Syrer in Deutschland

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Syrer in Deutschland (arabisch: السوريون في ألمانيا, al-Sūrīyūn fī Almāniyā) bezeichnet syrische Migranten in Deutschland oder Deutsche mit syrischen Wurzeln. Ihre Zahl wird Stand 2024 auf rund 1,22 Millionen geschätzt; davon rund 975.060 ohne deutsche Staatsangehörigkeit.[1][2] Nach Türken und Ukrainern bilden die Syrer damit die drittgrößte ausländische nationale Gruppe in Deutschland. Von 2011 bis 2024 haben rund 252.500 Personen syrischer Herkunft die deutsche Staatsbürgerschaft erworben.[3]

Syrer in Deutschland feiern den Sturz des Assad-Regimes am 8. Dezember 2024

Die syrische Bevölkerung in Deutschland besteht hauptsächlich aus Menschen, die als Geflüchtete des syrischen Bürgerkriegs während der europäischen Migrationskrise 2015 nach Deutschland kamen. In Deutschland lebt die mit Abstand größte syrische Diaspora in Europa.

Geschichte

Bereits vor dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011 existierte eine syrische Migrantengemeinschaft in Deutschland, darunter überproportional viele Angehörige religiöser und ethnischer Minderheiten wie Assyrer und Aramäer. Im Jahr 2010 verzeichnete das Ausländerzentralregister rund 30.000 syrische Staatsbürger in Deutschland.[4] Auch zahlreiche Gegner des syrischen Regimes unter Bashar al-Assad, insbesondere sunnitische Muslime und Palästinenser, suchten Zuflucht in Deutschland.

Die überwiegende Mehrheit der Syrer, die nach Deutschland gekommen sind, wanderte nach dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs 2011 ein. Während der europäischen Migrationskrise von 2015–2016 gelangten Hunderttausende syrischer Flüchtlinge nach Deutschland, um Asyl zu beantragen.[5]

Die meisten Syrer erhalten subsidiären Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention, der ihnen den Status eines dauerhaften Aufenthalts gewährt, mit dem Recht auf Arbeit und der Möglichkeit, nach fünf Jahren Aufenthalt die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen.[6] Im Jahr 2023 waren Syrer mit Abstand die größte Gruppe ausländischer Staatsangehöriger, die die deutsche Staatsbürgerschaft erhielten (rund 75.000).[7]

In Deutschland lebt die mit Abstand größte syrische Diaspora außerhalb des Nahen Ostens.[8]

Von 2015 bis 2023 wurden rund 163.000 Syrer eingebürgert.[9]

Demografische Daten

Verteilung von nicht-deutschen Syrern auf Kreis-Ebene, 2021

Grundlegende demografische Daten

  • Gesamtzahl syrisch-stämmiger Menschen in Deutschland: 2023 wurde die Zahl der syrisch-stämmigen Menschen in Deutschland auf rund 1,28 Millionen geschätzt[10], von denen rund 972.460 nicht die deutsche Staatsangehörigkeit haben.[11] Nach Türken und Ukrainern bilden die Syrer damit die drittgrößte ausländische nationale Gruppe in Deutschland.[11]
  • Geschlechterverhältnis und Altersdurchschnitt: Im Jahr 2020 betrug das Geschlechterverhältnis der Syrer in Deutschland 59 % Männer zu 41 % Frauen; das Durchschnittsalter lag bei 22,4 Jahren, womit die Syrer gegenüber der deutschen Gesamtbevölkerung (Durchschnitt: 38,2 Jahre) ein sehr junges Bevölkerungsprofil aufweisen.[12]
  • Migrationserfahrung: Im Jahr 2020 betrug die Zahl syrisch-stämmiger Personen 1,014 Millionen, von denen 864.000 (ca. 85 %) eine eigene Migrationserfahrung hatten;[13] rund 150.000 Menschen gehören zur ersten oder zweiten Generation in Deutschland geborener Syrer.[14]
  • Ethnisch-religiöse Zugehörigkeit: Über die ethnisch-religiöse Zusammensetzung der Syrer in Deutschland liegen nur Zahlen zu Asylsuchenden vor. 2020 waren unter den asylsuchenden Syrern in Deutschland 58,3 % Araber und 29,2 % Kurden.[14] Der Anteil der Muslime lag bei 85 %, der von Christen (v. a. Assyrer verschiedener Konfessionen) bei 1,4 % und bei Jesiden 1,6 %.[14]

Laut Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) machten im Zeitraum von 2010 bis 2024 Muslime den überwiegenden Teil der syrischen Asylerstantragsteller in Deutschland aus. Demnach bekannten sich 88,91 % der syrischen Antragsteller zum Islam. Christen stellten mit 2,61 % eine religiöse Minderheit dar, gefolgt von Jesiden mit 2,04 %. Etwa 0,64 % der Antragsteller gaben an, keiner Religion anzugehören. Bei 5,8 % war die Religionszugehörigkeit entweder unbekannt oder sie gehörten anderen beziehungsweise nicht näher spezifizierten Glaubensgemeinschaften an.[15]

Folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Ethnie der Erstantragstellenden auf Asyl aus Syrien laut dem BAMF:[15]

Weitere Informationen Jahr, Erstantragstellende ...
Jahr Erstantragstellende Araber Kurden Aramäer Turkmenen Palästinenser sonstige unbekannt
2013 11.851 38,4 % 49,0 % 2,8 % 7,0 % 2,8 %
2014 39.332 54,9 % 34,8 % 1,1 % 2,5 % 6,7 %
2015 158.657 66,6 % 24,9 % 0,4 % 1,2 % 6,9 %
2016 266.250 65,3 % 29,0 % 0,4 % 0,9 % 4,4 %
2017 48.974 56,6 % 36,3 % 0,4 % 1,1 % 5,6 %
2018 44.167 56,1 % 31,1 % 0,3 % 1,0 % 11,5 %
2019 39.270 56,6 % 31,3 % 0,3 % 0,7 % 11,1 %
2020 36.433 58,3 % 29,2 % 0,3 % 0,6 % 11,6 %
2021 54.903 64,4 % 26,6 % 0,2 % 0,5 % 8,3 %
2022 70.976 69,5 % 23,4 % 0,2 % 0,5 % 6,4 %
2023 102.930 71,8 % 21,8 % 0,5 % 0,5 % 5,4 %
2024 76.765 70,5 % 22,9 % 0,3 % 0,4 % 5,9 %
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Folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Religionszugehörigkeit der Erstantragstellenden auf Asyl aus Syrien laut dem BAMF:[15]

Weitere Informationen Jahr, Erstantragstellende ...
Jahr Erstantragstellende Muslime Christen Jesiden konfessionslos sonstige/unbekannt
2010 1.490 774 112 546 15 43
2011 2.634 1.395 97 1.031 27 84
2012 6.201 3.484 947 1.573 26 171
2013 11.851 7.825 1.590 2.050 74 312
2014 39.332 32.477 1.922 2.052 285 2.596
2015 158.657 136.743 6.198 3.495 1.161 11.060
2016 266.250 243.691 6.837 4.107 1.824 9.791
2017 48.974 43.620 1.141 1.290 361 2.562
2018 44.167 37.257 786 669 341 5.114
2019 39.270 33.163 655 573 293 4.586
2020 36.433 30.982 518 601 231 4.101
2021 54.903 48.699 772 520 321 4.591
2022 70.976 65.556 895 366 340 3.819
2023 102.930 96.819 1.467 366 469 3.809
2024 76.765 71.746 1.152 320 414 3.133
2010–2024 960.833 854.231 25.089 19.559 6.182 55.772
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Regionale und lokale Verteilung in Deutschland

Im Jahr 2020 lebten in Nordrhein-Westfalen 317.000 syrische Staatsangehörige ohne deutschen Pass, in Niedersachsen 113.000, in Baden-Württemberg 96.000, in Bayern 88.000 und in Berlin 64.000.[13]

Ein großer Teil der Syrer hat sich in den westdeutschen Großstädten angesiedelt, insbesondere im Ruhrgebiet, sowie in Berlin. Dort existierte bereits eine große arabisch-levantinische Gemeinschaft, die hauptsächlich aus libanesischen und palästinensischen Migranten besteht, die in den 1980er Jahren nach Deutschland kamen.[16] Während es in Ostdeutschland und in Bayern in der Fläche nur wenige Syrer gibt, gibt es beträchtliche syrische Gemeinschaften in den größeren Städten in Ostdeutschland wie etwa Leipzig und Dresden. In diesen beiden Städten stellen Syrer die größte nicht-europäische Migrantengruppe.[17][18]

Einbürgerungen

Von 2011 bis 2024 haben rund 252.500 Personen syrischer Herkunft die deutsche Staatsbürgerschaft erworben. Der starke Anstieg ist vor allem auf den Syrien-Konflikt zurückzuführen, der 2011 begann und eine große Fluchtbewegung auslöste. In den Jahren 2014 bis 2016 erreichte die sogenannte Migrationskrise ihren Höhepunkt, in deren Folge viele Syrer nach Deutschland kamen und später eingebürgert wurden.

Weitere Informationen Jahr, Anzahl ...
Einbürgerungen von syrischen Staatsangehörigen in Deutschland (seit 1981)
Jahr1980198119821983198419851986198719881989
Anzahl 259182203244256276297338354
Jahr1990199119921993199419951996199719981999
Anzahl 334393475626678602645672886811
Jahr2000200120022003200420052006200720082009
Anzahl 1.6091.3371.1581.1571.0701.0611.2261.1081.1561.342
Jahr2010201120122013201420152016201720182019
Anzahl 1.4011.4541.3211.5081.8202.0272.2632.4792.8803.860
Jahr20202021202220232024
Anzahl 6.70019.09548.38575.48583.185
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[19][20]

Migrationsformen

Die Migration von Syrern nach Deutschland fand im Wesentlichen seit den 1970er-Jahren über drei Migrationswege statt: Bildungsmigration, Fluchtmigration und Familienzusammenführung.

  • Bildungsmigration: Bereits in den 1970er-Jahren kamen Syrer im Rahmen von Bildungsmigration – vor allem im Bereich Medizin und Ingenieurswesen – in die Bundesrepublik Deutschland. In der DDR gab es mit Syrien einen bilateralen Vertrag zur beruflichen Aus- und Weiterbildung, vor allem im Bereich von Technik und Ingenieurwissenschaften.[21]
  • Fluchtmigration: Der größte Teil der Syrer kam durch Fluchtmigration nach Deutschland, davon wiederum der Großteil infolge des Syrischen Bürgerkrieges ab 2011. Zwischen 2012 und 2020 bekamen zwischen 81,9 (2018) bis 97,9 % (2016) der syrischen asylsuchenden Syrer einen Schutzstatus.[22] Bereits in den 1980er kamen viele Syrer infolge der staatlichen Repression und des Massakers von Hama über Asylmigration nach Deutschland.[21]
  • Familienzusammenführung: Insgesamt 13 % der Syrer (Stand 2020) kamen über Familienzusammenführung nach Deutschland, bei Frauen beträgt der Anteil 19 %.[21]

Bildung

Das Bildungsprofil der Syrer in Deutschland ist polarisiert, ein Grund dafür ist das im Vergleich zur deutschen Gesamtbevölkerung deutlich niedrigere Durchschnittsalter der Gruppe. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2020 waren 47 % der Syrer noch in Ausbildung oder nicht schulpflichtig, 39 % ohne berufsqualifizierenden Abschluss und 14 % mit berufsqualifizierendem Abschluss.[23]

Deutlich anders stellen sich die Zahlen dar bei den Personen mit einem berufsqualifizierenden Abschluss, wonach 56 % der Syrer mit Abschluss einen akademischen und 44 % einen nicht-akademischen Abschluss haben (gegenüber 26 %, bzw. 74 % im Durchschnitt der deutschen Bevölkerung). Unter den Syrern mit nicht-akademischen Abschlüssen hatten 50 % Abitur, 6 % die Fachhochschulreife, 16 % Mittlere Reife und 28 % einen Hauptschulabschluss.[23]

Weitere Informationen Bildung von Syrern in Deutschland ...
Bildung von Syrern in Deutschland[23]
Berufsqualifi. Schulabschluss in Ausbildung /

noch nicht schulpflichtig

ohne berufsqualifi.

Schulabschluss

mit berufsqualifi.

Schulabschluss

Syrer in Deutschland 47 % 39 % 14 %
Gesamtbevölkerung 21 % 15 % 64 %
Art des Schulabschlusses Akademischer Abschluss Nichtakademischer Abschluss
Syrer in Deutschland 56 % 44 %
Gesamtbevölkerung 26 % 74 %
Art des beruflichen Abschluss Hauptschule Realschule Fachhochschulreife Abitur
Syrer in Deutschland 28 % 16 % 6 % 50 %
Gesamtbevölkerung 28 % 26 % 9 % 29 %
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Arbeit

Weitere Informationen Erwerbstätgkeitsquote von syrischen Geflüchteten in Deutschland (Stand 31.12.2023), Jahre seit Ankunft ...
Erwerbstätgkeitsquote von syrischen Geflüchteten

in Deutschland (Stand 31.12.2023)[24]

Jahre seit Ankunft insgesamt Männer Frauen
<1 Jahr 6 % 8 % 3 %
2 Jahre 18 % 25 % 2 %
3 Jahre 32 % 42 % 8 %
4 Jahre 37 % 48 % 10 %
5 Jahre 43 % 56 % 14 %
6 Jahre 55 % 71 % 18 %
7 Jahre 61 % 73 % 29 %
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Zivilgesellschaft

Bis zur Aufstandsbewegung gegen das Assad-Regime und dem darauf folgenden syrischen Bürgerkrieg ab 2011 war das Engagement der syrischen Diaspora-Communitys eher auf den sozialen und kulturellen Bereich beschränkt.[25] Dabei handelte es sich etwa um deutsch-syrische Freundschafts- und Integrationsvereine oder Kulturvereine, die entlang ethnisch-religiöser Linien verliefen, etwa von Kurden und Aramäern.[25]

Seit 2011 hat sich die Zahl zivilgesellschaftlicher Initiativen für die deutsch-syrische Gemeinde bzw. für die Gesellschaft in Syrien stark erhöht; nach einer Erhebung der Migrationsforscherin Nora Jasmin Ragab von 30 Vereinen im Jahr 2010 auf 177 im Jahr 2021.[26] Ragab sieht diese als Folge des syrischen Bürgerkrieges, der Syrer in Deutschland dazu bewegte, das Streben nach Veränderung und Hilfe für Syrien aus dem Ausland zu unterstützen und sich solidarisch mit der syrischen Freiheits- und Demokratiebewegung zu zeigen.[25] Zu den Initiativen gehört der Dachverband Verband Deutsch-Syrischer Hilfsvereine e.V. (VDSH),[25] dem 35 Organisationen angehören.[27] Die Vereine verteilen sich entsprechend der demografischen Verteilung von Syrern in Deutschland vor allem auf Westdeutschland und Berlin.[28]

Die Fluchtmigration ab insbesondere 2015 trug zu einer weiteren Diversifizierung und Internationalisierung der syrischen Zivilgesellschaft in Deutschland bei, da viele syrische Aktivisten nach ihrer Flucht ihr Engagement in Deutschland fortsetzten und sich ihrerseits an bestehenden Initiativen beteiligten oder neue gründeten.[25]

Deutsch-syrische zivilgesellschaftliche Organisationen sind vor allem in den Bereichen Kultur und Integration, Humanitäre Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit, gesellschaftlich-politische Bildung und Menschenrechte tätig.[29] So existieren zum Beispiel die Deutsch-Syrische Forschungsgemeinschaft[30] und Berufsverbände wie etwa die Syrische Gesellschaft für Ärzte und Apotheker in Deutschland (SyGAAD).

Syrische Ärzte und Apotheker in Deutschland

Nach Zahlen der Bundesärztekammer stellen Syrer mit weitem Abstand die größte Gruppe ausländischer Ärzte in Deutschland.[31][32] Ende 2023 gab es 6.121 syrische Ärzte in Deutschland;[31] gefolgt von Ärzten aus Rumänien (4.668).[33] 2022 waren es 5.300.[34] Das SyGAAD-Vorstandsmitglied Husam Tarabin schätzt, dass es einschließlich deutscher Staatsbürger rund 15.000–20.000 syrisch-stämmige Ärzte in Deutschland gibt.[35] Hinzu kommen geschätzt rund 2000–3000 syrische Apotheker.[36][37]

Ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 3. April 2026 berichtete über syrische Ärzte, die aufgrund der veränderten Lage in ihrem Heimatland nach dem Ende des Bürgerkriegs an eine Rückkehr denken. Auch Befürchtungen über zunehmende Fremdenfeindlichkeit und das Erstarken der AfD wurden als Gründe für eine Rückkehr genannt. Der Artikel führte weiter aus, dass viele dieser Mediziner in Deutschland eine neue Heimat und berufliche Perspektive gefunden haben und häufig in unterbesetzten Regionen und Kliniken arbeiten, wo der ärztliche Bedarf besonders hoch ist. Auch wenn viele Ärzte bleiben möchten, sei ihre Einstellung in Bezug auf ihre Zukunft in Deutschland belastet.[38]

Bekannte syrisch-stämmige Personen in Deutschland (Auswahl)

Künstler

Politiker

Schriftsteller

Sportler

Wissenschaftler

Literatur

Einzelnachweise

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