Bersenbrück
Stadt in Niedersachsen
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Bersenbrück (niederdeutsch Bessenbrügge) ist eine Kleinstadt an der Hase im niedersächsischen Landkreis Osnabrück. Die Stadt ist Mitgliedsgemeinde und Sitz der Samtgemeinde Bersenbrück.
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
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| Basisdaten | ||
| Koordinaten: | 52° 33′ N, 7° 57′ O | |
| Bundesland: | Niedersachsen | |
| Landkreis: | Osnabrück | |
| Samtgemeinde: | Bersenbrück | |
| Höhe: | 35 m ü. NHN | |
| Fläche: | 42,54 km² | |
| Einwohner: | 8221 (31. Dez. 2024)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 193 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 49593 | |
| Vorwahl: | 05439 | |
| Kfz-Kennzeichen: | OS, BSB, MEL, WTL | |
| Gemeindeschlüssel: | 03 4 59 010 | |
| LOCODE: | DE BBK | |
| Stadtgliederung: | 7 Ortsteile | |
| Adresse der Stadtverwaltung: |
Lindenstraße 2 49593 Bersenbrück | |
| Website: | www.bersenbrueck.de | |
| Bürgermeister: | Christian Klütsch (CDU) | |
| Lage der Stadt Bersenbrück im Landkreis Osnabrück | ||

Geografie
Stadtgliederung
- Ahausen-Sitter
- Bokel
- Hastrup
- Hertmann-Lohbeck
- Priggenhagen
- Talge
- Woltrup-Wehbergen
Nachbargemeinden
| Nortrup 9 km |
Badbergen 10 km |
|
| Ankum 6 km |
Gehrde 5 km | |
| Alfhausen 7 km |
Rieste 11 km |
Lage
Bersenbrück liegt im nördlichen Osnabrücker Land an dem Fluss Hase zwischen der Ankumer Höhe und den Dammer Bergen.
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete
Das Stadtgebiet von Bersenbrück gehört zum Einzugsgebiet der Hase und damit zum Flusssystem der Ems.
Prägend für die Hydrologie sind die Hase als Hauptgewässer, ihre Zuflüsse und Entwässerungsgräben sowie der Alfsee (außerhalb des Stadtgebietes) als Speicher- und Hochwasserschutzbecken. Ergänzt wird das Gewässersystem durch Moor- und Auenlandschaften sowie durch anthropogene Regulierungsmaßnahmen.
Neben der Hase gehören mehrere kleinere Gewässer zum lokalen Entwässerungssystem. Die Mühlenhase (auch Alte Hase oder Hasekanal) ist ein künstlicher Hase-Arm, der an der Hasemühle abzweigt und ursprünglich der Mühlenversorgung und Wiesenentwässerung diente. Der Bersenbrücker Wiesenkanal ist ein Entwässerungsgraben für landwirtschaftliche Flächen. Weitere kleinere Gewässer sind unter anderem der Biester Bach, der Reitbach und der Kaulkebach sowie zahlreiche verzweigte Gräben.[2]
Darüber hinaus existieren innerhalb der Gemarkung mehrere Teiche und Stillgewässer, darunter ehemalige Fischteiche, die teils als Anglergewässer genutzt und gepflegt werden.[3]

Die Landschaft um Bersenbrück gehört zur nordwestdeutschen Moor- und Geestlandschaft. Historisch gab es hier großflächige Moorkomplexe, von denen heute nur noch Reste wie das Venner Moor (außerhalb des Stadtgebietes von Bersenbrück) oder kleinere Bereiche erhalten sind – viele Moore wurden im Laufe der Zeit entwässert oder genutzt (z. B. durch Torfabbau) und sind heute naturschutzfachlich wichtig zu pflegen und teilweise wieder zu vernässen.
Entlang der Hase und ihrer Nebenarme innerhalb und um Bersenbrück finden sich Feuchtwiesen, Auen und vernässte Flächen als Übergangs- und Feuchtlebensräume (oft nicht als große Moore, aber als Feuchtbiotope ökologisch bedeutend). Solche Auenlandschaften tragen zur Biodiversität bei und sind oft Bestandteil lokaler Schutz- und Pflegeprogramme.[4]
Bersenbrück ist hydrologisch durch seine Lage im Hase-Einzugsgebiet geprägt, wodurch es bei Starkregen und hohen Wasserständen zu Hochwasser- und Überschwemmungsrisiken kommt, die durch geringe Fließgeschwindigkeit und historische Regulierung des Flusses verstärkt werden (z. B. Hochwasserrückhaltebecken Alfhausen-Rieste, Pegel über Meldestufen im Winter 2023/24). Ökologische Herausforderungen entstehen durch die Entkopplung von Fluss und Aue, naturferne Gewässerstrukturen und eingeschränkte Lebensräume für Artenvielfalt im Hase-Gewässersystem. Konkrete Maßnahmen umfassen Rückstausicherungen und Regenrückhaltebecken zur Hochwasservorsorge in Bersenbrück sowie Auen- und Gewässerrenaturierungs- bzw. Revitalisierungsprojekte entlang der Hase, die naturnahe Strukturen schaffen und ökologische Funktionen stärken sollen.[5][6][7]
Untergrundverhältnisse
Die Geologie von Bersenbrück ist vor allem von Eiszeitablagerungen (Sande, Kiese, Geschiebemergel), der Hase-Niederung mit Auenlehmen sowie Moorbildungen geprägt. Der eigentliche harte geologische Untergrund (Kreide/Tertiär) liegt tief verborgen und spielt im Alltag kaum eine Rolle.
Die Hydrogeologie von Bersenbrück ist durch flache Grundwasserspiegel in der Hase-Niederung, ergiebige Sand- und Kies-Aquifere (Grundwasserleiter) sowie geschützte tiefere Grundwasserleiter geprägt. Für die Wasserversorgung nutzt man vor allem die tieferen, durch Deckschichten geschützten Aquifere, während das oberflächennahe Grundwasser stark vom Fluss, Mooren und landwirtschaftlicher Nutzung beeinflusst wird.[8][9][10]
Der oberste Grundwasserleiter befindet sich im quartären Sand- und Feinsandbereich der Niederung der Hase in einer Tiefe von 1–6 m. Er weist freie Grundwasserverhältnisse auf und reagiert stark auf Niederschläge, jahreszeitliche Schwankungen und Hochwasserereignisse. Der zweite Grundwasserleiter liegt ca. 20–40 m unter Geländeoberkante in pleistozänen Sand- und Kiesschichten, die durch bindige Deckschichten (Geschiebelehm, Ton, Schluff) hydraulisch geschützt sind. Er bildet den wichtigsten Trinkwasseraquifer für Bersenbrück und Umgebung.[11]
Auf dem Stadtgebiet von Bersenbrück und dem Gebiet des benachbarten Ankum erstreckt sich das Wasserschutzgebiet Ahausen-Sitter (Kennung 03459402102) mit einer Fläche von ca. 74 km².[12]
Klima
In Bersenbrück herrscht ein durch feuchte Nordwestwinde von der Nordsee beeinflusstes gemäßigtes Seeklima mit milden Wintern, warmen Sommern und ganzjährig gleichmäßig verteilten, mäßigen Niederschlägen. Die Sommer sind häufig trocken und sonnig, während im Winter gelegentlich Schnee fällt. Im Jahre 2023 betrug die durchschnittliche Temperatur 11,2 °C. Sie ist tendenziell steigend. Sie betrug in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 10,6 °C und in den letzten 100 Jahren waren es durchschnittlich 9,2 °C. Zwischen Mai und August kann mit durchschnittlich 20–25 Sommertagen (klimatologische Bezeichnung für Tage, an denen die Maximaltemperatur 25 °C übersteigt) gerechnet werden. Es gibt je nach Messmethode und Definition durchschnittlich etwa 1627–2275 Sonnenstunden pro Jahr. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge im Zeitraum 1992–2021 betrug 738 mm.[13]
Geschichte
Die Bersenbrücker Höhen bilden zusammen mit den Dammer Bergen den Südrand eines Gletscherzungenbeckens, die wiederum Teile der größten Stauchmoräne der Saale-Kaltzeit bilden. Sie entstanden während eines ersten Eisvorstoßes (Rehburger Phase) vor etwa 230.000 Jahren. Wenig später wurden die Berge vom selben Gletscher überfahren. Während im Osnabrücker Land menschliche Spuren gesichert werden konnten, weist erst eine Grube bei Druchhorn, die ins frühe 7. Jahrtausend v. Chr. datiert, auf menschliche Besiedlung im dortigen Mesolithikum hin. Lesefunde aus der Zeit der Ertebølle-Kultur, der letzten Jäger- und-Sammler- und damit aneignenden Kultur, stammen etwa aus der Zeit zwischen 5500 und 4200 v. Chr.[14] Als erste Vertreterin der frühbäuerlichen und damit der produzierenden Kulturen tritt im Gebiet nördlich des Wiehengebirges die Westgruppe der Trichterbecherkultur erst im 4. Jahrtausend v. Chr. auf. Dabei trat die einzige im Landkreis Osnabrück nachgewiesene Siedlungsstelle dieser archäologischen Kultur bei Ausgrabungen in Engter zu Tage. Es handelt sich um einen Hausgrundriss in Pfostenbauweise mit gerundeten Schmalseiten. Aus der vorrömischen Eisenzeit stammt ein Brandgräberfeld, das an der Straße Rüssel-Bersenbrück entdeckt wurde.[15]
Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes als Bersinbrugge war 1221, die Siedlung ist jedoch vermutlich weitaus älter, da umliegende Ortschaften bereits um 1000 erwähnt wurden. Otto II. von Ravensberg gründete 1231 ein Zisterzienserinnen-Kloster aufgrund „einer in den Fehden mit Tecklenburg an dieser Stelle begangenen Freveltat“ (Denkmalsinschrift). Vermutlich waren jedoch machtpolitische Gründe für die Klostergründung ausschlaggebend. Das Zisterzienserinnenkloster existierte von 1231 bis 1787. Die Aufgabe des Klosters konnte zugleich die heutige Stadt Bersenbrück entstehen lassen. Wegen der vom Orden geforderten Abgeschiedenheit der Klöster siedelten die Bauern in einer Entfernung von mehreren hundert Metern vom Kloster an. Nun entstanden die ersten Häuser vor der Klosterpforte, und die leerstehenden Klostergebäude dienten zunehmend der Verwaltung und Gerichtsbarkeit. Viele der noch heute im Ort lebenden Familien wurden in amtlichen Dokumenten bereits im 15. Jahrhundert erwähnt.
Bersenbrück gehörte territorial bis 1802 zum Hochstift Osnabrück. Nach der französischen Besetzung bis 1814 unter Napoleon Bonaparte kam Bersenbrück infolge des Wiener Kongresses an das Königreich Hannover. Mit der Niederlage des Königreichs Hannover von 1866 wurde Bersenbrück Teil von Preußen. Von 1885 bis 1972 war Bersenbrück Verwaltungssitz des gleichnamigen Landkreises, der im Rahmen der Gebiets- und Verwaltungsreform am 1. Juli 1972 aufgelöst und mit den Landkreisen Wittlage, Melle und Osnabrück zum Landkreis Osnabrück zusammengefasst wurde. Bersenbrück ist seit 1956 Stadt. Die Samtgemeinde Bersenbrück wurde 1972 gegründet und besteht aus den Mitgliedsgemeinden Alfhausen, Ankum, Bersenbrück, Eggermühlen, Gehrde, Kettenkamp und Rieste.
Ortsname
Frühere Ortsnamen von Bersenbrück waren 1221 Bersinbrugge, 1231 Bersembrugge, 1301 Bersenbrucge und 1723 Berßenbrück. Der Ortsname ist eine Bildung mit dem Grundwort -brück. Das Bestimmungswort enthält den Gewässernamen Bersina/Birsina; später setzte sich der Name Hase durch.[16]
Eingemeindungen
Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen wurden die zuvor selbständigen Gemeinden Ahausen-Sitter und Talge am 1. Juli 1972 in die Stadt Bersenbrück eingemeindet.[17]
Einwohnerentwicklung

¹ Volkszählungsergebnis vom 6. Juni (einschließlich der Orte, die am 1. Juli 1972 eingegliedert wurden)
² Volkszählungsergebnis vom 27. Mai (einschließlich der Orte, die am 1. Juli 1972 eingegliedert wurden)
³ jeweils zum 31. Dezember
Religion
Bersenbrücks Bevölkerung ist überwiegend römisch-katholisch. Durch die Ansiedlung von Spätaussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion hat sich der Anteil der protestantischen Gläubigen vergrößert. Nach wie vor stellen die Katholiken die größte christliche Gemeinschaft Bersenbrücks.
Es existieren eine römisch-katholische, eine evangelische und eine baptistische Kirchengemeinde.
Politik
Rat
Der Rat hat gegenwärtig 23 Mitglieder aus drei Parteien. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Mitgliedsgemeinde einer Samtgemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 8.001 und 9.000 Einwohnern.[23] Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.
Die CDU hält mit 12 Sitzen die absolute Mehrheit der Mandate und stellt den Bürgermeister.[24]
Die folgende Tabelle zeigt die Kommunalwahlergebnisse seit 1996.
| Rat der Stadt Bersenbrück: Wahlergebnisse und Ratsmandate | |||||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| CDU | SPD | GRÜNE | UWG | Gesamt | Wahl- beteiligung | ||||||||||||||
| Wahlperiode | % | % | % | % | % | % | |||||||||||||
| 2021–2026[25] | 52,6 | 12 | 31,2 | 7 | 16,2 | 4 | — | — | 100 | 23 | 52,5 | ||||||||
| 2016–2021[26] | 56,3 | 13 | 20,6 | 5 | 10,9 | 2 | 12,2 | 3 | 100 | 23 | 50,8 | ||||||||
| 2011–2016 | 56,7 | 12 | 23,2 | 5 | 20,1 | 4 | — | — | 100 | 21 | 50,3 | ||||||||
| 2006–2011 | 64,2 | 14 | 29,1 | 6 | 6,7 | 1 | — | — | 100 | 21 | 48,8 | ||||||||
| 2001–2006 | 69,7 | 15 | 26,0 | 6 | 4,2 | 0 | — | — | 100 | 21 | 64,2 | ||||||||
| 1996–2001 | 66,1 | 14 | 27,6 | 6 | 6,3 | 1 | — | — | 100 | 21 | 69,9 | ||||||||
| Prozentanteile gerundet. Quellen: Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen,[27] Landkreis Osnabrück.[28][29] Bei unterschiedlichen Angaben in den genannten Quellen wurden die Daten des Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie verwendet, da diese eine insgesamt höhere Plausibilität aufweisen. | |||||||||||||||||||
Bürgermeister
Seit 2013 ist Christian Klütsch (CDU) Bürgermeister der Stadt. Seine Stellvertreter sind Heike Menslage (CDU) und Johannes Koop (CDU).[24]
Chronik der Bürgermeister
Wappen und Flagge

| Blasonierung: „In Rot über einer silberne (weißen) Steinbrücke ein silbernes (weißes) Torhaus mit einem mit breitem spitzbedachten und einem nach links wehendem silbernen (weißen) Fähnchen versehenen Mittelbau und je zwei ungleichen Seitenbauten, von denen die beiden größeren durch den Schildrand beschnitten werden.“[33] | |
Wappenbegründung: Das von Waldemar Mallek entworfene Wappen wurde 1956 vom Niedersächsischen Innenminister genehmigt. Es verbindet die Klosterpforte des St.-Marien-Klosters als markantes Gebäude der Stadt; sie ist 1700 von der Äbtissin von Nyvenheim errichtet worden. mit einer Brücke als Anspielung auf den Ortsnamen im Sinne eines redenden Wappens. Die verwendeten Farben Silber und Rot sind nicht nur die Farben der Osnabrücker Bischöfe, sondern auch die der Grafen von Ravensberg. Sie gründeten das Zisterzienserinnenkloster und gelten darüber hinaus auch als Gründer der Siedlung Bersenbrück
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Städtepartnerschaften
- Bersenbrück pflegt seit 2000 eine Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Tinténiac im Département Ille-et-Vilaine (Region Bretagne). Sie ging aus einem 1998 erstmals stattfindenden Schüleraustausch zwischen dem Bersenbrücker Gymnasium und dem Collége Théophile Briant in Tinténiac hervor.
- Eine weitere Partnerschaft wurde 2000 mit der polnischen Stadt Gryfino (Greifenhagen) an der Oder vereinbart. Hier besteht bereits seit 1958 eine Vertriebenenpatenschaft.[34]
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen

Im historischen Remter im Stiftshof befindet sich das „Museum im Kloster“ des Landkreises Osnabrück, das 1924 von Landrat Hermann Rothert als Kreismuseum gegründet wurde.
Die Ausstellung besteht hauptsächlich aus historischen Stücken und zeigt das Leben der einfachen Landbevölkerung. Auch werden regelmäßig zeitgenössische Kunstwerke ausgestellt.
An der Hasemühle liegt das Kulturzentrum Krabat, 2000 von einem Verein gegründet, der sich als Nachfolger des art-land-Kunstvereins konstituierte, nachdem 1997 die Mühle erstmals eine Kunstausstellung beherbergte. Angegliedert ist dem Verein eine Kunst- und Kreativschule, die über ein eigenes Atelier mit Außengelände verfügt.
Bauwerke

Das Wahrzeichen von Bersenbrück ist die im Jahre 1700 von der Äbtissin Nyvenheim errichtete Klosterpforte mit Torhaus („Porthaus“) des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters, das direkt am Marktplatz liegt. Nach Auflösung des Klosters im Jahre 1787 verblieb im Nordflügel des Porthauses ein Wohnbereich für den Pförtner und Nachtwächter. Mit der Gründung des Amtes Bersenbrück 1817 wurde im ersten Stock das Gefängnis untergebracht. Der Südflügel, in dem später ebenfalls Wohnungen entstanden, diente lange Zeit als Kirchenspeicher und Schänke. Das prächtige barocke Wappen derer von „Nyvenheim-Boetzelaer“ über dem Torbogen der Pforte ist das einzige erhaltene Wappen aus der Klosterzeit. Die Inschrift lautet: „Gott zur Ehre, dem Orden zur Zierde, der Nachwelt zuliebe ließ diese Pforte erbauen Maria Catharina von Nyvenheim, Äbtissin in Bersenbrück, Anno 1700, 14. Oktober.“

Die auf dem ehemaligen Klostergelände liegende römisch-katholische Pfarrkirche St. Vincentius stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde in der Übergangszeit zwischen Romanik und Gotik errichtet. Das 1231 von Otto II. von Ravensberg gestiftete ehemalige Kloster befindet sich in direkter Nachbarschaft, in den Räumen sind heute das Amtsgericht und das im Jahr 2018 neu gestaltete „Museum im Kloster“ untergebracht. Dieses Museum wurde 1924 von dem damaligen Landrat des Kreises Bersenbrück, Hermann Rothert, gegründet. Der Franz-Hecker-Saal im Rathaus zählt ebenso wie das Erntezimmer zu den kulturellen Sehenswürdigkeiten. Es gibt eine „Nachtwächterführung“ zu den Sehenswürdigkeiten.
Kunst im öffentlichen Raum
Im Süden der Haseinsel beginnt die ca. 100 km lange, in Meppen endende Hasetaler Kunstroute. Das erste Kunstwerk an dieser Route bildet die 2005 aufgestellte Skulptur aus Sandstein Thron des Königs der Karpfen und seiner Königin von Mandir E. Tix. Der Künstler gehört zu einer Gruppe von Bildhauern, die für das Kulturzentrum „Krabat“ in der Nähe der Hasemühle arbeiten. Vier aus dieser Gruppe fertigten 2006 die Holzskulptur mit dem programmatischen Namen „Verfall“ an. Betrachter können im Laufe der Jahre beobachten, wie die nicht mit Holzschutzmitteln bearbeitete Skulptur zusehends verfällt.
- Gedenkstein über die Stiftung des Klosters 1231 durch Otto von Ravensberg
- Sandsteinskulptur „Thron des Königs der Karpfen und seiner Königin“
- Holzskulptur „Verfall“
Stadtwald
Gleich hinter der Klosteranlage wird die Hase an einem Flutwehr künstlich geteilt. Der Stadtwald Hemke, der von der Hase und dem Hasekanal (Mühlenhase) umschlossen wird, verfügt über einen Fischereilehrpfad. Im Norden Bersenbrücks liegt ein Waldgebiet, dessen nördlicher Teil ehemals der klösterliche Fischteich war, noch an Gräben und Wall erkennbar. Ein südlich davon liegendes Brachland ließ Äbtissin Hedwig Catharina von Hane während ihrer Amtszeit 1755–1781 aufforsten. Es nannte sich bald Hedwigs Freude oder auch Hedwigslust. Heute heißt das ganze Gebiet Stadtwald Freude.
Regelmäßige Veranstaltungen
- Seit 1994 findet im Bersenbrücker Klostergarten jährlich im Juli/August eines der größten Reggaefestivals Deutschlands statt. Das Reggae Jam ist mittlerweile eine feste Größe im Bersenbrücker Jahresablauf.
- Jeden Sommer findet im Ortsteil Talge ein zweitägiges Festival mit internationalem Kleinfeld-Fußballturnier statt. Das Talge Open Air wird jährlich am zweiten Wochenende im Juli vom FC Talge ausgerichtet.[35][36]
- Alle zwei Jahre findet im Wechsel mit einer Automobilausstellung im Herbst der „Kartoffelmarkt“ (das Bersenbrücker Stadtfest) statt. Einheimische Erzeuger bieten dort ihre Produkte an, das Angebot vieler Vereine und Gruppen sowie der Schausteller runden den Markt ab.
- Die Frühjahrskirmes findet am zweiten Sonntag im Mai statt.
Wirtschaft und Infrastruktur
Unternehmen
In Bersenbrück gibt es eine große Zahl kleiner und mittelständischer Unternehmen, einige hiervon sind auch überregional bekannt.
- Kalle GmbH (ehemals Kalle Nalo GmbH): Hersteller von Wursthüllen (Kunstdarm) und Schwammtüchern, Hauptsitz in Wiesbaden
- Lear Corporation (ehemals Grote-Hartmann GHW): Hersteller in der Automobilzulieferindustrie
- Wurst Stahlbau GmbH: Das Unternehmen stellt Stahlkonstruktionen für Stahlhallen, Parkhäuser, Autohäuser und ähnliches her. Im Jahr 2007 wurde die Stahlkonstruktion für die neue Polarforschungsstation Neumayer III gefertigt, hierdurch wurde das Unternehmen bundesweit bekannt. 2011 wurde das Unternehmen mit dem ntv-Mittelstandspreis „Hidden Champion 2011“ für seine Leistungen als wirtschaftlich erfolgreiches sowie sozial und gesellschaftlich engagiertes Unternehmen ausgezeichnet.
- Culimeta Textilglas-Technologie GmbH & Co. KG: In der heutigen Form 1958 von Alfons Cuylits gegründet. 1967 fiel die Entscheidung für Bersenbrück, wo in neuen Gebäuden die Produktion an der Max-Planck-Str. 15 aufgenommen wurde. 2019 wurde der Neubau mit Verwaltung und Produktions an der Werner-von-Siemens-Str. 9 bezogen.
- Kunststofftechnik Borgmann, ein mittelständisches und in zweiter Generation inhabergeführtes Familienunternehmen, konzipiert und produziert aus thermoplastischen Kunststoffen Komponenten für verschiedene Industriezweige wie die Automobilindustrie.
Öffentliche Einrichtungen
Bersenbrück ist Sitz des Amtsgerichts Bersenbrück. Im Rathaus ist die Samtgemeindeverwaltung untergebracht. Die Stadtverwaltung hat separat am Markt eigene Räume bezogen. Weiterhin befinden sich an öffentlichen Einrichtungen in der Stadt u. a. das Gesundheitsamt, Veterinäramt, die Kreisstraßenmeisterei, die Feuerwehrtechnische Zentrale für den Nordteil des Landkreises Osnabrück und die Agentur für Arbeit als Geschäftsstelle der Bundesagentur für Arbeit.
Bildung
In Bersenbrück gibt es fünf Kindergärten, davon einen Sprachheilkindergarten und einen Integrationskindergarten.
Es gibt eine Grundschule, eine Oberschule, ein Gymnasium und die Berufsbildende Schule des Landkreises Osnabrück.
Der Verein „Heilpädagogische Hilfe“ ist Träger der Paul-Moor-Schule, einer Tagesbildungsstätte für Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich Geistige Entwicklung.
Die Kreismusikschule Osnabrück hat eine Regionalstelle in Bersenbrück.
Die Volkshochschule Osnabrücker Land veranstaltet regelmäßig Kurse zu verschiedenen Themenbereichen (hauptsächlich Erwachsenenbildung).
Aus einer Kooperation zwischen dem Landkreis Osnabrück (als Schulträger), der Samtgemeinde Bersenbrück, der Berufsschule und des Gymnasiums ist das Medienforum hervorgegangen, das sich als verbindender Gebäudetrakt zwischen den beiden Schulen befindet. Bücherei, Computerräume und Seminarräume werden nicht nur schulisch genutzt, sondern stehen auch der Öffentlichkeit zur Verfügung.
Verkehr
Bersenbrück liegt an den Bundesstraßen B 214 und B 68. Die nahegelegene Bundesautobahn A 1 ist über die Anschlussstellen Holdorf und Neuenkirchen-Vörden erreichbar. Im Dezember 2004 wurde die neue Umgehungsstraße für die B 68 eröffnet, wodurch das Stadtzentrum spürbar entlastet wurde. Durch Bersenbrück verläuft die Ferienstraße Artland-Route.
Der Bahnhof Bersenbrück an der Bahnstrecke Oldenburg–Osnabrück wird im Stundentakt vom RE 18 (Wilhelmshaven – Osnabrück) bedient und ist dadurch an das Schienennetz der Deutschen Bahn angeschlossen. Betrieben wird der Schienenverkehr durch die NordWestBahn. Von dieser Verbindung zweigt die Bahnstrecke Bersenbrück–Ankum ab. Auf ihr verkehren seit 1962 nur noch Güterzüge, 2018 hat eine touristische Nutzung begonnen.
Sonstiges
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
- Carl Anton Lüpke (1775–1855), Weihbischof in Osnabrück und Titularbischof von Anthedon
- Arnold Buddenberg (1811–1892), Politiker der Nationalliberalen Partei
- Franz Hecker (1870–1944), Maler
- Oskar Hecker (1864–1938), Geophysiker
- Helmuth Mende (1884–1932), Jurist, Richter am Reichsgericht und -finanzhof
- Kurt Delkeskamp (1902–1988), Bibliothekar und Entomologe
- Hans-Gert Pöttering (* 1945), CDU-Politiker und ehemaliger Präsident des Europäischen Parlaments
- Hermann Winner (* 1955), Physiker
Personen, die mit der Stadt in Verbindung stehen
- Gustav Nietfeld-Beckmann (1896–1961), Politiker (NSDAP), in Bersenbrück verstorben. Nach Kriegsende als Kriegsverbrecher für mehrere Jahre interniert
Literatur
- Werner Dobelmann: Das Buch vom Kreise Bersenbrück. Eine Heimatkunde für Schule und Haus. Quakenbrück 1953.
- Werner Dobelmann: Entstehung und Entwicklung des Ortes Bersenbrück. In: Franz Buitmann, Werner Dobelmann, Franz Hülsmann, Ernst Schulte (Red.): Bersenbrück. Stadt im Osnabrücker Land. Beiträge zum Jubiläumsjahr 1981 in Wort und Bild. 750 Jahre Bersenbrück – 25 Jahre Stadt. Bersenbrück 1981, S. 27[26]–84.
Weblinks
- Internetauftritt der Samtgemeinde Bersenbrück
- Suche nach „Bersenbrück“. In: Deutsche Digitale Bibliothek
- Suche nach Bersenbrück im Online-Katalog der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

