Maubute
Adliger und Rebell aus Maubara, im Nordwesten der damaligen Kolonie Portugiesisch-Timor (heute: Osttimor)
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Maubute († 1893), auch bekannt unter dem Namen Mahabuti, war ein Adliger und Rebell aus Maubara, im Nordwesten der damaligen Kolonie Portugiesisch-Timor (heute: Osttimor).[1.1]
Werdegang
Maubute war der Sohn von José Calau, Herrscher von Maubara, und seiner Frau Amelia Pereira. José Calau hatte aber nicht die wirkliche Macht inne. Die Kolonialmacht Portugal hatte Dom Dotte aus Vatuvou als Regent eingesetzt.[1.2]
Anfang Juni 1886 ermordeten Krieger unter dem Befehl von Dom José Calau einen Hakka in Vaviquinia. Am Strand von Maubara drohten sie, Dom António, dem Major des Reiches und einen Timoresen namens Assu den Kopf abzuschlagen. Francisco Pedro de Mira Feijo Elvaim, der portugiesische Kommandant des Forts Maubara informierte sofort Gouverneur Alfredo de Lacerda Maia (1885–1887) und dieser eilte mit einer kleinen Truppe nach Maubara, um die Mörder gefangen zu nehmen. Zwischenzeitlich hatte José Calau auch den Kommandanten Elvaim bedroht, der sich nur mit gezückter Pistole retten konnte. Als wahren Anführer des Aufstands machten die Portugiesen aber Calaus Sohn Maubute aus. Maia wollte diese Attacke auf die Autorität Portugals schnell beenden und entschied sich trotz inzwischen eingebrochener Nacht zum Angriff auf die Rebelllen.[1.3]
Die erste Siedlung, die die portugiesische Streitmacht erreichte, war bis auf dem Dorfvorsteher verlassen. Ihm befahl Maia, er solle die „Verbrecher“ vorführen und verhängte gegen die Bevölkerung eine Geldstrafe von 3000 Rupien. In diesem Moment ertönte Kriegsgeschrei und die Portugiesen gerieten unter Beschuss. Maubute hatte sich unter die timoresischen Adligen im Tross gemischt und nutzte nun die Dunkelheit zum Angriff. Maia ließ eine Hütte in Brand stecken und stürmte mit seinen Soldaten zum Gegenangriff. Die Rebellen zogen sich daraufhin zurück. Und die einheimischen Kämpfer setzten nicht nach. Erst morgens um 8 Uhr erreichten die Portugiesen wieder den Ort Maubara. Maia kehrte abends in die Kolonialhauptstadt Dili zurück, um tags darauf, am 16. Juni, besser vorbereitet wieder in Maubara anzukommen. Nach einigen weiteren Scharmützeln zwang Maia José Calau zur Unterzeichnung eines Friedensabkommens. Maubute konnte entkommen.[1.4]
1890 oder 1891 starb José Calau. Maubute war zwar einer Strafe entgangen, hatte sich vom Vater losgesagt, weil er die Kapitulation gegenüber den Portugiesen nicht akzeptieren konnte. Maubute ging nach Cai-Cassa im Süden von Maubara. Statt seiner wurde seine Großtante, die hochbetagte Dona Maria Doutel, die bereits vor José Calau das Amt innehatte, von den Portugiesen wieder als Königin eingesetzt.[1.5]
Mit José Rodrigues da Silva erschien ein weiterer Adliger, der die Herrschaft über Maubara für sich beanspruchte. Er heiratete 1893 Amelia Pereira, Witwe von José Calau und Mutter von Maubute, um seine Ansprüche zu festigen, doch die Frau starb noch im selben Jahr.[1.6]
Anfang 1893 forderte Joaquim Augusto dos Santos, der Kommandant des Forts von Maubara, von Dona Maria, man solle Kalk für die Reparatur der Brücke der Hauptstraße bereitstellen. Die Königin leitete den Befehl an den Dorfvorsteher von Cai-Cassa weiter. Maubute, der noch immer in Cai-Cassa lebte, erhob Einspruch. Er verlangte, dass die Einwohner zuerst für ihn ein Haus bauen müssten, bevor sie unbezahlte Arbeit für die Portugiesen an der Küste leisten dürften. Darüber gerieten der Dorfvorsteher und Maubute in einen heftigen Streit, der soweit ging, dass Maubute laut Gouverneur Cipriano Forjaz (1885; 1890–1894) vor Wut sich „den Bart ausriss, was unter den Timoresen die größte Beleidigung darstellt.“ Der Chefe wandte sich an Dona Maria Doutel und sie rief ihren Großneffen zu sich, doch der weigerte sich zu kommen. Die Königin schickte daraufhin Soldaten nach Cai-Cassa, die Maubute holen sollten, möglicherweise auf Forderung von Leutnant Santos. Die Kämpfer gingen unter weißer Fahne zu Maubute und baten ihn zum Fort Maubara zu kommen, wo „Gerechtigkeit widerfahren würde“. Maubute forderte zwei Tage Aufschub, doch der Truppführer verlangte, dass Maubute sofort mitkäme. Maubute begann daraufhin zu schießen, die Soldaten stürmten das Dorf, aber Maubute gelang die Flucht. Er floh auf die dicht bewaldete Südseite des Berges im heutigen Guiço, wo er sich mit seinen Getreuen Matias und Buru Bara versteckte. Kundschafter spürten die Männer aber auf und Santos forderte Maubute erneut auf, mit ihm zu kommen. Santos wollte ihn als friedliches Zeichen die Hand reichen, doch Maubute missverstand die westliche Geste und schlug zu, woraufhin die Soldaten das Feuer eröffneten. Matias starb, doch die beiden anderen entkamen unverletzt.[1.7]
Als Gouverneur Forjaz von dem Vorfall erfuhr, entsandte er alle verfügbaren Kräfte der 1. Kompanie und 50 Moradores nach Maubara. Im Fort berieten sich die portugiesischen Offiziere mit lokalen Würdenträgern über das weitere vorgehen und entschieden, den flüchtigen Maubute gefangen zu nehmen. Dona Maria Doutel wurde über den Beschluss informiert und stellte eigene Männer für die Suche bereit. Doch die Soldaten brachen ihre Suche ab, als sie auf dem Weg eine tote Ziege fanden. Die Adligen Maubaras baten die Portugiesen daraufhin um zwei Monate Zeit, um Maubute zu fangen. Nach Zustimmung durch den Gouverneur legte Hauptmann (Capitão) Pedro Dionysio Barreiros der Königin und zehn Adligen am 6. April einen Papier vor, in dem die Unterzeichner den Ungehorsam Maubutes und der Chefes von Dair und Vatuboro bezeugten und den Portugiesen Gehorsam schworen, damit „ihre Dörfer nicht belagert und erobert werden“. Nicht im Vertrag erwähnt, aber von Forjaz in einem Bericht erwähnt, war die von Maubara zu leistende Entschädigung von 2.000 niederländischen Gulden.[1.8]
Maubute hatte bereits zuvor mit seinem Onkel Repreto und anderen Adligen einen neuen Aufstand geplant, bei der man die Portugiesen vertreiben und die Niederländer als Schutzmacht zurückholen wollte. Die neue Revolte begann mit dem Überfall auf die portugiesischen Zollstationen in Vatuboro (Fatuboro) und Dair am 26-. Mai. Die Boten, die im niederländischen Atapupu um Unterstützung baten, wurden aber abgewiesen, sodass die Rebellen sich schnell wieder in die Berge zurückzogen.[1.9]
Die Portugiesen antworteten mit einer dreiwöchigen, brutalen Militäraktion, bei der sie bis zum 28. Juni den Großteil von Maubara und benachbarte Gebiete zerstörten.[1.10] Neuer Herrscher wurde José Rodrigues da Silva.[1.11]

Mündlichen Überlieferungen zu Folge, floh Maubute zum Fatubuikaren (Felsen von Buicari) in Atabae geflohen. Dort umzingelten ihn die Portugiesen und forderten ihn zur Aufgabe auf. Der Überlieferung zufolge soll Maubute dem portugiesischen Kommandanten geantwortet haben: „Ich werde mich nicht ergeben. Ich werde nicht mit euch nach Dili gehen. Ich will die Fremden [malae] nicht hier haben, denn dieses Land gehört uns, nicht den Weißen.“ Der Portugiese versuchte ihn daraufhin mit seinem Schwert zu enthaupten, aber das Schwert habe Maubute nicht verletzt. Er sagte daraufhin: „Anstatt mich zu ergeben, gebe ich euch mein Schwert.“ Mit diesem schlug der Kommandant Maubute den Kopf ab. Dieser soll nach Dili gebracht worden sein, wo er angeblich in einem großen Formaldehydglas in einem Regierungsgebäude aufbewahrt wurde.[1.12]
Maubutes Gefährte Buru Bara erhielt eine Nachricht, wo Maubute sich versteckt hatte, doch bereits bei seiner Überquerung des Lóis, erhielt er die Todesmeldung seines Freundes. Bura Bara brachte den kopflosen Leichnam nach Maubara zurück, doch wollten die Verwandten nicht, dass er auf dem Familienfriedhof bestattet wird. Zu groß waren die Verluste auch für die Herrscherfamilie der Doutels gewesen. Seine Ruhestätte fand Maubute schließlich etwas weiter unten am Südhang des Berges Maubara, an einem Platz namens Ulamenahu. Dieser erhielt später den neuen Namen Lakudole, was so viel bedeutet wie „Vergib ihm sein Unrecht“.[1.1] Dona Maria Doutel wurde von den Portugiesen abgesetzt. Neuer Herrscher wurde José Rodrigues da Silva.[1.13]