Turckheim
französische Gemeinde im Elsass
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Turckheim (deutsch Türkheim) ist eine französische Gemeinde mit 4.139 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) im Département Haut-Rhin in der Europäischen Gebietskörperschaft Elsass und in der Region Grand Est. Die frühere Reichsstadt gehört zum Arrondissement Colmar-Ribeauvillé und zum Kanton Wintzenheim.
| Turckheim | ||
|---|---|---|
| Staat | ||
| Region | Grand Est | |
| Département (Nr.) | Haut-Rhin (68) | |
| Arrondissement | Colmar-Ribeauvillé | |
| Kanton | Wintzenheim | |
| Gemeindeverband | Colmar Agglomération | |
| Koordinaten | 48° 5′ N, 7° 17′ O | |
| Höhe | 219–840 m | |
| Fläche | 16,46 km² | |
| Einwohner | 4.139 (1. Januar 2023) | |
| Bevölkerungsdichte | 251 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 68230 | |
| INSEE-Code | 68338 | |
| Website | http://www.turckheim.fr/ | |
Stadtzentrum | ||
Geographie
Das Stadtzentrum liegt sechs Kilometer westlich von Colmar im Oberelsass auf 232 m über dem Meer an der Fecht. Das Fechttal, das auch als Münstertal bezeichnet wird (nach der Stadt Munster) tritt hier aus den Vogesen in die Oberrheinebene ein. Von der Fecht zweigt hier ein Kanal namens Logelbach ab, der zur Bewässerung der Stadt Colmar errichtet wurde. Das Gemeindegebiet ist Teil des Regionalen Naturparks Ballons des Vosges.
Die Westhälfte der Gemeinde wird von dicht bewaldeten Höhen der Vogesen bestimmt (deutsch Türkheimer Wald), die eine maximale Höhe von 840 m Meereshöhe erreichen. Zu Turckheim gehört auch ein Teil des hochgelegenen Weilers Trois-Épis im Nordwesten. Der einstige Wallfahrtsort ist heute ein Zentrum für medizinische Versorgung, Kur- und Nachsorgeeinrichtungen.
Nachbargemeinden von Turckheim sind Niedermorschwihr und Ammerschwihr im Norden, Ingersheim im Nordosten, Wintzenheim im Osten und Süden, Zimmerbach und Walbach im Südwesten sowie Labaroche im Nordwesten.
Geologie
Türckheim liegt am Nordrand des Mündungsraums der Fecht, die hier in die Rheinebene austritt, und auf deren Schottern der Ortskern liegt. Der westliche Teil der Gemarkung erstreckt sich über den Schuttfächer der Fecht und die Schotter der Rheinebene. Bei Turckheim fehlt die Vorbergzone, unmittelbar nördlich und östlich der Stadt steigen die Granithänge der Vogesen an. Nach Westen reicht das Stadtgebiet weit in das kristalline Grundgebirge des Vogesen hinein.
Geschichte
Auf der Gemarkung von Türckheim fanden sich Spuren bronzezeitlicher Besiedlung. Aufgrund römischer Funde (eine Merkurstatue, Münzen Mauerreste) wird angenommen, dass die Gegend von Turckheim in römischer Zeit besiedelt war. Als germanische Stämme über den Rhein ins Römische Reich einfielen, ließ sich der Stamm der Thüringer hier nieder, der dem Ort zu seinen Namen Thorencohaime bzw. Thuringheim verholfen haben dürfte. Merowingerzeitliche Gräber und die Ortsnamenendung -heim deuten auf eine Besiedlung in fränkischer Zeit hin. Im frühen Mittelalter gehörte Thuringheim zum Teil zur Abtei Münster, zum Teil zur Herrschaft Hohlandsberg. 1312 wurde Türkheim Freie Reichsstadt des Heiligen Römischen Reichs, erhielt 1354 bereits Markt- und Stadtrechte und schloss sich im gleichen Jahr dem Elsässischen Zehnstädtebund, der Dekapolis, an. Die drei Tortürme und die Befestigung stammen aus dieser Zeit.
1338 während der Armledererhebung wurden die jüdischen Einwohner verfolgt und 1348/49 während der Pestpogrome wurde das jüdische Leben in der Stadt zerstört.[1]
Im Westfälischen Frieden erhielt die französische Krone die Habsburger Besitzungen im Elsass zugesprochen und bemühte sich in der Folge um die Herrschaft über die Städte der Dekapolis. Am 5. Januar 1675 wurden das Heer des Kaisers und das des Großen Kurfürsten durch Turenne in der Schlacht bei Türkheim vor den Toren des Ortes geschlagen, so dass sie sich eiligst bei Straßburg über den Rhein zurückziehen mussten.[2] Die Stadt wurde geplündert. Diese Ereignisse richteten sich besonders auf das nahegelegene, bedeutendere Colmar. Die Ortschaft wurde 1680 zusammen mit Colmar Kaysersberg und Münster im Georgiental mit deren Besitz (24 Ortschaften) vom Königreich Frankreich annektiert.[3]
Von 1871 bis 1918 und von 1940 bis 1944 gehörte die Stadt – wie auch der Rest des Elsass – wieder zum Deutschen Reich (Reichsland Elsass-Lothringen bzw. Gau Baden-Elsass). Zwischen 1899 und 1937 verkehrte eine elektrische Kleinbahn zum Wallfahrtsort Trois Épis (Drei Ähren).
Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg wurden die wenigen verbliebenen jüdischen Einwohner nach Südfrankreich deportiert. Nach Angaben von Yad Vashem kamen später fünf ehemalige jüdische Einwohner während der NS-Zeit gewaltsam ums Leben.[4] Der Befreiung Turckheims von der Naziherrschaft am Morgen des 4. Februar 1945 durch amerikanische und französische Truppen gingen 56 Tage der Belagerung mit heftigem Beschuss voraus. Dies geschah im Zuge der alliierten Endoffensive gegen den von den Deutschen noch immer hartnäckig verteidigten Brückenkopf Elsass (poche de Colmar).


Demographie
| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1780 | – | kleine ehemalige Reichsstadt mit 160 Feuerstellen (Haushaltungen)[5] |
| 1824 | 1976 | davon 1926 Katholiken und 50 Juden, die eine Synagoge haben[2] |
| 1836 | 2747 | [6] |
| 1861 | 2946 | [7] |
| 1866 | 2929 | [8] |
| 1872 | 2674 | am 1. Dezember, in 349 Häusern[9] |
| 1880 | 2496 | am 1. Dezember, einschließlich Militär, auf einer Fläche von 1647 ha, in 345 Häusern, davon 2370 Katholiken, 25 Protestanten und 80 Juden[10] |
| 1885 | 2511 | [11] |
| 1890 | 2462 | in 373 Häusern mit 597 Haushaltungen, davon 2374 Katholiken, 16 Protestanten, sieben sonstige Christen und 65 Juden;[11] nach anderen Angaben davon zwölf Evangelische[7] |
| 1905 | 2594 | [12][7] |
| 1910 | 2522 | am 1. Dezember[13][7][14] |
| Anzahl Einwohner seit Ende des Zweiten Weltkriegs | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Jahr | 1962 | 1968 | 1975 | 1982 | 1990 | 1999 | 2007 | 2019 |
| Einwohner | 3028 | 3028 | 3609 | 3510 | 3567 | 3594 | 3731 | 3831 |
Denkmäler und Sehenswürdigkeiten
Stadtbefestigung: Drei viereckige Tortürme, die Porte du Brand, die Porte de Munster und die zur Rheinebene weisende Porte de France sind neben Resten der Stadtmauer Zeugnisse der Stadtbefestigung aus dem 14. Jahrhundert.
Pfarrkirche Sankt Anna: Wie vielerorts im Elsass wurde auch in Turckheim die mittelalterliche Kirche abgebrochen. Von der romanischen Kirche des 12. Jahrhunderts blieben nur der Turm und ein Teil des südlichen Seitenschiffs erhalten. Über dem romanischen Bogenfries des Turms zwei Obergeschosse mit gotischen Fenstern. Die Kirche von 1839/40 ist ein spätklassizistischer Bau der Louis-Philippe-Zeit.
Das Rathaus (Hôtel de Ville) von 1595 besitzt geschweifte Giebel. Die Fenster der beiden Obergeschosse später verändert. Um 1700 (?) wurde der ursprüngliche Treppenturm durch die jetzige Freitreppe ersetzt. Das Zunfthaus (Siège de corporation), 1580 erbaut, besitzt noch die bauzeitlichen, spätgotischen Fenster (im Obergeschoss bei der Restaurierung 1960 wiederhergestellt). Der Bau war ursprünglich Herrenstube, also im Besitz der Adligen. Ab dem 16. Jahrhundert bis zur Revolution Haus der Zünfte.
Eines der eindrucksvollsten Fachwerkhäuser Turckheims ist das Gasthaus zu den zwei Schlüsseln (Hôtel aux deux-clefs), das einen mit geschnitzten Figuren verzierten Erker mit schönen Butzenscheibenfenstern besitzt, der auf einer steinernen Säule ruht. Dekoratives Fachwerk von 1620 mit Andreaskreuzen und Stehenden Männern. Die Erdgeschossfenster im 19. Jahrhundert erneuert.
An der Grand Rue die typischen Winzerhäuser des 17. und 18. Jahrhunderts mit gemauertem Erd- bzw. Kellergeschoss und Fachwerk im Obergeschoss, mehrere mit Erkern. Nr. 71: Haus eines Bäckers von 1616: Fenstererker mit feinem Schnitzwerk. Außergewöhnlich reich verzierte Fensterbrüstungen. Erdgeschoss im 19. Jahrhundert verändert. - Schönes Schnitzwerk auch am Erker des Hauses Nr. 62. Das steinerne Haus Nr. 19 mit noch gotisch gekehlten Fensterrahmungen von 1609 war einst die Herberge zum Wilden Mann (Auberge À l’ Homme sauvage).
An der Rue de Wickram am Haus Nr. 4 ein mit Beschlägwerk und anderen Renaissance-Zierformen geschmückter Erker von 1621. Einst die Herberge zum Roten Ochsen.
An der Rue du Conseil, das Eckhaus Nr. 1, wohl Anfang 17. Jahrhundert mit originellem Zierfachwerk des Erkers: geschweifte Andreaskreuze (sogenannte Scherenstühle) mit Nasen. Dabei ergeben die Putzflächen dazwischen Vogelsilhouetten.
Am Place Turenne ein schöner Brunnen mit Marienfigur.
Museum der Kämpfe um den Brückenkopf Elsass: Musée Mémorial des Combats de la Poche de Colmar. Ein Museum, das auch eine Stätte des Gedenkens sein soll an die blutigen Kämpfe zum Ende des Zweiten Weltkriegs um den von den Deutschen erbittert verteidigten Brückenkopf Elsass (=Poche de Colmar/Kessel von Colmar).[15]
Brauchtum,: Zwischen Mai und Oktober zieht ein Nachtwächter (le veilleur de nuit) mit Hellebarde, Laterne, Horn und Gesang um 22 Uhr durch die Gassen.
Wirtschaft und Infrastruktur
Turckheims wirtschaftliche Basis beruht auf einem der wenigen Elsässer Weine, die durch ihre Lage bekannt geworden sind: dem Türkheimer Brand. Nachdem früher die Textil- und Papierindustrie eine wichtige Rolle spielten, ist heute der Tourismus Haupterwerbszweig in Turckheim. Daneben pendeln viele Einwohner in die Gewerbegebiete des Verdichtungsraumes Colmar.
Die Gemeinde besitzt seit 1868 einen Bahnhof an der Bahnstrecke Colmar–Metzeral.
Persönlichkeiten
- Charles Grad (1842–1890), Politiker
- Detlef Michel (* 1944), deutscher Schriftsteller
- Victor Sieg (1837–1899), Organist und Komponist
Literatur
- Martin Zeiller: Türckheim. In: Matthäus Merian (Hrsg.): Topographia Alsatiae etc. (= Topographia Germaniae. Band 3). 1. Auflage. Matthaeus Merian, Frankfurt am Main 1643, S. 64 (Volltext [Wikisource]).
- Le Patrimoine des Communes du Haut-Rhin. Band 2, Flohic Editions, Paris 1998, ISBN 2-84234-036-1, S. 1328–1337.
Weblinks
- Website der Stadt (französisch)

