Whipple Federal Building

From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Bishop Henry Whipple Federal Building ist ein 7-stöckiges Gebäude, errichtet im Jahr 1965 in etwa 1,5 km Luftlinie Entfernung vom Fort Snelling in Hennepin County, Minnesota, USA.[1]

Schnelle Fakten Daten ...
Whipple Federal Building
Whipple Federal Building
Daten
Ort Bishop Henry Whipple Federal Building
Anschrift 1 Federal Dr, Fort Snelling, MN 55111, Vereinigte Staaten
Architekt Cerny Associates
Bauherr General Services Administration
Baustil Modern
Baujahr 1965
Baukosten $14,054,807
Nutzfläche 57000 
Schließen

Nutzung

Es dient als Sitz mehrerer Bundesbehörden, darunter:

Früher beherbergte es bis zu 39 Agenturen mit rund 1100 Mitarbeitern, aber aktuelle Zahlen sind durch Renovierungen und Operationen beeinflusst.[2]

Proteste vor der Nutzung als große Immigration Detention Facility

Minnesota 8

Im Jahr 2016 demonstrierten Aktivisten für die Freilassung vom acht kambodschanisch-amerikanischen Flüchtlingen[3]

Light-Rail-Gleisblockade

Im Mai 2018 wurden 18 Demonstranten festgenommen, die die Light-Rail-Gleise blockiert hatten.[4]

Mahnwachen gegen ICE-Razzien

Am 12. Juli 2019 wurde im Rahmen der „Lights for Liberty“-Veranstaltung vor dem Gebäudekomplex protestiert.[5]

Am 29. Oktober 2019 fanden Mahnwachen durch die Minnesota Episcopal Church gegen ICE-Razzien statt, in denen explizit auch eine Namensänderung des Gebäudekomplexes gefordert wurde. Bischof Brian Prior kritisierte: „Die aktuellen Praktiken und Handlungen, die im Bishop Henry Whipple Building stattfinden, widersprechen dem Glauben, der Politik, den Werten und den Praktiken der Episcopal Church und der gläubigen Menschen“.[6]

Besuch von Kristi Noem

Im Oktober 2025 fanden Proteste vor dem Gebäude anlässlich eines Besuchs von Kristi Noem statt.[7]

Operation Metro Surge

Während der Operation Metro Surge diente es ab dem Dezember 2025 als Abschiebegefängnis und Basis für US-Bundesbeamte der United States Immigration and Customs Enforcement (ICE) und war Ort zahlreicher Proteste mit Zusammenstößen.[8] Es wurden Barrikaden errichtet, das regionale Büro des United States Department of Veterans Affairs (VA) vorübergehend geschlossen und in die Innenstadt von Minneapolis verlegt. Die Nutzung des Gebäudes als Hafteinrichtung sei im Zuge der Operation in der Größenordnung nur provisorisch geschaffen worden.

Proteste

Ab dem 7. Januar 2026 gab es intensivere Proteste in Reaktion auf die Tötung von Renée Nicole Good, welche sich in Wellen verstärkten[9] und nach der Festnahme des fünfjährigen Liam Conejo Ramos und der Tötung von Alex Pretti erneut stärker aufflammten.[10]

Haftbedingungen

Die Haftbedingungen für festgenommene Personen durch ICE wurden als unmenschlich beschrieben, da offenbar mehr Menschen als von den Räumlichkeiten her vorgesehen dort festgehalten werden und den Menschen zeitweise Wasser, Nahrung und auch der Zugang zu medizinischer Versorgung vorenthalten wird. Zudem wurden dort festgehaltenen Menschen der Zugang zu Anwälten verwehrt.[11]

Inspektionen durch US-Kongressabgeordnete

Im Januar 2026 wurden die US-Kongressabgeordneten Angie Craig, Ilhan Omar und Kelly Morrison von ihrem verfassungsmäßig garantieren Recht zur Durchführung von Inspektionen in dem Gebäude abgehalten[12], obwohl bereits am 17. Dezember 2025[13][14] in einer Gerichtsentscheidung aus einer Klage vom 30. Juli 2025[15][16] entschieden wurde, dass sie ungekündigten Zugang zu dem Gebäude erhalten müssten.[17][18] Nach einer erneuten Gerichtsentscheidung vom 2. Februar 2026[19][20] wurde einigen US-Kongressabgeordneten der Zugang gewährt. Nach diesen Inspektionen kritisierten die Abgeordneten den vorgefundenen Zustand scharf. Die Einrichtung wäre nicht dazu geeignet, eine derart große Anzahl von Personen zu beherbergen.[21] Der Boden, die Wände und auch Bänke seien aus Beton, entsprechend würden die Inhaftierten auf dem Betonboden schlafen.[22] Nach dem Bericht der Abgeordneten Kelly Morrison, die selbst Ärztin ist, erfolge keine hinreichende medizinische Versorgung der Inhaftierten.[23] Vom Personal wurde ihr während der Inspektion als Rechtfertigung für Missstände mitgeteilt, die Regeln müssten nicht eingehalten werden, da es sich nur um eine provisorische Einrichtung handele, die nicht als dauerhafte Immigration Detention Facility gelte.[24]

Haven Watch

Vor dem Gebäude haben sich ab Januar 2026 Freiwillige organisiert, um Menschen, die aus dem Gewahrsam von U.S. Immigration and Customs Enforcement entlassen werden, unmittelbar zu versorgen, weil sie teils ohne Telefon, ohne Winterkleidung und ohne sichere Möglichkeit zur Fahrt nach Hause vor die Tür gesetzt wurden. Die Helfer geben dann vor Ort warme Kleidung und Getränke, stellen kurzfristig ein Telefon oder eine SIM bereit, helfen beim Kontakt zu Angehörigen und organisieren Fahrten zu Familienangehörigen.[25] Aus den Bericht geht hervor, dass sich unter den aufgegriffenen Personen auch Schwangere befinden und dass selbst die grundlegende Versorgung mit Wasser in dem Abschiebegefängnis nicht gewährleistet sei.[26] Die Einrichtung sei überhaupt nicht dafür vorgesehen, dass darin die inhaftierten Menschen übernachten sollen. In einem Interview vom 10. Februar 2026 beschreibt die Gründerin der Organisation Haven Watch, Natalie Ehret die Situation vor Ort und die aus den Gesprächen mit den Menschen, die sie in Empfang nahmen. Demnach würden die inhaftierten Personen nachts zum Schlafen weder Kissen noch Decken erhalten und müssten auf dem Betonboden schlafen, sofern dies durch die Enge der Räume überhaupt möglich ist.[27][28]

Beschränkter Zugang für Anwälte

Eine Klage der The Advocates for Human Rights warf der Behörde Verweigerung des Zugangs für Anwälte vor, was die Gewährung des Rechtsbeistands für die inhaftierten Personen erschwerte.[29] Die Bundesrichterin Nancy Brasel (die im September 2018 in der 1. Regierungszeit von Präsident Trump nominiert wurde[30]) erließ im Fall The Advocates for Human Rights et al. v. U.S. Department of Homeland Security et al. (Case No. 0:26-cv-00749-NEB-DLM)[31] am 12. Februar 2026 eine vorläufige bis zum 26. Februar 2026 befristete Anordnung gegen das DHS, nach der ein zeitnaher Rechtsbeistand für die inhaftierten Personen garantiert werden muss.[32][33][34][35] Konkret verpflichtet diese Anordnung das DHS folgende Bedingungen zu erfüllen:

  • Schriftliche Mitteilung der sogenannten A-Nummer, unter der die inhaftierten Personen in den IT-Systemen von DHS und der ICE-Behörde verwaltet werden. Mittels dieser Nummer können Angehörige und ein Rechtsbeistand die betroffenen Personen auffinden.
  • Eine schriftliche Aushändigung ihrer Rechte an die inhaftierten Personen
  • Eine schriftliche Aushändigung einer aktuellen Liste kostenloser Rechtsdienstleister mit Telefonnummern in den Sprachen Englisch, Spanisch, Somali, Französisch und Hmong
  • Kostenlose und unüberwachte Telefonie innerhalb einer Stunde nach Aufnahme in die Einrichtung und vor Transfers
  • Unbegrenzte Anrufe an die Familien und die Anwälte der betroffenen Personen für mindestens 20 Minuten
  • Ermöglichung von Anwaltsbesuchen an allen Wochentagen, innerhalb der Woche für mindestens 8 Stunden und am Wochenende für 4 Stunden
  • Transfers aus dem Bundesstaat Minnesota innerhalb der ersten 72 Stunden nach Inhaftierung wurden untersagt

In der Begründung der Entscheidung schrieb die Richterin Nancy Brasel: „Es scheint, dass die Regierung bei der Planung der Operation Metro Surge die verfassungsrechtlichen Rechte ihrer zivilen Inhaftierten nicht berücksichtigt hat. Die Regierung deutet - mit minimaler Erklärung und noch weniger Beweisen - an, dass dies zu Chaos führen würde. Die Verfassung erlaubt es der Regierung nicht, Tausende von Personen festzunehmen und dann ihre verfassungsrechtlichen Rechte zu ignorieren, nur weil es zu herausfordernd wäre, diese Rechte zu wahren“.

Die Geschäftsführerin der klagenden NGO The Advocates for Human Rights, Michele Garnett McKenzie, sagte sinngemäß: „Das Gericht die grundlegende Bedeutung des Zugangs zu einem Anwalt gewürdigt, um den grundsätzlichen Rechtsweg (für die betroffenen Personen) zu gewährleisten. Wenn die Regierung Menschen ihrer Freiheit beraubt, kann sie ihre verfassungsrechtlichen Pflichten nicht deswegen umgehen, weil sie sie als lästig empfindet“.

Inhaftierung von Ureinwohnern

Besonders brisant angesichts der Geschichte des Ortes ist die Tatsache, dass im Januar 2026 amerikanische Ureinwohner in dieser Einrichtung inhaftiert wurden. Die Aktivisten Kate Beane, die sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung einsetzt, sieht darin eine Wiederholung historischer Traumata, da Vorfahren dieser Stämme dort starben.[36]

Bishop Whipple

Bishop Henry Whipple war der erste Bischof der Episcopal Church in Minnesota und setzte sich 1862 bei Präsident Lincoln für die Begnadigung der meisten von 303 Dakota-Sioux (oder Dakota-People) nach dem Dakota-Krieg ein. Das Gebäude wurde 1969 auf Wunsch von Senator Walter Mondale nach ihm benannt. 2019 forderten die Episcopal Church Minnesota und andere eine Umbenennung, da Whipple ihrer Ansicht nach gegen die heutigen Praktiken gewesen wäre.

Geschichte

Der Gebäudekomplex steht auf dem Gelände von Fort Snelling in Minnesota, einem Ort mit tiefer indigener und kolonialer sowie moderner leidvoller Geschichte.

Dakota-Kriege

Fort Snelling wurde 1805 von den USA errichtet, offiziell um Kämpfe zwischen Dakota und Ojibwe zu stoppen, diente aber der Landaneignung und Machtausübung. 1862, während der Dakota-Kriege, wurde es zu einem Konzentrationslager für Tausende Dakota und Ho-Chunk, wo Hungersnot, Krankheiten und Unterernährung etwa 300 Gefangene töteten – meist Frauen und Kinder.

Indigene Gruppen haben ihre Bedenken geäußert, dass dieser Gebäudekomplex durch ICE als Abschiebegefängnis genutzt wird, da dieser Ort in der Vergangenheit bereits für die leidvolle Geschichte indigener Gruppen stand.[37]

Commons: Whipple Federal Building – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI