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Liste der Kulturdenkmale in Ertingen

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In der Liste der Kulturdenkmale in Ertingen sind die Kulturdenkmale der Gemeinde Ertingen im Landkreis Biberach in Baden-Württemberg aufgelistet.

Legende

Die ab Oktober 2025 erstellten Tabellen basieren auf den vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg im September 2025 veröffentlichten Geodaten. Lizenzhinweis: dl-de/by-2-0 (https://www.govdata.de/dl-de/by-2-0): Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, www.denkmalpflege-bw.de. Die Adressangaben und Bezeichnungen sind in der dargestellten Form nicht Teil der Ausgangsdaten. Die Adressen wurden automatisch aus den Koordinaten berechnet und können von den korrekten Adressen abweichen. Die Bezeichnungen wurden zunächst automatisiert dem Anfang der vom Landesamt für Denkmalpflege bereitgestellten Objektbeschreibungen entnommen.

  • Bild: Zeigt ein ausgewähltes Bild des Objekts, „Weitere Bilder“ verweist auf die zugehörige Kategorie im Medienarchiv Wikimedia Commons. In der Kartenansicht sind Kulturdenkmale ohne Bild an einem blauen Marker erkennbar. Auf das Kamerasymbol klicken, um weitere Fotos für diese Liste hochzuladen: Datei hochladen
  • Bezeichnung: Nennt den Namen, die Bezeichnung oder die Art des Kulturdenkmals.
  • Lage: Straßenname und Hausnummer oder Flurstücknummer des Kulturdenkmals, gegebenenfalls auch Gemarkung oder Ortsteil. Die Grundsortierung der Liste erfolgt nach dieser Adresse. Der Link (Karte) führt zu verschiedenen Kartendiensten mit der Position des Kulturdenkmals. In einem Tool mit Kartenansicht können die Koordinaten durch Verschieben korrigiert werden.
  • Datierung: Baubeginn, Fertigstellung, Datum der Erstnennung oder grobe zeitliche Einordnung entsprechend dem Eintrag in der zugrundeliegenden Denkmaldatenbank des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg.
  • Beschreibung: Kurzcharakteristik des Kulturdenkmals, Nennung der geschützten Bestandteile und Begründung der Denkmaleigenschaft. Die Paragraphen § 2, § 12, § 19 oder § 28 verweisen auf die Art der Einstufung gemäß baden-württembergischem Denkmalschutzgesetz.
  • ID: Identifikator des Objekts in der zugrundeliegenden Datenbank des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg

Abkürzungen

Kulturdenkmale nach Ortsteilen

Binzwangen

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Bild Bezeichnung Lage Datierung Beschreibung ID
Kath. Pfarrkirche St. Lambertus Kirchberg 11
(Karte)
Westturmfassade, rechteckiges Langhaus mit Strebepfeilern und Maßwerkfenstern, polygonaler Chor, innen flach gedecktes Langhaus mit bemalter Holzdecke, Chor kreuzgewölbt, bauzeitliche Ausstattung, anstelle eines Vorgängerbaus nach Entwurf von Gottlieb Pfeilsticker errichtet, 1852 bis 1854 (a); umgeben von einem teilweise ummauerten Friedhof mit Gefallenendenkmal als Reliefwand an der Chorrückseite, Lourdesgrotte und gusseisernem Friedhofskreuz

Die katholische Pfarrkirche setzt mit ihrem spitzen Turmhelm einen markanten Akzent im Ortsbild von Binzwangen. Sie erhebt sich anstelle eines älteren, erstmals 1271 genannten Gotteshauses und zählt mit ihrer neugotischen Architektur zum Werk des für die Entwicklung der historistischen Architektur in Oberschwaben wichtigen Architekten Gottlieb Pfeilsticker (1811 bis 1866). Er errichtete nicht nur zahlreiche Kirchen, sondern auch das Schloss Montfort in Langenargen am Bodensee (Bodenseekreis). St. Lambertus in Binzwangen zählt zu den frühen neugotischen Sakralbauten. Die Strenge der Architektur zeigt sich noch vom romantischen Klassizismus beeinflusst. Mit der Wahl gotischer Formen wählte Pfeilsticker allerdings einen Stil, der damals als weitaus geeigneter für Sakralbauten erschien als der rationale Klassismus des sog. Kameralamtsstils. Der Innenraum zeigt noch die alte Bemalung der Holzdecke, ebenso Teile der originalen bauzeitlichen Ausstattung und ist trotz purifizierender Eingriffe in den 1950er-Jahren ein anschauliches Zeugnis für die Ausgestaltung eines frühen historistischen Kirchenraums. Als Mittelpunkt der erstmals 1271 genannten Pfarrei hat die Kirche neben ihrer architekturgeschichtlichen Bedeutung auch zentralen Zeugniswert für die Siedlungs- und Kirchengeschichte von Binzwangen. Der umgebende Friedhof mit Friedhofskreuz, Lourdesgrotte und dem Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriege vor der Ostwand des Chores veranschaulichen die örtliche Erinnerungskultur und die katholische Frömmigkeit der Region.

96599947BW
Domäne Landauhof Landauhof 1, 2, 3
(Karte)
Ehem. Heiligkreuztaler Grangie (heute Staatsdomäne), heutige Gebäude im Kern 2. Hälfte 17. Jahrhundert, Parallelgehöft, bestehend aus:
  • Einhaus (Landauhof 1), zweigeschossiger Bau mit nach Westen abgewalmtem Satteldach, massives Erdgeschoss, darüber konstruktives Fachwerk, Giebel mit Vorkragungen über Balkenköpfen, im Kern 1681 (d), Verlängerung des Ökonomieteils 1787 (d), weiterer Umbau 1871 (d);
  • Scheune (ohne Nummer, früher Landauhof 1 a), verputzter Massivbau mit Walmdach, zwei rundbogige Toreinfahrten, im Inneren bezeichnet, 1755 (i, d)
  • Waschhaus (Landauhof 2), eingeschossiger, verputzter Massivbau mit Satteldach, 1850
  • Pumphaus zur Wasserversorgung des Hofes, kleiner, verputzter Massivbau mit Satteldach, nördlich des Hauptgebäudes, wohl Ende 1930er
  • Garten und Freiflächen

Die einstige Grangie der Zisterzienserinnen-Reichsabtei Heiligkreuztal, ein charakteristischer zisterziensischer Wirtschaftshof, erhebt sich auf einem Sporn weithin sichtbar in der oberschwäbischen Hügellandschaft. Er ging aus dem Ökonomiehof der abgegangenen Burg Landau hervor, die sich seit 1443 und endgültig seit 1671 im Besitz des reichsfreien Klosters befand und deren Burgstall nordöstlich anschließt. Die eindrucksvolle barockzeitliche Hofanlage mit dem Einhaus (im Kern 1681 dendrodatiert), einem für die Region charakteristischen Typus des Bauernhauses, der großen Massivscheune (1755) und kleineren Nebengebäuden, belegt anschaulich die Klosterwirtschaft in der Frühen Neuzeit und ist wichtiges Zeugnis der Siedlungs-, Herrschafts- wie auch der Heiligkreuztaler Klostergeschichte.

96600033BW
Kath. Pfarrhaus Pfarrweg 8
(Karte)
Ehem. Sommersitz der Äbtissinnen von Heiligkreuztal, zweigeschossiger verputzter Massivbau mit Satteldach, aufgemalte Scheinarchitekturen, über dem Segmentbogenportal Wappenstein mit Inschrift, erbaut unter Äbtissin Maria Josepha de Vivier, 1767 (i), mit Rest des Pfarrgartens

Das große Pfarrhaus ist ein charakteristisches Beispiel für die großen Pfarrsitze der Barockzeit in Oberschwaben, wie sie oftmals von den großen Abteien der Region errichtet wurden, wenn diese die Orts- oder zumindest die Patronatsherrschaft inne hatten. In Binzwangen war dies seit dem Mittelalter der Fall. Hier befanden sich Orts- und Patronatsherrschaft bis 1803/05 in der Hand des reichsfreien Zisterzienserinnenklosters Heiligkreuztal. Das Pfarrhaus diente, wie oftmals in Oberschwaben zu beobachten, auch als geistlicher Sommersitz, hier der Äbtissinnen. Das drückt sich in den entsprechenden Dimensionen, der reichen Gestaltung der Fassaden mit aufgemalter Scheinarchitektur und den großzügig dimensionierten, gediegen ausgestatteten Innenräumen aus. Das Pfarrhaus verdeutlicht damit auch die für Oberschwaben in der Barockepoche so prägende monastische Kultur. Als Verwaltungssitz der 1271 erstmals genannten Pfarrei ist es überdies von orts- und kirchengeschichtlicher Bedeutung.

96600032BW
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Erisdorf

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Bild Bezeichnung Lage Datierung Beschreibung ID
Kath. Pfarrkirche St. Bartholomäus Hauptstraße 15
(Karte)
Massiver verputzter Saalbau mit eingezogenem Polygonalchor, auf Südseite Sakristeianbau, hoher, kräftiger Westturm mit achteckigem Glockengeschoss und Zeltdach, Innenraum mit Flachdecke, erbaut 1410, Langhaus barockisiert 1720, stark umgebaut im 19. und 20. Jahrhundert; ummauerter Friedhof

Die große Pfarrkirche dominiert mit ihrem kräftigen und hohen Turm das Orts- und Fernbild von Erisdorf. Sie ist im Kern ein Bau des Spätmittelalters, der in der Folge mehrfach umgebaut und verändert wurde und beispielhaft für die Entwicklungsgeschichte vieler Dorfkirchen in der Region. Das Gotteshaus ist wichtiges Zeugnis der Siedlungsgeschichte. Ursprünglich nur eine Kapelle und seit 1837 Mittelpunkt einer eigenständigen Pfarrei hat es auch kirchengeschichtliche Bedeutung.

96603923BW
Wohnhaus einer ehem. Hofanlage Pfarrstraße 7
(Karte)
Zweigeschossiges, verputztes Gebäude mit Satteldach, traufseitige Erschließung, um 1700

Das Gebäude veranschaulicht frühneuzeitliche Wohn- und Lebensverhältnisse der Landbevölkerung auf einem oberschwäbischen Bauernhof. Es ist Zeugnis der historischen Siedlungsstruktur und der Ortsbaugeschichte.

96599423BW
Bildstock Riedsteige
(Karte)
Gemauert und verputzt mit Zeltdach und segmentbogiger Figurennische, 18. Jahrhundert

Der große, kapellenartige Bildstock ist ein anschauliches Beispiel für die zahlreichen gemauerten Bildstöcke in der Region. Er ist anschauliches Zeugnis einer gelebten und baulich wie bildlich zum Ausdruck gebrachten Frömmigkeit der Landbevölkerung und ein regionaltypisches Element in der mit solchen kleinen Andachtsstätten besetzten Kulturlandschaft im überwiegend katholisch geprägten Oberschwaben.

96599424BW
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Ertingen

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Bild Bezeichnung Lage Datierung Beschreibung ID
Doppelwohnhaus Bachstraße 19, 21
(Karte)
Zweigeschossiger verputzter Bau mit Satteldach und freiliegendem Fachwerkgiebel, traufseitige Erschließung, 17. Jahrhundert

Das Doppelwohnhaus ist Teil einer Hofanlage und veranschaulicht frühneuzeitliche Wohn- und Lebensverhältnisse der bäuerlichen Bevölkerung Oberschwabens. Solche Doppelwohnhäuser entstanden oftmals als Bauten von Geschwistern oder Schwägern, die sich eine Hofstelle teilten. Das Gebäude dokumentiert die historische Siedlungsstruktur und ist mit seinem für die Region charakteristischen Fachwerk Zeugnis der Ortsbaugeschichte.

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Scheune Bachmühlenweg; Bachstraße 62/1, 64/1
(Karte)
Fachwerkbau mit Zierformen und Satteldach, Stallbereich massiv erneuert, 2. Hälfte 18. Jahrhundert

Die langgestreckte Doppelscheune außerhalb des alten Ortskerns und damit nahe zu den Feldern und Wiesen um Ertingen ist ein anschauliches und mit ihrem für die Entstehungszeit regionaltypischen Zierfachwerk baulich anspruchsvolles Beispiel für die großen Speicherbauten im Oberschwaben der Frühen Neuzeit. Sie veranschaulicht vormoderne Vorratshaltung und ist ein wichtiges Zeugnis der von der Landwirtschaft geprägten historischen Siedlungsstruktur sowie der Ortsbaugeschichte.

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Friedhof Beuteweg 21
(Karte)
Angelegt im 19. Jahrhundert, bestehend aus:
  • Friedhofskapelle St. Georg, massiver verputzter Saalbau mit Satteldach und Giebelreiter, eingezogener Polygonalchor, 1892/93 (a);
  • Friedhofsareal mit Resten der ursprünglichen Einfriedungsmauer;
  • Kreuzwegstationen;
  • sog. Leutrum-Kreuz, Friedhofskreuz, nach Entwurf von Joseph Cades ausgeführt durch Steinhauermeister Heinemann, Herbertingen, und Bildhauer Hermann Karl Friedrich Binder, Ertingen, 1892 (a);
  • Tafeln des Denkmals für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges, 1876 (a);
  • Gefallendenkmal der beiden Weltkriege mit Skulptur der Bildhauerin Maria-Elisabeth Stapp aus Ravensburg, 1950 bis 1960

Der annähernd quadratische Gottesacker liegt am Ostrand des einstigen historischen Ortskerns. Er ersetzte im 19. Jahrhundert aus Hygiene- und Platzgründen den älteren Friedhof um die Pfarrkirche. Die Anlage ist axial auf die Friedhofskapelle St. Georg bezogen, eine für die Epoche charakteristische Friedhofsanlage. Zeittypisch sind auch die neugotischen Stilformen des Gotteshauses wie des Friedhofskreuzes. Dieses wurde von dem aus der Region gebürtigen Stuttgarter Architekten Joseph Cades (1855 bis 1943) entworfen und ist eine Stiftung des mit der Gemeinde verbundenen Grafen Gerhard Leutrum von Ertingen. Mit seinen verschiedenen Denkmälern dokumentiert der Friedhof überdies die örtliche Erinnerungs- und Bestattungskultur sowie eine gelebte und bildlich zum Ausdruck gebrachte Frömmigkeit. Nicht zuletzt hat der Begräbnisplatz als Neuanlage am Ortsrand siedlungsgeschichtliche Bedeutung.

96607029BW
Wohnhaus Dürmentinger Straße 4
(Karte)
Zweigeschossiger Bau über Massivsockel mit Krüppelwalmdach, Erdgeschoss massiv und verputzt, darüber Fachwerk, Vorkragungen über Knaggen, 1648 (i) (erneuert 1978)

Das stattliche freistehende Gebäude zählt zu den ältesten überlieferten Wohnbauten am Ort und dokumentiert den Hausbau in der Zeit zu Ende bzw. unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg, der auch die Dörfer Oberschwabens verheert hatte. Das Haus dokumentiert vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse auf dem Land und ist Zeugnis der historischen Siedlungsstruktur sowie der frühneuzeitlichen Ortsbaugeschichte.

96607030BW
Kath. Pfarrhaus Dürmentinger Straße 15
(Karte)
Zweigeschossiges Gebäude auf teilweise hohem Sockel (Hanglage) mit Satteldach, Erdgeschoss massiv und verputzt, Obergeschoss und Giebel Fachwerk, weitgehend freiliegend, im Inneren Holzfelderdecke und mehrere Stuckdecken, erbaut durch das Reichsstift Buchau, 1688 bis 1695, Umbau 1720

Das stattliche Gebäude ist ein anschauliches Beispiel für einen großen katholischen Pfarrhausbau in Oberschwaben aus den Jahrzehnten nach dem Dreißigjährigen Krieg. Es zeigt für die Region und Entstehungszeit charakteristische Fachwerkfiguren. Das Pfarrhaus wurde durch das reichsfreie adelige Damenstift Buchau errichtet, übte dieses doch schon seit dem Mittelalter die Patronatsherrschaft über die Kirche und Pfarrei aus. Die großen Klöster Oberschwabens sorgten insbesondere in der Barockzeit für den Bau großer Pfarrhäuser, welche ihren Status und die lokalen Herrschaftsverhältnisse zum Ausdruck brachten. Von den gediegenen Wohnverhältnissen des Pfarrers im späten 17. und im 18. Jahrhundert zeugen die überlieferten Ausstattungen, u. a. mit Stuckdecken. Als Verwaltungssitz der 1169 erstmals genannten Pfarrei hat das Gebäude überdies orts- und kirchengeschichtliche Bedeutung.

96600488BW
Kath. Pfarrkirche St. Georg [§ 28] Dürmentinger Straße 17
(Karte)
Massiver verputzter Saalbau mit Querhaus und Polygonalchor, Seitenturm mit Giebeln und spitzem Polygonalhelm, Gliederungen durch Rundbogenfriese und Blendbögen, im Inneren flach gedeckter Raum, historische Ausstattungsstücke, 16.-18. Jahrhundert, u. a. Gemälde der Geburt Mariens von Nicolò Bambini (1651–1736) aus der Mergentheimer Deutschordenskirche, erbaut unter Verwendung älterer Bauteile wie spätromanischem Turmsockel oder Chor von 1771 nach Entwurf von Josef Cades, Stuttgart, 1899 (a); Friedhof [§ 2] mit Zugängen und verputzter Umfassungsmauer, dort eingelassen Rundbogennische mit Marienbild; Lourdesgrotte; gusseisernes Kreuz

Die katholische St. Georgskirche bestimmt mit ihrem spitzen Turmhelm maßgeblich Ortsbild und Fernansicht von Ertingen. Sie ist ein weitgehender Neubau des späten 19. Jahrhunderts nach dem Entwurf des renommierten, aus der Region gebürtigen Kirchenarchitekten Joseph Cades (1855 bis 1943). Er zählt zu den wichtigen Vertretern des späten historistischen Kirchenbaus in der Diözese Rottenburg. Charakteristisch für seine Sakralbauten sind die zurückhaltenden neuromanischen Formen. In Ertingen bezog er Teile des Vorgängerbaus aus Mittelalter und Barock mit ein und wahrte so die bauliche Kontinuität in Bezug zur historischen Bedeutung der 1169 erstmals genannten Pfarrei und Kirche. Das 1969 purifizierte Innere bewahrt eine Reihe bemerkenswerter Bildwerke aus Spätgotik und Barock, teilweise von bedeutenden einheimischen Meistern, aber auch ein Altargemälde aus der Bad Mergentheimer Schlosskirche. Die Kirche ist wichtiges Zeugnis des katholischen Sakralbaus der Jahre um 1900 und dokumentiert mit dem umliegenden, mauerumfriedeten Kirchhof nicht zuletzt die Kirchen- und Siedlungsgeschichte Ertingens seit dem Mittelalter.

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Kaplaneihaus (heute Wohnhaus mit Michel-Buck-Gedenkstätte) Dürmentinger Straße 33
(Karte)
Zweigeschossiges Gebäude mit Satteldach, Erdgeschoss massiv, Obergeschoss und Giebel Fachwerk, weitgehend freiliegend, 1. Hälfte 18. Jahrhundert

An den großen Pfarrkirchen auf dem Land waren neben dem Pfarrer oftmals noch weitere Priester angestellt, die u. a. für bestimmte Altarstiftungen in den Kirchen zuständig waren und aus dem Stiftungskapital mit Pfründen bezahlt wurden. Das Gebäude in Ertingen war eine solche Kaplanei. Sie veranschaulicht die Wohn- und Lebensverhältnisse eines dem Pfarrer untergeordneten Landgeistlichen in der Frühen Neuzeit und hat kirchengeschichtliche Bedeutung. Ortsgeschichtliche Bedeutung erhält das Haus als Geburtsort des Mediziners, Kulturhistorikers und oberschwäbischen Mundartdichters Michel Buck (1832 bis 1888), an den heute eine Gedenkstätte im Haus erinnert.

96600489BW
Freihof Freihof 1
(Karte)
Meierhof des Reichsstiftes Buchau, zweigeschossiger verputzter Massivbau auf teilweise hohem Sockel (Hanglage) mit Satteldach, Giebel mit profiliertem Ortgangs- und Stockwerksgesimsen sowie Okuli, an der Westseite mehrfach abgetreppte Strebepfeiler, erstmals genannt 1367 (a), heutiger Bau 18. Jahrhundert

Bei dem stattlichen Gebäude handelt es sich um den Meierhof des reichsfreien adeligen Damenstiftes Buchau, der 1367 erstmals genannt wird und später vom Stift an die Leutrum von Ertingen zu Lehen ging. Größe, Kubatur und Gestaltung heben den Massivbau in Nachbarschaft zur Pfarrkirche deutlich von der übrigen Wohnbebauung am Ort ab. Er ist wichtiges Zeugnis der örtlichen Siedlungs- und Herrschaftsgeschichte seit dem Spätmittelalter.

96600490BW
Wohnhaus Freihof 4
(Karte)
Zweigeschossiger Bau mit Satteldach, massives verputztes Erdgeschoss, Obergeschoss und Giebel in weitgehend konstruktivem Fachwerk, mit Eselsrücken beschnitzte Schwellen, Rückfassade massiv erneuert, traufseitige Erschließung, verblatteter Dachstuhl, im Kern 16. Jahrhundert, weitgehender Gefügeneubau, wohl 18. Jahrhundert

Das freistehende Gebäude veranschaulicht vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse der Landbevölkerung Oberschwabens. Sein verblatteter Dachstuhl gehört noch ins 16. Jahrhundert und ist damit charakteristisch für die lange Tradition dieser Konstruktionsweise in Oberschwaben, die sich bei Dachwerken bis ins 17. Jahrhundert nachweisen lässt. Ins 16. Jahrhundert dürften auch die beschnitzten Schwellhölzer des Obergeschosses gehören, während das gesamte Fachwerkgefüge offenbar im 18. Jahrhundert ersetzt wurde - ein immer wieder zu beobachtender Vorgang, hinter dem der Wunsch nach besser belichteten Räumen mit größeren Fenstern stand. Das Gebäude ist damit wichtiges Zeugnis der örtlichen Bau- und Hausgeschichte sowie der historischen Siedlungsstruktur von Ertingen.

96600492BW
Kath. Kapelle St. Maria Kapellenstraße 33
(Karte)
Massiver verputzter Saalbau mit zentralem Querhaus und ostwärts abgewalmtem Satteldach, eingezogener Polygonalchor, nordöstlich polygonaler Sakristeianbau, in die Westfassade integrierter schlanker, nur wenig vortretender Turm mit Zwiebelhaube, repräsentatives Westportal mit Säulenrahmung und Volutengiebel, darin Nische mit Marienfigur, auf den Voluten Putten, Innenraum mit abgerundeten Ecken, oval ausschwingenden kurzen Kreuzarmen, säulengetragener Westempore und elliptischem Spiegelgewölbe über freistehenden Säulen, flach überkuppelter Chor mit ovaler Apsis, reicher Stuckdekor von Joseph Anton Feuchtmayer, Fresken von Joseph Ignaz Wegscheider, Riedlingen, reiche bauzeitliche Ausstattung, u. a. Altäre von Feuchtmayer und Wegscheider, Kruzifix wohl von Johann Joseph Christian, anstelle eines Vorgängers erbaut nach Entwurf von Johann Schneider, 1754/55 (a)

Die katholische Marienkapelle erhebt sich am südöstlichen Rand des alten Ortskerns. Sie zeigt sich schon im Äußeren mit ihrer Kreuzform und dem reich gestalteten Eingangsportal als vergleichsweise anspruchsvoller Barockbau. Das Gotteshaus ersetzte eine 1513 fertiggestellten Vorgänger und entstand unter der Herrschaft des reichsfreien Zisterzienserinnenklosters Heiligkreuztal. Das Gotteshaus ist damit charakteristisch für die von den großen Abteien Oberschwabens in ihren Besitzungen zur Barockzeit errichteten, oftmals sehr aufwendig ausgestalteten Sakralbauten. Gerade solche großen Marienkapellen wurden dabei als lokale Wallfahrtszentren konzipiert. Dementsprechend prachtvoll fiel auch die Gestaltung des Innenraums aus, zu der führende Künstler und Kunsthandwerker der Region herangezogen wurden. Auch die bewegt-beschwingte Innenraumarchitektur, die ein zeittypisches Theatrum sacrum schuf und beispielhaft die Prinzipien barocker Architektur vorführt, zählt zu den herausragenden Leistungen der Sakralbaukunst des 18. Jahrhunderts in der Region. In diese fügen sich der Stuck und die Fresken ein, so dass ein Gesamtkunstwerk entsteht, ein festlich klingender Raum, der die Gläubigen beeindrucken sollte. Hauptthema der Fresken ist Maria, die Muttergottes, als himmlische Fürsprecherin, der im Schiff die Erdteile huldigen. Die Marienkapelle ist damit ein charakteristisches Zeugnis spätbarocker Kunstentfaltung im Zeichen eines offensiv um die Gläubigen werbenden Katholizismus und der damaligen von den Orden geförderten Marienfrömmigkeit. Sie ist zugleich ein Repräsentationsbau der geistlichen Klosterherrschaft und dokumentiert damit nicht nur die Orts- und lokale Kirchengeschichte, sondern allgemeine Charakteristika der Barockepoche in Oberschwaben.

1212833BW
Sühnekreuz Kapellenstraße 35
(Karte)
In die Ostgiebelwand des Gebäudes eingemauert, heute weitgehend im Boden, wohl 16. Jahrhundert

Das Sühnekreuz ist ein charakteristisches Zeugnis spätmittelalterlicher Rechtskultur. Im Falle eines Totschlags musste zur Sühne ein Kreuzstein als Mahnmal gestiftet werden. Da der Erschlagene ohne Empfang der heiligen Sterbesakramente aus dem Leben geschieden war, stellte man den Kreuzstein als Symbol für Tod und Auferstehung am Ort des Geschehens auf. Im 15. und 16. Jahrhundert erreichte diese Art der Totschlagsühne eine außerordentliche Entfaltung, wodurch der Großteil der erhaltenen Kreuze aus dieser Zeit stammt.

96600607BW
Seldnerhaus Klosengasse 1
(Karte)
Eingeschossiges Fachwerkgebäude mit Satteldach über hohem Sockel, verputzt, im Kern wohl 15. Jahrhundert, im rückwärtigen Teil Außenwände erneuert, Dachkammer mit Deckengemälde, um 1900

Das Gebäude veranschaulicht mit seinen bescheidenen Dimensionen die Wohnungen der Seldner, der bäuerlichen Unterschicht, die über so gut wie kein eigenes Land verfügten und sich als Taglöhner (Seldner) verdingen mussten. Im Kern datiert das Haus wohl noch ins 15. Jahrhundert und zählt damit zu den ältesten Wohnbauten Ertingens. Ländliche Häuser dieser Zeitstellung, vor allem der sozial unteren Schichten, sind in der Region selten überliefert. Eine Überraschung bietet eine Dachkammer, die von veränderten sozialen Verhältnissen der Eigentümer in der Zeit um 1900 zeigt: Dort findet sich ein Deckenbild in zeittypischer Dekorationsmalerei in Neubarock mit figürlichen Darstellungen, eine absolute Rarität in einem so einfachen dörflichen Wohnhaus, würde man diese doch eher im städtischen Bereich oder auf einem großen und begüterten Hof erwarten.

96600608BW
Zehntscheune Freihof
(Karte)
Später Farrenstall, eingeschossiger Massivbau mit Satteldach auf teilweise hohem Sockel (Hanglage), großes Rundbogentor im östlichen Vorbau, 18. Jahrhundert

Das stattliche Gebäude wurde durch das reichsfreie adelige Damenstift Buchau als Zehntscheune errichtet, um hier die dem Kloster zustehenden Zehntabgaben der Ertinger zu sammeln und zu lagern. Der Zehnt war Teil der Besitzrechte an der Pfarrkirche, über welche das Stift seit dem Hochmittelalter bis zu seiner Auflösung verfügte. Im 19. Jahrhundert wurde hier der Farrenstall der Gemeinde eingerichtet, um die Zuchtbullen der Kommune einzustellen. Solche Farrenställe waren seit der Regierungszeit König Wilhelms I. verpflichtend für die württembergischen Landgemeinden. Das Gebäude spiegelt damit zwei Perioden der Ertinger Geschichte wider und ist wichtiges Zeugnis der Orts-, Herrschafts- und Landwirtschaftsgeschichte.

96600491BW
Wohnhaus Ludwig-Grill-Straße 31
(Karte)
Zweigeschossiger Massivbau mit Mittelrisalit und Krüppelwalmdach, Erdgeschoss Quadermauerwerk, Obergeschoss und Giebel Backstein, 1903; Garten

Das freistehende villenartige Gebäude belegt den Einfluss städtischer Architektur um 1900 auf das Bauen auf dem Lande und zugleich die bauliche Entwicklung der Landgemeinde infolge des Eisenbahnanschlusses von 1869. Zeittypisch ist die Kontrastierung von Backstein und Werkstein. Das Wohnhaus dokumentiert Wohn- und Lebensverhältnisse in der Kaiserzeit und hat ortsbaugeschichtliche Bedeutung.

96600610BW
Wohnhaus mit Ladeneinbau Michel-Buck-Straße 1
(Karte)
Zweigeschossiges Gebäude mit Satteldach, Erdgeschoss verputzt, im Obergeschoss teilweise Fachwerk freiliegend, Zierfachwerkgiebel mit Inschrift und Datierung, 1678 (i)

Das Gebäude ist mit seinen für die Region und Zeitstellung charakteristischen Zierfachwerkformen ein qualitätvoll gestaltetes Beispiel für einen Wohnbau der Jahrzehnte nach dem Krieg. Die Geschossvorkragungen werden noch von flachen Knaggen getragen. Das inschriftlich datierte Wohnhaus veranschaulicht vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse der Landbevölkerung Oberschwabens. Es ist Zeugnis der historischen Siedlungsstruktur und hat Bedeutung für die frühneuzeitliche Ortsbaugeschichte.

96606553BW
Wohnhaus mit Ladeneinbau Michel-Buck-Straße 14
(Karte)
Zweigeschossiges Gebäude mit Satteldach, im rückwärtigen Teil weitgehend verputzt, an der Straße freiliegendes Zierfachwerk, 2. Hälfte 18. Jahrhundert

Das Gebäude zeigt ein für die Region im 18. Jahrhundert charakteristisches Zierfachwerk, wobei sich im Sinne des Barocks eine zeittypische Symmetrisierung der Fassade ablesen lässt: die Fensteranordnung folgt nicht mehr allein der Innenstruktur aus Stube und Kammern, sondern barocken Gestaltungsprinzipien des Regelmaßes und der zugehörigen Wiederholung bestimmter Zierformen, hier der Rautenmuster in den Brüstungsfeldern. Das Gebäude veranschaulicht frühneuzeitliche Wohn- und Lebensverhältnisse in einer oberschwäbischen Landgemeinde. Es ist Zeugnis der historischen Siedlungsstruktur und dokumentiert die örtliche Baugeschichte.

96606554BW
Wohnhaus mit Gaststätte Michel-Buck-Straße 30
(Karte)
Zweigeschossiger, traufständiger Bau mit Satteldach, Erdgeschoss massiv, Obergeschoss und Giebel Fachwerk, an der Nord- und Ostfassade mit seinen Schmuckformen freiliegend, traufseitige Erschließung, 2. Hälfte 18. Jahrhundert

Das Gasthaus zeigt ein für die Region und Entstehungszeit charakteristisches Zierfachwerk. Es veranschaulicht vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse in einer oberschwäbischen Landgemeinde. Das Haus dokumentiert die historische Siedlungsstruktur und ist Zeugnis der frühneuzeitlichen Ortsbaugeschichte.

96606555BW
Wohnhaus Paiters Gässle 7
(Karte)
Zweigeschossiges, verputztes Gebäude mit Satteldach, Giebelgeschosse vorkragend, traufseitige Erschließung, im Kern um 1600

Das stattliche freistehende Gebäude veranschaulicht vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse in einer oberschwäbischen Landgemeinde. Es gehört zur älteren Bausubstanz Ertingens und dokumentiert die historische Siedlungsstruktur. Nicht zuletzt ist es Zeugnis der frühneuzeitlichen Ortsbaugeschichte.

96599944BW
Wohnhaus mit Gaststätte Ratskeller Riedlinger Straße 1, 3
(Karte)
Zweigeschossiges, verputztes Gebäude mit Satteldach, freiliegender Fachwerkgiebel mit Vorkragungen über Knaggen, traufseitige Erschließung, Gewölbekeller, verblattetes Dachwerk, im Kern wohl um 1500

Das Gebäude, das einen verblatteten Dachstuhl und Giebelvorkragungen über langen Knaggen aufweist, zählt zum ältesten, noch spätmittelalterlichen Hausbestand Ertingens. Es veranschaulicht vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse in einer oberschwäbischen Landgemeinde. Das Gebäude dokumentiert die historische Siedlungsstruktur und ist Zeugnis der älteren Ortsbaugeschichte.

96606556BW
Riedmühle Riedmühle 1
(Karte)
Zweigeschossiges Gebäude mit Satteldach, Erdgeschoss massiv, Obergeschoss und Giebel Fachwerk, um 1800, anschließender Mühlenteil aufgestockt und vergrößert, 1920, Mansarddach, 2. Obergeschoss und Giebel Fachwerk, erste Erwähnung der Mühle 1437 (a); zugehöriger Wasserbau

Die Riedmühle wurde erstmals 1437 erwähnt und dokumentiert eindrucksvoll die jahrhundertealte Gewerbetradition der Müllerei. Sie befand sich seit dem Mittelalter bis zur Säkularisation in Besitz der reichsfreien Zisterzienserinnenabtei Heiligkreuztal und unterlag dem sogenannten Mühlenzwang, sodass die Bauern aus der Umgebung ihr Getreide hier mahlen lassen mussten. Damit ist sie ein Beleg der lokalen Herrschaftsgeschichte. Durch ihre Größe und Solitärlage prägt die stattliche Baugruppe noch heute das durch den Bachlauf bestimmte Landschaftsbild.

96599946BW
St. Wunibald Salem-Scheuer-Straße
(Karte)
Farbig gefasste Holzskulptur, auf Konsole an Scheunenwand angebracht (früher am Wohnhaus), 18. Jahrhundert

Hausfiguren wie diese sind ein charakteristisches Ausstattungselement bäuerlicher Anwesen in der Region. Sie dienen als Schutzpatrone und sind anschauliche Zeugnisse einer gelebten und bildlich zum Ausdruck gebrachten Frömmigkeit in der überwiegend katholischen geprägten Kulturlandschaft Oberschwabens. Nicht zuletzt dokumentiert die Skulptur die lokale Bildschnitzerkunst der Barockzeit.

96599945BW
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Einzelnachweise

Kulturdenkmale der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg. Geoportal Baden-Württemberg, abgerufen am 10. September 2025.

Commons: Kulturdenkmale in Ertingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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