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Weißensee Kunsthochschule Berlin

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Die Weißensee Kunsthochschule Berlin (Eigenschreibweise: weißensee kunsthochschule berlin) ist eine Hochschule zur Ausbildung von Künstlern und Gestaltern verschiedener Fachrichtungen. Sie wurde 1946 in Berlin-Weißensee gegründet. Eine Besonderheit ist das für alle Studierende verbindliche Künstlerisch-Gestalterische Grundlagenstudium.[4]

Gründung1946
Trägerschaftstaatlich
BundeslandBerlin Berlin
Schnelle Fakten Gründung, Trägerschaft ...
Weißensee Kunsthochschule Berlin
Gründung 1946
Trägerschaft staatlich
Ort Berlin
Bundesland Berlin Berlin
Land Deutschland Deutschland
Präsidentin Angelika Richter
Studierende 834 (SoSe 2024)[1]
Mitarbeiter 217 (2024)[2]
davon Professoren 40 (2024)[2]
Jahresetat 16,8 Mio. € (2024)[3]
Website www.kh-berlin.de
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Bühringstraße Berlin-Weißensee (Haupteingang)

Geschichte

Gebäudeeinweihung 1956

Die Hochschule wurde 1946 vom Metallbildhauer Otto Sticht (1901–1973)[5] in Berlin als Kunstschule des Nordens gegründet. Das erste Semester begann im Mai. Die ersten Professoren waren Jan Bontjes van Beek, Hermann Gehring, Bernhard Heiliger, Willem Hölter (1904–1989), Robert Huth (1890–1977), Arno Mohr, Eva Schwimmer, Sticht und Kurt Thillesen (1899–1952).[6] Zu den ersten Studenten gehörten u. a. Günter Kunert und Günter Kupetz. 1947 erfolgte die staatliche Anerkennung als Kunsthochschule durch die sowjetische Militäradministration und die Umbenennung in Hochschule für angewandte Kunst. 1950 wurde der niederländische Architekt und Designer Mart Stam Direktor der Kunsthochschule und begründete das fächerübergreifende Grundlagenstudium. Stam blieb Direktor der Hochschule bis 1952[7]. 1950 wurde auf Initiative Arno Mohrs eine Druckwerkstatt eingerichtet.[8]

Ab 1. September 1953 trug die Schule den Namen Hochschule für bildende und angewandte Kunst und ab 1969 Kunsthochschule Berlin.

In der DDR gab es an der Schule eine Arbeiter- und Bauernfakultät für bildende Kunst und ab 1963 ein zweijähriges Abendstudium für Berufstätige zur Vorbereitung auf ein Hochschulstudium.[9]

Von 1968 bis 1974 gab es mit der Spezialisierungsrichtung Gemälderestaurierung den in Deutschland ersten Diplom-Studiengang für Restauratoren. Leiter war Kurt Robbel. Er brachte 14 Absolventen hervor[10] und wurde dann an die Hochschule für Bildende Künste Dresden verlagert.[11]

Ab Inkrafttreten des Einigungsvertrages 1990 trug die Einrichtung den Namen Kunsthochschule Berlin-Weißensee bzw. Kunsthochschule Berlin (Weißensee) – Hochschule für Gestaltung (§ 1 Abs. 2 S. 4 Spiegelstrich 2 des Berliner Hochschulgesetzes – BerlHG – alter Fassung). Mit Inkrafttreten der Novelle des Berliner Hochschulgesetzes am 25. September 2021 wurde der gesetzliche Name an den Namen angepasst, die sich die Hochschule schon vorher – dort in Kleinschreibung – nach ihrer Satzung gegeben hatte: Weißensee Kunsthochschule Berlin.[12]

Mit dem Beschluss des Berliner Senats zum Ausbau der Kunsthochschule im Oktober 1991 erhöhte sich die Studentenzahl von etwa 250 zunächst auf das Doppelte, bis Frühjahr 2023 bereits auf 850. 2005 wurde der Studiengang Architektur eingestellt.[13]

Für die Jahre zwischen 2020 und 2030 sind zahlreiche Neubauten am Standort in Weißensee geplant, um den Flächenbedarf der Hochschule zu decken. Ein Wissenschafts- und Kreativstandort Campus Weißensee soll entstehen mit Erweiterungsbauten für die Lehre und künstlerisch-praktische Ausbildung, Gebäude für studentisches Wohnen, Labore für Firmengründer, Ausstellungsflächen, öffentliche Kommunikationsräume sowie gastronomische Angebote.[14]

Zur Förderung vor allem junger Künstler dieser Hochschule wird die Peter-und-Irene-Ludwig-Stiftung aus Aachen ab dem Jahr 2027 für die Dauer von zehn Jahren jährlich einen mit 10.000 Euro dotierten Preis für herausragende junge Kunst vergeben. Damit soll das frühere Wirken der Mäzenin Irene Ludwig sichtbar werden, die seit den 1970er Jahren umfangreiche junge Kunst aus der DDR gesammelt hat.[15]

Organisation, Förderer

Die Mart-Stam-Gesellschaft ist der Förderverein der Hochschule.[16]

Rektoren

Walter Womacka

Standorte

Die Einrichtung befindet sich im Ortsteil Weißensee des Berliner Bezirks Pankow.

In den Jahren 1955–1956 wurde der Standort der Kunsthochschule, d. h. das bereits genutzte Verwaltungsgebäude der ehemaligen Trumpf-Schokoladenfabrik (erbaut 1934) nach Norden baulich erweitert. Die neu errichteten Hochschulgebäude entstanden unter der Entwurfsleitung von Selman Selmanagić, Professor für Bau- und Raumgestaltung an der Kunsthochschule. Eine Besonderheit des Projektes bestand in der Zusammenarbeit von Lehrkräften, Diplomanden und Studenten der Hochschule bei Planung und Errichtung. Das Entwurfsteam bestand aus dem Architekten Selmanagić unter Beteiligung von Peter Flierl, Erwin Krause und Günther Köhler. Die Hochschule wurde in einem offenen Karree von drei farblich gefassten Putzbauten um einen Innenhof mit Gartenanlage erstellt. Ein eingeschossiges, großflächig verglastes Ausstellungsfoyer mit Flachdach, welches in der Mitte den Haupteingang aufnimmt und gegenüber den flankierenden Gebäuden zurückgesetzt wurde, dient als verbindendes Glied zwischen dem Gebäude von 1934 und dem quer zur Straße gestellten Neubau des viergeschossigen Unterrichtsgebäudes.

Die Ausführung der Entwürfe erledigte die Firma Industrieprojektierung Berlin. Die Innenausstattung der Holzbauarbeiten übernahmen die Deutschen Werkstätten Hellerau. Für die künstlerische Innengestaltung bekamen die Maler Kurt Robbel und Arno Mohr die Aufträge für je ein Wandbild. Das Bild von Mohr erhielt seinen Platz vor der Aula. Die Aula sollte ursprünglich auch als kultureller Bestandteil des Wohngebietes fungieren, hatte eine feste Bestuhlung und war für Kinovorführungen ausgestattet. Bert Heller erhielt den Auftrag für ein Wandbild in der Mensa gegenüber der Fensterseite. Toni Mau entwarf und fertigte einen Fries, der die Fassaden gestalterisch gliedert. Nach dem Entwurf von Ernst Rudolf Vogenauer schuf Jürgen von Woyski[19] das Relief am Eingang des Foyers der Kunsthochschule, das Szenen aus dem Hochschulleben zeigt. Die Kunstschmiedearbeiten führte Fritz Kühn aus. Die Keramiken im Inneren der Mensa stammen von Ernst Rudolf Vogenauer und Rudolf Kaiser.

Die Neubauten wurden am 11. November 1956 eingeweiht. Sie sind wie das ehemalige Verwaltungsgebäude der Schokoladenfabrik Trumpf denkmalgeschützt.[20] Der Aula-Flügel des Selmanagic-Baues wurde von 2010 bis 2011 von der Wüstenrot Stiftung, die 1,5 Mio. Euro investierte, instand gesetzt, saniert und restauriert. Dabei wurde auch das Wandbild Wendepunkt von Arno Mohr im Vorraum der Aula restauriert.

Die Kunsthalle am Hamburger Platz (Gustav-Adolf-Straße 140) wird fachgebietsübergreifend für Projekte und Ausstellungen genutzt.[21] Für die Jahresausstellung Rundgang werden auch externe Ausstellungsräume wie das Kühlhaus Berlin (in der Luckenwalder Straße 3, 10963 Berlin) für die Fachgebiete Bildhauerei und Malerei genutzt, wie zuletzt für die Ausstellung Yet Yet im Jahr 2022.[22]

In den 1980er Jahren waren einige Teile der Hochschule nicht in der Bühringstraße ansässig, dazu gehörten das Institut für baugebundene Kunst in der Oranienburger Straße Berlin-Mitte, die Abteilung Plastik in der Köpenicker Straße in Berlin-Adlershof und die Abteilung Keramik in der Lehderstraße.[23]

Hochschulrat

Am 12. Februar 2004 konstituierte sich der Hochschulrat der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Er wurde im Rahmen der 2003 beschlossenen Erprobungsklausel des Berliner Hochschulgesetzes (BerlHG § 7a) eingeführt[24] und soll die Hochschulleitung und die akademischen Gremien strategisch beraten. Dieser mit externen Mitgliedern aus Wirtschaft und Gesellschaft besetzte Hochschulrat hat weitreichende Befugnisse wie die Billigung des Entwurfs und Feststellung des Haushaltsplans oder die Einrichtung und Aufhebung von Studiengängen.[25]

Die derzeitigen Mitglieder sind (Stand: 2026):

Ehemalige Mitglieder:

Studium

Feierliche Graduiertenzeremonie

Studiengänge

Angeboten werden der Diplomstudiengang Freie Kunst mit den Fachgebieten Bildhauerei[26], Bühnen- und Kostümbild[27] und Malerei[28], sowie die Bachelor- und Masterstudiengänge Mode-Design[29], Produkt-Design[30], Textil- und Material-Design[31] sowie Visuelle Kommunikation.[32]

Außerdem können seit mehreren Jahren folgende postgraduale Masterstudiengänge besucht werden: Kunsttherapie[33] und Raumstrategien, das „einen kritischen Ansatz zur Auseinandersetzung mit der Verletzlichkeit von Räumen – insbesondere durch (post-)migrantische, ökologische, digitale und weitere sich erweiternde Perspektiven verfolgt“.[34]

Hochschullehrer

Derzeit (Stand März 2026) unterrichten folgende Hochschulprofessoren an der Kunsthochschule – nach Fachgebieten geordnet:

Bildhauerei

Bühnen- und Kostümbild

Künstlerisch-Gestalterische Grundlagen

Kunsttherapie

Malerei

Mode-Design

  • Clara Leskovar
  • Patrick Rietz
  • Doreen Schulz

Produkt-Design

Raumstrategien

Textil- und Material-Design

Theorie und Geschichte

  • Knut Ebeling
  • Antonella Giannone
  • Lucy Norris
  • Joseph Imorde
  • Christian Donle (Honorarprofessor)
  • Mona Jas (Honorarprofessorin)
  • Britta Lange (Gastprofessorin)
  • Martin Beck (Gastprofessor)

Visuelle Kommunikation

DesignFarmBerlin

Die Kunsthochschule bietet ein umfassendes Förderprogramm für Absolventen an, um den Übergang vom Studium in die Praxis zu erleichtern. Die im Projekt DesignFarmBerlin etablierte Initiative vergibt Förderstipendien kombiniert mit Beratungsleistungen für den Zeitraum von 9 Monaten.[35]

Persönlichkeiten (Auswahl)

Professoren und Lehrkräfte

An der Kunsthochschule unterrichteten in der Vergangenheit viele namhafte Künstler und Künstlerinnen (Malerei, Grafik, Bildhauerei, Gebrauchsgrafik, Illustration und Buchgestaltung, Produktdesign, Architektur, Textil- und Modedesign sowie Bühnen- und Kostümbild):

– alphabetisch geordnet –

Absolventen

Aus der Studentenschaft gingen später ebenfalls bekannt gewordene Künstler hervor: – alphabetisch geordnet –

Literatur

  • Hildtrud Ebert (Hrsg.): Drei Kapitel Weißensee. Dokumente zur Geschichte der Kunsthochschule Berlin-Weißensee 1946–1957. Kunsthochschule Berlin-Weißensee, Berlin 1996, ISBN 3-9805489-0-2.
  • Hiltrud Ebert: Von der ‚Kunstschule des Nordens‘ zur sozialistischen Hochschule. Das erste Jahrzehnt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. In: Günter Feist (Hrsg.): Kunstdokumentation SBZ/DDR. 1945–1990. DuMont, Köln 1996, ISBN 3-7701-3846-5, S. 160–190 (eingeschränkte Vorschau; Inhaltsverzeichnis; [PDF; 463 kB]).
  • Samson Dietrich Sauerbier (Hrsg.): Zwei Aufbrüche. Symposion der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Die ersten zehn Jahre. Sinn – Sinne – Lehre. Ansichten zu Aussichten. Kunsthochschule Berlin-Weißensee, Berlin 1997, ISBN 3-9805489-2-9.
  • Jens Semrau (Hrsg.): Was ist dann Kunst? Die Kunsthochschule Weißensee 1946–1989 in Zeitzeugengesprächen. Lukas Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-936872-29-5.
  • Gerhard Strehl (Hrsg.): Campus Weißensee. Festschrift zur Einweihung der Neubauten der Kunsthochschule Berlin-Weißensee 7. April 2011. Kunsthochschule Berlin-Weißensee, Berlin 2011, ISBN 978-3-9814373-0-0.

Siehe auch

Einzelnachweise

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