tätigkeit der Bewohner hin. Zur üblichen, inzwischen aber schon selten gewordenen Ausstattung derartiger Häuser auf der Schwäbischen Alb gehörten auch getäfelte Stuben, von denen eine noch die typische Felderdecke bewahrt hat. Als seltenes Beispiel eines frühneuzeitlichen Doppelwohnhauses, das zudem anschaulich die Lebens- und Wohnverhältnisse Ebinger Bürger mt landwirtschaftlichem (Neben-)Erwerb des 17. Jahrhunderts widerspiegelt, ist das Gebäude von hauskundlichem und ortsgeschichtlichem Interesse. |
99429771 |
Laufen
| Bild | Bezeichnung | Lage | Datierung | Beschreibung | ID |
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| Klappenwehr; Stauwehr in der Eyach | Weidenstraße (Karte) |
Errichtet nach dem Hochwasser 1895
Das Stauwehr in der Eyach, das zur Einspeisung des Mühlkanals der schon im Mittelalter bestehenden Herrschaftsmühle diente, wurde 1895 zerstört durch ein Hochwasser - eine der größten Naturkatastrophen jener Zeit in der Region, die 46 Menschenleben forderte. Der Wiederaufbau dieses und anderer ebenfalls betroffener Eyachwehre erfolgte noch im gleichen Jahr nach dem Prinzip des sogenannten Tiroler Wehrs, eines Klappenwehrs einfacher aber zweckmäßiger Bauweise. Dabei werden in seitliche, bewegliche Stahlschienen an Ketten befestigte Holztafeln eingelassen. Bei hohem Wasserstand legen sich diese Schienen in Flussrichtung um, so dass das Wasser ungehindert abfließen kann. Durch die Ketten werden die Holztafeln am Wegschwimmen gehindert. Als eines der inzwischen sehr selten gewordenen Klappenwehre dieser einfachen Bauart und gleichzeitig als Dokument für das schwere Hochwasser von 1895 bzw. die technische Reaktion darauf, ist das Klappenwehr in der Eyach von hoher Bedeutung für die Technik- und Regionalgeschichte. |
99432867 | ||
Weitere Bilder |
Ev. Kirche (St. Gallus) | Balinger Straße 74 (Karte) |
Einschiffiger Saalbau mit eingezogenem, polygonalem Chor und hohem, vortretendem Westturm, errichtet nach Plänen des Rottweiler Bauinspektors de Pay, 1873-75
Die weithin sichtbare Kirche präsentiert sich im neugotischen Stilgewand und erfüllt damit eine wichtige Forderung an den evangelischen Kirchenbau in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bis heute hat sie im Außenbau ihren ursprünglichen Charakter bewahrt, der etwa durch die markanten übergroßen Schallöffnungen im obersten Turmgeschoss und die schlanken Fialen an den Ecken des steilproportionierten Turmhelms ebenso wirkungsvoll geprägt wird, wie durch die ruhige Reihung der wie eingeschnitten in die glatte Außenwand gesetzten Spitzbogenfenster zwischen den Strebepfeilern. Mit dieser bauzeittypischen Gestaltung stellt der Bau ein anschaulich erhaltenes Zeugnis für den Kirchenbau des späteren 19. Jahrhunderts dar. |
98888757 ( | |
| Bauernhaus (Wohnhaus) | Dobelstraße 12 (Karte) |
Zweigeschossig, traufständig, mit Fachwerk und Satteldach, mit zu einem Saalraum umgebauten Scheuer, 1. Hälfte 18. Jahrhundert
Das langgestreckte Gebäude ist eines der wenigen noch weitgehend ungestört erhaltenen Fachwerkhäuser in Laufen. Sein Alter lässt sich anhand des stehenden, verzapften Dachstuhls und des offenbar gleichzeitig gestalteten Giebelfachwerks bestimmen. Die geraden Dreiviertelstreben beiderseits der Eckständer und die sogenannten Feuerlinien unter den Brustriegeln sind als Schmuck- und Gefügeformen im Raum Albstadt für das frühe 18. Jahrhundert belegt. Das Gebäude ist aber nicht nur ein anschauliches Beispiel für die älteren Bauernhäuser in Laufen, mit seinem zum “Stundensaal„ der altpietistischen Gemeinschaft umgebauten Stalltrakt ist es auch von Bedeutung für die Orts- und Kirchengeschichte. |
99431312 | ||
| Samenklenge | Dobelstraße 24 (Karte) |
Viergeschossiges, traufständiges und verputztes Gebäude mit Vorrichtungen zum Lagern, Dörren und Aufbereiten von Zapfen bzw. Waldsamen, 1890-93
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts spielte der Handel mit Forstpflanzen und Waldsamen eine zunehmend bedeutende Rolle für das Wirtschaftsleben in Laufen. 1890 ließ der Samenhändler Johannes Schlegel eine Samendarre an eine ältere Scheuer anbauen; 1893 wurde die Scheuer durch eine Remise ersetzt, die äußerlich mit der Klenganstalt eine bauliche Einheit bildet. Das Gebäude ist nicht nur am Außenbau weitgehend unverändert, auch im Inneren ist heute die alte Einrichtung mit mehrgeschossiger Darre geblieben und nach wie vor in Betrieb. Die Beschickung erfolgt über Gleise mit Hilfe von sechs Wagen, auf denen übereinandergestapelte Hurden mit insgesamt bis zu 60 Zentnern vorgetrockneter Fichten-, Weißtannen- oder Kiefernzapfen liegen. Bei 40 bis 50 Grad Celsius öffnen sich die Zapfen in der Dörrkammer innerhalb von zwei Tagen. Danach werden die Samen mechanisch herausgeschüttelt und maschinell entflügelt. Als einzige, in ihren wesentlichen Teilen aus dem 19. Jahrhundert stammende und noch immer in der hergebrachten Weise betriebene Samenklenge ist die Klenge Schlegel mit ihrer voll funktionsfähigen technischen Einrichtung ein herausragendes Zeugnis des für die Wirtschaftsgeschichte von Laufen einst hoch bedeutenden Samenhandels. |
99432487 | ||
| Bauernhaus (heute Wohnhaus) | Dobelstraße 38 (Karte) |
Zweigeschossig, traufständig und verputzt mit Wohntrakt, Stall und Scheuer unter einem Satteldach, 18. Jahrhundert
Das stattliche Gebäude am ehemaligen südlichen Ortsrand ist ein anschaulich erhaltenes Beispiel für die landwirtschaftlich genutzten Bauten in Laufen, wie sie über Jahrhunderte das Dorf prägten. Das unter dem Putz konservierte Zierfachwerk des Nordgiebels datiert das Gebäude mit seinen geraden Dreiviertelstreben beiderseits der Ständer und den Andreaskreuzen in den Brüstungsfeldern unter den Fenstern in das 18. Jahrhundert. Als wohlerhaltenes und durch die Umnutzung zum reinen Wohnhaus nur wenig verändertes Bauernhaus des 18. Jahrhunderts ist das Gebäude von baugeschichtlicher wie auch von ortsgeschichtlicher Bedeutung. |
99432528 | ||
| Wollspinnerei (Wohnhaus) | Eyachstraße 29 (Karte) |
Zweigeschossiges, traufständiges und verputztes Gebäude mit Zwerchhaus und Satteldach, ca. 1840
Das durch seine axialsymmetrische Fassadengliederung und den kleinen ausgeschiedenen Dreiecksgiebel über dem Mittelteil der Fassade vergleichsweise repräsentativ wirkende Haus ist ein ehemaliger Industriebau. Seine etwas abseitige Lage - oberhalb des alten Dorfes, aber unmittelbar am Ufer der Eyach - war besonders günstig für die Ausnützung der Wasserkraft zum Antrieb von Maschinen. Seit 1840 betrieb der Ebinger Fabrikant und Industriepionier Gottlieb Binder zum Erker hier eine Wollspinnerei mit damals 360 Spindeln, deren Zahl bis 1858 auf 540 anwuchs. Es handelte sich dabei um eine der frühesten derartigen Fabriken auf dem Gebiet des heutigen Albstadt. Als einer der wenigen erhaltenen Fabrikbauten aus den Anfangsjahren der industriellen Entwicklung hat der im Außenbau kaum veränderte Bau hohe Bedeutung für die von der Textilindustrie geprägte Wirtschaftsgeschichte der Schwäbischen Alb. Zudem belegt der mit seiner architektonisch über das notwendige Mindestmaß hinausgehende Fassadengestaltung das Interesse, das die Zeitgenossen der Bauaufgabe “Fabrik„ schon in ihren Anfängen gelegentlich entgegenbrachten. |
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Lautlingen
| Bild | Bezeichnung | Lage | Datierung | Beschreibung | ID |
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Von Stauffenbergsches Schloss | Am Schloß 1, 2, 3, 4 (Karte) |
Bestehend aus:
Das heutige Schloss, im Wesentlichen wohl aus dem 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammend, geht auf eine seit dem Hochmittelalter nachweisbare und zunächst den Herren von Tierberg gehörende Burganlage zurück, die um 1500 bereits Schloss genannt wurde und später im Besitz der Familie von Westerstetten war. Seit 1625 ist es Sitz der Herren von Stauffenberg. Die Widerstandskämpfer Berthold (1905–1944) und Claus (1907–1944) von Stauffenberg verbrachten ab 1918 einen überwiegenden Teil ihrer Kindheit und Jugend im Schloss. Claus von Stauffenberg erholte sich hier im Spätsommer 1943 von seiner schweren Verwundung und traf mit seinem Bruder Berthold, wie auch dem Geisteswissenschaftler Rudolf Fahrner zusammen. Bei diesen Treffen entstanden die sogenannten „Lautlinger Leitsätze“ bzw. „Lautlinger Leitgedanken“, in denen sich ihre grundlegende Kritik am Nationalsozialismus ausdrückt. Seit 2007 erinnert eine Ausstellung an das Leben von Claus von Stauffenberg und beleuchtet seinen Werdegang und seine Einstellung zum NS-Regime bis zum Widerstand gegen Hitler. Damit ist das Schloss nicht nur wichtiges Zeugnis der Territorial- und Herrschaftsgeschichte der Schwäbischen Alb, sondern auch bedeutender Erinnerungsort des deutschen Widerstands. |
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Kath. Pfarrkirche St. Johannes d.T. mit Friedhof und Gedächtniskapelle | Am Schloß 9, 9/1 (Karte) |
Dreischiffige Hallenkirche in Eisenbetonkonstruktion, errichtet nach Plänen von Friedrich Wilhelm Laur und Hugo Schlösser unter Verwendung des weitgehend erhaltenen und wiederhergestellten Turms von 1725 der ursprünglich östlich davon gelegenen Vorgängerkirche, 1912/13;
Gedächtniskapelle, kleiner Rundbau mit geschweifter Haube und Ziergitter, zusammen mit Kirche und Friedhof ebenfalls von Hugo Schlösser entworfen, nach dem Ersten Weltkrieg zur Kriegerehrung umgewidmet und, wiederum umgestaltet, als Gedächtniskapelle eingeweiht zum Andenken an die Grafen Claus und Berthold von Stauffenberg am 20. Juli 1957 Nach Zerstörung der kleinen barocken Pfarrkirche von Lautlingen durch ein schweres Erdbeben im Jahre 1911 entstand bis 1913 die aufeinander abgestimmte Baugruppe von Kirche, Friedhof und Gedächtniskapelle. Die von den damals überregional bekannten Architekten Friedrich Wilhelm Laur und Hugo Schlösser erbaute Kirche entstand als erste im weiten Umkreis vollständig nach den seinerzeit noch neuen Prinzipien des erdbebensicher geltenden Eisenbetonbaus, dessen Möglichkeiten bereits bei der Innenraumgestaltung künstlerisch umgesetzt wurden. Das schlägt sich zum einen in den vergleichsweise sehr großen Gewölbespannweiten nieder, zum anderen stehen auch die eingetieften Schmuckformen der flachen Seitenschiffdecken und der kassettierten Flachtonne über dem Mittelschiff mit dem Eisenbetonbau in Zusammenhang. Trotz dieser fortschrittlichen Elemente knüpft die Architektur der Lautlinger Kirche an barocke Formen an, was gut zum Stil des Vorgängerbaus passt und entwickelt sie im Detail weiter. Damit standen die Architekten ganz auf der Höhe der Zeit, indem sie den seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entwickelten Prinzipien der Heimatkunstbewegung folgten, deren Hauptanliegen es war, Neubauten möglichst behutsam in die landschaftliche und gebaute Umgebung einzufügen. Die Lautlinger katholische Pfarrkirche St. Johannes der Täufer bildet zusammen mit dem umgebenden Friedhof, der Friedhofsmauer mit integrierten Grabmälern, dem Friedhofskreuz, der Lourdesgrotte, dem Grabmal für Pfarrer Steinle und der Gedächtniskapelle für die Widerstandskämpfer Claus und Berthold Grafen von Stauffenberg und die Gefallenen von Lautlingen eine wirkungsvolles Ensemble und ist von hohem bau- und konstruktionsgeschichtlichen sowie ortsgeschichtlichen Zeugniswert. |
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Viadukt der Zollernbahn | Hebsackstraße (Karte) |
Bis zu 20 m hohe, fünfbogige Eisenbahnbrücke der sogenannten Zollernbahn, nach Plänen des für den gesamten Bahnbau zuständigen Oberbaurats von Schlierholz als Steinkonstruktion durch Bauinspektor Kachler, Bauführer Henrich sowie die Bauunternehmer Metzger und Mehl ausgeführt (vgl. Inschrifttafel am Viadukt), 1875–78
Die bis zu 20 m hohe Brücke gehört zur Zollernbahn, mit deren Hilfe das Gebiet zwischen Tübingen und Sigmaringen für den modernen Güter- und Personenverkehr erschlossen wurde. Über fünf gleichmäßig aufeinander folgende, verhältnismäßig schlanke und hohe Bögen aus Kalkstein wird die Fahrbahn in leichtem Schwung bei Lautlingen über den Meßstetter Talbach geführt. Es handelt sich um die zweitgrößte steinerne Eisenbahnbrücke Württembergs und um eine der letzten großen steinernen Bogenbrücken, die vor dem Siegeszug von Eisen- und Betonkonstruktionen im Lande errichtet wurden. Als Beleg für den seinerzeitigen hohen Stand der Technik auf diesem Gebiet, aber auch als besonders elegantes Beispiel für die Brückenbaukunst jener Zeit ist der Lautlinger Viadukt ein wichtiges architektur- und technikgeschichtliches Zeugnis. |
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| Klappenwehr | Kurze Straße (Karte) |
Stauwehr in der Eyach, errichtet nach dem Hochwasser 1895.
Das Stauwehr in der Eyach, das zur Einspeisung des Mühlkanals der schon im Mittelalter bestehenden Herrschaftsmühle diente, wurde 1895 zerstört durch ein Hochwasser - eine der größten Naturkatastrophen jener Zeit in der Region, die 46 Menschenleben forderte. Der Wiederaufbau dieses und anderer ebenfalls betroffener Eyachwehre erfolgte noch im gleichen Jahr nach dem Prinzip des sogenannten Tiroler Wehrs, eines Klappenwehrs einfacher aber zweckmäßiger Bauweise. Dabei werden in seitliche, bewegliche Stahlschienen an Ketten befestigte Holztafeln eingelassen. Bei hohem Wasserstand legen sich diese Schienen in Flussrichtung um, so dass das Wasser ungehindert abfließen kann. Durch die Ketten werden die Holztafeln am Wegschwimmen gehindert. Als eines der inzwischen ganz selten gewordenen Klappenwehre dieser einfachen Bauart und gleichzeitig als Dokument für das schwere Hochwasser von 1895 bzw. die technische Reaktion darauf, ist das Klappenwehr in der Eyach von hoher Bedeutung für die Technik- und Regionalgeschichte. |
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| Gasthaus Zur Krone | Laufener Straße 19 (Karte) |
Zweigeschossiges, traufständiges Haus mit reichem Zierfachwerk und Satteldach, von Zimmermeister Oswald im Auftrag der Freiherren von Stauffenberg errichtet, 1697, Gäste- und Wirtschaftshaus der gräflichen Ortsherrschaft während des 18. Jahrhunderts, Wirtshaus spätestens seit dem frühen 19. Jahrhundert
Das besonders stattliche Gebäude gehört zu den ganz wenigen mit aufwendigem Zierfachwerk versehenen Häusern auf der Schwäbischen Alb. Vor allem der dreifach vorkragende Ostgiebel besticht durch seinen imponierenden Formenreichtum, wobei die einzelnen Fachwerkmotive - Andreaskreuze in allen Formen und Größen, Feuerlinien, Segmentbögen, sphärische Rauten, Kniehölzer und gerade Dreiviertelstreben mit echoartig parallellaufenden Diagonalstreben - dem Formenrepertoire der Zeit um 1700 genau entsprechen und das überlieferte Erbauungsdatum formgeschichtlich bestätigen. Auch der mächtige liegende Dachstuhl mit eingebauter Räucherkammer hat sich bis heute weitgehend unverändert erhalten und verweist ebenso auf die besondere Vorratshaltung in einem herrschaftlichen Gäste- und nachmaligen Wirtshaus wie der eindrucksvolle tonnengewölbte Keller mit seinem ca. 4 m hohen Gewölbe. Der Bau ist damit Zeugnis alter Gasthofkultur und hat baukundliche, orts- und wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung. |
96598985 | ||
| Wohngebäude des Hofguts | Tierberg 1 (Karte) |
Wohnhaus mit jüngerem Treppenturm und herrschaftlichen Wappen, 18. Jahrhundert
Das Hofgut Tierberg wurde während des 18. Jahrhunderts als Meierei mit Käserei der damaligen Ortsherren von Lautlingen, der Schenken von Stauffenberg, erbaut. Der Name erinnert an die seit 1216 auftauchenden Herren von Tierberg, die Vorgänger der Stauffenbergs in der Ortsherrschaft. Das heutige Hofgut kann seine Ursprünge auf den Wirtschaftshof der Burg Altentierberg zurückführen, der unmittelbar vor ihrem Tor am Gipfel des Tierbergs lag und zusammen mit der Burg während des 17. Jahrhunderts abging. An anderer Stelle neu erbaut, trägt das heute mit einem jüngeren Treppenturm geschmückte Wohnhaus des Hofguts ein herrschaftliches Wappen - ein lokalhistorisch wichtiger Hinweis auf die Herrschaftsverhältnisse in und um Lautlingen, zu deren Besonderheiten die Tatsache zu rechnen ist, dass Tierberg bis in das 20. Jahrhundert hinein eine eigenständige Markung hatte. Es ist damit ein wichtiges Zeugnis der Herrschaft- und Wirtschaftsgeschichte der Region. |
99434904 | ||
| Schulhaus | Von-Stauffenberg-Straße 14 (Karte) |
Zweigeschossiges, traufständiges und verputztes Gebäude mit Walmdach, errichtet nach Plänen des damaligen Bauaufsehers Niefer durch den Onstmettinger Bauunternehmer P. Joh. Alber, 1811
Der bis heute durch sein hohes Walmdach auffallende, breitgelagerte Bau bot Platz für zwei Schulsäle und die dazugehörigen Lehrerwohnungen sowie eine Scheuer im östlichen Hausteil und wurde noch knapp 70 Jahre nach seiner Einweihung als “freundliches Schulhaus„ charakterisiert (Oberamtsbeschreibung). Das vergleichsweise stattliche Haus gehört zu den frühen vorbildlichen Dorfschulgebäuden des 19. Jahrhunderts in Württemberg und muss offenbar als Reflex auf die pädagogische Tätigkeit des Ortsgeistlichen Ignaz Anton Demeter (von 1802 bis 1808 in Lautlingen) angesehen werden, der später Erzbischof von Freiburg wurde. In ersten pädagogischen Aufsätzen hatte der junge Pfarrer bereits 1802/03 die dürftigen schulischen Verhältnisse seines Dorfes als exemplarisch für die damalige Diözese Konstanz angeprangert. Das neue Schulhaus wurde zwar erst drei Jahre nach seinem Weggang eingeweiht, es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die pädagogischen Reformbestrebungen Demeters Entscheidendes zum Neubauentschluss beigetragen haben. Das Lautlinger Schulhaus ist damit ein in seiner Bedeutung über die Ortsgeschichte hinausreichendes Zeugnis der Entwicklung des Schulwesens im ländlichen Württemberg. |
99434798 |
Margrethausen
| Bild | Bezeichnung | Lage | Datierung | Beschreibung | ID |
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Terziarinnenkloster Margrethausen | Beim Kloster 5, 5/1, 7, 9, 11; Kirchstraße (Karte) |
Bestehend aus:
Kath. Pfarrkirche St. Margareten, einschiffige Saalkirche, Westturm mit Welscher Haube, Umbau eines mittelalterlichen Vorgängerbaus und Turmaufstockung, 1707, Chor durch die Architekten Schilling und Lütkemaier angefügt, 1934; Klausurgebäude (heute Rathaus bzw. Pfarr- und Gemeindehaus), drei- bis viergeschossige, dem abschüssigen Gelände durch differenzierte Geschosszahl und unregelmäßigen Fassadenverlauf angepasste, ehemalige Vierflügelanlage, unter Verwendung älterer Bauteile errichtet, frühes 18. Jahrhundert, Südflügel abgebrochen 1824; Einfriedungsmauer sowie Frei- und Grünflächen Die Gründung des Klosters Margrethausen wurde am 13. Februar 1330 mit der Stiftung eines direkt neben der Kirche gelegenen Hauses durch einen Herrn Conrad “von der alten Thierburg„ vorbereitet. Als eigentliches Gründungsjahr der Klause wird 1338 überliefert; spätestens seit diesem Zeitpunkt lebten hier zunächst vier, später auch mehr Frauen in klösterlicher Gemeinschaft nach der Drittordensregel des Heiligen Franziskus zusammen. Seit 1699 wurden zur Erneuerung der relativ kleinen und durch den Dreißigjährigen Krieg stark in Mitleidenschaft gezogenen Klause Spendengelder gesammelt, die es schließlich ermöglichten, dass die Klostergebäude mitsamt der Kirche von Grund auf neu gebaut werden konnten. Die Pläne für den Neubau stammten von dem Laienbruder Ulrich Behr. 1803 fiel das Kloster an Württemberg und wurde wenig später, am 26. September 1811, aufgelöst. Der zur Pfarrkirche umgewidmete Kirchenbau wurde 1934 durch einen Chor in damals modernen Formen als lichtdurchfluteter Raum, der durch die farbigen Glasfenster - bedeutende Arbeiten des Ulmer Künstlers Wilhelm Geyer aus den Jahren 1942/43 und 1947 - eine besondere Wirkung entfaltet, erweitert. Das über Margrethausen auf einer Anhöhe thronende, ehemalige Kloster beherrscht das Ortsbild in entscheidendem Maße und ist das zentrale bauliche Zeugnis der Orts- und Kirchengeschichte. |
96599062 ( | |
| Wohnhaus | Beim Kloster 12 (Karte) |
Zweigeschossiges, giebelständiges und verputztes Gebäude mit Satteldach und freiliegendem Zierfachwerk im Ostgiebel, 18. Jahrhundert
Das stattliche Gebäude liegt unmittelbar westlich der Klostergebäude und zeichnet sich vor allem durch seinen reich gestalteten Ziergiebel aus, der von wandhohen Andreaskreuzen im ersten und ebenfalls wandhohen netzartigen Rautenmustern im zweiten und dritten Giebelgeschoss geprägt wird. Der erhaltene originale Dachstuhl lässt Rückschlüsse auf das Alter des Hauses zu: es handelt sich nämlich um eine stehende Konstruktion - ausgesteift durch Kopfstreben, die mit den Ständern verzapft und in die Pfetten eingeblattet sind. Diese Holzverbindungsart bezeichnet den Übergang vom mittelalterlichen verblatteten Fachwerk zum verzapften Gefüge, wie es auch auf der Alb seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert zunehmend verwendet wurde. Zusammen mit den Fachwerkformen des Ziergiebels muss wohl darauf geschlossen werden, dass das Gebäude im 18. Jahrhundert errichtet wurde, wahrscheinlich nach dem Klosterbau. Das durch seine Größe und vergleichsweise aufwendige Gestaltung aus dem Baubestand von Margretshausen herausragende Hauses könnte der einstige klösterliche Wirtschaftshof gewesen sein. Mit dieser vermuteten Funktion erlangt das Gebäude über seinen bau- und gefügekundlichen Zeugniswert hinaus auch Bedeutung für die Ortsgeschichte. |
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| Bauernhaus | Dorfstraße 63 (Karte) |
Dreigeschossiges, giebelständiges Fachwerkhaus mit traufseitiger Toreinfahrt und Satteldach, um 1700
Der direkt unterhalb des ehemaligen Terziarinnenklosters gelegene, stattliche Bau zählt zu den ganz wenigen bis heute in Margrethausen erhaltenen Gebäuden aus der Barockzeit. Vor allem das regelmäßige Sichtfachwerk im Straßengiebel, das durch den Wechsel von geraden Dreiviertelstreben und geschwungenen Diagonalhölzern unter den Brustriegeln geprägt ist, lässt eine Datierung in die Zeit um 1700 zu, als derartige Fachwerkformen allgemein verbreitet waren. Dem entspricht auch die Konstruktion des liegenden, verzapften Dachstuhls, bei dem relativ altertümliche Holzverbindungen angewandt wurden. Der inneren Organisation zufolge handelt es sich um ein quererschlossenes Wohn- und Ökonomiegebäude, dessen Mitte von der breiten Diele eingenommen wird, nach Westen schließt sich der Stall an, im Osten und im Obergeschoss liegt der Wohnbereich. Damit ist das Gebäude als anschaulich überliefertes Beispiel für ein Wohn- und Ökonomiegebäude der Barockzeit. |
99459963 | ||
| Mühle | Dorfstraße 60; Mühlbach (Karte) |
Bestehend aus: Mühlengebäude, zweigeschossiges, giebelständiges Fachwerkhaus mit massivem, verputztem Erdgeschoss, Sichtfachwerk und Satteldach, um 1700; an der Ostseite des Hauses verläuft der ehemalige Mühlkanal mit Vorrichtung zur Zuflussregulierung und einer stillgelegten Turbine
Die ehemalige Mühle zählt nach Ausweis der Fachwerkkonstruktion zu den wenigen wohl noch aus der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Dreißigjährigen Krieg stammenden Häusern des damals völlig zerstörten Ortes. Für eine Entstehung in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts bzw. um 1700 spricht der teilweise verblattete Dachstuhl: diese altertümliche Holzverbindungsart ist spätmittelalterlichen Ursprungs und war als Übergang zum neuzeitlichen verzapften Gefüge auf der Schwäbischen Alb relativ lange in Gebrauch. Das prächtige regelmäßige Sichtfachwerk in dem zum Kloster hin orientierten Straßengiebel spricht ebenfalls für eine Entstehung um 1700, da es in der Hauptsache durch den Wechsel von geraden Dreiviertelstreben und wandhohen Diagonalstreben geprägt wird, wie er zu dieser Zeit als Schmuckmotiv sehr verbreitet war. Die Mühle ist aber nicht nur ein bedeutendes Zeugnis für den Fachwerkbau in Margrethausen in der Zeit um 1700, sie ist auch ein für die Wirtschaftsgeschichte des Dorfes bedeutsamer Ort. |
99446746 |
Onstmettingen
| Bild | Bezeichnung | Lage | Datierung | Beschreibung | ID |
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Sogenannter Kasten | Albert-Sauter-Straße 15 (Karte) |
Ehem. Johanneskirche (heute Philipp-Matthäus-Hahn-Museum), steinerner, verputzter, im Kern wahrscheinlich romanischer Saalbau über rechteckigem Grundriss, heute teilweise wieder entfernte Zwischendecken eingezogenen 1577, Stockwerksaufbau und Satteldach, auf der Innenseite der Chorostwand ein freigelegtes Wandbild des 14. Jahrhunderts
Der steinerne Bau diente bis ins 16. Jahrhundert als Kirche des ehemaligen Onstmettinger Ortsteils Oberhofen, der um die östliche Schmiechaquelle entstanden war. 1577 wurde das Gotteshaus zum herrschaftlichen Fruchtkasten umgebaut, indem man die Kirchenfenster vermauerte, eine Zwischendecke einzog und ein weiteres Stockwerk mit steilem Dach aufsetzte. Von dieser Nutzung (bis 1849) stammt der bis heute gebräuchliche Name “Kasten„, den das Gebäude trotz mehrfach geänderter Funktionen, etwa als Fabrik (1861 bis 1900) oder, später, als Bauernhaus behielt. Im Zuge des Umbaus zum Philipp-Matthäus-Hahn-Museum 1989 wurde der ursprüngliche Kirchensaal durch Entfernen der Zwischendecke wieder erlebbar gemacht. Der gut erhaltene liegende und verzapfte Dachstuhl lässt der die enormen Lagerkapazitäten des Fruchtkastens deutlich werden. Als ältestes im Kern erhaltenes Gebäude von Onstmettingen, dessen Anfänge bis weit in das Mittelalter zurückreichen, ist der Kasten sowohl durch seine frühere Funktion als Kirche des Ortsteils Oberhofen, als auch wegen seiner späteren Bestimmung als herrschaftlicher Fruchtkasten ein für die Ortsgeschichte bedeutsamer Bau. |
99459994 ( | |
| Wohnhaus | Brunnentalstraße 33 (Karte) |
Zweigeschossiges, traufständiges und zum Teil verputztes Haus mit freiliegendem Fachwerk an der Ostfassade und älterem Gefügekern, um 1800
Für eine Erbauungszeit des Gebäudes um 1800 spricht vor allem das Fachwerk an der Giebelfassade und im unteren Teil des Ostgiebels mit seinen geraden Dreiviertelstreben und gegenläufig “aufgesattelten„ Diagonalhölzern. Im Kern ist das Haus jedoch viel älter: Es wurde um 1800 nämlich nicht neu gebaut, sondern um ca. vier Meter nach Osten verlängert. Im älteren Westteil hat sich eine Dachstuhlkonstruktion erhalten, wie sie am Ende des 17. Jahrhunderts auf der Schwäbischen Alb angewendet wurde. Als eines der ältesten im Kern noch erhaltenen Häuser von Onstmettingen ist das Gebäude von baukundlicher und ortsgeschichtlicher Bedeutung. |
99460895 | ||
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Turm der Ev. Pfarrkirche | Hahnstraße 3 (Karte) |
Im Kern mittelalterlich, mit Fachwerkglockengeschoss aus dem 17. Jahrhundert und Zeltdach
Der Turm ist wesentlich älter als die heutige, 1887/88 erbaute und 1968/70 umgebaute Pfarrkirche. Er scheint selbst mit deren Vorgängerbau nicht unmittelbar zusammengestanden zu haben und kann als das jahrhundertealte Wahrzeichen von Onstmettingen gelten. In seinen unteren Geschossen mit ihren sehr dicken Mauern gehört er sicher noch dem Mittelalter an; auch das kleine kreuzgratgewölbte Gelass im Erdgeschoss deutet darauf hin. Die heute verkleidete Fachwerkkonstruktion des Glockengeschosses weist auf dessen Entstehung im 17. Jahrhundert. Der Turm, der eine Glocke aus der Zeit um 1300 birgt, ist wichtiges bauliches Wahrzeichen von Onstmettingen und kündet von der Geschichte der 1275 erstmals urkundlich fassbaren Kirche und Pfarrei Sankt Maria in Unterhofen. |
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| Pfarrhaus | Hahnstraße 4 (Karte) |
Zweigeschossiges, traufständiges und verputztes Gebäude mit freiliegendem Sichtfachwerk im Ostgiebel und einem mit westlichem Krüppelwalm versehenen Satteldach, 1701; 1764 bis 1770 lebte hier der Pfarrer und Erfinder Philipp Matthäus Hahn
Das nach Ausweise der Oberamtsbeschreibung 1701 erbaute Pfarrhaus weist am Ostgiebel ein für die Erbauungszeit auf der Schwäbischen Alb charakteristisches Fachwerk mit geraden Dreiviertelstreben und Rautenmuster in der Giebelspitze auf. Den Status des Gebäudes als vom Staat unterhaltener Amtssitz des Pfarrers verkündet das kleine runde Metallschild über der Eingangstür mit dem königlich württembergischen Wappen. Von Interesse ist das Pfarrhaus darüber hinaus auch als Amtswohnung von Philipp Matthäus Hahn, der neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit große Bedeutung als Astronom und Ingenieur erlangte. Seine Planetarien, Uhrwerke und andere feinmechanischen Instrumente waren schon zu seinen Lebzeiten weit überregional berühmt; außerdem kann er als einer der geistigen Väter der späteren feinmechanischen Industrie im heutigen Raum Albstadt gelten. Das Onstmettinger Pfarrhaus ist damit sowohl als Wohnhaus von Philipp Matthäus Hahn als auch als gutes Beispiel für ein schwäbisches Pfarrhaus der Zeit um 1700 von Bedeutung für die Orts- und Landesgeschichte. |
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| Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs | Hahnstraße 4 (Karte) |
Skulpturengruppe über hohem Sockel mit zentraler Inschrift und zwei Kranzhaltern unter skulptierten Lorbeerkränzen, aufgestellt 1923
Der Stuttgarter Bildhauer Thuma wählte für die Gestaltung des Gefallenendenkmals die szenische Darstellung des Soldatentods, quasi als Momentaufnahme aus den Kriegsjahren, aber zu einer allgemeingültigen Aussage verdichtet - eine bildhauerische Übertragung des Lieds “Ich hatt’ einen Kameraden ...”. Aufgegriffen ist hier der auf Grabmonumenten seit der Antike oft gestaltete Abschied des Sterbenden von den Lebenden, ein zeitloses Motiv, das hier aber durch die Wiedergabe von Uniform und Bewaffnung aus dem Ersten Weltkrieg dahingehend abgewandelt wird, den Soldatentod aus dem allgemeinen Sterben herauszuheben. Im Vordergrund steht zwar die Wahllosigkeit des Todes; allerdings ist diese Aussage nicht mit einer Anklage oder gar Ächtung von Krieg und Waffengebrauch verbunden, wie sie in den 1920er-Jahren bereits vielfach an Gefallenendenkmalen thematisiert wird. Dem Soldatentod ist hier vielmehr ein schicksalhaft-notwendiger Zug verliehen, begründet durch die nationale Uniform und geadelt durch die mit Händedruck besiegelte Kameradschaft. Das Onstmettinger Gefallenendenkmal ist ein qualitätvolles Beispiel für die Bildhauerkunst der Zwischenkriegszeit und mit seiner zu jener Zeit sehr verbreitete Auffassung vom Soldatentod auch Dokument für die Formenvielfalt der nach dem Ersten Weltkrieg angelegten Ehrenmale. |
99461286 | ||
| Riedschulhaus | Hauptstraße 35 (Karte) |
Zweigeschossiges Backsteingebäude mit Eckrisaliten und flachem Walmdach, nach Plänen des Balinger Werkmeisters Heinz errichtet, 1902; der damals nur eingeschossige Mittelteil durch Architekt Heinrich Dieroff aus Onstmettingen aufgestockt, 1922
Kurz nach der Jahrhundertwende war der Schulhausbau im Wandel begriffen: den für die 1880er- und 1890er-Jahre charakteristischen, meist aus Backstein errichteten und axialsymmetrisch gestalteten Bauten, die auf ihre bauliche Umgebung meist keinen Bezug nahmen, folgten in den Jahren vor und nach dem Ersten Weltkrieg einfühlsam gestaltete, meist verputzte Schulhäuser, die in ihrem malerischen Erscheinungsbild von Stilbewegung, Heimatschutz und Reformpädagogik inspiriert waren. Das Schulhaus von Onstmettingen ist ein gutes Beispiel für die erstgenannte Variante. Als größtes örtliches Bauvorhaben seit Jahrzehnten erhielt das Gebäude ein besonders repräsentatives Aussehen. Von besonderem Reiz ist das verwendete, nur für die Zeit um 1900 auch im Albstädter Raum häufig vorkommende Baumaterial Backstein, dessen unterschiedliche Farbigkeit ebenso wirkungsvolle Fassadengestaltungen zulässt, wie der Einsatz von speziellen Formsteinen. Das Schulhaus von Onstmettingen nahm einen wichtiger Platz im Gemeindeleben ein und muss darüber hinaus als anschauliches Beispiel für den Stand einer sich kurz darauf radikal verändernden Schulbaukunst um 1900 gewertet werden. |
99461301 | ||
| Gedächtnisstätte für die Toten beider Weltkriege | Johannes-Raster-Straße 54 (Karte) |
Offene, mit gestaffelten Flachdächern gedeckte Halle, 1964; im Zentrum der Halle freistehende Figurengruppe (aufgebahrter männlicher Leichnam und trauernde Frau) nach Entwurf von Gartenarchitekt Hans Koch, Tübingen und Bildhauer Richard Raach, Reutlingen
Die eindrucksvolle Gedenkstätte entstand als Ergebnis eines beschränkten Wettbewerbs unter vier württembergischen Bildhauern. Entsprechend den nach dem Zweiten Weltkrieg veränderten Auffassungen vom Gedenken an die Gefallenen steht hier nicht mehr, wie in der Zwischenkriegszeit meist üblich, der Heldentod oder die Aufopferung für das Vaterland im Vordergrund - auch der Trost durch die Religion wird nicht plakativ angeboten. Unter Verzicht auf alles Martialische und Heroische ist allein das Leid der Hinterbliebenen, ihre stumme Trauer thematisiert. Diesen Gedanken vermittelt vor allem die freistehende Figurengruppe, deren Gestaltung an Vorbilder aus den 1920er-Jahren, etwa von Ernst Barlach oder Käthe Kollwitz, denken lässt. Als gestalterisch überzeugendes und in seinem Verzicht auf alles Heroische sowohl besonders bewegendes als auch für die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg charakteristisches Erinnerungsmal ist die Gedächtnisstätte für die Toten beider Weltkriege aus der Gemeinde Onstmettingen ein künstlerisch bedeutendes Zeugnis der lokalen Erinnerungskultur. |
99462125 | ||
| Wohnhaus | Linkenboldstraße 6 (Karte) |
Zweigeschossiges, giebelständiges Fachwerkhaus mit Zierfachwerkgiebel, die Einzelformen deuten hin auf eine Entstehung in der Zeit um 1700
Nach Ausweis des Zierfachwerks am Nordgiebel mit regelmäßig angebrachten Dreiviertelstreben und sogenannten Feuerlinien in den Brüstungsfeldern dürfte das Gebäude in der Zeit um 1700 errichtet worden sein. Damit gehört das Gebäude zu den wenigen älteren Profanbauten in Onstmettingen und vermittelt einen Eindruck vom Aussehen der Bauernhäuser im damaligen Ortsteil Oberhofen zu Beginn des 18. Jahrhunderts. |
99462464 | ||
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Pumpwerk der Wasserversorgung | Nägelestraße 12 (Karte) |
Gebäude aus Kunststein mit Walmdach und zeitgleichem Werkstattanbau samt den zur Inbetriebnahme seinerzeit eingebauten Maschinen, 1909, weitere technische Einrichtungsstücke hinzugekommen 1923 und 1930
Die Versorgung von Onstmettingen mit Trinkwasser wurde seit jeher hauptsächlich durch die Schmiecha garantiert, deren östliche Hauptquelle neben dem Rathaus entspringt. 1909 richtete die Gemeinde ein gasbetriebenes Pumpwerk ein und gleichzeitig, um die Verbrauchsschwankungen auszugleichen und zur Vorratshaltung für Feuerlöschzwecke, einen Hochbehälter. Zusammen mit dem entsprechenden Verteilungsrohrnetz, dienten beide Einrichtungen bis 1952 der örtlichen Trinkwasserversorgung. Dann wurde die unzulänglich gewordene Wasserversorgung in eigener Regie aufgegeben. Das Pumphäuschen über der Quelle wurde nicht angetastet und vorbildlich mit allen erhaltenen Maschinen gepflegt. Es ist ein besonders anschauliches Zeugnis für die örtliche Wasserversorgung von Onstmettingen kurz nach der Jahrhundertwende und damit von Bedeutung sowohl für die Orts- als auch die Technikgeschichte. |
99462504 ( | |
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Raichbergturm des Schwäbischen Albvereins | Raichberg (Karte) |
Aussichtsturm in Betonbauweise, nach Plänen des Balinger Oberamtsbaumeisters Heinz, 1928
Der markante, 22 m hohe Bau auf dem Raichberg erschließt eine weite Sicht über den Albtrauf nach Westen sowie zu den südöstlich gelegenen Talganggemeinden. Er wurde zum vierzigjährigen Jubiläum des Schwäbischen Albvereins errichtet, der bereits eine Reihe berühmter Aussichtspunkte mit Türmen bestückt hatte und dabei meist auf eine zeitgenössische Gestaltung Wert legte. Charakteristisch für die 1920-Jahre und ihre Architektur der Neuen Sachlichkeit sind hier der Aufbau aus einfachen, klar begrenzten Kuben, der durch die Fensteranordnung ablesbare Verlauf des Treppenaufgangs, die liegenden Öffnungen der Aussichtskanzel und das überkragende flache Dach. Der innere Eingangsbereich erhält eine besondere Note durch die kühn zwischen zwei Betonpfeilern gespannten unteren Treppenläufe, deren Eisengeländer mit stilisierten Blüten geschmückt sind. Der Raichbergturm ist als beeindruckendes Beispiel für die Lösung der Bauaufgabe Aussichtsturm im Stil der Neuen Sachlichkeit sowie als Zeichen zum vierzigjährigen Jubiläum des Schwäbischen Albvereins von hoher architekturgeschichtlicher und heimatgeschichtlicher Bedeutung. |
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| Bauernhaus | Untere Kirchstraße 4 (Karte) |
Zweigeschossiges, traufständiges Fachwerkhaus mit Satteldach, reiches Zierfachwerk am Westgiebel, 18. Jahrhundert
Das langgestreckte Gebäude steht mitten im ehemaligen Ortsteil Oberhofen und gehört zu den stattlichsten Bauernhäusern von Onstmettingen. Ganz besonders prächtig ist das Zierfachwerk im Westgiebel. Es zeichnet sich durch einen großen Reichtum an schmückenden Einzelformen aus, wie sie für die Zeit um 1700 belegt sind: gerade Dreiviertelstreben, geschweifte bzw. mit Andreaskreuzen gezierte Rauten und Viertelsbögen. Auf die guten finanziellen Verhältnisse des damaligen Bauherrn weisen auch die beiden gut ausgestatteten Wohnstuben hin. In seltener Vollständigkeit hat sich hier beispielhaft ein Wohn- und Ökonomiegebäude erhalten, dessen Architektur und wandfeste Ausstattung bis heute Einblick in die Wohn- und Lebensverhältnisse wohlhabender Bauern der Zeit um 1700 ermöglichen. |
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| Bauernhaus | Wilhelmstraße 46 (Karte) |
Zweigeschossiges, traufständiges und verputztes Haus mit Satteldach, wohl 17. Jahrhundert
Das Bauernhaus dürfte seiner Fachwerkkonstruktion nach wohl noch vor 1700 entstanden sein. Auf diese Entstehungszeit weist der rauchgeschwärzte, stehende Dachstuhl hin, dessen Kopfstreben zur Aussteifung der Konstruktion mit den Ständern verzapft, in die Pfetten jedoch eingeblattet sind. Diese besondere Holzverbindungsart stammt aus der Zeit des Übergangs vom verblatteten Fachwerk des Mittelalters zur holzsparenden verzapften Bauweise der Neuzeit. Das Gebäude ist als eines der ältesten erhaltenen Häuser von Bedeutung für die Baukunde und die Ortsgeschichte und zudem mit seinem für die Alb üblichen Hausgrundriss mit der über Eck befensterten, aufwendig wandhoch vertäfelten Stube ein anschauliches Beispiel für die traditionellen Wohnverhältnisse von offensichtlich gut situierten Onstmettingern. |
99462818 | ||
| Wohnhaus | Wilhelmstraße 52 (Karte) |
Zweigeschossig, traufständig und teilweise verputzt, mit freiliegendem Sichtfachwerk am Nordgiebel, 1672
Das stattliche Bauernhaus gehört zu den größten und ältesten erhaltenen Profanbauten in Onstmettingen, sein eindrucksvoller stehender und verzapfter Dachstuhl ist rußgeschwärzt. Ganz besonders prächtig ist das Zierfachwerk im Nordgiebel. Der stattliche Bau vermittelt einen Eindruck von den Wohn- und Lebensverhältnissen wohlhabender Bauern im 17. Jahrhundert auf der Schwäbischen Alb. |
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Pfeffingen
| Bild | Bezeichnung | Lage | Datierung | Beschreibung | ID |
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| Zweigeschossiges Wohnhaus | Bolstraße 3 (Karte) |
Traufständiges und verputztes Wohnhaus, wohl 17. Jahrhundert; mit später unmittelbar daneben errichteter Ökonomie unter gemeinsamem Satteldach.
Nach Ausweis des Dachstuhls, dessen Kopfstreben in die Ständer eingezapft, mit den Pfetten jedoch verblattet sind, weist der Wohnteil des Gebäudes ein hohes Alter auf. Diese Holzverbindungsart gehört der bauhistorisch interessanten Übergangszeit vom mittelalterlichen, verblatteten Fachwerkgefüge zur neuzeitlichen, holzsparenden Form der gezapften Konstruktion an, und ist daher, wie Vergleichsbeispiele aus dem Albstädter Raum zeigen, wohl noch vor 1700 entstanden. Dazu passt auch das auf der Giebelinnenseite deutlich sichtbare Zierfachwerk, das geprägt ist von geraden Dreiviertelstreben und V-förmig zusammengestellten, sogenannten Feuerlinien - Schmuckformen, die für den Ausgang des 17. und den Beginn des 18. Jahrhunderts charakteristisch sind. Das Gebäude gehört zum ältesten Hausbestand von Pfeffingen und ist ein anschauliches Beispiel für die Fachwerkarchitektur auf der Schwäbischen Alb vor 300 Jahren. |
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Ev. Kirche (St. Nikolaus) mit historischen Grabsteinen an der südlichen Außenwand | Bolstraße 10 (Karte) |
Eintürmige Saalkirche in neugotischer Formensprache, nach Plänen des Stuttgarter Architekten Pohlhammer anstelle einer älteren Kirche errichtet, 1897/98
Der kleine, sehr schlichte Vorgängerbau der Ev. Kirche in Pfeffingen war gegen Ende des 19. Jahrhunderts baufällig geworden und wurde unter Weiterverwendung der unteren Turmgeschosse durch einen besonders stattlichen Neubau ersetzt. Der Stuttgarter Architekt Ulrich Pohlhammer verband einen am Außenbau nach dem Vorbild einer gotischen Hallenkirche gestalteten Bau mit breitem Langhaus, alles übergreifendem Satteldach und Strebepfeilern zwischen den Spitzbogenfenstern mit einer ganz auf die Predigt ausgerichteten evangelischen Emporenkirche im Inneren. Durch Einstellung einer an drei Seiten umlaufenden hölzernen Empore wird Platz für die zuhörende Gemeinde geschaffen. Die Nikolauskirche ist ein gutes Beispiel für den gediegenen, auf Traditionen setzenden Kirchenbau der Zeit um 1900. Zusammen mit den pietätvoll an die Südseite des Kirchenschiffs gestellten Grabsteinen, die daran erinnern, dass hier bereits vor langer Zeit der Friedhof war und die gleichzeitig mit ihren Inschriften Einblick in die Totenehrung vergangener Jahrhunderte geben, ist sie ein wichtiges Zeugnis der Orts- und Kirchengeschichte. |
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| Wohnhaus mit Ökonomieteil | Im Anwandel 1 (Karte) |
Zweigeschossig, traufständig und verputzt, mit Satteldach, um 1800
Nach Ausweis des von Innen sichtbaren Giebelfachwerks dürfte das Haus wohl um 1800 entstanden sein. Im Inneren des Gebäudes hat sich die alte Grundrissaufteilung weitgehend erhalten. Der wichtigste Raum ist die lichte, über Eck mit dicht nebeneinandergesetzten Fenstern versehene Wohnstube, deren Lage bereits von außen durch die Fensterstellung ausgemacht werden kann. Der Raum ist mit einer flachen Kassettendecke versehen und ermöglicht, zusammen mit seiner wandhohen Holzvertäfelung - einem selten gewordenen Baudetail - und den schön geschwungenen Beschlägen an den Türen, einen anschaulichen Einblick in die Wohn- und Lebensverhältnisse von Pfeffinger Bürgern zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Als besondere Rarität muss inzwischen auch das durch Flachschnitzerei strahlenförmig verzierte, viergeteilte Scheunentor angesehen werden, ein guter Beleg für die einst weit verbreiteten kunsthandwerklichen Fertigkeiten auf dem Lande. Damit hat das stattliche Bauernhaus Zeugniswert für die Geschichte der Fachwerkarchitektur auf der Schwäbischen Alb und die Ortsgeschichte von Pfeffingen. |
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| Gedenkstein | Jägerweg (Karte) |
Hochrechteeckiger Sandsteinquader mit pyramidenförmig zulaufendem Kopf, Inschrift, aufgestellt in Erinnerung an Anna Maria Strobel, um 1890.
Der Gedenkstein ist ein Zeugnis der Kultur- wie Verkehrsgeschichte mit regionalem Bezug zum nahe gelegenen Zitterhof. Gedenksteine wie dieser, wurden mit dem Ziel aufgestellt, bestimmte Ereignisse wie etwa das hier inschriftlich genannte Unglück, auch für die kommenden Generationen im Gedächtnis zu bewahren. In der vorwiegend durch den Protestantismus geprägten Landschaft, die in der Regel nur wenige Kleindenkmale aufweist, stellt der Stein ein seltenes Beispiel für die Erinnerungskultur jener Zeit dar. |
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| Mühle | Margrethauser Straße 20, 22 (Karte) |
Bestehend aus: Wohnhaus und Ökonomiegebäude, zwei giebelständige, in etwa parallel zueinander angeordneten Bauten, Mühlkanal, um 1700
Die ehemalige Mühle gehört zu den ältesten urkundlich nachweisbaren Anwesen des Ortes, da sie laut Kreisbeschreibung nicht nur im Lagerbuch von 1690, sondern bereits in dessen Vorgänger erwähnt wurde. Eigentümerin der Mühle war seinerzeit die Herrschaft, der Müller besaß sie als Erbgut. Über die Erbauungszeit des heutigen Mühlengebäudes sind keine urkundlichen Nachrichten bekannt; einen Anhaltspunkt liefert jedoch das freigelegte Fachwerk. Vor allem die Giebelgestaltung mit symmetrisch angebrachten geraden Dreiviertelstreben beiderseits der Ständer lässt auf eine Entstehung um 1700 schließen. Besonders schön und aufschlussreich für die Lebens- und Wohnverhältnisse der Müller zu jener Zeit ist die wohlerhaltene, holzgetäfelte Wohnstube, die als besonders selten gewordenes Detail noch eine hölzerne Trennwand in der Stubenecke aufweist. Das Ökonomiegebäude gehörte ursprünglich zur Mühle, da der Müller seinerzeit gleichzeitig Landwirt war und hier Ställe und Lagerraum nutzte. Als ein jahrhundertelang für das Wirtschaftsleben der Dorfgemeinschaft wichtiges Unternehmen, dessen einstige Funktion und Bedeutung bis heute noch anschaulich wird, ist die alte Mühle wichtiger baulicher Beleg der Orts- und Wirtschaftsgeschichte von Pfeffingen. |
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| Laufbrunnen mit langgestrecktem eisernem Brunnentrog; dazu ein Brunnenstock aus demselben Material mit reicher Ornamentierung im Sockelbereich | Onstmettinger Straße 21 (Karte) |
Auf den Schaftringen und der kapitellartigen Bekrönung, zweite Hälfte 19. Jahrhundert
Der geräumige Brunnen erinnert an die Zeit, als es noch keine Wasserleitungsanschlüsse in den einzelnen Häusern gab, die Wasserzufuhr aber schon besser geregelt war als in den voraufgegangenen Jahrhunderten. Vor allem die alten steinernen oder hölzernen Brunnen wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vielfach durch industriell in Serie gefertigte Exemplare ersetzt. Dabei befriedigte der reich geschmückte Brunnenstock das Schmuck- und Repräsentationsbedürfnis der Gemeinde auf wirkungsvolle und, da es sich um industrielle Massenproduktion handelte, kostengünstige Weise. Der Brunnen ist damit Zeugnis zur Entwicklungsgeschichte der Wasserversorgung von Pfeffingen und gleichzeitig ein inzwischen selten gewordenes Beispiel für einen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bedeutenden Produktbereich der Eisenindustrie. |
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| Schul- und später Rathaus (heute Feuerwehrhaus) | Schulgasse 5 (Karte) |
Zweigeschossiges, giebelständiges Gebäude mit Zierfachwerkgiebel und Satteldach, wohl 17. Jahrhundert; der Ökonomieteil stammt aus späterer Zeit
Der besonders langgestreckte Bau ruht auf einem ansteigenden, den Hang ausgleichenden Sockel und diente zwischen 1832 und dem Beginn des 20. Jahrhunderts als Rathaus von Pfeffingen. Davor wurde er der Oberamtsbeschreibung zufolge als Schulgebäude genutzt. Es ist eines von nur ganz wenigen Häusern des Dorfes, das seinen Giebel zur Hauptschauseite an der Straße ausgerichtet hat. Entsprechend dieser exponierten Lage wurde das Giebelfachwerk besonders repräsentativ gestaltet. Ein noch ganz der mittelalterlichen Konstruktionsweise verhafteter Dachstuhl, dessen Gefüge durch eingeblattete Streben ausgesteift wird, und der damit zusammenhängende Fachwerkgiebel weisen auf eine Entstehung im 17. Jahrhundert hin. Das Schul- und Rathaus ist nicht nur für die Geschichte der Fachwerkarchitektur auf der Schwäbischen Alb von Bedeutung, es ist auch wichtiger Beleg der Schul- und Verwaltungsgeschichte von Pfeffingen. |
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| Laufbrunnen | Schulgasse (Karte) |
Mit langgestrecktem aufgeständertem Brunnentrog aus Metall, dazu ein eiserner Brunnenstock mit Schmuckring unter dem Ausguss und kapitellartig verzierter Bekrönung samt stilisiertem Pinienzapfen, zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts
Der Brunnen erinnert an die Zeit, als es noch keine Wasserleitungsanschlüsse in den einzelnen Häusern gab. Die alten steinernen oder hölzernen Brunnen wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vielfach durch industriell in Serie gefertigte Exemplare ersetzt. Dabei befriedigte der reich geschmückte Brunnenstock das Schmuck- und Repräsentationsbedürfnis der Gemeinde auf wirkungsvolle und, da es sich um industrielle Massenproduktion handelte, kostengünstige Weise. Der Brunnen ist damit Zeugnis zur Entwicklungsgeschichte der Wasserversorgung von Pfeffingen und gleichzeitig ein inzwischen selten gewordenes Beispiel für einen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bedeutenden Produktbereich der Eisenindustrie. |
99464473 | ||
| Bauernhaus | Schulgasse 20 (Karte) |
Zweigeschossiges, traufständiges Gebäude mit freiliegendem Zierfachwerk und Satteldach (i), 1714; Ökonomie verlängert, 1790
In der Dorftradition ist überliefert, dass der Hof für einige Zeit Wohnhaus des Vogts war, weswegen die Eckstube im Erdgeschoss, die wohl ehemals als Amtsraum diente, noch heute Vogtsstube genannt wird. Es handelt sich dabei um einen vergleichsweise besonders sorgfältig ausgestatteten, vertäferten Raum mit hölzerner Felderdecke, wie er nur noch in wenigen Häusern dieser Region anzutreffen ist. Doch dieser Raum wird, was Größe und festliche Helligkeit angeht, noch übertroffen durch die weiträumige, ebenfalls vollständig vertäfelte, eigentliche Wohnstube im Obergeschoss. Die Stuben ebenso wie das reiche Zierfachwerk am Außenbau geben einen deutlichen Hinweis auf die Wohlhabenheit des Bauherrn, der seinen Besitzerstolz außen am Haus durch einen Wappenschild dokumentierte. Das stattliche Gebäude gehört damit zu den ganz wenigen auch mit ihrer Ausstattung noch weitgehend erhaltenen älteren Bauernhäusern in Pfeffingen und überliefert auf besonders anschauliche Weise die Wohn- und Lebensverhältnisse von offensichtlich vermögenden Bauern zu Anfang des 18. Jahrhunderts. Zudem ist es als ehemaliges Wohnhaus des Vogts auch von Bedeutung für die Ortsgeschichte. |
99464634 |
Tailfingen
| Bild | Bezeichnung | Lage | Datierung | Beschreibung | ID |
|---|---|---|---|---|---|
| Bauernhaus | Adlerstraße 34 (Karte) |
Zweigeschossiges, traufständiges und verputztes Gebäude mit steilem Satteldach, 17. Jahrhundert
Der stattliche Bau gehört zu den wenigen bis heute erhaltenen Gebäuden aus der vorindustriellen Zeit Tailfingens und wurde wahrscheinlich schon im 17. Jahrhundert errichtet. Einen wesentlichen Anhaltspunkt für diese Datierung liefert der weitgehend ungestört erhaltene rußgeschwärzte Dachstuhl: die Konstruktion ist nämlich durch eingeblattete Kopfstreben ausgesteift, eine Holzverbindungsart mittelalterlichen Ursprungs, die auf der Alb bis in die Jahre vor 1700 gebräuchlich war. Dazu passt das wohlerhaltene (verkleidete) Sichtfachwerk im Westgiebel mit den für jene Zeit charakteristischen geraden Dreiviertelstreben beiderseits der Ständer und den inneren wandhohen Diagonalstreben, die eine Besonderheit der Fachwerkgestaltung im Raum Albstadt darstellen. Als eines der ältesten bekannten Gebäuden in Tailfingen, das gleichzeitig ein anschauliches Zeugnis für die frühere landwirtschaftliche Struktur des Dorfes ist und darüber hinaus gute Einblicke in die Bauweise des 17. Jahrhunderts auf der Schwäbischen Alb ermöglicht, ist das ehemalige Bauernhaus von hoher Bedeutung für die Ortsgeschichte und die Geschichte der Fachwerkarchitektur auf der Schwäbischen Alb. |
99464689 | ||
| Bauernhaus (heute Wohnhaus mit Gaststätte) | Bauernscheuer 6 (Karte) |
Zweigeschossiges, traufständiges und mit freiliegendem Zierfachwerk versehenes Gebäude mit Satteldach, um 1700
Bei dem ehemaligen Bauernhaus handelt es sich um ein besonders schönes und vergleichsweise reich verziertes Beispiel für den Fachwerkbau auf der Schwäbischen Alb. Die prägenden Elemente seines vor allem an der Ostfassade zu prachtvoller Wirkung gesteigerten Zierfachwerks - gerade Dreiviertelstreben, zu den Ortgangsparren geschlossene Viertelkreise, Rauten in den Brüstungsfeldern sowie netzartiges Rautenmuster in einzelnen Gefachen - gehören, bei aller Individualität der Ausformung, zusammen mit dem umlaufenden Zahnschnittfries zum Formenrepertoire des ländlichen Fachwerks um 1700. Der stattliche Bau ist aber nicht nur von hohem Interesse für die Geschichte der Fachwerkarchitektur auf der Schwäbischen Alb, er gehört auch zu den wenigen ehemaligen Tailfinger Bauernhäusern, mit deren Hilfe die einst landwirtschaftlich geprägte Struktur der heutigen Industriestadt noch anschaulich belegt werden kann. |
99464797 | ||
| Fabrikgebäude (heute Geschäftshaus) | Eisenbahnstraße 12/2 (Karte) |
Vier- bis fünfgeschossiger Flachdachbau aus zwei gegeneinander verschobenen Kuben und einem turmartig überhöhten Bürotrakt samt Treppenrisalit, nach Entwürfen des Tailfinger Architekten J. Miller für den Trikotfabrikanten Ludwig Haasis errichtet, 1931
Der strenge Betonbau vertritt als eines der wenigen in Tailfingen noch erhaltenen kompromisslos sachlichen Fabrikgebäude jene fortschrittliche Architekturrichtung, die sich unter dem Namen “Neues Bauen„ in den 1920er-Jahren etablieren konnte. Verglichen mit den zahllosen, sowohl vorher als auch gleichzeitig entstandenen Fabriken im Sinne der Heimatkunstbewegung mit ihren charakteristischen hohen Walmdächern und einer häufig an barocke oder klassizistische Formensprache erinnernden Ornamentik, ist der Baukörper hier auf rein geometrische Formen reduziert, die sich scharf gegen die Umgebung und auch gegeneinander abgrenzen. Die Trikotwarenfabrik Ludwig Haasis ist aber nicht nur ein anschauliches Beispiel für den architektonisch gelungenen, fortschrittlichen Fabrikbau am Ende der Weimarer Republik, sie hat auch historische Bedeutung. Am Ende des Zweiten Weltkriegs war hier ein Teil des Kaiser-Wilhelm-Instituts untergebracht, das in einem Felsenlabor in Haigerloch nukleare Kettenreaktionen erforschte. Der Leiter Prof. Otto Hahn und sein Team wurden am 25.04.1945 von den Amerikanern in der Tailfinger Trikotwarenfabrik festgenommen, wobei das Ereignis vor dem Haus fotografisch festgehalten worden ist. |
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| Mechanische Trikotfabrik J. Conzelmann zur Rose | Goethestraße 20 (Karte) |
Fabrikgebäude, dreigeschossiges Eckhaus zur Martin-Luther-Straße mit L-förmigem Grundriss, abgerundeter Gebäudeecke, gegliederten Putzfassaden und Mansardwalmdach, nach Plänen des Tailfinger Werkmeisters Ammann errichtet, 1910
Das stattliche Fabrikgebäude - der dritte Neubau in der Unternehmensgeschichte - entstand im Auftrag von Johannes Conzelmann, dessen 1869 gegründete mechanische Trikotfabrik zu den ältesten Tailfinger Großbetrieben gehörte. Die architektonische Gestaltung, vor allem die aufwendige Fassadengliederung macht deutlich, einen wie hohen Stellenwert die damaligen Zeitgenossen der Bauaufgabe Fabrik zubilligten. Hier wurde offenbar nicht nur Wert auf eine hygienisch einwandfreie Unterbringung der Produktion gelegt mit fortschrittlich großen und eng gruppierten Fenstern, die für die notwendige Beleuchtung sorgten und gleichzeitig zu den charakteristischen Merkmalen von Fabrikbauten um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gehören. Darüber hinaus diente die Fassadengestaltung auch der Selbstdarstellung des Unternehmens mit Hilfe eines architektonischen Formenrepertoires, dessen Einzelmotive durch ihre jahrhundertelange Verwendungsgeschichte in der Herrschaftsarchitektur bedeutungsgeladen waren und auch von den meisten Zeitgenossen als Würdeformen erkannt wurden. Die Trikotfabrik ist damit ein besonders anschauliches Beispiel für den Stand der Fabrikarchitektur um 1910 und zudem wichtiges Zeugnis des einst bedeutendsten Tailfinger Wirtschaftszweigs, der Textilindustrie. |
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| Fabrikgebäude (heute Wohnhaus) | Hechinger Straße 43 (Karte) |
Drei- bis viergeschossiger Fabrikbautenkomplex mit Putzfassaden in unterschiedlicher Formensprache, dominiert von einem aufwendigen Eckgebäude mit repräsentativer Pilastergliederung, Kniestock, Walmdach und großen Zwerchgiebeln. Altbau (um 1896) an der heutigen Hechinger Straße 2004 nach Brandschaden abgebrochen, Eckbau zur Sedanstraße nach Plänen des Tailfinger Werkmeisters Ammann ausgeführt, 1909, durch die Architekten Miller bzw. Merz entlang der Sedan- und der Wiesenstraße erweitert, 1926 sowie 1937
Während der älteste, 2004 nach einem Brand abgebrochene Bauteil der Trikotfabrik Balthas zeittypisch noch einem besonders stattlichen Wohnhaus glich, zeigt der Erweiterungsbau von 1909 eine deutliche Veränderung in der Auffassung von Stellenwert und repräsentativer Bedeutung der Bauaufgabe “Fabrik”. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg verwandte man für die architektonische Gestaltung vor allem Einzelmotive (feierliche Rundbogen, Kolossalpilaster usw,), die durch jahrhundertelangen Gebrauch an herrschaftlichen Bauten bereits so bedeutungsgeladen waren, dass die Zeitgenossen die damit verbundene Aufwertung ohne weiteres verstanden. Die ehemalige Trikotfabrik Balthas ist aber nicht nur ein anschauliches und sehr qualitätvolles Beispiel für die Entwicklung der Fabrikarchitektur in Tailfingen um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, sie hat auch Bedeutung für die Orts- und Wirtschaftsgeschichte, war die Texttilindustrie doch einst der größte Wirtschaftsfaktor in diesem Teil der Schwäbischen Alb. |
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Kath. Pfarrkirche St. Elisabeth mit Pfarrhaus; dreischiffige Hallenkirche mit eingezogenem Chor | Käselteich 16 (Karte) |
Hohem Nordturm und Gemeindesaal im Sockelgeschoss; westlich angebautes Pfarrhaus; nach Plänen der Architekten Schilling und Lütkemayer aus Rottenburg errichtet, Kirche 1933/34, Pfarrhaus um 1936; plastische Arbeiten am Bau von Bildhauer Josef Walz, Rottenburg; die entstandenen Fenster und die Kreuzwegstationen von August Blepp aus Weilen unter den Rinnen, 1943 bis 1953
St. Elisabeth war die erste große katholische Kirche im traditionall evangelischen Tailfingen und wurde aus den Mitteln einer in ganz Deutschland erhobenen Kollekte, die vor allem auf den unermüdlichen Einsatz des Ortspfarrers zurückging, errichtet. Nach längerer Planung, zu der auch überregional bekannte Architekten Entwürfe beisteuerten, wurden die Rottenburger Architekten Schilling und Lütkemayer mit dem Bau betraut. Die 1934 geweihte Kirche enthält einen für die Erbauungszeit typischerweise unter dem Kirchenraum angebrachten Gemeindesaal. Kirche und das über einen Verbindungsflügel an den Kirchenbau angeschlossene Pfarrhaus bilden eine zusammengehörige geistliche Baugruppe. Vor allem die scharfkantigen Baukörper mit ihren wenig gegliederten und verputzten Wänden, bekrönt von besonders flach geneigten Satteldächern, sind bezeichnend für den strengen, konzentrierten und nur wenigen akzentuierenden Schmuck duldenden Kirchenbaustil dieser Zeit. St. Elisabeth ist ein gutes Beispiel für diese auf das Wesentliche in Architektur und Dekor konzentrierte Sakralbaukunst jener Zeit und ein wichtiges Zeugnis für den katholischen Kirchenbau in der württembergischen Diaspora zu Beginn der 1930er-Jahre. |
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| Wohnhaus mit Garten | Lammerbergstraße 6 (Karte) |
Zweigeschossiges, über hohem Sockel in den Hang gebautes und verputztes Gebäude mit reicher, zum Teil bildhauerisch gestalteter Hausteingliederung, Standerker, Balkon und Walmdach, nach Plänen des Balinger Architekten Egelhaf für den Trikotwarenfabrikanten Eugen Ammann errichtet, 1929
Das in steiler Hanglage über der Lammerbergstraße gelegene Haus ist ein anschauliches und bezeichnendes Beispiel für die gediegen-konservative, aber durchaus an zeitgenössischen Entwicklungen orientierte, gehobene Wohnarchitektur, wie sie von wohlhabenden Bauherren in Tailfingen und Umgebung gegen Ende der 1920er-Jahre geschätzt wurde. Im Gegensatz zu den kompromisslos avantgardistischen Wohnhausentwürfen aus dem Umkreis des Bauhauses und weiterer, dem “Neuen Bauen„ verpflichteter Architektenkreise, ist hier ein anderer, ebenso charakteristischer Entwicklungsstrang aufgegriffen worden. Kennzeichnend dafür sind die Rückgriffe auf ein bewährtes Formen- und Motivrepertoire, das die repräsentative Seite des Hausbaus in jener Zeit verdeutlicht. Das Gebäude ist aber nicht nur ein anschauliches Beispiel für die Leistungen der konservativen Bauströmung in den 1920-Jahren, es ist auch Zeugnis für Lebensstil und Wohnverhältnisse begüterter Gesellschaftsschichten am Ende der Weimarer Republik. |
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| Wohnhaus | Landhausstraße 70 (Karte) |
Zweigeschossiges, giebelständiges, im Erdgeschoss verputztes, im Obergeschoss mit Schindeln verkleidetes Gebäude mit Eckerker, steilem Mansardgiebeldach und verbretterten Giebeln, nach Plänen des vielbeschäftigten Tailfinger Architekten J. Miller für den Sägewerksbesitzer Ammann errichtet, 1920; mit umfriedetem Garten und Gartenhaus
Das einst unmittelbar neben dem Sägewerk errichtete und als verschindelte und verbretterte Fachwerkkonstruktion ausgeführte Wohnhaus des Eigentümers diente einerseits mit seinen unterschiedlichen Holzverwendungen als Werbeträger für das Unternehmen - andererseits begründete Sägewerksbesitzer Ammann das Baugesuch mit fürsorglicher Arbeitsbeschaffung für seine sonst erwerbslosen Arbeiter. Die Gestaltung des Gebäudes folgt ganz den bewahrenden Prinzipien der sogenannten Heimatkunstbewegung, die einige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg entstanden war, und deren Vertreter eine Anpassung von Neubauten an ihre landschaftliche oder gebaute Umgebung forderten. Das Material Holz spielte dabei immer schon eine gewisse Rolle. So wurde im vorliegenden Fall für die noch recht ländlich abgeschiedene nördliche Landhausstraße ein äußeres Erscheinungsbild gewählt, das etwa Forsthäusern nahekommt, seine Ursprünge aber auch in der Lust-und Landhausarchitektur des 19. Jahrhunderts hat. Zusammen mit dem umfriedeten, das angestrebte ländliche Erscheinungsbild verstärkenden Garten und dem hölzernen Gartenhaus ist das Anwesen ein anschauliches Beispiel konservativen Bauens in der Zwischenkriegszeit und verdeutlicht anschaulich die damaligen Wohn- und Lebensverhältnisse des gut situierten Bürgertums. |
99468301 | ||
| Wohn- und Geschäftshaus | Lange Straße 10 (Karte) |
Zweigeschossig und verputzt mit reicher Fassadengliederung und Mansarddach, nach Plänen des Tailfinger Architekten Herz erbaut für den Kleiderhändler und Trikotwarenfabrikanten Johannes Schmid, 1914
Das über nahezu quadratischem Grundriss errichtete Gebäude zeichnet sich durch ein mächtiges, durch hohe Zwerchhäuser belebtes Mansardwalmdach, eine vertikale Fassadengliederung durch geschosshohe Lisenen sowie plastische Akzente wie der Mittelerker zur Langen Straße und der Balkon über der Schmiecha aus. Mit seiner repräsentativen, am Formenschatz des Barock orientierten, aber durchaus zeitgenössischen architektonischen Gestaltung ist das Haus ein anschaulich überliefertes und charakteristisches Beispiel für innerstädtische Bauten in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg und zeugt von den Wohn- und Lebensverhältnissen des gehobenen Tailfinger Bürgertums jener Zeit. |
99468723 | ||
| Wohnhaus mit Ökonomie (heute Jugendhaus) | Obere Bachstraße 35 (Karte) |
Zweigeschossiges, nach Osten und Westen giebelständiges Gebäude mit freiliegendem Fachwerk und Satteldach, 1794 (i)
Das Gebäude zeichnet sich durch ein interessantes Fachwerkgefüge aus. Während an der Ostfassade Zierelemente des 18. Jahrhunderts wie Rautennetzmuster und Rauten in den Brüstungsfeldern Verwendung fanden, zeigt das eigentliche Giebelfachwerk den allmählichen Übergang zu rein konstruktivem Gefüge, wie es dann im 19. Jahrhundert, als Fachwerkhäuser - vor allem aus Brandschutzgründen - durchgängig verputzt wurden, zur Regel werden sollte. Das Gebäude ist aber nicht nur ein anschauliches Beispiel für den Entwicklungsstand der Holzbaukunst seiner Zeit, als eines der wenigen, bis heute in der Industriestadt erhaltenen dörflichen Fachwerkhäuser ist es auch ein anschauliches Zeugnis für die ländliche Struktur von Tailfingen am Ende des 18. Jahrhunderts. |
99468854 | ||
| Bauernhaus | Petrusstraße 8 (Karte) |
Zweigeschossig, traufständig mit Satteldach und im Wohnteil mit freiliegendem Zierfachwerk versehen, 1666/67 (d), mit älterem Ökonomieteil 1631/32 (d)
Das schräg gegenüber der Kirche mitten im Ort gelegene ehemalige Bauernhaus gehört zu den ältesten bisher nachgewiesenen und bis heute erhaltenen Profanbauten in Tailfingen. Äußerlich wird das Haus im Wesentlichen durch den mächtigen und klar gegliederten Sichtfachwerkgiebel geprägt, dessen Einzelformen - Ständer mit flankierenden, geraden Dreiviertelstreben, beiderseits der Giebelmitte und zur Mitte hin von wandhohen Diagonalstreben begleitet, sowie zwei Feuerlinien unter dem Mittelfenster und ein Netzrautenmuster in der Giebelspitze - charakteristisch für das Fachwerkgefüge im Raum Albstadt während der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts sind. Es ist damit ein hauskundlich wichtiges, den Tailfinger Altbaubestand prägendes Zeugnis der Zimmermannskunst des 17. Jahrhunderts. |
99477249 | ||
| Pfarrhaus | Petrusstraße 15 (Karte) |
Zweigeschossiges, traufständiges und verputztes Gebäude mit freiliegendem Fachwerk in Obergeschoss und Giebel der Ostfassade, Satteldach mit Krüppelwalm im Westen, 1755
Das Pfarrhaus gehört zu den wenigen geräumigen Profanbauten aus älterer Zeit, die sich in Tailfingen erhalten haben. Laut Oberamtsbeschreibung wurde es 1755 gebaut und bereits 1768 erhöht und hat in dieser Gestalt bis heute weitgehend unverändert überdauert. Die Entstehung um die Mitte des 18. Jahrhunderts lässt sich vor allem am Gefüge des freiliegenden Giebelfachwerks ablesen: die geraden Dreiviertelstreben gehören zum Formenrepertoire im Fachwerkbau jener Zeit auf der Schwäbischen Alb. Das Tailfinger Pfarrhaus ist als anschauliches Beispiel für den Fachwerkbau, hier insbesondere für den Pfarrhausbau auf der Schwäbischen Alb im 18. Jahrhundert sowie ein wohlüberlieferter, seit mehr als zweihundert Jahren für das Gemeindeleben wichtiger Ort. |
99477375 | ||
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Ev. Peterskirche | Petrusstraße 17 (Karte) |
Pfarrkirche, bestehend aus Turm [§ 12] und Kirchenschiff der Ev. Peterskirche, Kirchhof und Einfriedungsmauer, massiver verputzter Saalbau mit Satteldach, im Inneren flache Felderdecke, zweiseitig umlaufende Empore, im Kern wohl 13. Jh., Neubau anstelle einer bis ins 8. Jh. zurückreichenden Kirche, Umbauten 1506 (i), 1777 (i) und 2. H. 20. Jh.; daneben freistehender hoher Turm mit Glockengeschoss aus verblattetem Fachwerk unter Halbwalmdach, im Kern wohl Turm der ortsadeligen Burg, vielleicht 13. Jh. Fachwerkaufbau spätmittelalterlich,
Vermutlich geht die heutige Anlage der Tailfinger Peterskirche aus den aufgehenden und im Boden überlieferten Überresten der ältesten Burg des Ortsadels sowie der zugehörigen Kapelle hervor. Das Kirchenschiff überliefert in den aufgehenden Teilen seiner West- und Südwand den mittelalterlichen Kirchenbau. In seiner heutigen Erscheinung stellt es das Ergebnis mehrerer Umbauten und Erweiterungen dar und ist untrennbar mit der Geschichte und Funktion des mittelalterlichen Turms verbunden. Es überliefert im heutigen Bestand unterschiedliche Bau- und Ausstattungsphasen und macht so das gewandelte Verständnis von Gottesdienst und Kirchenraum vom Mittelalter bis in die Moderne nachvollziehbar. Es dokumentiert die Entwicklung des protestantischen Kirchenbaues ist damit wichtiges Zeugnis der Tailfinger Orts- und Kirchengeschichte. Der freistehende sog Petersturm gehört zu den wenigen unbeschadet aus dem Mittelalter erhaltenen Kirchtürmen im Bereich der Südwestalb und lässt auf exemplarische Weise bis heute den wehrhaften Charakter nachvollziehen, der den mittelalterlichen Sakralbauten dieser Region oft eigen war. Eventuelle handelt es sich im Kern um den Bergfried des Ortsadelssitzes. Das aufgesetzte Fachwerkgeschoss mit seinen altertümlich gedoppelten und verblatteten Fußbändern gibt einen Einblick in die Zimmermannskunst des ausgehenden Mittelalters und gehört inzwischen zu den selten gewordenen Baudetails. Der markante Turm, der seine Form durch Jahrhunderte behalten hat und zum Wahrzeichen des Ortes wurde, ist herausragendes bauliches Zeugnis der Orts- und Kirchengeschichte von Tailfingen. |
113166098 ( | |
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Ev. Pauluskirche | Pfeffinger Straße 1 (Karte) |
Stattliche Saal- und Emporenkirche über annähernd kreuzförmigem Grundriss mit polygonal gestalteter Vorhalle samt Orgelempore im Norden sowie flacher Chornische und hohem Turm unter welscher Haube im Süden, nach Plänen der Stuttgarter Architekten Böklen und Feil erbaut, 1906/07
Die Pauluskirche steht ganz am Rande von Tailfingens ursprünglichem Ortskern. Ihr Bau wurde nötig, weil die alte Peterskirche allein für die seit Mitte des 19. Jahrhunderts stark angewachsene evangelische Gemeinde des aufblühenden Industriedorfs nicht mehr ausreichte. Ihre Fertigstellung kann als glanzvoller architektonischer Höhepunkt auf dem Weg zur Stadtwerdung gelten. Die Stuttgarter Architekten Böklen und Feil, die schon einige anspruchsvolle und vielbewunderte Bauten in der Region geschaffen hatten, standen künstlerisch für die architektonische Neuorientierung, die sich um die Wende vom, 19. zum 20. Jahrhunderte im Gefolge der sogenannten Stilbewegung durchgesetzt hatte. Dazu gehört der weitgehende Verzicht auf die gerade im Kirchenbau bis dahin so beliebte historisierende Formensprache und die Entwicklung eigenständiger Grund- und Aufrisse nach den Bedürfnissen der jeweiligen Bauaufgabe. Bei deutlicher Vermeidung genauer historischer Zitate ist dennoch für eine Betonung des sakralen Charakters gesorgt, indem Anklänge an im Kirchenbau gewohnte Motive hervorgerufen werden - etwa durch die Fenstergruppen in Rundbogenform an den Querhausarmen. Die Pauluskirche ist ein anschauliches Beispiel für die Kirchenbaukunst im frühen 20. Jahrhundert und ein wichtiges Werk im Oeuvre der Architekten Böklen und Feil. |
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| Kath. Gemeindezentrum St. Franziskus | Breslauer Straße 21; Pfeffinger Straße 145 (Karte) |
In den Hang gesetzte Baugruppe aus Kirche mit Vorplatz und darunter liegendem Gemeindesaal, freistehendem Turm, Pfarrhaus mit Innenhof zur Sakristei, Kirchenraum aus ineinander gestellten und gefalteten Betonmauern gebildet, nach Plänen des Architekten Karl Hans Neumann, 1967-69
Der Komplex, der zeittypisch neben der eigentlichen Kirche auch Gemeinde- und weitere Funktionsräume umfasst, gehört zu einer Gruppe von Sakralbauten, die für die späten 1960er-Jahre charakteristisch sind: Den Sichtbeton als plastisch formbares Ausdrucksmittel mit eigener Oberflächenästhetik nutzend, schaffen die in spitzen und stumpfen Winkeln aufeinandertreffenden, ineinander verschachtelten Wandabschnitte einen bergenden Raum, der wie zahlreiche zeitgleiche Kirchen nicht umsonst das Bild eines Zeltes assoziieren lässt. Als Teil eines nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Wohngebietes zeichnet die Anlage die jüngere Ortsgeschichte nach. |
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| Fabrikgebäude | Martin-Luther-Straße 26; Schlosserstraße 8 (Karte) |
Drei- bis viergeschossiges, auf hohem Sockel und über L-förmigem Grundriss errichtetes Gebäude mit stark vertikal gegliederten Fassaden und Eckpavillons, für die Mechanische Trikotwarenfabrik Martin Ammann erbaut, um 1915
Die weitläufige Anlage der Mechanischen Trikotwarenfabrik Martin Ammann gehört zu den großzügigen Fabrikbauten aus den Jahren des zweiten deutschen Kaiserreichs. Unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg sind auch in den Industrieorten auf der Schwäbischen Alb einige architektonisch aufwendige Produktionsstätten entstanden, die eindrucksvoll belegen, welch hohen Stellenwert die Zeitgenossen der Bauaufgabe “Fabrik„ zugemessen haben. Unter ihnen zeichnet sich das mehrgeschossige Gebäude in Tailfingen durch eine besonders kraftvolle vertikale Gliederung aus, deren Hauptcharakteristikum die Verwendung eines traditionsreichen und vor allem bedeutungssteigernden Motivs ist. Es handelt sich dabei um die sogenannte “große„ oder “Kolossalordnung„, womit jene vor allem aus dem Schlossbau oder der Sakralarchitektur bekannte Manier gemeint ist, Fassaden mit Hilfe von besonders hohen, geschossübergreifenden Säulen, Pfeilern oder Pilastern zu gliedern. Der Tailfinger Fabrikbau steht stellvertretend für eine Strömung der Industriearchitektur der Jahre nach 1910 als der Rückgriff auf historische Stilepochen zusammen mit den Bestrebungen des Heimatschutzes und den Forderungen nach funktionalem Bauen eine interessante Symbiose einging. Der architekturgeschichtlich wichtige Bau erinnert zudem an die hohe wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung der Textilindustrie in der Region. |
99468830 | ||
| Ehrenfriedhof mit skulpturengeschmückten Gedächtnismonument für die Tailfinger Gefallenen des Ersten Weltkriegs | Untere Markenhalde (Karte) |
1922, mit individuell gestalteten Grabsteinen dieser Zeit, auf der höchsten Terrasse des Tailfinger Friedhofs
Während des Ersten Weltkrieges wurde auf der höchsten Terrasse des Tailfinger Friedhofs ein Ehrenfriedhof mit ikonographisch sehr interessanten Grabmälern für die Gefallenen eingerichtet. Vor dieser an die Einzelschicksale erinnernden Anlage wurde 1922 nach Entwurf der damals überregional bekannten Stuttgarter Bildhauer Karl Donndorf ein Ehrenmal aufgestellt. Als abschließendes Monument zum Gedächtnis an alle Gefallenen trägt es den gerade für Soldatengräber damals vertrauten Gedanken vom gleichmachenden Tod in die Anlage hinein. So sind auch nicht Soldaten des Ersten Weltkriegs dargestellt, sondern Idealtypen: derartige, bereits aus der griechischen und römischen Antike bekannte Aktfiguren mit Schwert und Helm galten als Verkörperung des zeitlos Heldischen. Der Tailfinger Ehrenfriedhof stellt aufgrund seiner Kombination aus individuellem und allgemeinen Gedenken, sowie wegen der eindrucksvollen bildhauerischen Gestaltung des Ehrenmals und der für die geschichtliche Entwicklung von Gefallenendenkmälern wichtigen Bildersprache an den übrigen Grabsteinen ein bedeutendes Zeugnis der Sepulkralkultur dar. |
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| Wohnhaus | Wagnerstraße 1 (Karte) |
Zweigeschossig mit freiliegendem Fachwerk und Satteldach, das seit dem 18. Jahrhundert weitgehend unveränderte Gebäude ist im Kern wesentlich älter und stammt wohl noch aus der Zeit um 1600
Das hohe Baualter des Hauses kann bereits am altertümlichen Giebelfachwerk abgelesen werden, das durch die gebogenen Dreiviertelstreben beiderseits der Ständer ebenso geprägt wird wie durch die eng beieinanderliegenden Riegel und den Mittelständer im zweiten Giebelgeschoss - Einzelformen, die in dieser Region für die frühe Neuzeit belegt sind. Auch der Dachstuhl, dessen Konstruktion ursprünglich durch eingeblattete Kopfbänder ausgesteift war belegt die vergleichsweiese frühe Entstehung. Zusammen mit den Giebelformen erlaubt die Dachstuhlkonstruktion eine Datierung des Hauses auf die Zeit um und kurz nach 1600. Im übrigen handelt es sich um ein Wohnhaus mit Werkstatt, Stall und Scheuer, das zum letzten Mal wohl noch im 18. Jahrhundert umgebaut wurde. Damit ist das Gebäude einerseits ein sprechendes Zeugnis des älteren Fachwerkbaus auf der Schwäbischen Alb, andererseits als Tailfinger Handwerkerhaus des 18. Jahrhunderts ein anschauliches Zeugnis für die Wohn- und Lebensverhältnisse dieser Einwohnergruppe. |
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Truchtelfingen
| Bild | Bezeichnung | Lage | Datierung | Beschreibung | ID |
|---|---|---|---|---|---|
| Ev. Galluskirche | Konrad-Adenauer-Straße 112 (Karte) |
Saalbau mit eingestellten Emporen und bemalter Kassettendecke; westlicher Einturm, im Kern mittelalterlich, weitgehender Neubau 1732, umgebaut 1940; Friedhof mit Friedhofsmauer samt wiederhergestelltem Spitzbogenportal zur Konrad-Adenauer-Straße
Die Galluskirche Truchtelfingen gehörte früher zum Kloster St. Gallen, das in Truchtelfingen und vielen anderen Orten der Region umfangreiche Besitzungen hatte. Bis zur Reformation hatte das Kloster das Recht, in Truchtelfingen die Pfarrstellen zu besetzen. Die von einem Unwetter stark beschädigte Galluskirche wurde 1732 unter Beibehaltung des gotischen Turmes weitgehend neu errichtet als schlichter Saalbau mit zwölf rechteckigen Fenstern und einer Felderdecke mit Schablonenmalerei. Während sich die Galluskirche am Äußeren als Bau des 18. Jahrhunderts zu erkennen gibt, präsentiert sich das Innere dagegen auf dem Stand des Umbaus 1939/41. Damals entstand auch der bildnerische Schmuck von der Hand des seinerzeit weithin bekannten Bildhauers Schaible aus Herrlingen. Die inmitten des ummauerten Friedhofs auf einer Anhöhe im Dorf stehende Galluskirche ist zentrales bauliches Dokument der Orts- und Kirchengeschichte von Truchtelfingen. |
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| Schulhaus | Konrad-Adenauer-Straße 119 (Karte) |
Zweigeschossiges, auf leicht abfallendem Gelände errichtetes und verputztes Gebäude über hohem Sockel und mit Walmdach, 1871
Der stattliche Bau gehört zu den wenigen gut erhaltenen Volksschulgebäuden, die bereits vom Beginn der 1870er-Jahre stammen, als der Schulhausbau abseits von großen Städten noch ein seltenes Ereignis war. Ursprünglich waren in dem Gebäude neben zwei Schulsälen und Lehrerwohnungen auch noch Stall und Scheuer für die Nebenerwerbslandwirtschaft des Lehrers untergebracht. Sie mussten bis 1908 dem steigenden Raumbedarf für die stetig wachsende Schülerzahl weichen. Durch die zurückhaltend aber nobel gestaltete Fassade mit ihrer feinen Putznutung im Erdgeschoss, dem pilastergerahmten Hauptportal mit der Inschrift „Schulhaus“ im Türsturz sowie durch die vergleichsweise aufwendige Horizontalgliederung mit Stockwerksgesims und einem abschließenden Konsolgesims unter der Traufe wird deutlich zum Ausdruck gebracht, welch hohen Stellenwert die Zeitgenossen dem Schulunterricht und damit der Bauaufgabe „Schule“ zumaßen, zumal in kleinen und mittleren Gemeinden das Schulhaus oft seit Jahrzehnten und für viele weitere Jahre der einzige wichtige öffentliche Bau war, dessen Ausgestaltung - so wie hier - häufig zur Selbstdarstellung der Gemeinde diente. Das Schulhaus hat als wichtiger Ort im Gemeindeleben hohe Bedeutung für die Ortsgeschichte von Truchtelfingen und ist zugleich ein anschauliches Beispiel für die in Grund- und Aufriss klar gegliederten Schulbauten der 1870er-Jahre. |
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| Laufbrunnen mit langgestrecktem eisernem Brunnentrog mit Resten von Schmuckkartuschen auf den Außenwänden | Mühlbachstraße 14 (Karte) |
Dazu ein eiserner Brunnenstock mit Kanneluren und Bekrönung in Form eines stilisierten Tannen- oder Pinienzapfens, 1868 (i)
Der Brunnen erinnert an die Zeit, als es noch keine Wasserleitungsanschlüsse in den einzelnen Häusern gab. Die alten steinernen oder hölzernen Brunnen wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vielfach durch industriell in Serie gefertigte Exemplare ersetzt. Dabei befriedigte der reich geschmückte Brunnenstock das Schmuck- und Repräsentationsbedürfnis der Gemeinde auf wirkungsvolle und, da es sich um industrielle Massenproduktion handelte, kostengünstige Weise. Weitere Vorteile waren die Größe des Troges, die ein reibungsloses Wasserschöpfen von vielen Benutzern gleichzeitig ermöglicht und der bequeme, breite Rand zum Absetzen der Wassereimer. Der Brunnen ist damit Zeugnis zur Entwicklungsgeschichte der Wasserversorgung von Truchtelfingen und gleichzeitig ein inzwischen selten gewordenes Beispiel für einen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bedeutenden Produktbereich der Eisenindustrie. |
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| Zehntscheune (heute Feuerwehrhaus) | Pfarrhausstraße 3 (Karte) |
Zweigeschossiges, traufständiges und verputztes ehemaliges Lagerhaus mit freiliegendem Fachwerk an der Ostfassade, Aufzugsluke mit Rollbalken im Giebel und nach Osten abgewalmtem Satteldach, 18. Jahrhundert
Das langgestreckte, stattliche Gebäude fällt schon durch seine Größe aus dem für Truchtelfinger Bauernhäuser üblichen Rahmen. Es handelt sich hier um einen der wenigen von der weltlichen Obrigkeit errichteten Bauten des Dorfes, die Zehntscheune, in der die von den Bauern zu leistenden Naturalabgaben gelagert wurden. Der liegende verzapfte Dachstuhl verweist, zusammen mit dem konstruktiven Giebelfachwerk, auf eine Entstehungszeit im ausgehenden 18. Jahrhundert. Die ehemalige Zehntscheune ist ein für die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte von Truchtelfingen wichtiger Ort und als relativ anschaulich erhaltenes Beispiel für ein Lagerhaus aus vorindustrieller Zeit von architekturgeschichtlicher Bedeutung. |
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| Pfarrhaus | Pfarrhausstraße 9 (Karte) |
Zweigeschossiges, giebelständiges Gebäude mit verputztem Erdgeschoss, Krüppelwalmdach und freiliegendem Fachwerk in Obergeschoss und Giebel, 1832
Das in Sichtweite der Kirche und unmittelbar neben dem Mühlbach stehende ehemalige Pfarrhaus gehört zum älteren Baubestand aus Truchtelfingens vorindustrieller Zeit. Ursprünglich wohl verputzt, weist es ein relativ einfaches, rein konstruktives Fachwerk mit wandhohen Diagonalstreben auf, wie es für die Bauzeit in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu erwarten ist. Über der Haustür hat sich als besonders anschauliches Zeugnis für die Baupflichten jener Tage die Plakette mit dem württembergischen Wappen erhalten, die das Pfarrhaus einst als vom Staat unterhaltenes Gebäude auswies. Eine Gedenktafel erinnert an den expressionistischen Dramatiker und Träger des Kleistpreises Hermann Essig (1878 bis 1918), der in diesem Haus geboren wurde. Als charakteristisches Beispiel für den württembergischen Pfarrhausbau in der Biedermeierzeit und als Geburtsort eines seinerzeit weit überregional bedeutenden Dichters ist das ehemalige Truchtelfinger Pfarrhaus von architektur- und ortsgeschichtlicher Bedeutung. |
99478506 | ||
| Laufbrunnen | Talgangstraße 21 (Karte) |
„Steigbrunnen“, mit langgestrecktem eisernem Brunnentrog, dazu ein Brunnenstock aus demselben Material mit hochrechteckiger Feldergliederung und kleinteiliger Bekrönung in Form eines stilisierten Pinienzapfens, 2. Hälfte 19. Jahrhundert
Der geräumige Brunnen erinnert an die Zeit, als es noch keine Wasserleitungsanschlüsse in den einzelnen Häusern gab, die Wasserzufuhr aber schon besser geregelt war als in den voraufgegangenen Jahrhunderten. Vor allem die alten steinernen oder hölzernen Brunnen wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vielfach durch industriell in Serie gefertigte Exemplare ersetzt. Dabei befriedigte der reich geschmückte Brunnenstock das Schmuck- und Repräsentationsbedürfnis der Gemeinde auf wirkungsvolle und, da es sich um industrielle Massenproduktion handelte, kostengünstige Weise. Der Brunnen ist damit Zeugnis zur Entwicklungsgeschichte der Wasserversorgung von Truchtelfinen und gleichzeitig ein inzwischen selten gewordenes Beispiel für einen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bedeutenden Produktbereich der Eisenindustrie. |
99478560 |
Weblinks
- Kulturdenkmale der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg. Geoportal Baden-Württemberg, abgerufen am 10. September 2025.
Anmerkungen
- Diese Liste entspricht möglicherweise nicht dem aktuellen Stand der offiziellen Denkmalliste. Diese kann über die zuständigen Behörden eingesehen werden. Daher garantiert das Vorhandensein oder Fehlen eines Bauwerks oder Ensembles in dieser Liste nicht, dass es zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein eingetragenes Denkmal ist oder nicht. Eine verbindliche Auskunft erteilt das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg.