Childe Harold (Heine)
Gedicht von Heinrich Heine
From Wikipedia, the free encyclopedia
Childe Harold ist ein Gedicht von Heinrich Heine, das als drittes im Zyklus Romanzen als Teil der Neuen Gedichte 1844 erschienen ist.
Entstanden ist das Gedicht, dessen Titel sich auf das Versepos Childe Harold’s Pilgrimage von Lord Byron und dessen für den Byronic Hero prototypischen Titelhelden bezieht, frühestens nach dem Tod Byrons 1824, da es als poetisches Bild die Heimführung des toten Dichters über das Meer in einer schwarzen Barke behandelt:
Am 25. Juni 1824 hatte Heine an Moses Moser geschrieben: „Der Todesfall Byrons hat mich übrigens sehr bewegt. Es war der einzige Mensch mit dem ich mich verwandt fühlte, und wir mögen uns wohl in manchen Dingen geglichen haben […]“[1] 1819 hatte Heine Teile des Ersten Gesangs von Childe Harold’s Pilgrimage übersetzt und 1822 war diese Übersetzung in Heines erstem Gedichtband erschienen. 1827 wurde die Leiche Byrons von Griechenland nach England überführt. Auch dies wäre ein möglicher Anlass für die Entstehung gewesen, aber auch eine spätere Entstehung ist möglich.[2]
Das Gedicht besteht aus drei Vierzeilern aus trochäischen Vierhebern, die durch halbe Kreuzreime des 2. und 4. Verses gebunden sind. Zusätzlich erscheinen mehrfach Innenreime, zum Beispiel in „Seine blauen Augen schauen […]“, jeweils im dritten Vers und in Strophen 1 und 3 auch im ersten Vers.
Text
Eine starke, schwarze Barke
Segelt trauervoll dahin.
Die vermummten und verstummten
Leichenhüter sitzen drin.
Todter Dichter, stille liegt er,
Mit entblößtem Angesicht;
Seine blauen Augen schauen
Immer noch zum Himmelslicht.
Aus der Tiefe klingt’s, als riefe
Eine kranke Nixenbraut,
Und die Wellen, sie zerschellen
An dem Kahn, wie Klagelaut.[3]
Rezeption
Das Gedicht wurde vielfach vertont.[4] Vertonungen durch namhafte Komponisten jeweils unter dem Titel Childe Harold sind von:
- Andre Asriel (1940/1971)
- Erwin Bodky (1909)
- Pierre de Bréville (1899; Gesang und Klavier)
- Gerrit Jan van Eijken in Drei Balladen von Heine, op. 9 , Nr. 1
- Robert Franz in Sechs Lieder von Heinrich Heine, op. 38 , Nr. 3 (1867; Gesang und Klavier)
- Paul Geisler in Gesänge für 1 Singstimme mit Pianofortebegleitung. 1. Folge. Zwölf Dichtungen von Heine und Rückert, op. 1, Nr. 12 (1876; Gesang und Klavier)
- Karel Kovařovic (1878; Gesang und Klavier)
- Eduard Lassen in Sechs Lieder, Nr. 4 (1871; Gesang und Klavier)
- August Naubert in Buch der Lieder. Zwölf Gedichte von Heine, op. 22, Nr. 4 (1878; Gesang und Klavier)
- Leopold Rosenfeld in Sieben Lieder für 1 mittlere Stimme mit Pianoforte, op. 8, Nr. 7 (1879)
- Erich Walter Sternberg in Halochem ha'amitz = Der brave Soldat = The brave soldier, Nr. 5 (1928 oder 1930, erschienen 1973; Bariton und Kammerorchester)
- Alexander Winterberger in Zehn Gesänge, op. 11, Nr. 2 (Gesang und Klavier)
Eine englische Übersetzung von Emma Lazarus wurde in Poems and Ballads of Heinrich Heine (1881) von Ernest Whyte vertont. Eine russische Übersetzung von Apollon Nikolajewitsch Maikow von 1857 wurde mit Musik von César Cui und Sergei Wladimirowitsch Juferow vertont.
Ausgaben
Erstdruck: Childe Harold. In: Neue Gedichte von H. Heine. Hoffmann und Campe, Hamburg 1844, S. 169.
Werkausgaben:
- Childe Harold. In: Düsseldorfer Heine-Ausgabe. Band 2: Neue Gedichte. Bearbeitet von Elisabeth Genton. Hoffmann & Campe, Hamburg 1983, ISBN 3-455-03002-5, S. 76.
- Childe Harold. In: Heine-Säkularausgabe Band 2 : Gedichte 1827–1844 und Versepen. Hrsg. von Irmgard Möller und Hans Böhm. Akademie Verlag, Berlin 1979, ISBN 3-05-005297-X, S. 69.
- Childe Harold. In: Werke und Briefe in zehn Bänden. 2. Auflage. Band 1. Aufbau, Berlin und Weimar 1972, S. 282.
Literatur
- Irmgard Möller, Hans Böhm: Heinrich Heine Säkularausgabe Band 2. Gedichte 1827–1844 und Versepen. Kommentar I. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-005299-6, S. 321f.
Weblinks
- Childe Harold bei Zeno.org.
- Childe Harold im LiederNet Archive