Liste der Kulturdenkmale in Orsingen-Nenzingen

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In der Liste der Kulturdenkmale in Orsingen-Nenzingen sind die Kulturdenkmale der Gemeinde Orsingen-Nenzingen im Landkreis Konstanz in Baden-Württemberg aufgelistet.

Legende

Die ab Oktober 2025 erstellten Tabellen basieren auf den vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg im September 2025 veröffentlichten Geodaten. Lizenzhinweis: dl-de/by-2-0 (https://www.govdata.de/dl-de/by-2-0): Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, www.denkmalpflege-bw.de. Die Adressangaben und Bezeichnungen sind in der dargestellten Form nicht Teil der Ausgangsdaten. Die Adressen wurden automatisch aus den Koordinaten berechnet und können von den korrekten Adressen abweichen. Die Bezeichnungen wurden zunächst automatisiert dem Anfang der vom Landesamt für Denkmalpflege bereitgestellten Objektbeschreibungen entnommen.

  • Bild: Zeigt ein ausgewähltes Bild des Objekts, „Weitere Bilder“ verweist auf die zugehörige Kategorie im Medienarchiv Wikimedia Commons. In der Kartenansicht sind Kulturdenkmale ohne Bild an einem blauen Marker erkennbar. Auf das Kamerasymbol klicken, um weitere Fotos für diese Liste hochzuladen: Datei hochladen
  • Bezeichnung: Nennt den Namen, die Bezeichnung oder die Art des Kulturdenkmals.
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  • Datierung: Baubeginn, Fertigstellung, Datum der Erstnennung oder grobe zeitliche Einordnung entsprechend dem Eintrag in der zugrundeliegenden Denkmaldatenbank des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg.
  • Beschreibung: Kurzcharakteristik des Kulturdenkmals, Nennung der geschützten Bestandteile und Begründung der Denkmaleigenschaft. Die Paragraphen § 2, § 12, § 19 oder § 28 verweisen auf die Art der Einstufung gemäß baden-württembergischem Denkmalschutzgesetz.
  • ID: Identifikator des Objekts in der zugrundeliegenden Datenbank des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg

Abkürzungen

Kulturdenkmale nach Ortsteilen

Nenzingen

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Bild Bezeichnung Lage Datierung Beschreibung ID
Quereinhaus mit zweigeschossigem Wohnteil Braunenberger Straße 1
(Karte)
Satteldach mit Aufschiebling, Wohnteil mit massivem verputztem Erdgeschoss, darüber Fachwerk mit Zierelementen, traufseitige Erschließung, 18. Jahrhundert

Das Gebäude dokumentiert die von der Landwirtschaft geprägte vormoderne Siedlungsstruktur Nenzingens. Es vertritt als Quereinhaus mit zweigeschossigem Wohnteil einen für die Region charakteristischen Bauernhaustypus, der Wohnen und Wirtschaften unter einem Dach vereinigt, und zeigt ein für die Entstehungszeit und Region typisches Sichtfachwerk. Das Gebäude veranschaulicht frühneuzeitliche Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Landbevölkerung und ist ein hauskundlich interessantes Zeugnis der Ortsbaugeschichte.

97029036BW
Wegkreuz. Sandstein Braunenberger Straße 17
(Karte)
Korpus in Metallguss, 1921 (i)

Das Wegkreuz ist anschauliches Zeugnis einer gelebten und bildlich zum Ausdruck gebrachten Religiosität. Es ist charakteristisches Element in der mit solchen kleinen Andachtsstätten besetzten Kulturlandschaft der katholisch geprägten Region. Der gusseiserne Korpus zeugt dabei von der seriellen Herstellung solch sakraler Kunstobjekte im Zeitalter der Hochindustrialisierung.

97029035BW
Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs Braunenberger Straße 44
(Karte)
Granitkreuz mit Metallkorpus über hohem Postament mit Inschriftplatte, davor todwunder Soldat, wohl Galvanoplastik, davor und weitere Schrifttafel mit den Namen der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs, errichtet durch die Gemeinde Nenzingen, 1924 (a), erweitert nach 1945

Das von der Gemeinde 1924 errichtete Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs (1914-1918) in Nenzingen zählt zu den künstlerisch anspruchsvolleren Denkmalen dieser Art in der Region und ist - wie für katholische Gegenden in der Regel üblich - weniger dem heroischen Soldatentod, als vielmehr der Hoffnung auf die Auferstehung gewidmet. So schaut der sterbende Soldat zu Füßen des Kreuzes empor zum geneigten Haupt Jesu, in dem er die Verheißung auf das ewige Leben und die Liebe Gottes erblickt - christliche Sinnstiftung für die Sinnlosigkeit des Sterbens im Ersten Weltkrieg. Nach 1945 wurde das Denkmal um weitere Inschriftplatten erweitert. Das Denkmal ist damit ein anschauliches Zeugnis der Ortsgeschichte sowie der lokalen Erinnerung an zwei Ereignisse von welthistorischer Bedeutung mit unmittelbarem Einfluss auf die Einwohnerschaft der kleinen badischen Landgemeinde.

97029041BW
Wegkreuz beim Häuserlehof Dürrenast 14
(Karte)
Sandstein, Korpus aus Metallguss, 1902 (i)

Das Wegkreuz ist anschauliches Zeugnis einer gelebten und bildlich zum Ausdruck gebrachten Religiosität. Es ist charakteristisches Element in der mit solchen kleinen Andachtsstätten besetzten Kulturlandschaft der katholisch geprägten Region. Der gusseiserne Korpus zeugt dabei von der seriellen Herstellung solch sakraler Kunstobjekte im Zeitalter der Hochindustrialisierung.

97029054BW
Quereinhaus Friedhofstraße 1
(Karte)
Später zeitweilig Schwesternhaus, Fachwerk- und Massivbau unter Satteldach mit Aufschiebling, zweigeschossiger Wohnteil, traufseitige Erschließung, 18. Jahrhundert

Das Gebäude dokumentiert die von der Landwirtschaft geprägte vormoderne Siedlungsstruktur Nenzingens. Es vertritt als Quereinhaus mit zweigeschossigem Wohnteil einen für die Region charakteristischen Bauernhaustypus, der Wohnen und Wirtschaften unter einem Dach vereinigt. Es zeigt ein für die Gegend und Entstehungszeit typisches Sichtfachwerk. Das Gebäude veranschaulicht frühneuzeitliche Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Landbevölkerung und ist ein hauskundlich interessantes Zeugnis der Ortsbaugeschichte, das als zeitweiliges Schwesternwohnhaus auch orts- und kirchengeschichtliche Bedeutung hat.

97029037BW
Quereinhaus Orsinger Straße 2
(Karte)
Teilverputzter Fachwerkbau mit zweigeschossigem Wohnteil, Satteldach mit Aufschiebling und beschnitzten Ortgangbrettern, beschnitzte Eckständer, traufseitige Erschließung, spätes 17./frühes 18. Jahrhundert

Das Gebäude dokumentiert die von der Landwirtschaft geprägte vormoderne Siedlungsstruktur Nenzingens. Es vertritt als Quereinhaus mit zweigeschossigem Wohnteil einen für die Region charakteristischen Bauernhaustypus, der Wohnen und Wirtschaften unter einem Dach vereinigt. Das Gebäude zeigt ein für die Region und Entstehungszeit typisches Sichtfachwerk, das später weitgehend verputzt wurde. Es veranschaulicht frühneuzeitliche Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Landbevölkerung und ist ein hauskundlich interessantes Zeugnis der Ortsbaugeschichte.

97029039BW
Quereinhaus Orsinger Straße 3
(Karte)
Fachwerkbau mit zweigeschossigem Wohnteil, Satteldach mit Aufschiebling, traufseitige Erschließung, 18. Jahrhundert

Das Gebäude dokumentiert die von der Landwirtschaft geprägte vormoderne Siedlungsstruktur Nenzingens. Es vertritt als Quereinhaus mit zweigeschossigem Wohnteil einen für die Region charakteristischen Bauernhaustypus, der Wohnen und Wirtschaften unter einem Dach vereinigt. Das Gebäude zeigt ein für die Gegend und Zeitstellung typisches Fachwerk. Es veranschaulicht frühneuzeitliche Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Landbevölkerung und ist ein hauskundlich interessantes Zeugnis der Ortsbaugeschichte.

97029040BW
Laufbrunnen Orsinger Straße
(Karte)
Länglicher Brunnentrog mit profiliertem Rand sowie abgeschrägten Ecken, 1902 (i); (Brunnenstock neu)

Der Laufbrunnen gehört zu einer ganzen Reihe in ihrer Form, Materialität und Gestaltung ähnlicher Brunnenanlagen am Ort bzw. in der Region und dokumentiert die teils serielle Herstellung solcher Objekte im Zeitalter der Hochindustrialisierung. Er ist Zeugnis der historischen Wasserversorgung Nenzingens.

97029042BW
Quereinhaus Schwarzwaldstraße 11
(Karte)
Unterkellerter verputzter Fachwerkbau mit zweigeschossigem Wohnteil, Satteldach mit Aufschiebling und einseitigem Halwbwalm, um 1800, nachträglich um einen schmaleren Ökonomieteil nach rückwärts erweitert

Das Gebäude dokumentiert die von der Landwirtschaft geprägte vormoderne Siedlungsstruktur Nenzingens. Es vertritt als Quereinhaus mit zweigeschossigem Wohnteil einen für die Region charakteristischen Bauernhaustypus, der Wohnen und Wirtschaften unter einem Dach vereinigt. Das Gebäude veranschaulicht frühneuzeitliche Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Landbevölkerung und ist ein hauskundlich interessantes Zeugnis der Ortsbaugeschichte.

97029044BW
Gasthaus zur Rose Schwarzwaldstraße 24
(Karte)
Giebelständiges, zweigeschossiges verputztes Fachwerkgebäude unter Satteldach, der Giebelseite bis zum ersten Obergeschoss massiv vorgemauert, giebelseitige Erschließung, 18. Jahrhundert

Das Gebäude entstand an Stelle einer hier bis 1727 befindlichen Kapelle. Es erhebt sich in markanter und prominenter Ecklage im alten Nenzinger Ortskern und damit an einem für historische Gasthäuser typischen Standort. Das einstige Gasthaus zur Rose ist wichtiges Zeugnis der Bau- sowie der Orts- und Wirtschaftsgeschichte Nenzingens.

97029045BW
Laufbrunnen Stockacher Straße
(Karte)
Längliche Viehtränke mit abgeschrägten Ecken und profiliertem Rand, pfeilerförmiger Brunnenstock aus Sandstein, darauf Statue des hl. Josef mit Kind, 1898 (i)

Der Laufbrunnen gehört zu einer ganzen Reihe in ihrer Form, Materialität und Gestaltung ähnlicher Brunnenanlagen am Ort bzw. in der Region und dokumentiert die teils serielle Herstellung solcher Objekte im Zeitalter der Hochindustrialisierung. Er ist Zeugnis der historischen Wasserversorgung. Deutlicher Verweis auf die katholische Prägung des Dorfes ist die der hl. Josef mit Christuskind, ein typischer Bauernheiliger. Die Skulptur dokumentiert die religiöse Bildhauerkunst des späten Historismus in der Region.

97029050BW
Quereinhaus Stockacher Straße 29
(Karte)
Langgestreckter Bau mit zweigeschossigem Wohnteil, Satteldach mit Aufschiebling, giebelseitig über Flugsparren vorkragend, weitgehend Sichtfachwerk mit einzelnen Zierelementen, Erdgeschoss teils massiv und verputzt, traufseitige Erschließung, bezeichnet über Scheunentor, 1708

Das stattliche Gebäude dokumentiert die von der Landwirtschaft geprägte vormoderne Siedlungsstruktur Nenzingens. Es vertritt als Quereinhaus mit zweigeschossigem Wohnteil einen für die Region charakteristischen Bauernhaustypus, der Wohnen und Wirtschaften unter einem Dach vereinigt. Das Gebäude zeigt ein für die Entstehungszeit typisches Fachwerk und zählt zu den ältesten datierten Bauernhäusern am Ort. Es veranschaulicht frühneuzeitliche Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Landbevölkerung und ist ein hauskundlich interessantes Zeugnis der Ortsbaugeschichte.

97029049BW

Weitere Bilder
Kath. Pfarrkirche St. Ulrich. Saalkirche mit Dachreiter Stockacher Straße 31
(Karte)
Tonnengewölbt, eingezogener 3/8-Chor mit Kreuzgratgewölbe; mit Ausstattung verschiedener Epochen; im Innern die ursprüngliche barockzeitliche Prägung von Raum und Ausstattung, insbesondere mit Hochaltar, Statuen der Hll. Rochus und Wendelin von Joseph Anton Feuchtmayer 1748 (ehemals in der Martinskapelle), Seitenaltären und Kanzel, bei allen jüngeren Veränderungen (wie neubarocke Deckengemälde von dem Konstanzer Maler Kollek 1906, künstlerische Neugestaltung inclusive modernen Farbglasfenstern durch Helmut Lutz aus Breisach 1973), maßgeblich geblieben; anstelle einer 1418 erstmals genannten Kapelle, vermutlich nach Plänen des Maurermeisters Franz Jochum durch Maurermeister Johann Weber 1719-1722 (a) neu errichtet und von dem Konstanzer Weihbischof Franz Johann Anton von Sirgenstein am 14.10.1723 (a) eingeweiht, urspr. Filialkirche von Eigeltingen, seit 1796 eigenständige Pfarrkirche, der über dem Westgiebel aufgesetzte Dachturm 1850-1852 (a), südlicher Erweiterungsbau des Kirchenschiffs 1973 (a)

Die katholische Pfarrkirche setzt den zentralen baulichen Akzent im Nenzinger Ortsbild. Sie stellt in ihrer heutigen Form einen barocken Neubau aus dem 1. Viertel des 18. Jahrhunderts dar, der einen mittelalterlichen, erstmals 1418 belegten Vorgänger ersetzte. Ursprünglich war Nenzingen Filial von Eigeltingen. Nach langen Bemühungen wurde die Kirche im späteren 18. Jahrhundert endlich Mittelpunkt einer eigenen Pfarrei, als die Nenzingen 1782 erstmals sicher belegt ist. Mit seiner Grundform ist der Sakralbau charakteristisch für größere Kapellenbauten. So fehlte ihm ursprünglich der für Pfarrkirchen obligatorische Turm, der erst in Form eines Dachturms 1850-1862 aufgesetzt wurde. Die Pläne zur Kirche stammen von dem Vorarlberger Franz Jochum, einem nicht unbedeutenden Baumeister in Schwaben. Das Innere zeigt noch die ursprüngliche barockzeitliche Prägung mit einer teils sehr qualitätvollen Ausstattung, u. a. Heiligenfiguren des berühmten Bildhauers und Stuckators Joseph Anton Feuchtmayer (1696-1770). Die Deckengemälde sind hingegen neubarock und datieren erst auf 1906. St. Ulrich ist damit ein wichtiges Zeugnis einer gelebten und baulich wie bildlich zum Ausdruck gebrachten katholischen Frömmigkeit durch die Jahrhunderte und nicht zuletzt das zentrale Zeugnis der Orts- und Kirchengeschichte Nenzingens.

97029048
( Wikidata)
Querienhaus Stockacher Straße 34
(Karte)
Evtl. Rebbauernhaus, Vorderteil eines Doppelanwesens, giebelständiger verputzter Fachwerkbau mit zweigeschossigem Wohnteil, Satteldach mit Aufschiebling, massiver Kellersockel, straßenseitig starke Vorkragung im 1. Obergeschoss, traufseitige Erschließung über kleine Freitreppe, 18. Jahrhundert

Das Gebäude, wohl urspürünglich ein Rebbauernhaus, dokumentiert die von der Landwirtschaft geprägte vormoderne Siedlungsstruktur Nenzingens. Es vertritt als Quereinhaus mit zweigeschossigem Wohnteil einen für die Region charakteristischen Bauernhaustypus, der Wohnen und Wirtschaften unter einem Dach vereinigt. Das Gebäude veranschaulicht frühneuzeitliche Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Landbevölkerung und ist ein hauskundlich interessantes Zeugnis der Ortsbaugeschichte.

97029052BW
Ausgedinge oder Wohnspeicher Stockacher Straße 49
(Karte)
Giebelständiger zweigeschossiger Fachwerkbau, Satteldach mit kräftigem Aufschiebling, giebelseitig über Streben und Pfettenköpfen mit Zierbrettchen stark vorkragend, Fachwerkzierformen wie geschweifte, genaste Andreaskreuze sowie Eckpfosten mit gedrehten Stäben, traufseitige Erschließung, u. a. über kleine Laube, 18. Jahrhundert

Das kleine Gebäude zählt aufgrund seiner Zierformen zu den qualitätvollsten Beispielen des regionalen Fachwerkbaus in der Barockzeit in Nenzingen. Es diente vermutlich als Ausgedinge, d. h. als Altenteil für einen Altbauern und seine Frau nach Überlassung des Hofes an die Nachkommen. Das kleine Gebäude veranschaulicht frühneuzeitliche Wohn- und Lebensverhältnisse und ist ein hauskundlich bemerkenswertes Zeugnis der Ortsbaugeschichte. Charakteristisch für die Gegend ist der weite giebelseitige Dachüberstand.

97029053BW
Wallfahrtskapelle St. Martin in den Widen Stockacher Straße 66
(Karte)
Saalbau mit eingezogenem, polygonal geschlossenem Chor gleicher Firsthöhe, auf dem Chordach Haubendachreiter; zugehörig die hervorragende barocke Ausstattung, wie insbesondere der Haupt- und die Seitenältäre das Altarblatt 1738 von Joseph Ignaz Wegscheider, Riedlingen, sowie die seit 1960 in der Pfarrkirche St. Ulrich aufgestellten Skulpturen der Heiligen Rochus und Wendelin 1748 von Joseph Anton Feuchtmayer; eine Martinskapelle erstmals 1275 erwähnt, die heutige Kapelle nach Plänen von Meister Franz Jochum aus Schröcken bei Tannberg, 1716 (a), die barocke Ausstattung entstand sukzessive in den 1730er- und 1740er-Jahren

Die Kapelle St. Martin in den Widen (also in den Weiden bzw. Wiesen) ist ein charakteristisches Beispiel für eine barocke Wallfahrtskirche auf freiem Feld in einiger Entfernung zum Ort. Sie prägt wesentlich das Bild der Kulturlandschaft. Das Gotteshaus geht zurück auf einen mittelalterlichen, erstmals 1275 belegten Vorgänger, der 1570 sogar als Pfarrkirche bezeichnet wird. Der bestehende Bau ist ein Werk des Vorarlberger Baumeister Franz Jochum, der aus einer weiter verzweigten, für Oberschwaben wichtigen Baumeisterfamilie stammt. Das Innere besticht durch eine teils hochqualitative Ausstattung mit Skulpturen des berühmten Stuckators und Bildhauers Joseph Anton Feuchtmayer (1696-1770) an den Seitenaltären und Altarbildern des Riedlinger Malers Joseph Ignaz Wegscheider (1704-1758). Die Glocke im Dachreiter wurde 1216 auf der Reichenau gegossen und zählt damit zu den ältesten überlieferten Kirchenglocken überhaupt in Südwestdeutschland. Die Kapelle ist mit ihrer Ausstattung ein herausragendes Zeugnis barocker Wallfahrtskultur im Hegau und von zentraler kirchen- und regionalgeschichtlicher Bedeutung.

97029056BW
Wegkreuz aus Buntsandstein Seges
(Karte)
Korpus in Metallguss, in Sockelnische Marienstatuette, 1896 (i); zugehörig zeitgleiche schmiedeeiserne Umzäunung

Das Wegkreuz ist anschauliches Zeugnis einer gelebten und bildlich zum Ausdruck gebrachten Religiosität. Es ist charakteristisches Element in der mit solchen kleinen Andachtsstätten besetzten Kulturlandschaft der katholisch geprägten Region. Der gusseiserne Korpus zeugt dabei von der seriellen Herstellung solch sakraler Kunstobjekte im Zeitalter der Hochindustrialisierung.

101278911BW
Gasthaus Zollbruck Zollbruck 4
(Karte)
Traufständiger, zweigeschossiger Bau, Satteldach mit Aufschiebling, massives verputztes Erdgeschoss, darüber Sichtfachwerk mit Zierelementen, u. a. Rauten, geschweifte Andreaskreuze, mit gedrehten Stäben beschnitzte Eckpfosten, räckseitig winllefömriger Anbau aus Fachwerk mit Mansardgiebeldach, 18. Jahrhundert, Anbau 19. Jahrhundert; am Hang Keller aus Bruchstein, wohl Bierkeller

Bei dem stattlichen Gebäude dürfte es sich um die einstige Zollstation handeln, welche hier im 18. Jahrhundert eingerichtet wurde und nach der der Weiler Zollbruck genannt wird. Wahrscheinlich befand sich auch damals bereits an diesem Platz auch ein Gasthaus. Das Gebäude datiert in die Barockepoche, ins 18. Jahrhundert, und zeigt für die Entstehungszeit charakteristische Fachwerkzierformen. Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude erweitert. In diese Zeit dürfte auch der zugehörige Keller im Hang gehören, der wohl in der üblichen Weise als Bierkeller rund damit der kühlen Lagerung der Getränke gedient hat. Das Anwesen ist Zeugnis der Orts-, Bau- und Siedlungsgeschichte Zollbrucks.

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Laufbrunnen Zollbruck 9
(Karte)
Längliche Viehtränke mit abgeschrägten Ecken und Wulstrand, pfeilerförmiger Brunnenstock aus Sandstein, 1893 (i)

Der Laufbrunnen gehört zu einer ganzen Reihe in ihrer Form, Materialität und Gestaltung ähnlicher Brunnenanlagen am Ort bzw. in der Region und dokumentiert die teils serielle Herstellung solcher Objekte im Zeitalter der Hochindustrialisierung. Er ist Zeugnis der historischen Wasserversorgung.

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Wegkreuz Zum Hölderle 19
(Karte)
Sandstein, Korpus Metallguss, 1901 (i)

Das Wegkreuz vertritt einen in der Region mehrfach vertretenen Typus mit Kreuzenden in Kleeblattform. Es ist anschauliches Zeugnis einer gelebten und bildlich zum Ausdruck gebrachten Religiosität und charakteristisches Element in der mit solchen kleinen Andachtsstätten besetzten Kulturlandschaft der katholisch geprägten Region. Der gusseiserne Korpus zeugt dabei von der seriellen Herstellung solch sakraler Kunstobjekte im Zeitalter der Hochindustrialisierung.

97029055BW
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Orsingen

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Bild Bezeichnung Lage Datierung Beschreibung ID
Laufbrunnen Hans-Werner-Weg 6
(Karte)
Längliche Viehtränke, Sandstein, und gusseiserner Brunnenstock, 1890 (i)

Der Laufbrunnen gehört zu einer ganzen Reihe in ihrer Form, Materialität und Gestaltung ähnlicher Brunnenanlagen am Ort bzw. in der Region und dokumentiert die teils serielle Herstellung solcher Objekte im Zeitalter der Hochindustrialisierung. Er ist Zeugnis der historischen Wasserversorgung Orsingens.

97029061BW
Wirtschaft Kranz Hauptstraße 1
(Karte)
Stattliches zweistöckiges Wohnhaus in Holzfachwerk mit über Walmdach, das über profilierter Traufleiste vorkragt, über Freitreppe korbbogiges Eingangsportal mit zweiflügliger barocker Tür und Oberlicht; errichtet von den Wirtsleuten Johann Baptist Schilling und Maria geb. Grundlerin, 1804 (Initialen und Jahreszahl am Türstürz), unsicher, ob als Wohnhaus mit Realbuschwirtschaftsgerechtigkeit errichtet; Nutzung als Wirtschaft zum Kranz überliefert für die Jahre 1847-1883

Das stattliche freistehende Gebäude unterscheidet sich durch seien Kubatur und das Fehlen des Ökonomieteiles von den sonst üblichen bäuerlichen Wohnbauten am Ort und ist somit als Sonderbau gekennzeichnet. Es ist anzunehmen, dass es von Anfang an auch als Gasthaus konzipiert war. Das Haus zeigt ein für die Entstehungszeit charakteristisches Sichtfachwerk, das noch ganz in barockzeitlicher Tradition steht. Besonders bemerkenswert ist die bauzeitliche, aufwendig gestaltete Türe. Das Gebäude, das mit seiner Kubatur Amts- und Pfarrhäusern des 18. Jahrhunderts ähnelt, ist wichtiges Zeugnis der Bau-, Orts- und Wirtschaftsgeschichte Orsingens am Ausgang der Frühen Neuzeit.

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Kriegerdenkmal für den Deutsch-französischen Krieg 1870/71 in Form eines Zippus als Träger der Büste von Kaiser Wilhelm I. Hauptstraße 4 a
(Karte)
Auf spitzbogiger Inschrifttafel die Namen der Kriegsteilnehmer, gesetzt zur Sieges- und Friedensfeier am 23. April 1871

In vielen badischen Gemeinden wurden zu Ende des 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts von Veteranenvereinen und den Kommunen Ehrenmäler aufgestellt, welche der Teilnehmer des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 gedenken. Dabei wurde nicht nur der Gefallenen gedacht, sondern aller Soldaten aus der jeweiligen Gemeinde. So auch in Orsingen, wo die zum Zeitpunkt der Denkmalsetzung bereits verstorbenen Teilnehmer (darunter wohl auch im Krieg Gefallene) durch ein kleines Kreuz gekennzeichnet sind. Diese Denkmäler sind auch Erinnerung an die Reichseinigung unter preußischer Führung und stellen dabei den badischen Anteil heraus. Verweis auf die Reichseinigung unter preußischer Führung ist die Büste des ersten preußisch-deutschen Kaisers aus dem Haus Hohenzollern, Wilhelm I., seinerzeit in Anlehnung an den mittelalterlichen Friedrich Barbarossa mitunter als „Barbablanca“ bezeichnet. Das Denkmal ist daher ein wichtiges und charakteristisches Zeugnis des Nationalpatriotismus wie auch der Monarchenverehrung im Kaiserreich und hat ortsgeschichtliche Bedeutung.

97029065BW
Rathaus Hauptstraße 8; Torkelplatz 2
(Karte)
Zweigeschossiger verputzter Massivbau, Waldmach mit Glockenreiter, symmetrisch gegliedert mit doppelläufiger Freitreppe, 1951 (i), eingeweiht am 1. Mai 1952 (a); dahinter ehemaliger Farrenstall, zweigeschossiger verputzter Massivbau mit einseitig über Streben vorkragendem Satteldach, verbretterter Giebel, späteres 19. Jahrhundert

Ratshaus und einstiger Farrenstall (letzterer heute Sitz des örtlichen Fasnetsvereins) dokumentieren zwei wichtige kommunale Bauaufgaben und das bürgerliche Verwaltungszentrum Orsingens. Das Rathaus ist mit seiner Kubatur und Gestaltung ein anschauliches und charakteristisches Beispiel für den Heimatstil bzw. das konservative Bauen, das sich in ländlichen Regionen bis in die späteren 1950er-Jahre hinein hielt und hier die Architektur der Nachkriegszeit prägt. Dabei wurde nahtlos an Formen der Zwischenkriegszeit angeknüpft. Mit seiner Kubatur steht das Rathaus dabei auch in der Tradition barockzeitlicher und klassizistischer Amts-, Schul- und Pfarrhäuser. Der Farrenstall diente einst der Unterstellung der männlichen Zuchtbullen für das Dorf, eine typische Einrichtung der Landgemeinden. Beiden Gebäude sind wichtige Zeugnisse der Bau- und Ortsgeschichte Orsingens.

97029063BW
Wolfshof Hauptstraße 10
(Karte)
Quereinhaus, langgestreckter verputzter Massivbau, Satteldach mit Aufschiebling, am Ökonomieteil mit weiter traufseitiger Vorkragung über Streben, zweigeschossiger Wohnteil mit traufseitiger Erschließung, Ökonomieteil mit zwei Tennen, Tore mit Sonnenmotiven, quer gestellter Stallanbau mit Fachwerkobergeschoss, 18. Jahrhundert, Wiederaufbau nach Brand um 1935

Das stattliche Gebäude dokumentiert die von der Landwirtschaft geprägte vormoderne Siedlungsstruktur Orsingens. Es vertritt als Quereinhaus mit zweigeschossigem Wohnteil einen für die Region charakteristischen Bauernhaustypus, der Wohnen und Wirtschaften unter einem Dach vereinigt. Das Gebäude veranschaulicht historische Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Landbevölkerung und ist ein hauskundlich interessantes Zeugnis der Ortsbaugeschichte.

97029066BW
Streckgehöft Hauptstraße 21
(Karte)
Bestehend aus: Wohnteil, zweigeschossiger verputzter Bau, Satteldach mit Aufschiebling, giebelseitig mit starker Vorkragung über Freigespärre bzw. beschnitzten Pfettenköpfen, massives Erdgeschoss, darüber Fachwerk, giebelseitiug Wand Bild mit hl. Christopherus, wohl 1952, traufseitige Erschließung; Ökonomieteil, verputzter Fachwerkbau mit Satteldach, 1752 (nach moderner Inschrift), Umbauten 19. Jahrhundert und 1952 (i)

Das Streckgehöft dokumentiert die von der Landwirtschaft geprägte vormoderne Siedlungsstruktur Orsingens. Es veranschaulicht historische Wohn- und Lebensverhältnisse und ist ein hauskundlich interessantes Zeugnis der Ortsbau- und Siedlungsgeschichte. Charakteristisch für viele bäuerliche Anwesen der Region ist das giebelseitig stark vorkragende Satteldach des Wohnteils.

97029067BW
Gasthof Hecht Hauptstraße 12
(Karte)
Bestehend aus Gasthaus und Brauhaus. Das zweigeschossige Gasthaus mit Satteldach giebelständig zur Fernverkehrsstraße Ulm - Meßkirch - Stockach - Singen - Schaffhausesn - Zürich errichtet errichtet, leicht vorstehender späthistoristischer Ziergiebel über Wetterdach; ältester Gasthof Orsingens, schon 1497 als „Tavern“ genannt, der heutige Baubestand im Wesentlichen 18. Jahrhundert und aus der Zeit eines Umbaus um 1900; das Brauhaus, ein eingeschossiger Massivbau mit Krüppelwalmdach und hohen Rundbogenfenster, errichtet um 1850

Das Gasthof Hecht wird bereits 1497 als „Tavern“ genannt und ist damit das älteste Wirtshaus am Ort. Der heutige Baubestand reicht allerdings nicht gar so weit zurück, sondern im Wesentlichen ins 18. Jahrhunderts bzw. in die Zeit des Umbaus um 1900. Um 1850 kam noch eine Brauerei hinzu, also zu einem Zeitpunkt, da die herrschaftlichen Braurechte aufgehoben waren und zahlreiche Privatbrauereien entstanden. Der Brauereigasthof konnte dabei von seiner günstigen Lage an der alten Fernverkehrsstraße von Ulm nach Zürich profitieren. Er ist ein wichtiges Zeugnis der Orts-, Bau- und Verkehrsgeschichte Orsingens.

97029064BW
Bauernhaus Johann-Georg-Forster-Weg 3
(Karte)
Wohnhaus des ehem. Schupflehens Storkenhof, zweigeschossiger verputzter, vermutlich massiver Bau unter Satteldach mit Aufschiebling, traufseitige Erschließung, 18. Jahrhundert

Das stattliche Gebäude bildet das Wohnhaus des einstigen Storkenhofs, eines sog. Schupflehens. Schupflehen wurden in der Vormoderne nur auf Lebenszeit vergeben. Die Erben des Inhabers hatten keinen Anspruch auf den Hof, sie wurden nach dessen Tod quasi aus dem Hof „geschubst“ (Oberdeutsch: geschupft). Fast alle Orsinger Höfe waren solche Schupflehen. Das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert ist damit ein bemerkenswertes Zeugnis der Orts-, Besitz- und Sozialgeschichte im alten Orsingen.

97029068BW
Gehöft Johann-Georg-Forster-Weg 9, 11
(Karte)
Ehem. Schupflehen Fuchsenhof, bestehend aus:
  • Haupthaus, zweigeschossiger verputzter Massivbau unter Satteldach mit Aufschiebling, traufseitige Erschließung, 18. Jahrhundert;
  • Große Stallscheune, verputzter Bau unter Satteldach, 18. Jahrhundert;
  • kleinere Scheune, Zierfachwerk, Satteldach, im Türsturz bezeichnet, 1830

Der Storkenhof zählt zu den großen Hofanlagen in Orsingen, die als Schupflehen vergeben wurden. Schupflehen wurden in der Vormoderne nur auf Lebenszeit vergeben. Die Erben des Inhabers hatten keinen Anspruch auf den Hof, sie wurden nach dessen Tod quasi aus dem Hof „geschubst“ (Oberdeutsch: geschupft). Die Hofanlage veranschaulicht frühneuzeitliche Wirtschafts- und Lebensverhältnisse unter bestimmten besitzrechtlichen Bedingungen und ist damit ein bemerkenswertes Zeugnis der Orts-, Siedlungs- und Sozialgeschichte im alten Orsingen.

97029069BW
Laufbrunnen Johann-Georg-Forster-Weg 12
(Karte)
Längliche Viehtränke aus Sandstein mit abgeschrägten Ecken, gusseiserner Brunnenstock, 1890 (i)

Der Laufbrunnen gehört zu einer ganzen Reihe in ihrer Form, Materialität und Gestaltung ähnlicher Brunnenanlagen am Ort bzw. in der Region und dokumentiert die teils serielle Herstellung solcher Objekte im Zeitalter der Hochindustrialisierung. Er ist Zeugnis der historischen Wasserversorgung Orsingens.

97029070BW
Orsinger Mühle Mühlbach; Mühlenstraße 15
(Karte)
Mühlenanwesen aus Haupthaus (Wohnhaus mit Mahlmühle), Säge- und Ölmühle, Stallscheuer, Scheunen-Remisenbau mit Knechtswohnung (vielleicht die in der Literatur genannte ehemalige Hanfreibe und Mosterei) und Mühlkanal.

Das Haupthaus ein breitgelagertes zweigeschossiges Gebäude mit massivem Erdgeschoss, Fachwerkobergeschoss und Krüppelwalmdach, seitlich Anbau über den Mühlkanal; mit technischer Ausstattung wie insbesondere Mühlrad und Weißgang aus der vorindustriellen Zeit. Nach Brand 1844 wiederaufgebaut unter Verwendung der Bausubstanz von Keller und Erdgeschoss, die im Kern noch aus der Zeit der Errichtung der ersten, als Obere Mühle an diesem Standort errichteten Mühle um 1600 bzw. ihrer Renovierung nach dem Dreißigjährigen Krieg um 1650 stammt.

Große Bruchstein Stall-Scheune mit Satteldach, erbaut 1873.

Kleinerer Scheunen-Remisenbau mit Knechtswohnung, nach Brand 1844 wiederaufgebaut.

Sägemühle, langgestreckter Holzbau, nach Brand 1844 wiederaufgebaut; Ausstattung aus der Zeit um 1880 und jünger.

Im Kontext mit der Aufgabe einer älteren Unteren Mühle um 1600 an heutiger Stelle als Mahl- und Sägemühle neu errichtet. Bis 1812 Langensteinisches Lehen, ab 1813 Eigentum des Müllers Konrad Stärk, dessen Familie den Mühlenbetrieb bis 1968 führte. Nach einem 1844 in der Hanfdorre ausgebrochenen Brand, von dem das gesamte Mühlenanwesen mehr oder weniger betroffen war, das Wohnhaus mit Mahlmühle, die Säge- und Ölmühle, Hanfreibe und Mosterei wiederaufgebaut, durch das florierende Gewerbe von Landwirtschaft, Müllerei, Sägerei, Hanfreibe, Lohndrescherei und Mosterei nahm die Mühle in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts einen wirtschaftlichen Aufschwung, bei dem es zum Bau einer großen Scheune (1873) und Anpassungen an Fortschritte in der Mühlentechnik kam. Als gut vier Jahrhunderte als Lehenmühle, danach eineinhalb Jahrhunderte als Privatmühle betriebenes Anwesen ist die Orsinger Mühle ein wichtiges Zeugnis der Technikgeschichte und des regionalen Mühlengewerbes.

97029072BW
Gehöft Mühlenstraße 16
(Karte)
Bestehend aus: Quereinhaus, teilverputzter Fachwerkbau, zweigeschossiger Wohnteil in Sichtfachwerk, Satteldach mit Aufschiebling, traufseitige Erschließung, 1822 (i); zugehörig rückwärtig quer angesetzter Remisenanbau mit Satteldach, 1864 (i)

Das Anwesen dokumentiert die von der Landwirtschaft geprägte historische Siedlungsstruktur Orsingens. Der Hauptbau vertritt als Quereinhaus mit zweigeschossigem Wohnteil einen für die Region charakteristischen Bauernhaustypus, der Wohnen und Wirtschaften unter einem Dach vereinigt. Das Gehöft veranschaulicht Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Landbevölkerung im 19. Jahrhundert und ist ein hauskundlich interessantes Zeugnis der Ortsbaugeschichte.

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Quereinhaus Nenzinger Straße 2
(Karte)
Ehem. Schupflehen Bindtenhof, langgestreckter Bau, Satteldach mit Aufschiebling, giebelseitig über Flugsparren mit Pfettenbrettchen vorkragend, zweigeschossiger Wohnteil, Erdgeschoss massiv, darüber Sichtfachwerk,am ornamentierten Eckpfosten bezeichnet, 1729

Das Gebäude dokumentiert die von der Landwirtschaft geprägte historische Siedlungsstruktur Orsingens. Es vertritt als Einhaus mit zweigeschossigem Wohnteil einen für die Region charakteristischen Bauernhaustypus, der Wohnen und Wirtschaften unter einem Dach vereinigt. Das Gebäude veranschaulicht frühneuzeitliche Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Landbevölkerung und ist ein hauskundlich interessantes Zeugnis der Ortsbaugeschichte. Sozial- und ortsgeschichtliche Bedeutung hat es als einstiges Schupflehen. Schupflehen wurden in der Vormoderne nur auf Lebenszeit vergeben. Die Erben des Inhabers hatten keinen Anspruch auf den Hof, sie wurden nach dessen Tod quasi aus dem Hof „geschubst“ (Oberdeutsch: geschupft). Fast alle Orsinger Höfe waren solche Schupflehen.

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Ehrenmal für die Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege Nenzinger Straße 17
(Karte)
Unter Einbeziehung einer alten Linde im südlichen Eck des Friedhofs große Engelsstatue auf der Friedhofsmauer, seitlich vor der Friedhofsmauer Namenstafeln, im Zuge der Friedhofserweiterung im Jahre 1956 aufgestellt 1957 (a)

Das Denkmal für die Toten beider Weltkriege dokumentiert - gerade im Vergleich zur heroisierenden Darstellung des Soldatentodes auf dem benachbarten Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges (1914-1918) den veränderten Umgang mit der Gedenkkultur nach der Katastrophe des von Deutschland verschuldeten zweiten Weltkriegs (1939-1945). Mit der Engelsdarstellung erhält das neue Denkmal eine deutlich christliche Bezugnahme, wie sie gerade für katholische Gemeinden oftmals anzutreffen ist. Das aufwendig gestaltete Denkmal ist wichtiges Zeugnis der Ortsgeschichte.

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Friedhofsmauer des 1837 auf Anhöhe außerhalb der Ortslage eingerichteten Friedhofs und Gefallenendenkmal für die Toten des Ersten Weltkriegs Nenzinger Straße 17
(Karte)
Kruzifix auf rustiziertem Sockel mit Kugelaufsätzen und in der Front eingelasser Inschrifttafel „Aus Dankbarkeit von der Gemeinde unseren gefallenen Helden“, unterhalb davor Bronzefigur eines sterbenden Soldaten, Einfriedung mit zwischen niedrigen Steinpfosten eingehängten Eisenketten, 1920er-Jahre

Das Gefallenendenkmal ist mit seiner Aussage ein charakteristisches Beispiel für die Gedenkkultur der Zwischenkriegszeit in Bezug auf ein welthistorisches Großereignis, das auch Auswirkungen auf die kleine badische Landgemeinde Orsingen hatte. Es zählt dabei zu den gestalterisch anspruchsvolleren Beispielen in der Region, indem es über eine relativ aufwendige figürliche Darstellung verfügt. Das Denkmal ist wichtiges Zeugnis der Orts- und Militärgeschichte.

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St. Nikolauskapelle in Oberhofen Oberhofergärten
(Karte)
Kleiner verputzter Saalbau mit Dachreiter auf dem Satteldach, niedrigerer eingezogener Chor mit Satteldach, Reste einer Ausmalung, 14. Jahrhundert, mit ortsfester Ausstattung, wie insbesondere die Glocke von Johann Leopold Rosenlächer (Konstanz), 1743, der Altar von Bildhauer Anton Korb aus Mühlheim an der Donau (Figuren 1962 und 1974 gestohlen) aus der Sanierungsphase 1770/71 etc.; erste urkundliche Überlieferung einer Kapelle im Jahr 1360, im Dreißigjährigen Krieg zerstört, in barocken Formen wiederaufgebaut 1673 (a), Barocksierung, 1716 (a), Generalsanierung incl. Erneuerung des Dachwerks 1770/71 (a)

Die Nikolauskapelle am Fuß des Kirnberges zwischen Wahlwies und Orsingen setzt einen markanten Akzent in der Kulturlandschaft. Sie reicht im Kern wohl bis in romanische Zeit zurück und ist letzter Überrest der wüst gefallenen einstigen Siedlung Oberorsingen. Aus dem Mittelalter finden sich im Inneren Reste von gotischen Wandmalereien, die 1986 freigelegt wurden. Im Übrigen zeigt die Kapelle ein weitgehend barockes Erscheinungsbild das sie den Wiederauf- bzw. Umbauten 1673, 1716 und 1770/71 verdankt. dazu zählt auch eine entsprechende Ausstattung des kleinen Sakralbaus, die weitgehend in die Barockzeit datiert. Das Gotteshaus ist ein wichtiges Zeugnis einer gelebten und baulich wie bildlich seit dem Spätmittelalter zum Ausdruck gebrachten Frömmigkeit und hat bau-, siedlungs- und kirchengeschichtliche Bedeutung.

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Kath. Pfarrhaus Raitnauerplatz 2
(Karte)
Zweigeschossiger verputzter Massivbau mit Staffelgiebeln und Satteldach, Eckquaderungen, giebelseitige Erschließung über zweiläufige Freitreppe, späthistoristisch, erbaut nach Plänen des Erzb. Filialbauamtes in Konstanz, 1897/98 (a)

Das stattliche katholische Pfarrhaus in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche greift mit Eckquaderungen, Treppengiebeln und verschiedenen Einzelformen auf die Architektursprache spätgotischer Bauten in der Region zurück. Es ist in zeittypischer Weise als historistische Villa gestaltet. Das Gebäude veranschaulicht Wohn- und Lebensverhältnisse eines katholischen Landgeistlichen im späten 19. Jahrhundert und ist als Verwaltungssitz der seit 1587 von Eigeltingen abgelösten Pfarrei ein wichtiges Zeugnis der Orts- und Kirchengeschichte.

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Kath. Pfarrkirche St. Peter und Pau Raitnauerplatz 4
(Karte)
Massiver verputzter Saalbau mit Satteldach und Gliederung durch Strebepfeiler, eingezogener Polygonalchor, nördlich Chorflankenturm mit Treppengiebel und grün glasiertem Satteldach, nördlich angebaut ans Langhaus Taufkapelle mit dreiseitigem Chorschluss, südlich zweigeschossiger Sakristeianbau mit sog. Johanniterkapelle, Grabkapelle der Raitenau, unter einseitig abgewalmtem Satteldach, im Westen hölzernes, reich gestaltetes Vorzeichen auf Sandsteinsäulen, im Süden steinerne Vorhalle mit Spitzbogen, im Inneren weit gespanntes Netzrippengewölbe und Ausmalung von Kirchenmaler Franz Philipp, Freiburg, 1920/21 (a), reiche Ausstattung, u. a. hölzerne Westempore mit sechs Relieftafeln mit Szenen aus dem Leben Johannes d. T., frühes 17. Jahrhundert, Glasfenster von Lütz & Elmpt, Freiburg, 1910 (i), Altäre und Kanzel aus der Werkstatt Marmon, Sigmaringen, Anf. 20. Jahrhundert, im Chor Sandsteinepitaph für Rudolf Hannibal Graf von Raitenau von Andreas Holzmann, 1677 (i), an Nordwand Epitaph für Jakob Hannibal von Raitenau aus der Werkstatt Zürn, um 1611 (i), in Taufkapelle Tumba der Helena von Raitenau, Hans Morinck, Konstanz, zugeschrieben, um 1586 (i), in Johanniterkapelle ehem. Hochaltar der Kirche, mit reichem Aufbau, um 1650, Altarblatt wohl von Philipp Memberger d. J., über heutigem Hochaltar Kruzifix aus der Werkstatt des Jörg Zürn, um 1620/22, Turm im Kern 1575, Chor wohl 16. Jahrhundert, Errichtung Johanniterkapelle, 1627/28 (a, i), Neubau Langhaus mit Taufkapelle sowie Turmerhöhung nach Entwurf von Johann von Wartenberg, Erzbischöfl. Bauamt Konstanz, unter Leitung von August Ruderer, 1909-1911 (a)

Die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul setzt den markanten baulichen Akzent im Orsinger Ortsbild. Sie ist seit 1587 Mittelpunkt einer eigenständigen, damals von Eigeltingen herausgelösten Pfarrei. Der bestehende Bau ist weitgehend ein charakteristisches und beispielhaftes, qualitätvolles Werk des späten Historismus in neugotischen Formen, entworfen von Johann von Wartenberg, einem der wichtigen Vertreter des späten Historismus im katholischen Sakralbau Badens, der sich hier an spätgotischen Kirchen des 15./16. Jahrhunderts orientierte. Er integrierte den im Kern renaissancezeitlichen Turm, den Chor sowie die sog. Johanniterkapelle von 1627/28 mit Grabkapelle der Raitenauer und Sakristei in den Neubau. Bis heute zeigt die Kirche, unberührt von den sonst üblichen Purifizierungen besonders der Nachkriegszeit, einen Raum mit weitgehend vollständig überlieferter neugotischer Ausstattung, die u. a. von der renommierten Kunst- und Altarbauerfirma Marmon in Sigmaringen geschaffen wurde. Sie integriert ältere Stücke vorzugsweise der Renaissancezeit, insbesondere die Grabmäler und Epitaphien der Grafen von Raitenau. Diese waren Inhaber der Herrschaft Langenstein und nutzten die Orsinger Pfarrkirche als repräsentative Grablege. Ihre Grabmäler, unter denen die Hans Morinck zugeschrieben Tumba für die 1586 verstorbene Helene von Raitenau künstlerisch herausragt, dokumentieren anschaulich frühneuzeitliche Memorialkultur des Adels. Die Orsinger Pfarrkirche ist damit ein zentrales Zeugnis für die Orts-, Herrschafts- und Kirchengeschichte und dokumentiert in selten geschlossen überlieferter Form eine qualitativ hochwertige späthistoristische Kirchenausstattung des frühen 20. Jahrhunderts.

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Weitere Bilder
Schloss Langenstein (seit 1969 u. a. Fasnachtsmuseum) Schloss Langenstein 1, 1 a, 2, 2 a, 2 b, 3, 4, 4 a, 4 b, 5, 11
(Karte)
Mehrteiliger ausgedehnter Baukomplex mit Hauptbau in landschaftsbeherrschender Spornlage über dem Ried, Gründung der Abtei Reichenau, um 1100/10, 1178-1292 Sitz der Reichenauer Ministerialen von Langenstein, erstmals erwähnt 1197 (a), 1568-1671 im Besitz der Edelherren und Grafen von Raitenau, ab 1826 im Besitz des Großherzogs Ludwig I., danach seiner Erben, der Grafen von Langenstein, seit 1872 im Besitz der Grafen Douglas, bestehend aus:
  • Schlossgebäude, dreiteiliger Baukomplex um überragenden viereckigen Hauptturm mit Pyramidendach, verputzter drei- bis viergeschossiger Massivbau, nach Norden sog. Hans-Werner-Bau mit Satteldach, am Fuß zwei runde Streichwehrtürme mit Kegeldächern und Maulscharten, nach Westen sog. Wiederkehr mit zwei abgewalmtem Paralleldächern, im Südosten Jakob-Hannibal-Bau mit Satteldach, südlich daran Vorbau mit abgewalmtem Satteldach und Anbau mit Dachterrasse, Turm mit Findlingsmauerwerk, Fassaden mit aufgemalten Lisenen und breiten Horizontalbändern, Hauptportal in Bossenquaderrahmung, darüber Wappenreliefs Raitenau/Hohenems, 1568 (i), und Welsperg/Spaur, 1677 (i), im Inneren teils gewölbte Räume u. a. zweischiffiger kreuzgewölbter Saal, 1577 (i), mit reich verziertem Doppelkamin von Hans Haumperler, Radolfzell, 1600 (a), Sandsteinportal mit Säulen, Turm wohl 2. Hälfte 12. Jahrhundert, weitgehender Neu- und Ausbau durch Helena von Hohenems für ihren in auswärtigen Diensten stehenden Gemahl Hans Werner III. von Raitenau zu Lochau, 1568-1586 (i, a), Turmabschluss 1571 (i), Jakob-Hannibal-Bau, 1602/03 (a), Wiederkehr errichtet durch Jakob Bock, Konstanz, 1604-1606 (a), neuer Dachstuhl, 1686 (a), Innenumbauten mit Stuckdecken, um 1745-1750, Erweiterung Weinkeller unter Hof unter Großherzog Ludwig I., 1828/29 (a), Terrassenanbau, 1906 (a);
  • Flügel nach Süden mit Kapellengang, zweigeschossiger verputzter Massivbau mit Durchfahrt und Satteldach, Abschluss durch Kapelle mit eingezogener dreiseitiger Chorapsis, darüber schlanker Glockenturm mit Zwiebelhaube, östlich daran Kaplaneihaus mit Walmdach und Erker, reich verziertes Kapellenportal, darüber Wappentafel der Grafen von Langenstein, kreuzgewölbter Kapellenraum mit reichen Stuckaturen von Johannes Rues und Herrschaftsstand, Holzrelief der Marienkrönung, wohl vom Meister des Andelsbacher Altares, Anfang 16. Jahrhundert, bzw. der Weckmann-Schule, im Chor 9 Fenster der Kreuzgangverglasung der Kartause zu Freiburg i.Br. (Ropstein-Werkstatt nach Vorlagen von Hans Baldung gen. Grien) um 1515, u. a. mit Darstellungen der hll. Elisabeth und Ursula, zwecks Neuausstattung erworben und eingebaut 1826 (a), weitere Ausstattungselemente, errichtet durch Bock, für Hannibal von Raitenau, 1603-1606 (a), Innenausbau und Einwölbung Kapelle, 1746-1749 (a), Umbauten 1828/29 (a), Umbau Kapelle 1830/31 (a), Einrichtung von Gruft und Erbbegräbnis der Grafen von Langenstein, in der Kapelle, 1850 (a);
  • nach Westen sog. Neues Schloss o. a. Langer Bau bzw. Rentamt, zweigeschossiger verputzter Massivbau mit Satteldach und Treppengiebel, vor westl. Giebelseite halbrunder Treppenturm, Wappen des Rudolf Hannibal von Raitenau von Jörg Zürn, um 1620-1625, und der Grafen Douglas, 1905 (i), errichtet durch Baumeister Bock für Hannibal von Raitenau, 1603 (a), nach tlw. Brandzerstörung 1913 Wiederaufbau als Rentamt, 1914 (a), Innenumbau zu Wohnzwecken für Wilhelm Graf Douglas nach Entwurf von Spannagel, 1936/37 (a)
  • Ludwigshof (Nr. 3, heute Gasthaus), langgezogener, zweigeschossiger verputzter Massivbau mit Treppengiebel, Satteldach mit einseitigem Krüppelwalm, im Kern Beständerhaus, erbaut unter Wolf Dietrich von Raitenau, 1596 (a), Aus- und Umbau 1827-1829 (a, d)
  • Park ringsum bis zur Talsohle unter dem Schlossfelsen, angelegt im 18. Jahrhundert, später landschaftlich überformt
  • Gärtnerhaus (Nr. 9), errichtet 1938/39 (a);
  • Einfriedung mit Eingangstor, nordöstlich der Schlossanlage an der Hauptzufahrt zum Schloss; Eisernes Tor vom Hirschgarten in Karlsruhe, 1963 (a)

Schloss Langenstein erhebt sich zwischen Eigeltingen und Orsingen in markanter, landschaftsbeherrschender Lage auf einem langen Felssporn über dem Ried. Von diesem Sporn, dem langen Stein, trägt es seinen Namen. Das Schloss geht auf eine Gründung der Abtei Reichenau um 1100/11 zurück und befand sich spätestens 1178 im Besitz des Reichenauer Ministerialengeschlechts der Herren von Langenstein, welche die Burg bis 1292 bewohnten. In diese Zeit gehört der älteste Teil des Schlosses, der heute völlig umbaute und das Kernschloss überragende Bergfried, der ein Mauerwerk aus groben Findlingen und Felsbrocken aufweist. Mauerwerk und insbesondere Türme aus Findlingen sind charakteristisch für die Region am Hochrhein und den nördlich und südlich angrenzenden Gebieten, das Material wurde bewusst als Teil der Architektursprache eingesetzt, um Festigkeit und Stärke zum Ausdruck zu bringen. Der Langensteiner Turm dürfte nach der Mitte des 12. Jahrhunderts errichtet worden sein und ist damit ein wichtiges Zeugnis des hochmittelalterlichen Burgenbaus im Hegau. Zwischen 1568 und 1606 wurde er mit zahlriechen Anbauten umgeben, welche innerhalb des Areals in der einstigen Hauptburg entstanden bzw. vor deren Bering gesetzt wurden. Seit 1568 war das Schloss im Besitz der für die Region bedeutenden Familie der Edelherren, seit 1632 Grafen von Raitenau. Unter Helena von Hohenems, Gemahlin des Hans Werner III. von Raitenau, der in auswärtigen Diensten stand, wurde die Kernburg ab 1568 ausgebaut. In diese Zeit dürften auch die beiden runden Streichwehrtürme am Fuß des neu errichteten Hans-Werner-Baus im Norden gehören, die belegen, dass das Schloss des 16. Jahrhunderts durchaus noch als wehrhafte Burg gedacht war. Diesen Charakter verlor die Anlage unter Jakob Hannibal von Raitenau, der das Schloss durch den Konstanzer Stadtwerkmeister Hans Bockh zwischen 1601 und 1606 ausbauen ließ. Zum damaligen Zeitpunkt regierte sein Bruder Wolf Dietrich (1559-1617) als Fürsterzbischof von Salzburg, wo er ein prachtvolle Renaissancehofhaltung unterhielt und den Bau von Dom und Residenz begann. Von dem Glanz des Salzburger Hofes ist auch in Langenstein etwas zu spüren, u. a. in der Ausstattung des sog. Rittersaals mit seinem Prunkkamin und der Umwandlung des Schlosses in einen Renaissanceplast. So entstanden damals die 1745 barockisierte Kapelle mit Verbindungsflügel zum Kernschloss und im Süden das Neue Schloss, das später u. a. als Rentamt diente. Mit den überlieferten Renaissancebauten und seinem Saal zählt Langenstein zu den herausragenden Zeugnissen dieser Epoche im Hegau. 1826 erwarb Großherzog Ludwig I. von Baden das Schloss als Ausstattung für Katharina Werner, die spätere Gräfin von Langenstein, und die aus dieser morganatischen Verbindung hervorgegangenen beiden Kinder Ludwig und Louise. In den Jahren bis zu seinem Tod im Jahre 1830 ließ Großherzog Ludwig zu diesem Zweck einige Räume des Schlosses repräsentativ als Appartements ausstatten und diverse Kunstgegenstände, vor allem seine Sammlung von Glasgemälden, nach Langenstein bringen. 1830 vererbte er das nunmehrige Stammgut Langenstein an seinen Sohn, den Grafen Ludwig von Langenstein. Nach dessen Tod im Jahre 1872 gelangte Langenstein an die Grafen Douglas. Landeshistorische Bedeutung erlangte das Schloss 1918, als sich hier Badens letzter Großherzog aus Karlsruhe herflüchtete und die Abdankungsurkunde unterzeichnete. Das Schloss Langenstein ist damit ein zentrales und wichtiges Zeugnis der Landes-, Herrschafts- und Adelsgeschichte im Hegau bzw. der Region nördlich des Bodensees. Es veranschaulicht mit anspruchsvollen, qualitativ hochwertigen Ausstattungen adelige Wohn- und Lebensverhältnisse vom 16. bis 19. Jahrhundert. Mit seiner Lage, eingebettet in den umgebenden Park, der in die Landschaft überleitet, ist Schloss Langenstein nicht zuletzt ein in höchstem Maße raumwirksames Kulturdenkmal.

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( Wikidata)
Gehöft Schloss Langenstein 14 a, 14, 15
(Karte)
Sog. Rebhaus bzw. Portugiserhof, bestehend aus: Doppelhaus, urspr. für Rebgärtner erbaut, später für Schweinehirten genutzt, zugehörig ein Nebengebäude mit dekorativem Fachwerk, späteres 19. Jahrhundert

Die Hofanlage des Rebhauses bzw. Portugieserhofs gehörte historisch zum Schloss Langenstein und wurdevon der Herrschaft ursprünglich als Doppelhaus für Rebgärtner errichtet. Später beherbergte das Anwesen den Schweinehirten und wurde um ein Ökonomiegebäude zur Hofanlage erweitert. Die Gebäude sind Zeugnisse historischer Wohn- und Lebensverhältnisse herrschaftlicher Angestellter und Bediensteter und dokumentieren die Bau- und Siedlungsgeschichte im engeren Umfeld von Schloss Langenstein.

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Stockfelder Hof o. a. Sardinier Hof Stockfelderhof 1, 1 a
(Karte)
Herrschaftliches Hofgut, zu Schloss Langenstein gehörig, bestehend aus:
  • Haupthaus, zweigeschossiger verputzter Bau mit Halbwalmdach, um 1830/40 mit älterem Kern wohl des 15./16.Jahrhunderts;
  • Stallscheune, winkelförmige Anlage mit Satteldächern, prägend vor allem die Bauphase nach dem Ersten Weltkrieg;
  • Ökonomiegebäude mit Fachwerkgiebel und Satteldach

Der Stockfelder Hof, dessen Ursprünge bis ins Spätmittelalter zurückreichen, gehört historisch als einer von drei herrschaftlichen Gutshöfen zu Schloss Langenstein. Um 1900 wurde der Stockfelder Hof Bestandteil des unter dem Diplomlandwirt Graf Robert Douglas ausgebauten landwirtschaftlichen Mustergutes, das stark auf Milchwirtschaft setzte. Die Hofanlage dokumentiert mit ihrem Baubestand die adelige Eigenwirtschaft bzw. einen Gutsbetrieb bis ins 1. Drittel des 20. Jahrhunderts und ist Zeugnis der Siedlungs- sowie der Agrar- und Herrschaftsgeschichte in Verbindung mit der alten Herrschaft Langenstein.

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Gehöft Oberhoferweg; Wahlwieser Straße 2
(Karte)
Bestehend aus: Wohnhaus, giebelständiger, zweigeschossiger verputzter Fachwerkbau unter Satteldach mit Aufschiebling, traufseitige Erschließung, angeblich erbaut 1795 (a), im Kern evtl. älter; quer dazu Scheune, Massiv- und Fachwerkbau mit Satteldach

Die Hofanlage dokumentiert die von der Landwirtschaft geprägte Siedlungsstruktur Orsingens. Es handelt sich um den ehemals einzigen Erblehenshof des Dorfes, waren doch alle anderen Hofstellen sog. Schupflehen, d. h. nur auf Lebenszeit des Inhabers vergebene Lehen. Die Hofanlage dokumentiert vormoderne Wohn- und Wirtschaftsverhältnisse und ist ein wichtiges Zeugnis der Orts-, Sozial- und Baugeschichte Orsingens.

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Einzelnachweise

Kulturdenkmale der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg. Geoportal Baden-Württemberg, abgerufen am 10. September 2025.

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