Hillman Avenger
Pkw-Modell des Chrysler-Konzerns, produziert 1970 bis 1981
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Der Hillman Avenger (werksintern: Rootes B-Car) ist ein auf den Rootes-Konzern zurückgehendes Fahrzeug der unteren Mittelklasse, das in Großbritannien von 1970 bis 1981 produziert wurde. Hersteller war Chrysler United Kingdom. Der Avenger war als Weltauto konzipiert. Dementsprechend erschien es im Laufe der Jahre unter zahlreichen Marken. Neben der ursprünglich auf den britischen Inseln genutzten Marke Hillman stand es ab 1976 als Chrysler Avenger und ab 1979 als Talbot Avenger im Programm. Auf einigen kontinentaleuropäischen Märkten wurde das Auto zeitweise als Sunbeam Avenger vertrieben, während eine Exportversion für Nordamerika Plymouth Cricket hieß. Chrysler-Niederlassungen in Argentinien und Brasilien und deren Nachfolger produzierten den Avenger jahrelang in Lizenz; dort stand er noch lange über die Produktionseinstellung in Europa hinaus unter den Marken Dodge und Volkswagen im Programm. Auf der verkürzten Plattform des Avenger entstand schließlich auch die zweitürige Kompaktlimousine Chrysler Sunbeam mit gläserner Heckklappe.
| Hillman | |
|---|---|
Hillman Avenger (1972) | |
| Avenger | |
| Produktionszeitraum | 1970–1976 |
| Klasse | Untere Mittelklasse |
| Karosserieversionen | Limousine, Kombi |
| Motoren | Ottomotoren: 1,25–1,6 Liter (39–68 kW) |
| Länge | 4100 mm |
| Breite | 1600 mm |
| Höhe | 1300 mm |
| Radstand | 2500 mm |
| Leergewicht | 835[1]–923 kg |
| Vorgängermodell | Hillman Minx |
| Nachfolgemodell | Chrysler Avenger |
Modellgeschichte
Die Entwicklung des Avenger wurde im Herbst 1965[2] von dem seinerzeit noch unabhängigen Rootes-Konzern eingeleitet. Das unter dem werksinternen Code B-Car entwickelte Auto sollte zum Ende des Jahrzehnts die Mittelklassereihe Audax (z. B. Hillman Minx) ersetzen und zwischen der Apex-Familie (Hillman Imp) und der kommenden Arrow-Reihe (Hillman Hunter und andere) positioniert sein.[3] Der Avenger sollte auf dem heimischen Markt gegen die erfolgreichen Mittelklassemodelle von Ford (Cortina), BMC (Austin Maxi, Morris Marina) und General Motors (Vauxhall Viva) antreten und darüber hinaus im Sinne eines Weltautos geeignet sein, auch auf außereuropäischen Märkten verkauft zu werden.[3]
Der Avenger kam im Februar 1970 auf den britischen Inseln und in einigen Exportländern auf den Markt. Anders als bei fast allen anderen Rootes-Modellen der Nachkriegszeit verzichtete der Konzern beim Avenger auf Badge Engineering: Das Auto war in Großbritannien und Irland ausschließlich unter der Marke Hillman erhältlich; Pendants bei Singer, Humber oder Sunbeam gab es hier nicht.[Anm. 1] Die englische Motorpresse gab dem Avenger gute Kritiken für sein Fahrverhalten,[4] das vor allem das des zeitgleich vorgestellten Morris Marina in den Schatten stellte.
Chrysler bemühte sich ab 1970, die zu dieser Zeit sehr eigenständigen und nicht miteinander kompatiblen Modellpaletten seiner europäischen Niederlassungen in Frankreich und Großbritannien zusammenzuführen. Der bedeutendste Schritt auf diesem Weg war der von Chrysler France entwickelte C6, der ab 1975 in Kontinentaleuropa als Simca 1307/1308/1309 und auf den britischen Inseln als Chrysler Alpine verkauft wurde. Der C6 bediente genau das Marktsegment des Hillman Avenger, war aber mit Frontantrieb und Schrägheck wesentlich moderner. Mit dem Erscheinen des C6 war der Avenger im Grunde obsolet. Ungeachtet dessen setzte Chrysler die Produktion des Avenger nach der Einführung des Alpine fort. Das alte Auto erhielt ein Facelift und stand ab 1976 als Chrysler Avenger im Programm. Der einzige Grund für den Weiterbau des Autos war Chryslers Produktionsstätte im schottischen Linwood, zu deren Auslastung sich Chrysler als Gegenleistung für eine von der britischen Regierung gewährte Unterstützung in Höhe von 162 Mio £ verpflichtet hatte.[5]
1978 hatte sich Chryslers wirtschaftliche Krise in den USA so weit verschärft, dass der Konzern, um weitere Geldquellen zu erschließen, alle Tochtergesellschaften außerhalb Nordamerikas verkaufte. Die europäischen Chrysler-Filialen in Frankreich, Großbritannien und Spanien übernahm die französische Groupe PSA, die für die Anfangszeit auch die Produktion der bisherigen Chrysler-Modelle fortsetzte, sie aber ab 1979 unter der Marke Talbot verkaufte. Das betraf auch den Avenger, der zwei Jahre lang Talbot Avenger hieß. 1981 folgte die endgültige Produktionseinstellung in Europa.
Modellbeschreibung
Der Avenger wurde vollständig neu entwickelt; das Auto erhielt keine technischen Komponenten von den anderen Konzernmodellen.[3] Die Entwicklungsverantwortung lag ausschließlich bei Rootes in Großbritannien. Auch nachdem Rootes 1967 von Chrysler übernommen worden war, beschränkten sich die Einflüsse Detroiter Ingenieure auf kleine Details. Rootes verwendete für die Gestaltung und für die Konstruktion in größerem Umfang Computer.[2]
Karosserie
Der Hillman Avenger hat eine selbsttragende Karosserie aus gepresstem Stahlblech. Bei Modelleinführung war der Avenger als viertürige Limousine erhältlich, ab 1972 außerdem als Kombi mit großer Heckklappe und ab März 1973 schließlich auch als zweitürige Limousine.
Das Karosserieform wurde in Rootes’ Designstudio unter der Leitung von Roy Axe entwickelt. Anders als bei den Modellen der Arrow-Familie, deren Form betont nüchtern ausfiel,[6] orientierte sich das Designteam am amerikanischen Geschmack.[2] Kennzeichnendes Merkmal des Profils ist sowgl bei der Limousine als auch beim Kombi die Coke-Bottle-Linie, also eine Wölbung über den Hinterrädern, die in die Kofferraumlinie übergeht. Die Limousine hat darüber hinaus eine stark geneigte C-Säule, die andeutungsweise ein Fließheck abbildet. Die Coke-Bottle-Linie und das Semi-Fließheck finden sich auch bei dem größeren Chrysler 160/180/2 Litre, der kurz nach dem Avenger auf den Markt kam. An der Heckpartie der Limousine sind anders als bei älteren Rootes-Modellen, die insoweit vielfach standardisierte Zubehörkomponenten von Lucas verwendeten, individuell gestaltete Rückleuchten eingebaut, die die Form eines J oder eines L haben. Im angloamerikanischen Sprachbereich werden sie wegen ihrer Ähnlichkeit mit der Form eines Hockeyschlägers auch Hockey Stick Taillights genannt. Es gab zwei verschiedene Frontpartiegestaltungen: Die einfachen Versionen DL, Super und GL sowie der GT ab 1973 haben rechteckige Einzelscheinwerfer, während die höherwertigen Versionen GT (bis 1972), GTS und Tiger runde Doppelscheinwerfer tragen.
- Hillman Avenger 1600 Super
- Hockeystick-Rückleuchten
- Hillman Avenger 1600 GLS
- Zweitüriger Avenger Deluxe
- Avenger Super Estate
Motorisierung und Kraftübertragung

Die Motoren für den Avenger wurden neu konstruiert. Das Serienmodell war in Großbritannien mit zwei unterschiedlich großen Reihenvierzylindermotoren erhältlich, bei denen es jeweils zwei Leistungsstufen gab. Eine besondere Variante war der vorübergehend angebotene Avenger Tiger, der wesentlich stärker motorisiert war. Der Motor ist vorne längs eingebaut, er treibt die Hinterräder an. Als Kraftübertragung dient serienmäßig ein handgeschaltetes Vierganggetriebe; gegen Aufpreis war ein Automatikgetriebe von BorgWarner erhältlich, das in den ersten Jahren drei und später vier Vorwärtsgänge hatte.[7]
Anfänglich waren die Avenger wahlweise mit einem 1248 cm³ oder einem 1498 cm³ großen Reihenvierzylindermotor erhältlich. Die Leistung des kleineren Motors lag bei 53 bhp (39 kW), die des größeren je nach Kundenwunsch entweder bei 63 bhp (46 kW) oder bei 75 bhp (55 kW). Zum Modelljahr 1973 wurden die Motoren überarbeitet. Der Hubraum des kleineren Motors stieg dabei auf 1295 cm³, der des größeren auf 1598 cm³. Neben der Hubraumvergrößerung gab es für beide Motoren einen neu konstruierten Zylinderkopf.[2] Beide Motoren waren in jeweils zwei Leistungsstufen erhältlich, wobei die stärkere Variante des kleinen Motors mit 69 bhp (50,7 kW) die gleiche Höchstleistung hatte wie die schwächere Ausführung des großen Motors; der wesentliche Unterschied lag hier im Drehmoment, das beim größeren Motor höher war. Insgesamt reichte das Leistungsband der neuen Avenger-Motoren von 57 bhp (42 kW) bis 81 bhp (60 kW). Diese Motoren blieben bis zur Ablösung des Hillman Avenger durch den Chrysler Avenger unverändert im Programm; einige von ihnen fanden sich ab 1976 auch noch im Chrysler.
| Modelle und Motorisierungen | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Bauzeitraum | Bezeichnung | Hubraum | Motorleistung | Höchstgeschwindigkeit | Bauformen |
| 1970–1973 | Avenger DL / Super / GL | 1248 cm³ | 53 bhp (39 kW) | 130 km/h | Limousine / Kombi |
| Avenger GL | 1498 cm³ | 63 bhp (46 kW) | 146 km/h | ||
| Avenger GT | 75 bhp (55 kW) | 154 km/h | |||
| 1972–1973 | Avenger GLS | 159 km/h | |||
| Avenger Tiger | 92,5 bhp (68 kW) | 173 km/h | Limousine | ||
| 1973–1976 | Avenger 1300 | 1295 cm³ | 57 bhp (42 kW) | Limousine / Kombi | |
| 69 bhp (50,7 kW) | Limousine | ||||
| Avenger 1600 | 1598 cm³ | 69 bhp (50,7 kW) | 147 km/h | Limousine / Kombi | |
| 81 bhp (60 kW) | |||||
Fahrwerk
Die Vorderräder sind einzeln mit MacPherson-Federbeinen aufgehängt, hinten wird eine Starrachse an vier Lenkern (zwei längs, zwei diagonal) mit Schraubenfedern verwendet.[7] Vorn und hinten gibt es Teleskopstoßdämpfer.[8]
Ausstattungslinien
Der Avenger war auf dem britischen Markt für Privatkunden zunächst in drei, später in vier Ausstattungslinien erhältlich:

- Die Basislinie war der Avenger DL (alternativ: Deluxe). Als einfachstes Modell war er innen mit Gummifußmatten und einem sehr einfachen Armaturenbrett mit Breitbandtacho ausgestattet; er konnte wahlweise mit dem 1250- oder 1500-cm³-Motor bestellt werden.
- Die mittlere Linie hieß Avenger Super. Er hatte Teppiche, Armlehnen, eine Zweiklangfanfare und Rückfahrleuchten, aber das einfache Armaturenbrett des DL.
- Über dem Super war der Avenger GL positioniert. Der GL war äußerlich an Doppelscheinwerfern zu erkennen. Zur Serienausstattung gehörten ein Hebel zum Öffnen der Kofferraumklappe vom Fahrgastraum aus, Scheibenwischer mit zwei Geschwindigkeiten, gebürsteter Nylonbezug für die Sitze und ein Armaturenbrett mit Rundinstrumenten. Der GL war serienmäßig mit dem 1500-cm³-Motor ausgestattet.
- Im Oktober 1970 wurde zusätzlich der Avenger GT eingeführt. Er hatte einen 1500-cm³-Motor mit Doppelvergaser und ein manuell zu schaltendes Vierganggetriebe oder auf Wunsch ein dreistufiges Borg-Warner 35 Automatikgetriebe. Der GT hatte runde Doppelscheinwerfer vorn, Seitenstreifen an den Türen und Radabdeckungen aus Kunststoff.
- Im Oktober 1972 ersetzte der Avenger GLS den bisherigen GT. Der GLS war äußerlich am Vinyldach und an den Rostyle-Sporträdern zu erkennen.
- Im März 1973 kam die GT-Linie als besondere Ausstattungsvariante des zweitürigen Avenger zurück ins Programm. Der neue GT war ausschließlich mit dem großen Motor erhältlich und hatte einen Vinylüberzug über dem vorderen Teil des Dachs. Anders als die frühere GT-Reihe hatte die neue Auflage rechteckige Frontscheinwerfer.
Von Februar 1972 bis Oktober 1973 gab es den Avenger für kommerzielle Abnehmer schließlich auch als Flottenfahrzeug mit beiden Motorvarianten, aber einfacher Ausstattung. Die Modellbezeichnung dieser Variante lautete Hillman Avenger ohne weiteren Zusatz. Später gab es auch dieses Fahrzeug auf Wunsch mit Automatik.[2]
Baureihen
Erste Serie: 1970 bis 1973
Die ursprüngliche Version des Avenger wurde von 1970 bis 1973 gebaut. In dieser Zeit gab es nahezu keine technischen und stilistischen Änderungen an dem Auto; lediglich die Ausstattungspakete wurden in Einzelheiten neu zusammengestellt.
Zweite Serie: 1973 bis 1975
Im Oktober 1973 wurden beide Motoren überarbeitet. Die Hubräume wurden vergrößert: 1,3 statt 1,25 l und 1,6 statt 1,5 l. Die einfach ausgestatteten Flottenmodelle fielen weg. Die Modelle hießen nun „Avenger 1300“ bzw. „Avenger 1600“, und alle Ausstattungsvarianten (DL, Super und GLS) waren mit beiden Motorvarianten zu kombinieren.
Avenger Tiger


1972 erschien als Sondermodell der Avenger Tiger, dessen Konzept an den Sunbeam Tiger erinnern sollte, einen Rootes-Sportwagen mit US-amerikanischem Motor von Ford. Der Avenger Tiger war für die Teilnahme an Rennen und Rallyes konzipiert, hatte aber Straßenzulassung.[4] Es gab zwei Serien, die sich in Details voneinander unterschieden.
Die erste Serie des Avenger Tiger basierte auf dem Avenger Super; er hatte auch dessen Frontmaske mit den rechteckigen Einzelscheinwerfern. Als Antrieb wurde serienmäßig der 1,5 Liter große Motor geliefert, der es durch einen neuen Zylinderkopf mit größeren Ventilen und einer Verdichtung von 9,4 : 1 sowie Weber-Doppelvergaser auf 92,5 bhp (68 kW) bei 6100/min brachte. Die Radaufhängungen wurden verstärkt und die Bremsen, die Hinterachse und das Getriebe des GT übernommen. Die typische Farbgebung dieser Wagen umfasste mattschwarze Motorhauben, Heckabschlussbleche und Seitenstreifen mit der Aufschrift „Avenger Tiger“ auf den hinteren Kotflügeln. Es gab aber auch andere Farben. Die Wagen beschleunigten in 8,9 s von 0 auf 100 km/h und erreichten eine Höchstgeschwindigkeit von 173 km/h. Das waren bessere Fahrleistungen als beim Ford Escort Mexico, aber der Benzinverbrauch war dementsprechend hoch. Alle Avenger Tiger wurden vom Chrysler Competitions Centre montiert; es entstanden ca. 200 Stück vom Mk. I.
Zum Modelljahr 1973 wurde der Avenger Tiger Mk. II herausgebracht. Diesmal verwendete man die Karosserie des GL-Modells mit Doppelscheinwerfern. Mechanisch entsprachen diese Wagen dem Mk. I, hatten aber keine Hutze mehr auf der Motorhaube und veränderte Sitze und Räder. Von den nur in Gelb und Rot mit schwarzen Verzierungen erhältlichen Fahrzeugen entstanden ca. 400 Stück.
Exportversionen
Europa: Sunbeam Avenger, Sunbeam 1250/1500 und 1300/1600
Der Avenger wurde in einige kontinentaleuropäische Länder exportiert, unter ihnen Österreich und die Schweiz, die Benelux-Staaten und die skandinavischen Länder. Auf diesen Märkten wurde der Avenger üblicherweise nicht als Hillman, sondern unter der Marke Sunbeam verkauft. Dahinter stand die Überlegung, dass Sunbeam wegen einiger Erfolge im Motorsport international bekannter war als Hillman. Dementsprechend hieß das Auto auf einigen Märkten Sunbeam Avenger, teilweise auch (in Abhängigkeit vom Hubraum des konkreten Autos) Sunbeam 1250/1500 bzw. (ab 1973) als Sunbeam 1300/1600, so unter anderem in Österreich und Dänemark. Nicht alle in Großbritannien angebotenen Karosserieversionen und Motorvarianten waren auf allen Exportmärkten erhältlich. In Österreich gab es zeitweise einen zweitürigen Sunbeam 1500 GT mit 76-PS-Motor,[9] den es auf einzelnen Exportmärkten in dieser Form nicht gab.
Nordamerika: Plymouth Cricket

Um kurzfristig den steigenden Bedarf nach Kleinwagen auf dem nordamerikanischen Markt decken zu können, nahm Chrysler 1971 eine Variante des Hillmann Avenger ins US-amerikanische Portfolio auf. Der Wagen wurde unter der Konzernmarke Plymouth verkauft und erhielt die Modellbezeichnung Cricket (deutsch: Heuschrecke), was als Reverenz an den VW Käfer (in den USA: Beetle) zu verstehen war.[10] Der Plymouth Cricket wurde in Großbritannien produziert und nach Nordamerika exportiert. Er stand dort als viertürige Limousine und ab 1972 auch als Kombi mit großer Heckklappe im Programm. Einzige Antriebsquelle war ein Reihenvierzylindermotor mit 1498 cm³ Hubraum, dessen Leistung je nach Vergaserbestückung und Verdichtung zwischen 55 und 85 SAE-PS lag.
Der Cricket war ein wirtschaftlicher Misserfolg. Vor allem seine als schlecht empfundene Verarbeitungsqualität stand in anhaltender Kritik.[11] Von 1971 bis 1973 verkaufte Plymouth in den USA und Kanada je nach Quelle lediglich 27.682[11] bzw. „etwa 28.000“[10] oder 41.000 Crickets.[12] Der letztgenannte Wert entspricht annähernd der Produktion des Plymouth Valiant im Modelljahr 1971. Wegen der sehr schwachen Absätze, aber auch weil der Cricket die ab 1974 geltenden verschärften Emissionsschutzbestimmungen nicht einhielt und eine Anpassung erhebliche Investitionen erfordert hätte,[11] gab Chrysler den Import des Avenger nach nur zwei Jahren auf.
Produktion
Produktionsprozess
Die europäische Avenger-Produktion fand in Großbritannien statt. Wie bei Rootes üblich, war der Produktionsprozess über längere Zeit kompliziert. Die Rohkarosserien des Avenger wurden ausnahmslos von Rootes Pressings (Scotland) (später: Chrysler Linwood) in der schottischen Kleinstadt Linwood hergestellt. Die Endmontage der Autos fand dagegen bis 1976 im 520 km entfernten Chrysler-Werk in Ryton-on-Dunsmore bei Coventry statt. Erst Ende 1976 verlegte das Management die Endmontage des Avenger nach Linwood, um in Ryton Kapazitäten für den Bau des neuen Alpine (Chrysler C6) freizumachen.[13][14]
Produktionsumfang
Von 1970 bis 1976 entstanden, die Hillman-, Sunbeam- und Plymouth-Versionen zusammengenommen, insgesamt 638.631 Avengers.[3]
Rezeption
Der Avenger war ein Auto, dessen Technik dem Durchschnitt der übrigen britischen Fahrzeuge seiner Klasse entsprach. Er blieb aber hinter dem Austin Maxi zurück, der mit Frontantrieb, quer eingebautem Motor, Hydrolastic-Federung und großer Heckklappe um einiges fortschrittlicher daherkam. Andererseits war er ein konventionelles Auto, das den Erwartungen vieler konservativ eingestellter Briten in jener Zeit gerecht wurde.[2]
Der in der Bundesrepublik Deutschland herausgegebene Auto Katalog beschrieb den Avenger in seiner Ausgabe 1971/72 als ein „recht nett“ aussehendes Auto, das „aber in seinem gesamten Aufbau und vor allem in der Technik mehr auf Einfachheit als auf Fortschritt Bedacht nimmt. Es handelt sich gewiss um ein braves Auto, das jedoch ambitionierten Fahrern kaum besonders reizvoll erscheinen dürfte.“[15]
Lizenzproduktionen
Neuseeland

Todd Motors in Neuseeland komplettierte von 1971 bis 1980 insgesamt 26.500 Avengers aus Bausätzen für den lokalen Markt. Der Verkauf blieb auf Neuseeland beschränkt; ein Export nach Australien war zeitweise angedacht worden, fand aber nicht statt.
Die Technik der neuseeländischen Avengers stimmte jeweils mit den britischen Ausgangsmodellen überein. Der Absatz des Avenger blieb über die Jahre auf gleichbleibendem Niveau; einer Quelle zufolge wurde der Wagen wegen seiner Geräumigkeit und seines niedrigen Preises geschätzt.[16] In Neuseeland gehörte der Avenger bis Ende 1977 zur Marke Hillman; der Wechsel zur Marke Chrysler erfolgte dort erst 1978. Auch das Facelift, das die europäischen Avengers 1976 erhielten, setzte Todd für Neuseeland erst mit einiger Verzögerung um. Der Lagerbestand an Bausätzen mit dem ursprünglichen Hillman-Design reichte, um bis Ende 1977 Avengers mit altem Design zu bauen. Der neue, überarbeitete Avenger erschien in Neuseeland erst Anfang 1978.[17] Die Avenger-Produktion in Neuseeland endete zusammen mit der Einstellung des Modells durch den PSA-Konzern in Europa.
Argentinien
Chryslers argentinische Niederlassung Chrysler Fevre Argentina in Buenos Aires baute seit den 1960er-Jahren für den südamerikanischen Markt vor allem die Polara-Reihe, die von älteren US-amerikanischen Intermediate-Modellen der Dodge-Dart-Familie abgeleitet war. Um auch ein kleineres Modell anbieten zu können, nahm das Werk 1971 den Bau einer Variante des Hillman Avenger auf, die lokal als Dodge 1500 verkauft wurde. Anfänglich war das Auto ausschließlich mit einem 1,5-Liter-Motor erhältlich, von dem sich die Modellbezeichnung 1500 ableitet; später wurde in aufpreispflichtiger Motor mit 1,8 Liter Hubraum als Alternative ins Programm aufgenommen.
Als Volkswagen 1980 Chryslers Anteile an dem Werk in Buenos Aires übernahm, blieb der in Argentinien erfolgreiche und unter anderem bei Taxifahrern beliebte 1500 im Programm. Das Auto hieß bis 1982 Dodge 1500 und erhielt den Zusatz „made by Volkswagen Argentina“. Das letzte Facelift 1982 brachte die Umbenennung des Modells in Volkswagen 1500 unter dem Slogan „Con una garantía alemana“ (Deutsch: mit deutscher Garantie). In dieser Form blieb das Auto bis 1990 im Programm.[18]
Brasilien

Chrysler do Brasil baute von 1973 bis 1981 zwei Varianten des Avenger, die auf dem lokalen Markt als Dodge 1800 und Dodge Polara bezeichnet wurden. Die Motorisierung wich vom britischen Ausgangsmodell ab: Wie beim argentinischen Dodge 1500, waren auch in Brasilien Motoren mit 1,6 und 1,8 Litern Hubraum erhältlich. Die Autos waren nur als viertürige Limousinen erhältlich. Eine Kombiversion wurde zwar entwickelt und öffentlich vorgestellt; dem Werk fehlten aber die finanziellen Mittel für den Bau der dazugehörigen Produktionsanlagen. Die Karosserie der Limousine wurde im Laufe der Jahre eigenständig weiterentwickelt; das betraf insbesondere die vorderen und hinteren Leuchten und die Stoßstangen. Nachdem Volkswagen das brasilianische Chrysler-Werk übernommen hatte, wurde die Produktion noch einige Monate lang fortgesetzt, aber die Nachfrage brach 1981 so weit ein, dass im ersten Halbjahr nur noch etwas mehr als 1000 Autos hergestellt wurden. Im Juni 1981 beendete Volkswagen den Bau des 1800/Polara in Brasilien. Das Werk wurde in der folgenden Zeit für die Produktion von Lastwagen umgerüstet. Insgesamt entstanden 93.000 Dodge 1800/Polara.
Nachfolger
Chrysler Avenger
1975 führte Chrysler in Europa für die Mittelklasse die neu entwickelte C6-Reihe ein, die mit Frontantrieb, Quermotor und großer Heckklappe moderne Konstruktionsideen umsetzte. In der britischen Modellpalette trat er im gleichen Segment an wie der Hillman Avenger, der im Vergleich zum C6 konzeptionell veraltet war und überflüssig wurde. Allgemein wurde deshalb die Einstellung seiner Produktion und damit auch die Schließung des Chrysler-Werks in Linwood erwartet. Die wirtschaftliche Krise, in der sich Chrysler in den 1970er-Jahren befand,[Anm. 2] bewirkte allerdings mittelbar das Gegenteil: Der Avenger wurde über das Jahr 1975 weiter produziert. Zur Abwendung von Betriebsschließungen hatte Chrysler Anfang 1976 finanzielle Hilfen von der britischen Regierung bekommen. Im Gegenzug musste sich das Unternehmen verpflichten, alle Arbeitsplätze im Werk Linwood zu erhalten.[5] Dazu war die Fortsetzung der Avenger-Produktion notwendig, dessen Endmontage von Ryton-on-Dunsmore nach Linwood verlegt wurde. Im Zuge dieser Umstrukturierung erhielt der Avenger ein kleines Facelift an der Front- und an der Heckpartie und stand ab Sommer 1976 als Chrysler Avenger weiter im Programm. Bis 1979 entstanden etwa 150.000 dieser Autos.
Talbot Avenger

1978 verkaufte der wirtschaftlich stark angeschlagene Chrysler-Konzern mit Ausnahme der mexikanischen Dependance alle Niederlassungen außerhalb der USA. Die europäischen Töchter in Frankreich, Spanien und Großbritannien übernahm der von Peugeot geführte französische PSA-Konzern. PSA setzte die Produktion der Chrysler-Modelle zunächst fort, verkaufte die Autos aber ab 1979 unter der neu geschaffenen Marke Talbot verkaufte. Das betraf auch den Avenger, der nun als Talbot Avenger im Programm stand. Anders als bei den jüngeren Chrysler-Konstruktionen Alpine und Horizon führte der Talbot Avenger nicht das neue Talbot-Logo im Kühlergrill, sondern behielt das Chrysler-Logo (Pentastar) bei. Auch die Rechte am Markennamen Avenger blieben bei Chrysler, wo er zwei Jahrzehnte später für eine Dodge-Limousine wiederbelebt wurde. PSA nahm keine technischen oder stilistischen Änderungen am Avenger vor. Die Motorenpalette wurde unverändert fortgeführt. Lediglich die Ausstattungslinien stellte das Unternehmen neu zusammen. Nach der Einstellung des Chrysler Hunter im Jahr 1979 war der Avenger das letzte Rootes-Modell im Talbot-Programm. Im März 1981 endete die Produktion des Avenger; damit wurde auch das Werk in Linwood geschlossen.
Literatur
- David Culshaw, Peter Horrobin: The Complete Catalogue of British Cars 1895–1975. Veloce Publishing PLC, Dorchester 1997, ISBN 1-874105-93-6
- Geoff Carverhill: The Rootes Story Vol. 2 - The Chrysler Years, Crowood Press 2023, ISBN 978-0-7198-4179-8.
- George Nicholas Georgano (Hrsg.): The Beaulieu Encyclopedia of the Automobile. Band 1: A–F. Fitzroy Dearborn Publishers, Chicago 2001, ISBN 1-57958-293-1, S. 290 (englisch).
- Graham Robson: The Cars of the Rootes Group, London 2007, ISBN 978-1-903088-29-6
Weblinks
Anmerkungen
- Allerdings wurde der Avenger auf einigen Exportmärkten als Sunbeam verkauft. Dahinter stand die Überlegung, dass die Marke Sunbeam wegen einiger Erfolge im Motorsport international bekannter war als Hillman.
- Allein mit seiner britischen Tochter hatte Chrysler von 1967 bis 1975 einen kumulierten Verlust in Höhe von 80 Mio £ erwirtschaftet, und für 1976 war ein Verlust von weiteren 40 Mio £ prognostiziert. Vgl. Keith Adams: Labour’s bailout of Chrysler (UK) – death of a dream or vital lifeline? www.aronline.co.uk, 10. Januar 2023, abgerufen am 22. Januar 2026.
