Gitta Connemann

deutsche Politikerin (CDU), MdB From Wikipedia, the free encyclopedia

Gitta Connemann, geborene Saathoff (* 10. Mai 1964 in Leer (Ostfriesland)), ist eine deutsche Politikerin (CDU) und Juristin. Sie ist seit 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages und seit 2025 Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie die Beauftragte der Bundesregierung für den Mittelstand. Seit 2021 amtiert sie als Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion.

Gitta Connemann (2025)

Leben

Biographie

Gitta Saathoff wurde am 10. Mai 1964 in Leer als Tochter von Frau Hilje, geborene Buiskool (* 1933) und des Landwirts Andreas Folkmar Saathoff (1932–2010) geboren, sie hat zwei jüngere Brüder und wuchs in Holtland auf; ihre Mutter stammt aus dem niederländischen Ort Woldendorp.[1] Nach dem Abitur 1983 am Teletta-Groß-Gymnasium Leer begann sie zunächst für die Dauer eines Jahres[2] eine Lehre zur Verkäuferin in einem Schuhfachgeschäft in Leer und absolvierte anschließend ab 1984 ein Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Osnabrück und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, das sie 1990 mit dem ersten juristischen Staatsexamen beendete. Nach dem Rechtsreferendariat legte sie 1993 das zweite Staatsexamen ab und war danach bis 2012 als Rechtsanwältin in Darmstadt und Leer tätig. Von 1995 bis 2001 arbeitete sie zugleich als Syndikus beim Arbeitgeberverband Landwirtschaft und Genossenschaften Weser-Ems.[3]

Die Ostfriesin Connemann ist evangelischen Glaubens[4] und engagiert sich insbesondere für die friesische Kultur;[5] sie lebt in Hesel,[6] ist kinderlos[7] und seit 2015 in zweiter Ehe mit dem Förster und Kommunalpolitiker Gerd Dählmann verheiratet.[8]

Politik

1996 trat sie in die CDU ein und wurde in den Rat der Samtgemeinde Hesel gewählt, dem sie bis 1999 angehörte.[9] Seit 2001 ist sie Mitglied im Kreistag des Landkreises Leer.

Seit 2002 ist Connemann Mitglied des Deutschen Bundestages für den Wahlkreis Unterems; sie folgte auf Rudolf Seiters. Hier war sie von 2003 bis 2007 Vorsitzende der Enquête-Kommission „Kultur in Deutschland“.[10] Von 2005 bis 2025 war sie stellvertretende Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe. Sie gehört außerdem dem Vorstand des Parlamentskreises Mittelstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion an.

2009 gab Connemann ein Gutachten beim Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages in Auftrag, das klären sollte, ob außerirdisches Leben existiert;[11][12] Inzwischen ist das Gutachten nach einem Rechtsstreit öffentlich einsehbar.[13]

2011 war sie eine von fünf Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion, die dem Gesetzentwurf zum Atomausstieg nicht zustimmte,[14] Mitte 2014 war eine von insgesamt fünf Bundestagsabgeordneten, die gegen die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns stimmten.[15]

Bis 2015 war Connemann ordentliches Mitglied im Bundestagsausschuss Ernährung und Landwirtschaft und dessen Vorsitzende.[16]

2014 wurde sie vom DGB-Regionalverband Ostfriesland-Nördliches Emsland als Rednerin zu einer Veranstaltung anlässlich des Antikriegstages an der Begräbnisstätte Esterwegen ausgeladen. Zuvor hatte sie in einem Interview Verständnis für das Vorgehen des israelischen Militärs im Gaza-Konflikt 2014 gezeigt.[17]

Von Januar 2015 bis 2021 war sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende[18] und zuständig für die Bereiche Ernährung, gesundheitlicher Verbraucherschutz, Landwirtschaft, Kirchen, Kunst, Kultur und Medien.[19] Sie machte sich für eine Ausweitung der Werbebeschränkungen für Zigaretten stark.[20]

Am 15. Dezember 2016 erhielt Connemann das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für ihre besonderen Verdienste um das Gemeinwohl, das ihr von Bundestagspräsident Norbert Lammert überreicht wurde.[21]

Sie zählt zu den 75 Unionsabgeordneten – 68 von der CDU (26,9 % aller CDU-Abgeordneten) und 7 von der CSU (12,5 % aller CSU-Abgeordneten) –, die im Juli 2017 für die gleichgeschlechtliche Ehe gestimmt haben.[22]

Anfang 2018 war Connemann Mitglied der Sondierungsgruppe der CDU zu einer neuerlichen Bildung einer Großen Koalition zwischen Union und SPD.[23]

Am 11. Dezember 2021 wurde Gitta Connemann auf dem digital veranstalteten Bundesmittelstandstag im zweiten Wahlgang mit 59 Prozent der Delegiertenstimmen zur Bundesvorsitzenden der Mittelstands- und Wirtschaftsunion gewählt.[24]

Im Zuge der Bildung des Kabinetts Merz wurde sie am 6. Mai 2025 zur Parlamentarischen Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche (CDU), ernannt.[25] Zudem wurde sie zur Beauftragten der Bundesregierung für den Mittelstand ernannt.

Positionen und Kritik

Am 18. März 2025 stimmte Connemann für die Änderung von vier Artikeln der Verfassung für das geplante Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität im Umfang von 500 Milliarden Euro. Sie äußerte aber in einer persönlichen Erklärung, dass „dieses Schuldenpaket ein gravierendes Ausmaß hat. Ich verstehe deshalb Kritik und Sorgen“.[26]

Gitta Connemann vertrat 2025 und Anfang 2026 wirtschaftsliberale, autofreundliche und migrationspolitisch restriktive Positionen. Ihre Aussagen zeigen eine Priorisierung von Arbeitsmarktflexibilisierung[27][28] und straßenbasierter Verkehrsinfrastruktur[29] sowie eine starke Skepsis gegenüber klimapolitischen Maßnahmen.[30]

Im Oktober 2025 plädierte Connemann dafür, den Reformationstag als Feiertag sowie die telefonische Krankschreibung abzuschaffen, um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu steigern.[31]

Im Januar 2026 prägte sie als Vorsitzende der Mittelstandsunion durch einen Antrag zur Reform des Teilzeitanspruchs[32] zum CDU-Parteitag am 20. und 21. Februar den Begriff „Lifestyle-Teilzeit“,[33] der nach parteiübergreifender Kritik aus dem Antrag gestrichen wurde.[34] Uli Hauck schrieb in diesem Zusammenhang und nach der für die CDU enttäuschenden Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026: „Den Bürgern "Lifestyle-Teilzeit" vorzuwerfen und Zahnersatz-Debatten zu führen, ist unabhängig von Landtagswahlkämpfen politisch schwierig.“[35]

Am 6. Februar 2026 forderte Christoph Ahlhaus, der Bundesgeschäftsführer des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) Bundeskanzler Friedrich Merz auf, Frau Connemann als Mittelstandsbeauftragte zu entlassen,[36] wurde seinerseits jedoch von 15 Wirtschaftsverbänden kritisiert, die die Arbeit Connemanns lobten.[37]

Wahlergebnisse

Connemann ist stets als direkt gewählte Abgeordnete des Wahlkreises Unterems in den Deutschen Bundestag eingezogen. Bei der Bundestagswahl 2005 erreichte sie hier 47,1 % der Erststimmen, bei der Bundestagswahl 2009 45,2 % der Erststimmen.[38] Ihr Ergebnis konnte sie in der folgenden Bundestagswahl 2013 mit 54,7 % der Erststimmen deutlich ausbauen.[39] 2017 erzielte sie mit 50,0 % der Erststimmen Rang 13 der besten Erststimmenergebnisse.[40] Bei den Bundestagswahlen 2021 und 2025 erzielte sie mit 44,4 %, sowie 40,5 % der Erststimmen ihre zwei schlechtesten Ergebnisse.[41][42]

Weitere Informationen Bundestagswahl ...
Bundestagswahl 2002 2005 2009 2013 2017 2021 2025
Erststimmen in % 47,4 47,1 45,2 54,7 50,0 44,4 40,5
Zweitstimmen der CDU in % 41,7 40,5 39,1 48,8 42,4 29,9 32,8
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Mitgliedschaften

Von 2010 bis 2019 war sie Vizepräsidentin der Deutsch-Israelischen Gesellschaft.[43] Bis November war sie Mitglied im Kuratorium der Aktion Sühnezeichen.[9]

Sie ist Mitglied im Beirat des American Jewish Committee Berlin und ist Mitglied der vom AJC Transatlantic Institute gegründeten Transatlantic Friends of Israel.[44]

Einzelnachweise

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