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Hardenberg (niedersächsisches Adelsgeschlecht)

niedersächsisches Adelsgeschlecht From Wikipedia, the free encyclopedia

Hardenberg ist der Name eines alten niedersächsischen Adelsgeschlechts.

Stammwappen derer von Hardenberg

Die Familie ist zu unterscheiden von dem nicht stammesverwandten, bereits um 1450 erloschenen westfälischen Adelsgeschlecht Hardenberg.

Geschichte

Allgemeines

Das Geschlecht benannte sich ursprünglich nach den nordwestlich der Burg Hardenberg gelegenen Stammsitzen Thüdinghausen und Großenrode. Angehörige des Geschlechts waren Burgmannen der Erzbischöfe von Mainz. Mit Bernhardus de Thutigehusen wurde es im Jahr 1139 erstmals urkundlich erwähnt.[1]

Burg Hardenberg um 1650 (Stich von Merian)

Seit 1219 führt die Familie den Namen von Hardenberg und hat seither die Burg Hardenberg und seit 1710 das Schloss Hardenberg als Stammsitze. Die direkte Stammreihe beginnt nach Darstellung im Genealogischen Handbuch des Adels (1978) mit Ritter Bernhard von Hardenberg (erwähnt 1219–1241).[1] In den Europäischen Stammtafeln (2000) sind auch dessen Vater Bernhard de Novali und schließlich sein bereits genannter Großvater Bernhard von Thüdinghausen und des letzteren Brüder Hermann und Dietrich erwähnt.[2]

Die Herren von Hardenberg änderten mehrmals ihr Wappen. In alten Siegeln erscheinen zuerst zwei senkrecht gestellte, abgekehrte Schlüssel. Es war wohl das Wappen der Burgmannschaft auf dem Hardenberg, da ein weiteres Burgmannengeschlecht, die Herren von Rosdorf, ein gleiches Wappen führten, allerdings mit anderen Farben. Zwischen den beiden Burgmannengeschlechtern bestand Blutsverwandtschaft,[2][3] eine Stammesgemeinschaft ist jedoch nicht nachgewiesen.

Genealogie

Bernhards Sohn Hermann von Hardenberg begründete eine im Jahr 1561 erloschene Linie Großenrode.[4] Er besaß seit 1270 ein anderes Heroldsbild, einen mit einer Stufe quergeteilten Schild. Hermanns Neffe Hildebrand von Hardenberg († nach 1338) war Stammvater des Astes Vorderhaus Hardenberg.[5] Er führte zuerst 1330 den heute bekannten Eberkopf. Des letzteren Hildebrands Enkel Heinrich († 1409) begründete den im Jahr 1669 erloschenen Ast Hinterhaus Hardenberg.[6] Hildebrands Bruder Detmar war entfernter Vorfahre von Dietrich, dem Begründer der im Jahr 1639 erloschenen Linie Lindau. Der Bischof Dietrich von Hardenberg entstammte dieser Linie.[7] Hildebrand Christoph (* 1621; † 1682) aus dem Ast Vorderhaus Hardenberg war Vater einiger Kinder,[5] von denen Christian Ludwig (* 1663; † 1736) die Linie Neu-Hardenberg I begründete,[8] Georg Anton (* 1666; † 1721) die Linie Wiederstedt[9] und Fritz Dietrich (* 1674; † 1739) die Linie Alt-Hardenberg I.[10] Von Hildebrand Christoph stammen alle heute noch lebenden Familienmitglieder derer von Hardenberg ab.

Nennenswerte Familienmitglieder aus der Linie Neu-Hardenberg I waren der Feldmarschall Christian Ludwig, der kurhannoveranische Gesandte August Ulrich und der Staats- und Kriegsminister Karl August sowie dessen Tochter Lucie.[8] Die Linie Wiederstedt brachte unter anderem den Domherrn Philipp Adam, den Minister Friedrich August, den Domdechant Georg Ludwig, den Hofmarschall Georg Gottlieb Leberecht, die Dichter Georg Philipp Friedrich, Carl und Georg Anton, den Salinendirektor Heinrich Ulrich Erasmus, die Antifeministin Sophie und den Vizepräsidenten Hans hervor.[9] Der Linie Alt-Hardenberg I entsprossen beispielsweise der Freimaurer Hans Ernst, der Diplomat Ernst Christian Georg August und Hofbeamte August Wilhelm Karl.[10]

Besitz, Schlösser und Standeserhebungen

Seit 1287 hatten Angehörige des Geschlechts die Burg Hardenberg in Pfandbesitz. Dieser wurde 1607 gekündigt, doch konnten die Herren von Hardenberg mit Hilfe des Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig den Besitz behaupten. Eine Teilung des Familienbesitzes hatte bereits 1409 durch Dietrich von Hardenberg stattgefunden, wodurch sich die Zweige Vorder- und Hinterhaus herausbildeten, die sich den Grundbesitz und die Burg aufteilten. Nachdem das Vorderhaus 1698 bei einem großen Gewitter eingestürzt war, zog dessen Linie in das nahe gelegene Göttingen und 1710 in das neu errichtete Schloss Hardenberg am Fuße des Burgberges. Die Linie Hinterhaus verließ die Burg 1720, sie wurde zur Ruine.

Der braunschweig-lüneburgische Landrat Hans Ernst von Hardenberg und dessen ehelichen Nachkommen wurden durch Kaiser Joseph II. am 8. März 1778 in Wien in den Reichsgrafenstand erhoben.

Der bekannte Staatskanzler und Reformer des Königreiches Preußen, Karl August von Hardenberg, wurde nach der Unterzeichnung des Ersten Pariser Friedens 1814 von König Friedrich Wilhelm III. in den Fürstenstand erhoben. Außerdem erhielt er als Dotation die ehemaligen Ordensämter Lietzen und Quilitz (Neuhardenberg) unter dem Namen Herrschaft Neu-Hardenberg. Dort ließ er sich von Schinkel das Schloss Neuhardenberg klassizistisch umbauen.

Aus seiner Ehe mit Christine Friderike Juliane, geborene Gräfin von Reventlow, gingen der Sohn Christian und die Tochter Lucie hervor. Christian erbte 1793 von seiner Mutter die Reventlowschen Güter auf Lolland im Königreich Dänemark. Diese erhob der dänische König Friedrich VI. 1814 zur Lehensgrafschaft Hardenberg-Reventlow mit dem Hauptsitz auf Schloss Krenkerup bei Radsted Sogn; zu dem 3700 ha großen Besitz gehörten auch die Güter Sæbyholm, Idalund, Rosenlund, Nørregård, Nielstrup und Christiansdal.[11] Nach dem Tod seines Vaters 1822 verzichtete Christian als dänischer Lehnsgraf (für seine Person) auf die Fürstenwürde, erhielt aber vom preußischen König das Recht, das fürstliche Wappen weiter führen zu dürfen. 1867 fiel die Lehnsgrafschaft an seine Tochter Ida Augusta, verheiratete Gräfin Holck, und später an die Grafen Haugwitz, die dort bis heute als Lehnsgrafen Haugwitz-Hardenberg-Reventlow ansässig sind.

Vom 17. Jahrhundert bis 1945 war Schloss Oberwiederstedt in Sachsen-Anhalt im Besitz der ebenfalls bis heute bestehenden freiherrlichen Linie; dort wurde 1772 der Dichter Friedrich von Hardenberg geboren, der sich Novalis nannte. 1727–68 besaß die Wiederstedter Linie auch Schloss Rethmar bei Hannover.

Am 12. Oktober 1854 wurde dem jeweiligen Inhaber der 1820 gestifteten Freien Standesherrschaft Neu-Hardenberg ein erblicher Sitz im Preußischen Herrenhaus verliehen[12]. Die Familie war auch in der Neumark vertreten.[13] Von 1802 bis 1945 war das Gut Rettkau (heute Retków in der Gemeinde Grębocice) in Niederschlesien im Besitz der Familie.

Neben dem Stammsitz auf Burg und Schloss in Nörten-Hardenberg bewirtschaften Zweige der Familie heute die Güter in Drönnewitz, Holtau, Levershausen, Lietzen, Ostlutter, Schwicheldt und Wolbrechtshausen.

Dänische Hardenberg

Bereits um 1340 war eine Linie nach Dänemark ausgewandert, die dort eine Reihe namhafter Persönlichkeiten hervorbrachte. Diese ältere dänische Linie führte im Wappen einen silbernen Wolfskopf im blauen Feld, mit gleicher Helmzier, bisweilen zwischen zwei von Silber und Blau abwechselnd geteilten Trinkhörnern.[14]

Eiler Hardenberg wird unter anderem 1417 im Umfeld von Erik VII. erwähnt. Sein Sohn war Joachim Hardenberg auf Kjeldkær und Løgismose († 1475), dessen Sohn Erik Hardenberg auf Kjeldkær und Hvedholm, Kommandant von Korsør, der 1500 in der Schlacht bei Hemmingstedt fiel. Der Sohn von Erik war Corfitz Hardenberg auf Skjoldemose (in Stenstrup Sogn auf der Insel Fünen); dieses Gut blieb von 1475 bis 1615 im Familienbesitz. Eriks Bruder Jakob Hardenberg († 1442), auf Hvedholm, Sandholt, Arreskov und Kloster Holme, war Kommandant auf Fünen und erhielt Burg Vordingborg und Næsbyhoved; er hinterließ drei Töchter. Ein weiterer Bruder, Eiler Hardenberg auf Vedtofte und Mattrup (ca. 1500–1565), wurde zum bekanntesten Vertreter der Familie als Kommandant von Schloss Dragsholm während der Grafenfehde und später als Reichshofmeister von Friedrich II., bei dem er aber 1565 in Ungnade fiel. Der König hatte sich 1558 in Corfitz' Tochter Anne Corfitzdatter Hardenberg († 1589), eine Hofdame seiner Mutter, verliebt und wollte sie heiraten, gab aber diese unstandesgemäßen Heiratspläne schließlich auf, um 1571 standesgemäß seine Nichte zu heiraten. Diese Linie erlosch im Mannesstamm mit dem Sohn von Eiler Hardenberg, Erik Hardenberg zu Vedtofte, Mattrup und Skovsbo (1529–1604).

Wappen

Blasonierung des Stammwappens: „In Silber ein rotgezungter, silberbewehrter schwarzer Keilerkopf (Eberkopf). Auf dem Kübelhelm im Profil auf gelehntem Schild mit schwarz-silberner Decke der schwarze Keilerkopf, abwechselnd mit drei silbernen zwei schwarzen Straußenfedern besteckt.“

Lang (s. Literaturverweis) gibt 1793 folgende Erklärung: „Das Rosdorfsche Geschlechtswappen waren zwei aufrecht stehende, mit dem Rücken gegeneinander gekehrte Schlüssel nach der alten Form, beinahe wie die hier zu Lande üblichen Holzschlüssel gestaltet. Die ältesten Hardenberg’schen Siegel hier im Archiv sind ganz dieselben.[15] Man findet Abdrucke davon bei Tradit. Corbej. Harenberg. Histori. Gandersh. Kuchenbecker und aus diesem in der Schliebenschen Geschlechtshistorie. Die älteste Linie [Hardenberg], die sich zu Lindau setzte, behielt die Schlüssel bei, die jüngere aber, die auf dem Hardenberg blieb, nahm im 14. Jahrhundert den Eberkopf ins Wappen, der wahrscheinlich mit zum Inventar von Hohnstedt gehörte, welches die Hardenberger in Besitz hatten, denn die Herren von Hohnstedt führen noch jetzt einen Eberkopf, und das erste Wappen mit dem Eberkopf kommt von anno 1330 in einer Urkunde über Hohnstedt. Nach einiger Zeit setzten auch die Lindauer Hardenberge den Eberkopf in den Schild, die Schlüssel aber als Kleinod auf den Helm.“

In Siebmachers Wappenbuch erscheint das Oberwappen ohne Federn mit Spangenhelm und silbern-schwarzer Decke. Im Reichsgrafendiplom von 1778 sind sämtliche Federn schwarz tingiert, in alten Abbildungen auch rot-silbern.

Wappensage

Zur Entstehung heißt es in einer Sage, dass es bei einer der vielen Fehden der Familie zur Belagerung ihrer Burg Hardenberg durch die Herren von der Burg Plesse kam. Bei einem nächtlichen Überfall der Plessen soll ein altes Mutterschwein die Burgbewohner durch lautes Grunzen geweckt haben. Entschlossen stürzten sie sich in den Kampf und schlugen die Angreifer in die Flucht.[16]

War bis dato ein Schlüssel das Zeichen der Hardenbergs (Wappen der Herren von Rosdorf), so ziert seitdem ein Keilerkopf das Wappen des Hauses. Er wurde auch zum Markenzeichen der 1700 gegründeten gräflichen Kornbrennerei Hardenberg, heute Kornbrennerei Hardenberg-Wilthen AG.

Historische Wappenbilder

Bekannte Familienmitglieder

Literatur

Commons: Hardenberg (Adelsgeschlecht) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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