Wirtschaft Nigerias
Überblick über die Wirtschaft in Nigeria
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Nigeria war 2022 mit umgerechnet 441 Milliarden USD vor der Republik Südafrika und Ägypten die größte Volkswirtschaft Afrikas[1], ist jedoch durch die neoliberale Wirtschaftspolitik des Präsidenten Tinubu, der bei seinem Amtsantritt 2023 die Landeswährung Naira freigab und die Subvention für Benzin strich, auf den vierten Platz zurückgefallen.[2]
Da durch die Freigabe der Landeswährung durch Präsident Tinubu der Naira 2023/2024 innerhalb kurzer Zeit auf ein Fünftel seines vorherigen Wertes fiel, sind statistische Angaben zum Pro-Kopf-BIP (KKP) für die nächsten Jahre wenig aussagekräftig. In der Liste der Länder nach Bruttoinlandsprodukt pro Kopf sank 2024 der dort angegebene Wert für Nigeria um 49 % auf 1.084 USD (2022 lag er noch bei 9.148 USD). Statistisch gehört Nigeria damit trotz seiner Öleinnahmen zu den ärmsten Ländern der Welt.
Geschichtliches
Vorkoloniale Zeiten, transatlantischer Sklavenhandel
Um 1800 waren die 14 Hausa-Staaten im Norden Nigerias zivilisatorisch führend, so gab es zu diesem Zeitpunkt bereits eine Hausa-Literatur einschließlich geschichtlicher Werke (die Kano-Chronik) und anthropologischer Studien (über die Yoruba). Die Yoruba ihrerseits bildeten mit dem Oyo-Reich ein zweites Machtzentrum im vorkolonialen Nigeria, das eine überlegene Wirtschaftskraft mit militärischer Dominanz kombinierte. (Die Regionen der Hausa und nördlichen Yoruba sind eher von offener Vegetation geprägt; die Tsetsefliege spielt hier keine große Rolle – darum ließen sich hier Rinder und Pferde halten und eine Kavallerie aufbauen, mit der man umliegenden Reichen militärisch überlegen war. In beiden Kulturen spielen Pferde weiterhin eine wichtige traditionelle Rolle.[3][4]) Sklaverei gab es seit Langem in weiten Teilen Nigerias, dies wurde aber seit 1700 zunehmend durch die europäische (zahlungskräftige) Nachfrage nach Sklaven für Plantagen in Nord- und Südamerika verschlimmert.

Europäische Handelsschiffe – Briten, Franzosen, Holländer, Dänen – ankerten vor der Küste (wo das Risiko auf durch Mückenstiche übertragene Tropenkrankheiten geringer war als an Land), lokale Händler fuhren auf Barkassen heran und boten ihre Waren feil. Dies waren neben Elfenbein und Gold auch Sklaven, entsprechend nannte man die westafrikanischen Küstenabschnitte Elfenbeinküste, Goldküste (Ghana) und Sklavenküste (Nigeria). Laut Historiker Toyin Falola wandelte sich nach 1700 durch die europäische Nachfrage das zuvor gemischte Wirtschaften in Südnigeria in eine regelrechte Sklavenökonomie.[5] Weitere Nachfrager nach Sklaven waren die Fulani-Herrscher in Nordnigeria, die um 1805 die 14 Hausa-Staaten unterworfen und einen islamischen Gottesstaat errichtet hatten, womit ein zivilisatorischer, technologischer und wirtschaftlicher Abstieg Nordnigerias eingeläutet wurde.
Durch die Kontinentalsperre Napoleons verlagerte sich der transatlantische Sklavenhandel auf portugiesische, kubanische und brasilianische Schiffe. Die Anzahl der Verschiffungen und Versklavten vervielfachte sich (der transatlantische Sklaventransport erreichte um 1840 seinen schrecklichen Höhepunkt). Gleichzeitig griff die Presse mancher Länder die furchtbaren Bedingungen auf, unter denen afrikanische Menschen zusammengepfercht über den Atlantik transportiert wurden. England (1772), Schottland (1778) und Dänemark (1792) hatten die Sklaverei darum bereits verboten, Großbritannien erließ 1807 zudem den Slave Trade Act und machte seitdem auf dem Atlantik Jagd auf Sklavenschiffe (ein Großteil des Haushalts der Royal Navy wurde hierfür verwendet, die befreiten Sklaven ließ man in Freetown in Sierra Leone an Land). Die Royal Navy übte auch auf die lokalen Herrscher Druck aus, den Sklavenhandel zu unterbinden. Sie stieß dabei auf Widerstand, weil sich viele lokale Könige dadurch finanzierten, dass sie ihre Untertanen in die Sklaverei verkauften (wie z. B. die Könige von Benin oder König Pebble von Bonny). In Lagos lag der Sklavenhandel in der Hand der Schwester des Königs, Efunroye Tinubu. Der örtliche Adel hatte darum wenig Interesse, dem etwas plötzlichen britischen Wandel von Sklavenhändlern zu Sklavereigegnern zu folgen. Zur gleichen Zeit begannen pietistische Missionare aus Großbritannien, Deutschland und der Schweiz, in Badagry, Abeokuta und Calabar Posten zu errichten. Hier errichteten sie Kirchen, Spitäler und Missionsschulen, aber auch zu ihrer Finanzierung Handelshäuser (der größte Kakaohändler Nigerias hieß darum auch „Basler Mission“). Die Tätigkeit der Missionare erregte ebenfalls den Unmut der lokalen Herrscher, worauf die Missionare in der Heimat um Schutz baten.[5] Durch die Verbreitung von Chinin als Prophylaxe gegen Malaria war es seit 1855 möglich, europäische Truppen dauerhaft auf dem afrikanischen Festland zu stationieren. In London, Paris, Brüssel usw. hielt man es darum für notwendig und machbar, punktuell eigene Machtbereiche entlang der westafrikanischen Küste zu errichten; das für Europäer beschämende Kapitel „Transatlantischer Sklavenhandel“ wurde dadurch beendet, dass man ein anderes beschämendes Kapitel aufschlug: das der Kolonialherrschaft.

Nachdem Lagos 1851 zum „Konsulat“, 1855 Marinestützpunkt und 1861 zu einer britischen Kolonie (und zum Kern der zukünftigen Kolonie Nigeria) geworden war, war der transatlantische Sklavenhandel von der nigerianischen Küste nach Amerika Geschichte. Die Lagunenstadt begann 1861 stattdessen einen rasanten Aufstieg zum regional dominanten Handelszentrum. Die lokalen Handelsfürsten und Geldverleiher (überwiegend „Saro“, also aus Sierra Leone zurückgekehrte Sklaven, und „Aguda“, aus Brasilien und Kuba rückmigrierte Ex-Sklaven) verwandelten in einem 30-jährigen Wirtschaftsboom die sumpfige Insel Lagos in ein „Venedig Westafrikas“ und legten den Grundstein für die heutige Finanz-, Handels-, Technologie- und Medienmetropole.[6]
Die Jahre nach dem Wiener Aktiencrash wurden von einer lange anhaltenden Weltwirtschaftskrise geprägt (1873 bis 1888), während in Brasilien die dortigen Kautschuk- und Kakaobarone mit ihrem Reichtum protzten (diese ließen sich sogar Opernhäuser und Theater aus importierten Baumaterialien in den Dschungel stellen). 1879 brach der zu nigerianischen Eltern geborene Kapitän James Davies auf abenteuerliche Weise das brasilianische Kakaomonopol und machte die hauptsächlich von Yoruba bewohnte Gegend rund um Lagos durch die Produktion des Schokoladenrohstoffes recht wohlhabend (bis sie um 1930 von der Elfenbeinküste überflügelt wurde). Ereignisse wie diese lösten in Europa den „Wettlauf um Afrika“ aus – die völkerrechtswidrige Ausweitung der zuvor punktartigen Kolonien in die Fläche, um dort die kälteempfindlichen, aber hochprofitablen Kakao- und Kautschukpflanzen kultivieren zu können. Wenig später, von 1893 bis 1903, breitete Großbritannien seine kolonialen Besitzungen im heutigen Nigeria aus, zuerst ins Land der Yoruba, am Ende auf Kosten des Fulani-Reiches im Norden. Dabei setzte man eine neuartige Waffe ein: das Maschinengewehr, die „Maxim“. Im Januar 1914 konsolidierte die Kolonialmacht das eroberte Territorium unter dem Kunstnamen „Nigeria“, um ein Gegengewicht zur 1911 beinahe an Fläche verdoppelten deutschen Kolonie Kamerun zu bilden (siehe Zweite Marokkokrise).
Kolonialwirtschaft
Die nigerianische Volkswirtschaft war zu kolonialen Zeiten unter den Briten vor allem vom Export von Kakao, Palmöl sowie Erdnüssen und damit von den Schwankungen des jeweiligen Weltmarktpreises abhängig. Importiert wurden vor allem Spirituosen (Rum, Schnaps, Gin/Genever) sowie in sehr viel geringerem Maße englisches Tuch, Baumaterialien und an vierter Stelle Maschinen/Werkzeuge (dies widerlegt Thesen von z. B. Werner Sombart, der die Kolonialherrschaft entwickelter, aber gesättigter Ökonomien – „schrumpfende Märkte“ – über unterentwickelte Länder als Absatzmärkte ihrer technologischen Produkte für zwingend notwendig erachtete). Die nigerianische Handelsbilanz war zu kolonialen Zeiten weitgehend ausgeglichen. Der Staatshaushalt des Gouverneurs finanzierte sich zu über 95 % über Ein- und Ausfuhrzölle; die Südhälfte der Kolonie gehörte dank ihrer Seehäfen wie Lagos, Badagry, Warri, Port Harcourt, Bonny und Calabar zu den wenigen „profitablen“ Kolonialverwaltungen in Afrika, der ärmliche und feudale Norden musste dagegen von der britischen Krone finanziert werden.
Als britische Kolonie genoss Nigeria die „Imperial Preference“ (Reichsbevorzugung) – eine Zollermäßigung des Vereinigten Königreiches für seine Kolonien und Dominien auf ein Viertel dessen, was auf Importe aus anderen Ländern erhoben wurde. (Damit sollten – verstärkt nach der Wirtschaftskonferenz des Empires in Ottawa 1932 – die britisch beherrschten Territorien zu einer gemeinsamen Wirtschaftszone zusammengebracht werden.[7] Großbritannien regierte damals über ein Viertel der Menschheit, die „Imperial Preference“ bedeutete also eine sehr große Wirtschaftsunion.) Abgerechnet wurde mit dem Westafrikanischen Pfund, das 1:1 mit dem Britischen Pfund verbunden war. Dies brachte Nigeria finanzpolitische Stabilität, lähmte aber auch z. B. seit 1925 nach der Rückkehr Großbritanniens zum Goldstandard die Wirtschaft sowohl im Mutterland als auch in Kolonien wie Nigeria.[8] Nigeria litt damit bereits als Kolonie an einer überbewerteten Landeswährung (siehe „Politik des starken Naira“ in den späteren Kapiteln) und den daraus folgenden wirtschaftlichen Folgen. Dazu gehörte auch, dass die Elfenbeinküste als französische Kolonie Nigeria als weltweit führenden Kakaoproduzenten überholte und die Kakaobäume in Agege 1930 abgeholzt wurden.

Die Kolonialwirtschaft Nigerias unterschied sich in mehreren Punkten von anderen afrikanischen Kolonien dieser Zeit. Nigeria war bezüglich Einwohnerzahl nach Indien die zweitgrößte Kolonie der Briten (Kanada, Australien, Neuseeland und Südafrika waren Dominien, Ägypten war formell ein eigenständiges Königreich) und die Kolonialmacht versuchte, das Land mit möglichst geringem eigenen Personalaufwand zu beherrschen. Gegen diesen Hintergrund nutzte man intensiv das einheimische Humanpotenzial und gewährte dafür bürgerliche und wirtschaftliche Freiheiten, die in anderen afrikanischen Kolonien unbekannt waren.
Landwirtschaftliche Produkte wurden nicht von europäischen Siedlern auf Plantagen erzeugt, sondern von einheimischen Kleinbauern. Kakaobauern galten als wohlhabend und waren oft in agrarischen Kooperativen wie der Agege Planters' Union von Jacob Kehinde Coker organisiert, der ersten Landwirtschaftskooperative Afrikas. Nigeria hatte unter den Briten eine gute Infrastruktur (z. B. das zweitgrößte Schienennetz in Afrika, nach Südafrika) und eine relativ weit entwickelte Industrie (im Lagos-Vorort Ebute Metta stellte man zum Beispiel für die Nigerian Railway Corporation eigene Lokomotiven und Eisenbahnwaggons her[9][10] – die Produktion wurde 1967 eingestellt und erst 2024 in Kajola mit Überkapazität wieder aufgenommen[11]). Die Finanzwelt und der Immobilienmarkt der Kolonie lagen überwiegend in den Händen Einheimischer wie Candido da Rocha (dem Sohn eines brasilianischen Sklaven) und Taiwo Olowo, die den heutigen Status von Lagos als afrikanisches Finanzzentrum begründeten. Handelsbanken und Kreditinstitute wurden sogar ausschließlich von Einheimischen wie Richard Beale Blaize und Isaac B. Williams geführt, bis um 1900 in Lagos die Bank of British West Africa (BBWA, heute First Bank of Nigeria) und die Sterling Bank Niederlassungen errichteten (sie fungierten jedoch vor allem als Kundenbanken).[6] Die Handelshäuser im kolonialen Nigeria waren anfänglich überwiegend einheimisch und später mehrheitlich europäisch, da einheimische Händler wie Samuel Pearse ihre Geschäfte stark auf die eigene Person konzentrierten und darum Schwierigkeiten hatten, einen geeigneten Nachfolger zu bestimmen. Deutsche Händler (G. L. Gaiser, Witte&Bausch, Königsdorfer, A. Schlesinger[12], G. Gottschalck[13]) sowie drei Schweizer Kakaoeinkäufer (die bereits erwähnte Basler Mission, später bekannt als Union Trade Company, die Société Commerciale de l'Ouest Africain, SCOA, und die Swiss Trading Company) dominierten den Import-Export nach dem Ersten Weltkrieg. Die britische Kolonialverwaltung ließ (anders als z. B. die von Deutsch-Südwestafrika) nicht ausschließlich Schiffe von nationalen Reedereien der Kolonialmacht in den Häfen ankern, sondern erlaubte eine internationale Konkurrenz am Kai. Nigerianische Häfen wurden darum nicht nur von den Postschiffen der britischen Elder Dempster Gesellschaft und den Frachtschiffen von John Holt angefahren, sondern auch von der Hamburger HAPAG, dem Bremer Lloyd, der Genfer MSC, der Holland-Afrika-Lijn, der Compagnie Maritime Belge, der dänischen Møller – Mærsk, der New Yorker Barber Steamship Lines usw. Es gab keine einheimische Reederei, aber nigerianische Händler charterten öfters auf eigene Initiative Frachtschiffe, um die Landesprodukte nach Übersee zu exportieren, wenn die Tarife der oben genannten Schifffahrtsgesellschaften ihnen zu hoch erschienen. Der nigerianische Kaufmann Peter Thomas (ebenfalls Nachfahre von Sklaven) belegte 1916 auf diese Weise alleine bereits 13 % der Frachten, die Nigeria per Schiff verließen.[14]

Die Briten ließen in Nigeria (anders als Frankreich, Deutschland, Portugal, Belgien oder Italien in ihren Kolonien) eine freie und prosperierende Presse zu[15], darunter als kritischste Publikationen der West African Pilot von Nnamdi Azikiwe und der Daily Comet von Anthony Enahoro. Einheimische Pressezaren wie Olayinka Herbert Macaulay waren sowohl wirtschaftliche als auch politische Schwergewichte (Macaulay, „the wizard“, hatte sogar einen eigenen Nachrichtendienst und las angeblich die Telegramme des Kolonialamtes an den britischen Gouverneur bereits, bevor sie diesen erreichten). Macaulay und Azikiwe waren zudem Vorsitzende von freien Parteien (NNDP, NYM bzw. NCNC), die in stets dringenderem Ton die Unabhängigkeit forderten. Auch gab es Gewerkschaften, die mit Erfolg für Arbeitnehmer streikten, darunter die Lehrergewerkschaft NUT unter Israel Oludotun Ransome-Kuti, dem Vater des späteren Sängers Fela Kuti, und die älteste Gewerkschaft Nigerias, PWU, für die Angestellten des Öffentlichen Dienstes (1908 gegründet). Radikalste Gewerkschaften waren die der Eisenbahnmitarbeiter, RWU, unter Führung des Drehers Michael („Pa“) Imoudo sowie die der Kumpel in den Kohlenzechen von Enugu. Am besten vernetzt war die Vertretung der Marktfrauen unter Führung von Funmilayo Ransome-Kuti, der Ehefrau des oben erwähnten Israel Kuti. Von Bedeutung ist auch, dass das höchste Berufungsgericht für Nigeria, das Privy Seal in London, schon in den 1920er Jahren Entscheidungen der Gouverneure rückgängig machte.
Diese Interessenvertretung durch die einheimische Presse, Parteienlandschaft, Gewerkschafts- und Genossenschaftsbewegung sowie Anwaltschaft konnte auch Erfolge verbuchen. 1895 bereits hatte in Lagos eine wütende Menge von einheimischen (dunkelhäutigen) Hausbesitzern vor der Gouverneursvilla die geplante Haus- und Grundsteuer verhindert (stattdessen wurde der Zoll auf Brandwein erhöht). Im Jahr 1921 gelang es Macaulay, für Häuptling Tijani vom Privy Seal eine beträchtliche Entschädigungszahlung für Land zu erwirken, das der Gouverneur für den Bau des Apapa-Hafens beschlagnahmt hatte.[16] Dabei machte sich Macaulay seine Fähigkeiten als Leitartikler und sein juristisches Fachwissen zunutze. 1929 hatte ein Aufstand von Frauen (der sogenannte „Frauenkrieg“) die Einführung einer allgemeinen Einkommenssteuer verhindert (sie würde erst 2025 eingeführt werden). 1930 gewann Macaulay vor dem Privy Seal in einer Klage gegen die Ausweisung des Oba von Lagos aus der Hauptstadt auf Anweisung des Gouverneurs Graeme Thomson. Macaulay hatte mehrere Jahre lang durch alle Instanzen hindurch geklagt und darüber ausführlich in seinen Gazetten berichtet; der frustrierte Thomson ließ sich nach der juristischen Niederlage auf den Gouverneursposten nach Ceylon, heute Sri Lanka, versetzen. 1937 sorgte die empörte Öffentlichkeit in der Goldküste (Ghana) und in Nigeria für die Auflösung des Kartells von 17 europäischen Kakaoeinkäufern (darunter Töchter von Unilever und Cadbury) wenige Wochen nach seiner Aufrichtung. Im Sommer 1945 erreichte der durch den Gewerkschaftsbund TUC organisierte erste Generalstreik sogar letztendlich die Absetzung des reaktionären Gouverneurs Richards und die Freilassung von Imoudo, der seit 1943 wegen Sabotage inhaftiert war.

Lediglich die obere und mittlere Kolonialverwaltung blieb (bis zur Unabhängigkeit 1960) eine rein europäische („weiße“) Angelegenheit – Dunkelhäutige durften wegen angeblich mangelnder Eignung höchstens bis zum „Chief clerk“ (Bürovorsteher) aufsteigen, obwohl vor 1890 der geschäftsführende Gouverneur, der Polizeichef der Kolonie und der Chef der Schulbehörde dunkelhäutig gewesen waren und gute Arbeit geliefert hatten. (Erst 1958 begann die britische Kolonialmacht, für die Verwaltung und die Armee Einheimische für die obere und mittlere Ebene auszubilden.) – Dort, wo man während der Kolonialzeit Projekte nicht von Briten leiten lassen konnte, überließ man dies überwiegend Angehörigen der Igbo-Ethnie, die etwas eifriger als andere Nigerianer in Missionsschulen das Christentum, das Alphabet und die Grundrechenarten angenommen hatten (manche auch eine Sekundärausbildung), sich für die von den Briten delegierten Jobs in alle Winkel des Landes versetzen ließen und bald bei ihren Landsleuten als vermeintliche Erfüllungsgehilfen der Kolonialmacht denkbar unbeliebt wurden – mit weitreichenden Folgen (siehe nächstes Kapitel).
Das hohe Maß an wirtschaftlicher Partizipation durch die Einheimischen, ihre Dominanz am Kapital- und Immobilienmarkt und beim Besitz der wichtigsten Produktionsmittel, die Offenheit der Kolonie gegenüber den internationalen Märkten, die effiziente Interessenvertretung der Einheimischen sowie die günstige Haltung des höchsten Berufungsgerichtes waren in anderen afrikanischen Kolonien undenkbar. Es stellt sich daher die Frage, ob im kolonialen Nigeria „Ausbeutung“ durch die Kolonialmacht Großbritannien im eigentlichen Wortsinn stattgefunden hat und ob der Begriff „Kolonialismus“ nicht breiter definiert werden muss.
Unabhängigkeit, Erdöl und Bürgerkrieg
Nachdem das Britische Pfund (wie auch bald danach die Währungen von anderen Kolonialmächten wie Frankreich, Belgien, Portugal und die Niederlande) im September 1949 über 30 % seines Wertes verloren hatte, überstieg das ohnehin defizitäre Kolonialsystem das, was sich die Volkswirtschaft des Vereinigten Königreiches noch leisten konnte.[17] Der Autoritätsverlust der Briten und Franzosen in der Suezkrise 1956 machte schließlich ein „Gesundschrumpfen“ der britischen, französischen (und belgischen) Ökonomien unumgänglich. Innerhalb von wenigen Jahren (1957 bis 1964) wurden beinahe alle afrikanischen Kolonien in die Unabhängigkeit entlassen. In der überhasteten Dekolonisierung wurde noch nicht einmal geklärt, wer die Pensionen der ehemaligen Kolonialbeamten zu zahlen hatte. Die Eile ging dabei von den ehemaligen Kolonialherren aus, während z. B. in Nordnigeria die Dekolonisierung von Einheimischen möglichst verzögert und vertagt wurde.[18] Tatsächlich war die Unabhängigkeitsbewegung nicht auf die plötzliche Regierungsverantwortung vorbereitet und hatte man weder die notwendigen Sachverständigen noch ein Programm, wie man das verlustbringende Kolonialgeschäft der Europäer mit Erdnüssen (auch ganz buchstäblich „Peanuts“), Kakao und Palmöl unter eigener Regie in die Gewinnzone führen könnte.[14] Allerdings schien sich das Problem von selbst zu lösen.
1956 wurden im Süden des Landes Erdölvorkommen entdeckt, seit 1958 wird in Nigeria Erdöl gefördert und exportiert. Angesichts der oben aufgelisteten zivilisatorischen Errungenschaften der Yoruba und Igbo in den südnigerianischen Hafenstädten und der Aussicht auf das lukrative Ölgeschäft im Nigerdelta waren die internationalen Prognosen zur Unabhängigkeit Nigerias 1960 äußerst optimistisch.[19][20] Der Name „Nigeria“ hatte noch einen guten Klang. Dabei übersahen Kommentatoren in der Regel, dass es im Norden bei den Hausa und Fulani ein ausgedehntes Hinterland gab, an dem die günstige Entwicklung vollständig vorbeigegangen war und in dem noch quasi-mittelalterliche Zustände herrschten (um 1880 hatte Nordnigeria offenbar die weltweit größte Sklavenpopulation – noch vor Brasilien; die Sklaverei war in der Nordhälfte Nigerias erst 1936 auf Drängen des Gouverneurs Bourdillon verboten worden). Die enormen sozialen und ethnischen Spannungen würden Nigerias „Erste Republik“ letztendlich schier zerreißen und zu Pogromen gegen die Igbo sowie zum Bürgerkrieg (Biafra-Krieg, 1967 bis 1970) führen, eine der schlimmsten humanitären Katastrophen der Neuzeit. Dabei spielte das „schwarze Gold“ eine verhängnisvolle, konfliktverstärkende Rolle. Durch die Niederlage Biafras bzw. der ethnischen Gruppe der (höher qualifizierten) Igbo verlor Nigeria viele Fachleute, nachdem mit der Unabhängigkeit 1960 auch viele Briten nach Hause zurückgekehrt waren. Über die nächsten Jahrzehnte fehlten Nigeria durch diesen massiven „Brain drain“ Fachkräfte und qualifizierte Manager.
Scheinbar goldene Zeiten

In den 1970er Jahren wurden die lukrativen Ölförderungs- und -ausfuhrlizenzen der Mineralölkonzerne unter Diktator Gowon (1967 bis 1975) organisatorisch in der NNPC zusammengefasst und der Zentralregierung unterstellt, um ein neuerliches Losbrechen einer Provinz zu erschweren. Nigeria nahm weltweit in der Rangliste der ölfördernden Staaten den achten Platz ein, wurde Mitglied der OPEC und durchlief seine „goldenen Jahre“. Viele – auch unsinnige – Projekte wurden eingeleitet. Millionen Zugezogener aus benachbarten westafrikanischen Ländern arbeiteten für Nigerianer (laut Historiker Toyin Falola hatte damals angeblich jede nigerianische Familie ein Kindermädchen und einen Koch aus Ghana). Diktator Gowon brüstete sich in der New York Times, das einzige Problem Nigerias sei, wie es das viele Geld ausgeben solle, das es verdient („the only problem Nigeria has is how to spend the money she has“).[21] Dabei hatte Nigeria auch in seinen „goldenen Jahren“ sehr ernsthafte Probleme.
Die Öleinnahmen überstiegen bei Weitem andere Exporteinkünfte und führten zu einer Aufwertung der Landeswährung (für einen Naira bekam man beinahe zwei US-Dollar bzw. sechs D-Mark). Dadurch verloren andere Wirtschaftssektoren ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit und verschlimmerte sich die Einseitigkeit der nigerianischen Volkswirtschaft, ihre geringe Fertigungstiefe sowie ihre Abhängigkeit vom Ölpreis (siehe Holländische Krankheit).[22] Es war für Nigerianer billiger, benötigte Produkte wie Reis, Cassava etc. zu importieren, als sie noch selbst herzustellen. Gutgemeinte Anläufe z. B. des VW-Konzerns oder von Peugeot, in Nigeria Fahrzeuge zu produzieren[23][24], konnten sich gegen die durch den starken Naira billigen Importe von Gebrauchtwagen nicht durchsetzen – trotz großer Beliebtheit im Lande. Versuche, die volkswirtschaftliche Einseitigkeit zu beheben, schlugen fehl. In der „Zweiten Republik“ Nigerias (1979 - 1983) scheiterten unter dem demokratisch gewählten Präsidenten Shagari die „Grüne Revolution“ der nigerianischen Landwirtschaft, ein Wohnungsbauprogramm und der Aufbau einer Stahlindustrie mit sowjetischer Hilfe durch Missmanagement und wegen fehlender Fachkräfte (das Stahlwerk in Ajaokuta hat seit den 1990er Jahren Tausende Mitarbeiter, aber offenbar mangels Hochofens noch kein Kilogramm Stahl erzeugt; Delta Steel in Warri ist eine Industrieruine[25] und zu den anderen unter Shagari gebauten Stahlwerken wie in Jos lässt sich online keine Information finden). Als der Staatskonzern NNPC zunehmend ineffizient wurde und der Ölpreis sank, verwies Shagari 1983 kurzerhand alle Gastarbeiter des Landes („Ghana must go“) und sicherte sich damit seine Wiederwahl, löste jedoch eine lang anhaltende Wirtschaftskrise aus und wurde bald durch einen Putsch abgelöst.[14]
Machtsicherung auf Kosten der Volkswirtschaft
Der langjährige Diktator Babangida (1985 bis 1993) führte ein Sparprogramm durch (mit dem er z. B. die kostenlose Gesundheitsversorgung abschaffte), jonglierte geschickt die Tranchen der Staatsverschuldung und vollendete die von Wirtschaftsfachleuten lange geforderte vertikale Integration der Ölindustrie durch vier ölverarbeitende Raffinerien in Port Harcourt, Warri und Kaduna. Er unterstellte sie jedoch nach einigen produktiven Jahren zu seiner eigenen Machtsicherung fachfremden Gefolgsleuten (v. a. Stabsoffizieren), woraufhin die vier Raffinerien allmählich verfielen. Nigeria musste zunehmend Ölderivate wie Benzin/Diesel/Kerosin, Propan/Butan, Polypropylen (Kunststoff), Motoröle, Bitumen/Teer etc. für teure Devisen von den europäischen und amerikanischen Raffinerien zurückimportieren, an die das Erdöl zuvor verkauft worden war. Ebenfalls zur Machtsicherung führte Babangida die Subventionierung fossiler Brennstoffe ein, ein ökologisch unsinniger Kostenposten für die nigerianische Staatskasse, der durch die rapide steigende Bevölkerungszahl und noch stärker steigende Anzahl von Fahrzeugen aller Art mit Verbrennungsmotor bis 2023 den nigerianischen Staatshaushalt derart strapazierte, dass die nigerianische Regierung dadurch regelrecht handlungsunfähig wurde. Babangida gab außerdem dem Drängen der Gewerkschaften nach, die Landeswährung Naira durch ständige Stützungskäufe und rigide Devisenkontrolle künstlich auf ein Vielfaches ihres Wertes hochzusubventionieren. Dadurch wurden ausländische Waren für den nigerianischen Otto Normalverbraucher sehr günstig; einheimische Produkte waren hierdurch jedoch nicht mehr konkurrenzfähig. Die nigerianische Landwirtschaft und Industrie, aber auch der Tourismus und die ohnehin strapazierte Staatskasse wurden durch die Politik des starken Naira ruiniert.
Nach dem plötzlichen Tod von Diktator Abacha 1998 war die Volkswirtschaft Nigerias sowie ihre Infrastruktur und sämtliche 430 Staatsbetriebe vollständig zerrüttet (wie die staatliche Fluglinie, deren Flugzeuge abgestürzt, im Ausland gepfändet oder vom Management gegen fürstliche Boni verkauft worden waren, die aber dennoch Tausende Mitarbeiter auf der Gehaltsliste führte; wie die staatliche Schifffahrtslinie, die auf ähnliche Weise ihre Frachtschiffe verloren hatte, und wie die Nigerian Railways, deren Züge nicht mehr fuhren, ihren Mitarbeitern seit Jahren Gehälter schuldete und deren Pensionsrückstellungen verschwunden waren). Zu allem Überfluss hatte Abacha Nigeria durch seine mangelnde Kooperation bei der internationalen Drogenbekämpfung außenpolitisch zum Pariah gemacht - was eventuell an seinem eigenen Drogenkonsum gelegen haben könnte.[26][27] Es häuften sich Todesurteile, politische Morde sowie fatale Unfälle unter denjenigen, die Abacha hätten gefährlich werden können. Sogar den Tod seines ältesten Sohnes Ibrahim soll Abacha in Auftrag gegeben haben.
Da die maroden Staatsraffinerien Nigerias es unter Abacha technologisch nicht mehr schafften, Schwefelverbindungen aus den Kraftstoffen zu entfernen (in modernen Raffinerien ist dies der erste Behandlungsschritt des eintreffenden Rohöls), kam „foul fuel“ aus den Zapfsäulen („ekliges Benzin“).[28] Die schwefelhaltigen Kraftstoffe belasteten nicht nur die Nasen der Nigerianer mit dem Gestank von faulen Eiern, sondern waren sowohl toxisch als auch krebserregend und zerstörten in wenigen Monaten die Motoren der mit ihnen betriebenen Fahrzeuge. Auch die Raffinerien selbst wurden durch die chemische Aggressivität der schwefelhaltigen Zwischenprodukte (die sogar Stahl auflösen) gewissermaßen von Innen heraus vernichtet. Kolonnen, Wärmetauscher und Pipelines, die kurz zuvor noch eine Sichtkontrolle bestanden hatten, rissen scheinbar unversehens und verursachten Explosionen und Brände.[29] Die Schäden sind (Stand 2026) noch nicht vollständig repariert. Die vertikale Integration der nigerianischen Volkswirtschaft war damit für dreißig Jahre gescheitert. Erst 2023 wurde eine neue (privatwirtschaftlich geführte) Raffinerie eröffnet, die die volkswirtschaftliche Fertigungstiefe Nigerias verbesserte (siehe unten).
Durch seine Missachtung von Menschenrechten hatte Abacha zudem im unzugänglichen Nigerdelta (wo die Ölquellen liegen) einen kostspieligen Kleinkrieg mit lokalen Widerstandsgruppen wie der MOSOP geschaffen.[14] In dieser vernachlässigten und schwer kontrollierbaren Region von der Größe Schleswig-Holsteins entstanden in der Abacha-Zeit außerdem wegen der fehlenden wirtschaftlichen Partizipation Ortsansässiger Zehntausende illegaler, primitiver Destillen, die (bis heute) aus Pipelines abgezapftes Rohöl über Lagerfeuern erhitzen, die leichteren und kommerziell interessanten Bestandteile wie Kerosin abfangen sowie die verbleibenden schweren Bestandteile („Schweröl“) kurzerhand in die Lagune kippen (siehe Ölkatastrophe im Nigerdelta).[30] Durch die zahlreichen, oft mit alten Autoreifen gefütterten Feuerstellen hängt über der Region ein rauchiger Dunst, ihr Zentrum Port Harcourt gehört weltweit zu den Städten mit der schlechtesten Luftqualität. Wegen der Nähe flüchtiger Kohlenwasserstoffe zu offenem Feuer explodieren gelegentlich solche illegalen Destillen, ihre Betreiber sind dank kleinerer Arbeitsunfälle an ihren vernarbten Brandwunden zu erkennen.
Abachas Nachfolger Abdulsalami übernahm 1998 ein dystopisches Land, in dem das Straßenbild von lokalen Banden („area boys“) und militanten Widerstandsgruppen geprägt wurde. Sämtliche Bereiche des öffentlichen Lebens waren heruntergewirtschaftet. Da kein Offizier noch bereit war, die Führung des Landes zu übernehmen (von sechs nigerianischen Diktatoren waren zwei ermordet worden, Abacha mutmaßlich im Drogenrausch verstorben und der Rest hatte eine längere Zeit im Gefängnis, Hausarrest oder Exil verbracht), beschloss Abdulsalami, freie Wahlen anzusetzen. Er entging dadurch dem Schicksal seiner Vorgänger.
Demokratie seit 1999

Mit der Rückkehr Nigerias zur Demokratie 1999 und dank der kompetenten Wirtschaftsexperten (Ngozi Okonjo-Iweala, Charles Soludo, Nuhu Ribadu) im Kabinett des ersten Präsidenten der Vierten Republik, Olusegun Obasanjo, verbesserte sich die wirtschaftliche Lage etwas. (2007 bezahlte Obasanjo sogar sämtliche Staatsschulden zurück.) Die fehlende vertikale Integration bzw. Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze, die Politik des starken Naira, die Benzinsubventionierung und der Kleinkrieg im Nigerdelta belasteten jedoch die nigerianische Volkswirtschaft weiter, von anderen Problemen wie staatliche Inkompetenz und Korruption abgesehen.
2015 wurde zum ersten (und bislang einzigen) Mal ein amtierender Präsident Nigerias, Goodluck Jonathan von der Demokratischen Volkspartei, abgewählt. Ihm folgte der als unbestechlich geltende Muhammadu Buhari von den Progressiven. Mehrere korrupte Amtsträger wurden abgesetzt, angeklagt und verurteilt, darunter der Oberste Verfassungsrichter Walter Onnoghen, der Generalstaatsanwalt Mohammed Bello Adoke und der Chef der Korruptionsbekämpfungsbehörde Ibrahim Magu. Die aufgelisteten Probleme der nigerianischen Volkswirtschaft blieben bestehen, die Ölförderung sank zudem dank der zunehmenden Verknöcherung des staatlichen Ölkonzerns NNPC von ihrer Maximalmenge im Jahr 2005 auf die Hälfte und Nigeria auf Platz 17 der ölproduzierenden Länder. Buhari konnte jedoch durch seine sparsame Politik und dank tüchtiger Minister wie Tunde Fashola (Bau) und Rotimi Amaechi (Verkehr) genügend Mittel freimachen, um einige Infrastrukturprojekte umzusetzen (wie die Nigerbrücke bei Onitsha und die Standardschienenverbindung zwischen Lagos und Ibadan, die seither mit einem kleinen Profit betrieben wird). Aus der Wirtschaft gab es einige Lichtblicke. 2022 wurde bekannt, dass Lagos und damit Nigeria fünf „Einhörner“ aufweist: High-Tech-Unternehmen mit einem Wert über 1 Milliarde Euro. Dies entspricht München.[31] Die nigerianische Filmindustrie verließ die billigen Videoproduktionen, setzte auf höhere Qualität und erzielte einen Umsatzrekord nach dem anderen (zuletzt A Tribe called Judah von Erfolgsregisseurin Funke Akindele) – ganz ohne staatliche Filmförderung. Animationsstudios drangen auch auf die lukrative Gaming Development vor. Die nigerianische Musikindustrie, Afrobeats, machte mit der kreativen Verwendung von AutoTune und dargeboten durch Interpreten wie Davido, Burna Boy, Wizkid, Asake, Ayra Starr und Tems einen großen Sprung nach vorne und räumt bei Music Awards regelmäßig ab. Der Gini-Koeffizient Nigerias sank 2022 auf 33,9 (von 51,9 im Jahr 1996)[32][33], was darauf hindeutet, dass sich die soziale Schere des Landes schloss und eine solide Mittelschicht bildete (zum Vergleich: das nahe gelegene Ghana hat einen Gini-Koeffizienten von 43,5 (Wert von 2016)[34], Nachbar Kamerun 42,2[32] und Deutschland 32,4[32]).
In seinen letzten Amtstagen weihte Buhari noch das Projekt des reichsten Nigerianers – Aliko Dangote – ein: die privatwirtschaftlich geführte Ölraffinerie auf der Halbinsel Lekki, 50 km vom Stadtzentrum der Metropole Lagos, aber 600 km von den Ölquellen des Landes entfernt. Da es in Lagos keine Bildungsstätte für Ölverarbeitung und im Land keine funktionierende Raffinerie mit entsprechenden Fachleuten gab, wurden die Aussichten der Dangote-Raffinerie bezweifelt. Dangote hatte für seine Raffinerie 57.000 Menschen eingestellt[35], ob mit der Quantität auch die qualitative Eignung der Mitarbeiter verbunden war, war unsicher.[14]
„Hardship“ – harte Zeiten

Auf Buhari folgte im Mai 2023 sein Parteikollege Bola Tinubu. Bereits in seiner Antrittsrede verkündete er das Ende der Benzinsubvention, die Tankstellen verdreifachten daraufhin ihre Preise. Eine Tankfüllung kostet damit den durchschnittlichen Nigerianer einen Großteil seines Monatsgehaltes. Einen Monat danach beendete Tinubu die Politik des starken Naira: Er gab die Landeswährung frei und sie stürzte innerhalb von 12 Monaten auf ein Fünftel ihres alten Wertes (über 1.800 Naira für einen US-Dollar statt zuvor 400). Die Zeit der „hardship“ hatte begonnen und die Folgen der „Tinubunomics“ sind (Stand 2026) noch nicht abzuschätzen. Nigerianer gehörten plötzlich durch den ungünstigen Wechselkurs zu den ärmsten Bewohnern Afrikas und Tinubu wurde zum unpopulärsten Präsidenten des Landes in seiner Geschichte.[14] Dass Tinubu zum ersten Mal in Nigeria eine konsequente Einkommensbesteuerung einführte, verbesserte seine Popularität ebensowenig. Außerdem irritierte die Eile des Präsidenten bei seinem größten Projekt: der Küstenautobahn von Lagos nach Calabar, für die er parlamentarische Prozeduren übersprang. Immerhin erhielt Tinubu Zustimmung aus unerwarteter Ecke: die wichtigste Widerstandsgruppe im Nigerdelta, MOSOP, begrüßte die dadurch entstehende Infrastruktur in ihrer Region.[36]
Für positive Meldungen sorgten 2023 in Lagos die Fertigstellung der „Blauen Linie“, des ersten Abschnitts der hochnotwendigen S-Bahn durch Landesgouverneur Sanwo-Olu und seine energische LAMATA-Chefin Abimbola Akinajo,[37] sowie günstige Berichte von der Dangote-Raffinerie, die bald europäische Zertifikate für die Einhaltung von Umweltnormen erhielt.[38][39] Ende 2025 kündigte Aliko Dangote die Verdopplung der Raffineriekapazitäten an – die Raffinerie auf Lekki würde damit die größte der Welt.[40] Beinahe zeitgleich begannen die benachbarten Bundesstaaten Ogun und Ondo mit dem Bau eigener Raffinerien.[41][42] Im Juli 2026 wurde in Endo (Nasarawa) die größte Lithiumerz-Verarbeitungsanlage Westafrikas in Betrieb genommen - ein weiterer Schritt Nigerias weg vom Rohstoffexport und hin zu einer größeren Fertigungstiefe.[43][44]
Nigeria verzeichnete im ersten Quartal 2026 den höchsten Handelsüberschuss seit seiner Gründung 1914.[45] Die Dangote-Raffinerie (und damit Nigeria) wurde laut S&P Global Energy im April 2026 zudem der weltgrößte Exporteur von Flugbenzin.[46] Ein weiteres günstiges Zeichen waren die in Nigeria getätigten ausländischen Investitionen, die 2025 um 90 % auf 23 Mrd. US-Dollar gestiegen waren.[47] 2026 verbuchte der nigerianische Fiskus Mehreinnahmen von 49 % im Vergleich zum Vorjahr, auch dank der eingeführten Einkommenssteuer.[48]
Umfragen 2026 zeigen, dass sich die Popularität des Staatspräsidenten etwas erholt hat und 54 % der Befragten ihn positiv beurteilen.[49] Im April 2026 passierte der nigerianische Aktienindex zum ersten Mal die Marke von 200.000 Punkten, nachdem FTSE Russell die Wirtschaft Nigerias von „unclassified“ zu „Frontier market“ hochstufte und sich die Sicherheitslage im Nigerdelta beruhigt hat.[50] Im Mai 2026 folgten dem Standard & Poor’s (Aufwertung von B- auf B)[51] und Moody’s (von Caa1 auf B3)[52]. Im Juni 2026 erreichten die nigerianischen Währungsreserven mit 51 Mrd. US-Dollar den höchsten Stand seit 17 Jahren.[53] Ende August 2026 stufte Moody’s den wirtschaftlichen Ausblick für Nigeria von „stabil“ auf „positiv“ hoch.[54] Das Wirtschaftswachstum beschleunigte sich auf 4,43 %, wobei der Non-Oil-Sektor um 4,31 % wuchs.[55] Im zweiten Quartal 2026 verdoppelte sich der Handelsbilanzüberschuss gegenüber Q2 2025 und brachte Nigerias Volkswirtschaft einen Kapitalzufluss von 10,3 Mrd. US-Dollar. (Das Handelsdefizit bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Industrieerzeugnissen erhöhte sich allerdings im gleichen Zeitraum von 7 Mrd. US-Dollar auf 9,5 Mrd.)[56]
Zu den letzten Fesseln, die die nigerianische Volkswirtschaft noch hemmen, gehört der staatliche Ölkonzern NNPC. Nachdem eine der vier staatlichen Ölraffinerien in Port Harcourt 2025 vollständig neu aufgebaut worden war, wurde 2026 bekannt, dass der Betrieb dort nicht aufgenommen wurde, weil er nicht profitabel sei – trotz Rekorderlösen für Benzin und Diesel wegen der Krise an der Straße von Hormus.[57] Nigerianische Beobachter stellen sich die Frage, wie dies sein kann, wenn die private Ölraffinerie auf Lekki gleichzeitig gute Geschäfte macht und auf dem Weg ist, die größte Raffinerie der Welt zu werden sowie knapp 100.000 Menschen mit einem vergleichsweise guten Einkommen und qualifizierter Arbeit versieht.[58]
Wirtschaftssektoren
Einleitung
Außer Erdöl[59] und Erdgas exportiert Nigeria Düngemittel und Zement/Faserzementplatten,[60] geformte Produkte aus Polypropylen (Kunststoff), Körperpflegeprodukte, Farbe,[61] PKW,[62] MRAP-Panzerfahrzeuge[63] und Malzgetränke. Nigeria ist in Afrika führend als Finanzmarkt, in der Pharmazeutik[64] und in der Unterhaltungsindustrie. Durch sein weit entwickeltes Autobahnsystem, durch sein wachsendes Schienennetz und den neuen Super-Post-Panamax-Containerhafen Lekki ist es auch ein logistischer Knotenpunkt in der Region. Nach dem Ölgeschäft sind die Überweisungen der Auslandsnigerianer in die Heimat die zweitwichtigste Devisenquelle[65].
Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen (KKMU) machen 96 % aller Unternehmen aus und tragen 49 % zum nationalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. KKMU bilden das Rückgrat der nigerianischen Wirtschaft, da sie 84 % der Erwerbsbevölkerung des Landes beschäftigen.[66]
Regionen
Zu den florierenden Gebieten zählen die Millionenmetropole Lagos (Finanzdienstleistungen, Unterhaltung, Medien, Softwareentwicklung) sowie die Hauptstadt Abuja. Weitere wirtschaftliche Zentren sind die Hafenstadt Port Harcourt (Ölförderung und -verschiffung) und Kano im Norden (Baumaterialien, Handel). Bundesstaat Anambra ist durch mehrere Standorte mit Fahrzeugproduktion[67] in industrieller Hinsicht relativ weit entwickelt. Bundesstaat Ogun, der Lagos völlig umschließt, ist Standort von industriellen Unternehmen zum Beispiel im Pharmabereich[68], Panzerfahrzeugbau[69] oder Schienenfahrzeugbau[70]. Ogún ist übrigens auch der Name des traditionellen Gottes der Oyo und Yoruba für Metallverarbeitung[71], ähnlich dem griechischen Hephaistos, siehe Nok-Kultur.
Superlative
Im FinTech-Bereich weist Nigeria fünf von sieben afrikanischen „Einhörnern“ auf (Startup-Unternehmen, die mit über 1 Milliarde USD bewertet werden) Dies entspricht München.[72][73] – Die 2023 eröffnete Raffinerie auf Lekki (es gab jahrzehntelang keine funktionierende Raffinerie in Nigeria) ist die siebtgrößte der Welt und wird seit 2025 zur größten entsprechenden Anlage weltweit ausgebaut.[74][75] Im Mai 2026 wurde sie zum größten Exporteur von Flugkerosin.[76] Die Dangote-Raffinerie gilt als sauber und besitzt europäische Umweltzertifikate. Im Flugverkehr hat Nigeria den höchsten Sicherheitsstandard Afrikas und kann sich diesbezüglich mit Europa messen (siehe „Luftverkehr“). Nigerias Filmindustrie liegt gleichauf mit Hollywood und Mumbai („Bollywood“) – ganz ohne staatliche Filmförderung. 2025 erhielt man Auszeichnungen in Cannes und seitens der BAFTA. Lagos gehört zu den wenigen Städten in Afrika mit einer S-Bahn; Betreiber LAMATA transportiert (einschließlich seiner Franchiseunternehmen) jährlich mehr Menschen als jeder andere ÖPNV-Provider auf dem Schwarzen Kontinent.
Landwirtschaft


Nigeria leidet, wie andere afrikanische Länder auch, unter dem Exodus der Landbewohner in die Stadt. Dazu kommt, dass 2 Millionen Nigerianer – hauptsächlich aus ländlichen Gebieten – vor Boko Haram in Großstädte wie Maiduguri fliehen mussten.[77] Während 1995 über 50 % der Nigerianer in der Landwirtschaft arbeiteten, lag dieser Wert 2020 unter 35 %.[78] Dies wirkt sich nachteilig auf die Landwirtschaft aus. Nigeria muss darum, anders als zu kolonialen Zeiten, Lebensmittel importieren.
Feldwirtschaft und Gartenbau
Nigeria steht bei der landwirtschaftlichen Produktion weltweit an sechster Stelle und in Afrika an erster Stelle.[79] Der Sektor erwirtschaftet etwa 18 % des BIP und stellt fast ein Drittel der Arbeitsplätze. Obwohl Nigeria aufgrund des lokalen Konsumbooms kein großer Exporteur mehr ist, ist das Land immer noch ein wichtiger Produzent vieler landwirtschaftlicher Erzeugnisse.[80]

Angebaut werden vor allem Erdnüsse und Kakao. Nigeria ist zudem der weltweit größte Produzent von Maniok und Yams sowie der zweitgrößte von Sorghum, Ingwer und Süßkartoffeln.[82] Die Landwirtschaft kann derzeit weder die eigene Bevölkerung ernähren noch wesentlich zum Exportgewinn beitragen. Besonders der Norden ist im Landesvergleich stärker agrarisch geprägt. Der Landwirtschaftssektor erwirtschaftete 2016 noch knapp 20 % des Bruttoinlandsprodukts.
Produkte

Wurzeln und Knollen
Diese „unterirdische Nahrung“ ist mit 118 Millionen Tonnen im Jahr 2020 die größte Gruppe der in Nigeria produzierten Lebensmittel[83] und umfasst Yamswurzeln, Maniok, Kartoffeln und Süßkartoffeln. Diese Nahrungsmittel werden hauptsächlich im Süden Nigerias angebaut („Roots economy“).
Getreide
Die Gruppe Sorghum, Birnenhirse usw. ist mit 28,6 Millionen Tonnen im Jahr 2020 die zweitgrößte Gruppe der in Nigeria produzierten Nahrungsmittel.[83] 50 % oder 14 Millionen Tonnen davon sind Sorghum.[84] Die Zuckerrohrproduktion trägt mit weiteren 1,5 Millionen Tonnen dazu bei. Getreide wird vor allem in der Savannenzone des Landes angebaut.[84]
Reis und Paddy
Die drittgrößte Gruppe der in Nigeria erzeugten Nahrungsmittel sind Reis und Paddy. Im Jahr 2020 wurden 8,2 Millionen Tonnen produziert.[83]
Ölfrüchte
Nigeria produzierte im Jahr 2020 gut 4 Millionen Tonnen Ölfrüchte. Dazu gehören z. B. Sojabohnen, Sonnenblumenkerne, Raps und Erdnüsse.[83]
Zitrusfrüchte
Nigeria produzierte im Jahr 2020 fast 4 Millionen Tonnen Zitrusfrüchte. Die wichtigsten nigerianischen Zitrusfrüchte sind Mandarinen, Trauben, Zitronen und Limetten.[83]
Kakao
Die Kakaoproduktion, die größtenteils aus veralteten Sorten und überalterten Bäumen stammt, ist von rund 180.000 Tonnen jährlich auf 350.000 Tonnen gestiegen.[80]
Weitere Produkte
Auf Hackbaufeldern werden Bohnen, Melonen, Pfeffer und Gemüse angebaut. Für den Export werden Ölpalmen, Kautschuk und Bananen angebaut. Palmöl spielt bei der in Nigeria aufstrebenden Branche von Körperpflegemitteln eine tragende Rolle.
Probleme und Ansatzpunkte zur Verbesserung
Die unzureichende Selbstversorgung Nigerias mit Lebensmitteln ist durch die Weizenknappheit im Zuge des Ukrainekrieges besonders dringlich geworden und war auch Thema im nigerianischen Wahlkampf 2023. In Veröffentlichungen zur nigerianischen Landwirtschaft zeichnen sich vier Problembereiche in der Feldwirtschaft ab:[85][86][87]
- schlechte Straßen in landwirtschaftlichen Regionen, dadurch vermeidbare Verteuerung der Produkte und Verzögerung ihrer Auslieferung,
- mangelhafte Versorgung mit Wasser trotz vorhandener Flüsse / Seen / Stauseen etc., dadurch können die Produkte oft nicht gereinigt werden, keine Bewässerung stattfinden etc.,
- mangelhafte Investitionen in landwirtschaftliche Geräte (Traktor, Bulldozer etc.), die durch billige Arbeitskräfte nicht ersetzt werden können,
- Beschädigung der (nährstoffreichsten) obersten Erdschicht bei Rodungen.
Vlogger Bayo Adio, aus den USA in die Heimat rückmigrierter nigerianischer Unternehmer, empfiehlt darum in einem Beitrag neben besserer Erschließung mit festen Wegen und Wasserversorgung eine genossenschaftliche Nutzung landwirtschaftlicher Geräte bei Flächen ab 2 Hektar (5 acres) und die manuelle Rückverteilung der obersten Erdschicht auf gerodete Flächen nach maschinell erfolgter Rodung.[88]
Zu den wenigen Bundesstaaten Nigerias, die einen Nahrungsmittelüberschuss erzielen, gehört Kwara. Dies liegt möglicherweise am Back-to-Farm-Projekt. Das Projekt, bei dem (weiße) simbabwische Farmer angesiedelt und subventioniert wurden, sowie die kausale Zuweisung seiner agrarischen Erfolge ist umstritten. Da die Subventionen in die Wasserversorgung, bessere Straßen und landwirtschaftliche Geräte flossen, scheint dies jedoch die Empfehlungen im vorigen Absatz zu bestätigen.


Tierhaltung
Rinder
Die Viehhaltung basiert überwiegend auf dem Halten von Rindern. Insgesamt werden etwa 15 Millionen Stück gehalten. Außerdem werden ungefähr fünf Millionen Schweine gehalten. Überwiegend für den Eigenbedarf wird Kleinvieh wie Schafe, Ziegen und Hühner gehalten.
Geflügel und Eier
Schätzungsweise 42 % der Nigerianer besitzen Hühner. Daher sind Geflügel und Eier in der Lebensmittelindustrie ein beliebtes Produkt. 46 % des Geflügels wird in extensiver Freilandhaltung gehalten. In Nigeria werden jährlich schätzungsweise 300 Tausend Tonnen Geflügelfleisch und 650 Tausend Tonnen Eier produziert.[89]
Staatliche Modernisierungsversuche
Im Jahr 2005 subventionierte die sozialdemokratische Regierung des Bundesstaates Kwara im Rahmen des Back-to-Farm-Projekts die Ansiedlung weißer Farmer aus Simbabwe auf 13 vergleichsweise modernen Farmen, den sogenannten Shonga-Farmen, mit Milliarden von Naira. Es ist umstritten (Stand 2022), ob die staatliche Subvention tatsächlich dem Bundesstaat Kwara und seiner Bevölkerung zugutekam. Für Verbitterung unter der jetzigen – neoliberalen – Landesregierung sorgte auch, dass 9 dieser 13 Farmen wieder verkauft wurden, der Staat Kwara aber Verbindlichkeiten in Höhe von 1,7 Milliarden Naira übernehmen musste[90]. Die 13 Shonga-Farmen hatten zeitweise die landwirtschaftliche Produktion des Staates erheblich steigern können. Über die langfristigen Folgen gibt es jedoch keine verlässlichen Informationen.[91][92][93] Ein Dokumentarfilm von Catbol Media vom April 2022 zeichnet ein ausschließlich positives Bild: Dank der Bauern aus Simbabwe ist Kwara zum wichtigsten Agrarproduzenten unter den 37 Bundesstaaten Nigerias aufgestiegen. Die lokale Landwirtschaft wurde durch die Einführung von Elektrizität, Transportverbindungen, Bewässerung und Düngung modernisiert, und es wurden neue Arbeitsplätze für einheimische Arbeitskräfte geschaffen. Die ehemalig simbabwischen Farmer Reid, DuToit und Hunter zeigen sich begeistert von der Zusammenarbeit mit den lokalen Kräften und dem landwirtschaftlichen Potenzial[94].
Nahrungsmittelverarbeitung
Die meisten weiterverarbeiteten Nahrungsmittel (Food & Beverages) werden im Bundesstaat Ogun produziert, nämlich 45 % der nigerianischen Produktion in diesem Wirtschaftssektor[95] beziehungsweise 10 % der gesamten Wirtschaftsleistung Nigerias.
Brauereien
Bei der afrikanischen Bierproduktion steht Nigeria nach Südafrika an zweiter Stelle.[96] Die größte Brauerei Nigerias ist Nigerian Breweries, eine Heineken-Tochter. Im dritten Quartal 2022 verzeichnete Nigerian Breweries einen Rekordumsatz von 393 Milliarden Naira (853 Millionen Euro).[97] Weitere Brauereien sind Intafact und International Breweries (Töchter des Anheuser-Busch-Konzerns), sowie Guinness Nigeria (im Besitz der Diageo plc). Besonders populär ist Guinness-Bier. Offenbar trinkt der durchschnittliche Nigerianer mehr von diesem Starkbier als der durchschnittliche Ire.[98]
Malzbier / Malzgetränke
Nigeria ist ein führender Exporteur von Malzbier und anderen Malzgetränken[99], aber auch der wichtigste Verbrauchermarkt für dieses Getränk. Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass 55 % der Bevölkerung Muslime sind und ihnen der Konsum alkoholischer Getränke untersagt ist[100].
Vor einigen Jahren beherrschten die Getränke Maltina und Amstel Malta der Getränkehersteller Nigerian Breweries (NB) Plc und Malta Guinness von Diageo's Guinness den Markt für Malzgetränke. Allerdings haben die beiden Marktführer in letzter Zeit Konkurrenz bekommen. Dazu gehören Marken wie Dubic Malt und Malta Guinness herbs, beide von Guinness Plc hergestellt, Grand Malt von Intafact Beverages Ltd und Betamalt, hergestellt von International Breweries Plc. Dubic Malt und Malta Guinness scheinen die Marktführer in puncto Qualität zu übertreffen[101]. Andere Malzmarken wie Malta Gold, Hi-Malt, Maltex, Vitamalt und Maltonic verengen den Markt für Malzgetränke weiter[100].
Schälmühlen
Bislang exportierte Nigeria paradoxerweise zwar ungeschälten Reis, musste aber geschälten Reis, Hauptnahrungsmittel des Landes, importieren. Die Reismühle in Imota, nahe Lagos, soll die entsprechende Verarbeitung im eigenen Lande erledigen, Handelsbilanz und den Arbeitsmarkt verbessern, sowie unnötige Kosten für Transport und Mittelsmänner einsparen. Im Vollbetrieb am Ende des Jahres 2022 soll die Anlage, die größte südlich der Sahara, 250.000 Menschen beschäftigen und 2,5 Mio. 50-kg-Reissäcke jährlich produzieren.[102]
Milchprodukte und Fleisch
Nigeria hat mit 19 Millionen Rindern den größten Viehbestand Afrikas, doch kann der nigerianische Milchsektor nur weniger als 10 % des Bedarfs an Milchprodukten decken (Stand Juni 2021), eine Lücke, die mit dem Bevölkerungswachstum wachsen dürfte[103].
Fan Milk, ein Unternehmen der Danone-Gruppe und Hersteller beliebter Tiefkühlmilch- und Speiseeismarken, stellt im Juni 2022 seine neu fertiggestellte Modellmolkerei in Odeda, Ogun State, vor. Diese Molkerei ist die erste Investition von Danone in die Milchwirtschaft in Afrika südlich der Sahara, um die lokale Milchproduktion in Nigeria zu steigern. Fan Milk wird einen Milchviehbetrieb und ein Ausbildungsinstitut von Weltrang einrichten und dabei auf das Know-how der Muttergesellschaft Danone zurückgreifen.[104][105]
In der Freihandelszone von Lekki wurde 2022 die Dano Milk Factory (Arla) eröffnet[106]. 2021 begann die bäuerliche Molkereigenossenschaft Arla Foods mit dem Bau eines 200 Hektar großen Milchviehbetriebs im Bundesstaat Kaduna. Der Betrieb wird 400 Milchkühe halten und über moderne Melkstände und Technologie, Grasland und Wohnmöglichkeiten für 25 Mitarbeiter verfügen[103].
Mahlen und Raffinieren von Kokosnussöl
Eine mehrere Milliarden Naira teure Kokosnussölraffinerie, die erste ihrer Art in Afrika, nahm im Bundesstaat Akwa Ibom ihren Betrieb auf. Die St. Gabriel Coconut Refinery in Mkpat Enin wurde im Mai 2022 eingeweiht. Der Gouverneur von Akwa Ibom versprach, sofort mit der Ausbildung einheimischer Arbeitskräfte für die Raffinerie zu beginnen. Er führte aus, die Anlage habe eine tägliche Kapazität zum Knacken von 1.000.000 Kokosnüssen und werde nicht weniger als 3.000 direkte und indirekte Mitarbeiter beschäftigen.[107] Kokosnussöl wird laut Gouverneur Emmanuel für 1.326 Dollar pro Barrel verkauft.[107]
Molkereiwesen
Fan Milk, ein Unternehmen der Danone-Gruppe und Hersteller beliebter tiefgekühlter Molkerei- und Eismarken, stellte im Juni 2022 seine neu fertiggestellte Modellmolkerei in Odeda im Bundesstaat Ogun vor. Diese Molkerei ist die erste Investition von Danone in die Milchwirtschaft in Afrika südlich der Sahara, um die lokale Milcherzeugung in Nigeria zu steigern. Fan Milk wird einen Milchviehbetrieb und ein Ausbildungsinstitut von Weltrang einrichten und dabei auf das Know-how der Muttergesellschaft Danone zurückgreifen.[108][109]
Backwaren, Frühstückspeisen

Der nigerianische Brotsektor wächst schnell, wobei 72 Prozent von kleinen und mittleren Bäckereien dominiert werden. Der nigerianische Bäckereimarkt ist ein Wirtschaftszweig mit einem Volumen von 621 Millionen Dollar[110]. „Frisches Brot und andere Backwaren“ ist die Backwarengruppe mit dem höchsten Verbrauch (8,5 Mio. Tonnen), was 91 % des Gesamtvolumens entspricht. „Frisches Brot und andere Backwaren“ übertraf die Zahlen für die zweitgrößte Produktgruppe „Lebkuchen, Süßgebäck und Waffeln“ (689 000 Tonnen) um mehr als das Zehnfache. Es wird erwartet, dass der nigerianische Markt für Backwaren im Prognosezeitraum 2020-2026 ein erhebliches Wachstum aufweisen wird[111]. Primera Food beginnt 2022 in Zusammenarbeit mit Michael Foods im Bundesstaat Ogun mit der Produktion von Nudeln im großen Stil.[104] Kellogg’s eröffnet 2022 in der Lekki Free Trade Zone in der Nähe von Lagos eine Produktionsanlage für ihre Produkte.[104] In Jos stellt NASCO Foods Kekse und Cornflakes her. Im Jahr 2022 wird das Unternehmen seine Fabrik in Jos erweitern.[104][112]
2020 importierte Nigeria für 2,1 Mrd. US-Dollar Weizen, nur Ägypten gab hierfür mehr aus (2,9 Mrd.). Nigeria wird darum von der russischen Invasion in der Ukraine 2022 und der resultierenden internationalen Weizenknappheit besonders hart betroffen.[113][114]
Raffinierter Zucker
Die zum Dangote-Konzern gehörende Zuckerraffinerie in Apapa[115] konnte im dritten Quartal 2022 ihren Umsatz auf 288,3 Mrd. Naira (590 Mio. Euro) steigern - eine Steigerung von 47 % zum dritten Quartal 2021. Der Gewinn nach Steuern stieg auf 24,8 Mrd. Naira (50,8 Mio. Euro), bzw. um 60 %.[116] LinkedIn verzeichnet 869 Mitarbeiter von Dangote Sugar (Stand 2023). Die Zuckerraffinerie hat eine Kapazität von 1,44 Mio. metrischen Tonnen im Jahr und beliefert Endverbraucher als auch Großabnehmer wie Nestlé Nigeria Plc, Cadbury Nigeria Plc, Seven-Up Bottling Company Plc und die Nigerian Bottling Company.[115]
Bergbau und fossile Brennstoffe
Bergbau
Der Abbau von Mineralien macht in Nigeria nur 0,3 % des Bruttoinlandsprodukts aus, was auf den Einfluss der riesigen Ölvorkommen zurückzuführen ist. Die einheimische Bergbauindustrie ist unterentwickelt, was dazu führt, dass Nigeria Mineralien importieren muss, die es im eigenen Land produzieren könnte, wie Salz oder Eisenerz.
Fossile Brennstoffe
Erdöl
Nigerias wichtigster Bodenschatz ist das Erdöl. Es macht 90 % aller Exportprodukte aus, obwohl nur 7 % der Beschäftigten in diesem Sektor tätig sind. Außerdem steuert dieser Wirtschaftssektor 35 % zum Bruttoinlandsprodukt bei. Die Fördermenge lag 2007 bei 2,2 Millionen Fässern pro Tag.
Erdgas
Nigeria hat die größten Erdgasvorkommen in Afrika. Weltweit steht man diesbezüglich auf Platz 9.[117][118] Die durch den Ukrainekrieg bedrohte Versorgung Europas mit Erdgas forciert Projekte, bei denen nigerianisches Erdgas über Pipelines nach Marokko bzw. Algerien transportiert werden soll.[119][120][121] Im Mai 2022 gibt es dazu aber noch keine Ergebnisse.
Industrie
Die Industrie konzentriert sich zum größten Teil im Südwesten des Landes. Die Metallindustrie Nigerias befindet sich zu ca. 90 % in Lagos.[122] Im Bundesstaat Ogun, der Lagos vollständig umschließt, befindet sich der Hauptanteil der nigerianischen Industrie mit dem Fokus auf Zement, Lebensmittelkonserven, Schaumgummi, Farben, Reifen, Teppiche, Aluminiumprodukte und Kunststoffe.[123] Im Südosten des Landes existieren vor allem Erdölraffinerien und die chemische Industrie. Wenn man die ölproduzierenden Bundesstaaten sowie die Dienstleistungsmetropolen Lagos und Abuja nicht mitzählt, ist Ogun durch seinen hohen Industrialisierungsgrad in Nigeria der Spitzenreiter beim Bruttosozialprodukt pro Kopf, gefolgt von Cross River. Kano ist das Schlusslicht.[124]
Zement und Faserzementplatten
Dangote Cement und BUA Cement sind die dominierenden Unternehmen auf dem nigerianischen Zementmarkt. Im Mai 2022 eröffnete BUA ein neues, großes Zementwerk in Sokoto mit einem eigenen 50-MW-Kraftwerk.[125] Aliko Dangote, Nigerias reichster Einwohner, hat seinen Wohlstand mit seinem Zementwerk begründet.
In Kuje, südwestlich von Abuja, eröffnete im Mai 2022 die New Material Nigeria Limited eine Fertigungsanlage von Faserzementplatten. Es wurden 50 Millionen USD investiert und 120 Arbeitsplätze geschaffen. Managing Director Jackie Dai Hui betonte, dass Rohstoffe lokal beschafft werden. Für Baumaterial wie Faserzementplatten sei die Nachfrage in Nigeria hoch. Wichtig seien hierbei Festigkeit, Schallschutz und Feuerbeständigkeit des Materials. Eine weitere Fertigungsanlage in der Nähe von Lagos sei darum geplant. Man strebe nach der Positionierung Nigerias als Produktionszentrum für den Export von Faserzementplatten.[126][127]
Erdölprodukte

Benzin war bis 2021 mit 24 % des Importvolumens das Hauptimportgut Nigerias.[128] Am 24. Januar 2023 wird eine in Medien vielbesprochene Dangote-Ölraffinerie eingeweiht, die täglich unter anderem 50 Mio. Liter Benzin herstellen wird.[129][130][131][132] Dadurch würde Nigeria vom Nettoimporteur zum Nettoexporteur für Erdölprodukte.
Noch bevor die Dangote-Raffinerie voll in Betrieb ist, erhebt sie Anspruch auf eine Reihe von Weltrekorden, darunter die größte Destillationskolonne der Welt[133] und mit dem RFCC-Regenerator sowohl das schwerste zusammenhängende Stück Stahl (hergestellt in Südkorea) als auch das schwerste Objekt, das jemals auf einer öffentlichen afrikanischen Straße transportiert wurde.[134]
Düngemittel
Am 3. Mai 2022 wurde in der Nähe von Lagos nach jahrelangen Bauarbeiten eine Düngemittelproduktionsanlage in Betrieb genommen, die 3 Millionen Tonnen Düngemittel im Jahr herstellen wird.[135][136][137] Da durch den Ukrainekrieg 2022 keine russischen Düngemittel mehr auf den Weltmarkt kommen, stößt Nigeria in eine Marktlücke. „Der Düngemittelmarkt ist ein Verkäufermarkt“, schwärmte Firmenchef Dangote bei der Eröffnung des Werks. „Die Leute betteln darum, dass wir verkaufen, und wir sind wählerisch, an wen wir verkaufen“.[137]
Im Juni 2026 wurde der Ausbau der Düngemittelproduktion von drei auf neun Millionen Tonnen beschlossen[138], dies entspricht etwa dem Düngemittelverbrauch der Europäischen Union. Finanziert wird der Ausbau von der Africa Finance Corporation.[139]
Nur einen Steinwurf von der Dangote-Raffinerie entfernt hat die BASF eine Fabrik in Lekki eröffnet. Die BASF ist vor allem für Düngemittel, Farben und Lacke bekannt.[125]
Zementwerke
2016 (dem letzten Jahr, aus dem Angaben vorliegen) war Nigeria der führende Zementproduzent südlich der Sahara, vor Südafrika.[140] Mit 16,4 Mio. Tonnen Jahresproduktion stellte Nigeria etwa halb so viel Zement her wie die Bundesrepublik Deutschland. Aliko Dangote, Nigerias reichster Einwohner, begründete seinen Wohlstand mit der Zementproduktion. Im Mai 2022 eröffnete der nach Dangote zweitgrößte Zementkonzern, BUA Cement, ein neues, großes Zementwerk in Sokoto, das auch über ein eigenes 50-MW-Kraftwerk verfügt.[141]
42 % der nigerianischen Zementproduktion findet in den Bundesstaaten Ogun und Kogi statt.[142]
Körperpflegeprodukte
Die Colgate-Fabrik in der Lekki Free Trade Zone in der Nähe von Lagos stellt seit 2022 Körperpflegeprodukte und Reinigungsmittel her.[143]
Schwarze Seife („black soap“) unterschiedlicher Hersteller und Marken wird von Nigeria nach ganz Afrika exportiert.
Kunststoffe
Sacvin aus Lagos produziert in fünf Werken jährlich 48.000 Tonnen Kunststoffprodukte, darunter Haushaltswaren, Kühlboxen, Lunchboxen und Flaschen, Industrieverpackungen sowie Rohre.[144] Man ist stolz auf eine dreifache ISO-Zertifizierung, auf Robotertechnik und auf hohe Produktionskonsistenz, Qualität und Effizienz.[145] Sacvin war 2026 als einziges nigerianisches Unternehmen auf der Frankfurter Ambiente-Fachmesse vertreten.
Pharmazie

Derzeit befinden sich in Nigeria etwa 60 Prozent der pharmazeutischen Produktionskapazitäten in Afrika, und nach COVID-19 wird mit einem Wachstum von 60 bis 70 Milliarden Dollar gerechnet, so Experten[146]. Die pharmazeutische Industrie in Nigeria ist wachstumsfähig und kann in den nächsten 10 Jahren ein Volumen von 4 Milliarden Dollar erreichen[147]. Die Analysten von Goldstein Market Intelligence prognostizieren, dass der nigerianische Pharmamarkt in den Jahren 2017 bis 2030 mit einer CAGR von 9,1 % wachsen wird[148].
Die pharmazeutischen Unternehmen Nigerias liegen größtenteils in Lagos[149]. Emzor Pharmaceutical Industries Ltd scheint der größte Hersteller in diesem Bereich zu sein[150]. Dem folgen Fidson Healthcare Plc[151] und May & Baker Nig. Plc[152].
Fahrzeugindustrie

In Nigeria gibt es drei nennenswerte Automobilhersteller in einheimischem Besitz: Innoson, Nord und Proforce. (Zum Vergleich: die frühere Kolonialmacht Nigerias, Großbritannien, hat seit 2018 keinen Automobilhersteller in einheimischem Besitz, der nennenswerte Produktionszahlen vorlegen kann.) Mit der Übernahme von Peugeot Nigeria durch Aliko Dangote[153] käme bald ein vierter einheimischer Fahrzeughersteller hinzu.
Im Bundesstaat Anambra befindet sich der größte einheimische Automobilhersteller Innoson Vehicle Manufacturing. Seit Mai 2022 produziert Innoson auch die in Nigeria allgegenwärtigen gelben Trikes („Kekes“[154]).[155] Im November 2022 exportierte Innoson als erster afrikanischer Hersteller Fahrzeuge in ein anderes afrikanisches Land (Sierra Leone). Der Auftragswert war 4,7 Mio. USD.[156][157] In Sangotedo/Lekki befindet sich ein weiterer lokaler Automobilhersteller: Nord Automobiles Ltd.[158][159] In Ishara, 30 km nordöstlich von Lagos, stellt Proforce Ltd. gepanzerte Fahrzeuge her.[160][161] Proforce ist bislang der einzige nigerianische Automobilhersteller, der Modelle nach Europa exportiert.[162]
In Maiduguri stellt Phoenix Renewables solar angetriebene Fahrzeuge her.[163][164]
Der US-amerikanische Automobilhersteller SAGLEV kündigte im Oktober 2023 an, in Lagos-Ikorodu bis zum Ende des Jahres mit der Herstellung von elektrischen Fahrzeugen beginnen zu wollen.[165]
Dank Innoson werden die meisten (18 %) der in Nigeria hergestellten Fahrzeuge im Bundesstaat Anambra montiert.[166]
Werkzeugbau
In Oshogbo gibt es eine bescheidene Werkzeugbauindustrie. Produkte sind z. B. CNC-Drehmaschinen und industrielle Bohrmaschinen, aber auch Stiftschrauben und Flansche.[167]
Schienenfahrzeuge
Noch 2023 soll vor den Toren von Lagos, in Ifo Junction, die Lokomotiven- und Waggonfabrik Kajola in Betrieb genommen werden.[168] Sie soll Schienenfahrzeuge für den westafrikanischen Markt produzieren. Im Februar 2023 wurde vermeldet, dass der Bau „zu 95% abgeschlossen“ ist.[169]
Es wird erwartet, dass die Anlage etwa fünftausend (5.000) direkte und indirekte Arbeitsplätze schaffen wird. Sie wird auch eine wichtige Plattform für Ingenieure, Techniker, Handwerker und andere Fachleute bieten, um die für die Herstellung und Wartung von rollendem Material erforderlichen Fachkenntnisse zu erwerben.
Laut Nigerias Vizepräsident Yemi Osinbajo wird diese Fabrik unweigerlich zu Spin-off-Unternehmen in der Region Lagos / Ogun führen. „Mit dem Bau des rollenden Materials vor Ort wird das Import- und Exportgeschäft in Afrikas größtem Markt nie mehr dasselbe sein.“ In der von der chinesischen CCECC erbauten Anlage sollen hauptsächlich nigerianische Staatsbürger und nigerianische Unternehmen beschäftigt werden.[170]
Laut Transportminister Sambo braucht dadurch Nigeria „die Waggons nicht mehr ins Land zu importieren, und es gibt auch einen wirtschaftlichen Nutzen für die Einrichtung des rollenden Materials. Die Nigerianer werden auch lernen, wie man Waggons, Lokomotiven und Reisezugwagen baut, und so Arbeitsplätze schaffen und gleichzeitig die Kapazität der Zugwaggons verbessern. Die Technologie, die im Ausland eingesetzt wird, wird in Nigeria nachgeahmt werden, und es werden viele Arbeitsplätze für die Jugend geschaffen werden.“[171]
Werften
Der nigerianische Schiffbau- und Schiffsreparatursektor wird von einigen wenigen großen Werften dominiert, die sich in erster Linie auf die Unterstützung, Wartung und Trockendockarbeiten im Offshore-Öl- und Gassektor konzentrieren.
Zu den vier größten Werften des Landes gehören Nigerdock (auf Snake Island, die größte Werft in Westafrika), Naval Dockyard Ltd. (Victoria Island) und Samsung Heavy Industries Mega Construction Yard (Tarkwa Bay) in Lagos und die West Atlantic Shipyard in Onne, Rivers State.
Elektronik
Der erfolgreichste Hersteller von Laptops in Nigeria ist, nach eigener Auskunft, der einheimische Zinox Technologies in Lagos.[172]
Spezielle sonnenbetriebene Batterien, die Reeddi Kapseln, entwickelte Reeddi in Lagos. Das Unternehmen erhielt 2023 von Prinz William den Earthshot Prize. In einem Podcast meinte der Prince of Wales, dass „die Kapsel einen großen Einfluss auf Gemeinden haben wird, in denen Energiearmut ein großes Problem ist“.[173]
Datenzentren
Lagos entwickelt sich zum digitalen Zentrum Westafrikas. Mit mehr als 20 in Betrieb befindlichen Rechenzentren, wie RackCentre im Stadtteil Oregun, und einem Marktwert, der in diesem Jahr voraussichtlich 374 Millionen US-Dollar erreichen wird, zieht Lagos globale Giganten wie Equinix und Google an. Nigerias 200 Millionen digital aufgeschlossene Einwohner verlassen sich zunehmend auf Fintech, Streaming und KI. Laut Ahmed Idris von Al Jazeera English wird Lagos wahrscheinlich zum digitalen Knotenpunkt des gesamten westafrikanischen Subkontinents und darüber hinaus werden.[174]
Drones
Terra Industries, ein Start-up aus den Bereichen Robotik und Fertigung mit Sitz in Abuja, Nigeria, entwickelt autonome Sicherheitssysteme, die auf künstlicher Intelligenz und Drohnen basieren und zum Schutz kritischer Industriezweige wie Energie, Bergbau, Telekommunikation und Landwirtschaft beizutragen. Das Unternehmen wurde 2024 von zwei jungen Nigerianern gegründet, dem 23-jährigen Maxwell Maduka und dem 22-jährigen Nathan Nwachuku. Im Februar 2025 nahm Terra die größte Drohnenfabrik Afrikas in Betrieb: eine 1.394 Quadratmeter große Anlage in Abuja mit einer Produktionskapazität von 30.000 Drohnen pro Jahr.[175] Dazu gehören Langstreckendrohnen für Überwachungsmissionen, Quadcopter für Ersthilfe und Datenerfassung sowie kleine selbstfahrende Fahrzeuge für die Bodenüberwachung. Im Mai erhielt das Unternehmen einen Auftrag im Wert von 1,2 Millionen Dollar von der privaten Sicherheitsfirma NetHawk Solutions, um KI-gestützte Drohnen und Überwachungstürme an zwei Wasserkraftwerken in Nigeria einzusetzen.[176]
Stahlwerke
Die Ajaokuta Steel Company Limited produziert laut eigener Auskunft 1,3 Mio. t Stahl im Jahr.[177] Dies entspräche 3 % der deutschen Stahlerzeugung im Jahr 2021.[178]
Stahlwerke in Katsina, Jos und Osogbo scheinen nicht mehr aktiv zu sein.[179]
Recycling
Über den Hafen Lagos treffen jährlich 15.000 Tonnen giftigen Elektroschrotts aus Europa ein, der laut Basler Konvention nicht aus der EU exportiert werden dürfte.[180] Der Elektronikschrott wird häufig in Gebrauchtwagen verborgen durch den nigerianischen Zoll ins Land geschmuggelt und nicht fachgerecht entsorgt. Etwa 100.000 Menschen arbeiten in Nigerias Elektronikrecycling, überwiegend informell, d. h. ohne geeignetes Werkzeug und giftigen Substanzen ausgesetzt.[181] Firmen wie E-Terra in Lagos dagegen zerlegen den Elektronikschrott unter Schonung der Umwelt und der Gesundheit der Mitarbeiter und finanzieren sich über den Verkauf der Rohstoffe Aluminium, Eisen und Glas.[182]
Ein weiteres Problem – und ebenfalls hauptsächlich mit Gebrauchtwagen importiert – sind alte Autoreifen. Große Halden von Autoreifen verunreinigen nicht nur die nigerianische Umwelt, sondern bilden mit kleinen Wasserpfützen in den Reifen ideale Brutstätten für Malariamücken. Dieses Problems nimmt sich Freee Recycle der Unternehmerin Ifedolapo Runsewe an, die mit ihren 100 Mitarbeitern in Oyo (80 km nördlich von Lagos) Autoreifen zu Knochenpflastersteinen für Spielplätze und Autoauffahrten recycelt.[183]
Tertiärer Sektor
Dienstleistungen
Finanzsektor

Nigeria ist der größte Finanzmarkt in Afrika. Nigeria verfügt über einen im regionalen Vergleich relativ gut entwickelten Bankensektor mit einer regional hohen Bankendurchdringung (44,2 % gegenüber einem regionalen Durchschnitt von 17,8 % für Westafrika) und einem robusten Einsatz moderner Finanzinstrumente in der lokalen Wirtschaft. Das Land ist auch gut an die internationalen Finanzmärkte angebunden. Allerdings wird das Land durch hohe Kreditzinsen belastet, die den Zugang zu Krediten für kleinere Unternehmen, insbesondere in der Nicht-Öl-Wirtschaft, einschränken.[184] Mit der Guaranty Trust Bank ist seit 2007 die erste subsaharische Bank an der Londoner und Frankfurter Börse gelistet.
Nigeria ist die treibende Kraft hinter der Fintech-Revolution in Afrika. Das Land stellt 28 % aller afrikanischen Fintech-Unternehmen und ist ein führender Knotenpunkt für Risikokapitalfinanzierungen (VC), wobei es zwischen 2020 und dem ersten Halbjahr 2024 mit rund 36 % den höchsten Anteil an der Fintech-Finanzierung afrikanischer Fintech-Unternehmen auf sich vereinte.[185]
Kapitalmarkt
Die Nigerianische Wertpapierbörse ist die Nigerian Stock Exchange, mit dem NSE Index, als Leitindex, der 2007 der weltweit siebterfolgreichste Börsenindex war.[186]
Staatsfonds
Die Regierung investiert über ihren Staatsfonds, den Nigeria Sovereign Investment Authority Überschüsse aus Öl- und Rohstofferträgen für zukünftige Vermögensbildung.
Fünf Tech-Einhörner, Softwareentwicklung, Fintech

Seit Januar 2022 arbeiten 5 von 7 afrikanischen Tech-Einhörnern von Nigeria aus: Jumia, Interswitch, Flutterwave, Opay und Andela.[187] Dies ist ebenso viel wie in München.
Die Technologiebranche trägt in Nigeria erheblich zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei: Laut dem Bericht des nigerianischen Statistikamtes für das vierte Quartal 2021 trug der IKT-Sektor 15,21 % zum gesamten BIP Nigerias bei. Die Technologiebranche in Nigeria erhielt 2019 75 Mio. USD von ausländischen Investoren, was nach Angaben der nigerianischen Zentralbank einen Anstieg von 703 % gegenüber den 9 Mio. USD bedeutet, die Investoren 2018 beigesteuert haben.[188]
Die drei Fintech-Unternehmen Interswitch, OPay und PalmPay sammelten im November 2019 insgesamt 360 Millionen US-Dollar von Investoren aus den Vereinigten Staaten und China ein, was Nigeria zur inoffiziellen Fintech-Hauptstadt Afrikas und zur Heimat digitaler Finanz-Start-ups machte. Im Jahr 2021 nahmen die drei Unternehmen, darunter auch Andela, ihre Arbeit in Nigerias Wirtschaftsmetropole Lagos auf, was der Stadt den Status der Einhorn-Hauptstadt Afrikas einbrachte.[188]
Nigeria hat 144 Fintech-Unternehmen und ist damit in Afrika die Nr. 2 hinter Südafrika mit 165.[188]
„Die Zahl der Einhörner wird weiter zunehmen“, kommentiert Kola Aina, Gründungspartner von Ventures Platform. „Sie sind jetzt ein wichtiger Teil der nationalen Wirtschaft.“[189] Zu den Kandidaten gehören Unternehmen wie Scrella, ein InsurTech-Unternehmen, das Geräte wie Smartphones versichert und Ferndiagnosen anbietet,[190][191] Haelsoft, ein Provider von Online-Ausbildungen, die Internetbank Kuda, die Spar- und Anlageplattform PiggyVest, die B2B-Handelsplattform Sabi und LemFi, ein Dienstleister für internationalen Zahlungsverkehr.[192]
Telekommunikation

Telekommunikation gehört zum nigerianischen Way-of-Life. Laut einer Untersuchung der GSM Association besitzt 92 % der erwachsenen nigerianischen Männer ein Handy (bei Frauen ist dies 88 %).[193]
Im Januar 2022 gab es in Nigeria 109,2 Millionen Internetnutzer. Die Internetdurchdringungsrate Nigerias lag Anfang 2022 bei 51,0 Prozent der Gesamtbevölkerung. Eine Analyse von Kepios[194] zeigt, dass die Zahl der Internetnutzer in Nigeria zwischen 2021 und 2022 zudem um 4,8 Millionen (+4,6 Prozent) gestiegen ist. Durch OOKLA veröffentlichte Daten[195] zeigen, dass Internetnutzer in Nigeria zu Beginn des Jahres 2022 17,38 Mbps mittlere Internetverbindungsgeschwindigkeit für Mobilfunknetze erwarten konnten. Die OOKLA-Daten zeigen, dass die mediane mobile Internetverbindungsgeschwindigkeit in Nigeria in den zwölf Monaten bis Anfang 2022 um 4,88 Mbit/s (+39,0 Prozent) gestiegen ist.[196]
Im Januar 2022 gab es in Nigeria 32,90 Millionen Social-Media-Nutzer, das entspricht 15,4 Prozent der Gesamtbevölkerung. Dabei ist allerdings zu beachten, dass nicht alle Social-Media-Nutzer individuelle Einzelpersonen sind.[196]
Der nigerianische Telekommunikationssektor trägt 12,45 Prozent zum nigerianischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei.[197] Nigeria steht im weltweiten Vergleich auf Platz 11 bei der absoluten Anzahl der Internetnutzer und auf Platz 7 bei der absoluten Anzahl von Handys.[198][199]
Nigeria hat seit 1999 mit der National Space Research and Development Agency eine Raumfahrtorganisation.
Transport
Durch die Lage Nigerias im Zentrum Afrikas spielt der Transport im nationalen Dienstleistungssektor eine große Rolle.
Straßenbau
Die Regierung unter Buhari veranlasste nach 2015 Verbesserungen an der Infrastruktur. Umfangreiche Straßenreparaturen und Neubaumaßnahmen wurden nach und nach durchgeführt, da insbesondere die Bundesstaaten ihren Anteil an den erhöhten staatlichen Zuweisungen ausgeben. Stellvertretend für diese Verbesserungen ist die 2022 größtenteils fertiggestellte Zweite Nigerbrücke bei Onitsha.[200]
Unter Präsident Tinubu laufen seit 2023 unter Hochdruck die Arbeiten an der ost-westlich verlaufenden Küstenautobahn Lagos–Calabar; sie ist das Vorzeigeprojekt des Staatsoberhauptes.[201] Nigerianische Vlogger wie Just Ozed berichten regelmäßig vom Baufortschritt[202] - aus gutem Grund, denn ihre Zuschauer „liken“ diese Videos häufiger als andere Themen. Es besteht also offenbar viel Interesse und Zustimmung zu diesem Thema.
Die nord-südlich verlaufende Autobahn Badagry–Sokoto, die der erstgenannten in Bezug auf Länge und bauliche Herausforderungen kaum nachsteht, hat in den Medien etwas weniger Beachtung gefunden.[203]
Schienen
Seit 2009 legt Nigeria neue Schienenwege an. Diese werden von der staatlichen Nigerian Railway Corporation betrieben. Dabei wird seit 2019 offenbar trotz der Covid-Epidemie ein Überschuss erwirtschaftet.
Wasserwege
Nigeria ist das größte Schiffseigentümerland Afrikas. Gemessen an der Weltflotte belegt es mit 291 Schiffen und einer Gesamtladekapazität von 7,94 Millionen Tonnen den 33. Platz. Gemessen am Schiffswert lagen die in nigerianischem Besitz befindlichen Schiffe mit einem Anteil von 0,56 % am Wert der Weltflotte auf Platz 30.[204] (Liberia hat das größte Flaggenregister der Welt, die meisten unter liberianischer Flagge fahrenden Schiffe sind jedoch nicht in liberianischem Besitz.)
Haupthäfen sind Lagos (Apapa und Tin Can Island), Port Harcourt (Onne) und Calabar. Ein Tiefseehafen in Lekki, 50 km östlich von Lagos, wurde im Januar 2023 in Betrieb genommen.[205][206]
Luftverkehr
Der nigerianische Luftverkehrssektor genießt einen ausgezeichneten Ruf in Sachen Sicherheit, was durch die Rekordbewertung von 91,4 % im ICAO-Sicherheitsrating belegt wird, womit das Land in Afrika eine Vorreiterrolle einnimmt (zum Vergleich: die USA bekamen ein 86,4 %, europäische Länder liegen zwischen 85 % und 95 %, Singapur war mit 99 % Spitzenreiter).[207]
Nigerias Flugverkehr wird nicht (wie die meisten afrikanischen Länder) von einem nationalen, staatlich subventionierten Anbieter dominiert, sondern von mehreren privaten Fluglinien. Dazu zählen Air Peace (das mit 29 Maschinen die bei weitem größte Flotte besitzt, 20 Bestimmungen anfliegt und mit über 1.800 Flügen monatlich die Rankingliste nigerianischer Fluglinien anführt[208]), Arik Air mit 16 Bestimmungen und 10 Flugzeugen, die halbstaatliche Aero Contractors mit 13 Bestimmungen und 8 Flugzeugen, United Nigeria mit monatlich über 1.700 Flügen und Ibom Air mit über 1,000 Flügen im Monat. United und Ibom konzentrieren sich auf den Südosten Nigerias, Arik auf den Südwesten. Air Peace fliegt außer einheimischen auch internationale Bestimmungen an, darunter Großbritannien, Saudi-Arabien und einige westafrikanische Länder.
Fünf Flughäfen bieten internationale Flüge an (Lagos, Abuja, Port Harcourt, Kano und Enugu). Es gibt Direktflüge nach Deutschland, in die Niederlande, nach Großbritannien und Frankreich.[209]
Unterhaltung
Film



Aus Nollywood werden Filme und Soaps nach ganz Afrika ausgestrahlt. Nigeria ist die zweitgrößte Filmnation der Welt nach Indien und vor den USA.[210]
Vor 2009 bestand das nigerianische Kino vor allem aus Videoproduktionen im Low-Budget-Bereich und mit Schwerpunkt auf die drei größten Landessprachen Hausa, Yoruba und Igbo. Inhaltlich waren diese Filme mit deutschem „volkstümlichem Theater“ zu vergleichen (Liebende, die nicht zueinander finden, eine burschikose Mutterfigur etc.). Ein weiteres beliebtes Genre sind Familienfilme. Dazu zählt z. B. die Produktion „Aki na Ukwa“ aus dem Jahr 2002 mit der zentralen Figur des altklugen Jungen PawPaw, den man mit Lindgrens Michel aus Lönneberga vergleichen könnte (PawPaw bringt mit Streichen seinen Vater Nico ins Gefängnis, führt dessen Elektronikgeschäft auf eigenwillige Weise weiter[211], entdeckt im Haus etwas Bargeld[212] und besticht Polizisten, den Vater nicht wieder freizulassen[213]). PawPaws Einzeiler „I don't have time for any gossip now!“ („Ich habe keine Zeit für Euren Tratsch!“) gehört zu Nigerias bekanntesten Redewendungen[214].
Die zunehmende Beherrschung und Bedeutung der englischen Sprache bei Nigerianern spiegelt sich aber in Filmen nach 2009 wider und erlaubte Filmemachern den Zugang zu einem größeren Markt im Inland und Ausland. Der Konkurrenzdruck ausländischer (englischsprachiger) Produktionen könnte zudem zur Qualitätsverbesserung und thematischen Bereicherung des nigerianischen Kinos nach 2009 beigetragen haben. Der erste Film dieser Art war der Thriller The Figurine (2009), qualitativ und kommerziell der erfolgreichste Film bis zu diesem Zeitpunkt.[215] Der LGBT-thematisierte Film Ijé von Chineze Anyaene (2010) stellte diesen Rekord ein, bis 2014 die Buchverfilmung Half of a Yellow Sun (2013) die höchsten Einspielergebnisse erzielte.[216][217] 2016 wurde dieser Rekord seinerseits von der Beziehungskomödie The Wedding Party übertroffen.
Blood Sisters war 2022 die erste nigerianische Netflix-Originalserie. Die Serie stieg mit über 11 Millionen Streaming-Stunden in vier Tagen in die globalen Top 10 von Netflix ein. Sie ist derzeit die erfolgreichste Fernsehserie aus Nigeria auf der Plattform.[218]
Der vielleicht berühmteste Musiker Nigerias ist der Erfinder des Afrobeat Fela Anikulapo Kuti. Weitere charakteristische Musikstile sind etwa Jùjú, Apala, Fuji oder Sakara. Im Bereich Pop-Musik waren in Europa lebende nigerianische Musiker wie Sade Adu oder Dr. Alban in den 1980er und 1990er Jahren sehr erfolgreich. Wizkid erreichte im Jahr 2016 an der Seite von Drake die Nummer 1.
Ausführlichere Informationen zu aktueller nigerianischer Musik befinden sich im Artikel „Afrobeats“.
Mode
Nigeria ist der sechstgrößte Lederexporteur der Welt, Marken wie Prada, Gucci und Louis Vuitton beziehen hier ihre Ware. Modejournalistin Waridi Schrobsdorff stellt auf N-tv „Paris, Mailand, Lagos“ sogar auf eine Ebene.[219]
Tourismus
Die Covid-Pandemie hat die Zahl der Touristen in Nigeria von 5,3 Millionen im Jahr 2019 auf 1,2 Millionen im Jahr 2020 einbrechen lassen, darunter ist die Hälfte Auslandsnigerianer; die Werte haben sich seitdem kaum verändert.[220] Der Tourismus hat in Nigeria wenig Bedeutung und trägt weniger als 1 % zum BSP bei. Wegen der seit 2018 anhaltenden Welle von Beraubungen und Entführungen ist Europäern von einer Reise in den Norden des Landes abzuraten, Großstädte gelten als sicherer als entlegene Gebiete.[221] Wer sich im Süden von Nigeria aufhält und als Europäer erkennbar ist, erfährt ein hohes Maß an Offenheit und Freundlichkeit und muss damit rechnen, von Unbekannten mit Nachdruck in ein Selfie oder sogar eine Hochzeitsfeierlichkeit eingeladen zu werden.
CNN Travel setzte im Dezember 2022 Nigeria auf Platz 1 in einer Rangliste der gastfreundlichsten („welcoming“) Länder der Welt - allerdings zusammen mit 20 anderen Ländern wie den Komoren, den Malediven oder Mikronesien.[222] Deutschland rangierte auf Platz 47 (von 86).[223]
Inflation
Die nigerianische Inflationsrate ist im Januar 2022 auf 15,60 Prozent leicht gesunken, verglichen mit 15,63 Prozent im Dezember, teilte das National Bureau of Statistics am 15. Februar 2022 mit.[224] Nach Angaben des NBS wurde dieser Anstieg des Lebensmittelindexes durch Preiserhöhungen bei Brot und Getreide, Nahrungsmitteln, Fleisch, Fisch, Kartoffeln, Süßkartoffeln und anderen Knollenfrüchten, alkoholfreien Getränken und Obst verursacht.
Außenhandel
Der Außenhandel Nigerias war von 2015 bis einschließlich 2023 weitgehend ausgeglichen.[225] Durch die massive Abwertung der Landeswährung Naira in den Jahren 2023 und 2024[226], die Inbetriebnahme der Dangote-Raffinerie (Teilinbetriebnahme 2023, Vollbetrieb 2025) und die Beendigung der nigerianischen Benzinsubvention im Mai 2023 veränderte sich dies von Grund auf.
Der Kraftstoffverbrauch Nigerias sank 2023 um 30 % auf täglich 47,5 Mio. Liter und blieb seitdem auf niedrigem Niveau (Deutschland verbraucht etwa 60 Mio. Liter).[227] Von den in Nigeria konsumierten Treibstoffen wurden im Oktober 2025 knapp 40 % von einheimischen Raffinerien produziert (im August 2024 war dieser Anteil noch 0 %).[228] Der nigerianische Export von raffinierten Ölprodukten stieg von 750 Mio. US-Dollar (2016) über 3,4 Mrd. USD (2023) auf 7,5 Mrd. USD (2025).[229]
Der Handelsüberschuss Nigerias stieg von 0 (2023) auf 16 Mrd. US-Dollar (2024).[225] Begünstigt durch den Irankrieg 2026 verzeichnete Nigeria im ersten Quartal 2026 mit 5 Mrd. USD den höchsten Handelsüberschuss in einem Quartal seit seiner Gründung 1914.[225] Für das Jahr 2026 wird darum ein Handelsüberschuss von 20 Mrd. USD erwartet. Experten weisen darauf hin, dass ohne den Erfolg der Dangote-Raffinerie Nigeria weiterhin eine ausgeglichene Handelsbilanz aufweisen würde. Insbesondere beim Export von Industrieerzeugnissen sei Nigeria bedauernswert schwach.[230]
Wirtschaftsdaten
| Jahr | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 | 2015 |
|---|---|---|---|---|---|
| reales BIP | 57.511.041,77 | 59.929.893,04 | 63.218.721,73 | 67.152.785,84 | 69,144,885,84 |
| nominelles BIP | 62.980.397,22 | 71.713.935,06 | 80.092.563,38 | 89.043.615,26 | 94.268.428,58 |
| Handel | 29.333.001,12 | 28.071.190,67 | 21.261.086,29 | 23.459.656,50 | 17.759.239,59 |
| Jahr | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 | 2015 | 2016 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| reales BIP-Wachstum | 5,31 | 4,21 | 5,49 | 6,22 | 2,97 | 3,78 |
| Inflation | 10,83 | 12,22 | 8,5 | 7,98 | 9,55 | 10,16 |
| absoluter Handel | 48,75 | −4,30 | −24,26 | 10,34 | −24,30 | 2,41 |
| Jahr | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 |
| Veränderung in % gg. VJ | 8,2 | 6,8 | 6,3 | 6,9 | 7,8 | 4,9 | 4,3 | 5,4 | 6,3 | 2,7 | −1,6 | 0,8 | 1,9 | 2,2 | −1,8 | 3,6 | 3,3 | 2,9 |
| Entwicklung des Außenhandels (GTAI)[235] in Mrd. US-Dollar
und seine Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 2016 | 2017 | 2018 | ||||
| Mrd. USD | % gg. VJ | Mrd. USD | % gg. VJ | Mrd. USD | % gg. VJ | |
| Einfuhr | 35,2 | +4,0 | 28,9 | −17,9 | 36,5 | +26,1 |
| Ausfuhr | 32,9 | −32,1 | 40,7 | +23,8 | 52,9 | +29,9 |
| Saldo | −2,3 | +11,8 | +16,4 | |||
| Export (in Prozent) nach | Import (in Prozent) von | ||
|---|---|---|---|
| 15,9 | 19,4 | ||
| 10,7 | 11,4 | ||
| 10,1 | 10,8 | ||
| 7,9 | 8,5 | ||
| 6,4 | 7,3 | ||
| 6,1 | 5,2 | ||
| 4,2 | 2,9 | ||
| 38,7 | 34,5 | ||
- BIP – 522.000.000.000 US-$ (2013)
- BIP – reale Wachstumsrate: 6,2 % (2013)
- BIP – Zusammensetzung nach Sektoren:
- Landwirtschaft: 17 %
- Industrie: 20 %
- Herstellung: 5 %
- Dienstleistungen: 38 %
- Öl und Gas: 12 %
- ICT: 7 %
- Entertainment: 1 % (2013)
- Unter der Armutsgrenze: 67,1 % (2013)
- Inflationsrate (Dezember bis Dezember): 8,2 %(2013)
- Erwerbspersonen: 67,256 Millionen (2013)
- Angestellte: 51,181 Millionen (2013)
- Arbeitslose: 16,074 Millionen (2013)
- Arbeitskräfte – nach Berufen: Landwirtschaft: 70 %, Industrie: 10 %, Dienstleistungen: 20 %
Fertigungskapazitäten Nutzung: 52,7 % (2013)
Währung ist der Naira, Währungscode NGN. Wechselkurse: Naira pro Dollar 149,50 (2009), 148,56 (2010), 156,2 (2011), 157,34 (2012), 155,27 (2013). Geschäftsjahr ist das Kalenderjahr.[236]