Liste der Kulturdenkmale in Rutesheim
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In der Liste der Kulturdenkmale in Rutesheim sind die Kulturdenkmale der Stadt Rutesheim im Landkreis Böblingen in Baden-Württemberg aufgelistet.
Legende
Die ab Oktober 2025 erstellten Tabellen basieren auf den vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg im September 2025 veröffentlichten Geodaten. Lizenzhinweis: dl-de/by-2-0 (https://www.govdata.de/dl-de/by-2-0): Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, www.denkmalpflege-bw.de. Die Adressangaben und Bezeichnungen sind in der dargestellten Form nicht Teil der Ausgangsdaten. Die Adressen wurden automatisch aus den Koordinaten berechnet und können von den korrekten Adressen abweichen. Die Bezeichnungen wurden zunächst automatisiert dem Anfang der vom Landesamt für Denkmalpflege bereitgestellten Objektbeschreibungen entnommen.
- Bild: Zeigt ein ausgewähltes Bild des Objekts, „Weitere Bilder“ verweist auf die zugehörige Kategorie im Medienarchiv Wikimedia Commons. In der Kartenansicht sind Kulturdenkmale ohne Bild an einem blauen Marker erkennbar. Auf das Kamerasymbol klicken, um weitere Fotos für diese Liste hochzuladen:

- Bezeichnung: Nennt den Namen, die Bezeichnung oder die Art des Kulturdenkmals.
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- Datierung: Baubeginn, Fertigstellung, Datum der Erstnennung oder grobe zeitliche Einordnung entsprechend dem Eintrag in der zugrundeliegenden Denkmaldatenbank des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg.
- Beschreibung: Kurzcharakteristik des Kulturdenkmals, Nennung der geschützten Bestandteile und Begründung der Denkmaleigenschaft. Die Paragraphen § 2, § 12, § 19 oder § 28 verweisen auf die Art der Einstufung gemäß baden-württembergischem Denkmalschutzgesetz.
- ID: Identifikator des Objekts in der zugrundeliegenden Datenbank des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg
Abkürzungen
- Bei Datierungen: a = archivalisch, d = dendrochronologische Untersuchung, gk = gefügekundlich, i = inschriftlich, s = stilistisch
- P = Denkmaleigenschaft wird geprüft
Kulturdenkmale nach Ortsteilen
Perouse
| Bild | Bezeichnung | Lage | Datierung | Beschreibung | ID |
|---|---|---|---|---|---|
| Hofanlage | Hauptstraße 26/1, 26 (Karte) |
Bestehend aus: gestelztes Wohnstallhaus mit Krüppelwalmdach, massives Erdgeschoss, Fenstersturz mit Inschrift „18. Maurer Meister . v. Flacht . 27/Joh. Georg Uhle . u. Joh. Konrad Konz“, Fachwerkobergeschoss mit V-Streben in den Brüstungsfeldern, weit vorkragendes, flaches, mit sternförmigen Blüten bemaltes Traufgesims; Fachwerkscheune, 1827 (i)
Die recht stattliche, 1827 errichtete Hofanlage ist ein anschaulich überliefertes Beispiel für die ländliche Bauweise im 1. Drittel des 19. Jahrhunderts. Charakteristisch ist das giebelständig zur Straße orientierte Wohnstallhaus mit der quer dazu stehenden Scheune im rückwärtigen Teil der Parzelle und der Gruppierung der Gebäude um einen zur Straße offenen Innenhof. Die Anlage hat siedlungs- und ortsgeschichtlichen Zeugniswert für Perouse und belegt das bäuerliche Wohnen und Wirtschaften in vormoderner Zeit. |
101456609 | ||
| Wohnstallhaus | Hauptstraße 28 (Karte) |
Verputzter Bau mit Satteldach, gemauertes Erdgeschoss mit später zugefügter seitlicher überdachter Außentreppe, Fachwerkobergeschoss, asymmetrische Fenstergruppierung mit Eckstube und Zwillingsfenster im Giebel, 18. Jahrhundert
Als gestelztes Einhaus, in dem die Funktionen Wohnen, Tier- und Vorratshaltung unter einem Dach vereint waren, ist das Gebäude für die historische Hauslandschaft der Region charakteristisch und wichtiges Zeugnis des Perouser Hausbestandes des 18. Jahrhunderts. |
101456734 | ||
Weitere Bilder |
Pfarrkirche der Waldensergemeinde | Hauptstraße 31 (Karte) |
Kleiner verputzter Saalbau mit Satteldach und hölzernem Dachreiter über dem Eingang, Langhaus von zwei Achsen, Chor mit 3/8-Schluss, rund- und schulterbogige Tür- und Fensteröffnungen mit profilierten Rahmen, 1738 (i)
Die Pfarrkirche der Perouser Waldensergemeinde wurde 1738 von Maurermeister Michael Geisel aus Mühlhausen errichtet. Spendengelder von reformierten Glaubensgenossen aus Holland und England ermöglichten den Bau. Der kleine schlichte Saalbau trägt im Keilstein des Türgewändes die Inschrift: „GOTT. ALEINN/ZUER. EHR/1.7.3.8.“ Neben dem Kircheneingang erinnert das Waldenserwappen mit dem Wahlspruch „Lux lucet in tenebris“ (das Licht leuchtet in der Finsternis) an vergangene schwere Zeiten. Die im 12. Jahrhundert durch den Lyoner Kaufmann Petrus Valdes gegründete Religiongsgemeinschaft der Waldenser wurde als häretisch verfolgt. Ein wichtiges Rückzugsgebiet waren die sog. Waldensertäler in den Westalpen, im Piemont an der Grenze zu Savoyen. Als es auch dort Ende des 17. Jahrhunderts zu Vertreibungen kam, siedelten sich mehrere Tausend Waldenser in Württemberg, Baden-Durlach und Hessen-Darmstadt an, wo sie in sprachlich und konfessionell eigenständigen Kolonien leben konnten. Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg erlaubte den vertriebenen Waldensern die Ansiedlung in seinem Herrschaftsbereich und sicherte ihnen das Recht der freien Religionsausübung zu. Unter der Leitung des Pfarrers Henri Arnaud besiedelten sie eine durch den Dreißigjährigen Krieg entvölkerte und menschenarme Gegend im Nordwesten des Herzogtums. Am 13. Juni 1699 kamen 71 Waldenserfamilien in Heimsheim an und begannen am östlichen Rand der Markung eine Siedlung zu errichten. Zur Erinnerung an ihren Heimatort Perosa im unteren Tal des Chisone nannten sie ihren neuen Ort Perouse. Die Waldenserkirche ist nicht nur das zentrale bauliche Dokument der Perouser Ortsgeschichte, sie kündet auch von den religiösen Verwerfungen im Europa der Frühen Neuzeit. |
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| Pfarrhaus | Hauptstraße 33 (Karte) |
Zweigeschossiger, verputzter Bau mit Krüppelwalmdach, massives Erdgeschoss, über durchlaufendem Gurtgesims Fachwerkobergeschoss, zweifach leicht vorkragender Giebel, symmetrische Fensteranordnung, 1762
Laut einer Beschreibung von 1719 dürfte schon vor dem Kirchenbau ein Pfarrhaus in Perouse existiert haben. Das heutige, 1762 erbaute Pfarrhaus enthielt neben der Pfarrwohnung auch einen Unterrichtsraum für die Perouser Schulkinder und hebt sich durch seine Traufständigkeit von der übrigen historischen Bebauung der Hauptstraße ab. Das in ortsbildprägender Lage neben der Kirche errichtete Pfarrhaus ist ein stattliches und aufgrund der gesellschaftlichen Stellung und Aufgaben der Pfarrer ein ortsgeschichtlich bedeutendes Gebäude. |
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| Schule (heute Wohnhaus) | Henri-Arnaud-Platz 1 (Karte) |
Dreigeschossiger, verputzter Bau mit Satteldach, massives Erdgeschoss, Fachwerkobergeschosse, 1797, um ein zweites Obergeschoss aufgestockt, 1865
Die Jahreszahl 1865 über der Haustür verweist darauf, dass zu dieser Zeit ein 2. Obergeschoss auf den bestehenden Bau des späten 18. Jahrhunderts aufgesetzt wurde. In diesem neuen 2. Obergeschoss wurde die Lehrerwohnung untergebracht. Charakteristisch für kleine Gemeinden ist zudem die Kombination aus Schul- und Rathaus. Neben dem Schulraum beherbergte der Bau nämlich auch Räume für die Gemeindeverwaltung und eine Arrestzelle. Das Schul- und Rathaus ist ein anschaulich erhaltenes Beispiel eines solchen ländlichen Funktionsbaus und wichtiges Zeugnis der Perouser Orts(bau)geschichte. Mit seiner schlichten Gestaltung ist es bezeichnend für den damaligen ländlichen Schulhausbau. |
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Weitere Bilder |
Zehntscheune (heute Veranstaltungsraum) | Henri-Arnaud-Platz 3 (Karte) |
Fachwerkbau mit hohem Satteldach, an der zum Rathausplatz hin abgefassten Ecke von Holzstreben unterfangen, traufseitige Scheunen- und Remisentore, 1766, erweitert 1797
Die Zehntscheune mit ihrem - wie bei Wirtschaftsbauten üblich - konstruktiven Fachwerks mit unterschiedlich hohen Gefachen im Giebel wurde 1766 errichtet und vermutlich 1797 erweitert. Damit gehört sie nicht nur zu den ältesten Gebäuden von Perouse, mit ihrer Funktion als Lagerort für die Naturalabgaben an die Herrschaft gibt sie auch Hinweise auf ein vergangenes, vom Zehntwesen geprägtes Wirtschaftssystem. |
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Weitere Bilder |
Henri-Arnaud-Brunnen | Henri-Arnaud-Straße 23 (Karte) |
Laufbrunnen aus rotem Sandstein, bekrönt mit einer Bronzebüste, bezeichnet „HENRI / ARNAUD / 1699“ „Errichtet / 1899“
Der 1899 errichtete neubarocke Sandsteinbrunnen ist ein Objekt dreifachen Gedenkens: die bekrönende Bronzebüste Henri Arnauds erinnert an den heldenhaften und verdienstvollen Waldenserführer, die Datierung an die 200-Jahrfeier der Ortsgründung und das sprudelnde Wasser an die Einrichtung der ersten Wasserversorgung von Perouse über Quellen aus Heimsheim nach einer Zeit furchtbarer Trockenheit. Henri Arnaud (1643 bis 1721) war wegen religiöser Verfolgungen in Frankreich mit seiner hugenottischen Familie ins Piemont gekommen und arbeitete nach seinem Theologiestudium dort als Pfarrer für die eigenständige reformierte Glaubensgemeinschaft der Waldenser. Als rund 3000 Waldenser im Jahr 1698 vertrieben wurden, führte Arnaud sie nach Württemberg, Baden-Durlach und Hessen-Darmstadt, wo die Waldenser in sprachlich und konfessionell eigenständigen Kolonien leben konnten. Das nach ihrem Heimatort Perosa im unteren Chisonetal benannte Perouse wurde 1699 gegründet. Der Denkmalbrunnen erinnert an den für die Geschichte der Glaubensgemeinschaft der Waldenser bedeutsamen Henri Arnaud und ist von identitätsstiftender Bedeutung für die Ortsgeschichte. |
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| Wohnhaus | Henri-Arnaud-Straße 31 (Karte) |
Zweigeschossiger, verputzter Bau mit Satteldach, massives Erdgeschoss, darüber Fachwerk, am Giebel zweifach vorkragend, 18. Jahrhundert
Von dem ehemaligen, im 18. Jahrhundert erbauten Gehöft hat sich nur noch das Wohnhaus erhalten, die zugehörige Scheune wurde 1986 abgebrochen. Als regionaltypisches Einhaus mit Stallteil im massiven Erd- und Wohnteil im Obergeschoss verdeutlicht das für Perouse recht stattliche Gebäude die stark von der Landwirtschaft geprägte Geschichte des Waldenserdorfes. |
101460781 | ||
| Hofanlage | Henri-Arnaud-Straße 37 (Karte) |
Bestehend aus: Wohnhaus, zweigeschossig über Werksteinsockel, verputzt, Satteldach mit Wiederkehr, an der Traufseite zweiflügelige Tür mit schmalem Oberlicht; dahinter parallel zur Traufseite liegender Fachwerkscheune mit Stall; große Holzlege; davor stehender kleiner verputzter Fachwerkschuppen; Gittertor; 2. Hälfte 19. Jahrhundert
Bei dem Anwesen handelt es sich um die größte Hofanlage des Ortes, die einheitlich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand. Charakteristisch ist das zur Straße orientierte Wohnhaus und die Gruppierung der Wirtschaftsgebäude um einen zur Straße offenen (mit einem bauzeitlichen Gittertor abgegrenzten) Innenhof. Die Anlage hat siedlungs- und ortsgeschichtlichen Zeugniswert und dokumentiert bäuerliches Wohnen und Arbeiten im späteren 19. Jahrhundert. |
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| Ofentragstein | Henri-Arnaud-Straße 40 (Karte) |
In Giebelfront eines Hauses aus dem 18. Jahrhundert eingemauert, 1717 (i)
Ofensteine dienten im 18. und 19. Jahrhundert als Füße von meist gusseisernen Stubenöfen, die zur Ausstattung reicherer Bauernhäuser in der Region gehörten. Sie wurden später häufig als eine Art Hauszeichen in die Außenwände von Gebäuden eingelassen. Bei diesem Beispiel zeigt der Stein die für seine Gattung typische Form eines Pilasterkapitells mit seitlichen Voluten, die aus einer großen in Aufsicht dargestellten Blüte herauswachsen. Das frühe und handwerklich sorgfältig ausgeführte Exemplar ist ein anschauliches Zeugnis einer vergangenen ländlichen Wohnkultur und Steinmetzkunst. |
101461210 |
Rutesheim
| Bild | Bezeichnung | Lage | Datierung | Beschreibung | ID |
|---|---|---|---|---|---|
| Zwei Sühnekreuze aus Schilfsandstein | Auf der Steige 2/3 (Karte) |
Beim linken Kopf und linker Armbalken abgeschlagen, beim rechten kleine Teile ausgebrochen, wohl 15. Jahrhundert
Einer volkstümlichen Überlieferung zufolge sollen die beiden Sühnekreuze daran erinnern, dass sich an dieser Stelle einst zwei hungernde Männer um eine Maus gestritten und sich dabei gegenseitig getötet hätten. Sie sind charakteristische Zeugnisse der mittelalterlichen Rechtspflege, nach der im Falle eines Totschlages zur Sühne u. a. ein Kreuz gestiftet werden musste. |
101448592 | ||
| Wohnhaus | Elbenstraße 2 (Karte) |
Zweigeschossiges verputztes Einhaus mit Satteldach in Ecklage, Obergeschoss und Giebel in Fachwerk, im Obergeschoss Fenstergruppierung, die auf die Ausbildung einer Eckstube hinweist, Giebel über Balkenköpfen dreifach vorkragend und mit Zwillingsfenster, 17. Jahrhundert
Als Einhaus, in dem die Funktionen Wohnen, Tier- und Vorratshaltung unter einem Dach vereint sind, ist das Gebäude für die historische Hauslandschaft der Region charakteristisch und wichtiges Zeugnis des Rutesheimer Hausbestandes des 17. Jahrhunderts. |
101435384 | ||
| Friedhof mit Torbau | Friedhofstraße 2 (Karte) |
Inschriftenstein, bez. 1826 und Mauer
Der „neuwe Gottesackher“ wurde 1587 außerhalb des Dorfes an der Weggabelung Heimerdingen/Gebersheim angelegt. Aus dieser Zeit datiert das Segmentbogentor, in dessen linken Kämpferstein die Jahreszahl eingemeißelt ist und gegenüber ein kleiner Kopf in sehr einfacher Darstellung. In die sich beiderseits anschließende Mauer wurde ein wiederholt erneuertes „Torhäusle“ oder ein „Schopf“ eingebaut. Auch die Mauer wurde z. B. 1777 und, wie die Inschrifttafel über dem Torbogen besagt, 1826 renoviert. Die an den Torbau anschließende Mauer in Richtung Heimerdingen wurde 1768 neu aufgeführt. Die Rutesheimer Friedhofsanlage hat als ein sehr frühes Beispiel eines vom Kirchhof vor den Ort verlegten Bestattungsplatzes Bedeutung für die Sepulkralkultur. Die Ortsrandlage wurde für Friedhöfe zumeist erst im 18./19. Jahrhundert vor allem aus hygienischen und Platzgründen üblich. |
101438122 | ||
| Hofanlage | Gebersheimer Straße 1, 3 (Karte) |
Bestehend aus: gestelztes Wohnstallhaus (Nr. 1) mit Satteldach, massives Erdgeschoss mit Eckquaderung, Fachwerkobergeschoss, dreifach vorkragender Fachwerkgiebel, am Eckständer bezeichnet „ANO/16/88/LK/KF“; traufseitig angefügte Tordurchfahrt, überbaut von einem Fachwerkgeschoss; daran anschließend traufständiger Wohnbau (Nr. 3) mit Satteldach und ein wenig höherem First, hohes massives Erdgeschoss, Fachwerkobergeschoss, 17./18. Jahrhundert
Das Anwesen stellt ein beredtes Zeugnis einer ausgedehnten Hofanlage des späten 17./18. Jahrhunderts dar. Der Fachwerkbau mit drei vorkragenden Giebelgeschossen mit hohen Fußstreben, im Wechsel mit kurzen Fußstreben und Zwillingsfenster am Eckbau sowie V-förmigen Brüstungsfelder im rechten Teil prägt das Ortsbild in entscheidendem Maße mit. Die stattliche Hofanlage in anschaulich überliefertem Erhaltungszustand dokumentiert mit ihren zwei Wohngebäuden, wohl für Austrag- und Jungbauern, und den verschiedenen Funktionen dienenden Nebengebäuden anschaulich bäuerliches Leben und Wirtschaften in vorindustrieller Zeit. |
101438554 | ||
| Brunnen | Kirchplatz (Karte) |
Großes achteckiges Becken aus rotem Sandstein mit Sockel, an den Ecken in Voluten endende Baluster, und profilierter Rand, anstelle des ursprünglichen Obelisken gemauerter Brunnenstock mit Gänseliesel-Gruppe von Albert Volz, wohl von Johannes Wieland aus Hausen a. d. Würm, 1775, Obelisk durch Skulptur ersetzt, 1970er-Jahre
Der in der Ortsmitte unterhalb der Kirche gelegene Brunnen stammt wohl von Johannes Wieland aus Hausen a. d. Würm, der dort 1777 die Würmbrücke und 1769 in Heimsheim einen weiteren Brunnen schuf. Ursprünglich war er von einem gemauerten klassizistischen Obelisken bekrönt. Baufällig geworden wurde dieser in den 1970er-Jahren durch die Gänselieselgruppe des Bildhauers Albert Volz aus Altbulach ersetzt. Diese war 1960 für einen (abgegangenen) Brunnen an der Flachter Straße geschaffen worden, der als Viehtränke diente. Der geräumige Brunnen auf dem Rutesheimer Kirchplatz erinnert an die Zeit, als es noch keine Wasserleitungsanschlüsse in den einzelnen Häusern gab. Mit seinem großen, achteckigen Becken ermöglichte er ein reibungsloses Wasserschöpfen von vielen Benutzern gleichzeitig. Der Brunnen ist damit Zeugnis der Entwicklungsgeschichte der Wasserversorgung von Rutesheim. |
101439934 | ||
| Wohnhaus | Kirchstraße 9 (Karte) |
Ehemaliges gestelztes Wohnstallhaus mit Satteldach, massives verputztes Erdgeschoss (Stallteil), Obergeschosse und Giebel in konstruktivem Fachwerk, das 2. Obergeschoss kräftig vorkragend, besonders stark an der Traufseite, beiderseits zwischen Balkenköpfen und Schwellbalken die Dielenbodenbretter sichtbar, Fenstergruppierung weist auf Eckstube hin, an der profilierten Eckknagge aufgemaltes Wappenschild mit Initialen SS und 1583 (i)
Das im 16. Jahrhundert erbaute Anwesen vereint als ein Vertreteter des in der Region verbreiteten bäuerlichen Haustypus des Wohnstallhauses Wohnnutzung und Viehhaltung unter einem Dach. Damit belegt es nicht nur die einst von der Landwirtschaft geprägte Wirtschaftsgeschichte von Rutesheim, sondern gehört auch zum ältesten Baubestand am Ort. |
101440400 | ||
| Wohnhaus | Kirchstraße 13 (Karte) |
Zweigeschossig mit Satteldach, über niedrigem massivem Sockel Fachwerk mit langen, leicht gebogenen Fußbändern, zweifach vorkragender Giebel, um 1600
Das Haus, das hinter der StraßenfIucht deutlich zurücktritt, steht als letztes in der Folge etwa gleichzeitiger Fachwerkhäuser, die beim Kirchplatz beginnt. Das um 1600 erbaute Gebäude gehört zum ältesten Baubestand in Rutesheim. Damit und durch den vermuteten Zusammenhang mit dem benachbarten Pfarrhaus ist es wichtiges Zeugnis der Rutesheimer Orts(bau)geschichte. |
101440574 | ||
| Ev. Pfarrhof | Kirchstraße 15 (Karte) |
Bestehend aus: Pfarrhaus, zweigeschossiger, verputzter Bau mit Krüppelwalmdach, hoher gemauerter Sockel und massives Erdgeschoss, (zugesetztes) Rundbogentor, Eckquaderung, Fachwerkobergeschoss, 1769 (i); Waschhäuschen, kleiner verputzter Massivbau mit Walmdach, Eckquaderung, Tür- und Fensterrahmen aus Werkstein, 18. Jahrhundert
Anstelle eines Bauernhauses von 1529 wurde das Ev. Pfarrhaus im Jahr 1769 vom Baumeister des herzoglich württembergischen Kirchenrats, Wilhelm Friedrich Goez, der 20 Jahre später auch das Langhaus der Rutesheimer Kirche 1789 errichtete sollte, erstellt. Die größtenteils erneuerte Mauer verdeutlicht die einstige Hofsituation, zu der auch die 1868 abgebrochene Pfarrscheune von 1820 gehörte. Das Pfarrhaus ist ein stattliches und aufgrund der gesellschaftlichen Stellung und Aufgaben der Pfarrer ein ortsgeschichtlich bedeutendes Gebäude. Das zugehörige Waschhaus belegt die seit dem späteren 18. Jahrhundert zuerst bei den größeren Bauernhöfen und insbesondere bei den Pfarrhöfen zum Tragen kommenden Anstrengungen durch den Bau dieser Sonderbauten die Feuergefahr einzuschränken. |
101440616 | ||
| Marktbrunnen | Kirchstraße 23 (Karte) |
Bronzefigur Knabe mit der Rute, von Fritz von Graevenitz, 1938, auf einem neuen Brunnenbecken aufgestellt 1960
Der Rathaus- oder Marktbrunnen befand sich ursprünglich südlich der Kirchstraße und besaß ein großes achteckiges Brunnenbecken aus der Barockzeit. Die 1938 von Professor Fritz von Graevenitz gestaltete Figur „Der Knabe mit der Rute“ wurde bei der Neugestaltung des Brunnens an neuem Standort direkt vor dem Rathaus 1960 wieder aufgestellt. Fritz von Graevenitz schuf in den 1920er- und 1930er-Jahren zahlreiche Denkmäler und Brunnenfiguren. Der Knabe in Rutesheim ist in seiner naturalistischen Darstellungsweise den Hauptwerken des Künstlers zuzurechnen und ein wichtiges Zeugnis der deutschen Bildhauerkunst vor dem Zweiten Weltkrieg. |
101435488 | ||
| Ev. Pfarrkirche (St. Johannes) | Pforzheimer Straße 30 (Karte) |
Fünfachsiger Saalbau mit Rundbogenfenstern, Chor mit 3/8-Schluss, Chorseitturm mit polygonalem Turmobergeschoss mit Giebelkranz und Zeltdach, im Inneren flache Stuckdecke, untere Turmgeschosse 13. Jahrhundert, spätgotischer Chor, Langhaus und Chorumbau von Wilhelm Friedrich Goez, 1789, Turmobergeschosse nach Entwurf von Christian Friedrich Leins, 1854; Reste der Umwehrung
Die Ev. Pfarrkirche St. Johannes ist eine ehemalige Wehrkirche, also eine einst durch Ring- und Zwingermauern befestigte Anlage. Noch heute lassen sich die Grenzen des einstigen Wehrkirchhofs im Ortsgrundriss ablesen. Aus dem Mittelalter (13. Jahrhundert) datieren die unteren Geschosse des Turmes. Die Glockenstube bestand bis 1854 aus einem verputzten Fachwerkgeschoss, wie es bei ländlichen Kirchen üblich war. Der sich an die Nordwand des Turmes lehnende spätgotische Chor wurde im Zuge des Langhausneubaus 1789 nach Entwürfen des herzoglich württembergischen Kirchenrates Wilhelm Friedrich Goez in seiner Höhe reduziert und das spätgotische Netzrippengewölbe entfernt. Den gotischen Charakter versuchte man dem Chor 1956 durch ein Kreuzgewölbe in Rabitz-Technik zurückzugewinnen. In der Gestaltung des Langhauses wählte Goez den Typus des protestantischen Predigtsaals mit umlaufenden Emporen. 1854 erhielt der Turm seinen steinernen Aufbau im Stil der Neugotik, der ihm einen stadtkirchlichen Charakter verleiht. Den Entwurf lieferte einer der führenden württembergischen Baumeister, Christian Friedrich Leins, nach dessen Plänen in den 1860er-Jahren die erste größere bedeutende neugotische Pfarrkirche in der Landeshauptstadt, die Ev. Johanneskirche im Stuttgarter Westen, entstand. Die beiden Baumeister der Rutesheimer Kirche sind für die Geschichte des Kirchenbaues in Württemberg von Bedeutung. Während es sich bei Goez um einen regional bekannten Baumeister handelt, war Leins eine der führenden Architektenpersönlichkeiten seiner Zeit in Württemberg. Die Ev. Pfarrkirche ist damit ein wichtiges Zeugnis des Kunst- und Architekturschaffens in der Region und zentrales bauliches Dokument der Orts- und Kirchengeschichte. |
101448225 | ||
| Fachwerkhausgruppe | Renninger Straße 2, 8 (Karte) |
Bestehend aus: zwei im rechten Winkel aufeinanderstoßende Fachwerkhäuser mit Satteldächern und gestaffelten Anbauten zum Hofraum hin, zum Teil verputzt, zum Teil freiliegendes konstruktives Fachwerk, wohl 17. Jahrhundert
Die Wohnhausgruppe, die wohl im 17. Jahrhundert errichtet wurde, erzielt durch die räumliche Staffelung der Baukörper einen malerischen Effekt. Sie ist nicht nur wichtiger Bestandteil des Ortsbildes, sie gehört auch zum ältesten Baubestand von Rutesheim, das bei einer Brandkatastrophe des Jahres 1837 und im Zweiten Weltkrieg einen großen Teil seiner mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bausubstanz verlor. |
101448456 | ||
| Hofanlage | Kirchstraße 1 (Karte) |
Bestehend aus: gestelztes Wohnstallhaus mit Satteldach, asymmetrische Fensterstellung im Obergeschoss, vorkragender Giebel mit reich profiliertem Schwellbalken und Rähm, Brüstungsfelder mit durchkreuzten Rauten, geschnitzte Firstkonsole, 17. Jahrhundert; traufseitig anschließendes, um eine Achse aus der Flucht des Hauptbaues zurückweichender zweigeschossiger Wohnteil in konstruktivem Fachwerk; Fachwerkscheune, 18./19. Jahrhundert
Das stattliche Anwesen ist für die historische Hauslandschaft von Rutesheim charakteristisch und wichtiges Zeugnis des dörflichen Hausbestandes des 17. Jahrhunderts. Als Wohnstallhaus belegt der Hauptbau einen in der Region verbreiteten bäuerlichen Haustypus, der Wohnnutzung und Viehhaltung unter einem Dach vereint. Zusammen mit der im hinteren Teil der Parzelle quer stehenden Scheune ist er ein anschaulich überliefertes Zeugnis bäuerlichen Wohnens und Wirtschaftens. |
101440042 | ||
| Wohnhaus | Schulstraße 8 (Karte) |
Gestelztes Einhaus mit Satteldach, massives, verputztes Erdgeschoss, südlicher Wohnteil mit vorkragendem Fachwerkobergeschoss, nördlich anschließend größerer Scheunenteil mit Gewölbekeller, 1476/77 (d)
Das ehemalige Bauerhaus entspricht dem Typ des Einhauses mit einem Wohnteil, der wahrscheinlich ursprünglich einen Stall im Erdgeschoss einschloss, sowie einen größeren Scheunenteil mit Gewölbekeller. Die Konstruktion des Fachwerks weist auf eine Erbauung in der der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts hin - was durch die dendrochronologische Datierung auf die Jahre 1476/77 bestätigt wurde. Bemerkenswert ist das steile Dach, dessen Holzwerk über dem Wohnteil rauchgeschwärzt ist, was darauf hinweist, dass das Haus ursprünglich - wie für mittelalterliche Häuser üblich - keinen Kamin hatte. Das Einhaus stellt das mit Abstand älteste Haus Rutesheims und das einzige mittelalterliche Haus dar, das den großen Brand 1837 überdauert hat und hat damit herausragenden Zeugniswert für die Ortsbaugeschichte. |
101455706 | ||
| Einhaus | Schulstraße 27 (Karte) |
Langgestreckter Bau mit Krüppelwalmdach, Wohnteil traufseitig durch ein Vollgeschoss mit Krüppelwalm erweitert, Erdgeschoss aus rotem Backstein, Obergeschoss Sichtfachwerk mit geschosshohen Andreaskreuzen, nördlich anschließend Stall- und Scheunenteil mit massivem, Erdgeschoss bzw. Sockel und zwei großen Scheunentore, frühes 20. Jahrhundert
Der stattliche, ortsbildprägende Bau entspricht dem in der Region verbreiteten Typus des Einhauses. Er zeigt einen charakteristischen dreizonigen Grundriss mit der Gefachfolge Wohnteil, Stall und Tenne. Das Bauernhaus ist ein anschaulich überliefertes Beispiel dieses ländlichen Bautyps, der Wohnen und Wirtschaften unter einem Dach vereint. Dieser traditionelle Bauernhaustypus belegt durch seine Gestaltung aber auch architektonische Vorstellungen aus der Zeit kurz nach 1900. So wird die Geschlossenheit des Baukörpers bewusst zugunsten einer formalen Vielfalt und durch die Verwendung unterschiedlicher Materialien aufgelöst. Andererseits verbindet die Farbgestaltung die gänzlich unterschiedlichen Materialstrukturen von Erd- und Obergeschoss wieder zu einer Einheit. Damit ist das Gebäude ein Vertreter der in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts weit verbreiteten Heimatkunstbewegung, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, Neubauten jeweils auf ihre Umgebung und auf die regionalen Bautraditionen harmonisch abzustimmen. |
101455853 |
Einzelnachweise
Kulturdenkmale der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg. Geoportal Baden-Württemberg, abgerufen am 10. September 2025.