Liste der Kulturdenkmale in Laupheim

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In der Liste der Kulturdenkmale in Laupheim sind die Kulturdenkmale der Stadt Laupheim im Landkreis Biberach in Baden-Württemberg aufgelistet.

Legende

Die ab Oktober 2025 erstellten Tabellen basieren auf den vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg im September 2025 veröffentlichten Geodaten. Lizenzhinweis: dl-de/by-2-0 (https://www.govdata.de/dl-de/by-2-0): Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, www.denkmalpflege-bw.de. Die Adressangaben und Bezeichnungen sind in der dargestellten Form nicht Teil der Ausgangsdaten. Die Adressen wurden automatisch aus den Koordinaten berechnet und können von den korrekten Adressen abweichen. Die Bezeichnungen wurden zunächst automatisiert dem Anfang der vom Landesamt für Denkmalpflege bereitgestellten Objektbeschreibungen entnommen.

  • Bild: Zeigt ein ausgewähltes Bild des Objekts, „Weitere Bilder“ verweist auf die zugehörige Kategorie im Medienarchiv Wikimedia Commons. In der Kartenansicht sind Kulturdenkmale ohne Bild an einem blauen Marker erkennbar. Auf das Kamerasymbol klicken, um weitere Fotos für diese Liste hochzuladen: Datei hochladen
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  • Datierung: Baubeginn, Fertigstellung, Datum der Erstnennung oder grobe zeitliche Einordnung entsprechend dem Eintrag in der zugrundeliegenden Denkmaldatenbank des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg.
  • Beschreibung: Kurzcharakteristik des Kulturdenkmals, Nennung der geschützten Bestandteile und Begründung der Denkmaleigenschaft. Die Paragraphen § 2, § 12, § 19 oder § 28 verweisen auf die Art der Einstufung gemäß baden-württembergischem Denkmalschutzgesetz.
  • ID: Identifikator des Objekts in der zugrundeliegenden Datenbank des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg

Abkürzungen

Kulturdenkmale nach Ortsteilen

Baustetten

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Bild Bezeichnung Lage Datierung Beschreibung ID
Kloster Gerberstraße 22
(Karte)
Pfleghof des Franziskanerinnenklosters Heggbach, seit dem 18. Jahrhundert Gasthaus Zum Rössle, zweigeschossiger, verputzter Massivbau mit Satteldach, Hausflur mit Sandsteinplatten belegt, Gaststube mit beschnitzter Bretter-Balkendecke, liegender verblatteter Dachstuhl, im Kern um 1500, Umbau und Verlängerung nach Westen, Ende 18. Jahrhundert; quer dazu eingeschossiger Saaltrakt, verputzter Massivbau mit Satteldach, 1930er-Jahre

Das stattliche, im Volksmund als „Kloster“ bezeichnete Anwesen ist eng mit der Geschichte des Zisterzienserinnenklosters Heggbach verknüpft. Dieses hat das Gebäude vermutlich um 1500 als Pfleghof zur Verwaltung seines Baustettener Güterbesitzes errichten lassen. Bis heute weist das Gebäude spätmittelalterliche Substanz auf, so den liegenden verblatteten Dachstuhl. Das Haus ist damit der wohl älteste überlieferte Profanbau im Ort. Spätestens seit dem 18. Jahrhundert wurde er vom Kloster als Tafernwirtschaft zu Lehen vergeben. Bis heute hat sich das alte oberschwäbische Gasthaus anschaulich erhalten: Der geräumige Hausflur ist mit mächtigen alten Sandsteinplatten belegt; östlich davon befindet sich die Gaststube, deren aufwendigster Schmuck eine (nachträglich beschnitzte) Bretter-Balkendecke ist. Weiterhin liegen im Erdgeschoss das Nebenzimmer und die Küche. Westlich des Flures waren stetes die Nebenräume angeordnet, einst wohl auch Gastställe. Im Obergeschoss sind die Wohnung des Wirtes, einzelne Gastzimmer und der frühere Saal (heute zu Wohnzwecken unterteilt) vorzufinden. Ein großzügiger Abgang führt vom Hausflur aus in die Gewölbekeller. Zugehörig ist der für Landgasthöfe seit dem 19. Jahrhundert obligatorische Saalanbau für Feste und Veranstaltungen. Er datiert in die 1930er-Jahre. Als historisches Gasthaus hat das Anwesen wichtige Bedeutung für die Orts- und Kulturgeschichte Baustettens.

1211709 BW
Hofanlage Harthöfe 1
(Karte)
Bestehend aus:
  • Wohnhaus, verputzter Massivbau mit Satteldach, horizontal gegliedert durch Lisenen, barockes Gesimsband an Traufe und Giebel, bauzeitliche Ausstattungselemente, um 1800;
  • Ausgeding, zweigeschossig mit Satteldach, massives Erdgeschoss, Obergeschoss und Giebel Fachwerk, 2. Hälfte 18. Jahrhundert;
  • Ökonomiegebäude, eingeschossiger Fachwerkbau mit Satteldach, um 1880;
  • Scheune, um 1870;
  • Göpel, eingeschossiger Fachwerkbau mit Backsteinausfachung auf achteckigem Grundriss, Zeltdach, wohl 1874

Bei den Harthöfen handelt es sich um ursprünglich zwei als Lehen vergebene Gehöfte, die bereits 1403 erstmals erwähnt werden. Damals gingen sie vom Besitz der Ulmer Patrizierfamilie Besser in den der Familie Neithart von Baustetten über, von 1621 bis zur Auflösung des Lehenwesens im frühen 19. Jahrhundert gehörten sie den Schad von Mittelbiberach. Mindestens seit 1580 wurde das heutige Anwesen Harthöfe 1 auf Sohn oder Tochter weitergegeben, zunächst noch als Lehen, seit dem frühen 19. Jahrhundert als Eigentum. Obwohl die Gebäude aus verschiedenen Zeiten stammen, ist hier ein landwirtschaftlicher Betrieb, wie er noch vor etwa 100 Jahren in Oberschwaben weit verbreitet war, anschaulich überliefert. Die große Hofanlage bildet mit ihrem aus der Zeit um 1800 stammenden, stattlichen und repräsentativen Wohnhaus, dem Ausgeding/Altenteil (hier regional Pfründhaus genannt) aus dem 18. Jahrhundert, den Ökoniomiebauten und vor allem mit ihrem gut erhaltenen Göpel die Wohn- und Lebensverhältnisse sowie die Arbeitswelt auf dem Land beispielhaft ab und ist von siedlungs- und regionalgeschichtlicher Bedeutung.

100326460 BW
Lourdeskapelle Hauptstraße 51
(Karte)
Massiver Rechteckbau mit rundem Chorabschluss, Glockengiebel, gegliedert durch Strebepfeiler, Fialen und Spitzbogenfenster, im Inneren szenische Darstellung der Marienerscheinung, Architekt A. Wilhelm, 1888 (a)

Die Kapelle ist mit ihren neugotischen Formen ein charakteristisches Zeugnis für den katholischen Sakralbau im späteren 19. Jahrhundert. Die Decke des Innenraums ist geschmückt durch einfache Stuckkehlen, in deren Mitte das Marienmonogramm eingelassen ist. Auch die übrige Ausstattung hat sich nahezu vollständig erhalten. Beherrscht wird das Innere jedoch von der im Chor angebrachten szenischen Darstellung der Marienerscheinung, wie sie sich am 11. Februar 1858 in Lourdes ereignet haben soll: In einer Grotte steht die Muttergottes, davor kniet die betende Bernadette Soubirous. Beide Figuren sind aus bemaltem Gips hergestellt. Die Reaktion der gläubigen Katholiken auch in Deutschland auf diese Marienerscheinung und nachfolgende wunderbare Gebetserhörungen drückt sich in zahllosen Pilgerfahrten bis heute aus. Viele Nachbildungen solcher Lourdesgrotten oder -kapellen entstanden unmittelbar nach der Erscheinung vor allem im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Sie sind spezifischer Ausdruck einer gelebten und bildlich umgesetzten katholischen Frömmigkeit, insbesondere auf dem Land.

100276979 BW
Kath. Pfarrkirche St. Ulrich Sankt Ulrichsberg 21
(Karte)
Massiver verputzter Saalbau mit spitzbogigen Fenstern, Strebepfeilern und Satteldach, eingezogener Polygonalchor mit zweigeschossige, ebenfalls fünfseitig schließendem Sakristeianbau, auf Nordseite quadratischer Turm mit Satteldach und Giebelfialen, Langhaus mit Flachdecke, Chor mit Netzrippengewölbe, Altarkreuz von Johann Baptist Hops, Chor und Turmunterbau 2. Hälfte 15. Jahrhundert, Langhauserweiterung durch Julius Werkmann, 1881/82 (a), Sakristeineubau nach 1916; Friedhof mit verputzter Ummauerung, angelegt um 1500, erneuert wohl 1881/82, schmiedeeiserne Grabkreuze, Siegesmal mit Inschrift, Gefallenendenkmal mit der Darstellung des hl. Georgs nach 1918; Siegesmal, nach 1871; Gefallenendenkmal, nach 1945

Auf einer Anhöhe im Osten des Dorfes erhebt sich weithin sichtbar an der Stelle einer abgegangenen mittelalterlichen Burg die wohl ab 1445 erbaute und 1499 geweihte Pfarrkirche St. Ulrich. Chor und Turm stammen noch (wenn auch verändert) aus dieser Zeit; das Langhaus wurde 1881/82 durch Julius Werkmann erweitert und erhöht. Innen erstrahlt der Chor mit seinem spätgotischen Sterngewölbe, die übrige Ausstattung mit neugotischen Altären, Statuen, Gestühl, Orgelempore, Wandmalereien u. a. stammt weitgehend aus dem späten 19. Jahrhundert. Als bemerkenswerte Ausstattungsstücke sind vor allem ein Vesperbild aus dem 16. Jahrhundert zu nennen, außerdem ein großes Kruzifix im Chorbogen, das noch dem 17. Jahrhundert angehört sowie ein Vortragskreuz von dem oberschwäbischen Bildhauer Johann Baptist Hops (um 1700). Die Ausstattung dokumentiert die jeweiligen bildlichen Glaubenäußerungen im Lauf der Jahrhunderte und zeugen so von christlicher Frömmigkeit. Seit der Zeit um 1500 besteht der zugehörige, ummauerte Friedhof, der später nach Osten erweitert wurde. In charakteristischer Weise finden sich hier auch die Denkmale für Kriegsteilnehmer am siegreichen Feldzug gegen Frankreich 1870/71 und die Gefallene des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Sie sind Ausdruck der örtlichen Erinnerungskultur. Kirche und Friedhof sind zentrale Zeugnisse der Baustettener Siedlungs- und Baugeschichte seit dem Spätmittelalter und haben überdies kirchengeschichtliche Bedeutung.

1210833 BW
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Bihlafingen

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Bild Bezeichnung Lage Datierung Beschreibung ID
Kath. Pfarrhaus- und hof Kirchstraße 10, 12, 16; Sankt-Theodul-Weg
(Karte)
Zweigeschossiger verputzter Massivbau mit Walmdach, axiale Fensterreihung, Eingang mittig, 1758;
  • Pfarrscheune (Kirchstraße 10, 12, heute Vereins- und Veranstaltungsgebäude), zweigeschossiges, teilverputztes Gebäude, Erdgeschoss massiv, Obergeschoss und Giebel Fachwerk, Westseite mit reicher Architekturmalerei, nach 1753;
  • Pfarrgarten und Obstbaumwiese

Schon Anfang des 16. Jahrhunderts war Bihlafingen für eine kurze Zeit selbständige Pfarrei. Doch erst das Einsetzen der Wallfahrt zum „Herrgöttle von Bihlafingen“ ab 1749 machte die ständige Anwesenheit eines Geistlichen am Ort tatsächlich notwendig, so dass 1753 die Pfarrei erneuert wurde. Der Patronatsherr, Kloster Wiblingen, errichtete eine stattliche und herrschaftliche Behausung für den neuen Dorfpfarrer. Sie war im Gegensatz zu den umliegenden Bauernhöfen nicht nur als einziges Wohnhaus massiv gebaut, sondern verfügte auch über ein repräsentatives Walmdach. Pfarrhaus und Pfarrscheune gehörten funktional stets zusammen. Sie dienten als Wohn- und Amtssitz des von der Klosterherrschaft Wiblingen eingesetzten Seelsorgers und zu dessen Versorgung sowie zur Lagerung des Zehnten. Die Pfarrscheune ließ der Patronatsherr ebenfalls nach 1753 erbauen, wohl unter Einbeziehung eines älteren Gebäudes, wie die Reste verblatteter Konstruktionsmerkmale im Inneren vermuten lassen. 1803 wurde sie den Katasteraufzeichnungen zufolge um eine Zehntscheuer erweitert. Hinzu kommt noch ein kleiner Bauerngarten vor dem Pfarrhaus, in dem Gemüse gezogen wurde, sowie die sich hinter der Scheuer anschließende Obstbaumwiese. Der Pfarrhof veranschaulicht somit die Wohn- und Lebensverhältnisse eines Landgeistlichen im Oberschwaben der Barockzeit und ist von orts- und kirchengeschichtlicher Bedeutung.

100346444 BW
Kath. Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Theodul Kirchstraße 22
(Karte)
Massiver verputzter Saalbau mit Satteldach und lang gestrecktem Chor, nördlich Chorflankenturm, Kirchturm auf quadratischem Grundriss, segmentbogige Fenster, im Inneren flach gedeckter, vollständig ausgemalter Raum, Scheinarchitekturen und Deckenbilder von Martin Dreyer, über Chorbogen Wappen der Benediktinerabtei Wiblingen, im Chor Deckenstuck, 1935, spätbarocke Ausstattung, u. a. Hochaltar mit Gnadenbild des „Lieben Herrgöttle von Bihlafingen“, Chor im Kern 2. Hälfte 15. Jahrhundert, Langhaus nach Westen angebaut, 1784 bis 1789 (a, i), Kirchturmerhöhung 1891 (a); Friedhof mit Grabdenkmalen, neugotische Stehle, schmiedeeisernes Kreuz, 1784 (i)

Das Bihlafinger Gotteshaus, malerisch auf einer Anhöhe am nördlichen Ortsrand gelegen, ist auffällig in drei Baukörper gegliedert: das hohe Kirchenschiff, den östlich anschließenden, langgestreckten Chor und den Kirchturm im Norden. Eine erste Kapelle in Bihlafingen wurde kurz vor 1479 erbaut und 1498 erstmals urkundlich erwähnt. Dieser spätgotische Bau ist noch in der heutigen Pfarrkirche enthalten. Das frühere Langhaus ist identisch mit dem heutigen Chor, die dahinter liegende Sakristei diente einst als Altarraum und die ursprüngliche Sakristei befand sich im Erdgeschoss des Turms. 1749 unternahm der Bihlafinger Schneidermeister Matthias Eberle eine Wallfahrt zur Wieskirche bei Steingaden. Als seine Gebete erhört wurden und seine Frau von schwerer Krankheit genas, ließ er aus Dankbarkeit zunächst einen Bildstock, später eine kleine Kapelle errichten, in die er eine Miniaturkopie des Gnadenbildes aus der Wies, eine Darstellung des gegeißelten Heilands, stiftete. Es setzte nun eine rege Wallfahrt zum „Lieben Herrgöttle von Bihlafingen“ ein, die 1761 vom Ordinariat Konstanz offiziell genehmigt wurde. Die Kapelle konnte jedoch dem Ansturm der Wallfahrer bald nicht mehr gerecht werden, weshalb Abt Roman Fehr von Wiblingen das Gnadenbild in die umgebaute und vergrößerte Dorfkirche überführen ließ. Seit dem Umbau zur Wallfahrtskirche haben sich das Erscheinungsbild und die wandfeste Ausstattung des Gotteshauses nicht mehr wesentlich verändert: Der Innenraum ist durch eine qualitätvolle Architekturmalerei in frühklassizistischer Formensprache gestaltet. Die Langhausdecke wird beherrscht von einem ovalen Deckenfresko mit einer Darstellung der Geißelung Christi von Martin Dreyer, Laienbruder im Kloster Wiblingen und Schüler von Januarius Zick. Hier zeigt sich eindrucksvoll der Stilwandel in der oberschwäbischen Kunst, zugleich aber auch der bedeutende Einfluss der Klosterherrschaften auf die Gestaltung ihrer Pfarr- und Wallfahrtkirchen, welch letztere von den Klöstern gezielt gefördert wurden. Das Bihlafinger Gotteshaus ist damit beispielhaft für solche Andachtsorte der Barockzeit in Oberschwaben und zugleich wichtiges Zeugnis der Orts- und Kirchengeschichte.

1211725 BW
Kath. Kapelle St. Maria Pfarrer-Fuchs-Weg 3
(Karte)
Verputzter Massivbau auf hufeisenförmigem Grundriss mit abgewalmten Satteldach, Dreiecksgiebel und Traufe mit einfachem Gesims, segmentbogiger Eingang, im Inneren eine Altöttinger Madonna (Kopie), 1850

Bei der Wegkapelle handelt sich um einen kleinen Massivbau in spätbarocker Formensprache. Der Überlieferung zufolge soll die Familie Schmid vor der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Kopie des Altöttinger Gnadenbildes geschenkt bekommen und in einer Truhe aufbewahrt haben. Nachts wären jedoch Klopfgeräusche aus der Truhe zu hören gewesen, was die Familie als Zeichen deutete, der Madonna eine Kapelle zu stiften. 1850 konnte sie eingeweiht werden; die alte Kopie der Altöttinger Muttergottes wurde jedoch gestohlen und durch die heutige Figur ersetzt. Die Kapelle ist ein anschauliches Zeugnis einer gelebten und baulich wie bildlich zum Ausdruck gebrachten Frömmigkeit im überwiegend katholisch geprägten Oberschwaben und charakteristischer Element der dortigen Kulturlandschaft.

100368631 BW
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Laupheim

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Bild Bezeichnung Lage Datierung Beschreibung ID
Bildstock Berblingerstraße 23/1
(Karte)
Backstein, etwa vier Meter hoch, mit Dreifaltigkeitsdarstellung auf einer Blechtafel, 1856 (i)

Der Bildstock wurde an der früheren Hinrichtungsstelle Laupheims errichtet, wo die Ortsherrschaft, die seit 1434 die Hohe Gerichtsbarkeit besaß, die zum Tode Verurteilten erhängen ließ. Sie bestand bis 1806, bis zum Übergang an das Königreich Württemberg. Die Stelle war noch lange Zeit gefürchtet, so dass sich fünfzig Jahre später der Laupheimer Johannes Baur dazu entschloss, hier einen Bildstock zur Heiligen Dreifaltigkeit zu erbauen, damit die Vorüberziehenden die Seelen der Verstorbenen dem göttlichen Erbarmen anvertrauen konnten. Das ursprüngliche Tafelbild war auf Holz gemalt; die heutige Dreifaltigkeitsdarstellung auf einer Blechtafel stammt vom Laupheimer Malermeister Josef Sommer. Der Bildstock ist von ortsgeschichtlicher Bedeutung und Zeugnis einer gelebten und bildlich zum Ausdruck gebrachten Frömmigkeit im weitgehend katholischen Oberschwaben.

100276689 BW

Weitere Bilder
Schloss Kleinlaupheim Biberacher Straße 22
(Karte)
Ab 1806 Oberamtsgebäude (heute Amtsgericht und Polizeiwache), dreigeschossiger, verputzter Massivbau mit Gauben im Mansardwalmdach, zweigeschossiges Zwerchhaus mit geschweiftem Giebel und Glockenturm, seitlich eingeschossige Flügelanbauten mit Dachterrassen, Fassadengliederung durch Kolossalpilaster, pilastergerahmtes Hauptportal, darüber in geschweifter Kartusche Chronogramm, unter dem Dachgesims Wappen der Freiherren von Welden, errichtet für Joseph Ignaz von Welden und Maximiliana Johanna von Rechberg nach Entwurf des Baumeisters Johann Georg Specht, 1766 bis 1769 (a)

Das barocke Schlossgebäude erhebt sich in beherrschender Lage oberhalb der Rottum und gegenüber dem Schloss Großlaupheim. Es ist ein eindrucksvolles Zeugnis der Herrschaft der Freiherren von Welden über Laupheim in der Frühen Neuzeit und der Aufteilung des Familienbesitzes seit dem 17. Jahrhundert unter mehreren Zweigen des Adelsgeschlechtes. So teilten die drei Söhne des Carl II. von Welden 1621 das ererbte Gebiet untereinander auf: Johann Dietrich von Welden wurde das Gut Hochaltingen (im Ries) zugewiesen, Carl Philipp und Ernst Ludwig erhielten Groß- und Kleinlaupheim. Der Herrschaftssitz dieser beiden alten Siedlungsgebiete lag in Großlaupheim. In Kleinlaupheim entstand eine erste eigene „adelige Behausung“ um 1672. In der Mitte des 18. Jahrhunderts gelangten die Herren von Welden (nicht zuletzt durch die Handelsbeziehungen der angesiedelten Juden) zu einem gewissen Wohlstand, so dass Joseph Ignaz von Welden 1766 den namhaften Barockbaumeister Johann Georg Specht mit dem Neubau seines Wohnsitzes beauftragen konnte. Die repräsentative Hauptfassade ist dem Ort zugewandt. In der Gebäudemitte findet sich das prächtige, pilastergerahmte Hauptportal, darüber ein aufwendig gerahmtes Chronogramm und unter dem Dachgesims das Wappen des Erbauers und seiner ersten Gemahlin Maximiliana Johanna von Rechberg. Die Räume des Erdgeschosses sind gewölbt, in den Obergeschossen finden sich stuckierte Decken. Von der ursprünglichen Ausstattung hat sich neben zahlreichen Fenstern und Wandverkleidungen vor allem das schöne barocke Treppenhaus mit einer doppelläufigen Stiege erhalten, deren Geländer mit schweren, gedrechselten Balustern verziert ist. Mit seinen Raumfolgen und dem Treppenhaus wie auch der Außenarchitektur veranschaulicht das Gebäude einen barockzeitlichen Herrensitz, der dem Stand der Bauherrschaft angemessen war. Er ist wichtiges Zeugnis der Laupheimer Herrschafts- und Siedlungsgeschichte. 1840 wurde das Rittergut Kleinlaupheim an den Staat verkauft, der nun den Sitz seines Oberamtes und Amtsgerichts nach Laupheim in das vakante Schlossgebäude verlegte.

1210821
Bühler Halle Bühler Straße 20
(Karte)
Turnhalle, eingeschossiger, im Norden zweigeschossiger, verputzter Massivbau mit Strebepfeiler, einseitig abgewalmtes Satteldach, im Inneren überwölbt mit offenem Sprengwerk, errichtet für den Laupheimer Turnhallebauverein 1924 e. V. nach Plänen von Schlösser und Weirethner, Stuttgart, 1925 bis 1927 (a)

Die Laupheimer Turnhalle ist ein bemerkenswertes Bauwerk für die süddeutsche Architektur der 1920er-Jahre und zugleich ein beeindruckendes Dokument für bürgerschaftlichen Gemeinsinn in wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen. Kurz nach der Inflation, einer schweren Zeit auch für Laupheim, bildete sich hier der Turnhallebau-Verein e. V. 1924. Er veranstaltete einen landesweiten Architekturwettbewerb, als dessen Ergebnis die Architekten Schlösser und Weirethner 1925 mit der Ausführung ihres Projektes betraut wurden. Von außen erinnert die Halle zunächst an einen Sakralbau: Wie bei einer gotischen Kirche stützen Strebepfeiler die Außenwände des großen Übungssaals ab und hohe Fenster erinnern an gotische Spitzbogenöffnungen. Im Inneren wird dieser Raum von einem offenen Sprengwerk überwölbt. Vergleichbar einem Chor mit Annexbauten zeichnet sich im Süden der Bühnenraum ab. Bezeichnend für die gediegen konservative Architekturströmung jener Jahre ist das großzügige, tiefgezogene Landhausdach, das sich mit einem sanften Knick noch über Vorhalle und Eingangsbereich erstreckt; außerdem die gruppierten, gleichsam in die Wandflächen eingeschnittenen Fenster sowie die leicht schräg gestellten Stützen, wie unter den Dächern der Vorhallen oder die Strebepfeiler an den Hallenwänden. Zu hochwertigen Ausgestaltung gehört auch das Wandbild der Turner. Einer völlig anderen, nämlich barockisierenden Stilrichtung entspricht die Dekoration der Eingangshalle und ihrer Zugänge. Das Gebäude ist ein anschauliches Zeugnis für einen bürgerschaftlichen Turnhallenbau in der Zeit der Weimarer Republik und wichtiges Zeugnis der Stadt- und Kulturgeschichte Laupheims in der Zwischenkriegszeit.

100231713 BW

Weitere Bilder
Schloss Großlaupheim Claus-Graf-Stauffenberg-Straße 15/1, 15/2, 15/3, 15, 16, 20; Färbergäßle 15/1, 15/2, 15/3, 15/4, 15/5, 15/6, 17; Weiher
(Karte)
Ausgedehnte Anlage des 16. bis 20. Jahrhunderts an Stelle einer älteren Burg, Sitz der Herren von Ellerbach, später der Freiherren von Welden, seit 1843 in bürgerlichem Besitz und als Brauereigaststätte genutzt, besonders unter Kilian (von) Steiner Ausbau zum repräsentativen Familiensitz mit Anlage des Schlossparks und eines Musterguts, ab 1897, bestehend aus:
  • Altes Schloss, sog. Lehnsburg (Claus-Graf-Stauffenberg-Straße 15/2), dreigeschossiger verputzter Massivbau mit runden und eckigen Ecktürmen, ausgemaltes Zimmer, errichtet nach Zerstörung des Vorgängers im Bauernkrieg, 1525, Umbau 1677 bis 1683 (a), Mansarddach aufgesetzt, 1752 [§28]
  • Neues Schloss (Claus-Graf-Stauffenberg-Str. 15/1), quer zur Lehnsburg angesetzter Seitenflügel, dreigeschossiger verputzter Massivbau, hofseitig Erdgeschossarkaden, Innenräume mit Stuckdecken und Holztäfelungen, errichtet über älteren Fundamenten, 2. Hälfte 17. Jahrhundert, umgebaut 1752, Altan zum Alten Schloss, 1905 (a) [§28]
  • Kirchgang, Teil der ehem. Vorburgringmauer mit Fachwerkgang, 16./17. Jahrhundert [§28]
  • Kelleranlage der ehem. Küferei von 1898 unter dem oberen Schlosshof und Fundamentreste der 1998 abgebrochenen Mälzerei samt Brunnenschacht;
  • Obervogtei, sog. Kleines Schlössle (Claus-Graf-Stauffenberg-Straße 15/3), zweigeschossiger verputzter Massivbau unter Mansarddach, polygonaler, kapellenartiger Anbau, im Kern wohl 2. Hälfte 17. Jahrhundert, Mansarddach um 1752 [§28]
  • Ökonomiegebäude (Claus-Graf-Stauffenberg-Straße 15), großer verputzter Massivbau unter Mansarddach, im Kern 18. Jahrhundert, sukzessive erweitert, u. a. mit zweigeschossigen Bierkellern, 1887 bis 1902 (a) [§28]
  • Toranlage, zwei Torhäuser, eingeschossige Massivbauten mit Mansarddächern, äußeres Tor mit Portalarchitektur, zwei runde, dreigeschossige Ecktürme mit Querovalscharten, einer urspr. Wasserturm, 16.-18. Jahrhundert [§28]
  • sog. Salzbüchsle, dreigeschossiger verputzter runder Eckturm, 16./17. Jahrhundert, mit polygonalem Pavillonaufbau, 18. Jahrhundert [§28]
  • Geflügelhaus des Mustergutes, ein- bis zweigeschossiger verputzter Massivbau mit Mansarddächern, 1897 (a);
  • Verwalterhaus (Claus-Graf-Stauffenberg-Straße 20), eingeschossiger, verschindelter Wohnbau mit Kniestock, Schwebgiebeln und flach geneigtem Satteldach, um 1897 bis 1899;
  • Viehhaus, langgestreckter, zweigeschossiger Stall- und Scheunenbau unter abgeschlepptem Krüppelwalmdach, errichtet 1897; davor auf der Nordseite Waaghäuschen der ehem. Viehwaage;
  • Schweizerhaus und Schweinestall (Claus-Graf-Stauffenberg-Straße 16), ein- und zweigeschossige Massivbauten mit Satteldächern, nördlich alter Wagenschuppen, um 1897 bis 1899 (a);
  • Rosengarten im äußeren Schlosshof, formaler Garten des Historismus, angelegt 1897 (a)
  • Fläche des Oberen Gartens, ehem. Küchen- und Baumgarten (jetzt tlw. Parkplatz, sonst Rasen);
  • Schlossgarten und Schochengarten, von Kilian Steiner im Talgrund des Laubbaches angelegter spätromantischer Landschaftsgarten mit Wegesystemen, Wasserläufen und Teichen sowie Damm im Osten, ab 1897
  • Pumpwerk (Färbergässle 17), kleiner verputzter Massivbau mit Zinnenkranz und steilem Walmdach, als Ersatz für ein älteres Druckwerk zur Wasserversorgung des Schlosses errichtet; 1898/99 (a)
  • Einfriedungen im Bereich des Schlossparks sowie des Musterguts, Backstein und Beton mit Schlüssellochscharten, Torpfeilern und Mannpforte, bis um 1900

Schloss Großlaupheim ist hervorgegangen aus einer Burg der Herren von Laupheim. Nach Zerstörung im Bauernkrieg 1525 wurde diese durch die Herren von Ellerbach mit einem festen, turmbewehrten Wohnbau wiederaufgebaut, der in seiner Form charakteristisch ist für den oberschwäbischen Schlossbau am Übergang vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit. Dieses sog. Alte Schloss o. a. Lehnsburg bildet den Kern der weitläufigen Anlage, die Mitte des 17. Jahrhunderts um das sog. Neue Schloss erweitert wurde. Umfangreiche Barockisierungen im 18. Jahrhundert bestimmen heute das Bild der Anlage, die bis 1805 den Sitz einer reichsfreien Herrschaft bildete. Mit Ökonomiebau, Obervogtei und Befestigungen ist das Schloss noch heute ein eindrucksvolles Beispiel für die Miniaturresidenz des reichsfreien Adels in Oberschwaben. Die zweite denkmalrelevante Schicht bilden die Überformungen und der Ausbau des späten 19. Jahrhunderts unter Kilian (von) Steiner. Seit 1843 in bürgerlichem Besitz, wurde das Schloss zur Brauerei und Schlosswirtschaft eingerichtet. Der bedeutende württembergische Unternehmer und Bankier Steiner, gebürtig aus Laupheim, baute die Brauerei aus, legte ein seinerzeit bekanntes Mustergut an und machte aus dem Schloss den repräsentativen Wohnsitz seiner Familie. Dazu zählte die Anlage eines großzügigen Landschaftsgartens und eines intimeren formalen Gartens. Sie belegen wie die Überreste späthistoristischer Raumausstattungen in eindrucksvoller Weise den Drang des aufstrebenden Bürgertums nach gesellschaftlicher Angleichung an die immer noch relevante Elite des Adels. Umso bedeutender ist dieses Zeugnis bürgerlichen Aufstiegs, da es sich bei Kilian (von) Steiner um einen Unternehmer jüdischer Herkunft handelte und sich hier der Aufstieg einer einst verfemten Minderheit zu einem angesehenen Bestandteil des Bürgertums im Königreich Württemberg bzw. im Deutschen Reich spiegelt. Weitläufige, teilweise zweigeschossige Kelleranlagen unter dem Schloss und seinen Nebengebäuden zeugen von der Nutzung als Brauerei und die Gebäude des Musterguts vom landwirtschaftlichen Interesse der Familie Steiner. Die Einfriedung aus Beton mit Schlüsselscharten belegt den Wunsch, dem Familiensitz einen historischen Anstrich zu verpassen und dabei den Schlosscharakter zu unterstreichen, allerdings mit den modernsten Baumaterialien der Zeit. So bildet Laupheim nicht nur ein bedeutendes Zeugnis oberschwäbischer Adelskultur von der Renaissance bis zum Barock, sondern auch großbürgerlicher Schlossherrschaft der Gründerzeit und der Lebenswelt eines der führenden Unternehmers im Deutschen Reich.

110079609
Bildstock Hasenstraße 46
(Karte)
Backstein, vier Meter hoch, mit einer Dreifaltigkeitsdarstellung, 2. Hälfte 19. Jahrhundert

Über die Umstände, die zur Aufstellung dieses Bildstocks geführt haben, sind keine Nachrichten überliefert. In Größe und Gestaltung ähnelt er jedoch sehr dem Bildstock, der 1856 an der früheren Hinrichtungsstelle Laupheims (vgl. Gewann Straßenäcker, Bildstock) errichtet worden ist. Auch das Motiv des Andachtsbildes, nämlich die Dreieinigkeit Gottes, ist dasselbe. Es ist daher zu vermuten, dass es kurze Zeit später nach diesem Vorbild entstanden ist. Es handelt sich um einen ausgesprochen großen und aufwendig gemauerten Bildstock; das Tafelbild wurde später einmal erneuert. Die Andachtsstätte ist charakteristisch für die Kulturlandschaft Oberschwabens.

100421042 BW
Judenberg Judenberg 16, 17, 18, 19, 20, 21, 22, 24, 27; Kapellenstraße 22, 24, 26, 28, 30
(Karte)
Jüdische Ansiedlung, bestehend aus:
  • Judenberg 16/18, 20/22 und Kapellenstraße 22/24, 26, 28/30, traufständige, massive zweigeschossige, verputzte Doppelhäuser, 1731 bis 1765;
  • Judenberg 27, zweigeschossiges, verputztes Wohnhaus mit Satteldach, 1765
  • Judenberg 21, ehemalige Metzgerei, traufständiges, zweigeschossiges, verputztes Einfamilienhaus mit Satteldach, 1765
  • Judenberg 17/19, ehemalige Bäckerei, traufständiges, dreigeschossiges, verputztes Wohnhaus mit Satteldach, 1765

Laupheim verdankt seinen Aufstieg vom bescheidenen Marktflecken zu einer wirtschaftlich florierenden Stadt des 19. Jahrhunderts in erster Linie seinen jüdischen Mitbürgern. Obwohl sich nach der Vertreibung bzw. Deportation durch die Nationalsozialisten keine Juden mehr in Laupheim angesiedelt haben und die bedeutendsten Gebäude der einst größten Judengemeinde Württembergs inzwischen zerstört sind - die Synagoge wurde in der Reichspogromnacht niedergebrannt, die Schule in der Radstraße 1969 wegen Baufälligkeit abgebrochen - prägen jüdische Häuser bis heute das Stadtbild. Besonders eindrucksvoll ist die Siedlung auf dem Judenberg, wo die Geschichte der Laupheimer Juden ihren Anfang nahm. Die ersten vier Judenhäuser wurden 1731, 1734, 1737 und 1738 auf Anordnung der Reichsfreiherren von Welden gebaut. In der Folge kam es zu weiteren Schutzverträgen mit der Ortsherrschaft und das Viertel wuchs im Lauf des 18. Jahrhunderts rasch an. Der Laupheimer Judenberg ist eine der wenigen planmäßigen Siedlungen, die eine Ortsherrschaft in Württemberg für jüdische Schutzbefohlene anlegen ließ. Dabei wurde ihre Lage auf einem Hügel am Ortsrand, die Anordnung der Häuser, ihr Erscheinungsbild und - möglicherweise in Absprache mit den Siedlern, wie die besondere Größe der Küche vermuten lässt - die Grundrisseinteilung von den Ortsherren festgelegt. Diese Siedlung auf dem Judenberg, bestehend aus fünf Doppelhäusern und dem dazwischenliegenden, später bebauten Platz, dem einstigen Leichenhaus sowie dem ummauerten Friedhof ist ein wichtiges Zeugnis jüdischer Geschichte in Baden-Württemberg.

100242335 BW
Kaufhaus Einstein Kapellenstraße 6
(Karte)
Dreigeschossige Eisenbetonkonstruktion, Walmdach mit Zwerchhäusern, Fledermausgaube und Dachreiter, Hauptfassade aus Sandstein, sonst verputzt, große Schaufenster in Erd- und Obergeschoss, vorspringender Mittelerker, im Inneren Halle und Treppenhaus mit Holztäfelungen und Farbverglasung, erbaut für den Laupheimer Kaufmann Daniel M. Einstein nach Plänen des Architekten Singer, Ulm, 1909/10 (a)

Das Kaufhaus war am Anfang unseres Jahrhunderts als großzügiges, den bisherigen engen Rahmen von Ladenlokalen sprengendes und opulent ausgestattetes Einzelhandelsgeschäft eine vergleichsweise neue, nicht nur auf Großstädte beschränkte Bauaufgabe. Es spricht von Mut und Pioniergeist, wenn in einer kleinen Stadt wie Laupheim der jüdische Kaufmann Daniel M. Einstein ein solches Geschäftshaus für Textilien errichten ließ. Während im 2. Obergeschoss und im Dach eine Wohnung untergebracht ist, dienen Erdgeschoss und 1. Obergeschoss, großzügig durch eine breite, zweiarmige Treppe miteinander verbunden, ausschließlich dem Warenangebot und Verkauf. Diese bei der Kaufhauseröffnung 1910 ausgiebig von den Laupheimern bewunderte weiträumige und mondäne Grundrissgestaltung hat sich bis heute samt der damaligen Ausstattung anschaulich erhalten: Besonders reizvoll ist die Verzierung der Treppe mit Blumenständern aus Messing oder mit kleinen Intarsieneinlagen auf Staketen und Zwischenpaneelen, erwähnenswert auch die kannelierten Kapitelle der Stützpfeiler oder das Treppenhausfenster mit einfach geometrisch angeordneten Farbgläsern. Die Eisenbetonkonstruktion, die der Bauherr beim renommierten Architekturbüro Dyckerhoff und Widmann A. G. in Karlsruhe nach den Plänen des Architekten Singer berechnen ließ, war damals eine neue und revolutionäre Bauweise. Die architektonische Gestaltung ist ebenfalls ganz auf der Höhe der Zeit. Darüber hinaus zeigt auch die Auswahl der Baumaterialien, wie groß der Anspruch des Bauherrn war. Das Kaufhaus ist wichtiges Zeugnis für das von der jüdischen Gemeinde stark mitgeprägte Wirtschaftsleben und die prosperierende Entwicklung der Landstadt vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933.

100243792 BW
Gasthaus Zum Roten Ochsen Kapellenstraße 23
(Karte)
Giebelständiges, dreigeschossiges Gebäude mit Satteldach, massives verputztes Erdgeschoss, Fachwerkobergeschosse, Wirtshausausleger mit goldenem Ochsen, Gewölbekeller und historische Ausstattungsdetails, 1808, spätere Anbauten 1865 und 1874

Bereits vier Jahre nach seiner Erbauung, 1812, wurde das Gasthaus von dem jüdischen Metzger Daniel Einstein gekauft - seit diesem Jahr war es den Juden in Laupheim erstmals gestattet, Gebäudeeigentum zu erwerben - und diente bis zur Vertreibung 1939 als Stammlokal vor allem der jüdischen Bewohner der Stadt, die die wirtschaftliche Entwicklung Laupheims in der damaligen Zeit nachhaltig bestimmten. Dr. Max Sänger, der Bruder des damaligen Ochsenwirts und später Oberrabbiner in Hamburg, gründete hier 1846 den israelitischen Leseverein Konkordia, der im Roten Ochsen eine bemerkenswerte Bibliothek unterhielt. An einige jüdische Traditionen erinnert das Gebäude heute noch: So haben sich im Untergeschoss Hinweise auf ein rituelles Tauchbad (Mikwe) erhalten, in der wiederhergestellten Gartenlaube ist wohl die frühere Laubhütte zu sehen, der große Küchenanbau im Nordwesten war aller Wahrscheinlichkeit nach wegen der jüdischen Speisegesetze notwendig geworden. Das Gebäude veranschaulicht so nicht nur die vormoderne Ortsbaugeschichte, sondern auch eine speziell jüdische Gasthaustradition und Kulturgeschichte in der oberschwäbischen Landstadt.

100245250 BW
Wohn- und Geschäftshaus (heute Café Hermes) Kapellenstraße 44
(Karte)
Zweigeschossiger, verputzter Massivbau mit flachem Walmdach, Portikus mit schlanken, gusseisernen Säulen, segmentbogige und dreieckige Fensterüberdachungen, Merkur-Büste, durchfenstertes Traufgesims, nach Plänen des Oberamtsbaumeisters Werkmann, 1876 (a)

Das prachtvolle Wohn- und Geschäftshaus entstand im Auftrag des jüdischen Lebensmittelhändlers Isidor Adler nach Plänen von Oberamtsbaumeister Werkmann. Privater Wohnbereich und Geschäft sind in dieser frühen Zeit des Kaufhauses noch eng miteinander verbunden: Verkaufsraum und Comptoir lagen einst im Erdgeschoss, wo sich heute das Café befindet, außerdem waren hier noch Magazine, ein Wohnraum und die Küche untergebracht; sechs Zimmer und eine weitere Küche beherbergte das Obergeschoss. Die Architektur des opulenten Baus ist charakteristisch für die Phase des Historismus in der Gründerzeit und erinnert an italienische Villen und Stadtpaläste der Renaissance. Doch ganz im Sinne zeitgemäßer Weiterentwicklung ist hier beispielsweise der Portikus in eine zierliche Schaufensterarchitektur aus schlanken, gusseisernen Säulen uminterpretiert. Die Mitte der Hauptfassade schmückt eine Büste des römischen Gottes Merkur, Schutzherr der Kaufleute und ein vom Bauherrn selbstbewusst zitiertes Symbol seines Standes. Das Gebäude zeugt somit von der Prospertität der oberschwäbischen Landstadt in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, die sie nicht zuletzt der starken jüdischen Gemeinde verdankte. Lokalgeschichtlich von Bedeutung ist das Anwesen zudem als Geburtsstätte des Jugendstilkünstlers Friedrich Adler (1878 bis 1942). Nach Studium an der Königlichen Kunstgewerbeschule in München war er freischaffender Künstler und Lehrer zunächst in München, nach 1907 bis zu seiner Zwangspensionierung 1933 an der damaligen Kunstgewerbeschule Hamburg. Daneben war er als Entwerfer für Industrie und Kunsthandwerk tätig. 1942 wurde Professor Friedrich Adler in Auschwitz ermordet. Er hatte große Bedeutung vor allem für das Kunsthandwerk des frühen 20. Jahrhunderts.

101165072 BW

Weitere Bilder
Kath. Pfarrkirche St. Peter und Paul Kirchberg 15
(Karte)
Massiver verputzter Saalbau mit eingezogenem Polygonalchor, in Verlängerung daran Sakristei, südlich Chorflankenturm mit Umgang und achteckigem Abschluss unter geschweifter Haube, nördlich Oratorium der Welden, Westfassade mit geschweiftem Giebel, Gliederung durch Gesimse und aufgemalte Ecklisenen, vierläufige Freitreppe, Rundbogenportal mit Pilastern und Dreiecksgiebel, Langhaus im Inneren mit stuckierter Flachdecke und Blendbogengliederung, im Chor Stichkappengewölbe über Pilastergliederung, Westempore, am Chorbogen Wappen der Patronatsherren, im Chor Herrschaftsstand der Welden, Stuck und Deckengemälde von Anton Wenzeslaus Haffe, reiche barocke Ausstattung, u. a. Hochaltarbild Georg Bergmillers aus St. Leonhard, Kanzel von Dominikus Hermenegild Herberger, 1739/40, errichtet durch Martin und Albrecht Barbieri unter Einbeziehung des Turms des gotischen Vorgängerbaus, 1623 bis 1661 (a), Umbau und umfassende Barockisierung durch Johann Wiedemann, 1729 (a), Turmaufsatz 1902 (a)

Die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul bildet zusammen mit dem Schloss Großlaupheim eine ortsbildprägende Baugruppe. Sie stand mit diesem über einen gedeckten Gang in Verbindung, der im Chor in das Oratorium mit dem Herrschaftsstand der Freiherren von Welden einmündete. Der bemerkenswerte Kirchenbau des 17. Jahrhunderts, errichtet von den Brüdern Barbieri aus Rovereto, steht an der Wende von der Spätrenaissance zum Frühbarock. Begonnen ab 1623 anstelle des mittelalterlichen Vorgängers, von dem der Turm übernommen wurde, zog sich der Bau bedingt durch den Dreißigjährigen Krieg bis 1667 hin. Architektonisches Vorbild war die Illertisser Pfarrkirche, ein Saalbau der Gegenreformation. Da die Nutzung des Dachraums als Fruchtschütte eine zu hohe Belastung für die Außenwände darstellte, traten bald Bauschäden auf, die 1729 eine erste Kirchenrenovation notwendig machten. Die heutige qualitätvolle Innenausstattung stammt im Wesentlichen aus dieser Zeit: Damals entstanden die Stuckaturen und Malereien von Anton Wenzeslaus Haffe, die Kanzel schuf 1739/40 Dominikus Hermenegild Herberger, womit wichtige Künstler des oberschwäbischen Barock an der Ausgestaltung des Kirchenraums beteiligt waren. Die enge Verbindung der Ortsherrschaft der von Welden mit dem Gotteshaus als Schlosskirche wird im Herrschaftsstand im Chor sichtbar: Hier blieb das mit Stuck verzierte Oratorium an der Nordwand mit Fenstern in Bleifassungen erhalten. Über dem Triumphbogen erscheint neben den Wappen des Pfarrherrn, des Reichsabtes Benedikt von Ochsenhausen, das Wappenschild der Welden. Im Mittelbild der Deckengemälde erscheint die Familie in Anbetung der Muttergottes. Auch die Kanzel von Dominikus Hermenegild Herberger wurde 1738 durch die Ortsherrschaft bestellt. Von dokumentarischem Wert für die Ortsbau- und Herrschaftsgeschichte ist das aus der Friedhofskapelle St. Leonhard übertragene ehem. Altarbildnis von dem Augsburger Maler Georg Bergmiller mit Ansicht von Schloss und Ort Laupheim im Jahr 1726. Links und rechts erscheinen die Stifter. Die Laupheimer Pfarrkirche ist damit nicht nur ein wichtiges und qualitätvolles Zeugnis für die Entwicklungen des Sakralbaus und der bildenden Künste im Oberschwaben des 17. und 18. Jahrhunderts, sondern auch von zentraler Bedeutung für die Orts-, Herrschafts- und Kirchengeschichte Laupheims.

1210809
Lourdesgrotte Kirchberg 15
(Karte)
Künstlich angelegte Felsengrotte mit annähernd lebensgroßen, bemalten Gipsfiguren, Ende 19. Jahrhundert

Nördlich der Kirche ist in einer künstlich angelegten Felssteingrotte die Marienerscheinung von Bernadette Soubirous am 11. Februar 1858 in Lourdes dargestellt. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden auch in Deutschland diese sogenannten Lourdesgrotten. Sie sind Ausdruck katholischer Frömmigkeit und einer vom Papsttum in Rom stark geförderten und in der Folge allgemein zunehmenden Marienverehrung. Dem Vorbild von Jerôme Fabisch (1864) entsprechend, steht hier in einer Nische die bemalte Gipsfigur der Muttergottes, davor die kniende Bernadette. Im Gegensatz zu den sonst oft recht kleinen und bescheidenen Lourdesgrotten ist die Szenerie hier vor der Kirche recht weitläufig. Zudem sind die Figuren beinahe lebensgroß gestaltet, so dass ein intensiver und nacherlebbarer Eindruck der Marienerscheinung wiedergegeben wird.

100245608 BW
Kath. Pfarrhof Kirchberg 17/1, 17
(Karte)
Bestehend aus:
  • Pfarrhaus (Nr. 17) [§ 28], zweigeschossiger verputzter Massivbau mit Walmdach, Mittelrisalit mit geschwungenem Giebel, reich profilierter Traufgesims, Gliederung durch Fassadenbemalung, Erschließung über Freitreppe, über Hauseingang Wappen der Benediktinerabtei Ochsenhausen, bauzeitliche Ausstattung, 1746/47, zweigeschossiger Verbindungsbau mit Gang zur Kirche, 1902 (a);
  • Pfarrscheune (Nr. 17/1) [§ 2], Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach, teilverputzt, mittlere Durchfahrtstenne, seitliche Abstellräume, 1640 (d);
  • Pfarrgarten und Freiflächen [§ 2]

Der katholische Pfarrhof steht in enger, auch baulicher, Verbindung zur Pfarrkirche. Pfarrhaus und Pfarrscheuer gehörten funktional stets zusammen: Das eine Gebäude war Wohn- und Amtssitz des von der Herrschaft eingesetzten Seelsorgers, das andere diente der Versorgung. Hinzu kommt noch ein kleiner Bauerngarten vor dem Pfarrhaus, in dem Gemüse gezogen wurde, sowie die sich hinter der Scheuer anschließende Obstbaumwiese. Von 1413 bis 1803 war das Kloster Ochsenhausen Patronatsherr der Laupheimer Pfarrei. Unter seiner Herrschaft entstanden die heutigen Gebäude 1640 bzw. 1746/47. Sie veranschaulichen mit den zugehörigen Gärten die Wohn- und Lebensverhältnisse eines katholischen Landgeistlichen in der Frühen Neuzeit, wobei das stattliche Pfarrhaus mit seiner reichen Ausstattung auch die Patronatsherrschaft repräsentiert, die sich im Wappen am Mittelrisalit über dem Eingang kund tut. Der Pfarrhof ist wichtiges Zeugnis der Orts- und der Kirchengeschichte Laupheims, dessen Pfarrei sich bis ins 10. Jahrhundert zurückverfolgen lässt.

106930945 BW
Wandmalerei im Badezimmer des Wohnhauses König-Wilhelm-Straße 22
(Karte)
Tanzende, musizierende Mänaden und bacchantische Szenen in gerahmten Wandbildern, nach antikem Vorbild, von Otto Fähndrich, 1906

Der Kunstmaler Otto Fähndrich ließ sich 1906 ein Wohnhaus errichten, dessen Badezimmer er mit reizvoller Dekorationsmalerei ausstattete. Nach dem Vorbild antiker Wandmalereien, wie sie etwa aus Pompeji bekannt sind, sind die Wände in Felder unterteilt, denen kleine, im Format wechselnde, gerahmte Bilder einbeschrieben wurden. Sie zeigen, der privaten Atmosphäre eines Badezimmers entsprechend, tanzende und musizierende Mänaden bzw. Bildfolgen mit weiteren bacchantischen Szenen, aber auch anderen mythologischen Anspielungen, so z. B. - beziehungsreich über der Tür - eine Darstellung Aktäons, der zur Strafe für das Beobachten der badenden Diana in einen Hirsch verwandelt wird. Solche Rückbesinnung auf Stil und Motive der römischen Malerei ist bezeichnend für die Dekorationskunst der Jahrhundertwende, wobei der Maler dem strengen Wandaufbau eine zeitgenössisch-bewegte Note gegeben hat, und zwar mittels der Karyatiden mit ihren schwingenden Kleidern, die den fließenden Linien des Jugendstils verpflichtet sind. Die Wandmalereien sind ein selten überliefertes, qualitätvolles Zeugnis der Raumdekoration eines Badezimmers zu Anfang des 20. Jahrhunderts und unterstreichen die Bedeutung dieses Raums als einer Neuerung im gehobenen bürgerlichen Wohnbau seit der Gründerzeit.

100251673 BW
Bahnhofhotel Fritz-Häußer-Weg; König-Wilhelm-Straße 36
(Karte)
Zweigeschossiger Klinkerbau mit Mansardwalmdach, Zwerchhäuser mit geschweiften Giebeln, reiche Gleiderung durch Sandsteinlisenen und -bänder, von Regierungsbaumeisters Werkmann, 1903/04 (a), erweitert 1911 (a); zugehöriger Garten mit offenem Musikpavillon von 1904

Das anspruchsvolle Gebäude des ehemaligen Bahnhofhotels ist zusammen mit dem früheren Garten und seinem Musikpavillon ein wichtiges Zeugnis für die Entwicklung Laupheims zur Stadt sowie ein anschauliches Beispiel für ein großes, vornehmes Hotel der Zeit um 1900. Als die Nebenbahn Laupheim - Schwendi in Betrieb genommen wurde, bedeutete der Anschluss an das allgemeine Schienennetz durch den neuen zentrumsnahen Bahnhof eine enorme Steigerung des Personen- und Güterverkehrs von und nach Laupheim; ein Aufschwung der städtischen Entwicklung schien sich anzubahnen. Kronenwirt und Brauereibesitzer Paul Eble ließ noch im selben Jahr unmittelbar gegenüber dem neuen Bahnhof ein Hotel erbauen, dem er ein ausgesprochen städtisches Erscheinungsbild verlieh: ein qualitätvoller, späthistoristischer, durch Lisenen und Bänder aus Sandstein gegliederter Klinkerbau in neubarocken Formen, wie dem extrem flachen, französischen Dach samt ausgebauter Mansarde und den Zwerchhäusern mit geschweiften Giebeln. Der wenig später angefügte Saalbau passt sich der Architektur des bestehenden Gebäudes einfühlsam an. Im zugehörigen ehemaligen Gastgarten steht noch der runde hölzerne Musikpavillon, der bereits 1904 mit der Eröffnungsanzeige des Hotels angepriesen wurde und heute eines der selten erhaltenen Beispiele für diese Architekturgattung darstellt. Das Hotel veranschaulicht so den Aufschwung Laupheims im Kaiserreich und hat wirtschafts- sowie stadtbaugeschichtliche Bedeutung.

100251837 BW
Hospital zum Heiligen Geist Marktplatz 11
(Karte)
1795 bis 1977 (a) auch Rathaus (heute Altersheim), zweigeschossiger verputzter Bau mit Walmdach und Dachreiter, seitlich Zwerchhaus mit Aufzugsluke, massives Erdgeschoss, Fachwerkobergeschoss, Sichtfachwerk an der Rückfassade, über dem Eingang Stifterrelief der Anna von Ellerbach, im Inneren gewölbte Erdgeschossräume, u. a. Kapelle mit Kreuzrippengewölbe und Apsis, Holzbalkendecke, bezeichnet über dem Eingang, 1585 (i)

Laupheim war mehr als zwei Jahrhunderte im Besitz der Herren von Ellerbach. Zur letzten Generation gehörte Anna von Ellerbach, die sich mit Pankraz von Freyberg verehelichte. Nach dem Tod ihres Mannes, als in Laupheim schon die Welden die Ortsherrschaft übernommen hatten, bestimmte sie testamentarisch einen Großteil ihres Vermögens zum Bau eines Spitals, der 1589 begonnen wurde. An die Stifterin erinnert heute noch eine reich verzierte Sandsteintafel über dem Eingang, die ursprünglich wohl in der Hauskapelle untergebracht war. Das Figurenrelief stammt von dem Bildhauer Hans Schaller aus Ulm und zeigt über der Darstellung eines Opferlamms die Stifterin kniend in Anbetung der Marienkrönung. Im Hintergrund sind das geplante Spital und eine weitere fromme Stiftung der Familie, die St. Leonhardskapelle (in ihrer älteren Form), zu sehen. Bekrönt wird die Tafel von dem Allianzwappen Freyberg-Ellerbach. Das fertig gestellte Hospital unterschied sich als herrschaftliches Gebäude wesentlich von den umliegenden Bauernhäusern: Es war entschieden kostspieliger und solider gebaut und hob sich durch seine Größe und sein mächtiges Walmdach, bekrönt von einem Dachreiter, deutlich aus der Umgebung hervor. Ein Hospital war zu damaliger Zeit ein Wohnheim für alte und kranke Menschen. Der Hauptraum war die Kapelle. Sie liegt im Erdgeschoss, bereits von außen ablesbar an den Rundbogenfenstern und der kleinen, aus dem ansonsten geschlossenen Baukörper hervortretenden Apsis im Osten. Im Dachraum, der als Fruchtschütte diente, hat sich vor der Gaube im Osten eine hölzerne Aufzugswinde erhalten. Das 1795 bis 1977 auch als Rathaus der Gemeinde dienende Gebäude ist wichtiges Zeugnis der Sozialfürsorge am Übergang von Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit und des adeligen Stiftungswesens zur Sicherung des eigenen Seelenheils.

1210829 BW
Wirtshausschild Marktplatz 16
(Karte)
Schmiedeeisen, doppelköpfiger Reichsadler mit Krone, Reichsapfel, Schwert und Wappen aus farbig gefasstem Blech, bezeichnet unter der Verdachung, 1763 (i)

Das Wirtshausschild ist eine qualitätvolle kunsthandwerkliche Arbeit des späten Rokoko. Es erinnert an den einstigen Gasthof Adler, der sich im zugehörigen Gebäude am Marktplatz befand und der zu den ältesten Gastwirtschaften Laupheims zählte. Von 1808 bis 1839 war hier zugleich die Posthalterei; ein Braurecht bestand ab 1862. Seit 1891 war das Anwesen im Besitz der Familie Bollinger. Das Schild zeigt einen doppelköpfigen Reichsadler mit Krone sowie Reichsapfel und Schwert in den Fängen. Im Zentrum findet sich das Wappen der Freiherren von Welden (Ortsherren 1582 bis 1840).

100253769 BW
Schranne Marktplatz 17
(Karte)
Korn- und Rathaus, ab 1928 Landwirtschaftsschule (heute Ausstellungsgebäude), zweigeschossiger verputzter Massivbau, Walmdach mit Gauben und Dachreiter, axiale Fensterreihung, Rundbogenfenster und Arkadengang im Erdgeschoss, Freitreppe, Inschrifttafel mit Welden-Wappen über dem Mitteleingang, 1778 (i), Einbau Arkaden 1928 (a)

Die Schranne, das einstige Korn- und Rathaus der Stadt, entstand im Auftrag des Joseph Ignaz von Welden, des Ortsherrn von Laupheim. Es zeichnet sich durch ausgewogene Proportionen und ein herrschaftliches, mächtiges Walmdach aus. Der würdige Eindruck wird abgerundet durch symmetrisch angeordnete Fenster und schließlich durch den repräsentativen Mitteleingang, zu dem eine Freitreppe emporführt. Über der Tür brachte der Bauherr eine Tafel mit dem Familienwappen an. Sie stammt stilistisch allerdings aus dem 16. Jahrhundert: Offensichtlich wurde sie mit geänderter Jahreszahl vom früheren Korn- und Rathausbau übernommen. Das Gebäude dokumentiert die Bedeutung Laupheims als Marktort, seit den Welden für das Dorf 1430 die Marktrechte verliehen worden waren. Den Mittelpunkt des Marktgeschehens bildete die Schranne, die zugleich auch die Funktion eines Rathauses für die bürgerliche Gemeinde erfüllte. Dass sich diese in Abhängigkeit zum Ortsherrn befand und dieser für den Bauunterhalt der öffentlichen Gebäude sorgte, belegt anschaulich das Wappen. Das 1928 für die Landwirtschaftsschule behutsam umgebaute Gebäude ist wichtiges Zeugnis der Laupheimer Orts- und Wirtschaftsgeschichte.

100253893 BW
Gasthaus Drei Mohren Marktplatz 20
(Karte)
Zweigeschossiger verputzter Massivbau, Mansardwalmdach mit Gauben, symmetrisch angeordnete Fenster, Erschließung über zweiläufige Freitreppe und Mitteleingang, Wirtshausausleger mit Schild, 1776, Umbau mit Arkadengang 1951; historische Innenausstattung aus verschiedenen Epochen

In seinem besonders repräsentativen Erscheinungsbild unterscheidet sich das stattliche Gebäude nicht nur von den umliegenden Bauernhäusern, sondern auch von vielen anderen ländlichen Gasthäusern dieser Zeit: Der behäbige, breit gelagerte Bau zeichnet sich vor allem durch sein mächtiges Mansardwalmdach, die symmetrisch angeordneten Fenster und den Mitteleingang über einer Freitreppe aus. Die Arkaden an der Hasenstraße wurden 1951 durchgebrochen. Quer in den Platz hinein gestellt, markiert das Gasthaus das südöstliche Ende des Oberen Marktplatzes in Laupheim am Fuß des Schlossberges. Diese prominente Lage erklärt sich zunächst aus der Funktion seines Vorgängers, des früheren Korn- und Rathauses, dessen Grundmauern wohl noch im heutigen Gebäude stecken. Offiziell wurde das Schankrecht 1779 verliehen; lange Zeit befand sich im ersten Obergeschoss der einzige Saal Laupheims für alle öffentlichen Veranstaltungen. Das Gebäude ist als traditionsreiches, seit dem 18. Jahrhundert belegtes Gasthaus, von orts- und wirtschaftsgeschichtlicher Bedeutung und dokumentiert mit seiner überlieferten Ausstattung oberschwäbische Wirtshauskultur vom 18. bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts

100253933 BW

Kath. Stadtpfarrkirche Maria Mittelstraße 34
(Karte)
Königin des Friedens, Sichtbetonbau mit separatem Glockenturm, zentralisierender Innenraum, nach Plänen des Laupheimer Architekturbüros Pfalzer und Schenk, Chorraumgestaltung durch die Sießener Ordensschwester Sigmunda May, Kreuzwegstationen von HAP Grieshaber, 1968 bis 1970 (a)

Die wachsende Stadt benötigte schon im frühen 20. Jahrhundert einen weiteren Kirchenbau, doch konnte dieser erst 1969 bis 1970 verwirklicht werden. Die Architektur der Liebfrauenkirche entstand dabei im Geiste des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) und spiegelt das damalige Bestreben wider, verkrustete Strukturen aufzubrechen, die Gemeinde in die Liturgie enger einzubeziehen und die Kirche nach außen zu öffnen. Das Gotteshaus ist geschickt in den Bauplatz integriert. An der Rückfassade wirkt es fest geschlossen wie ein schützendes Beduinenzelt. Zum Stadtzentrum öffnet es sich weit und bildet mit dem großzügigen, teilweise überdachten Vorplatz eine bauliche Einheit. Dabei setzt der Turm als Zwischenglied und doppelt zugespitzte Landmarke auch einen städtebaulichen Akzent. Das beherrschende Baumaterial ist Beton - in allen Spielarten verwendet und variiert, dann kombiniert oder in Kontrast gesetzt mit anderen Materialien. Sichtbeton bestimmt das äußere Erscheinungsbild vor allem mit seinen plastischen Qualitäten: ob in strukturierten Oberflächen mit feinen senkrechten Linien, oder in Form von Großplastiken vor den bunten Glaswänden der Eingangsfassade beziehungsweise als skulptierte Stütze unter dem Vorplatzdach. Besonders ausdrucksstark ist die auch in den Innenraum der Kirche wirkende, trümmerhaft aufgebrochene Chorseitenwand. Der Glockenturm mit seinen beiden unterschiedlich langen Spitzen ist eine filigrane Betonskulptur, akzentuiert durch die Metallwendeltreppe und den eisernen Glockenstuhl. Der Grundriss des Inneren ist aus dem Sechseck entwickelt, das als geometrisches Leitmotiv der 1960er-Jahre angesehen werden kann. Mittelpunkt ist der von oben indirekt beleuchtete und leicht erhöhte Altarbereich, mit dem bedeutungsvollen Aufbruch der Seitenwand, die sich wie ein Keil in den Raum schiebt. An der mächtigen Betonrückwand zieht das Kreuz alle Augen auf sich, eine bemerkenswerte Arbeit der Untermarchtaler Ordensschwester Sigmunda May, die auch die Prinzipalstücke gefertigt hat. Als weitere hervorragende zeitgenössische Werke sind die Kreuzwegstationen zu nennen, sehr ausdrucksstarke Holzschnittarbeiten von HAP Grieshaber. Damit ist die Liebfrauenkirche ein anschauliches und qualitätvolles Zeugnis des Sakralbaus des Brutalismus und seiner Ausstattungskunst.

106780358
Parkbad Lange Straße; Laubachweg; Parkweg 20
(Karte)
Bestehend aus: Eingangsgebäude mit Wohnung, fünfgeschossig, massiv; Flügelbauten, zum Teil mit Laubengängen, eingeschossig, langgestreckt; Eckturm, zweigeschossig, mit runden und halbrunden Fenster, alle Gebäude mit Holz verkleidet; künstlich angelegter Badesee, Parkgelände mit Liegewiese, errichtet nach Plänen von Herrmann Gutknecht, 1933/34 (a)

Das Laupheimer Parkbad ist ein frühes und qualitätvolles Beispiel eines öffentlichen Freibades in Baden-Württemberg. Kommunale Freibäder sind eine Bauaufgabe, die mit dem Anbruch der Moderne als Erholungsorte für die Industriegesellschaft entstanden. Seit den 1920er-Jahren, gefördert durch die Hygienebewegung und eine allgemeine freiere Einstellung zum eigenen Körper, wurden Freibäder in großem Maßstab eingerichtet und ab 1933 von den Nationalsozialisten im Sinne der Körperertüchtigung weiter propagiert, insbesondere auch für kleinere, ländliche Gemeinden. Das Laupheimer Freibad stammt aus dieser Zeit und kann als frühes und fortschrittliches Beispiel seiner Gattung gelten. Das Kernstück der Anlage bilden zwei miteinander verbundene künstliche Seen, von denen der vordere dem Badebetrieb vorbehalten ist, und ein weitläufiges Parkgelände mit Liegewiesen. Beherrscht wird das Freibad von einem fünfgeschossigen, turmartigen Eingangsgebäude, das zugleich als Wohnung für den Bademeister dient. An der Innenseite der langgestreckten Flügelbauten öffnen sich zum See hin Laubengänge, in denen Umkleidekabinen und an der anderen Seite Duschen eingebaut sind. Alle Gebäude besitzen flache Walm- oder Pultdächer; nahezu sämtliche Bauglieder, selbst die dünnen Stützen der Laubengänge, sind mit waagerecht verlegten, sich überlappenden Holzbrettern verkleidet. Dies ist inmitten der Parklandschaft ein angemessener, natürlicher Baustoff, der zur Leichtigkeit der Architektur beiträgt. Die Oberflächengestaltung bewirkt eine starke horizontale Akzentuierung, verstärkt durch das optische Absetzen der Turmgeschosse. In diesen liegt jeweils ein Raum der Bademeisterwohnung, die oberen drei Geschosse sind mit übereinanderliegenden Eckbalkonen zum Schwimmbad hin versehen: geschickte architektonische Gliederung und Kontrollfunktion zugleich. Neben der starken Horizontalgliederung - ein beliebtes Stilmittel in der Architektur der frühen 1930er-Jahre - sind es vor allem Details, wie Segmentbögen oder der gezielte Einsatz von Rundfenstern, die dem damals progressiven Baustil entsprechen.

100253967 BW
Feuerwehr- und Hopfentrockenhaus (heute Hotel) Rabenstraße 13
(Karte)
Dreigeschossiges Gebäude mit Satteldach, massives, verputztes Erdgeschoss mit Segmentbogenfenster und -türen, Fachwerkobergeschosse, Aufzugsgauben, 1884 (a)

An der Stelle eines seit 1843 bestehenden, eingeschossigen Spritzenhauses ließ die Stadt 1884 ein neues, stattliches Gebäude errichten, in dem außer den städtischen Löschfahrzeugen zwei Stockwerke und das Dach zur Lagerung von Korn und Hopfen vorgesehen waren. Hopfen spielte für Laupheim eine zentrale Rolle im Erwerbsleben, bildete er doch eine der Grundlagen für die damals prosperierende Brauereiindustrie. Viele Laupheimer Geschäftsleute, vor allem die Familien Löwenthal und Steiner, verlegten sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts auf den Hopfenhandel. Dazu wurde der Hopfen aus der Umgebung aufgekauft, getrocknet und gelagert, später in großen Mengen weiterverkauft. In dieser Zeit entstanden in Laupheim neben einigen privaten Hopfentrockenhäusern, von denen inzwischen die meisten wieder verschwunden sind, auch ein städtisches Gebäude, das die Zeit überdauert hat. Der unprätentiöse Bau weist mit seiner Größe heute noch auf seine Funktion als Lagergebäude hin, vor allem durch die große Aufzugsgaube zum Beschicken des Dachraums an der Hauptfassade. Er ist wichtiges Zeugnis der Wirtschafts- und Gewerbegeschichte der Stadt und dokumentiert zugleich mit der Funktion als Spritzenhaus die Infrastruktur der Kommune.

100254363 BW
Wielandschule Rabenstraße 40
(Karte)
Dreiflügelanlage mit Mansarddächern, zweigeschossiger, verputzter Massivbau über hohem, rustiziertem Sockelgeschoss, regelmäßige Fensterachsen, Erschließung über Freitreppe, rundbogiger Haupteingang, darüber ein Erker, in der Gebäudemitte Brunnenhaus, erbaut nach Plänen von Baurat August Knoblauch, Stuttgart, 1909/10 (a)

Um die Jahrhundertwende war Laupheim durch seine nicht unbeträchtliche Industrialisierung zu einer Stadt herangewachsen, die als neue städtische Bauaufgabe einen weiteren großen Schulhausbau in der Rabenstraße errichtete. Die anspruchsvolle Gestaltung des Neubaus als Dreiflügelanlage, seine Stattlichkeit sowie die barockisierenden Formen der Baudetails wie etwa die Walmdächer, die Freitreppe, die Rustizierung des Sockelgeschosses, die regelmäßigen Fensterachsen oder die Ohrung der Fensterrahmen sind am barocken Schloss orientiert. Doch werden, eine typische Leistung der Stilbewegung im Gegensatz zum dogmatischen Historismus, die einzelnen Baukörper hier völlig anders gewertet: Hauptgebäude ist der südliche Seitenflügel; er ist breiter als der ebenfalls vorspringende Nordflügel. Hier liegt auch der Haupteingang in das Gebäude, akzentuiert durch eine Freitreppe und einen darüberliegenden Erker, der mit seinem Segmentbogenabschluss in den Fußwalm des Giebels eingreift. In der Gebäudemitte, wo eigentlich der Eingang zu erwarten wäre, findet sich stattdessen als reizvolles Ausstattungsstück ein kleiner Pausenbrunnen, opulent von einer halbrunden, offenen Säulenhalle gerahmt, charakteristisches Detail des damaligen Schulbaus, der sich von der Reformpädagogik beeinflusst zeigte. Im Inneren sind die großen und hellen Klassenzimmer von einem rückwärtigen Gang aus erschlossen; die Eingangstüren sowie das alte Treppenhaus sind von der ursprünglichen Ausstattung ebenso erhalten geblieben wie das kunstvoll gestaltete Relief über dem Haupteingang. Damit veranschaulicht das qualitativ anspruchsvoll gestaltete Gebäude Entwicklungen im Schulbau kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Es ist wichtiges Zeugnis der Laupheimer Stadt- und Bildungsgeschichte.

100254380 BW
Wohnhaus Schillerstraße 13
(Karte)
Zweigeschossiges, verputztes Gebäude mit Mansardwalmdach und Zwerchhaus, am Balkon gusseisernes Geländer, flankierend wohl bauzeitlich gepflanzte Hainbuchen, samt Garten und Einfriedung, für den jüdischen Unternehmer Max Bergmann erbaut, 1919 bezogen, erbaut 1910er Jahre

Das zweigeschossige, repräsentative Wohnhaus mit Mansarddach, Zwerchhaus und Balkon mit gusseisernem Gitter prägt das Straßenbild der Schillerstraße durch die rahmenden Hainbuchen, die wohl schon zur Bauzeit gepflanzt wurden. Das Haus wurde für den jüdischen Unternehmer Max Bergmann erbaut, der auch Mitglied im Verschönerungsverein Laupheim und im Stadtrat war, bevor er 1934 alle seine Ämter niederlegen und 1939 in die USA emigrieren musste.

Das Haus spiegelt den Wohlstand und Anspruch der Familie zu seiner Erbauungszeit wider und zeigt einen anschaulichen Überlieferunsgrad. Das Gebäude veranschaulicht den Lebensstil des gehobenen Mittelstandes in Ort Anfang des 20. Jhs.

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Rabbinat mit Schule Synagogenweg 1
(Karte)
1938 bis 1942 Wohnhaus mit Notsynagoge, Altersheim und Hilfskrankenhaus (seit 1945 Hotel), zweigeschossiger verputzter Massivbau mit Satteldach, zwerchhausartiges Mittelteil mit Erker in Fachwerk, traufseitige Erschließung, 18. Jahrhundert, Einrichtung zum Rabbinat und zur Schule, um 1813 (a), erweitert 1879 (a), Umbau nach 1945

In Laupheim, wo eine der größten jüdischen Gemeinden in Baden-Württemberg und weit darüber hinaus seit 1724 entstanden und gewachsen ist, ging die Synagoge in der Reichspogromnacht unter. Das Gebäude des Rabbinats auf dem Judenberg, das ein halbes Jahrhundert auch die Schule aufnahm, blieb bestehen, wenn es auch nach dem Krieg bei der Nutzung als Hotel einige einschneidende Veränderungen, vor allem am Außenbau, erfahren hat. Das Gebäude dürfte nach Befunden im Inneren noch im 18. Jahrhundert errichtet worden sein. Es folgt mit Zweigeschossigkeit, Satteldach und einer symmetrischen Fassadengliederung mit dem Eingang in der Mitte einem sowohl für Laupheim als auch für die dort für oder von Juden errichteten Häuser gängigen Haustypus. Nach 1813 fanden hier das Rabbinat und die Schule ihren Sitz. Für die Nutzung als erstes eigenes Schulhaus der Gemeinde wurden im Erdgeschoss zwei Schulräume eingebaut, die sich im Grundriss noch heute im Wandverlauf abzeichnen. Darüber hinaus verweist das eine und andere bauliche Detail trotz aller Veränderungen tatsächlich noch in die Zeit des frühen 19. Jahrhunderts zurück, als das Gebäude seinen neuen Zwecken zugeführt wurde. Als die inzwischen auf ein Viertel der Laupheimer Bevölkerung angewachsene jüdische Gemeinde 1868 mit Unterstützung der Regierung ein neues Schulhaus in der Radstraße errichte (1969 abgebrochen), diente Synagogenweg 1 vornehmlich als Rabbinat. Nachdem 1938 die Synagoge niedergebrannt worden war, schuf sich die jüdische Gemeinde in den ehemals zu Schulzwecken geschaffenen großen Räumen einen Gebetssaal und einen Raum zur Aufbewahrung der geretteten Thorarollen, wodurch das Gebäude am Ende der Geschichte der Laupheimer Juden eine gewichtige Bedeutung erhält. Im gleichen Jahr richtete die durch Flucht klein gewordene jüdische Gemeinde für die Betagten hier ein Altersheim ein. Zwei Jahre später, 1940, wurden hier alle noch in Laupheim lebenden Juden nach ihrer Enteignung zwangseinquartiert und 1942 von hier in die Vernichtungslager deportiert. Das Gebäude ist eines der zentralen Zeugnisse der bedeutenden jüdischen Geschichte Laupheims.

100254470 BW

Weitere Bilder
Friedhofskapelle Judenäcker
(Karte)
Bestehend aus:
  • Ummauerung, verputzte Backsteinmauer mit arkadenförmigen Nischen und Plattenabdeckung, Zugang durch einen Torbogen (bei Judenberg 24), 1856;
  • Grabmale, rund 1000 Grabsteine, aus verschiedenen Epochen, u. a. des Jugendstils, 1734 - nach 1945
  • Gefallenendenkmal für die Toten des Ersten Weltkriegs, von Bildhauer Friedrich Adler, 1922 (a)

1724 hatten sich die ersten jüdischen Familien an einem von der Ortsherrschaft bestimmten Platz in Laupheim niedergelassen. Im ersten Schutzvertrag von 1734 gestattete ihnen die Herren von Welden die Anlage eines Begräbnisplatzes, der unmittelbar nördlich der Ansiedlung entstehen sollte. Diese Lage des Friedhofes ist ungewöhnlich: Verglichen mit anderen schwäbischen Landgemeinden, die ihren Juden einen Begräbnisplatz meist auf einem unfruchtbaren Acker weit außerhalb des Ortsgebietes zugestanden, waren die Laupheimer in diesem Fall von ihren Herrschaften privilegiert. Die jüdische Gemeinde wuchs rasch an Größe und Bedeutung. Im Stadtbild Laupheims sind die Spuren dieser einst großen und bedeutenden jüdischen Gemeinde fast vollständig verschwunden: Die Synagoge fiel der Reichspogromnacht zum Opfer, die jüdische Schule wurde 1969 wegen Baufälligkeit abgebrochen und die jüdischen Wohnhäuser nach dem Krieg meist stark umgebaut oder erneuert. Das einzige sprechende Zeugnis, das völlig unversehrt überliefert ist und einen guten Einblick nicht nur in die Schicksale Laupheimer Juden, sondern auch in die jüdische Kultur allgemein gewährt, ist der Friedhof. Er umfasst heute - nach fünf Erweiterungen bis in die 1920er-Jahre - eine Gesamtfläche von etwa 3500 m². Er wirkt als in sich geschlossene Anlage. Dies ist zum einen eine Folge der jüdischen Bestimmungen, die vorsehen, dass eine einmal angelegte Grabstelle nicht wieder aufgelöst werden darf, weshalb die chronologische Reihenfolge der Bestattungen erhalten geblieben ist - im Gegensatz zu christlichen Friedhöfen, die einem ständigen Wandel unterworfen sind. Zum anderen sind die Bestattungen - bedingt durch die gezielte Ansiedlung der jüdischen Gemeinde durch die Ortsherrschaft auf der einen Seite und ihr schreckliches und jähes Ende während der NS-Zeit auf der anderen Seite - auf einen Zeitraum von ca. 200 Jahren beschränkt: die ältesten Steine stammen aus den 1760er-Jahren, nach der Nazizeit fanden in unserem Jahrhundert nur noch sehr wenige Beisetzungen statt. So lässt sich hier neben der Geschichte und den Einzelschicksalen Laupheimer Juden auch beispielhaft die Entwicklung der Grabsteinkunst vom späten 18., vor allem während des 19., bis hin zum frühen 20. Jahrhundert ablesen.

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Bildstock Ulmer Straße
(Karte)
Gemauert und verputzt, rechteckiger Schaft mit geschweiftem Nischenaufsatz und Dreiecksgiebel, in der korbbogigen Öffnung eine Darstellung der Schmerzensmutter, Mitte 18. Jahrhundert

Der gemauerte und verputzte barockzeitliche Bildstock bewahrt als Andachtsbild in seiner Nische eine naive, volkskünstlerischer Darstellung der Schmerzensmutter. Er ist ein anschauliches Zeugnis einer gelebten und bildlich zum Ausdruck gebrachten spezifisch katholischen Frömmigkeit.

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Finanzamt Ulmer Straße 40
(Karte)
Zweigeschossiges, massives, verputztes Eckgebäude, Mansardwalmdach mit Giebel- und Fledermausgauben, zweigeschossig ausgebaut, hohes Erdgeschoss mit Segmentbogenfenstern, Geschossgesims, Freitreppe zum loggiaüberdachten Eingang, Entwurf von Baurat O. Kuhn, 1908/09 (a)

Das frühere Finanzamt in Laupheim ist eine bemerkenswerte Marke in der Stadtgeschichte Laupheims und zugleich ein qualitätvolles Verwaltungsgebäude des frühen 20. Jahrhunderts. Damals war Laupheim zu einem wichtigen Verwaltungszentrum der Region herangewachsen. Nachdem in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts bereits die Oberamtsverwaltung nach Laupheim verlegt worden war, kam nun auch der Kameralamtssitz in die junge Stadt. Der Neubau orientierte sich zum neuen Bahnhof und zur durchgehenden Ulmer Straße hin. Bei der architektonischen Gliederung kam es dem Architekten im Sinne der Prinzipien der aktuellen Reformarchitektur auf eine gute Proportionierung der Baumassen und ein ausgewogenes Erscheinungsbild unter besonderer Betonung des Eingangs an, der in Form einer Loggia gestaltet ist. Durch sie gelangt man in eine zentrale Halle mit aufwendiger Deckengestaltung. Von hier aus sind alle Räume der Finanzverwaltung direkt oder über einen kleinen Anschlussgang zu erreichen. Im Obergeschoss lag die Wohnung des Amtsvorstehers, im ausgebauten Dach die des Dieners. Das Gebäude dokumentiert so einen Verwaltungsbau im Kaiserreich kurz vor dem Ersten Weltkrieg und ist Zeugnis der Stadtbau- wie auch Verwaltungsgeschichte Laupheims.

100272425 BW
Ölbergkapelle mit Kreuzweg Ulmer Straße 81/1
(Karte)
Bestehend aus: offene, massive und verputzte Kapelle mit Apsis, darin die gemalte Silhouette der Stadt Jerusalem und vier stehende Holzplastiken von Gabriel Lämmle; 14 Kreuzwegstationen in Backsteinhäuschen mit Terrakotta-Reliefs, errichtet nach Plänen von Regierungsbaumeister Julius Werckmann, 1879 bis 1882 (a)

Neben der St. Leonhard-Kapelle entstand 1879 nach Plänen von Regierungsbaumeister Julius Werckmann eine offene Ölbergkapelle. Die Figuren Jesu und seiner drei Jünger stammen vom Laupheimer Bildhauer Gabriel Lämmle. Nach Fertigstellung der Kapelle entstanden die 14 Kreuzwegstationen, deren Terrakotta-Reliefs ebenfalls Lämmle fertigte. Die Initiatoren und Stifter waren einflussreiche Laupheimer Bürger. Für die Anlage schlossen sie den Mesnergarten und anschließende Grundstücke zu einem Gelände zusammen, ließen einen künstlichen Hügel erinnernd an den Garten Gethsemane aufschütten und darauf die Kapelle errichten. Die 14 Stationstafeln wurden in große, aus Backstein gemauerte Stationshäuschen eingelassen, die wie die Kapelle in neuromanischem Stil gehalten sind. Die Bildwerke Lämmles heben sich von der damals üblichen, oft allzu gefühlsbetonten Darstellungsweise wohltuend durch ihre lebens- und wirklichkeitsnahe Charakterisierung ab. Der Überlieferung zufolge sollen einige der Modelle Laupheimer Bürger gewesen sein. Ölberg und Kreuzwege sind als Andachtsweg und -station zum Gedenken an die Passion Christi beredtes Zeugnis einer gelebten und bildlich zum Ausdruck gebrachten spezifisch katholischen Frömmigkeit. Eine Blüte erlebte dieser fromme Brauch in Süddeutschland vor allem in der Barockzeit. Häufig sind die Kreuzwegstationen wie hier mit der Darstellung des Ölbergs gekoppelt. Statt ursprünglich 12 Stationsdarstellungen waren in späterer Zeit meist 14 üblich. Die Laupheimer Gruppe, bestehend aus Ölbergkapelle und 14 Kreuzwegstationen, ist ein spätes, jedoch qualitätvolles und aufwendig gestaltetes Beispiel für diesen religiösen Brauch.

100273580 BW
Gefallenendenkmal Ulmer Straße 81/1
(Karte)
Angelegt für die Gefallenen und Vermissten des Ersten Weltkrieges, um 1950 nach dem Zweiten Weltkrieg erweitert und verändert, rechteckige Anlage, leicht erhöht, Mauern mit Namensinschriften, mittig Kreuzigungsbild mit Antonius- oder Taukreuz

Das Denkmal wurde zur Erinnerung an die im Ersten Weltkrieg gefallenen und vermissten Einwohner Laupheims errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es erweitert und umgestaltet. Es ist Zeugnis der Orts- und Militärgeschichte.

112856191 BW

Weitere Bilder
Kath. Wallfahrts- und Friedhofskirche St. Leonhard Ulmer Straße 81
(Karte)
Massiver verputzter Saalbau mit Satteldach, außen umspannt mit eiserner sog. Leonhardskette, leicht eingezogener Chor mit Strebepfeilern, im Norden Heilig-Grab-Kapelle, schlanker Westturm mit zweigeschossigem Achteckaufsatz und Zwiebelhaube, im Süden zweigeschossige Sakristei mit großem Wandbild von Cothen-Orla, 1933, im Südwesten zweigeschossige Kaplanei mit Satteldach, Rundbogenfenster und Eingangsportale mit Sprenggiebeln, Eselsrückennischen mit gemalten Heiligendarstellungen, im Inneren flach gedeckt mit Bandelwerkstuck und Deckenbildern, Kanzel und Stuckgrabmäler für das Ehepaar von Welden in der Hl.-Grab-Kapelle von Joseph Magg, 1798, Grabchristus von Johann Baptist Hops, 1775, Kirche im Kern um 1445 bis 1449 (a), Kapellenanbau durch Kaplan David Fogger nach einer Palästina-Wallfahrt, 1611 (a), Umbau und Barockisierung unter den Freiherren von Welden, 1726 (a), Anbau Kaplanei, 19. Jahrhundert

Die Wallfahrts- und Friedhofskirche St. Leonhard erhebt sich unmittelbar an der einstigen Reichsstraße von Ulm nach Biberach und prägt mit ihrem Turm das Nordende des alten Ortskerns. 1445 ließ der damalige Ortsherr Burkhard von Ellenbach weit außerhalb des Ortes eine Kapelle erbauen zu Ehren Unserer Lieben Frau, der Heiligen Barbara, sowie St. Leonhard und St. Antonius, die 1449 geweiht wurde. Ein früherer Laupheimer Kaplan, inzwischen Pfarrer in Bellenberg, stiftete nach seiner Rückkehr aus dem Heiligen Land 1611 eine Heilig-Grab-Kapelle, die an die Nordwand des bestehenden Gotteshauses angebaut wurde. Bereits 1650 hatte man den ursprünglich rings um die Pfarrkirche gelegenen Ortsfriedhof zur jetzigen Friedhofskapelle verlegt. Ihr heutiges Erscheinungsbild erhielt die Kapelle bei einer Umgestaltung um 1726. Damals wurden auch die Deckenfresken und der zarte Bandel-Laubwerkschmuck im Innenraum geschaffen. Die Kirche war als Grablege auch eng mit den Freiherren von Welden verbunden, an die frühklassizistische Grabmäler in der Kapelle erinnern. Eine Besonderheit stellt die um das Gotteshaus umlaufende Eisenkette dar, die sog. Leonhardsketten, die an den Patron der Kirche und seine Funktion als Schutzheiliger des Viehs erinnert. Angeblich wurde die Kette aus den Hufen verendeter Pferde, die einer großen Viehseuche zum Opfer gefallen waren geschmiedet. So veranschaulicht die Kette, die sich spätestens seit 1600 nachweisen lässt, eine gelebte Frömmigkeit der Landbevölkerung. Die Kirche ist mit Heilig-Grab und der Leonhardskette ein charakteristisches Beispiel eines kleinen oberschwäbischen Wallfahrtsorte. Nicht zuletzt belegt sie das fromme Stiftungswesen von Adel und Klerus. Sie hat überdies kirchen- und siedlungsgeschichtliche Bedeutung.

1210813
Wegkapelle Ulmer Straße
(Karte)
Massiv und verputzt mit segmentbogiger, vergitterter Nische, in der halbrunden Apsis ein lebensgroßer Christus im Kerker, 1760

Die kleine, für die Region charakteristische Wegkapelle birgt eine spätbarocke Holzskulptur, die Christus im Kerker zeigt. Diese Szene aus der Passionsgeschichte wurde um 1700 durch das Wirken der Franziskanerin Kreszentia Höß von Kaufbeuren (1682 bis 1744) zum Andachtsbild, das vor allem in Südbayern, Südwürttemberg und Vorderösterreich verbreitet war. Dargestellt ist immer der stehende, bekleidete Christus, mit seinen Händen an eine halbhohe, balusterartig ausgebildete Säule gekettet. Das Gitter, mit der die Kapelle abgeschlossen ist, gehört zur Darstellung des Kerkers. Die Laupheimer Ausprägung dieses Andachtsbildes ist vor allem wegen der künstlerisch qualitätvollen Figur des Kerkerchristus ein gutes Beispiel, zumal sie bis heute in der damals für sie geschaffenen Kapelle aufgestellt ist. Sie ist anschauliches Zeugnis einer gelebten und bildlich zum Ausdruck gebrachten Frömmigkeit in der Barockzeit.

100271777 BW
Gefängnis Weldenstraße 14
(Karte)
Dreigeschossiges, massives, verputztes Gebäude mit Aborterker, vergitterten Fenstern, Zellen mit Ausstattungselementen; Gefängnishof umgeben von einer hohen Backsteinmauer, 1844/45 (restauriert 2001); Waschhaus aus Backstein, 1898

Das Laupheimer Gefängnis erhebt sich hinter dem Schloss Kleinlaupheim. Nur sehr wenige solcher relativ kleiner Gefängnisbauten sind aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts erhalten geblieben. Oberamt und Oberamtsgericht bezogen damals die Räume des Kleinlaupheimer Schlosses, das Gefängnis wurde daher im früheren Schlosspark nahe zum Gericht gebaut. Die Innenaufteilung ist charakteristisch für solch frühe Gefängnisbauten: Im Erdgeschoss lag die Wohnung des Amtsgerichtsdieners und Gefängniswärters, in den beiden Obergeschossen waren die Gefangenen untergebracht. Die Fenster der Zellen sind heute noch – wie die des südlich angebauten Aborterkers – vergittert. Eine Besonderheit stellt die damals wohl als ausbruchsicher geltende Konstruktion der Außenwände dar: Eine enge Reihung senkrechter Holzstützen mit Backsteinausfachung oder kräftige Ständerbohlenwände sollten ein Durchbrechen unmöglich machen. Zum Gefängnis gehören der umgebende Hofbereich und vor allem die hohen Backsteinmauern, die die Anlage abschließen. An deren Innenseite wurde 1898 ein kleines Waschhaus angebaut, das aus Backstein mit farbig abgesetzten Schmuckformen errichtet ist. Das Gefängnis ist ein anschauliches Zeugnis des Justizvollzugs und der Haftbedingungen im 19. Jahrhundert und belegt zugleich die württembergische Verwaltung nach Übernahme der Herrschaft 1805/06.

100274867 BW
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Obersulmetingen

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Bild Bezeichnung Lage Datierung Beschreibung ID
Schlossanlage der Benediktiner-Reichsabtei Ochsenhausen Cölestin-Frener-Platz 1, 2; Schloßgarten
(Karte)
1823 bis 1849 Amtssitz der Fürsten von Thurn und Taxis, bis 1853 Rentamt der der Thurn und Taxis, erbaut unter Abt Cölestin Frener nach Plänen von Christian Wiedemann, Oberelchingen, 1725 bis 1727 (a); bestehend aus:
  • Schloss (heute Schule und Ortsverwaltung, Cölestin-Frener-Platz 1), dreigeschossiger verputzter Massivbau, Mansardwalmdach mit geschweiften Gauben und Dachreiter, großes Zwerchhaus mit Schweifgiebel und Ladeluken, regelmäßig gereihte Fensterachsen und Lisenengliederung;
  • Schlosskapelle, seit 1819 kath. Pfarrkirche St. Ulrich (Cölestin-Frener-Platz 2), Korbbogenportal mit Pilasterrahmung und geschweiftem Giebel, darüber aufgemalte Sonnenuhr mit Dreifaltigkeit, im Inneren flachgedeckte Saalkirche, Umbauten 1872 (a) und 1932 (a);
  • verputzte Vorhofummauerung mit Scharten, Ein- und Ausfahrt durch verzierte Pfeiler;
  • Gartenummauerung;
  • Park- und Freifläche

Die Schlossanlage beherrscht, weithin sichtbar auf einer Anhöhe gelegen, Orts- und Fernbild von Obersulmetingen. Sie ist einer jener für Oberschwaben charakteristischen klösterlichen Schlossbauten, die als Amts- und Sommersitze in den Besitzungen der reichsfreien Klöster und Abteien entstanden, hier Ochsenhausens. 1699 erwarb die Benediktinerabtei Ochsenhausen den Ort Obersulmetingen, den sie zum Amtssitz erhob. Abt Cölestin Frener (reg. 1725 bis 1737) erbaute hier 1725 bis 1727 an der Stelle und zum Teil auf den Trümmern einer früheren Burg eine Sommerresidenz. Architekt war Christian Wiedemann. Er gilt als der bedeutendste Baumeister des oberschwäbischen Donau-Iller-Gebiets im 1. Drittel des 18. Jahrhunderts. Auch im Stammkloster Ochsenhausen war er zu jener Zeit tätig. Sein mächtiger barocker Kastenbau in Obersulmetingen umfasste, wie es für geistliche Herrschaftssitze üblich ist, eine über zwei Stockwerke reichende große Kapelle, die seit 1819 als katholische Pfarrkirche dient. Die früheren Wohnräume des Abtes sind anschaulich erhalten: Eine zweiarmig gegenläufige Holztreppe mit eichenen Balustern führt in das 1. Obergeschoss. Hier sind die einstigen Wohnräume mit Bandelwerk-Stuckdecken verziert. Im 2. Obergeschoss, wo die Repräsentationsräume lagen, geriet die Ausstattung wesentlich aufwendiger: Im früheren Festsaal beispielsweise ist die Decke außer mit Kartuschen und Bandelwerk mit der Darstellung von Vögeln und Köpfen, Sphingen und allegorischen Figuren geschmückt. Sie veranschaulichen den Repräsentationsanspruch des Abtes und dokumentieren die hohe Qualität barocken Stuckatorenhandwerks. Nachdem die Gemeinde 1871 das Schloss erworben hatte, ließ sie die Kapelle vergrößern. Aus dem ursprünglich dreischiffigen, kreuzgewölbten Gotteshaus mit Dreiseitchor und mächtigen Mittelpfeilern wurde nach den Umbauten von 1872 und einem weiteren von 1932 ein flach gedeckter, weiter Raum. Von der ursprünglichen Ausstattung haben sich noch Altäre, Kanzel und Gestühlswangen erhalten. Das Schloss ist wichtiges Zeugnis der Obersulmetinger Kirchen-, Siedlungs- und Herrschaftsgeschichte und dokumentiert nicht zuletzt die Baukultur der Abtei Ochsenhausen in ihren Besitzungen.

1211729 BW
Gefallenendenkmal für die Toten des Ersten Weltkriegs Cölestin-Frener-Platz 7
(Karte)
Auf rustiziertem Sockel eine Vierkantsäule aus Kunststein mit Inschrift, Kapitell mit Eisernen Kreuzen und Voluten, bekrönt von einem Lorbeerkranz und Stahlhelm, nach 1918

Das ursprünglich beim Schloss aufgestellte und wohl beim Neubau der Schule versetzte Denkmal aus Kunststein trägt auf der Vorderseite die Inschrift: „Obersulmetingen seinen gefallenen Kriegern. 1914 bis 1918.“ Das mit einigem Aufwand gestaltete Gefallenendenkmal ist wichtiges Zeugnis der Ortsgeschichte unter dem Einfluss des Ersten Weltkriegs und veranschaulicht die lokale Erinnerung an dieses Ereignis.

100381264 BW
Stahlbetonbrücke in Plattenbalkenkonstruktion über zwei Mittelstützen Hanfgarten
(Karte)
Um 1910

Die Brücke, die einen alten Ortsverbindungsweg zwischen Laupheim und Obersulmetingen über die Bahngleise führt, ist ein frühes, formschönes und ingenieurtechnisch bemerkenswertes Beispiel für den Einsatz von Beton. Sie ist eine der ältesten Stahlbetonbrücken Baden-Württembergs. Über den mächtigen Böschungspfeilern und den beiden freitragenden Stützen schwebt eine zierliche Brücke, die in einem leichten Schwung die beiden Seiten miteinander verbindet. Erzielt wird diese Wirkung mit der von Hennebique erfunden Plattenbalkenkonstruktion, eine technische Erfindung aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, die auch in Baden und Württemberg schnell Verbreitung fand.

101165825 BW
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Untersulmetingen

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Bild Bezeichnung Lage Datierung Beschreibung ID
St. Johannes von Nepomuk Murrstraße
(Karte)
Holzfigur in Priestertracht in einer Rundnische eines Ökonomiegebäudes, 18. Jahrhundert

Der Überlieferung zufolge wurde Johannes von Nepomuk, der Generalvikar der Diözese Prag, 1393 auf Befehl des böhmischen Königs in der Moldau ertränkt, weil er das Beichtgeheimnis wahrte. Ab dem 17. Jahrhundert, vor allem aber nach seiner Heiligsprechung 1729 wurde Johannes von Nepomuk weit über die Grenzen Böhmens hinaus verehrt; in Süddeutschland wurde er der populärste Heilige der Barockzeit. Er gilt als Patron der Beichtenden sowie der Flößer und Schiffer; sein Standort ist üblicherweise die Brücke. Die Figur des Heiligen, heute in der Funktion als Schutzpatron eines landwirtschaftlichen Anwesens, ist ein charakteristisches Zeugnis der Frömmigkeit im überwiegend katholisch geprägten Oberschwaben.

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Kath. Pfarrkirche St. Georg und Sebastian Niederkirch 1
(Karte)
Sog. Niederkirch, massiver verputzter Saalbau mit eingezogenem Polygonalchor, Westturm mit achteckigem Aufbau und Zwiebelhaube, zweigeschossiger Sakristeianbau mit abgewalmtem Satteldach im Süden, Inneres mit Flachdecken, im Chor reich stuckiert, Deckengemälde, Westempore, über dem Chorbogen Wappen des Abtes Benedikt Denzel von Ochsenhausen, reiche Ausstattung, im Hochaltar Madonna von Hans Dürner, um 1610, auf dem Altar Holzbildwerke von Dominikus Hermenegild Herberger, 18. Jahrhundert, Kirche im Kern 1430, Turmaufsatz und Haube, 1679 (a); Umbau und Barockisierung, 1743/44 (a), Erneuerung 1904 (a)

Am Nordende des Ortes, einst auf freiem Feld, liegt die sog. Niederkirch, 1275 erstmals urkundlich erwähnt, und ab 1430 neu gebaut. Die Wallfahrt zur Maria Königin (heutiges Gnadenbild um 1610 von Hans Dürner aus Biberach) besteht seit dem 13. Jahrhundert. Außerdem war das Gotteshaus lange Zeit Pfarrkirche für Sulmetingen, auch nach der Teilung des Marktfleckens in Ober- und Niedersulmetingen (heute Untersulmetingen). Das Patronatsrecht lag 1699 bis 1803 beim Kloster Ochsenhausen, das die Niederkirch unter Abt Benedikt Denzel (reg. 1737 bis 1767) bis 1744 barockisieren ließ, wie das Wappen über dem Chorbogen und am Gestühl belegt. Damit schuf die Benediktiner-Reichsabtei einen repräsentativen Kirchenraum, mit dem sie ihre Seelsorge wie auch ihre Orts- und Patronatsherrschaft deutlich inszenierte. Die Förderung der Wallfahrt war dabei wichtiger Bestandteil der Stärkung des Glaubens wie auch als bedeutende Einnahmequelle für die Kirche. Folglich wurde das 1610 geschaffene Gnadenbild im Hochaltar entsprechend in Szene gesetzt. Im Inneren hat sich bemerkenswerte Ausstattung aus der Barockzeit erhalten. Chor und Chorbogen zieren reiche Stuckaturen mit Bandel- und Gitterwerk. Auf dem Hochaltar stehen die Figuren der Heiligen Walburga und Ottilie von der Hand des Ochsenhausener Bildhauers Dominikus Hermenegild Herberger, einem der führenden Bildschnitzer des oberschwäbischen Barocks. Einige bedeutende Ausstattungsstücke stammen noch aus älterer Zeit, so eine Beweinungsgruppe der Biberacher Schule um 1500 sowie fünf Grabmale aus der Zeit um 1600, von denen drei Arbeiten des Ulmer Bildhauers Michael Schaller sind. Das Gotteshaus ist wichtiges Zeugnis der Sulmetinger Kirchen- und Siedlungsgeschichte und beispielhaft für eine unter geistlicher Herrschaft reich und qualitätvoll ausgestattete größere Dorfpfarrkirche.

100387440 BW
Schloss Untersulmetingen Kapellenberg 1, 3; Schloßweg 1
(Karte)
Erbaut für Hieronymus Roth von Schreckenstein anstelle älterer, 1525 zerstörter Ortsadelsburg, bestehend aus:
  • Hauptbau des Schlosses, dreigeschossiger verputzter Bau mit Satteldach, Erd- und 1. Obergeschoss massiv, darüber Fachwerk mit leichter Vorkragung, Reste eines Bogenfrieses an der Süd- und Nordfassade, im Giebel Ladeluken und Kranausleger, barocke Innenausstattung, errichtet 1538 bis 1542 (a), Umbau und Barockisierung durch Kloster Ochsenhausen, 1730 bis 1732 (a);
  • Schlosskapelle, heute kath. Kirche St. Otmar (Kapellenberg 1), massiver verputzter Saalbau mit dreiseitigem Chorschluss, schlanker Westturm mit Zwiebelhaube, Rundbogenfenster in Stichbogenblenden, im Inneren Westempore, Flachdecke und Wände mit reichen Rocaillestuckaturen, Wand- und Deckengemälde, reiche und qualitätvolle Ausstattung, u. a. von Franz Joseph Spiegler und Dominikus Hermenegild Herberger, neu errichtet unter Trajan Fugger, 1608 (a), Umbau und Barockisierung für Abt Benedikt Denzel durch Johann Wiedemann, Oberelchingen, 1740 bis 1742 (a);
  • Wirtschafts- oder Amtsgebäude (heute Rathaus, Kapellenberg 3) zweigeschossiger verputzter Massivbau mit Satteldach in Verlängerung der Kirche, traufseitige Erschließung, im Kern 1538, Umbau 1730 bis 1732 (a);
  • Mauern aus Backstein und Freiflächen, alte Mauerzüge, Gartenummauerung

Das Schloss liegt auf einer Anhöhe im Südosten des Dorfes und beherrscht weithin das Ortsbild von Untersulmetingen. Der Schlossbau entstand nach der Zerstörung der Vorgängeranlage im Bauernkrieg 1525 für Hieronymus Roth von Schreckenstein. Das hohe Hauptgebäude tradiert den mittelalterlichen Typus des festen Hauses, der viele oberschwäbische Rittersitze auszeichnete, und ist kennzeichnend für den adeligen Schlossbau der Region an der Wende vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit. Seit 1729 befand sich Untersulmetingen im Pfandbesitz, seit 1753 endgültig im Besitz der Reichsabtei Ochsenhausen. Unter ihrer Herrschaft fand die Barockisierung vor allem des Inneren statt. Zuerst erhielt der Hauptbau eine modernere wandfeste Ausstattung, dann wurde unter Abt Benedikt Denzel 1740 bis 1742 das Innere der Kapelle aufwendig neu dekoriert. Dazu wurden einige der besten Künstler Oberschwabens herangezogen, so u. a. der Bildhauer Dominikus Hermenegild Herberger, der die Kanzel schuf, Hans Georg Schopp, dem der Hochaltar zu verdanken ist, und Franz Joseph Spiegler, der die Deckenfresken und Wandbilder malte. An der Kapellensüdseite ist ein Oratorium angebaut, von dem einst ein Gang zum Schloss führte, so dass die Äbte bei Aufenthalten in Untersulmetingen ihr Oratorium in der Kapelle trockenen Fußes erreichen konnten. Die Schlossanlage veranschaulicht eindrucksvoll nicht nur einen oberschwäbischen Adelssitz, sondern mit der reichen Ausstattung vor allem die geistliche Klosterherrschaft, die für die Region prägend war. In der künstlerisch anspruchsvollen Ausgestaltung der Kapelle präsentierte sich die monastische Herrschaft gerade gegenüber ihren Untertanen. Das Schloss ist zentrales Zeugnis der Orts- und Siedlungsgeschichte und dokumentiert die wechselnden weltlichen wie geistlichen Herrschaften sowie die Kirchengeschichte Untersulmetingen. Nicht zuletzt hat es Bedeutung für die Entwicklungen des Schlossbaus in der Region und die barocke, von den Klöster geförderte Kunst.

100383663 BW
Sühnekreuz Frauenwiese
(Karte)
Sandstein, Spätmittelalter

Bei dem kleinen Sandsteinkreuz wohl noch aus spätmittelalterlicher Zeit handelt es sich um ein so genanntes Sühnekreuz. Nach mittelalterlichem Recht konnten Personen, die einen Totschlag begangen hatten, vertraglich zu verschiedenen Sühneleistungen verpflichtet werden, zu denen in der Regel auch die Aufstellung eines steinernen Kreuzes gehörte, gewöhnlich am Tatort. Der Überlieferung nach soll hier Hans von Sulmetingen jemanden im Streit erschlagen haben. Das Kreuz dokumentiert somit einen mittelalterlichen Rechtsbrauch.

100388290 BW
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Einzelnachweise

Commons: Kulturdenkmale in Laupheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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