Psyche (Heine)
Gedicht von Heinrich Heine
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Psyche ist ein Gedicht von Heinrich Heine, das als fünfzehntes im Zyklus Romanzen als Teil der Neuen Gedichte 1844 erschienen ist. Erstmals abgedruckt wurde es in der Zeitung für die elegante Welt vom 1. Juni 1839. Die mythische Ballade besteht aus drei durch halben Kreuzreim gebundenen Strophen aus trochäischen Vierhebern.

Text
In der Hand die kleine Lampe,
In der Brust die große Gluth,
Schleichet Psyche zu dem Lager
Wo der holde Schläfer ruht.
Sie erröthet und sie zittert
Wie sie seine Schönheit sieht —
Der enthüllte Gott der Liebe,
Er erwacht und er entflieht.
Achtzehnhundertjähr’ge Buße!
Und die Aermste stirbt beinah!
Psyche fastet und kasteit sich,
Weil sie Amorn nackend sah.[1]
Hintergrund und Deutung
Hintergrund des Gedichts ist das antike Märchen von Amor und Psyche, das bei Apuleius im Rahmen des Romans Der goldene Esel erzählt wird. Dort wird Psyche (griechisch für „Seele“) allnächtlich von einem geheimnisvollen Liebhaber besucht, den sie im Dunkeln nicht sehen darf. Von Neugier getrieben bringt sie eines Nachts eine Lampe an das Bett und entdeckt den wunderschönen Liebesgott Amor, der dabei jedoch erwacht und für immer verschwindet.
Am 10. Juni 1823 hatte Heine in einem Brief an Karl Immermann sich als jemand beschrieben, der „bisher nur die Historie von Amor und Psyche in allerley Grouppirungen gemalt habe“ und bei dem sich nun die Frage stelle, ob er „ebensogut den Troyanischen Krieg malen kann“, also zu Arbeiten in großer epischer oder dramatischer Form befähigt sei.[2] Vorerst blieb es für Heine jedoch bei den kleineren Formen.
Das Gedicht entstand am 1. Mai 1839. Am 26. Mai hatte Heine mit seiner Frau Mathilde und dem Publizisten Rudolf Theodor Seeliger, der damals zu Besuch in Paris war, eine Landpartie nach Versailles unternommen und bei dieser Gelegenheit das Gedicht in ein Exemplar seines neu erschienenen Buches Shakespeares Mädchen und Frauen eingetragen[3], zusammen mit der Widmung „Gedichtet den 1ten May 1839 und zur freundlichen Erinnerung eingezeichnet in dieses Buch, den 26. May 1839. / Heinrich Heine. / Herrn Rud. Seliger / aus Bialla.“[4][5]
Der Zeitraum von 1800 Jahren, worauf die „Achtzehnhundertjähr’ge Buße“ anspielt, entspricht ungefähr dem Wirkungszeitraum des Christentums zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Ende der 1830er Jahre setzte sich Heine mehrfach mit der Rolle des Christentums in Geistes- und Kulturgeschichte auseinander, zugespitzt in dem Gegensatz zwischen Nazarener- (worunter Heine sowohl Juden- als auch Christentum zusammenfasste) und Hellenentum, wobei sich Heine klar auf die Seite des Hellenentums stellte. Diese Position bildet sich beispielsweise in den Elementargeistern (1837) und im Rabbi von Bacherach (1840) ab.[6]
Rezeption
Das Gedicht wurde mehrfach vertont, namentlich von Don Forsythe (Romanzen, no. 15, Gesang und Klavier, ca. 2008) und Adriaan de Wit (op. 22 Sieben Heine-Lieder, no. 1, Sopran oder Mezzosopran und Klavier, 1999). Eine hebräische Übersetzung wurde von Ella Milch-Sheriff vertont (Kitty and other women. A cabaret song cycle, no. 1, Duett für Mezzo-Sopran und Bariton mit Saxophon, Kontrabass und Klavier, 2006).[7]
Ausgaben
- Erstdruck: Psyche. In: Zeitung für die elegante Welt, 1. Juni 1839.
- Erstausgabe: Psyche. In: Neue Gedichte von H. Heine. Hoffmann und Campe, Hamburg 1844, S. 195.
Werkausgaben:
- Psyche. In: Düsseldorfer Heine-Ausgabe. Band 2: Neue Gedichte. Bearbeitet von Elisabeth Genton. Hoffmann & Campe, Hamburg 1983, ISBN 3-455-03002-5, S. 88.
- Psyche. In: Heine-Säkularausgabe Band 2 : Gedichte 1827–1844 und Versepen. Hrsg. von Irmgard Möller und Hans Böhm. Akademie Verlag, Berlin 1979, ISBN 3-05-005297-X, S. 80.
- Psyche. In: Werke und Briefe in zehn Bänden. 2. Auflage. Band 1. Aufbau, Berlin und Weimar 1972, S. 295.
Literatur
- Irmgard Möller, Hans Böhm: Heinrich Heine Säkularausgabe Band 2. Gedichte 1827–1844 und Versepen. Kommentar I. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-005299-6, S. 357f.