Großharras

Marktgemeinde im Bezirk Mistelbach, Niederösterreich From Wikipedia, the free encyclopedia

Großharras ist eine Marktgemeinde mit 1066 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2025) im Bezirk Mistelbach in österreichischen Bundesland Niederösterreich.

Schnelle Fakten Marktgemeinde, Wappen ...
Marktgemeinde
Großharras
WappenÖsterreichkarte
Wappen von Großharras
Großharras (Österreich)
Großharras (Österreich)
Basisdaten
Staat: Osterreich Österreich
Land: Niederösterreich Niederösterreich
Politischer Bezirk: Mistelbach
Kfz-Kennzeichen: MI
Fläche: 42,66 km²
Koordinaten: 48° 40′ N, 16° 15′ O
Höhe: 206 m ü. A.
Einwohner: 1.066 (1. Jän. 2025)
Bevölkerungsdichte: 25 Einw. pro km²
Postleitzahlen: 2034 (Großharras) und 2063 (Zwingendorf)
Vorwahl: 02526
Gemeindekennziffer: 3 16 16
Adresse der Gemeinde-
verwaltung:
Zwingendorf 35
2063 Zwingendorf
Website: www.grossharras.gv.at
Politik
Bürgermeisterin: Sonja Platzer (ÖVP)
Gemeinderat: (Wahljahr: 2020)
(19 Mitglieder)
  
Insgesamt 19 Sitze
Lage von Großharras im Bezirk Mistelbach
Lage der Gemeinde Großharras im Bezirk Mistelbach (anklickbare Karte)FalkensteinMistelbach
Lage der Gemeinde Großharras im Bezirk Mistelbach (anklickbare Karte)
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Pfarrkirche Großharras
Pfarrkirche Großharras
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
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Geografie

Großharras liegt im nördlichen Weinviertel in Niederösterreich im Hügelland südlich der Pulkau etwa auf halbem Weg zwischen Laa an der Thaya und Haugsdorf. Der zur Gemeinde gehörende Ort Zwingendorf liegt an der durch das Pulkautal führenden Pulkautal Straße B 45.

Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 42,66 Quadratkilometer. Fast neunzig Prozent der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt, etwa 2½ Prozent sind bewaldet.[1]

Gemeindegliederung


 Flächennutzung 
BauflächeLandwirtschaftGartenWeingartenAlmenWaldGewässerSonstigeBauflächeLandwirtschaftGartenWeingartenAlmenWaldGewässerSonstige

Das Gemeindegebiet umfasst drei Katastralgemeinden bzw. gleichnamige Ortschaften (Fläche Stand 31. Dezember 2023[2], Einwohner Stand 1. Jänner 2025[3]):

  • Diepolz (662,49 ha; 141 Ew.)
  • Großharras (1.510,69 ha; 442 Ew.)
  • Zwingendorf (2.093,07 ha; 483 Ew.) mit den Meierhöfen Alicenhof und Karlhof

Mit der NÖ. Kommunalstrukturverbesserung erfolgte zum 1. Jänner 1970 die Zusammenlegung mit dem einen Kilometer entfernten Diepolz.[4] und zum 1. Jänner 1971 die Zusammenlegung mit dem fünf Kilometer nördlich liegenden Zwingendorf.[5]

Nachbargemeinden

Seefeld-Kadolz Tschechien
Mailberg Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Laa an der Thaya
Nappersdorf-Kammersdorf Stronsdorf

Geschichte

Das Dorf Großharras, das sicherlich bereits vor seiner erstmaligen urkundlichen Nennung im Jahre 1156 besiedelt war – am Ortsrand an der Straßengabelung Richtung Kammersdorf wurde 1876 ein Langobardengrab aus der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts gefunden, dessen Grabbeigaben im Niederösterreichischen Landesmuseum zu besichtigen sind – wurde im Zuge der zweiten deutschen Besiedelung wahrscheinlich im 11. Jahrhundert gegründet und von fränkischen Siedlern aufgebaut. Der Ortsname Harras wird vom mittelhochdeutschen „har-roze“, also Flachsröste, abgeleitet.

1255 wird die Pfarrkirche von Großharras, die ursprünglich dem hl. Pankraz, später der Hl. Dreifaltigkeit geweiht wurde, von den Seefeldern den Johannitern in Mailberg (Malteser-Ritterorden) übertragen und ist deshalb eine der fünf Malteserkirchen in Österreich.

Die geografische Lage des Ortes im Grenzraum zu Mähren bedingte die Involvierung in zahlreiche Konflikte des Thayaraumes (Schlacht bei Mailberg, Ungarneinfälle, Hussitenkriege, Dreißigjähriger Krieg).

Im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts konnte wie in vielen anderen Dörfern der Umgebung der Protestantismus Fuß fassen, sodass 1574 der protestantische Magister Leopold Zerer als Schulmeister tätig war. Im Laufe des 17. und frühen 18. Jahrhunderts bestimmte allerdings im Zuge der Gegenreformation der Katholizismus das religiöse und kulturelle Leben.

1763 kam es zu einem Streit zwischen der Herrschaft Kadolz und 34 Kleinhäuslern, weil diese aufgrund steigender Schutzgeldzahlungsforderungen den Naturalrobot verweigerten. Die Regierung vermittelte im Streit, indem Schutzgeldobergrenzen festgelegt und die Verpflichtung zum Naturalrobot festgelegt wurden. Im Zuge dieser Maßnahmen wurde der Kleinhäusler Thomas Walter in das Temescher Banat verwiesen.

Im 19. Jahrhundert konnte die Ortsentwicklung auch durch Choleraepidemien (1836 und 1866, als die Preußen nach der Schlacht von Königgrätz die Krankheit einschleppten) und Großbrände (zum Beispiel 1858: gesamtes Neustift abgebrannt, 1863: 13 Häuser und 6 Scheunen abgebrannt, 1871: 9 Häuser abgebrannt) nicht aufgehalten werden. Der Brandgefahr suchte die Kommune durch die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr im Jahr 1884 Herr zu werden.

Nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie 1918 hat das Dorf mit den Problemen einer an den Rand gedrängten Gemeinde und den ökonomischen Strukturveränderungen (Bedeutungsverlust der Landwirtschaft, Mangel an Arbeitsplätzen im sekundären und tertiären Sektor) zu kämpfen. Diese Veränderungen spiegeln sich in der Bevölkerungsentwicklung wider. Laut Adressbuch von Österreich waren im Jahr 1938 in der Ortsgemeinde Großharras zwei Bäcker, vier Binder, zwei Dachdecker, zwei Eisenwarenhandlungen, ein Elektrizitätswerk, ein Elektrotechniker, zwei Fleischer, zwei Friseure, drei Gastwirte, drei Gemischtwarenhändler, ein Glaser, eine Hebamme, eine Milchgenossenschaft, ein Milchhändler, ein Müller, ein Sattler, drei Schmiede, zwei Schneider und zwei Schneiderinnen, zwei Schuster, ein Tischler, zwei Viktualienhändler, ein Wagner, ein Weinsensal, zwei Zimmermeister und einige Landwirte ansässig.[6]

Im Jahr 1944 wurden von den Gutsbesitzern Erwin und Wilhelm Riedl für zwei Monate ungarische Juden als Zwangsarbeiter im landwirtschaftlichen Bereich eingesetzt.[7]

Im Jahr 2006 feierte der Ort sein 850-jähriges Bestehen.

Bevölkerungsentwicklung

Nach dem Jahr 1939 hatte Großharras einen starken Rückgang der Bevölkerungszahl. Die Abnahme verringert sich seit der Jahrtausendwende.[8][9][10]

Großharras: Einwohnerzahlen von 1869 bis 2025
Jahr  Einwohner
1869
 
2.156
1880
 
2.390
1890
 
2.555
1900
 
2.511
1910
 
2.430
1923
 
2.411
1934
 
2.507
1939
 
2.495
1951
 
2.267
1961
 
1.799
1971
 
1.602
1981
 
1.391
1991
 
1.319
2001
 
1.202
2011
 
1.138
2021
 
1.098
2025
 
1.066
Quelle(n): Statistik Austria, Gebietsstand 1.1.2021

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche Zwingendorf
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Motiv: Kellergasse

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BW

Wirtschaft und Infrastruktur

Im Jahre 2001 gab es 42 nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten, nach der Erhebung 1999 gab es 107 land- und forstwirtschaftliche Betriebe. Nach der Volkszählung 2001 betrug die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort 505, die Erwerbsquote lag 2001 bei 43 Prozent.

Tourismus

Nach dem Bau der Therme Laa und deren Eröffnung im Jahr 2004 versucht man, wie die übrigen Gemeinden des Landes um Laa, touristische Impulse zu setzen. So wurde in den letzten Jahren gezielt ein Netz von markierten Radwegen angelegt, nachdem der europäische Weitwanderweg 630 bereits seit Jahren von Wanderern frequentiert wird. Beherbergungsbetriebe laden Gäste zum Bleiben ein. Die für die Region Weinviertel typischen Kellergassen können unter fachkundiger Führung besichtigt werden. In den Sommermonaten kann man bei den heimischen Winzern die „Offene Kellertür“ besuchen und bei Grünem Veltliner, Weißburgunder, Blauem Portugieser und Zweigelt die Atmosphäre der romantischen Kellergasse genießen.

Die Pfarrkirche ist einen Besuch wert, da sie eine von neun Kirchen des Malteserordens in Österreich ist und die Silberbauerorgel im Kircheninneren unter Denkmalschutz steht.

Um Zwingendorf befinden sich bemerkenswerte Salzstandorte mit einer spezifischen Fauna und Flora.

Seit 1675 gibt es in Großharras das „Gasthaus zur Traube“, welches als Treffpunkt der ansässigen Bevölkerung diente. 1927 erwarb die Familie Holzer den Betrieb, der noch bis heute unter dem Namen Landgasthaus Holzer besteht und einen Treffpunkt für gesellschaftliche Ereignisse sowie ein Kommunikationszentrum für die ansässige Kultur und Wirtschaft ist.

Durch Großharras verläuft mit dem Ostösterreichischen Grenzlandweg ein österreichischer Weitwanderweg.

Öffentliche Einrichtungen

In Großharras befindet sich ein Kindergarten[11] und eine Volksschule.[12]

Politik

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Motiv: Gemeindeamt/Rathaus der Gemeinde

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BW

Gemeinderat

Der Gemeinderat hat 19 Mitglieder.


 Mandate 
0369121518211990199520002005201020152020SPÖÖVP

Bürgermeister

  • bis 2010 Franz Breindl (ÖVP)
  • 2010–2020 Josef Windpassinger (ÖVP)[19]
  • 2020–2022 Josef Kindler (ÖVP)[20]
  • 2022–2024 Rudolf Dötzl (ÖVP)[21]
  • seit 2024 Sonja Platzer (ÖVP)[22]

Wappen

Blasonierung:

„Gespalten von Rot und Silber, vorne ein silbernes Johanniterkreuz, hinten eine rote Flachsbrechel. Ein gespaltener Schild, dessen rechtes Feld auf rotem Grunde ein silbernes Johanniterkreuz und dessen linkes Feld auf silbernem Grunde eine rote Flachsbrechel zeigt.“

Wappenerklärung: Das weiße Malteserkreuz (Johanniterkreuz) in Rot verweist auf die seit 1255 bestehende Malteserpfarre, eine der wenigen in Österreich. Die Flachsbrechel versinnbildlicht die Entstehung des Ortsnamens Großharras aus mhd. harroce – Flachsröste.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger der Gemeinde
  • Johanna Mikl-Leitner (* 1964), Politikerin (ÖVP) und Landeshauptfrau von Niederösterreich. Sie wuchs in Großharras auf und besuchte dort die Volksschule.

Literatur

  • Franz Xaver Schweickhardt: Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens, durch umfassende Beschreibung aller Burgen, Schlösser, Herrschaften, Städte, Märkte, Dörfer, Rotten etc. etc., topographisch-statistisch-genealogisch-historisch bearbeitet und nach den bestehenden vier Kreis-Vierteln [alphabetisch] gereiht. [Teil:] Viertel unterm Manhartsberg. 7 von 34 Bänden. 2. Band: Fatzihof bis Herrnlois. Mechitaristen, Wien 1834, S. 250 (Harras (Groß-)Internet Archive).
  • Heimatbuch des Verwaltungsbezirkes Mistelbach. Wien 1959
  • Marktgemeinde Großharras (Hrsg.): Festschrift anlässlich der Markterhebungs- und 800-Jahr-Feier der Marktgemeinde Großharras am 30. September 1956. Großharras 1956
  • Marktgemeinde Großharras (Hrsg.): Jubiläumsbroschüre 850 Jahre Großharras: 1156–2006. 50 Jahre Marktgemeinde Großharras. 1956–2006. Großharras 2006.
Commons: Großharras – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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