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Die Beschwörung

Gedicht von Heinrich Heine From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Beschwörung ist ein Gedicht von Heinrich Heine das als viertes im Zyklus Romanzen als Teil der Neuen Gedichte 1844 erschienen ist.

Erzählt wird in dem Gedicht eine Beschwörungsszene, in der ein franziskanischer Mönch mit Hilfe eines Zauberbuchs, eines sogenannten Höllenzwangs, das Gespenst der schönsten aller Frauen aus der Unterwelt herauf ruft, allerdings ohne daraus so recht nekrophilen Genuss ziehen zu können, am Ende sitzen die Tote und der Mönch nur nebeneinander und schauen sich stumm und traurig an.

Eine Quelle Heines könnte Dobenecks Des deutschen Mittelalters Volksglauben und Heroensagen (1815)[1] gewesen sein, das sich in Heines Besitz befand und das er auch schon an anderer Stelle in seinem Werk verwendet hat, so in der Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland. Darin erzählt Dobeneck unter Berufung auf das Teutsche Buch von der Ζauberey des Augustin Lercheimer die bekannte Sage vom zauberkundigen Abt Johannes Trithemius, der dem Kaiser Maximilian seine jung verstorbene Frau Maria von Burgund herbeigerufen haben soll unter der Bedingnis, dass der Kaiser in Gegenwart des Gespensts kein Wort sprechen soll, es bleibt also beim Anschauen und Schweigen.[2.1]

Nimmt man an, dass die beschworene Gestalt die mythische Helena ist, so wäre die Romanze ein Anklang an den Fauststoff bzw. Goethes Faust II, wo Faust für den Kaiser die Gestalt der Helena beschwören soll.[3]

Das Gedicht besteht aus 5 mit halbem Kreuzreim gebundenen Vierzeilern aus jambischen Vierhebern. Entsprechend dem Titel des Zyklus handelt es sich um eine Romanze, also ein relativ kurzes erzählendes Gedicht bzw. eine kurze Ballade.

Text

Der junge Franziskaner sitzt
Einsam in der Klosterzelle,
Er liest im alten Zauberbuch,
Genannt der Zwang der Hölle.

Und als die Mitternachtstunde schlug,
Da könnt er nicht länger sich halten,
Mit bleichen Lippen ruft er an
Die Unterweltsgewalten.

Ihr Geister! holt mir aus dem Grab
Die Leiche der schönsten Frauen,
Belebt sie mir für diese Nacht,
Ich will mich dran erbauen.

Er spricht das grause Beschwörungswort,
Da wird sein Wunsch erfüllet,
Die arme verstorbene Schönheit kommt,
In weißen Laken gehüllet.

Ihr Blick ist traurig. Aus kalter Brust
Die schmerzlichen Seufzer steigen.
Die Todte setzt sich zu dem Mönch,
Sie schauen sich an und schweigen.[4]

Rezeption

Die Beschwörung wurde sowohl 1955 von Géza Frid (op. 41a, Drie Romances voor sopraan en orkest Nr. 1; ; Sopran und Orchester) als auch 1956 von Alfred Heller (Zu Heine, Nr. 2; Bariton und Orchester oder Klavier) vertont.[5]

Ausgaben

Erstdruck: Die Beschwörung. In: Neue Gedichte von H. Heine. Hoffmann und Campe, Hamburg 1844, S. 170f.

Werkausgaben:

Literatur

  • Irmgard Möller, Hans Böhm: Heinrich Heine Säkularausgabe Band 2. Gedichte 1827–1844 und Versepen. Kommentar I. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-005299-6, S. 322–324.
Wikisource: Die Beschwörung – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

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