Parlamentswahl in Bulgarien 2026

Wahl zur bulgarischen Nationalversammlung From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Parlamentswahl in Bulgarien 2026 war eine auf den 19. April 2026 vorgezogene Wahl zur Nationalversammlung (Narodno Sabranie). Sie folgte auf den Rücktritt der Regierung unter Ministerpräsident Rossen Scheljaskow im Dezember 2025 und das anschließende Scheitern dreier Regierungsbildungsversuche im Januar 2026.[2][3] Es handelte sich um die achte Parlamentswahl innerhalb von fünf Jahren.[4]

← 2024 (Okt.)Parlamentswahl in Bulgarien 2026
Wahlbeteiligung: 50,2 %
 %
50
40
30
20
10
0
44,6
13,4
12,6
7,1
4,3
3,2
3,1
3,0
2,9
1,6
4,2
PPDB
METsch
Sijanie
APSj
Sonst.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu Oktober 2024
 %p
 45
 40
 35
 30
 25
 20
 15
 10
   5
   0
  −5
−10
−15
+44,6
−13,0
−1,6
−4,4
−9,1
−1,4
−0,9
−4,6
+2,9
−5,9
−6,6
PPDB
METsch
Sijanie
APS
Sonst.
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
b in Koalition mit SDS
d DPS-Flügel um Deljan Peewski
j DPS-Flügel um Ahmed Dogan
Sitzverteilung[1]
131
21
37
39
12
131 21 37 39 12 
Insgesamt 240 Sitze
Gebäude der Nationalversammlung

Stärkste Kraft wurde das linksnationalistische Bündnis Progressives Bulgarien des Ex-Präsidenten Rumen Radew.[5]

Ausgangslage und politische Krise

Bulgarien befindet sich seit den Massenprotesten gegen Korruption im Jahr 2020 in einer chronischen Phase politischer Instabilität. Ein fragmentiertes Parteiensystem sowie tiefe Gräben zwischen den etablierten Kräften GERB, DPS und den pro-europäischen Reformkräften PP-DB verhinderten über Jahre hinweg die Bildung stabiler parlamentarischer Mehrheiten.[6]

Sturz der Regierung Scheljaskow

Der unmittelbare Auslöser der Neuwahlen war der Rücktritt des Kabinetts von Rossen Scheljaskow am 11. Dezember 2025. Vorausgegangen waren wochenlange landesweite Proteste gegen den Haushaltsentwurf für 2026. Geplante Erhöhungen der Sozialversicherungsbeiträge und Steuern zur Deckung von Haushaltsdefiziten stießen auf massiven Widerstand. Zudem warfen die Demonstranten der Regierung vor, eine mangelnde Abkehr von oligarchischen Strukturen vorzunehmen, die insbesondere mit den Parteiführern Bojko Borissow (GERB) und Deljan Peewski (DPS) assoziiert wurden.[7]

Scheitern der Regierungsbildung

Nach dem Rücktritt erteilte Präsident Rumen Radew gemäß der Verfassung drei Mandate zur Regierungsbildung:

  • Das erste Mandat an die stärkste Kraft (GERB) wurde zurückgegeben.
  • Das zweite Mandat (PP-DB) scheiterte an mangelnder Unterstützung durch andere Fraktionen.
  • Am 16. Januar 2026 lehnte die Allianz für Rechte und Freiheiten (APS) das dritte und letzte Mandat ab.

Infolgedessen kündigte Präsident Radew am 16. Januar 2026 die Einsetzung einer Übergangsregierung und die Ausschreibung von Neuwahlen an.[8] Radew selber verkündete am 19. Januar in einer Rede an die Nation, dass er am folgenden Tag seinen Rücktritt als Präsident vor dem Verfassungsgericht einreichen werde. Daraufhin wurde Ilijana Jotowa Präsidentin. Es wurde damit gerechnet, dass er mit einer eigenen Partei oder Bewegung an den Wahlen teilnehmen werde.[9][10]

Am 19. Februar 2026 wurde mit der Regierung Gjurow eine Übergangsregierung ernannt.

Vorwürfe des Stimmenkaufs

In einer von der soziologischen Agentur Mjara im Vorfeld der Wahl durchgeführten Umfrage gaben 5,6 % der Befragten an, dass sie einverstanden wären, gegen Bezahlung oder anderweitige äußere Motivation wählen zu gehen. Weitere 7,4 % der 1002 Befragten antworteten mit „Weiß ich nicht/Keine Angabe“. 87 % sprachen sich dagegen aus.[11]

Verglichen mit der letzten Wahl 2024 stieg die Anzahl der Anzeigen wegen Stimmenkaufs von 418[12] auf ca. 2100 (Stand 17. April 2026), insgesamt wurden vom Innenministerium 1 Million Euro an Bargeld bei diversen Aktionen der Polizei gegen Bestechung konfisziert. Über 370 Personen wurden dabei festgenommen.[13] Bestechungsversuche erfolgten dabei oft auch im öffentlichen Raum. Beispiel dafür ist unter anderem der Fall eines inzwischen festgenommenem Bürgermeisters eines Dorfes, der Gelder an einen Ladeninhaber überwies, der wiederum Kunden durch kostenlose Produkte zum Wählen einer bestimmten Partei bewegen sollte.[14] Zudem beteiligten sich auch Wahlkandidaten an Stimmenkäufen: in den meisten Fällen wurden dabei Namenslisten, Identifikationsnummern und Geldbündel gefunden. Insgesamt 50[13] Kandidaten seien in weiteren Fällen ermittelt worden; durch die Immunität der Personen konnten sie nicht von der Polizei verhaftet werden.[15] Ministerpräsident Andrej Gjurow warnte die Menschen im Land vor Stimmkauf mit gefälschten Eurobanknoten.[16]

Der Innenminister Emil Detschew gab gegenüber der Deutschen Welle an, dass er nach Schließen der Wahllokale bekanntgeben werde, für welche Parteien wie viele Stimmen versucht wurden zu kaufen.[17]

Organisation

Wahlsystem/-recht

Stimmberechtigt sind alle volljährigen bulgarischen Staatsbürger im In- und Ausland, wobei die Volljährigkeit mit der Vollendung des 18. Lebensjahres erreicht wird.

Die 240 Abgeordneten der Nationalversammlung werden in einer Verhältniswahl gewählt. Dafür ist Bulgarien in 31 Mehrpersonenwahlkreise mit einer Größe von 4 bis 16 Sitzen eingeteilt, die großteils den 28 Oblasten des Landes entsprechen. Ausnahmen sind die Hauptstadt Sofia, die in drei Wahlbezirke aufgeteilt ist, und die Stadt Plowdiw, die einen eigenen Wahlkreis bildet.

Für den Einzug in die Nationalversammlung muss eine Partei die Vier-Prozent-Hürde überspringen (Sperrklausel), wobei die Sitze nach dem Hare/Niemeyer-Verfahren vergeben werden.[18]

Stimmabgabe

Die Stimmabgabe ist ausschließlich im Wahllokal möglich; eine Briefwahl gibt es nicht. Es war die sechste Wahl seit der Einführung der Stimmabgabe mittels Wahlmaschinen, wobei die analoge Möglichkeit per Wahlzettel bestehen bleibt (so sind auch nicht überall Wahlmaschinen vorhanden). 9300 Wahlkabinen sollten mit Wahlgeräten ausgestattet sein.[19]

Eine neue (umstrittene) Regelung verbot das Eröffnen von mehr als 20 Wahllokalen in Ländern außerhalb der EU, was hauptsächlich zur Reduzierung ihrer Anzahl in der Türkei (2024: 166), Großbritannien (2024: 118) und den Vereinigten Staaten (2024: 55) führte.[20]

Teilnehmende Parteien

Es nahmen neben diversen Kleinstparteien die Parteien zur Wahl des Parlaments im Oktober 2024 teil, zudem trat der ehemalige Präsident Radew mit seinem linksnationalistischen Parteienbündnis Progressives Bulgarien an.[5]

Weitere Informationen Abk., Partei ...
Parteien im bulgarischen Parlament nach der Parlamentswahl Oktober 2024
Abk. Partei Politische Ausrichtung Parteivorsitz Ergebnis Okt. 2024 Vor der Wahl
Stimmen (%) Sitze
GERB Bürger für eine europäische Entwicklung Bulgariens Konservatismus

Wirtschaftsliberalismus

Bojko Borissow 26,4 %
66/240
66/240
PP-DB Wir setzen den Wandel fort

Demokratisches Bulgarien

Liberalismus

Anti-Korruption

Assen Wassilew
Boschidar Boschanow
14,2 %
36/240
36/240
W Wiedergeburt Nationalismus

Rechtsextremismus

Kostadin Kostadinow 13,4 %
33/240
33/240
DPS Bewegung für Rechte und Freiheiten Liberalismus Deljan Peewski

Dschewdet Tschakarow

11,5 %
29/240
29/240
BSP Bulgarische Sozialistische Partei Sozialdemokratie

Linkspopulismus

Krum Sarkow 7,6 %
19/240
19/240
APS Allianz für Rechte und Freiheiten Liberalismus Hayri Sadakov 7,5 %
19/240
15/240
ITN Es gibt ein solches Volk Konservatismus

Anti-Korruption

Slawi Trifonow 6,8 %
17/240
16/240
METsch Moral, Edinstwo, Tschest Nationalismus

Rechtspopulismus

Radostin Wassilew 4,6 %
11/240
11/240
Welitschie Rechtspopulismus

pro-russisch

Albena Pekowa 4,0 %
10/240
10/240
Parteilos
0/240
5/240
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Umfragen

Umfragen 2026

Weitere Informationen Institut, Datum ...
Institut Datum Befragte PB GERB SDS PP DB W DPS a BSP APS b ITN METsch Wel. Sonst.
Trend[21] 16.04.2026 1004 33,2 % 19,1 % 11,2 % 7,1 % 10,2 % 4,0 % 1,6 % 2,1 % 3,7 % 1,7 % 3,1 %
Gallup[22] 16.04.2026 803 31,6 % 21,0 % 10,7 % 6,8 % 10,5 % 4,0 % 1,0 % 3,0 % 2,8 % 2,0 % 6,6 %
Alpha Research[23] 15.04.2026 1003 34,2 % 19,5 % 11,6 % 5,8 % 9,4 % 4,0 % 1,3 % 1,7 % 2,8 % 2,9 % 6,8 %
MarketLinks[24] 14.04.2026 1003 38,0 % 19,8 % 13,1 % 5,6 % 7,5 % 3,0 %  % 3,1 % 3,4 % 6,5 %
CAM[25] 14.04.2026 1011 32,1 % 19,4 % 12,0 % 7,0 % 11,2 % 4,2 % 0,9 % 0,9 % 2,8 % 2,0 % 3,2 %
Mjara[26] 13.04.2026 1002 34,6 % 18,5 % 11,4 % 7,4 % 9,1 % 4,0 % 1,9 % 1,4 % 3,5 % 2,2 % 6,0 %
Sova Harris[27] 06.04.2026 800 33,6 % 19,0 % 11,2 % 7,8 % 9,7 % 4,5 % 2,3 % 3,1 % 2,0 % 9,9 %
Gallup[28] 30.03.2026 820 28,4 % 23,4 % 10,9 % 6,5 % 10,7 % 3,0 % 0,9 % 2,9 % 2,8 % 1,9 % 8,6 %
Alpha Research[29] 26.03.2026 1000 30,8 % 21,2 % 11,1 % 6,9 % 9,8 % 3,9 % 1,2 % 1,4 % 3,0 % 2,7 % 8,0 %
MarketLinks[30] 15.03.2026 1006 27,4 % 24,2 % 15,6 % 6,4 % 9,4 % 3,9 % 1,7 % 0,3 % 3,6 % 3,5 % 4,0 %
Sova Harris[31] 12.03.2026 1000 30,9 % 19,3 % 12,2 % 6,7 % 7,1 % 4,4 % 1,8 % 2,2 % 3,8 % 2,5 % 9,1 %
Alpha Research[32] 02.03.2026 1000 32,6 % 19,7 % 12,6 % 6,4 % 9,6 % 3,6 % 1,6 % 1,2 % 3,5 % 1,8 % 7,4 %
Gallup[33] 28.02.2026 800 29,8 % 19,6 % 11 % 6 % 10,9 % 2,9 % 1 % 2,8 % 3,3 % 2,3 % 4,8 %
CAM[34] 24.02.2026 1010 33,7 % 18,9 % 13,2 % 8,1 % 10,3 % 3,6 % 0,5 % 2 % 3,5 % 1,2 % 5,8 %
Ankündigung 19.02.2026 Die Regierung Gjurow wird vereidigt.
Trend[35] 15.02.2026 0812 32,7 % 20,4 % 10,9 % 7,8 % 10,5 % 3,8 % 1,7 % 2,5 % 3,6 % 1,6 % 4,5 %
Mjara[36] 15.02.2026 0812 33,3 % 18,9 % 12,7 % 6,8 % 10,7 % 3,7 % 1,9 % 2,1 % 3,9 % 2,3 % 3,7 %
MarketLinks[37] 13.02.2026 1019 25,6 % 15,4 % 12,5 % 4,5 % 10,5 % 2,3 % 0,4 % 1,5 % 2,5 % 1,7 % 3,1 %
Ankündigung 23.01.2026 Der Rücktritt von Präsident Radew wird vom Verfassungsgericht angenommen.[38]
Ankündigung 19.01.2026 Präsident Rumen Radew verkündet seinen Rücktritt.[39]
Wahl Oktober 2024 27.10.2024 2,434,761 26,4 % 14,2 % 13,4 % 11,5 % 7,6 % 7,5 % 6,8 % 4,6 % 4,0 % 4,1 %
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Umfragen 2025

Weitere Informationen Institut, Datum ...
Institut Datum Befragte GERB SDS PP DB W DPS a BSP APS b ITN METsch Wel. Sonst.
MarketLinks[40] 29.12.2025 1008 24,1 % 18,9 % 12,4 % 12,2 % 7,3 % 4,3 % 3,2 % 7,1 % 3,6 % 6,7 %
Alpha Research[41] 12.12.2025 1009 24,7 % 20,5 % 13,4 % 10,8 % 5,7 % 1,9 % 4,4 % 4,8 % 2,4 % 11,4 %
Ankündigung 11.12.2025 Die Regierung Scheljaskow tritt zurück.[42]
MarketLinks[43] 07.12.2025 1009 24,1 % 20,9 % 13,2 % 12,9 % 6,7 % 1,7 % 3,1 % 7,5 % 3,7 % 6,2 %
Gallup[44] 12.10.2025 904 28,3 % 14,4 % 13,8 % 18,1 % 7,9 % 1,2 % 6,0 % 5,9 % 4,4 % 3,2 %
Trend[45] 20.09.2025 1004 28,4 % 14,3 % 14,9 % 14,5 % 7,7 % 2,7 % 6,1 % 7,0 % 4,4 % 6,9 %
Mjara[46] 12.09.2025 802 28,7 % 14,8 % 14,6 % 14,5 % 7,1 % 2,8 % 5,7 % 7,0 % 4,8 % 6,2 %
Gallup[47] 23.07.2025 800 27,5 % 13,5 % 14,1 % 18,6 % 8,4 % 1,5 % 5,6 % 6,5 % 4,4 % 6,1 %
Wahl Oktober 2024 27.10.2024 2,434,761 26,4 % 14,2 % 13,4 % 11,5 % 7,6 % 7,5 % 6,8 % 4,6 % 4,0 % 4,1 %
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a 
DPS-Flügel um Deljan Peewski
b 
DPS-Flügel um Ahmed Dogan

Ergebnis

Sitzverteilung nach Wahlkreisen

Progressives Bulgarien gewann die Wahl eindeutig und erreichte die absolute Mehrheit, was seit 1997 keiner anderen Partei mehr gelang.[48] Progressives Bulgarien zog dabei Stimmen von allen anderen Parteien ab und mobilisierte auch eine bedeutende Anzahl an Nichtwählern, von denen zwei Drittel PB wählten. Laut Alpha Research wanderte um die Hälfte der Wähler von BSP und Wiedergeburt zu PB, zudem unterstützten 22 % der bei den letzten Wahlen GERB-Wählenden nun PB, bei PP-DB sieht die Situation mit 23 % ähnlich aus. Auch bei der DPS wechselten 17 % der Wähler zu PB. Gleichzeitig zeigt dies eine Schwierigkeit auf, denn unterschiedliche Erwartungen müssten nun von einer Alleinregierung bedacht werden.[49]
Bis auf die Oblast Kardschali, in welcher die DPS ihre Position noch behaupten konnte, gewann PB in allen anderen Wahlkreisen und führte auch in Sofia. Für GERB war es das schwächste Ergebnis der Parteigeschichte; die BSP konnte ihren Niedergang nicht aufhalten und flog nach Jahrzehnten aus dem Parlament hinaus.

Weitere Informationen Listen, Stimmen ...
ListenStimmen%Mandate+/-
Progressives Bulgarien1.444.92044,6131neu
GERB-SDS433.75513,439–27
PP-DB408.84612,637+1
DPS230.6937,121–8
Wiedergeburt137.9404,312–21
METsch104.5063,2–11
Welitschie100.5723,1–10
BSP – Vereinigte Linke97.7533,0–19
Sijanie93.5592,9neu
APS50.7591,6–19
ITN23.8610,7–17
Antikorruptionsblock18.9990,6
SB18.6400,6
Bulgarien kann17.2630,5
Direkte Demokratie10.0320,3neu
Nation9.8040,3neu
Bewegung parteiloser Kandidaten9.7610,3neu
Sonstige28.4930,9
Gesamt3.240.156100240
Gegen alle50.7331,5
Ungültige Stimmen69.2222,1
Wählende3.360.11151,1
Wahlberechtigte6.575.151
Quelle: Zentrale Wahlkommission
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Nach der Wahl

Nachdem erste Exit Polls einen Sieg mit 38,7 % der Stimmen für PB prognostizierten und noch von einem Verbleib der BSP im Parlament ausgingen,[50] stieg der Stimmenanteil für PB im Verlauf der Auszählung und die Anzahl der erwarteten Mandate überschritt 121, sodass Fragen nach etwaigen Koalitionen verstummten. Für die notwendigen Änderungen im Justizsystem, bei denen eine Zweidrittelmehrheit notwendig ist, sprach Radew am Wahlabend die Hoffnung aus, dass dabei PP-DB mit ihm an einen Strang ziehen werden.[51] Weiterhin sagte er, dass ein starkes Bulgarien innerhalb eines starken Europas Pragmatismus bräuchte. Er lobte daneben das Innenministerium beim Kampf gegen den Stimmenkauf.[51]

Erst am Dienstag meldete sich Bojko Borissow und gab in einer Stellungnahme bekannt, dass GERB in der Opposition weiterarbeiten werde. Für den Verlust an Wählerstimmen machte er neben der früheren Zusammenarbeit mit PP-DB auch die „Freundschaft“ mit der DPS und Deljan Peewski aus. Er wolle keine Kompromisse und Koalitionen mehr eingehen.[52]

Nach wiederkehrenden Forderungen und einem Ultimatum seitens Iwan Demerdschiews[53] (PB, ehem. Innenminister in den Kabinetten Donew I und II) mit Frist bis Mittwoch abends,[54] reichte der Generalstaatsanwalt Sarafow noch am selben Tag (22.04.) mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt ein. Sarafow war seit drei Jahren im Amt,[55] spätestens seit der zweiten Jahreshälfte 2025 nach Auslaufen der vom Parlament eingeführten Begrenzung von sechs Monaten für die Position des ausführenden Generalstaatsanwalts illegal und illegitim, sodass verschiedene Justizorgane seine Unterschriften nicht annahmen, was faktisch zu einer Verfassungskrise führte (da bislang keine Mehrheit im Parlament für Änderungen bestand).[56]

Am Vorabend (29. April 2026) der ersten Sitzung des Parlaments gaben nach langen Gesprächen PP-DB bekannt, dass sie sich teilen und eigenständige Fraktionen bilden werden.[57]

Am 8. Mai 2026 wurde Rumen Radew zum Ministerpräsidenten gewählt und seine Regierung Radew trat ihr Amt an.[58]

Einzelnachweise

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