Wikiwand AI

Liste der Kulturdenkmale in Holzgerlingen

Wikimedia-Liste From Wikipedia, the free encyclopedia

In der Liste der Kulturdenkmale in Holzgerlingen sind die Kulturdenkmale der Stadt Holzgerlingen im Landkreis Böblingen in Baden-Württemberg aufgelistet.

Legende

Die ab Oktober 2025 erstellten Tabellen basieren auf den vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg im September 2025 veröffentlichten Geodaten. Lizenzhinweis: dl-de/by-2-0 (https://www.govdata.de/dl-de/by-2-0): Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, www.denkmalpflege-bw.de. Die Adressangaben und Bezeichnungen sind in der dargestellten Form nicht Teil der Ausgangsdaten. Die Adressen wurden automatisch aus den Koordinaten berechnet und können von den korrekten Adressen abweichen. Die Bezeichnungen wurden zunächst automatisiert dem Anfang der vom Landesamt für Denkmalpflege bereitgestellten Objektbeschreibungen entnommen.

  • Bild: Zeigt ein ausgewähltes Bild des Objekts, „Weitere Bilder“ verweist auf die zugehörige Kategorie im Medienarchiv Wikimedia Commons. In der Kartenansicht sind Kulturdenkmale ohne Bild an einem blauen Marker erkennbar. Auf das Kamerasymbol klicken, um weitere Fotos für diese Liste hochzuladen: Datei hochladen
  • Bezeichnung: Nennt den Namen, die Bezeichnung oder die Art des Kulturdenkmals.
  • Lage: Straßenname und Hausnummer oder Flurstücknummer des Kulturdenkmals, gegebenenfalls auch Gemarkung oder Ortsteil. Die Grundsortierung der Liste erfolgt nach dieser Adresse. Der Link (Karte) führt zu verschiedenen Kartendiensten mit der Position des Kulturdenkmals. In einem Tool mit Kartenansicht können die Koordinaten durch Verschieben korrigiert werden.
  • Datierung: Baubeginn, Fertigstellung, Datum der Erstnennung oder grobe zeitliche Einordnung entsprechend dem Eintrag in der zugrundeliegenden Denkmaldatenbank des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg.
  • Beschreibung: Kurzcharakteristik des Kulturdenkmals, Nennung der geschützten Bestandteile und Begründung der Denkmaleigenschaft. Die Paragraphen § 2, § 12, § 19 oder § 28 verweisen auf die Art der Einstufung gemäß baden-württembergischem Denkmalschutzgesetz.
  • ID: Identifikator des Objekts in der zugrundeliegenden Datenbank des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg

Abkürzungen

Kulturdenkmale nach Ortsteilen

Holzgerlingen

Weitere Informationen Bild, Bezeichnung ...
Bild Bezeichnung Lage Datierung Beschreibung ID
Gebäude des Bahnhofs Holzgerlingen Bahnhofplatz 1
(Karte)
Bestehend aus: Empfangsgebäude, eingeschossig, teils giebel- und traufständig, Sattel- und Halbwalmdach z. T. mit Aufschiebling und abgestütztem Überstand, Bruchstein mit Eckquaderung, teils verbretterte Giebel, vorstoßende Balkenköpfe, Zwillingsfenster, Werksteinrahmen, Eckquaderung, bezeichnet in Werksteinmedaillon über Eingang, 1909 (i); Toilettengebäude, traufständig, eingeschossig, Satteldach, verbrettert, profilierte Pfettenköpfe, 1909

Die 1909 errichteten Bahnhofsgebäude gehören zu der im gleichen Jahr von den Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen eingerichteten Nebenstrecke Böblingen – Dettenhausen. Vor allem das Hauptgebäude ist geprägt durch den Wechsel der Ansichtsseiten, bewusste Asymmetrie und Vielansichtigkeit, naturbelassene Materialien und Anlehnung an traditionelle Bauformen wie z. B. Halbwalm, vorstoßende Balkenköpfe und Zwillingsfenster. Dies sind typische Merkmale des im frühen 20. Jahrhundert geprägten Heimatstils, der trotz Rückgriff auf Motive der Vergangenheit auf die reichen Dekorationsformen des Historismus verzichtet und stattdessen der Gruppierung verschiedener Baukörper in stets neuen Varianten den Vorzug gibt. Südlich vom Empfangsgebäude befindet sich das Toilettengebäude, das u. a. mit seiner Holzverschalung und den profilierten Pfettenköpfen auf die architektonische Formensprache des Hauptgebäudes Bezug nimmt und somit durchaus einen gestalterischen Anspruch verrät. Toilettenhäuser waren notwendiger Bestandteil jeder Bahnhofsausstattung. Auf der Strecke Böblingen – Dettenhausen ist jedoch nur noch das Exemplar in Holzgerlingen anschaulich überliefert. Empfangsgebäude und Toilettengebäude besitzen als typisches Beispiel für eine Bahnhofsanlage des frühen 20. Jahrhunderts sowie als kennzeichnendes Beispiel einer kurzen Stilphase, die sowohl öffentliche als auch private Bauten bestimmte, insbesondere technikgeschichtlichen und architekturgeschichtlichen Zeugniswert. So sind die Bahnhofsgebäude für die Orts- und die Verkehrsgeschichte von Holzgerlingen von Bedeutung.

101480107BW
Gefallenendenkmal mit Brunnenhaus Bahnhofstraße 2; Böblinger Straße 6
(Karte)
Älterer Brunnenbogen, bezeichnet im Scheitel, 1893 (i), mit eingemauerten Spolien, bezeichnet 1580 und 1710 (i), darüber auf rechteckigem Sockel Sandsteinskulptur eines zurückblickenden Reiters, dessen Pferd sich vor einem zu Boden gefallenen Soldaten aufbäumt, dahinter steinerne Namenstafeln der im Ersten Weltkrieg gefallenen Ortsangehörigen, geschaffen vom Stuttgarter Bildhauer Wilhelm Julius Frick, 1922 (a)

Das mit einem Brunnenhaus kombinierte Gefallenendenkmal befindet sich vor der Kirche und entspricht mit der zentralen Lage seiner Bedeutung für Holzgerlingen. Dem im Scheitel in das Jahr 1893 datierten Brunnenbogen ist eine Spolie mit den Jahreszahlen 1580 und 1710 eingefügt. Das somit weit in die Vergangenheit rekurrierende Bauwerk dient als Basis eines skulpturalen Denkmals für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, das mit der zeittypischen Inschrift „1914 Treue um Treue 1918“ versehen und von den Namenstafeln der getöteten Soldaten hinterfangen ist. Sein Urheber, der Bildhauer Wilhelm Julius Frick, war Schüler der Stuttgarter Kunstakademie und am Figurenfries im Foyer des Stuttgarter Hoftheaters beteiligt. Die monumentale Skulpturengruppe in Holzgerlingen zählt zu den bedeutenderen künstlerischen Leistungen der in den 1920er-Jahren errichteten Gefallenendenkmäler und belegt eindrücklich die Erinnerungskultur in jener Zeit.

101481364BW
Ev. Pfarrkirche (St. Mauritius) Bahnhofstraße 2, 2/1
(Karte)
Längsrechteckiger flachgedeckter Saal mit Spitzbogenfenstern, Satteldach, eingezogener Chor mit Spitzbogenfenstern, Netzgewölbe und Schlusssteinreliefs, nördlich angebaute netzgewölbte Sakristei, viergeschossiger Westturm mit Knickhelm, verputzt mit ockerfarbiger Sandsteingliederung und Eckquaderung, innen Ausstattung vorwiegend 17. Jahrhundert, von Außentreppe zugängliche Pfeilerempore entlang Süd- und Westseite, bezeichnet 1677 (i), romanischer Turm ca. 12. Jahrhundert, spätgotisch erneuert 1473 bis 1482, bezeichnet am Chor und Südportal, 1473 (i), Turm nach Brand erneuert, 1768 (a); an Turmsüdseite sog. Totenhäusle, Beinhaus, massives Erdgeschoss tonnengewölbt, darüber (neuzeitliches) Fachwerk, Satteldach mit Aufschiebling, bezeichnet an vermauertem Inschriftenstein, 1481 (i); an Außenwand des Schiffs Epitaphien des 16.-19. Jahrhunderts; Reste der Wehrmauer an der Ost-, Nord- und Südwestseite und Kirchhofmauer

Die Kirche von Holzgerlingen wird 1275 erstmals genannt und ist im Kern eine der in der Region häufiger anzutreffenden Wehrkirchenanlagen, die der Bevölkerung als Zufluchtsstätte dienen konnten. Von dieser haben sich noch die unteren Geschosse des Wehrturms und Reste der ehemaligen Wehrmauer erhalten. Die Schirmherrschaft ging im Verlauf des 14. Jahrhunderts vom Ortsadel, den Herren von Holzgerlingen, an die Grafen von Württemberg. Sie übergaben diese 1487 dem Stift Tübingen und damit der Universität, die es bis 1924 innehatte. Der Sakralbau bildet im nördlichen Ortsteil zusammen mit dem Pfarrhof, dem Gefallenendenkmal und der ehemaligem Schule eindrucksvoll das alte Zentrum des einstigen Dorfes, dessen Erscheinungsbild er durch seine erhöhte Lage innerhalb der einstigen Umwehrung und durch den mächtigen Turm dominiert. Der überwiegend von spätgotischen Formen geprägten Anlage kommt aufgrund ihres hohen Alters und ihrer in seltener Geschlossenheit überlieferten Bestandteile wie dem Beinhaus, den an der Außenwand angebrachte Epitaphien des einstigen Kirchhofs sowie den überlieferten Wehrmauerresten, hohe bau- und kulturgeschichtliche Bedeutung zu. Hervorzuheben ist dabei insbesondere das Beinhaus, welches eindrücklich die spätmittelalterliche Bestattungskultur bezeugt. Das Gotteshaus hat als Ausgangspunkt für die Entwicklung Holzgerlingens zentralen orts- und siedlungsgeschichtlichen Wert und ist ein anschaulich überliefertes Beispiel des spätgotischen Kirchenbaus auf dem Land.

1194133BW
Schulhaus mit Lehrerwohnung Bahnhofstraße 4
(Karte)
An Kirchhofmauer angeschlossener dreigeschossiger Bau in Hanglage, Krüppelwalmdach, gemauertes Erdgeschoss mit Eckquaderung, überwiegend verputzt, traufseitig erschlossen mit Rundbogentor, 1811 (a), westlich kleiner traufständiger Anbau mit Segmentbogenfenstern und Satteldach, erhöht über der Kirchhofmauer, um 1910

Der um 1811 erfolgte Schulhausneubau bezog Teile der einstigen Kirchhofmauer mit ein und erstreckt sich parallel zur erhöht liegenden Pfarrkirche. Diese Lage im alten Ortskern, die Größe sowie die ursprüngliche Funktion des Gebäudes, die sich auch im Bautypus ausprägt, verdeutlichen seine Bedeutung für die Ortsgeschichte als wichtige öffentliche Einrichtung. Rundbogentor und Krüppelwalmdach erweisen die zeitliche Nähe des Baus zum 18. Jahrhundert, während seine glatten Mauern die Entstehungszeit im frühen 19. Jahrhundert veranschaulichen. Er umfasste in zeittypischer Weise auch eine Lehrerwohnung. Infolge der starken Zerstörungen Holzgerlingens im Zweiten Weltkrieg, die auch das Rathaus betrafen, befand sich hier von 1945 bis 1950 die kommunale Selbstverwaltung der Gemeinde.

101480929BW
Schulhaus Böblinger Straße 28
(Karte)
Dreigeschossiger Backsteinbau in Kopflage, hohes Mansarddach, mehrseitige Fassadenausbildung mit mittigen dreiachsigen Zwerchhäusern, Horizontalgliederung durch kräftiges Stockwerkgesims in Sandstein und Dreiecksgiebel, nach Entwürfen des Böblinger Architekten Hans Sigloch, 1913/14 (a)

Das neue Schulhaus wurde 1914 am nördlichen Rand des alten Ortskerns an der Böblinger Straße erbaut. Seine auffällige Kubatur mit der mehrseitigen Fassadenausbildung ist der prominenten Kopflage geschuldet. Das Gebäude stellt einen in Württemberg seltenen Sichtziegelbau mit expressionistischen Elementen und einer Formensprache der Zeit um 1800 dar, die sich durch eine Mischung klassizistischer Stilmerkmale und reduzierter barocker Details auszeichnet. Dabei ist auch der Materialwechsel des kräftigen Gesimses und des Erdgeschosses kennzeichnend. Das im Baubestand hervorstechende Schulhaus hat aufgrund seiner Gestalt und Größe repräsentative Wirkung und prägt das Ortsbild der Gemeinde entscheidend. Es ist ein anschauliches Beispiel der baukünstlerischen Bestrebungen im frühen 20. Jahrhundert. Mit seiner wichtigen öffentlichen Funktion ist es für die Ortsgeschichte von Holzgerlingen von Bedeutung und hat zudem architektur- sowie stilgeschichtlichen Zeugniswert.

101481573BW
Nord-Süd-Leitung Bühlenstraße 6
(Karte)
Verbundleitung des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerks (heute RWE AG), 220 kV-/380 kV-Hochspannungsleitung auf Stahlgittermasten, 1924 bis 1930

Die 1924 bis 1930 vom Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk (RWE) in Zusammenarbeit mit regionalen Energieversorgern errichtete Nord-Süd-Leitung erstreckt sich von Brauweiler (Nordrhein-Westfalen) über Koblenz-Wallersheim und Bad Neuenahr (Rheinland-Pfalz), Kelsterbach (Hessen), Mannheim-Rheinau, Ludwigsburg-Hoheneck, Herbertingen (Baden-Württemberg) und Lindau (Bayern) bis Bürs bei Bludenz (Vorarlberg/Österreich). Ein zweiter Leitungsstrang verbindet Herbertingen und Gurtweil (Baden-Württemberg). Hintergrund ihrer Errichtung war der Gedanke, dass nur ein überregionaler Energieaustausch mittels Verbundnetzen eine sichere und wirtschaftliche Stromversorgung garantieren könne. Die Nord-Süd-Leitung ermöglichte den Lastausgleich zwischen den rheinischen Braunkohlekraftwerken, die die Grundlast abdeckten (v. a. Goldenbergwerk des RWE), und den süddeutschen und alpinen Speicherwasserkraftwerken, die der Deckung der Spitzenlast dienten (v. a. Vermuntwerk der Illwerke). Zur Übertragung wurde hochgespannter Wechselstrom mit einer Spannung von 220 kV eingesetzt, eine Technologie, die hier erstmals in großem Stil in Europa zur Anwendung kam. 1928 waren die Bauarbeiten in Baden und Württemberg abgeschlossen, 1930 floss der erste Strom. Die zunächst als 220 kV-Leitung errichtete Nord-Süd-Leitung wurde 1957/1958 im Abschnitt zwischen Rommerskirchen (Nordrhein-Westfalen) und Ludwigsburg-Hoheneck auf eine Spannung von 380 kV umgestellt. Damit war sie die erste 380 kV-Leitung Deutschlands. Die Nord-Süd-Leitung gilt als Pionierleistung im Bereich der Elektrizitätsversorgung und -wirtschaft. Sie stellt einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum heutigen europäischen Elektrizitätsverbund dar. In ihrem weitgehend bauzeitlichen Überlieferungszustand hat die Nord-Süd-Leitung hohen Zeugniswert für die Technikgeschichte. Zudem hat sie Seltenheitswert, da andere technikgeschichtlich bedeutsame Freileitungen bereits abgebaut wurden.

111211738BW
Seldnerhaus Friedhofstraße 11
(Karte)
Eingeschossiger, giebelständiger Fachwerkbau, Satteldach mit Aufschiebling, teils verputzt, freiliegender Südgiebel mit Zierfachwerk auf Balkenköpfen zweifach vorkragend, um 1750

Das am nordöstlichen Rand des alten Ortskerns errichtete kleine Fachwerkhaus ist ein charakteristisches Seldnerhaus, d. h. das Wohnhaus eines Angehörigen der landlosen bäuerlichen Unterschicht, der seinen Lebensunterhalt im Wesentlichen durch Tagelöhnerarbeit verdiente und allenfalls eigenes Kleinvieh besaß. Im späteren 18. Jahrhundert kam es vermehrt zur Ansiedlung von Seldnern an den Ortsrändern. Mit dieser einstigen Funktion ist das Gebäude ein anschauliches und heute selten überliefertes Beispiel, das haustypologische Bedeutung hat und Einblick gibt in das historische Sozialgefüge im ländlichen Raum.

101486063BW
Friedhof Friedhofstraße 15; Lessingweg
(Karte)
Bestehend aus: Begräbnisanlage (heute Park); Friedhofsmauer mit Torpfosten aus Bruchsteinmauerwerk mit Deckplatte, 1828 (a); Gefallenendenkmal für die im Ersten Weltkrieg getöteten/ums Leben gekommenen Ortsangehörigen, 20. Jahrhundert

Entstehungszeit und Lage des Holzgerlinger Friedhofs bezeichnen eine charakteristische Situation: Die Verlegung des um die Kirche gelegenen mittelalterlichen Begräbnisplatzes an den Rand des Ortes, ein vor allem im 19. Jahrhundert in vielen Ortschaften zu beobachtender Vorgang, der seine Gründe in den geringen Dimensionen und der problematischen Hygiene der innerörtlichen Kirchplätze hatte. Die 1828 geschaffene Anlage ist zusammen mit dem Gefallenendenkmal des 20. Jahrhunderts ein für die Ortsgeschichte bedeutsames Dokument, das die lokale Bestattungs- und Erinnerungskultur belegt.

101486083BW
Wohnhaus Hintere Straße 2
(Karte)
Zweigeschossiger Fachwerkbau in Ecklage, Satteldach mit Aufschiebling, im Erdgeschoss und seitlich verputzt, Ostgiebel mit Zwillingsfenstern, dreifach vorkragend, Andreaskreuze, profilierte Knaggen und Fußschwellen mit kielbogig gefasten Unterkanten, gebogenen Büge und Rautenfelder, Obergeschoss mit V-förmigen Brüstungsfeldern, 18. Jahrhundert

Das Wohnhaus befindet sich in Ecklage am westlichen Rand des alten Ortskerns und zeichnet sich durch sein reich verziertes Fachwerk an Obergeschoss und Giebel aus, das typische Merkmale des 18. Jahrhunderts aufweist. Der Formenreichtum belegt anschaulich das kunsthandwerkliche Gestalten der Entstehungszeit und prägt das Ortsbild entscheidend. Verstärkt wird diese Wirkung noch durch die Ecklage des Gebäudes, das für die Haus- und Ortsbaugeschichte von Bedeutung ist.

101486105BW
Pumpbrunnen Hülbenstraße 1
(Karte)
Gusseisern, klassizistisch gebildete Säule auf Achtkantpfeiler, 2. Hälfte 19. Jahrhundert

Der Pumpbrunnen ist ein charakteristisches und anschaulich überliefertes Zeugnis der Wasserversorgung im 19. Jahrhundert in Kleinstädten und Dörfern vor Anlage moderner Wasserleitungsnetze. Als Gusseisenfabrikat belegt er die serielle Produktion solcher Funktionsobjekte im Zeitalter der Industrialisierung.

101486225BW
Ev. Pfarrhof Kirchstraße 12
(Karte)
Bestehend aus: Wohnhaus, ein- bis zweigeschossiger Massivbau mit Krüppelwalmdach, verputzt, Eckquaderung, Zwillingsfenster und vermauertes Rundbogentor in profilierten Gewänden, älterer Kern, geht wohl zurück auf einstigen Ortsadelssitz und württembergisches Jagdschloss, Erd- und Obergeschoss 16. Jahrhundert, Krüppelwalmdach mit ausgebautem nördlichem Giebel 18. Jahrhundert; Backhaus, kleiner Massivbau, Satteldach mit Auschiebling, Fachwerkgiebel, sonst teils verputzt und verbrettert, Eckquaderung, 18. Jahrhundert; gusseiserner Pumpbrunnen, klassizistisch gebildete Säule auf Polygonalpfeiler, 2. Hälfte 19. Jahrhundert; Umfassungsmauer aus Bruchstein (Sachgesamtheit)

Der Pfarrhof bildet zusammen mit der Kirche anschaulich das alte Zentrum des nördlichen Ortsteils, wo er erhöht innerhalb einer eigenen einstigen Wehrmauer liegt. Er stellt mitsamt Wohnhaus, Backhaus, Pumpbrunnen und Einfriedung ein anschaulich überliefertes, repräsentatives Bauensemble dar, das beispielhaft und über mehrere Jahrhunderte hinweg die Arbeits- und Wohnverhältnisse eines Pfarrhaushaltes verdeutlicht und dessen ökonomische Situation nachvollziehbar macht. Das Hauptgebäude geht wohl zurück auf einen befestigten Wohnsitz der Ortsadligen, der nach deren Aussterben im 15. Jahrhundert zeitweise als württembergisches Jagdschloss gedient haben soll. Seine wechselhafte Baugeschichte und unterschiedlichen Funktionen sind noch heute am Außenbau ablesbar. In seiner architektonischen Ausprägung und ortsbaulichen Lage weist das stattliche Anwesen auf die herausgehobene gesellschaftliche Stellung des Pfarrers in der Dorfgemeinschaft hin. Es nimmt aufgrund seiner Funktionsgeschichte und seines Alters einen wichtigen Stellenwert im Baubestand ein und ist für die Orts- und Kirchengeschichte von Holzgerlingen von hoher Bedeutung.

101486269BW
Wohnhaus Klemmertstraße 8
(Karte)
Zweigeschossiger, traufständiger Fachwerkbau, Satteldach mit Aufschiebling, Rautenfachwerk im Obergeschoss, kielbogig gefaste Schwellbalken, Westgiebel verschindelt, Ostgiebel mit Zwillingsfenstern zwischen hohen Fußstreben, Holzlaube im Erdgeschoss, 17. Jahrhundert

Das Gebäude vermittelt einen anschaulichen Eindruck der älteren Ortsgestalt Holzgerlingens. Der Fachwerkbau zeigt typische Merkmale seiner Entstehungszeit im 17. Jahrhundert. Bemerkenswert ist die Holzlaube im Erdgeschoss der freistehenden Giebelseite, die dem Durchgang, möglicherweise auch der Durchfahrt in einen Hof diente. Das Gebäude veranschaulicht historische Wohn- und Bauformen auf dem Land und hat haus- sowie ortsbaugeschichtlichen Zeugniswert.

101486382BW
Sog. Schaichhof Schaichhof 1
(Karte)
Ab 1824 Hofdomäne der Könige von Württemberg, bestehend aus: Gutshaus, zweigeschossiger Bau, Halbwalmdach mit Dachreiter, verputzt, traufseitig je mittig dreiachsige Zwerchhäuser mit Halbwalmdach, an westlicher Traufseite mittiger Eingang mit niedriger Freitreppe mit geschwungenen Wangen, daneben rundbogiges Kellertor mit Okulus, 1771 (a); nordöstliches Stallgebäude, Walmdach, massiv, verputzt; südwestliche Stallscheune zweigeschossig, Satteldach mit weitem Überstand, gemauertes Erdgeschoss, teils verbrettert; südöstliches Stallgebäude, zweigeschossig, Satteldach mit Überstand, Massiv und Fachwerk, Giebelseite teils verbrettert; 19. Jahrhundert

Der südlich von Holzgerlingen gelegene Schaichhof war zur Erbauungszeit des Gutshauses am Ende des 18. Jahrhunderts im Besitz der Familie Eisenbach. Später kam das ertragreiche Gut in den Besitz von Dr. Leopold Klotz, der es 1824 an die Königliche Hofdomänenkammer verkaufte. Die um einen großen rechteckigen Hof gruppierten Gebäude weisen ein geschlossenes Erscheinungsbild auf und sind im Wesentlichen in der ursprünglichen Gestalt überliefert. Die Anlage ist charakteristisches Beispiel eines zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu einem landwirtschaftlichen Musterbetrieb ausgebauten Gutshofs, der für die regionale Wirtschaftsgeschichte von Bedeutung ist. Durch die erhöhte Lage über dem Schaichtal prägt das Anwesen mit dem stattlichen, architektonisch anspruchsvollen Hauptgebäude und den großen, langgestreckten Ökonomiebauten das Landschaftsbild entscheidend.

101491386BW
Wohnstallhaus Schlossstraße 10
(Karte)
Giebelständiger, zweigeschossiger Bau mit Satteldach, massives Erdgeschoss, darüber Fachwerk, verputzt, Stubenausbildung im Obergeschoss, Giebel vorkragend, stichbogige Zwillingsfenster, 17. Jahrhundert

Das Wohnstallhaus einer ehemaligen Hofanlage ist ein regionaltypisches Beispiel des ländlichen Hausbaus im 17. Jahrhundert. Über einem massiv errichteten Erdgeschoss, in dem der Stall untergebracht war, erhebt sich das Wohngeschoss in Fachwerk. Das Gebäude hat damit Zeugniswert für die Ortsbaugeschichte von Holzgerlingen. Der etwa gleichzeitig mit den Gehöften des gleichen Typus in der Schlossstraße errichtete Bauernhof gibt wichtige Hinweise zur Entwicklung des Ortes wie auch zu seiner landwirtschaftlichen Struktur in der Vergangenheit.

101486817BW
Wasserschloss Kalteneck Schlossstraße 25
(Karte)
Bestehend aus: zweigeschossiger Winkelbau über hohem, massivem Kellersockel, Satteldach mit Dachreiter, massives, pfeilergestütztes Erdgeschoss, darüber Fachwerk, teils verputzt, Nordgiebel mit hohen Fußstreben, zweifach vorkragend, Schießscharten, innen Dürnitz, Südostflügel von 1502 (d), Westflügel von 1648 (d), Fachwerkaufbau 1709 (i); drei Seiten des ursprünglich rundum verlaufenden Wassergrabens; Hoffläche; Grünfläche; Ummauerung mit Stützpfeilern

Am südöstlichen Ende des alten Ortskerns bestimmt das auf mittelalterlichen Fundamenten errichtete Wasserschloss Kalteneck das Ortsbild. Holzgerlingen wird erstmals 1007 genannt, als Kaiser Heinrich II. das Reichsgut dem Bistum Bamberg schenkt und zählt damit zu den ältesten Gemeinden im Landkreis. Ein 1363 als „Bürgle“ bezeichneter Sitz des Ortsadels, der Herren von Holzgerlingen, war wahrscheinlich der als Wehrbau errichtete Vorgänger des heutigen Wasserschlosses. 1412 war das Anwesen Lehen der Grafen von Württemberg, die es Ende des 15. Jahrhunderts wieder verkauften. 1623 war der einstige Adelssitz wohl nur noch in den Grundmauern vorhanden, auf denen im frühen 18. Jahrhundert der heutige Bau errichtet wurde, der bereits 1744 an Bauern verkauft wurde. Nach häufigen Besitzerwechseln kam die Anlage schließlich an die Gemeinde. Das stattliche, aber äußerlich schlichte Gebäude zählt zu den bauhistorisch wie ortsgeschichtlich wichtigsten Zeugnissen in Holzgerlingen und gibt Aufschluss über dessen siedlungsgeschichtliche Entwicklung. Mit dem überlieferten Wassergraben, der Ummauerung und der zugehörigen Frei- und Hoffläche weist die Anlage eine heute selten überlieferte Geschlossenheit auf. Sie ist anschauliches Beispiel eines im Mittelalter entstandenen niederadeligen Wohnsitzes, der aufgrund seiner über die Jahrhunderte wechselnden Funktion und Architektur nicht nur herrschaftsgeschichtliche, sondern auch kulturhistorische Bedeutung hat.

1205660BW
Wohnstallhaus Tübinger Straße 3
(Karte)
Giebelständiger, zweigeschossiger Bau, Satteldach mit Aufschiebling, teils verputzt, konstruktives Fachwerk in Obergeschoss und Giebel vorkragend, gefaste Schwellbalken, Stubenausbildung im Obergeschoss, 17. Jahrhundert

Das gestelzte Wohnstallhaus vereinte in einer vertikalen Aufteilung Wohnen und Wirtschaften unter einem Dach. Der Haustypus ist bezeichnend für den einst ländlich geprägten Ort und verdeutlicht zugleich, dass es sich hier um einen kleineren bäuerlichen Betrieb gehandelt haben muss. Das Gebäude hat Zeugniswert für die Ortsbaugeschichte von Holzgerlingen und dokumentiert historische Wohn- und Arbeitsverhältnisse auf dem Land.

101486955BW
Gestelztes Wohnstallhaus Tübinger Straße 9
(Karte)
Traufständiger Bau in Hanglage, über hohem Kellersockel zweigeschossig, Satteldach mit Aufschiebling, Bruchsteinmauerwerk, darüber Fachwerk, Obergeschoss rundum und Giebel dreifach vorkragend, giebelseitig rundbogiger Kellerabgang und eingezogene Außentreppe, an Ostseite figürlicher Konsolstein, an Westseite geschnitzte Abwehrmaske, 17. Jahrhundert, erneuert im 18. Jahrhundert

Als einst gestelztes Wohnstallhaus, das Wohnen und Wirtschaften unter einem Dach vereinte, ist das Fachwerkgebäude ein regionaltypisches Beispiel des ländlichen Hausbaus im 17. Jahrhundert. Das stattliche Haus prägt durch seine Größe, aufwendige Gestaltung und traufständige Ausrichtung zur Tübinger Straße das Ortsbild entscheidend und kann als sprechendes Dokument gehobener Wohnkultur im ländlichen Raum gelten. Mit seinem anspruchsvollen Fachwerk belegt es die lokale Zimmermannskunst seiner Zeit. Zudem hat es Zeugniswert für die Ortsbaugeschichte von Holzgerlingen. Eine Besonderheit sind die sog. Neidköpfe im steinernen Konsolstein und als geschnitzte Maske an den Traufseiten. Diese Gesichter oder Fratzen – deren Bezeichnung sich vom althochdeutschen „nid“, also Zorn oder Neid, ableitet – sollten Unheil von den Bewohnern des Hauses abwehren.

97022137BW
Gestelztes Wohnstallhaus Tübinger Straße 15
(Karte)
Giebelständiger, zweigeschossiger Fachwerkbau, Satteldach, verputzt, Giebel vorkragend auf lang gezogenen Knaggen, 16./17. Jahrhundert

Als einst gestelztes Wohnstallhaus, das Wohnen und Wirtschaften unter einem Dach vereinte, ist das Gebäude ein regionaltypisches Beispiel des ländlichen Hausbaus im 16. und 17. Jahrhundert. Der Typus ist bezeichnend für die bäuerlichen Anwesen der Tübinger Straße und weist auf einen kleineren landwirtschaftlichen Betrieb hin.

101490098BW
Konsolstein (am Gebäude) mit Beschriftung MARTE WEBER BERNHART MILER Tübinger Straße 23
(Karte)
16./17. Jahrhundert

Der beschriftete vermauerte Konsolstein ist ein Hinweis auf einen Vorgängerbau des 16./17. Jahrhunderts. Die eingeschriebenen Namen geben Auskunft über die einstigen Besitzer des nicht mehr existierenden Hauses. Es handelt sich um ein Dokument von ortsgeschichtlichem Belang.

101490204BW
Gestelztes Wohnstallhaus Tübinger Straße 26
(Karte)
Giebelständiger Fachwerkbau in Hanglage, eingeschossig auf hohem gemauerten Kellersockel, Satteldach mit Aufschiebling und traufseitigen Zwerchhäusern, Ostgiebel mit Zwillingsfenstern, auf Balkenköpfen zweifach vorkragend, zweiläufige überdachte Außentreppe an der Traufseite, 17. Jahrhundert, späterer Dachausbau

Das kleine, giebelständig zur Straße ausgerichtete Gebäude veranschaulicht durch charakteristische Merkmale wie das Zwillingsfenster im Giebel, die profilierten und kielbogig gefasten Schwellbalken über vorkragenden Balkenköpfen sowie die gebogenen Büge mit Nasen und das zangenförmige Andreaskreuz Wesentliches über die Bauweise und Wohnkultur seiner Entstehungszeit. Als einst gestelztes Wohnstallhaus ist es ein regionaltypisches Beispiel des ländlichen Hausbaus im 17. Jahrhundert und belegt mit seinem aufwändigen Zierfachwerk die lokale Zimmermannskunst.

101490404BW
Wohnhaus Tübinger Straße 32
(Karte)
Zweigeschossiger gestaffelter Fachwerkbau, Satteldach, gemauertes Erdgeschoss, teils verputzt, um 1929, jüngerer Ladeneinbau

Das Wohnhaus zeichnet sich aus durch seine Staffelung und das reich gegliederte Fachwerk. Dabei verdeutlicht der Bau einerseits die bewusste Anlehnung an die lokale Fassadengestaltung und die Schmuckelemente des 17. und 18. Jahrhunderts, andererseits weicht die horizontale Fachwerkgliederung von den traditionellen Maßen ab. Herkömmliche Motive, wie z. B. die geschweiften, nasenbesetzten Büge, werden zur Bildung eines neuen formalen Zusammenhangs, nämlich eines Wellenbandes im Giebel des Vorbaus, genutzt und weiterentwickelt. Die Gestaltung des Hauses nimmt Bezug auf die Umgebung, zwei um 1700 errichtete Fachwerkbauten, und die betonte Lage am Schnittpunkt der Tübinger Straße mit der Hinteren Gasse.

101490465BW
Gestelztes Wohnstallhaus Tübinger Straße 33
(Karte)
Zweigeschossiger Fachwerkbau in Ecklage, Satteldach, Giebel zweifach vorkragend, verputzt, zweiläufige überdachte Außentreppe, darüber übergiebelter Dachausbau, um 1700

Das Gebäude entspricht dem in der Region weit verbreiteten Typus des gestelzten Wohnstallhauses. Es ist damit kennzeichnend für die Bebauung der Tübinger Straße im 17. und 18. Jahrhundert und gibt Auskunft über die landwirtschaftliche Struktur des Ortes zu dieser Zeit.

101490570BW
Gestelztes Wohnstallhaus Tübinger Straße 38, 40
(Karte)
Giebelständiger, zweigeschossiger Bau in Hanglage, Satteldach mit Aufschiebling und traufseitigem Zwerchhaus, gemauertes Erdgeschoss, darüber Fachwerk, Ostgiebel zweifach vorkragend, Neidkopf am Mittelständer des Giebels über gedrehtem Holzstab, 1698

An dem ehemaligen Wohnstallhaus sind trotz einiger späterer Veränderungen die für die Entstehungszeit charakteristischen Formen, vor allem im Giebel, deutlich ablesbar. Als wesentliches Merkmal sind die geschwungenen dreiviertelhohen Fußstreben zu benennen. Den Mittelständer des Giebels ziert zudem ein geschnitzter Neidkopf. Diese Gesichter oder Fratzen – deren Bezeichnung sich vom althochdeutschen „nid“, also Zorn oder Neid, ableitet – sollten Unheil von den Bewohnern des Hauses abwehren. Als Typus ist das Gebäude kennzeichnend für die Bebauung der Tübinger Straße im 17. und 18. Jahrhundert. Dazu gehört auch die doppelläufige Außentreppe an der Traufseite.

101490645BW
Gestelztes Wohnstallhaus Tübinger Straße 46
(Karte)
Giebelständiger Fachwerkbau in Ecklage, Satteldach mit Aufschiebling, gemauerter Sockel, Erdgeschoss verputzt, Ostgiebel mit Zierfachwerk dreifach vorkragend auf Balkenköpfen und geschnitzten langen Knaggen, Zwillingsfenster, traufseitig erschlossen mit Freitreppe, um 1600, bezeichnet an traufseitiger Sonnenuhr, 1796 (i)

Das Haus zeichnet sich vor allem durch die überlieferte reiche Gliederung des Zierfachwerks am Giebel aus und veranschaulicht durch charakteristische Merkmale Wesentliches über die Bauweise und Wohnkultur seiner Entstehungszeit. Die leicht geschwungenen, hohen Fußstreben – am Mittelständer zur sog. Mannfigur vervollständigt – rahmen im Untergeschoss des Giebels zwei Zwillingsfenster. Die kleinen Fußstreben darunter kehren im zweiten Giebelgeschoss wieder, wo sie zwei geschweifte Andreaskreuze als Brüstungsfelder des mittleren Zwillingsfensters flankieren und ihrerseits von zwei geschweiften Bügen gerahmt werden. Als einst gestelztes Wohnstallhaus, das Wohnen und Wirtschaften unter einem Dach vereinte, ist es ein regionaltypisches Beispiel des ländlichen Hausbaus im 17. Jahrhundert und bezeichnend für die Bebauung der Tübinger Straße.

1194141BW
Gestelztes Wohnstallhaus Tübinger Straße 58
(Karte)
Giebelständiger, eingeschossiger Fachwerkbau, Satteldach mit Aufschiebling, gemauertes Sockelgeschoss, teils verputzt, Ostgiebel mit Zwillingsfenster, auf profilierten Schwellbalken und Balkenköpfen zweifach vorkragend, traufseitig erschlossen mit Außentreppe, 17. Jahrhundert

Der Typus des gestelzten Wohnstallhauses, das Wohnen und Wirtschaften unter einem Dach vereinte, ist bezeichnend für die Anwesen im südlichen Teil der Tübinger Straße am Ortseingang, wo sich vom 16. bis zum 18. Jahrhundert vor allem Kleinbauern ansiedelten. Deren Wohn- und Arbeitsverhältnisse dokumentiert das Gebäude mit seiner bescheidenen Größe und gibt somit Einblick in die Sozialstruktur von Holzgerlingen im 17. Jahrhundert.

101490897BW
Wohnhaus Turmstraße 4
(Karte)
Dreigeschossiger kubischer Bau in Kopflage, Satteldach mit Wiederkehr, verputzt, Ostgiebel symmetrisch gegliedert mit drei gekuppelten Segmentbogenfenstern und Zahnschnittfries, kleines Halbrundfenster im Giebelspitz, traufseitig je mittelachsige Zwerchhäuser mit Dreiecksgiebeln, 1838

Das stattliche Wohnhaus liegt leicht erhöht westlich der Pfarrkirche und südlich vom Pfarrhof. Seine Gestaltung nimmt auf die freie Lage Bezug: Die Giebelseite zeigt eine regelmäßige Ausbildung mit einer Dreiergruppe rundbogiger Fenster und Fachwerk im Giebelspitz, während die Traufseiten von zwei mittelachsigen Zwerchhäusern akzentuiert werden. Der strenge symmetrische Aufbau – an der Hauptfront im Erdgeschoss mit der mittelachsigen Haustür einsetzend – und der Verzicht auf dekorativen Reichtum sind kennzeichnend für den Klassizismus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Bau ist nach Größe, Gestaltung und Datierung in Holzgerlingen singulär und daher für die Ortsbaugeschichte bedeutsam. Besonders hervorzuheben ist auch das intakte Erscheinungsbild, das – verstärkt durch die exponierte Lage – den Ortskern in entscheidender Weise mitprägt.

101491011BW
Seilerei Wilhelmstraße 8/1
(Karte)
Bestehend aus: Seilerbahn, 120 m lang, seitlich offen, überdeckt, Holzkonstruktion, um 1930; zwei hölzerne Maschinen- und Geschirrhäuschen mit Satteldach, davon das westliche um 1920; zur Seilherstellung erforderliche Maschinen, Geräte und Werkzeuge, z. T. jüngeren Datums

Die Seilerei Klein besteht seit 1890 in Holzgerlingen. Nach Erwerb des Grundstücks in der Wilhelmstraße um 1920 wurde der Betrieb dorthin verlagert und die Baulichkeiten außerhalb des Ortes, am heutigen Südwestrand, neu errichtet. Bis zum Bau der überdachten Bahn erfolgte das Spinnen der Fäden und die Fertigung der Seile unter freiem Himmel. Seilereien zählen zu den traditionsreichen Handwerksberufen, die hierzulande ehemals vor allem für den landwirtschaftlichen Bedarf arbeiteten und den lokalen Markt versorgten. Sie wurden durch die industrielle Produktion und andere technische Veränderungen sowie infolge schwindender Nachfrage nahezu völlig verdrängt. Die Holzgerlinger Seilerei ist eine der wenigen verbliebenen Anlagen in Baden-Württemberg und hat damit hohen dokumentarischen und exemplarischen Wert. Mit ihren Baulichkeiten und den branchentypischen Maschinen, Geräten und Werkzeugen ist sie nicht nur ein für die Ortsgeschichte bedeutsames Dokument, sondern auch ein wichtiges Zeugnis der regionalen Technik- und Handwerksgeschichte.

101491335BW
Schließen

Einzelnachweise

Kulturdenkmale der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg. Geoportal Baden-Württemberg, abgerufen am 10. September 2025.

Related Articles

Timelines

Top Qs

Fact Checks