Maria Doutel
Herrscherin von Maubara, im Nordwesten der damaligen Kolonie Portugiesisch-Timor (heute: Osttimor)
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Maria Doutel war eine Herrscherin von Maubara, im Nordwesten der damaligen Kolonie Portugiesisch-Timor (heute: Osttimor). Sie erhielt Ende des 19. Jahrhunderts zweimal den Titel der Königin (portugiesisch rainha) von Maubara.[1.1][2]
Werdegang
Aus der Familie der Doutels stammten die Herrscher des Reiches Maubara, bis 1861 die Niederländer, mit denen Maubara ein Bündnis hatte, die Oberhoheit über das Reich an Portugal abgaben. Die Portugiesen setzten Cleto II. aus der bisherigen Herrscherdynastie ab und setzten stattdessen Carlos von Vatuvou als neuen Herrscher (portugiesisch regulo) ein. Cleto II., der sich weigerte abzutreten, wurde von den Portugiesen in Dili inhaftiert und kehrte nie wieder nach Maubara zurück.[1.2]
Zuvor hatten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Hakka-Händler Mau-Lay, A Sung und Loi Moi (oder auch Boto Ana) begonnen, in Erito Kaffeeplantagen anzulegen. Einer der letzten beiden heiratete Maria Doutel, die jüngere Schwester von Cleto II. Ihr erster Mann war „weggeschickt“ worden, da es ihm nicht gelungen war, den Brautpreis zu zahlen.[1.3]
Nach dem Tod von Dom Carlos 1871 wurde im Januar darauf Dotte, der Neffe von Carlos, zunächst mit dem Titel eines Tenente-coronel (Oberstleutnant) bedacht.[1.2] Da die Rivalität zwischen den verschiedenen Clans aber bestehen blieb, erhielt Dotte 1877 den Titel eines „Oberst-Regent“ (portugiesisch coronel regente) und Maria Doutel wurde zur Königin von Maubara ernannt. Möglicherweise glaubten die Portugiesen, eine Frau besser unter Kontrolle halten zu können.[1.4]
Im Juni 1881 wurde ein neuer Vasallenvertrag von Maubara mit Portugal unterzeichnet. Dom José Calau, Sohn von Cleto II., erscheint bei den Unterzeichnern nun mit dem neuen Titel des „brigadeiro reino do reino de Maubara“ (König und Brigadegeneral des Königreichs Maubara). Er löste damit Dona Maria Doutel als Herrscher ab, Dom Dotte hielt aber weiter als „coronel regente“ die eigentliche Macht in seinen Händen.[1.5]
1890 oder 1891 starb José Calau. Sein Sohn Maubute, der 1886 gegen die Portugiesen rebelliert hatte, war zwar einer Strafe entgangen, hatte sich vom Vater losgesagt, weil er die Kapitulation gegenüber den Portugiesen nicht akzeptieren konnte. Maubute ging nach Cai-Cassa im Süden von Maubara. Statt seiner wurde die hochbetagte und inzwischen verwitwete Dona Maria Doutel von den Portugiesen wieder als Königin eingesetzt.[1.6] Die inneren Machtkämpfe in Maubara setzten sich aber trotzdem fort. Als dritte Partei kam außerdem José Rodrigues da Silva hinzu, der ebenfalls Ambitionen auf die Herrschaft zeigte.[1.7] Er heiratete 1893 Amelia Pereira, die Witwe von José Calau, doch sie starb kurz darauf.[1.8] Darauf gab es Gerüchte, Silva wolle die alternde Königin selbst heiraten.[1.9]
Doch im selben Jahr begann Maubute, zusammen mit anderen Adligen, eine neue Revolte. Der portugiesische Gouverneur Cipriano Forjaz (1885; 1890–1894) schlug mit äußerster Brutalität zurück und zerstörte das Reich. Nach dem Ende den Kampfhandlungen im Juni brach wegen der herumliegenden Leichen die Cholera aus, die in der ganzen Kolonie grassierte.[1.10] Im November unterzeichnete Dona Maria Doutel offiziell einen neuen Vasallenvertrag mit Portugal.[3.1] Ihr drohte die Verbannung in das Exil in Mosambik. Es ist nicht klar, ob die Drohung umgesetzt wurde. Mündliche Überlieferungen berichten auch von einer Rückkehr zu ihrem Stammsitz in Gugleur oder einer Deportation nach Portugal.[1.11][4] Dom Dotte starb laut einer Kolonialzeitung kurz nach Ende des Aufstands eines natürlichen Todes. Es gibt aber einige Überlieferungen, laut denen José Rodrigues da Silva ihn ermordet haben soll, als Strafe für dessen „Verrat“ an Portugal. Am 7. November 1893 wurde Silva durch die Portugiesen als Oberst-König (coronel rei) zum neuen, alleinigen Herrscher Maubaras ernannt.[1.12]