Mödling

Stadtgemeinde im Bezirk Mödling, Niederösterreich, Österreich From Wikipedia, the free encyclopedia

Mödling ist eine Stadtgemeinde mit 20.662 Einwohnern (Stand: 1. Jänner 2025), und Bezirkshauptstadt des gleichnamigen Bezirks in Niederösterreich.

Schnelle Fakten Stadtgemeinde, Wappen ...
Stadtgemeinde
Mödling
WappenÖsterreichkarte
Wappen von Mödling
Mödling (Österreich)
Mödling (Österreich)
Basisdaten
Staat: Osterreich Österreich
Land: Niederösterreich Niederösterreich
Politischer Bezirk: Mödling
Kfz-Kennzeichen: MD
Fläche: 10,04 km²
Koordinaten: 48° 5′ N, 16° 17′ O
Höhe: 246 m ü. A.
Einwohner: 20.662 (1. Jän. 2025)
Bevölkerungsdichte: 2058 Einw. pro km²
Postleitzahl: 2340
Vorwahl: 02236
Gemeindekennziffer: 3 17 17
Adresse der Gemeinde-
verwaltung:
Pfarrgasse 9
2340 Mödling
Website: www.moedling.at
Politik
Bürgermeisterin: Silvia Drechsler (SPÖ)
Gemeinderat: (Wahljahr: 2025)
(41 Mitglieder)
12
11
10
4
3
1
12 11 10 4 3 1 
Insgesamt 41 Sitze
Lage von Mödling im Bezirk Mödling
Lage der Gemeinde Mödling im Bezirk Mödling (anklickbare Karte)HennersdorfWienerwald
Lage der Gemeinde Mödling im Bezirk Mödling (anklickbare Karte)
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Blick von der Johannes-Ruhe am Frauenstein über Mödling Richtung Nordost auf Wien, mit dem Mödlinger Aquädukt der Wiener Hochquellwasserleitung am Ende der Klausen im Vordergrund, sowie der St.-Othmar-Kirche mit Karner am Kalenderberg, Stadtzentrum mit Rathaus und Spitalskirche mit Mödlingbach
Blick von der Johannes-Ruhe am Frauenstein über Mödling Richtung Nordost auf Wien, mit dem Mödlinger Aquädukt der Wiener Hochquellwasserleitung am Ende der Klausen im Vordergrund, sowie der St.-Othmar-Kirche mit Karner am Kalenderberg, Stadtzentrum mit Rathaus und Spitalskirche mit Mödlingbach
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
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Mödling liegt 15 Kilometer südlich vom Zentrum von Wien und bildet durch das Zusammenwachsen mit den meisten Nachbargemeinden heute einen südlichen Arm der Wiener Agglomeration. Genauso wie dieser Agglomerationsarm bildet Mödling einen Übergang zwischen dem südöstlichen Rand des Wienerwalds, bzw. der östlichen Voralpen, und dem westlichen Rand des Wiener Beckens. Als solches ist Mödling Teil des karstigen Naturparks Föhrenberge sowie nordwestlicher Teil des niederösterreichischen Industrieviertels.

Mödling wird heute als Babenbergerstadt bezeichnet, da es mit der Burg Mödling einst Sitz einer Nebenlinie der Babenberger war.

Stadtzentrum, Fußgängerzone Mödling

Ortsname

Der Ortsname wandelte sich im Laufe der Zeit von medilihha (903 n. Chr.) über Medelikch und Medling zu Mödling. Die Wurzeln des Namens stammen aus dem Slawischen und somit spätestens aus der Awarenzeit in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends n. Chr.[1] um 800;[2] bezeichnet wird damit entweder ein Grenzbach[1] oder ein langsam rinnendes Gewässer[3] (wörtlich: träger Fluss), wahrscheinlich mit Bezug auf eine entsprechende Siedlung nahe dem heutigen Josef Hyrtl-Platz.[2]

Mödling, welches 1910 das Zentrum des größten Israelitische Kultusgemeinde-Bezirks in Niederösterreichs war,[4] wurde im Jiddischen als mdljng gesprochen, wobei diese Schreibweise unklar ist.[5]

Geografie

Mödling gehört zu Niederösterreich und ist Teil von dessen Industrieviertel sowie des südlichen Ballungsraums von Wien. Mödling befindet sich relativ zentral im west-ost ausgerichteten Bezirk Mödling, dessen Verwaltungssitz es ist.

Die Gemeinde liegt einerseits mit ihren Hügeln im östlichen Wienerwald und gehört andererseits mit ihrem Weinbaugebiet zur Thermenregion im westlichen Hanggebiet des Wiener Beckens.

Die karstige Mödlinger Klausen gesehen vom Ende der Klausen und Kalenderberg, gegenüber dem Frauenstein, Richtung der Brühl, mit der Burgruine Mödling und Husarentempel im Hintergrund und Teile der ehem. Weisleinmühle im Vordergrund

Durch Mödling fließt der Mödlingbach, der in der Gemeinde Wienerwald entspringt und bei Achau in die Schwechat mündet. Die westliche Hälfte des Gemeindegebietes ist geprägt durch bewaldetes Hügelland. Diese mit den natürlich in Mödling vorkommenden Schirmföhren bewachsenen karstigen Hügeln, der „Unterösterreichischen Schweiz“, gehören zum Naturpark Föhrenberge (Teil des Biosphärenparks Wienerwald) und sind mit Bauten wie dem weit sichtbaren Husarentempel Teil des im 19. Jahrhundert angelegten Liechtensteinischen Landschaftsparks. Die östliche Hälfte des Stadtgebiets liegt im Flachland des Wiener Beckens, wobei am Übergang der zwei topographischen Hälften, an den Hängen der Hügel, trotz starker Urbanisierung, weiterhin Weingärten um den Eichkogel (ehem. auch Wartberg)[6] und im Weinbauschutzgebiet am Fuße des Jennyberg,[7] sowie Heurigenlokale des alten Weinbauorts zu finden sind. Die warmen Kalkböden und der Einfluss des pannonischen Klimas erlauben den Anbau von Weißburgunder, Chardonnay, Pinot noir und St. Laurent.

Der Siedlungsraum ist von Westen nach Osten geographisch durch die Vorderbrühl, die Hanglagen in Richtung Wiener Becken (Ortskern mit Altstadt, Neusiedlergebiet, Jakob-Thoma-Viertel) und durch das beginnende Flachland jenseits der Südbahngleise (Neu-Mödling/Schöffelvorstadt) unterscheidbar. Diese Siedlungsräume werden durch den Mödlingbach und eine West-Ostverkehrsachse (B11 Mödlinger Straße) aus Brühler-, Haupt- und Wiener-/Neudorfer-Straße verbunden und nur von der historischen Altstadt mit alten Bürgerhäusern und einer Fußgängerzone unterbrochen. Mit der Altstadt als gemeinsamem Knotenpunkt bilden entlang der Hanglagen Enzersdorfer- und Neusiedler-Straße eine Nord-Süd-Achse.

Städtische Grenzräume und Topographie

Burgruine Mödling über der Meiereiwiese am Ende der Klausen an der Vorderbrühl und unterhalb des Husarentempels. Als Teil des Liechtensteiner Landschaftsparks (Unterösterreichische Schweiz) war dies ein beliebter Ausflugsort für Kultur und Politik im 19. Jahrhundert, insbesondere zur Biedermeier (z. B. Beethovens Elf Mödlinger Tänze bzw. Elf Wiener Tänze)[2] und dem Wiener Kongress.

Im Westen liegt in den Wienerwaldhügeln die Gemeinde Hinterbrühl, welche an die heute[8] zu Mödling gehörende Vorderbrühl grenzt. Die Vorderbrühl liegt im Brühltal und ist durch die Klausen mit dem Rest von Mödling verbunden. Die Klausen[8] ist ein enges mit ehemaligen Mühlen gespicktes Talstück und ein Verkehrskorridor, wo am Übergang mit der Vorderbrühl auf der südlichen Talseite auf dem Teuferstein (auch Teufelstein),[9] einem Ausleger des Frauenbergs,[10] auf dem die Burgruine Mödling steht. Der Frauenberg setzt sich durch den Frauenstein fort (auch historisch Maa Berg;[11][6] mit den Teilen des Frauenstein, von Westen: Halderberg, Efeugrat bzw. 1839 Kanzel, Erikagrat, Glocknergrat und Johannes Ruhe) verläuft entlang der gesamten südlichen Talseite und ist mit dem Efeugrat für Kletterer ein beliebtes Ziel. Die nördliche Talseite der Klausen wird vom Kalenderberg (auch Liechtenstein genannt, da an dessen Ausleger nordseitig die Burg Liechtenstein liegt)[12] und von dessen Jordankanzel gesäumt. An ihrer Mündung ins Mödlinger Flachland wird die Klausen überquert von der Ersten Wiener Hochquellenwasserleitung, und zwar in Form eines gemauerten Aquädukts. Auf den schroffen Felsen der Klausen wachsen die seltenen, aber für Mödling typischen Schirmföhren (Pinus nigra var. austriaca) und tragen zum Charme als „Unterösterreichische Schweiz“ und zur Beliebtheit des Tals als vielseitiges Naherholungsgebiet seit dem Biedermeier deutlich bei.

Am Karstgestein der Klausen und des Anningers, der sogenannten „Unterösterreichischen Schweiz“, wächst die nur hier beheimatete und bedrohte, sowie geschützte Mödlinger Feder-Nelke und hat am Frauenstein östl. des Naturfreundekreuz („Wackelkreuz“) ein Naturdenkmal[13][14]

Im Südwesten liegt das Mödlinger Waldgebiet (Mödlinger, ehemals Liechtensteiner Forst) auf den nördlichen Ausläufern des Anningers. Der Wald grenzt im Westen an die Brühl, bzw. durch den Phönixberg (auch Pfennigstein) des Kleinen Anningers und Husarentempel (Hohe Riesel)[10] zunächst an die Hinterbrühl. Östlich unterhalb des Husarentempel liegt die Vorderbrühl von Mödling, sowie die Meiereiwiese, um diese macht der Forst einen Bogen über den Matterhörndl-Fels (des Brenntenberg), Drachenstein, Alexandraberg und bis zum gegenüber vom Husarentempel gelegenen Teuferstein (od. Teufelstein), auf dem die Burgruine Mödling thront. Hinter letzterer läuft der Mödlinger Forst über den Frauenberg und Frauenstein (auch historisch Maa Berg;[11][6] mit den Teilen des Frauenstein, von Westen: Halderberg, Efeugrat bzw. 1839 Kanzel, Erikagrat, Glocknergrat und Johannes Ruhe), mit dessen südlicher Felswand der Rauhen Platte, und der Goldenen Stiege (im oberen Teil auch als Steinerne Stiege, 1839, oder Pürkweeg) Richtung Wiener Becken und Mödlinger Hauptsiedlungsgebiet aus. Gegen Süden setzt sich der Rand des Forsts über den die Goldene Stiege flankierenden Jennyberg (mit dessen Silberberg Dolomit-Steinbruch, 1610) und der Friedrichshöhe (mit der Friedrichswand am Rehgraben) entlang der Grenze mit Gaaden bis zum Prießnitztal (ehem. Wind Tal)[15] fort und geht mit dem Eichkogel (ehem. Wartberg) in Weingärten über. Westlich dieser natürlichen Grenze, in den Forst hinein, südlich der Goldenen Stiege und südöstlich der Meierei, setzt sich der Mödlinger Forst oberhalb des Rehgrabens mit der Friedrichswand um die ehemalige Breite Föhre fort. So dehnt sich dort der Forst zunehmend als Mischwald beim Lackenschlag und der Sulzwiese vorbei aus, einerseits Richtung Anninger, bis zur Abzweigung rückwärtig zum Alexandraberg und Husarentempel kurz vor dem Hängenden Stein,[6] und andererseits auf einer Hochebene westlich oberhalb und parallel vom Rehgraben und Prießnitztal, in Richtung Richardshof in Gumpoldskirchen.

Die ehemalige beliebte Breite Föhre, am Weg zwischen Goldener Stiege und Anninger, repräsentativ für den Mödlinger Forst als Teil des Liechtensteiner Landschaftsparks bzw. heutigen Naturparks Föhrenberge, hinten links der Eichkogel jenseits des verdeckten Prießnitztals, flankiert durch einen Blick ins Wiener Becken bei Mödling, und rechts die Hochebene zwischen Rehgraben (vorne) und Prießnitztal (1838)

Im östlichen Süden grenzt Mödling an Guntramsdorf, zunächst noch mit dem Mödlinger Forst um das östlich der Breiten Föhre gelegene Prießnitztal und dann mit dem Eichkogel, der eine besondere Fauna und Flora aufweist. Das Guntramsdorfer Gebiet ist dort unbewohnt, erst darüber hinaus im sich dort ausbreitenden Weinanbaugebiet am Fuße des Anningers erreicht man dann Gumpoldskirchen. Das bewohnte Guntramsdorf erreicht man südöstlich an der Ostflanke des Eichkogels.

Im Südosten geht das Siedlungsgebiet auf dem Griesfeld in das Industriezentrum Niederösterreich Süd über.

Im Osten ist Mödling mit Wiener Neudorf (Richtung Biedermannsdorf und Laxenburg) verwachsen.

Im Norden mit Maria Enzersdorf (Richtung Wien) zusammengewachsen, verläuft die Gemeinde entlang der gemeinsamen Grenze von Ost nach West zunächst über das Große Steinfeld und die dort situierte Südstadt und anschließend zur Altstadt der Gemeinde über die nördliche Fortsetzung der Osthänge der Wienerwaldhügel (beginnend mit dem Lerchenhügel nördlich der unteren Altstadt, siehe Lerchengasse) bis schlussendlich über Liechtenstein hin zur Hinterbrühl.

Maria Enzersdorf
Hinterbrühl Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Wiener Neudorf
Gaaden Guntramsdorf

Wasser

Mödlingbach beim Kurpark, am Anfang der karstigen Klausen unterhalb dem Aquädukt der Wiener Hochquellleitung und Johannes Ruhe am Frauenstein, mit Blick auf den Kalenderberg mit dem Schwarzen Turm, in einer alten Ansicht inkl. der ehemaligen Hinterbrühl-Tramway (die weltweit erste im Dauerbetrieb geführte elektrische Straßenbahn im engeren Sinn).

Gewässer sind zu finden neben dem früher viel von Mühlen genutzten Mödlingbach, an den Rändern der Meiereiwiese (Salamander-Laichtümpel am Westrand[16] und Pepi's Märchenteich am Ostrand), das Feuchtbiotop und Naturdenkmal am Bahndamm gegenüber dem Biotopkomplex „Figur“,[13][17] und zu Beginn des Prießnitztals ein Feuchtbiotop mit drei Teichen.

Das Prießnitztal (ehem. Wind Tal) birgt außerdem die Quellen für das heutige Hochbehälterbecken des Mödlinger Wasserwerks. Im Verlauf des Tals wurde bereits zur Römerzeit ein Brunnen gesetzt (wahrscheinlich eine Pferdetränke),[2] und spätestens 1610 eine hölzerne aus „Rörprun“ unterhalb des Prießnitztals gelegene Wasserleitung gebaut.[18] Die Wasserversorgung der Gemeinde wird weiters durch Bezug aus Moosbrunn sowie zusätzlich durch einen Tiefbrunnen am Gebiet der Meiereiwiese gesichert.[19]

Das Prießnitztal speiste auch im 19. Jahrhundert die Kaltwasser-Kuranstalt nach Vinzenz Prießnitz, welche dem Tal ihren heutigen Namen gab. Weiters bestanden in Mödling in der Vergangenheit auch noch andere Quellenbäder und Teiche. So speiste das Prießnitztal einen unmittelbar westlich dem heutigen Stadtbad im 17. Jahrhundert existenten Mödlinger Teich (gespeist durch die „Rörpruner“-Leitung, siehe Burgfriedenplan 1610), und nach dessen Auslass und verbleibenden Gerinne[11] (beginnend an der heutigen Gasse zwischen Neusiedlerstraße und Gärtnergasse 10, Richtung Bahndamm Feuchtbiotope bzw. Guntramsdorfer Teiche) säumten die Neusiedlerstraße Bäder (z. B. bis 1954 das Schwarzsche Bad mit Strand, Neusiedlerstraße 30).

Geologie

Mödling ist Teil des kalkalpinen Wienerwalds. Als karstige, von markanten Kalkfelsen und Dolomitwänden geprägte und gleichzeitig ehemalige Brandungsterrasse des Paratethys-Meeres vor ca. 15 Mio. Jahren, in der Zeit des Badeniums im Miozän, ist Mödling, wie viele Orte der Thermenregion,[20] nicht nur bei Weinhauern und Kletterern geschätzt, sondern auch reich an Fossilien, so z. B. an diversen Steilhängen bei der Goldenen Stiege mit der Rauhen Platte für Kletterer, oder im Rehgraben abseits des Prießnitztals.

Aufgrund der Vorkommen von Gips und Kalkstein wurde in der Vergangenheit in Mödling Gips und Kalk gebrannt sowie später Zement in einer Fabrik am Beginn der Fabriksgasse hergestellt.

Klima

In Mödling am Eichkogel treffen sich die pannonische sowie die atlantische Klimazone.

Weiters ist das Klima einerseits durch jenes des Wienerwalds und andererseits durch jenes des Wiener Beckens geprägt. So z. B. lichtet sich im Herbst der oft hartnäckige Nebel des Wiener Beckens rasch im Verlauf der Brühl.

In trockenen Sommern ist in dem von Nadelbäumen geprägten Waldgebiet der Stadt hohes Feuerrisiko gegeben, so sind in der Vergangenheit wiederholt größere Waldbrände durch Fahrlässigkeit entstanden.

Geschichte

Erste Siedlungsräume

Einer der ältesten Siedlungsfunde Österreichs Brunn-Wolfholz (ca. 5700–5000 v. Chr.) liegt im nahen Brunn am Gebirge. In Mödling gehen die ersten Funde auf spätere Jungsteinzeitliche (5000–2000 v. Chr.) Siedlungen zurück. Aus diesen Jahrtausenden sind u. a. Funde einer Doppelbestattung,[21] einer größeren Siedlung am Fuße des Eichkogels und Funde auf dem Jennyberg der Badener Kultur (3600–2800 v. Chr.) zu verzeichnen.[22] Am Hirschkogel in Maria Enzersdorf wurden jene Funde gemacht, auf die sich der Name der endneolithischen Mödling-Zöbing/Jevišovice-Gruppe bezieht.[12]

Bronzezeitliche Aktivität ab dem ausgehenden dritten Jahrtausend v. Chr. wurde reichlich durch Funde nachgewiesen, so etwa Siedlungsfunde der frühestbronzezeitlichen Leithaprodersdorf-Gruppe am Jennyberg.[22]

Funde aus dem letzten Jahrtausend v. Chr. wurden auf dem Kalenderberg (auch Liechtenstein)[12] und dem Jennyberg aus der keltischen Hallstattzeit (8.–5. Jahrhundert v. Chr.) gemacht. In der folgenden Latènezeit lag der Mödlinger Raum in der östlichen Grenzregion des keltischen Königreichs Noricum, welches sich bis zum keltischen Oppidum der Boier in Bratislava erstreckte, sowie in Folge bis zu den vordringenden germanischen Völkern. Mit den Augusteische Alpenfeldzügen kam das Königreich friedlich ab 15 v. Chr. zunehmend unter römische Kontrolle.[23]

Erstes Jahrtausend n. Chr. (Spätantike bis post-antikes und vorromanisches Frühmittelalter)

Nach dem Aufstand von 6–9 n. Chr. in Dalmatien der römischen Provinz Illyricum kam der bereits im römischen Einflussbereich stehende keltische Raum östlich der Alpen bis zur Donau endgültig unter die Kontrolle des Römischen Reichs. Mödling wurde in Folge im westlichen Grenzgebiet des Illyricum Inferius, Teil der zwischen den Jahren 20 bis 50 gegründeten Provinz Pannonia,[23] und dessen späteren Teil Pannonia Superior und dem daraufhin kleineren Teil Pannonia Prima. In Folge wurde in der Region die in nord–südlicher Richtung über Carnuntum (Petronell) und Scarbantia (Sopron) verlaufende östliche Bernsteinstraße, sowie die Verteidigung gegen die transdanubischen Germanen (→Markomannenkriege) ausgebaut. Das im Zuge dessen gegründete Vindobona (Wien) wurde mittels der bei Mödling vorbei nach Scarbantia geführten[24] heutigen Triester Straße (ehem. auch Venediger Straße, parallel zum später oberhalb verlaufenden Gebirgsrandweg) mit der Bernsteinstraße und deren Ziel, dem adriatischen Hafenort Aquileia (rund 50 km nordwestlich der späteren Destination Triest) verbunden. Hiermit verlief und verläuft bis heute entlang der Triester Straße der bedeutendste Verkehrskorridor Wiens in den Süden und damit auch nach Mödling.

Aus der römischen Zeit lassen sich in Mödling selbst bereits die Hauptstraße nachweisen und Funde von Münzen und Gräbern in der Nähe des Bahnhofs und Josef Hyrtl-Platz machen.[2] Unweit davon entfernt wurden auch ostgermanische Gräber gefunden, welche auf die Bewohner der Region ab 433, mit dem Rückzug Roms im Kampf gegen die Hunnen und somit auf deren diverse ostgermanische Flüchtlinge (Vandalen), Gefolgschaft und Nachfolger wie die Ostgoten[23] hinweisen.

Ein langobardisches Gräberfeld im Süden von Mödling zeugt von der Besiedlung durch die Langobarden, die sich hier gegen Ende der Völkerwanderungszeit mit dem 6. Jahrhundert niederließen, bevor die Masse dieses Volkes nach Pannonien und schließlich Italien abzog und den Awaren und Slawen um 568 das Karpatenbecken überließ. Awarische Gräber aus der folgenden äußerst friedlichen Zeit an verschiedenen Orten in Mödling, mit über 500 Gräbern und Siedlung am Fuße der Goldenen Stiege,[11] zeugen von einer größeren und patrilokalen Bevölkerung. Als solche bekamen die in Mödling Ansässigen keine Kinder mit anderen Menschen durchaus ähnlicher awarischer Kultur im Wiener Becken, welche im Falle einer Siedlung im heutigen Leobersdorf vor allem aus dem asiatischen Raum stammen.[25]

Das Gräberfeld wurde nicht mehr genutzt, nachdem die Franken unter Karl dem Großen das Khaganat der Awaren 803 geschlagen hatten und die Awarenmark des Frankenreichs, mit Mödling in dessen Westen, errichteten.[25] Zunächst wurde dieses Gebiet weiterhin mittels awarischen Fürsten kontrolliert, jedoch wurden diese um das Jahr 828 mit Grafen der nunmals fränkischen Marcha orientalis (auch Pannonia Superior) des bairischen Ostlands ersetzt. In der Mark war Mödling Teil der vom Wienerwald bis zur Raab reichenden Donaugrafschaft Oberpannonien, die der Sitz des Präfekten der Mark war.[26]

Romanisches Taufbecken (9. Jh.?) der ehemaligen Pfarrkirche St. Martin mit erneuertem Säulenfuß, heute im Eingangs­bereich der Waisenhauskirche.

Als Folge der fränkischen Herrschaft setzte die Besiedlung von Bajuwaren (Baiern) aus dem bairischen Kernland in die Region Mödlings ein. Im Zuge dessen wurde die St. Martinskirche bei der heutigen Waisenhauskirche als Stützpunkt der Christianisierung der Region errichtet,[27] und stellte den damaligen Siedlungskern, östlich abseits des späteren Ortskerns von heute dar.[11] Aus dem 9. Jahrhundert stammt auch die älteste nachgewiesene karolingische Vorgängerkirche der heutigen St. Othmarkirche.

Entwicklung des Markts

Ort mit Pfarre (ausgehendes Frühmittelalter)

Die älteste bekannte urkundliche Erwähnung Mödlings als MEDILIHHA ULTRA MONTEM COMMIGENUM[28] ist vom 8. September 903, bei einem Gutstausch zwischen zwei Bischöfen. Da wahrscheinlich ab der Schlacht von Pressburg 907, im Zuge der Eroberung durch die Magyaren die Siedlung aus dem vorhergehenden 9. Jahrhundert zerstört wurde, ist aufgrund dessen nach dem Zurückdrängen der Magyaren 955 und 991 von einem verlagerten Siedlungsgebiet der erneuerten bairischen Besiedlung Mödlings auszugehen, weg von der zerstörten Siedlung um die St. Martinskirche zum heutigen Ortskern.

Mödling wurde spätestens 991 in das teilweise zurückeroberte bairische Ostland (Marcha Orientalis) reintegriert, das 976 durch die Gründung des Herzogtums Kärnten um dieses territorial reduziert, mit den aus Würzburg stammenden Babenbergern als Markgrafschaft reorganisiert und im Gebiet der alten Donaugrafschaften als Ostarrichi (996) bezeichnet wurde.

1060 wurde noch die ungarische Königin Anastasia von Kiew in Mödling im castrum medelekka, einem Festen Haus neben der Vorgängerkirche der Othmarkirche, oder einer größeren Anlage, möglicher Weise eine Vorgängerburg der Burg Mödling, von Diepold I. einquartiert, nach der Flucht aus Moson.[29]

Die Pfarre Mödling hatte ihre erste bekannte Erwähnung im Jahr 1113, als die Pfarre samt zwei Drittel Pfarrzehnt an das 1089 gegründete und ab 1122 aus dem in der Mark dominanten Bistum Passau exemtierte Stift Melk ging und dessen starke grundherrliche Präsenz in der Gegend bis zu den Josephinischen Reformen (1783) begründete.[2]

Die Martinskirche blieb, trotz der erfolgten Verschiebung des Siedlungsschwerpunkts im 10. Jahrhundert, bis 1475 Pfarrkirche, und wurde erst 1683 zerstört und 1787 abgetragen. Der die Kirche umgebende alte Friedhof von Mödling blieb bis zur Eröffnung des aktuellen am Eichkogel 1876 erhalten. Das Gelände des Friedhofs und der Martinskirche, welches erhöht über dem Mödlingbach liegt, wurde schlussendlich 1889 durch den Hyrtlplatz und den östlichen Trakt, bzw. durch den auf dem höheren Gelände gelegenen Teil des Waisenhaus überbaut.

Herrschaftssitz mit Burganlagen (romanisches Hochmittelalter)

Herzog Heinrich der Ältere von Mödling (1158–1223) im Kampf gegen Soběslav II. (links), der 1176 in Österreich einfiel. Im Hintergrund die heute als Ruine bestehende und ab ca. 1150 erbaute Burg Mödling (in einer Darstellung aus dem Babenberger-Stammbaum von 1489/1492, Stift Klosterneuburg).

Mödling war im 11. Jahrhundert unter den Diepoldinger-Rapotonen (Cham-Vohburger), bis 1114 die Babenberger als Burggrafen aufscheinen und 1140 Hugo von Petronell (1080?–1142) Mödling (und Umland) übernahm.[30] Hugo von Petronell ließ in Folge die angrenzende Ahnenburg seines Herrscherhauses von Liechtenstein für sich erbauen, wobei Mödling ihren Herrschaftssitz vom 11. Jahrhundert an bis 1177 durch eine Hausberganlage um die heutige Othmarkirche hatte.[30] Aus dieser Zeit sind auch die Nachbarsiedlungen Neudorf und Enzersdorf zum ersten Mal erwähnt. Die Babenberger etablierten zu dieser Zeit in der Region Zentren ihrer Herrschaft und damit des zukünftigen Österreichs. So residierte in Mödling von 1136 bis 1141 der Babenberger Heinrich Jasomirgott,[31] ehe er seinem Bruder als Herzog von Bayern und Markgraf von Österreich nachfolgte, und ab 1156 erster Herzog von Österreich wurde. Zeitgleich ließ er das nahegelegene und bis heute erhaltene Stift Heiligenkreuz im Herzen des Wienerwalds erbauen, welches in Folge als zentrale Grabstätte der Babenberger genutzt wurde. In Mödling gründete er das Armen-Pilgramhaus (heute Pfarrheim St. Othmar, südlich dem aus dem 15. Jh. bestehenden Bürgerspital und Spitalkirche). Wien wurde mit dem im Jahr 1155 gegründeten Schottenstift, weg von Melk oder Klosterneuburg, nach der Aufwertung Österreichs, bzw. Verlust Bayerns 1156, schlussendlich zum neuen und endgültigen Herrschaftssitz der Babenberger und Österreichs, nach dem Vorbild Regensburgs.[32] 1177 bekam dann der Babenberger Heinrich der Ältere (1158–1223) von seinem Bruder Leopold den V., nach dem Tod von Heinrich Jasomirgott, die Herrschaft über Mödling, als Teil eines Gebiets von Liesing bis zur Piesting und nach Bruck. In Folge bezog Heinrich die seit ca. 1150 gebaute oder ausgebaute, abseits vom Ort über die Goldene Stiege (auch Steinerne und Pürkweeg) zu erreichende[33] und bis 1556 genutzte Burg Mödling.[27] Diese sollte ursprünglich 1148 ein Heiratsgeschenk von seinem Vater an seine byzantinische Mutter Theodora sein, der Nichte des damaligen byzantinischen Kaisers, zukünftige Herzögin von Bayern und spätere erste Herzögin von Österreich, welche der Vater, als einer von wenigen überlebenden Ritter des Zweiten Kreuzzugs, auf dessen Heimreise heiratete.[34] Somit wurde Mödling von 1177 bis 1236 Sitz der Mödlinger Nebenlinie der Babenberger. Diese Nebenlinie führte drei Löwen in ihrem Wappen, eines mehr als die Hauptlinie. Dieses stammt wahrscheinlich von Heinrichs Großneffen Ulrich III. (Kärnten), auf den sich das Kärntner Wappen bezieht.[35] In der Zeit unter Heinrich war die Burg mit ihrer für damals äußerst großen Wehranlage für die dort gepflegte Gesellschaft und Kunst bekannt. So wird gesagt, dass auch Walther von der Vogelweide zu Gast gewesen sein soll, insbesondere zur Rückkehr von Leopold VI. von einem heiligen Krieg, wahrscheinlich 1219 vom Fünften Kreuzzug (von Damiette). Wobei für so einen Besuch auf Mödling ist kein Nachweis gegeben, lediglich für die engere Beziehung mit den Babenbergern, sowie auch mit Heinrich. So lernte Vogelweide seine Kunst in Österreich und war regelmäßig Gast und in der Gefolgschaft der Babenbergern.

Romanische Vorhalle (13. Jahrhundert) des Karner (1181/1182), mit Relief einer Jagdszene oberhalb des Eingangs

Heinrich ließ 1182 die ältesten heute noch intakten Bauwerke Mödlings errichten, den Kern des Herzog- bzw. Toppelhof als Festes Haus bzw. Stadtburg,[36] und auch das Grundbauwerk des Karners, eine romanische Rundkapelle nebst einer romanischen Wehrkirche,[2] an Stelle Letzterer heute die St. Othmarkirche steht.[37] Der Ort erreichte um diese Zeit eine Ausdehnung über Pfarrgasse, Herzoggasse und Fleischgasse, und bildete vermutlich in Folge einen Anger zwischen der damaligen Hochstraße (Kaiserin Elisabeth-Straße) und Fleischgasse.[2]

Mit dem Tod 1236 von Heinrichs Sohn (Heinrich der Jüngere) erlosch die Mödlinger Nebenlinie der Babenberger und die Herrschaft über Mödling wurde landesfürstlich.[38] 1226 wurde wahrscheinlich in Mödling Gertrud von Babenberg geboren, die Urgroßnichte von Heinrich dem Älteren, Herzögin von Mödling und nach dem Tod des letzten Babenberger in männlicher Linie von 1246 bis 1251 Titularherzogin von Österreich und der Steiermark. Im Zuge des resultierenden österreichischen Interregnum und Erbfolgestreits überfielen und verwüsteten 1252 Angreifer des um den Titel konkurrierenden ungarischen Béla IV. Mödling.[2]

Nach dieser Krise setzte bis ins 14. Jahrhundert ein bedeutender Siedlungsaufschwung ein. Besonders Richtung Osten wurde gebaut, wodurch sich ein Anger vom Josef Deutsch-Platz (alter Kornmarkt) bis zum Freiheitsplatz (neuer Kornmarkt), an Stelle der Klostergasse und Hauptstraße sowie der heute dazwischen stehenden Gebäude herausbildete und bis ins 15. Jahrhundert unverbaut blieb. Entlang des Mödlingbachs entstanden eine Reihe von Mühlen und der Ort wuchs über den Bach hin zur Neusiedlerstraße.[2]

Landesfürstlicher Ort mit Marktrecht (gotisches Spätmittelalter)

Unter dem habsburgischen Herzog von Österreich Albrecht II. wurde Medlich, wie es damals hieß, im Jahr 1343 zum Markt erhoben. Daraufhin bekam Mödling eine Einfriedung mit folgenden gemauerten Markttoren an den Markteinfahrten: dem östlichen St. Mertentor bzw. später Ungartor (bei Hauptstraße 31/35), dem südwestlichen Neusiedler Tor (nach Neusiedlerbrücke, bei Neusiedler Straße 14/15), dem südöstlichen Eisentor (nach Eisentorbrücke, bei Eisentorgasse 6) und dem nördlichen Enzersdorfer, bzw. Wiener Tor (bei Enzersdorfer Straße 2/3). Diese Tore wurden zeitweise mittels Palisadenzäune verbunden, mit Wachen ausgestattet und bestanden bis zu deren Abbau im 18./19. Jahrhundert. 1374 wurde die Schranne (heute das alte Rathaus) am Marktplatz, dem heutigen Schrannenplatz, errichtet. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts wurde außerhalb des Ungartor, gleich unterhalb der Kreuzung Hauptstraße-Demelgasse eine 14 Meter hohe gotische Säule der Dombauhütte St. Stephan ähnlich der Spinnerin am Kreuz errichtet, von der heute nach dessen Abtragung 1876 nur noch ein kleiner Teil im Museumspark ausgestellt ist.

Ab dem 14. Jahrhundert war auch eine jüdische Gemeinde nachweisbar, welche eine der größten in Niederösterreich war und eine Synagoge in der Judengasse, der heutigen Kaiserin Elisabeth-Straße 7, hatte.[39.1] Mit der Judenvertreibung des Jahres 1421 wurde jedoch die Gemeinde vertrieben und ermordet,[39.2] und erst 1840 wieder bevölkert.[40][41]

Mit dem 15. Jahrhundert hatte sich Mödling neben Gumpoldskirchen, Perchtoldsdorf und Langenlois zu einem der bedeutendsten Weinorte in ganz Niederösterreich, mit Weingärten bis ins Flachland, sowie zu einem Bannmarkt entwickelt.[38] Ab 1426 zählte Mödling als landesfürstliche Mark zur Kurie der Städte und Märkte im Verband der Landstände Österreichs unter der Enns.[27] 1458 bekam der Markt sein eigenes Wappen, wobei die Verwendung des Steirischen Panthers[Anm. 1] wahrscheinlich Bezug auf den Verleiher Kaiser Friedrich III. nimmt.[42] Ebenfalls im 15. Jahrhundert wurde der Anger im Kern verbaut.[2] In kurzer Abfolge wurden die Spitalskirche und die heutige St. Othmarkirche erbaut, wobei Letztere 1475 zur Pfarrkirche wurde, als die Mödlinger Pfarre vom Stift Melk an die Wiener Domdechantei der 1469 gegründeten Bistum Wien ging, und somit bis zur Gründung 1722 der Kirchenprovinz Wien Teil der Kirchenprovinz Salzburg war.

Frühmoderne Entwicklungen (Renaissance, Barock bis klassizistisches Biedermeier)

Bei der Ersten Wiener Osmanenbelagerung 1529 wurde ein großer Teil des Ortes zerstört. Aus der folgenden Zeit, dem 16. (aber auch teilweise dem 15.) Jahrhundert, stammt der nach den mittelalterlichen Kirchen älteste prägende Renaissance-Teil des heutigen historischen Häuser- und Fassadenensembles des Orts, so etwa die zahlreichen repräsentativen Häuser des aufkommenden Bürgertums oder die Erweiterung des heutigen Alten Rathauses mit einem Turm (1548). Im Jahr 1580 war die Mödlinger Bevölkerung zu 90 % protestantisch, etwas mehr als in ganz Niederösterreich.[43] So siedelten sich 1526/1527 z.b. Bäckermeister aus Wien aufgrund von deren Glauben in Mödling an und versorgten von hier aus Wien und den Kaiserhof (nachweislich 1699 mit Kipferl).[44][45] 1597 wehrten sich die Weinbergknechte im Haueraufstand gegen schlechte Entlohnung.[2]

Burgfriedenplan Mödling von 1610 mit Palisadeneinfriedung, dem ehemaligen Mödlinger Teich und einer ersten Wasserleitung vom Prießnitztal kommend.[18]
Älteste bildliche Darstellung Mödlings (1620). Zu sehen sind Details wie Fahrzeugsperren und die 14 meter hohe gotische Säule vor dem Ungartor, das Neusiedlertor, welches zu nahe an der Spitalskirche dargestellt ist, und rechts das Mödling als Herrschaft über habende Ehepaar (Freiherr Augustin Khevenhüller und Anna Maria Margaretha, Frein von Windischgrätz).
Kupferstich aus Topographia Provinciarum Austriacarum (1649)

Ab Anfang des 17. Jahrhunderts löste sich Mödling von der Herrschaft Burg Mödling und besaß damit[2] de facto und ab 1607 de iure ein eigenes Landgericht (Hochgericht).[27] Zu dieser Zeit plünderten kurzzeitig ungarische Söldner von der im 17. Jh. zur Ruine werdenden Burg Mödling aus die Region. Zur Rekatholisierung des Ortes bestand seit 1631 bis zur josephinischen Auflösung 1785 ein Kapuzinerkloster an der Stelle des heutigen Bezirksmuseums vor dem Alten Kornmarkt, dem heutigen Josef Deutsch-Platz.[2] Bei der Pest in Wien 1679 starben auch in Mödling viele Einwohner. Bei der zweiten Osmanenbelagerung 1683 wurde ein großer Teil der Bewohner getötet. Es gelang jedoch eine Wiederbelebung durch Neusiedler aus der Steiermark.[2] Nach der zweiten Pestepidemie 1713, bei der nur rund 90 Bewohner starben, wurde als Dank die barocke Dreifaltigkeitssäule oder Pestsäule, wie sie heute genannt wird, am neuen Kornmarkt, dem heutigen Freiheitsplatz, erbaut.

Das 18. Jahrhundert brachte auch wirtschaftliche Veränderungen durch Abgehen vom Weinbau. So entstanden erste frühindustrielle „Fabriken“, beginnend 1773 mit einer Manufaktur der Seidenzeugindustrie in der noch heute bestehenden Eisentorgasse 1, an Stelle eines Herrenhauses des Melker Zehnthofes. Im Kern aus dem 13. Jahrhundert stammend, besteht dieser Komplex baulich noch heute als Freihof an der Adresse Franz-Keim-Gasse 5 und als „Mölkerhof“ an der Hauptstraße 41, der bis 1783 als Herrenhaus diente.[2]

Mödling und Umgebung um 1755 (Carte des environs de Schönbrun et ceux de Laxemburg, Norden ist links)

1805 und 1809 wurde Mödling von den Franzosen besetzt. Zu dieser Zeit lebten hier rund zweitausend Einwohner.[46] Als Teil des Liechtensteinischen Landschaftsparks, im heutigen Naturpark Föhrenberge, wurden ab 1807 die damals noch nicht eingemeindeten kahlen Hügel mit den hier natürlich vorkommenden Schirmföhren aufgeforstet. Errichtet wurden in Folge dessen 1810 der neoromantische Schwarze Turm auf einem Fundament eines alten Wachturms von 1596, 1813 der Husarentempel mit Gräbern von Soldaten der Schlacht bei Aspern (1809), sowie der Neue Pavillon und anschließend das Schweizerhaus an der Fürstlich Liechtensteinischen Meiereiwiese in der Mödlinger Brühl (auch „Unterösterreichische Schweiz“; heutige Vorderbrühl) nebst diverser Villen. Im Neuen Pavillon empfingen die Liechtensteins Gesandte während des Wiener Kongresses. So wurde Mödling im Biedermeier, spätestens aber durch Ludwig van Beethovens Wirken in Mödling ab 1818, ein geschätztes Ziel von Komponisten der Wiener Klassik, Romantik und auch der modernen Wiener Schule um Arnold Schönberg. So sind diesen zwei nicht in Mödling gebürtigen Komponisten heute sogar eigene Museen im Ort gewidmet. Kern dieser Musik-und-Tanz-Szene in Mödling wurde die von Beethoven gepriesene Gastwirtschaft „Zu den zwei Raben“ (Elf Mödlinger Tänze bzw. Elf Wiener Tänze)[2] an der Meiereiwiese, gegenüber der Königswiese und Königsmühle (eine der Ältesten am Mödlingbach, seit 15. Jahrhundert, auch sagenumwobene Schädelmühle), in der Vorderbrühl, deren Liechtensteinischer Umbau heute noch besteht.[47]

Mödling und Umgebung um 1837

Entwicklung der modernen Stadt

Industrialisierung (frühe Gründerzeit)

1841 wurde der Bahnhof Mödling, der seit 1839 in Bau befindlichen Südbahn, für den Verkehr nach Wiener Neustadt[48] und Wien eröffnet, sowie 1845 zum Ausgangspunkt der bis zum Zweiten Weltkrieg bestehenden kaiserlich befahrenen Laxenburger Bahn („Kaiserbahn“).

Während der Revolution 1848/1849 gegen das System Metternich fanden betriebliche Störaktionen der Arbeiterschaft statt, jedoch ohne Kooperationsbereitschaft der bürgerlichen Revolution.[49] 1850 entstand eine einfache Kuranstalt, welche dem Prießnitztal (ehem. Wind Tal)[15] ihren heutigen Namen gab, da sie an dessen Ende stand und nach der angewandten Kaltwasserkur von Vinzenz Prießnitz geführt wurde. Die Anstalt wurde 1880 zu einem Sanatorium ausgebaut und bestand bis zum Zweiten Weltkrieg, 1968 wurde an dessen Stelle eine Wohnsiedlung erbaut. 1851 öffnete ein erstes Kaffeehaus. Ab 1864 wurde die vom Prießnitztal kommende hölzerne Wasserversorgung aus dem Mittelalter ersetzt und langsam ausgebaut.[19] Ab 1866 erfasste Mödling die Cholera erneut, nach dem ersten Ausbruch 1831/1832, im Zuge der Cholera-Pandemien.

Durch die vom Staatsgrundgesetz 1867 garantierte Meinungsfreiheit fanden sich neue Interessenverbände in Mödling, so auch von Arbeitern.[50] Weiters wurden 1868 Bezirke eingeführt, wobei Mödling (bis 1896) Teil des Bezirk Baden wurde. Zeugnis für ein expandierendes Brauwesen zu dieser Zeit in der Region, ist die erste Brauerschule Österreichs[51] welche der von 1869 bis 1934 bestehenden zweijährigen landwirtschaftlichen Mittelschule Francisco Josephinum und der von 1849 und erneut 1877 bis 1885, außerhalb des Siedlungsgebiets, dem heutigen Neusiedlerviertel, bestehenden Brauhaus Mödling, räumlich und inhaltlich 1870 angegliedert wurde und bis 1912 bestand. Abseits dessen wurde durch das Ortsgebiet 1872 auch die I. Wiener Hochquellenwasserleitung und das dazugehörige Aquädukt Mödling geführt.

Ab den 1860er wurden auch eine erste Reihe an großen Industriebetrieben errichtet, wie der Zementfabrik entlang der Südbahn in der Fabriksgasse, sowie einer Metallwarenfabrik Kleiner & Fleischmann (1867–1971) am Standort Grenzgasse und heutigen Arnold-Schönberg-Park, welches zur NS-Zeit mit Zwangsarbeitern geführt wurde.[52] Mit 1872 entstand dann die besonders groß angelegte Mödlinger Lokomotivfabrik (ab 1875 bis 1902 Schuhfabrik Fränkel) und 1873 deren noch heute bestehenden Arbeiter-Kolonie.[53] Mit dieser ersten großen Industrialisierung des Orts fand erstmals, trotz der Weltwirtschaftskrise 1873–1896, eine großflächige Erweiterung des historischen Ortsgebiets statt, welche in Folge zur Schöffelvorstadt heranwuchs. Etwas später setzte auch südlich um die Neusiedlerstraße eine Siedlungsausdehnung ein, denn das Wachstum der Bevölkerung stieg zu dieser Zeit drastisch an bis zu dessen Abflachung mit dem Ersten Weltkrieg.

Mödling und Umgebung um 1872

Ort mit Stadtrecht (späte Gründerzeit)

1875, unter dem Bürgermeister und „Retter des Wienerwalds“ Josef Schöffel, wurde der Markt Mödling zur Stadt erhoben. Es wurde Gasbeleuchtung eingeführt, am Beginn der Klausen zwischen der Bürgerspitalmühle („Fösin“) und der Sucham Mühle (heute Weisleinmühle), diese integrierend und unterhalb des Aquädukts, wurde der Kurpark mit dem Kursalon, einem Sommertheater (Holzgebäude, bis 1913, als das Stadttheater Mödling öffnete)[Anm. 2] und den Zugängen zum Frauenstein eröffnet, denn Mödling hatte sich zu einem Kurort mit diversen Kurhäusern entwickelt. Im Jahr darauf wurden die Klausen und Vorderbrühl eingemeindet,[8] Liechtenstein hatte auch bereits die nach der Revolution 1848 nunmehrige Burgruine Mödling von dessen Herrschaft abgelöst und Mödling gegeben.

In den 1880er folgte die Errichtung des Krankenhauses (1882) und der ersten regulären elektrischen Bahn Österreichs und gleichzeitig weltweit ersten elektrischen Straßenbahn im Dauerbetrieb[54] Mödling–Hinterbrühl (1883–1932), geführt südseitig des Mödlingbachs über die Klausen, mittels eines Tunnels anstelle der heutigen verlängerten Spitalmühlgasse zur Neusiedlerstraße, unterhalb der Primavesi Villa, und mit Ausgangspunkt des damals neu unterführten Bahnhof Mödling. 1887 wurde die Korksteinfabrik (heute austyrol Dämmstoffe),[55] und die Verlängerung der Dampftramway von Wien über Perchtoldsdorf nach Mödling (ab 1907 bis 1967 geführt als Wiener Straßenbahnlinie, ab 1921 elektrisch als 360er Linie) ausgeführt.[56][57] Weiters wurde die Feuerwehr und die Rettung gebildet. Beendet wurden die 1880er mit der Fertigstellung des Hyrtl’schen Waisenhauses (1889).

Mödling (Mitte oben links) aus Mitte der 1880er (noch ohne Korksteinfabrik aber bereits mit Dampftramway Strecke, beides fertiggestellt 1887).

1896 wurde Mödling zum Sitz des neu gegründeten Bezirk Mödling,[58] dessen Gemeinden zuvor Teil des 1868 gegründeten Bezirk Baden waren. Errichtet wurden 1897 das Gymnasiums Keimgasse und 1901 die erste biologische Kläranlage Mitteleuropas unter Bürgermeister Jakob Thoma, nach Plänen des Briten Charles Lomax, auf dem Gemeindegebiet von Wr. Neudorf am in Maria Enzersdorf entspringenden Krotenbach.[59]

1904 konnte Mödling seine Tausendjahrfeier begehen. Über mehrere Monate wurde das Fest vorbereitet, das vom 4. bis 8. September 1904 stattfand.[60] Der Verlag der Stadtgemeinde Mödling brachte eine Broschüre (47 Seiten) über dieses Fest heraus sowie ein Festprogramm (23 Seiten). Beide Publikationen befinden sich in der Wienbibliothek.[61][62] Für das Plakat[63][64] und die Ansichtskarte konnte der Wiener Künstler Carl Otto Czeschka und ebenfalls aus Wien konnte für den großen Festumzug in historischen Kostümen der akademische Maler Carl Leopold Hollitzer gewonnen werden.[65]

Kurz darauf wurde durch Kaiser Franz Joseph I., nach Besichtigung der Kläranlage und der festlichen Eröffnung der städtischen Wasserversorgung aus Moosbrunn im Prießnitztal,[18] die heutige HTL Mödling als Technische Militärakademie eröffnet,[59] welche außerhalb der Stadt am Eichkogel oberhalb des Francisco Josephinum und neben der Mödlinger Ziegelei und Amalienhof errichtet wurde.

Hochmoderne in Mödling

Mit 1910 siedelte sich die „k.k. Tierimpfstoffgewinnungsanstalt“, das heutige Leitinstitut des AGES-Geschäftsfeldes Tiergesundheit, in Mödling an.[66] 1912/1913 wurde die heute als Stadttheater Mödling geführte „Mödlinger Bühne“, die älteste erhalten gebliebene Bühne und ehemaliges Kino Mödlings, erbaut. 1913 wurde die Beka-Schuhfabrik am nordöstlichen Ende des Bahnhofs eröffnet, diese wurde in Folge der Weltwirtschaftskrise 1929 geschlossen und der Restbestand musste zwangsmäßig unter dem NS-Regime 1939 von der Gründerfamilie Klein verkauft werden, heute ist der Bau als ehemaliges Leiner-Lager bekannt.[67] Die anwachsende Schöffelvorstadt bildete zunehmend einen Fokuspunkt für die Arbeiter des ganzen Bezirks, so fanden sich nach der Gründung 1892 der sozialdemokratischen Partei von Mödling und des Arbeiter-Konsumvereines im Bezirk deren Verwaltungszentrum im Arbeiterheim (Neudorferstraße 8)[68][69] und dem späteren Jugendstil-Zubau nach Hubert Gessner, dem heute letzten bestehenden ehemaligen Konsum Vereinshaus (1913). Weiters entstand in Neu-Mödling die „Fünfhaus“-Siedlung (1914) der Baugenossenschaft Mödling (1912, Vorsitz Ferdinand Buchberger) neben dem heutigen Krankenhaus, sowie ergänzend das nahegelegene unter Leopold Müller 1918 bezogene Kinderfreundeheim (heute Josef Schöffel-Haus).[70] 1914 eröffnete der Jugendstilbau der Jakob Thoma Schule, wobei das Gebäude erst nach dem Ersten Weltkrieg als Schule verwendet wurde, da es zunächst als Lazarett für die Verwundeten des Krieges verwendet wurde.[71]

Am 22. Juni 1919 wurde die erste allgemeine Gemeinderatswahl abgehalten und in Folge Ferdinand Buchberger zum ersten sozialistischen Bürgermeister gewählt. Zu dieser Zeit waren auch diverse weltbekannte Künstler wohnhaft in Mödling, so lebten hier u. a. Anton Wildgans, Arnold Schönberg sieben Jahre lang im Schönberg-Haus, sowie eine Straße weiter für ein paar Jahre Peter Lorre oder auch Dagobert Peche der Wiener Werkstätte, beide wohnhaft in der Jugendstil Häuserreihe der Ludwig Höfler-Gasse des ebenfalls in Mödling lebenden Archtiekten Karl Lehrmann. Darüber hinaus kamen viele andere nach Mödling um hier Werke zu schaffen, so malte Egon Schiele Mödling.[72]

1925 wurde aus der Mödlinger katholischen Pfarre (St. Othmar) heraus in der Schöffelvorstadt eine zweite Pfarre zur Herz Jesu Kirche gegründet, nachdem 1913 bereits das Dekanat Mödling gegründet worden war.[73] Die Eröffnung des Städtischen Wasserwerks 1927 verbesserte die bestehende Wasserversorgung.[18] 1928 wurde das heutige Stadtbad gebaut (ab 1933 mit Winter-Eislaufplatz), unmittelbar unterhalb des im 17. Jahrhundert existenten Mödlinger Teichs am Beginn eines dortigen Gerinnes (heute eine Gasse zwischen Neusiedlerstraße und Gärtnergasse 10, Richtung Bahndamm Feuchtbiotope bzw. Guntramsdorfer Teiche),[11] und einer im 19. Jahrhundert bestehenden Reihe an Bäder und Kurbäder entlang der Neusiedlerstraße (Nr. 30, Schwarzsches Bad mit Strand bis 1954) bis zum Prießnitztal und dessen Quellen.

1925 wurde die erste Person in Mödling durch faschistische Gewalttäter ermordet. Beim Trauerzug für den ermordeten Leopold Müller (SDAP) nahmen mahnend u. a. Karl Renner und Karl Seitz teil.[74]

Mödlinger SDAP-Vorsitzender und Gemeinderat Leopold Müller wurde 1925 ein frühes Opfer faschistischer Gewalt durch Mödlinger Frontkämpfer vor dem durch ihn gegründeten heutigen Schöffel-Haus. Es folgte ein mahnender, durch u. a. Renner und Seitz hochrangig begleiteter, Trauerzug von Mödling nach Wien.[75]

Im Zuge des Österreichischen Bürgerkriegs verschanzten sich zwischen 35 und 200 Unterstützer der sozialistischen Republikaner gegen Exekutive und Heimwehr beim heutigen Krankenhaus in der Siedlung Fünfhaus, sowie in Folge gegen das Bundesheer, welches im nahegelegenen St. Gabriel Stellung bezog, dabei wurden zwei Sozialisten und ein Unbeteiligter erschossen.[76]

Die ehemalige Synagoge Mödling (zerstört durch antisemitische Mitbürger im Rahmen der Novemberpogrome 1938 und 1987 abgetragen)

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1938 (und Eingliederung des Bezirks in Groß-Wien) wurden viele Mödlinger vertrieben, deportiert und ermordet (größtenteils in Maly Trostinec), darunter rund 300 der ca. 400 Personen zählenden jüdischen Gemeinde (der Israelitische Kultusgemeinde-Bezirk Mödling, der größte Niederösterreichs, hatte 1910 1.287 Mitglieder)[4]. Durch die Novemberpogrome 1938 wurden die jüdischen Mitbürger auch in Mödling von antisemitischen Bewohnern verfolgt und deren 1914 erbaute Synagoge zerstört. Dessen Ruine bestand bis 1987, wo an der Enzersdorferstraße 6, seit 2003 mit einem Mahnmal erinnert wird, heute ist nur noch das Zauntor erhalten und im Gymnasium Untere Bachgasse ausgestellt.[40]

Wie in den Nachbargemeinden (etwa am Standort St. Gabriel) wurden Zwangslager auch in Mödling geführt. Einerseits wurde das nach dessen Adresse Grenzgasse 40 benannte Zwangsarbeitslager für die Metallwarenfabrik Kleiner & Fleischmann eingerichtet,[52] und andererseits die Erziehungsanstalt Mödling (im ehem. Waisenhaus) aufgestellt, wo in Kooperation mit dem berüchtigten Spiegelgrund Minderjährige, wie Friedrich Zawrel, gequält wurden.[77][78]

Gegen Ende des NS-Regimes wurden aufgrund der Luftangriffe auf Wien neben dem durch Zwangsarbeiter des KZ Mauthausen umgebauten ehemaligen Gipsbergwerk Seegrotte in der Hinterbrühl auch in Mödling Bunkeranlagen in den Hügeln mit diversen zivilen Zugängen angelegt, welche heute nur in Teilen begehbar sind und durch einen Eingang in der Klausen vom Theater im Bunker genutzt und zugänglich gemacht werden. Parallel hierzu wurde am Eichkogel eine Flak-Stellung errichtet und zuletzt durch „Volkssturm“-Rekrutierung mit Minderjährigen besetzt. Vor der Befreiung von Wien durch die 3. Ukrainische Front der Roten Armee steckte die Mödlinger NSDAP ihre Parteihäuser in der Pfarrgasse und Goethegasse in Brand.[79] Nach tagelangem Frontverlauf in Guntramsdorf befreite dann mit 5. April 1945[79] bis 6. April die rote 100. Garde-Schützendivision[80] des 39. Garde-Schützenkorps der 9. Gardearmee Mödling, die berüchtigte 2. SS-Panzer-Division von Süden vor sich her treibend, und begann damit die ersten Kampfhandlungen in Wien.

Überlebende Opfer des NS-Regimes, welche nach 1945 zurückkehrten, mussten juristisch um enteignetes Gut kämpfen, so z. B. Albert Drach, welcher, genauso wie sein Freund, Mentor und ebenfalls Mödlinger Anton Wildgans, gegen Ende seines Lebens für den Literaturnobelpreis nominiert wurde.[81] Heute ist am Drach-Hof (Hauptstraße 44) eine Gedenkstätte und Museum eingerichtet. Die Geschichte der Verfolgung jüdischer Mödlinger wurde wegweisend für Niederösterreich erst ab 1988 begonnen systematisch aufzuarbeiten.[82]

Die im Mödlinger Krankenhaus tätige NS-Gegnerin Sel. Sr. Maria Restituta Kafka

Zum Gedenken an die vom NS-Regime Ermordeten, unter ihnen die am Mödlinger Krankenhaus tätige Regimegegnerin Maria Restituta,[83] werden seit 2006 wiederholt Stolpersteine in Österreich und eben auch Mödling verlegt.[40][84]

Entwicklung der spätmodernen Stadt

Mödling blieb bis 1954 mit allen anderen 1938 in Wien integrierten Gemeinden auf Wunsch der Alliierten Kommission Teil von Groß-Wien, obwohl bereits 1946 der Nationalrat das Gebietsänderungsgesetz zur weitgehenden Rückstellung beschloss. Diese Rechtslage von 1946–1954 verunmöglichte in allen Teilen Groß-Wiens Bezirksvertretungswahlen, bzw. jegliche Kommunalwahlen. Bevor 1955 wieder Gemeinderatswahlen in Mödling abgehalten konnten, wählte ein provisorischer Gemeindeausschuss[85] und später Gemeinderat,[86] gleichzeitig bis 1954 als Bezirksvertretung, mit Stimmverhältnissen lokaler Landtagswahlergebnisse, einen designierten Bürgermeister, dieser wurde 1946–1954 vom Wiener Bürgermeister zu einem Ortsvorsteher ernannt und mit kommunaler Funktion eines Bezirksvorstehers betraut.[87]

Luftbild 1957

In der Nachkriegszeit wurden vermehrt Flächen für Parkplätze und Straßen (etwa zur Verbreiterung für Busse) frei gemacht, so z. B. durch den Abriss des nach der Brunner-Brau-Aktien-Gesellschaft benannten Brunner Brauhof beim Bahnhof (1959), der Josef Deutsch-Platz, der Freiheitsplatz, der erste Abschnitt der Badstraße,[54] zudem wurde die Straßenbahn nach Rodaun, wie jene in die Hinterbrühl und nach Laxenburg 1932 zuvor, zugunsten von Buslinien nicht mehr finanziert und die alte Trasse in die Hinterbrühl an der Spitalmühlgasse in eine Straße umgebaut. Dieser Entwicklung wurde 1978 die Nutzung der Trasse der ehemaligen Straßenbahnlinie 360 als Promenade und 1976 die Einrichtung der Fußgängerzone entgegengesetzt, wobei erstmals österreichweit eine durch den Stadtkern führende Bundesstraße zur Fußgängerzone erklärt wurde.[88] In Folge wurden auch der Freiheits- und Josef Deutsch-Platz teilweise wieder hergestellt, indem die Klostergasse und speziell deren Einfahrten durch indirekte Zufahrten entschleunigt und fußgängerfreundlich gemacht wurden. Die heutigen Brunnen am Schrannenplatz und im Bahnhofspark haben beide ihren Ursprung am Schrannenplatz, wobei der heutige Brunnen am Schrannenplatz der Alte Marktbrunnen ist und über den Freiheitsplatz und dann ab 1959 als Europabrunnen am Josef Deutsch-Platz längere Zeit woanders zu finden war. Mödling, bzw. das Ortsgebiet abseits der Hügel, wurde zu dieser Zeit endgültig zu einem durchgehend bebauten Raum und erfuhr ab den 1970ern auch wieder einen Bevölkerungszuwachs und Nachverdichtung selbst in Hanglagen, so führte Eugen Wörle An der Goldenen Stiege einen sogenannten weithin sichtbaren und ausgezeichneten innovativen Terrassenbau aus.[89] 1969 fand der erste Mödlinger Fasching statt.[90]

Gegen Ende des Jahrhunderts übersiedelten dann das Gericht, die Bezirkshauptmannschaft, die Feuerwehr, das Finanzamt und das BG Bachgasse aus der Altstadt in moderne Gebäude in die Schöffelstadt, bzw. nach Neu Mödling jenseits der Bahn. Dieser Entwicklung zugute kam 1983 der Lückenschluss entlang des Mödlingbachs durch den Pepi-Wagner Durchgang unter den Bahnhofsgleisen und ermöglichte eine naturnahe Fuß- und Radwegachse von Wr. Neudorf bis in die Hinterbrühl.

Mit 1999 wurde der im Jugendstil ausgeführte Teil des ehemaligen Mädchenlyzeum zum Haus der Jugend und zur Redbox-Veranstaltungshalle. Ab 2000 wurde der Mödlingbach renaturiert, u. a. um die Wirkung gegen Hochwasser zu erhöhen. Ursprünglich gesäumt von Mühlen und deren Zuläufen wurde der Bach 1904 reguliert,[91] womit Hochwässer aus der Stadt ins Flachland verlagert wurden. Mit 2004 wurde die Bahnbrücke verbreitert und mit Bahnzugängen ausgestattet, u. a. aufgrund weiter angestiegenem Autoverkehr in Mödling.[92]

Ab 2016 entstand am Areal des ehemaligen Francisco Josephinum das Neusiedler Viertel, nach Auszug der seit 1979 ansässigen Gendarmerie-Zentralschule. Die verdichtende Nutzung alter Gebäude und Betriebsflächen, wie zuvor für die BH am Gelände der ehemaligen Mödlinger Lokomotivfabrik, nahm in den letzten Jahren wieder zu, so z. B. aktuell eine öffentlich gezielte Erschließung des ehemaligen Rotes Kreuz-Katastrophenschutzlagers auf Teilen des Waisenhausareals oder Pläne für die Gründe des ehemaligen Leiner-Lagers.

Bevölkerung

Agglomeration

Der urbane Raum ist mit den Nachbargemeinden Hinterbrühl, Maria Enzersdorf (insbesondere 1961–1975 mit dem Bau der Südstadt) und Wiener Neudorf nahtlos verwachsen, welche trotz Bestrebungen ab 1849 nie eingemeindet wurden aber zusammen heute einen geschlossenen urbanen Raum von über 40.000 Einwohnern bilden.

Dieser urbane Raum mit den Nachbargemeinden setzt sich jedoch weiter nach Norden fort und ist heute Teil der urbanen Kernzone des Ballungsraum Wien. Als Ausdruck dessen wurde bereits 1887 eine Dampftramway (ab 1907 als öffentliche Linie der Stadt Wien, seit 1921 als elektrische 360 Linie und seit 1967 nur noch als Buslinie)[57] von Rodaun über Perchtoldsdorf nach Mödling gelegt.

Bevölkerungsentwicklung

Mödling: Einwohnerzahlen von 1869 bis 2025
Jahr  Einwohner
1869
 
4.923
1880
 
7.328
1890
 
11.120
1900
 
15.113
1910
 
18.067
1923
 
18.677
1934
 
18.736
1939
 
18.400
1951
 
17.076
1961
 
17.274
1971
 
18.835
1981
 
19.276
1991
 
20.290
2001
 
20.405
2011
 
20.411
2021
 
20.524
2025
 
20.662
Quelle(n): Statistik Austria, Gebietsstand 1.1.2021

Im 19. Jahrhundert fand eine Verneunfachung der Bevölkerung statt, von rund 2.000[46] auf 18.000 bis 1910, insbesondere mit rapidem Anstieg ab 1880.

Die Bevölkerungsentwicklung im 19. Jh. in Mödling war einerseits durch die allgemeinen demographischen Entwicklungen der Zeit geprägt, einer hohen Geburtenrate bei sinkender Sterberate, sowie andererseits durch den Zuzug aus anderen Teilen Niederösterreichs[93] und Cisleithaniens. Zuzug aus den ungarischen Landesteilen fand zwar auf niedrigerem Niveau als aus Cisleithanien, aber stärker als in anderen Teilen niederösterreichs abseits des Wiener Beckens in den damaligen Bezirk Mödling statt.[94]

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hielt sich die Bevölkerungsgröße Mödlings, sank jedoch in der Zeit des Faschismus, beginnend mit der Zerstörung der ca. 400 Menschen großen jüdischen Gemeinde Mödlings. So war die Bewohnerzahl 1951 auf rund 17.000 gesunken.

In den 1960er erholte sich die Bevölkerungsgröße wieder auf mehr als 18.000 durch Ansiedlung und Vergrößerung des urbanen Raums, so stammen mehr als die Hälfte der heutigen Wohngebäude aus der Zeit nach 1961, insbesondere bis 1980.[95] Bis 1991 stieg die Bevölkerung auf die heutigen knapp über 20.000 Einwohner.

Aktuelle Bevölkerungsstruktur und Bilanz

Die natürliche Bevölkerungsentwicklung ist negativ, jedoch ist durch Zuzug eine positive Bevölkerungsbilanz, seit den 1990ern auf niedrigem Niveau, zu verzeichnen, jüngst in den 2010ern gestützt durch einen Zuzug insbesondere aus den 2004 der EU beigetretenen Staaten. 2024 hatten rund 25 % der Bevölkerung ihren Geburtsort außerhalb Österreichs, 20 % der Bevölkerung eine andere Staatsbürgerschaft als die österreichische (12 % im Jahr 2008) und rund 12 % eine Staatsangehörigkeit eines anderen EU-Staates (6 % im Jahr 2008).[96] Nach Österreich hat die Bevölkerung Mödlings folgende Staatsbürgerschaften am häufigsten, in absteigender Folge: Rumänien (2,80 %), Deutschland (2,70 %), Ungarn (1,92 %), Serbien (1,45 %), Ukraine (1,17 %), Bosnien und Herzegowina (1,14 %), Kroatien (0,92 %) und die Slowakei (0,88 %).[97]

Religion

Nach den Daten der Volkszählung 2001 sind 59,4 % der Einwohner römisch-katholisch, 19,0 % ohne Bekenntnis, 8,4 % evangelisch, 4,1 % orthodox, 3,1 % muslimisch, sowie 0,1 % israelitisch.

Politik

Die erste Kommunalwahl nach dem Zweiten Weltkrieg fand 1955 statt. Seitdem wurde alle fünf Jahre, mit Ausnahme 1979, der Gemeinderat neu gewählt.

Seit 1985 gibt es im Mödlinger Gemeinderat keine Liste, welche eine absolute Mehrheit hat. Von 1985 bis 2025 bildete die ÖVP mit unterschiedlichen Listen eine Koalition und stellte den Bürgermeister sowie die Koalitionspartner die Vizebürgermeister bzw. Vizebürgermeisterin.

Seit 2025 bilden Grüne und SPÖ eine Koalition. Das Amt des Bürgermeisters wird in dieser Legislaturperiode aufgeteilt. Erste Hälfte der Legislaturperiode übernimmt Silvia Drechsler (SPÖ) als erste Frau das Mödlinger Bürgermeisteramt. Nach ca. 2,5 Jahren wechselt der derzeitige Vizebürgermeister Rainer Praschak (Grüne) in das Amt des Bürgermeisters, wodurch erstmalig in Niederösterreich ein Bürgermeisteramt von den Grünen gestellt wird.[98][99]

Mehrheiten bzw. Koalitionen im Gemeinderat

  • 1946: SPÖ & ÖVP & KPÖ (im provisorischen Gemeindeausschuss)[85]
  • 1955–1960: SPÖ (1955 erste Gemeinderatswahl nach dem Zweiten Weltkrieg)
  • 1960–1965: SPÖ
  • 1965–1970: ÖVP
  • 1970–1975: ÖVP
  • 1975–1979: SPÖ & FPÖ
  • 1979–1985: SPÖ
  • 1985–1990: ÖVP & Liste Wagner
  • 1990–1995: ÖVP & SPÖ
  • 1995–2000: ÖVP & Wir für Mödling
  • 2000–2005: ÖVP & SPÖ
  • 2005–2010: ÖVP & SPÖ
  • 2010–2015: ÖVP & Grüne
  • 2015–2020: ÖVP & Grüne
  • 2020–2025: ÖVP & SPÖ
  • seit 2025: Grüne & SPÖ

Mandatsverteilung im Gemeinde- und Stadtrat

Weitere Informationen Wahl, Summe 5 ...
Mandatsverteilungen im Gemeinderat
Wahl Summe 5 ÖVP Grüne 9 SPÖ NEOS 1 FPÖ 7 WIR 2 Sonstige
1955[100]3515181 71 8
1960[100]35151721 8
1965[100]3518161 8
1970[100]352015
1975[100]3718163
19793715193
1985371711414
1990371511029
1995[101]41162 108447
2000[102]41155101451 3
2005[103]411871222
2010[104]411989311 4
2015[105]411810841
2020[106]4116118321
2025[107]41121110341
Schließen
Weitere Informationen Wahl, Summe 6 ...
Mandatsverteilungen im Stadtrat
Wahl Summe 6 ÖVP Grüne 9 SPÖ NEOS 1 FPÖ WIR 2 Sonstige
2015[108]126321
2020146431
2025[109]1133311
Schließen
1 
1995/2000 als Liberales Forum Zumpfe/LIF
2 
Wir für Mödling, 2005 mit dem Zusatz vormals Liste Wagner und ab 2010 mit dem Zusatz Eva Maier
3 
Mödling 2000 Unabh. Bürgerl.
4 
Bürgerliste Michael Kanyka
5 
Die Anzahl der Gemeinderäte beträgt seit 1995 41; 1975/1979/1985/1990: 37 Mandate; 1955/1960/1965/1970: 35 Mandate
6 
Die Anzahl der Stadträte kann in Mödling zwischen 9 und 14 variieren.
9 
1985 als Grün-Alternative Liste (GAL) ähnlich der Alternative Liste Österreichs; 1990 und 1995 als Die Grüne Alternative - Bürgerinitiative Gemeinderat, angelehnt an die Bürgerinitiative Parlament um Günther Nenning; ab 1995 Die Grünen Mödling[110]
10 
Grüner Gemeinderatsmandatar Peter Nikolay war bald 1995 nicht mehr Teil der Grünen[110]

Bürgermeister

  • 1593–1611: Georg Wiesing (als kaiserlicher Verwalter)
  • 1680er: Ignaz Viechtl (als Marktrichter, v. Beruf Müller)
  • 1822–1848: Anton Bayer (längst amtierender)
  • 1848–1861: Josef Scheffer
  • 1861–1864: Johann Aichinger
  • 1864–1868: Johann Nowotny-Mannagetta
  • 1870–1873: Johann Aichinger
  • 1873–1882: Josef Schöffel
  • 1882–1885: Johann Nehammer
  • 1885–1888: Alois Specht
  • 1888–1890: Gustav Adolph
  • 1890–1910: Jakob Thoma (CSP)
  • 1910: Josef Sarauer (geschäftsführender Vizebürgermeister)
  • 1910–1911: Jakob Schafhauser
  • 1911–1918: Thomas Thamussino
  • 1918: Hugo Ritter von Grimm (Gerichtskommissär)
  • 1918–1919: Volksrat mit den Vorsitzenden Ferdinand Buchberger, Adolf Rziha und August Segur-Cabanac (abgelöst am 31. März 1919 durch Robert Mutschlechner)
  • 1919–1922: Ferdinand Buchberger (SDAP), erster sozialistischer nach erster allgemeinen Gemeinderatswahl
  • 1922–1925: Josef Lowatschek (CSP), ab 1924 durch das Land NÖ als Gemeindeverwalter bestellt, da nach den SDAP auch die CSP Gemeinderatsmitglieder ihr Mandat zurücklegten
  • 1925–1929: Ferdinand Buchberger (SDAP)
  • 1929–1934: Hans Schürff (GDVP)
  • 1934–1938: Josef Lowatschek (CSP), als Gemeindeverwalter u. design. Bürgermeister
  • 1938 (12. März – 14. Oktober): Gustav Hartmann (designierter Bürgermeister)
  • 1938–1954: Mödling in Wien eingemeindet, ab 1946 war Ferdinand Buchberger und ab 1951 Josef Deutsch als designierter Bürgermeister durch den provisorischen Gemeindeausschuss und später Gemeinderat gewählt und als Ortsvorsteher mit den Funktionen des Bezirksvorstehers betraut[87]
  • 1954–1955: Carl Zwilling (ÖVP), provisorisch bis zur ersten Gemeinderatswahl 1955
  • 1955–1965: Josef Deutsch (SPÖ)
  • 1965–1972: Karl Stingl (ÖVP)
  • 1972–1975: Rudolf Schwarzrock (ÖVP)
  • 1975–1980: Heinrich Horny (SPÖ),[111] mit halbjähriger Unterbrechung 1979, durch Rücktritt aller ÖVP Gemeinderäte wurde ein Regierungskommissär (Walter Gamauf) eingesetzt
  • 1980–1982: Friedrich Lehr (SPÖ)
  • 1982–1985: Werner Burg (SPÖ)
  • 1985–2003: Harald Lowatschek (ÖVP)
  • 2003–2024: Hans Stefan Hintner[112] (ÖVP) (längst amtierender Bürgermeister seit Stadterhebung (1875))[113]
  • 2024–2025: Michael Danzinger (ÖVP)[113]
  • Seit 2025[98]: Silvia Drechsler[114] (erste Bürgermeisterin)

(1.) Vizebürgermeister

  • 1946: Carl Zwilling (ÖVP) und Josef Dworschak (KPÖ),[87] designiert da noch in Wien eingemeindet
  • 1954–1955: Josef Deutsch (SPÖ)
  • 1970: Friedrich Lehr (SPÖ), in Opposition
  • 1975–1979: 1. Harald Ofner (FPÖ),[115] 2. Harald Lowatschek (ÖVP), 3. Friedrich Lehr (SPÖ)
  • 1979–1980: Friedrich Lehr (SPÖ), Harald Lowatschek (ÖVP)
  • 1980–1982: Werner Burg (SPÖ), Harald Lowatschek (ÖVP)[116]
  • 1985–1990: Pepi Wagner (Liste Wagner)
  • 1990–1995: Robert Karpfen (SPÖ)
  • 1995–2000: Pepi Wagner (WIR)
  • 2000–2010: Andreas Holzmann (SPÖ), bis 2015 Vizebürgermeister in Opposition
  • 2010–2020: Gerhard Wannenmacher (Grüne), ab 2015: 2. Ferdinand Rubel (ÖVP)
  • 2020–2025: Silvia Drechsler (erste Frau als Vizebürgermeisterin; SPÖ), 2. Rainer Praschak (Grüne), 3. Ferdinand Rubel (ÖVP)
  • 2025–2027[98]: Rainer Praschak (Grüne);[114] 2. & 3. Vizebürgermeisterposten abgeschafft[117]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Altes Rathaus (14./16. Jh.) und Posthof am Schrannenplatz mit Josef Schöffel-Denkmal

Die gut erhaltene und renovierte Altstadt steht unter dem Schutz der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten und ist mit der im Jahr 1976 eingerichteten Fußgängerzone in der Kaiserin Elisabethstraße und dem Schrannenplatz einladend gestaltet, genutzt und vielseitig bespielt.

Aufgrund seines Ambientes hat sich Mödling auch einen Ruf als Hochzeitsstadt erworben. So ist im Altstadtzentrum, im alten Rathaus am Schrannenplatz das Standesamt zentral gelegen.

Eingebettet in malerische Landschaft und dessen Gestaltung als Landschaftspark, mit zahlreichen romantischen Ruinen, war Mödling ab dem Biedermeier ein von Künstlern häufig besuchtes Ausflugsziel.

Egon Schieles Häuser und Föhren bei Mödling, 1915

Zentral hierbei ist die, der Altstadt angeschlossenen Klausen mit der Burgruine Mödling, die auf den Resten der ehemaligen herzoglichen Burg Mödling steht. In den von Kletterern geschätzten Felsen der Klausen wachsen seltene Pflanzen, wie die Mödlinger Feder-Nelke (Dianthus plumarius subsp. neilreichii), die erst Mitte des 19. Jahrhunderts von dem Botaniker August Neilreich entdeckt wurde, oder der Deutsche Alant (Inula germanica). Hier zieren außerdem große Bestände der seltenen Schwarz-Föhre (Pinus nigra subsp. nigra) das pittoreske Tal entlang des Mödlingbach.

Neben der geschützten Altstadt und der Klausen, gibt es noch das Naturschutzgebiet am Eichkogel, der auf seinen Halbtrockenrasen seltene Pflanzen, wie das vom Aussterben bedrohte Knollen-Brandkraut (Phlomis tuberosa) und andere beherbergt, sowie einen freien und weiten Ausblick auf das Wiener Becken und reichen Weinbau bietet.

Sehenswürdigkeiten

Dreifaltigkeitssäule (Pestsäule, von der zweiten Pestepidemie 1713) am Freiheitsplatz mit Rathausturm (16. Jh.), St. Othmarkirche (15. Jh.) und Kalenderberg im Hintergrund
Ruine Burg Mödling (11./12. Jh.) und dahinter der Husarentempel (1813) auf den Ausläufer des Anningers, gesehen von oberhalb der Klausen
Diverse alte Bürgerhäuser mit erhaltener Renaissance-Fassade sind in der Altstadt von Mödling zu finden, wie hier in der Rathausgasse
Jugendstil Häuserreihe der Ludwig Höfler-Gasse im Neusiedlerviertel, von dem in Mödling lebenden Karl Lehrmann. Hier lebten in der Zwischenkriegszeit für ein paar Jahre Peter Lorre sowie Dagobert Peche der Wiener Werkstätte, nur wenige Häuser vom Schönberg-Haus, wo Arnold Schönberg für sieben Jahre lebte.

Museen

Museum Mödling im Thonetschlössl (18./19. Jh., Kapuzinerkloster), zwischen Josef-Deutsch Platz und rückseitig dem Museumspark (ehem. Klostergarten)

Bühnen

Eingang zum Stadttheater Mödling in der mödlinger Altstadt
  • Stadttheater Mödling
    • Teatro, seit 2011, im Sommer und zu Weihnachten
      • Vorhergehendes Sommertheater Mödlinger Kommädienspiele[118] des Pinus Nigra Kulturverein mit Andreas Steppan, etabliert 1994,[2] letzte Aufführung 2010[119]
  • Bühne Mayer (im Mautwirtshaus)
  • Mödlinger Puppenkiste
  • Theater im Bunker, befindet sich in einem ehemaligen Luftschutzstollen in der Vorderbrühl
  • Sommertheater im Konzerthof der Stadtgemeinde Mödling
    • 2000 bis 2024: Shakespeare in Mödling (Intendanz Nicole Fendesack)[120]
    • ab 2025: Theater/Ab/Hof (Intendanz David Czifer, Clemens Fröschl und Samantha Steppan)[121]
  • Stadtgalerie Mödling Veranstaltungszentrum
  • Raiffeisen Forum Mödling
  • Redbox (Haus der Jugend)

Feste

Start des größten Faschingsumzugs in Niederösterreich, bei der Waisenhauskirche, zum 50. mal am Faschingssonntag 2019
Weinfest Mödling im Museumspark (2024)
Mödlinger Altstadt zu Weihnachten (2023)
  • Mödlinger Fasching (inkl. Umzug seit 1969)[90]
  • Weinfest Mödling
  • Genussmeile
  • Grünes Wanderkino und Parkfest
  • Podium Festival (Kammermusik)
  • Sturm und Klang Festival (Alternativmusik)
  • Silvester am Schrannenplatz
  • Diverse 1. Mai Feste (u. a. zunächst ab dem späten 19. Jh. als sozialistische Familienfeste im Prießnitztal)
  • Mödlinger Krimi- & Literaturnacht
  • Mödlinger LITEROTIK-Nacht
  • Autofreier Tag – Streetevent & OpenDOOR
  • Lange Einkaufsnacht
  • Streetfood City-Mödling
  • Straßenspektakel rund um das Schöffel-Haus
  • Regional und Kostbar Markt
  • Kunsthandwerksmarkt Mödling
  • Mittelalterfest zu Mödling

Mödlinger Advent

  • Adventmarkt in der Altstadt
  • Eva`s Adventmarkt am Hyrtl-Platz
  • Mödlinger Mittelalteradvent

Wochenmärkte

  • Bauernmarkt in der Altstadt
  • Bauernmarkt in der Schöffelstadt
  • Bauernmarkt in der Kolonie
  • Bauernmarkt vor dem Museum

Flohmärkte

  • Flohmarkt des Roten Kreuzes
  • Flohmarkt in der Altstadt
  • Flohmarkt Gymnasium Bachgasse
  • Flohmarkt Lowatschekgasse 17
  • Flohmarkt im Neusiedlerviertel
  • Flohmarkt im Schöffelpark
  • Großer Kindersachenflohmarkt im Schwarzrockpark
  • Kindersachenflohmarkt im Museumspark

Sportstätten

Haupteingang zum Frei- und Hallenbad Stadtbad Mödling
  • Stadtbad Mödling (inkl. Kunsteisbahn & Hallenbad)
  • Sportzentrum Mödling
  • Stadion Mödling
  • ASV Hinterbrühl – Mödling
  • Turnplatz des ÖTB TV Mödling
  • „Alle Neune“ (Kegelbahn)
  • Tennisclub Union Mödling
  • Brühl Mödlinger Tennis Club
  • rocktopia – die Kletterhalle
  • Robert Karpfen Klettersteig

Tanz

  • DrumArt – drum & dance – Kulturraum
  • Ballettschule Schwamberger

Vereine

Sport

Sonstige

  • Verein der Naturfreunde in Mödling (gegründet 1877); nicht ident mit der Gruppe Mödling der Naturfreunde
  • Mödlinger Künstlerbund
  • Mödlinger Förderungsverein (Faschingsverein)
  • Pfadfinder Mödling
  • ARBÖ Mödling (gegründet 1930)

Bildung, Gesundheit, Verwaltung und Soziales

Als Bezirkshauptstadt ist Mödling Sitz einer Reihe bedeutender Verwaltungsstellen. In Mödling befindet sich:

Die Gemeinde Mödling sieht sich mit ihren vielen Schulen als Schulstadt und ist speziell mit ihrem Landesklinikum Thermenregion Mödling ein wichtiges regionales Gesundheitszentrum.

Bildung

Blick Richtung Süden vom Kalenderberg entlang der Wiener Hochquellwasserleitung mit dessen Mödlinger Aquädukt über die Klausen auf den Frauenstein mit der Aussichtsplattform Johannesruhe, und weiter über die Goldene Stiege und das Neusiedlerviertel auf den Eichkogel mit dem großen HTL Mödling Hauptgebäude. Diese Schule ist mit rund 3500 Schülern die größte Schule Österreichs und eines der größten Ausbildungsinstitute Europas im technischen Bereich.

Bibliotheken

  • Bücherei Mödling
  • Bücherei der Evangelikale Freikirchliche Gemeinde Mödling

Gesundheit

Soziales

Jugendeinrichtungen

  • Haus der Jugend (inkl. Redbox)
  • Waggon Jugendberatungsstelle

Asyl

Sozialer Wohnbau

  • Gemeindebau der Stadtgemeinde Mödling
  • Baugenossenschaft Mödling
  • WET gemeinnützige WohnbaugesmbH

Diverses

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Ursprünglich ein geschätzter Weinhauerort, Markt, Ort mit hoher Mühlendichte und dann später Kurort, war Mödling zuletzt durch Großbetriebe geprägt. Viele der Großbetriebe sind nach Wiener Neudorf in das Industriezentrum Niederösterreich Süd abgewandert, wenn auch vereinzelt noch Betriebe wie von Knorr-Bremse oder das EVN-Fernwärmekraftwerk ansässig sind.

Heute dominiert das Kleingewerbe, welches jedoch teilweise Jahrhunderte alte Familienbetriebsgeschichte nachweisen kann. So sind z. B. der zentrale Eisenhandel Krawany oder die Lebzelterei Rachenzentner, beide seit der zweiten Hälfte des 17. Jh. (1663; 1696) an heutiger Stelle angesiedelt und seit dem 19. Jh. (1842; 1807) unter dem heutigen Namen im Familienbetrieb.[2][122]

Der Dienstleistungssektor ist ausgeprägt und diversifiziert, auch im TV oder vermehrt Startup Bereich.

Energiewirtschaft

Mödling ist im dicht verbauten Gebiet fast vollständig mit biogener Fernwärme, welche im Biomasseheizkraftwerk Mödling erzeugt wird, aufgeschlossen. Die öffentlichen Gebäude, wie Schulen, Ämter und Kranken- und Pflegeanstalten, als auch großvolumige Wohnbauten werden mit dieser Fernwärme versorgt.

Vereinzelt versucht die Gemeinde Solarenergie auf Dachflächen von Gemeindegebäuden zu nutzen und stadtklimatische Maßnahmen zu setzen.

Aufgrund der ehemaligen Eingemeindung in Groß-Wien teilen sich heute die Wiener Netze und das EVN Netz das Gebiet.

Verkehr

Öffentlicher Verkehr

Der Bahnhof Mödling von der Wienerstraße/Hauptstraße Bahnüberfahrtsbrücke aus gesehen. (im Hintergrund das Biomasseheizkraftwerk Mödling)

Mödling und speziell der Bahnhof ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt des öffentlichen Verkehrs im Bezirk, per Schiene auf Nord-Süd-Achse und per Bus und Individualverkehr auf der West-Ost-Achse, in die Flügel des Bezirks und deren komplementäre Verkehrsinfrastruktur. Letztere West-Ost-Achse ist eine langjährige Herausforderung aufgrund des hohen Anbringerverkehrs bei gleichzeitig begrenzter Verfüg- und Belastbarkeit von Straßenzügen.

Die Stadt wird von der Südbahn durchquert, die mit Schnellbahn und Regionalzügen eine schnelle Verbindung nach Wien, Baden und Wiener Neustadt ermöglicht. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2019 ist Mödling an den Nächten vor Feiertagen und Wochenenden rund um die Uhr im Halbstundentakt mit Wien und im Stundentakt mit Wiener Neustadt verbunden.[123] Der Bahnhof ist für die zahlreichen Pendler auch mit einer großzügig angelegten Park-and-Ride-Anlage ausgestattet.

Innerstädtisch gibt es einen Citybus mit vier Linien (1, 2a, 2b, 3), welcher vom ÖBB-Postbus betrieben wird. Außerdem führen von den zwei Busbahnhöfen (Bahnhof und Badstraße) Buslinien in den ganzen Bezirk sowie auch nach Siebenhirten und Liesing (Wien 23). Auch die Shopping City Süd wird durch die Buslinie 207 erschlossen.

Komplementiert wird das Angebot des öffentlichen Verkehrs durch weitere Angebote im Bezirk: Zu nennen sind hier etwa die Badnerbahn, die ebenfalls an das Netz des Citybusses angeschlossen ist, sowie die Innere Aspangbahn und die Pottendorfer Linie.

Park beim Bahnhofsplatz

Es gibt seit Jahren Bestrebungen, den Bahnhofsvorplatz zu renovieren und den Busbahnhof zu modernisieren; die Stadt Mödling hat auch schon eine Designstudie vorgestellt,[124] bisher ist aber kein konkretes Datum bekannt. 2014 wurde der vor allem im Schülerverkehr zur HTL Mödling bedeutende Busbahnhof Badstraße umgebaut.[125]

Weitere Verkehrsangebote

Fahrrad

Die Stadt verfügt über ein besonders großes Netz von Radwegen, das unter der Regierungsbeteiligung der Grünen in den letzten Jahren massiv ausgeweitet worden ist.[126] Das niederösterreichweite öffentliche Nextbike Bikesharing Standortenetz bietet mehrere Standorte in der Stadt. Von der Gemeinde werden an verschiedenen Standorten E-Lastenräder zur freien Miete digital über Radverteiler.at[127] zur Verfügung gestellt.

Auto

Seit den 2010er Jahren gibt es öffentlich gefördertes E-Carsharing, seit 2018 werden mehrere Standorte erfolgreich angeboten und weitere unter das gemeindenübergreifende Modell sharetoo geplant.

Mödling verfügt über ein Kurzparksystem, das Mitglied bei m-parking ist.

Straßen

Hauptstraße (ehem. Anger Zwischen Toren hinter dem östlichen Ungartor)[11] mit dem „Mölkerhof“ am Ende des Platzes (1773–1783 Herrenhaus einer ersten Fabrik als Manufaktur der Seidenzeugindustrie)[2] und mit dem Stadtzentrum und Kalenderberg am Ende der Straßenflucht, wo im Wald die St.-Othmar-Kirche und „Brille“ nebst Schwarzen Turm sichtbar sind

Durch Mödling führt als West-Ost-Verkehrsachse die B11 Mödlinger Straße, welche das Wiener Becken mit dem Wiener Wald über die Klausen und Brühl verbindet. Die Autobahnanschlussstelle Mödling an die Süd Autobahn A2 ist zugleich die Anschlussstelle für die Shopping City Süd außerhalb der Stadt. Weitere hochrangige Straßen im Großraum Mödling sind etwa die Außenring Autobahn A21, die Außenring Schnellstraße S1 und die B17 Triesterstraße parallel zum ehemaligen Wiener Neustädter Kanal.

Verkehrsgeschichte

Von historischem Interesse ist in Bezug auf Verkehr noch

Die Geschichte des Mödlinger Verkehrs wird heute im Mödlinger Stadtverkehrsmuseum aufgearbeitet und ausgestellt.

Städtepartnerschaften

Mödling pflegt Städtepartnerschaften und eine Städtefreundschaft mit[129]

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

In dieser Aufstellung sind auch Personen aufgeführt, die bedingt durch den Standort des Krankenhauses ihren Geburtsort Mödling haben, sonst aber kaum einen Bezug zur Stadt haben.

Bis 1900

1901 bis 1950

Ab 1951

Weitere Persönlichkeiten

Siehe auch

Literatur

Commons: Mödling – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Mödling – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikivoyage: Mödling – Reiseführer

Einzelnachweise

Anmerkungen

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