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Referendum über den Beitritt Tschechiens zur Europäischen Union 2003

Referendum über den geplanten Beitritt Tschechiens in die Europäische Union From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Referendum über den Beitritt Tschechiens zur Europäischen Union fand am 13. und 14. Juni 2003 statt. In dem obligatorischen Referendum hatten die Abstimmenden über den für den 1. Januar 2004 geplanten Beitritt der Tschechischen Republik zur Europäischen Union zu entscheiden.

Obligatorisches Referendum
über den Beitritt zur Europäischen Union
gültige Stimmen
75.6% (77.3%)
22.2% (22.7%)
2.2%
Ja
Nein
ungültig
Mehrheit der gültigen Stimmen
Quelle: Datenbank und Suchmaschine für direkte Demokratie: Tschechien, 14. Juni 2003 : Beitritt zur Europäischen Union

Bei der Abstimmung sprachen sich eine große Mehrheit von 77,3 % der gültigen Abstimmenden für den EU-Beitritt des Landes aus. Das Plebiszit war verbindlich und unterlag keinen Quorum.

Hintergrund

EU-Osterweiterung 2004:
Tschechien
andere Beitrittskandidatenländer
Europäische Union

Ab Ende 1997 nahm die Europäische Union Beitrittsverhandlungen mit sechs mittel- und osteuropäischen Staaten auf, die sogenannte „Luxemburg-Gruppe“, darunter auch die Tschechische Republik. Ende 1999 wurden mit weiteren sechs Staaten (die sogenannte „Helsinki-Gruppe“) aufgenommen. Die Verhandlungen wurden schließlich Ende 2002 mit zehn der zwölf Staaten erfolgreich abgeschlossen und die fünfte Erweiterung der Europäischen Union beschlossen. Von den zehn Beitragskandidaten entschlossen sich neun, den Beitritt, und die damit notwendigerweise einhergehenden Souveränitätsabgaben, von ihrem Stimmvolk in einem Referendum beschließen zu lassen, darunter auch die Tschechische Republik.

Der Weg zum Referendum

Die Tschechische Republik kennt seit dem 1. Januar 1993 in ihrer Verfassung die Möglichkeit Referenden abzuhalten. Allerdings ist weder in der Verfassung noch in einem eigenen Gesetz niedergelegt, wann und unter welchen Umständen diese abzuhalten sind.[1] Mit Blick auf den damals bevorstehenden Beitritt des Landes zur EU, beschloss das tschechische Parlament im Jahr 2002 eine Verfassungsänderung, bei der ein Referendum nach einem entsprechenden Beitrittsbeschluss zwingend abzuhalten ist. Den Termin für die Abstimmung legt nach dieser Regelung der Präsident fest, das Verfassungsgericht prüft die Rechtmäßigkeit des Verfahrens.

Fast alle politischen Parteien Tschechiens befürworteten den EU-Beitritt des Landes. Die konservative Občanská demokratická strana („Demokratische Bürgerpartei“) sprach sich zwar offiziell für den Beitritt aus, nahm jedoch nicht aktiv an der Abstimmungskampagne teil. Mit Václav Klaus war am 28. Februar 2003 kurz vor dem Referendum noch ein bekennender Euroskeptiker zum Präsidenten Tschechiens gewählt worden. Die gegen den Beitritt eingestellte Komunistická strana Čech a Moravy („Kommunistische Partei Böhmens und Mährens“) zeigte sich in der Beitrittsfrage zwiegespalten und zerstritten. Die Sdružení pro republiku – Republikánská strana Československa („Republikanische Partei“, SPR-RSČ) am rechten Spektrum lehnte den EU-Beitritt ebenfalls ab.[2]

Ergebnisse

Das obligatorische Referendum über den Beitritt Tschechiens zur Europäischen Union wurde am 13. und 14. Juni 2003 (Freitag und Samstag) abgehalten. Von den etwas weniger als 8,3 Millionen Stimmberechtigten nahmen 4.557.960 (= 55,2 %) am Referendum teil. Das Ergebnis der Abstimmung war verbindlich, es galt kein Quorum und die einfache Mehrheit der gültigen Stimmen entschied. Die Abstimmungsfrage lautete:

„Souhlasíte s tím, aby se Česká republika stala podle smlouvy o přistoupení České republiky k Evropské unii členským státem Evropské unie?“

„Sind Sie damit einverstanden, dass die Tschechische Republik gemäß dem Vertrag über den Beitritt der Tschechischen Republik zur Europäischen Union Mitgliedstaat der Europäischen Union wird?“

Database and Search Engine for Direct Democracy: Tschechien, 14. Juni 2003 : Beitritt zur Europäischen Union.

Von den abgegebenen gültigen Stimmen sprach sich eine sehr große Mehrheit von 3.446.758 (= 77,3 %) für den EU-Beitritt aus, nur 1.010.448 (= 22,7 %) lehnten diesen ab. Der Anteil ungültiger Stimmen lag bei leicht erhöhten 2,2 %.

Weitere Informationen Gebiet, Stimm­berechtigte (a) ...
Endergebnis des Referendums über den Beitritt Tschechiens zur Europäischen Union vom 13./14. Juni 2003[3]
Gebiet Stimm­berechtigte
(a)
Abstimmende gültige
Stimmen (b)
ungültige
Stimmen
Ja Nein
Anzahl Anzahl Anteil
(an a)
Anzahl Anteil
(an a)
Anzahl Anteil
(an a)
Anzahl Anteil
(an b)
Anzahl Anteil
(an b)
Tschechien Tschechien 8.259.525 4.557.960 55,18 % 4.457.206 97,79 % 100.754 2,21 % 3.446.758 77,33 % 1.010.448 22,67 %
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Ergebnisse nach Bezirken

Die folgende Tabelle zeigt die Ergebnisse nach den einzelnen Bezirken Tschechiens. In allen Bezirken wurde der EU-Beitritt mit mindestens einer Dreiviertelmehrheit der gültigen Stimmen befürwortet.

Weitere Informationen Bezirk (Kraj), Ja (Prozent) ...
Ergebnisse nach einzelnen Bezirken[4]
Bezirk (Kraj) Ja
(Prozent)
Nein
(Prozent)
Stimmbeteiligung
(Prozent)
Ungültige Stimmen
(Prozent)
Prag80,1619,8457,751,17
Mittelböhmische Region75,3824,6257,701,25
Südböhmische Region76,1723,8355,621,06
Pilsener Region76,9023,1055,991,13
Karlsbader Region76,5423,4651,151,12
Aussiger Region75,6524,3550,001,15
Reichenberger Region73,8226,1856,421,25
Königgrätzer Region76,2023,8059,371,32
Pardubitzer Region76,0923,9157,691,28
Region Hochland75,9924,0157,251,15
Südmährische Region78,3121,6955,571,21
Olmützer Region77,0322,9754,441,28
Region Zlin80,4719,5356,241,41
Mährisch-Schlesische Region79,0820,9249,541,27
Tschechische Republik insgesamt77,3322,6755,181,22
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Folgen

Insgesamt handelte es sich um das siebte Referendum, das in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union über die Frage des Beitritts eines Landes abgehalten wurde und eines von insgesamt neun Referenden vor der EU-Erweiterung 2004. Eine Woche zuvor hatten die Wähler Polens dem Beitritt ihres Landes zur Europäischen Union in einem ähnlichen Referendum zugestimmt.

Die Tschechische Republik wurde damit zum 1. Mai 2004 Mitglied der Europäischen Union.

Literatur

Einzelnachweise

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