Schweinrich
Ortsteil von Wittstock/Dosse, Landkreis Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg
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Schweinrich ist ein Ortsteil der Stadt Wittstock/Dosse im Landkreis Ostprignitz-Ruppin im Nordwesten des Landes Brandenburg.
Schweinrich Stadt Wittstock/Dosse | ||
|---|---|---|
| Koordinaten: | 53° 11′ N, 12° 38′ O | |
| Fläche: | 19,43 km² | |
| Einwohner: | 152 (31. Dez. 2022)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 8 Einwohner/km² | |
| Eingemeindung: | 26. Oktober 2003 | |
| Postleitzahl: | 16909 | |
| Vorwahl: | 03394 | |
Lage von Schweinrich in Brandenburg | ||

Lage
Der Ort, in dem 152 Einwohner auf 19,43 km² leben (Stand: 31. Dezember 2022), liegt östlich des Kernortes Wittstock/Dosse. Nördlich des Ortes erstreckt sich der Dranser See. Östlich liegt die Gemarkung der Stadt Rheinsberg. Es folgen im Uhrzeigersinn die weiteren Ortsteile von Wittstock/Dosse Zootzen, Groß Haßlow, Dranse und Berlinchen.
Geschichte
Im Jahre 1244 wird das Dorf "Zwinerich" erstmals erwähnt. 1311 wurde es "Swinrich", später "Swinrik" und 1431 "Swynreke" geschrieben. Es gehörte damals zu Mecklenburg und unterstand den Herren von Werle. Danach ging es zum Land Stargard über. Das Dorf zählte Ende des 13. Jahrhunderts 36 Hufen Land, von denen 4 zur Pfarre und ursprünglich 5 zum Lehnschulzengut gehörten. Die Brüder Rudolf und Heinrich Quatfasel und Eggehard Colbaz, Lehnmannen der Johann und Zabel von Plau sowie von Zabel Dargaz, welche vor 1311 in den Besitz des Ortes gelangt waren, verkauften es 1319 mit Zustimmung der Lehnsherren sowie der mecklenburgischen Landesherrn an das Kloster Amelungsborn, das im benachbarten Dranse einen Klosterhof unterhielt. Den entfernt vom Stammkloster gehörenden Besitz verkaufte das Kloster 1431 dem Bischof von Havelberg, der es in seinen Besitz um die Burg Zechlin eingliederte. Dadurch entstanden Konflikte zwischen dem Bischof und den Mecklenburger Landesherren, denen im, Vertrag von Wittstock 1445 Dienst, Bede, Landding und andere Hoheitsrechter, wahrgenommen vom Haus Wredenhagen, zugestanden wurden. Damit kehrte aber keine Ruhe ein, denn nach weiterer Zwietracht kam es 1491 und 1523 zu weiteren Vergleichen. 1550 hatten die Bauern zu Schweinrich die östlich vom Dorf gelegene Wüste Feldmark Herzdorf in Pacht.
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstand im Ort eine Feldsteinkirche. 1574 war Schweinrich eine Tochterkirche von Dranse, woran sich bis in die jüngste Zeit nichts änderte.
Infolge der Reformation zog der Kurfürst von Brandenburg 1571 den Besitz der Havelberger Bischöfe ein. Ab jetzt gehörte Schweinrich endgültig zu Brandenburg und unterstand fortan dem Amt Zechlin. 1574 wurden im Ort der Lehnschulze, 13 Zweihüfner und 6 Kossäten erfasst. Diese nutzten neben der eigenen Feldmark 28,5 Hufen der Wüstung Herzdorf, daneben hatten fast alle auch Heuerland auf der Feldmark Lutterow, und etliche ebenfalls auf den Feldmarken Tuchdorf, Raderang, Randow, in der Mönchheide und am Bohnenberg.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg zählte Schweinrich 1652 nur noch 13 Personen, darunter zwei Hüfner und drei Kossäten, und einen Freihof. 1686 gab es 2 Lehnschulzen, einen wüsten Dreihüfnerhof, 12 Zweihüfner (davon 5 wüst), 6 Kätner ohne Acker (4 wüst), einen Einlieger und je eine wüste Schmiede-, Schneider- und Radmacherstelle. Der Schäfer hütete die Schweine mit, aber es gab für ihn und den Kuhhirt keine Wiese, und der Acker war "sehr sandig." Auch Fischerei und Brennholzgewinnung brachten nicht viel ein.
1721 werden neben dem Lehnschulzen verzeichnet: 2 Freibauern, 12 Zweihüfner, 5 Kossäten, ein Halbkossät, ein Gemeindeschmied, ein Gemeindeschäfer, ein Kuhhirt, zwei Büdner (darunter der Schulmeister) und zwei Einlieger, darunter der Leineweber. Die Feldmark umfasste zwei Kirchhufen, sieben Lehnhufen und 24 5/6 Bauernhufen. 1734 werden dagegen 32 Hufen angegeben, welche nunmehr von 13 Bauern bearbeitet wurden. 1745 werden neben den 13 Bauern zwei Lehnschulzen und 6 Kätner genannt.
1887 befand ein militärisches "Sondierungskommando" das Gebiet östlich und südöstlich von Schweinrich als für die Anlage eines großen Artillerieschießplatzes geeignet. Es wurde sogar der Bau einer Bahnlinie nach Oranienburg angeregt. Die Forstverwaltung erfuhr davon aus der Presse. Der am Ende tatsächlich angelegte Schießplatz war dann aber deutlich kleiner als der nach 1945 von der Sowjetarmee angelegte.[2]
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde auch in Schweinrich die Bodenreform durchgeführt. Zu den enteigneten Gütern in Schweinrich gehören: Gut Nr. 47, 156 ha. 1929 Adolf Braun, Gut Roseneck, 385 ha. 1929 Franz Röseler, Gut Nr. 10, 129 ha. 1929 Richard Weger.[3] Das Gut Roseneck befand sich am Weg nach Zootzen, der heute noch Rosenecker Weg heißt.
Ab etwa 1950 entstand östlich des Ortes der Truppenübungsplatz Wittstock, der von der GSSD genutzt wurde. Die Bauern des Ortes wurden gezwungen, ihre Felder an die Rote Armee zu verpachten; später wurden sie enteignet.[4] Nach der Wende gründete sich in der Region eine Bürgerinitiative gegen die Weiternutzung der Flächen durch die Bundeswehr. Am 15. August 1992 fand eine erste Demonstration statt, die in den darauffolgenden Jahren jeweils am 1. Januar des Jahres von Schweinrich aus startete. Durch die Proteste wurde erreicht, dass die geplante Nutzung schließlich im Jahr 2009 aufgegeben wurde.
Schweinrich wurde im Jahr 2003 nach Wittstock/Dosse eingemeindet.
Sehenswürdigkeiten
Die evangelische Dorfkirche Schweinrich, ein Feldsteinbau mit einem Westturm, stammt aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Im Innern steht unter anderem ein Altarretabel aus dem ersten Viertel des 17. Jahrhunderts.
Verkehr und Infrastruktur, Tourismus
- Die A 19 verläuft westlich. Sie mündet beim Autobahndreieck Wittstock/Dosse in die nordwestlich und südlich verlaufende A 24.
- Am südwestlichen Ufer des Dranser Sees ist ein Naturcampingplatz.
- Im Ort existiert ein Schullandheim.
Literatur
- Historisches Ortslexikon für Brandenburg – Teil 1 – Prignitz – N–Z. Bearbeitet von Lieselott Enders. In: Klaus Neitmann (Hrsg.): Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (Staatsarchiv Potsdam) – Band 3. Begründet von Friedrich Beck. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2012, ISBN 978-3-88372-033-3, S. 812 ff.
Weblinks
- Schweinrich auf wittstock.de
