U 16 (U-Boot, 1911)

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U 16 war ein 1911 in Dienst gestelltes U-Boot der deutschen Kaiserlichen Marine, das während des Ersten Weltkriegs mehrere feindliche Handelsschiffe versenkte. Nach dem Krieg wurde es 1919 nach England ausgeliefert und sank während der Überfahrt in der Nordsee bei Scharhörn. 2025 wurde das Boot in zwei Teilstücken geborgen, da es drohte, eine Gefahr für den Schifffahrtsweg in der Elbmündung zu werden. Ausgewählte Fragmente des Wracks sollen künftig in verschiedenen Museen ausgestellt werden.

Schnelle Fakten Schiffsdaten, Schiffsmaße und Besatzung ...
U 16
U 16 Feldpostkarte
U 16 Feldpostkarte
Schiffsdaten
Flagge Deutsches Reich Deutsches Reich
Schiffstyp U-Boot
Klasse Einzelboot
Bauwerft Germaniawerft, Kiel
Baukosten 2.539.000 Mark
Kiellegung 10. Mai 1910
Stapellauf 29. August 1911
Indienststellung 28. Dezember 1911
Verbleib gesunken
(geborgen am 1. und am 3. September 2025)
Schiffsmaße und Besatzung
Länge 57,8 m (Lüa)
Breite 6,00 m
Tiefgang (max.) 3,36 m
Verdrängung aufgetaucht: 489 t
getaucht: 627 t
 
Besatzung 29 Mann, davon 4 Offiziere
Maschinenanlage
Maschine 2 × Petroleummotor
2 × SSW-Doppel-Modyn-Elektromotor
Maschinen­leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat Petroleum: 1200 PS
Elektro: 860 PS
Einsatzdaten U-Boot
Aktionsradius aufgetaucht: max. 4500 sm
getaucht: 90 sm
Tauchtiefe, max. 50 m
Höchst-
geschwindigkeit
getaucht
10,7 kn (20 km/h)
Höchst-
geschwindigkeit
aufgetaucht
15,6 kn (29 km/h)
Bewaffnung
  • jeweils 2 Torpedorohre am Bug und Heck ∅ 45 cm (6 Torpedos)
  • bis Ende 1914: 1 × Revolverkanone
  • ab 1915: 1 × 5,0-cm-Schnelladekanone L/40
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Bau und Indienststellung

Das Boot war ein sogenanntes Zweihüllenboot, konzipiert als Hochseeboot von Hans Techel. Es lief am 29. August 1911 bei der Germaniawerft in Kiel vom Stapel und wurde am 28. Dezember 1911 in Dienst gestellt. Kommandant bei Indienststellung war Kapitänleutnant Paul Clarenbach.[1]

Technik

Das Boot war 57,8 m lang und 6 m breit und hatte einen Tiefgang von 3,36 m sowie eine Verdrängung von 489 Tonnen über und 627 Tonnen unter Wasser. Die Besatzung bestand aus 29 Mann, darunter vier Offiziere. Die Maschinen für die Überwasserfahrt waren zwei Sechs- und Achtzylinder-Zweitakt Petroleummotoren von Körting mit einer Leistung von zusammen 1.200 PS. Zur Unterwasserfahrt kamen zwei SSW-Doppel-Modyn-Elektromotoren mit zusammen 860 PS zum Einsatz. Damit waren Geschwindigkeiten von 15,6 kn über Wasser bzw. 10,7 kn unter Wasser möglich. Der Aktionsradius des Boots betrug bis zu 4500 NM bei Überwasserfahrt. Bei getauchter Fahrt mit 5 kn Marschgeschwindigkeit wurden maximal 90 NM erreicht. Die maximale Tauchtiefe betrug 50 Meter. Die Bewaffnung bestand aus sechs mitgeführten Torpedos des Typs C/06, die über zwei Bug- und zwei Heckrohre verschossen werden konnten, sowie einer 37-mm-Hotchkiss-Kanone, die 1915 durch eine 5,0-cm-Schnelladekanone L/40 ersetzt wurde.[2][1]

Geschichte

Einsätze

Ab Oktober 1914 war U 16 Teil der 2. Unterseeboothalbflottille in Hamburg.[3] Auf zwei Feindfahrten während des Ersten Weltkriegs wurden insgesamt zehn Handelsschiffe der Entente mit einer Gesamttonnage von 11.730 BRT versenkt.[1] Andere Quellen nennen vier Feindfahrten[4] mit der Versenkung von elf Schiffen und 11.730 BRT sowie der Beschädigung zweier Schiffe mit 11.228 BRT und dem Aufbringen der Prise eines Schiffes mit 838 BRT.[4][5] Ab 22. Oktober 1915 wurde U 16 zum Schulboot umfunktioniert[6] und war im Mai 1916 Teil der Unterseebootschule Vulkan in Kiel.[3] Sie blieb bis Kriegsende Teil der Ausbildungsflottille in Kiel. Das Boot überstand den Ersten Weltkrieg, ohne selbst versenkt zu werden.

Überführung und Untergang

Nach dem Krieg sollte U 16 auf Befehl der PANAC (Permanent Allied Naval Armistices Commission) mit der IX. Staffel als Reparationsleistung an England ausgeliefert werden, wobei als Übergabeort Harwich vorgesehen war. Die Übergabestaffel bestand aus mehreren Booten (U 16, UB 76, UC 28 und UC 91). Die Boote waren unbemannt und wurden von jeweils einem Schlepper gezogen. U 16 wurde von seinem Liegeplatz in Kiel durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal und die Elbe vom HAPAG Schlepper Loewer in die Nordsee Richtung Helgoland geschleppt.[7] Am 8. Februar 1919 sank das Boot offizieller Lesart infolge einer Eisleckage um 13.00 Uhr bei Scharhörn in der Nordsee. Spätere Untersuchungen ergaben, dass das Boot durch ein vermutlich kalkuliertes Leck in der Öffnung für die Steuerbordschraube voller Wasser lief und sank. Dies stützt die Vermutung von Marinehistorikern,[8] dass das Boot bewusst versenkt wurde, um eine Übernahme durch die Engländer und damit eine Preisgabe von Konstruktionsdetails zu verhindern. Die späteren Untersuchungen ergaben auch, dass vor der Überführung viele Teile ausgebaut worden waren und das Boot sich quasi im Abwrackzustand befand.[9]

Als ungefähre Position der Untergangsstelle gelten folgende Koordinaten: 53° 59′ N,  25′ O.[2][10][1] Der Zustand der Boote war im Allgemeinen schlecht, sie waren nur notdürftig abgedichtet und hatten keine Besatzung, so dass auch UC 91 auf der Überführung nach England sank.

Das Wrack von U 16 wurde bereits kurz nach dem Untergang 1919 untersucht und als verschlammt und nicht bergungswürdig eingestuft[7]. Seit Mai 1949 ist die Bundesrepublik Deutschland Eigentümerin des Wracks und wird durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben vertreten.[11][12] Es geriet aus der öffentlichen Wahrnehmung und wurde dann erst wieder 1960 aufgezeichnet. Im Jahre 1990 wurden die an Bord befindlichen Torpedos aus dem Wrack entfernt[7] und zuletzt 2023 vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) untersucht.[13]

Bergung

Heck und Mittelteil des U-Boots nach der Hebung in Cuxhaven
Bug des U-Boots nach der Hebung in Cuxhaven

In der Nacht vom 31. August auf den 1. September 2025 ließ das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe-Nordsee das Wrack vor Scharhörn aus etwa 20 Meter Wassertiefe durch den Schwimmkran „Matador 3“ bergen. Bei der Hebung brach das U-Boot auseinander. Das Heck des U-Boots verblieb am Meeresboden und wurde in einem zweiten Versuch am 3. September 2025 geborgen. Beide Wrackteile wurden nach Cuxhaven geschleppt und lagerten dort bis zu einem Entscheid über ihr weiteres Schicksal auf einem Schwimmponton.[14] Da das Wrack des U-Bootes seit mehr als 100 Jahren unter Wasser lag[15] hätte es sich nach Art. 1 Nr. 1 a) i) der Konvention zum Schutz des Kulturerbes unter Wasser um zu schützendes Kulturerbe handeln können. Die Konvention wurde zum Stand 1. September 2025 jedoch nicht in deutsches Recht transformiert und nicht von Deutschland gezeichnet. Nach der Bergung trug das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege das Wrack als bewegliches Denkmal in das Verzeichnis der Kulturdenkmale ein.[16]

Die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (WSA) erklärte, dass das Wrack aus Sicherheitsgründen als mögliches Schifffahrtshindernis entfernt wurde. Es habe sich bei dem U-Boot um kein Seekriegsgrab gehandelt. Der Erhalt zur musealen Darstellung wäre nach Angaben der Generaldirektion aufgrund des finanziellen Aufwands nicht umsetzbar gewesen.[17] Deswegen wollte das WSA ursprünglich die U-Boot-Teile abwracken.[15]

Kritik an der Bergung

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) erklärte, dass die U 16 Eigentum der Bundesrepublik Deutschland sei und die BImA die Eigentümer-Vertretung für das U-Boot-Wrack sei.[14] Die BImA hat nach eigenen Angaben keine Genehmigung für die Bergung erteilt.[18] Die BImA führte aus, dass es grundsätzlich, einer Anzeige bei den zuständigen Ordnungsbehörde [bedürfe, sowie] einer denkmalschutzrechtlichen Grabungserlaubnis, einer Betretungserlaubnis des jeweiligen Grundstückseigentümers, gegebenenfalls einer naturschutz- und/oder wasserrechtlichen Genehmigung, der Einbeziehung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge."[14]

Hamburgs Landesarchäologe Rainer-Maria Weiss bezeichnete die Bergung als „stümperhaft“ und als „illegale Hauruck-Aktion“. Obwohl das Wrack auf Hamburger Hoheitsgebiet lag, war die Hamburger Denkmalbehörde nicht eingeschaltet worden. Weiss vertrat die Meinung, dass das U-Boot bei der Bergung unter fachlicher Aufsicht nicht zerbrochen wäre oder auch eine Umlagerung unter Wasser eine Möglichkeit dargestellt hätte. Der Zustand des Wracks war seiner Einschätzung nach gut.[19] Jens Auer, Sprecher der Kommission für Unterwasser- und Feuchtbodenarchäologie (KUFA) im Verband der Landesarchäologien sagte, aus fachlicher Sicht sei die Bergungsaktion „der Super-GAU“.[20] Die KUFA war über die Zerstörung des maritimen Kulturdenkmals entsetzt und forderte die Untersuchung sowie Dokumentation des Kulturerbes.[21]

Untersuchungen

Mittelteil und Turm des Wracks während der Untersuchungen
Blick in das mit Sediment verfüllte Innere

Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege, die Stadtarchäologie Cuxhaven und die Landesarchäologie Hamburg nahmen am Lagerungsort in Cuxhaven eine archäologisch begleitete Zerlegung des Wracks ähnlich einer Rettungsgrabung vor. Dadurch erhielten die Forscher Einblicke in schiffs- und militärtechnische Details zur Konstruktion, Ausstattung und Bewaffnung, was wegen der damaligen militärischen Geheimhaltung keinen Niederschlag in Archiven fand. Mehrere Forschungsinstitute werden künftig an verschiedenen Bootsteilen interdisziplinäre Untersuchungen vornehmen, um die nicht überlieferte Zusammensetzung von verwendeten Materialien zu analysieren.[22] Das Deutsche Schifffahrtsmuseum schuf mittels Laserscans und Drohnenaufnahmen ein digitales 3D-Modell des Wracks, so dass es virtuell erhalten bleibt. Museumsbesucher sollen es als Virtual Reality in Originalgröße erleben können.[23]

Verbleib

Die beiden geborgenen Wrackteile befanden sich wegen der über hundertjährigen Lagerung im Salzwasser in einem stark mitgenommenen Zustand. Die Außenhaut war großflächig wegkorrodiert und das Innere war mit Sediment gefüllt. Das gesamte Boot zu konservieren, um es ausstellen zu können, wäre Experten zufolge zu teuer gewesen.[24] Dennoch bleibt etwa ein Viertel des geborgenen Wracks erhalten und geht in einzelnen Teilen an verschiedene Museen. Das Hecksegment mit zwei Torpedorohren, der mittlere Rumpfteil mit dem Turm sowie der Innenausstattung der Brücke mit dem Sehrohr sowie eine Achtzylinder-Petroleummaschine werden künftig im Ostdeutschen Fahrzeugmuseum Benneckenstein ausgestellt.[25][26] Die beiden Torpedorohre im Bug und die Lafette für das Bordgeschütz auf dem Vorschiff erhält das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden. Zwei große, in Hagen gefertigte Batterien übernimmt das Stadtmuseum Hagen, dass das Erbe der Accumulatoren-Fabrik (AFA), der späteren Varta, bewahrt. Das Luftschiff- und Marinefliegermuseum Aeronauticum in Nordholz bekommt ein Bootssegment mit der Belüftungstechnik. Die Ankerkette und Kleinteile gehen an das Cuxhavener Wrack- und Fischereimuseum Windstärke 10. Kleinere Teile sollen im Deutschen Marinemuseum in Wilhelmshaven, im Internationalen Maritimen Museum in Hamburg und im Archäologischen Museum Hamburg ausgestellt werden. Der verbleibene Rest wird verschrottet.[22]

Bedeutung

U 16 ist der einzig erhaltene Vertreter der serienreif und kriegstauglich entwickelten U-Boot-Reihe der Kaiserlichen Marine zwischen 1906 und 1919. Das Boot gilt als „Missing Link“ zwischen dem nur zu Testzwecken genutzten U-Boot U 1, das im Deutschen Museum in München ausgestellt ist, und den gut erforschten U-Booten der Kriegsmarine in der NS-Zeit.[16]

Kommandanten

Da im Rahmen der Kommandierung an die U-Boots-Schule auch eine Kommandoübernahme von U 16 erfolgte, kann nicht immer klar zugewiesen werden, wer Kommandant des Bootes war.

Weitere Informationen Dienstgrad, Name ...
Kommandanten von U 16[1]
DienstgradNamevonbis
KapitänleutnantPaul ClarenbachDezember 191131. Juli 1914
KapitänleutnantKlaus Hansen1. August 191415. März 1915
Oberleutnant zur SeeLeo Hillebrand16. März 191521. Oktober 1915
Oberleutnant zur See/KapitänleutnantKurt HartwigOktober 1915Juni 1916
KapitänleutnantFriedrich Crüsemann??[27]
Kapitänleutnant August Mildenberger ? ?[28]
KapitänleutnantKarl MeuselDezember 1916Februar 1917
KapitänleutnantKarl Edeling??[29]
KapitänleutnantHerbold Rabe von Pappenheim??[30]
KapitänleutnantWilhelm Canaris2. Juni 191711. September 1917
KapitänleutnantHeinrich Middendorff??[31]
Kapitänleutnant Edmund Pauli ? ?[32]
KapitänleutnantKarl-Friedrich von Abendroth??[33]
KapitänleutnantPaul Stratmann??[34]
KapitänleutnantGerhard Behn??[35]
KapitänleutnantErich Metzenthin??[36]
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Verluste

U 16 hat während seiner Dienstzeit zwei Besatzungsmitglieder verloren.

  • Friedrich Meyer ist am 28. November 1914 bei einer Kollision in der Nordsee ertrunken[37][38]
  • Max Hehn ist am 29. Oktober 1917 durch eine Explosion in der Werft ums Leben gekommen[39]

Versenkte Handelsschiffe

U 16 (U-Boot, 1911) (Europa)
U 16 (U-Boot, 1911) (Europa)
Ausgewählte Versenkungsorte (sofern Koordinaten bekannt)[40]
Weitere Informationen Datum, Schiffsname ...
Durch U16 beschädigte oder versenkte Schiffe
Datum Schiffsname Nationalität Tonnage Bemerkung
15. Februar 1915 Dulwich Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich 3.289
15. Februar 1915 Ville De Lille Frankreich Frankreich 997
18. Februar 1915 Dinorah Frankreich Frankreich 4.208 Beschädigt
18. Februar 1915 Belridge Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich 7.020 Beschädigt
26. Mai 1915 M. Roosval Schweden Schweden 309
26. Mai 1915 Betty Danemark Dänemark 2.109
28. Mai 1915 Mars Russisches Kaiserreich 1914 Russland 251
30. Mai 1915 Soborg Danemark Dänemark 2.108
20. September 1915 Thorvaldsen Danemark Dänemark 1.220
26. September 1915 Ellen Benzon Danemark Dänemark 143
29. September 1915 Flora Norwegen Norwegen 184
29. September 1915 Actie Norwegen Norwegen 562
30. September 1915 Florida Norwegen Norwegen 558
1. Oktober 1915 Pallas Schweden Schweden 838 Prise
Gesamt Handelsschiffe 11.730
Gesamt Kriegsschiffe
Total 11.730 BRT
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Einzelnachweise

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